Leopold Museum: Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer

April 1, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine hochkarätige Retrospektive des Ausnahmekünstlers

Oskar Kokoschka: „Anschluss“ – Alice in Wunderland, 1942 © Leihgabe der Wiener Städtische Versicherung AG – Vienna Insurance Group, Dauerleihgabe im Leopold Museum, Wien. Bild: Wiener Städtische Versicherung AG – Vienna Insurance Group/Fotostudio Otto © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht, Wien, 2018

Ab 6. April zeigt das Leopold Museum die Ausstellung „Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer“. Kokoschka zählt zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er überwand den vorherrschenden Jugendstil seiner Zeit und wurde zu einem zentralen Wegbereiter des Expressionismus.

Ab 1908 trat er als Maler, Grafiker, Poet und Dramatiker in Erscheinung und provozierte die Kunstwelt als Enfant terrible und radikaler Erneuerer. Auch später, im von zwei Weltkriegen erschütterten Europa, wo realistische Kunst in Verruf geraten war, setzte sich Kokoschka

unerschrocken für die Anerkennung der figurativen Kunst ein und wurde so zum Vorbild für nachfolgende Künstlergenerationen. Die politischen Wirren des letzten Jahrhunderts machten aus ihm einen Migranten mit Stationen in Wien, Dresden, Prag, London, bis er sich schließlich 1953 im Schweizer Villeneuve niederließ. Die etwa 250 Exponate umfassende Retrospektive trägt sämtlichen Schaffensphasen Kokoschkas mit hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen Rechnung und präsentiert den vielseitigen Künstler mit Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken sowie seiner Arbeit für Kunstzeitschriften wie „Der Sturm“ oder für das Theater. Anhand von politischen Allegorien, agitatorischen Plakaten und historischen Dokumenten wird Kokoschka als großer, durchaus ambivalenter „Homo politicus“ beleuchtet. Vom nationalsozialistischen Regime als „entarteter Künstler“ diffamiert, setzte er sich sein Leben lang für Humanismus und Pazifismus ein.

Oskar Kokoschka: Doppelbildnis Oskar Kokoschka und Alma Mahler, 1912/13 © Museum Folkwang, Essen. Bild: Museum Folkwang Essen/Artothek, © Fondation Oskar Kokoschka/ Bildrecht, Wien, 2018

Oskar Kokoschka: Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19, Leopold Museum, Wien, Inv. 623 © Leopold Museum, Wien / Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2013

www.leopoldmuseum.org

1. 4. 2019

Museum der Moderne Salzburg: Oskar Kokoschka

November 8, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zeugnisse einer zerrissenen Zeit

Oskar Kokoschka: Pietà, 1909. Plakat für die Internationale Kunstschau Wien. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Hubert Auer

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert ab 10. November nach vielen Jahren wieder die druckgrafischen Arbeiten von Oskar Kokoschka, die einen zentralen Teil der hauseigenen Sammlung ausmachen, und zeigt sie erstmals in ihrem zeithistorischen Zusammenhang. Im Œuvre des österreichischen Expressionisten nehmen die Druckgrafiken einen wichtigen Stellenwert ein. Bereits während seines Kunststudiums im Wien der Jahrhundertwende entstanden erste Exemplare, die im Lauf der Jahre, insbesondere in der Spätphase seines künstlerischen Schaffens, zu einem beachtlichen Bestand anwachsen sollten.

Mit „Oskar Kokoschka. Das druckgrafische Werk im Kontext seiner Zeit“ wird nun erstmals eine umfangreiche Ausstellung ganz Kokoschkas Lithografien und Radierungen gewidmet. Ausgehend von seinem umstrittenen Frühwerk spannt die Ausstellung in acht Kapiteln mit etwa 210 Blättern einen Bogen über die Porträts aus der Dresdner Zeit bis hin zu seinem Spätwerk, das ihn als Bewunderer der griechischen Kunst und Kultur ausweist, und verortet die einzelnen Werkgruppen – die vollständig gezeigt werden – in ihrem historischen Zusammenhang.

Das Zeitgeschehen, mit dem sich Kokoschka in einzelnen Werkphasen kritisch auseinandergesetzt hat, bildet dabei wichtige Referenzpunkte. „Wir erforschen in dieser Ausstellung die künstlerische und persönliche Entwicklung Kokoschkas, der ein Zeitzeuge des zwanzigsten Jahrhunderts war. In Auflehnung gegen die Ästhetik des im Wien der Jahrhundertwende dominierenden Jugendstils entwickelte er eine expressive Bildsprache, in der sich die Unsicherheit und Zerrissenheit dieser Zeit widerspiegelt“, erklärt Barbara Herzog, Kuratorin der Ausstellung.

Auftakt sind Kokoschkas Arbeiten für die Wiener Werkstätte, die während seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule entstanden sind. Parallel dazu betätigte er sich auch als Schriftsteller und schrieb das Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, dessen Uraufführung 1909 zu einem Skandal führte. Die männliche Verunsicherung angesichts der weiblichen Emanzipationsbestrebungen im Wien der Jahrhundertwende spiegelt sich auch in zahlreichen Arbeiten wider, in denen er seine konfliktreiche Beziehung zu Alma Mahler künstlerisch verarbeitet. Nach der Trennung von Alma meldete Kokoschka sich freiwillig zum Kriegsdienst. Aufgrund seiner Erlebnisse und Verwundungen wurde der Künstler zum Pazifisten.

Oskar Kokoschka: Christus hilft den hungernden Kindern, 1945. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Rainer Iglar

Oskar Kokoschka: Kouros I, 1968, publ. 1970. Plakat für die Olympischen Spiele 1972 in München. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Rainer Iglar

Vor den Nationalsozialisten, die sein Werk als „entartet“ diffamierten, musste Kokoschka nach England fliehen. Nach Kriegsende kehrte er nicht mehr nach Österreich zurück, sondern ließ sich in der Schweiz nieder. Mit lithografischen Zyklen zu Themen aus der klassischen Mythologie huldigte Kokoschka in seinem Spätwerk dem antiken Erbe, dessen Bedeutung er nicht nur in ästhetischen, sondern auch in ethischen Kategorien maß. Seine Bedeutung für Salzburg liegt vor allem in seiner langjährigen Tätigkeit als Presse Gründer und Leiter der „Schule des Sehens“, die er gemeinsam mit Friedrich Welz 1953 ins Leben rief.

www.museumdermoderne.at

8. 11. 2018

Leopold Museum: Wien um 1900. Klimt – Moser – Gerstl – Kokoschka

Januar 15, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die große Schau zum Themenjahr „Wiener Moderne“

Gustav Klimt, Tod und Leben, 1910/11, umgearbeitet 1915/16 © Leopold Museum, Wien, Bild: Leopold Museum, Wien

Das Leopold Museum beherbergt die größte und bedeutendste Sammlung an Werken von Egon Schiele und eine gleichermaßen einzigartige Kollektion an Meisterwerken der Kunst Wiens um 1900. Anlässlich des Themenjahres zur Wiener Moderne präsentiert das Museum ab 18. Jänner ausgewählte Werke der Hauptvertreter des Wiener Jugendstils Gustav Klimt und Koloman Moser sowie der wegweisenden Expressionisten Richard Gerstl und Oskar Kokoschka in einer völlig neuen Zusammenstellung. Hauptwerke Gustav Klimts wie „Tod und Leben“ (1911/15) oder die 1900 entstandene „Seelandschaft Am Attersee“ sind ebenso zu sehen wie Kolo Mosers Gemälde, so etwa die „Venus in der Grotte“ (1914).

Auch herausragende Beispiele des Designs um 1900 wie Möbel, Kunsthandwerk, Plakate und Entwürfe aus der Hand des „Tausendkünstlers“ und Mitbegründers der Wiener Werkstätte werden präsentiert. Die radikalen Werke des Protoexpressionisten Richard Gerstl sind erstmals nach den erfolgreichen Ausstellungen in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt und der Neuen Galerie New York wieder im Leopold Museum zu sehen, das die umfangreichste Gerstl-Sammlung besitzt. Gezeigt werden unter anderem die beiden großformatigen Selbstbildnisse, Ikonen der Wiener Moderne. Oskar Kokoschka, Enfant terrible der Wiener Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts, wird mit herausragenden Gemälden ebenfalls im Fokus dieser Ausstellung stehen, allen voran sein richtungsweisendes Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt von 1918/19, das ebenso Ausdruck von Zweifel und Selbstbefragung des Künstlers ist als auch Symbol für den Aufbruch der österreichischen Kunst in eine neue Zeit.

www.leopoldmuseum.org

15. 1. 2018

Oskar Kokoschka, Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19 © Leopold Museum, Wien, Bild: Leopold Museum, Wien © Fondation Oskar Kokoschka © Bildrecht, Wien, 2017

Koloman Moser, Venus in der Grotte, um 1914 © Leopold Museum, Wien, Bild: Leopold Museum, Wien

Belvedere: Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

Oktober 20, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

The Good, The Bad and The Ugly der Aktmalerei

Egon Schiele, Die rote Hostie, 1911 Bild: © Privatsammlung, Courtesy Galerie St. Etienne, New York

Egon Schiele, Die rote Hostie, 1911
Bild: © Privatsammlung, Courtesy Galerie St. Etienne, New York

Sie waren gleichsam The Good, The Bad and The Ugly ihrer Kunstzeit: „Masturbationsmaler“ Gustav Klimt; der wegen Oszonität und Verstößen gegen die Sittlichkeit sogar inhaftiert gewesene Egon Schiele, der im Gegensatz zu Klimt, der zu seinen Geliebten emotional immer auf Distanz blieb, selbst wenn sie die Mütter seiner Kinder waren, sein Verhältnis zu seinem Model Wally Neuzil öffentlich machte; und „Oberwildling“ und Alma-Mahler-Geschädigter Oskar Kokoschka. Nicht selten wurden sie als Pornographen beschimpft, ja sie taten einander mitunter sogar gegenseitig als solche ab. Kokoschka, der in Liebesdingen meist die Flucht ergriff, war frustriert ob des sprichwörtlich erfolgreichen „Treibens“ seines Idols Gustav Klimt, neidvoll und verächtlich äußerte er sich über seinen künstlerischen Rivalen Schiele, weil der „immer lauter Mädeln um sich gehabt“ habe.

Klimt, Schiele und Kokoschka zählen zu den wichtigsten erotischen Malern der Wiener Moderne. Das Belvedere widmet ihnen und ihrem Verhältnis zu den Frauen ab 22. Oktober eine Ausstellung: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen und eine gedankliche Neuorientierung die traditionellen Geschlechterrollen infrage. Die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Lust nach sexueller Befreiung waren Gebot der Stunde.

Das intellektuelle Wien des Fin de Siècle war von der weiblichen Sexualität geradezu besessen, auch Freud, Schnitzler, Weininger forschten. Klimt, Schiele und Kokoschka näherten sich dieser „Frauenfrage“ auf  jeweils eigene Weise; das relativ freimütige Bekenntnis früher Feministinnen zu ihrem Körper versetzte die Künstler in Aufruhr, etwas Neues war am entstehen, verstanden die selbsternannten Frauenversteher, und erfüllte ihre Werke mit einer Mischung aus Grauen und Begeisterung. Das ewig Weibliche zog sie hinan, die „Femme fatale“ schreckte sie, selbst wenn von eigener Hand auf die Leinwand geworfen. „Mit einer verliebten Frau kann man alles tun, was sie will“, kommentierte Klimt diese Emanzipation scherzhaft, und doch befreite er die Frau in der Kunst als erster von ihrer Scham. Schiele entfesselte die Kraft einer beinah bedrohlichen, wilden Weiblichkeit, die sich der männlich-rationalen Kontrolle entzog, Kokoschka agierte distanzierter, doch mit nicht weniger Wucht.

Die Schau gliedert sich in vier Hauptthemen: Porträt, Liebes-Paar, Mutter mit Kind und Akt. „Das Thema ,Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen‘ wirft ein Licht auf beide Seiten der Wiener Gesellschaft, auch die jenseits der Salonkultur des Großbürgertums. Immer mehr bürgerliche Frauen und vor allem die Frauen des Industrieproletariats opponierten und  organisierten sich in der Frauenbewegung. Ihnen lag nicht nur daran, die männlich dominierte Erziehung, die rein repräsentative Tätigkeit als Ehefrau und die sinnentleerten Konventionen zu überdenken, sie forderten ganz konkret ihre Rechte ein und insistierten auf einer Umwertung und Neuordnung der Geschlechterrollen“, so Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco. Klimts kostbare, elegante und in leuchtenden Farben ausgeführte Porträts des „Rätsel Frau“ fanden bei den Damen der Wiener Gesellschaft großen Anklang. Doch die individuelle Persönlichkeit der Dargestellten ließ der Künstler beinahe vollkommen hinter die reich ornamentierten Oberflächen zurücktreten. Schiele und Kokoschka kehrten diese dekorative Formel um, indem sie ihre Modelle in eine bildnerische Leere stießen. Damit erzwangen sie eine Konfrontation mit existenziellen Ängsten, die hinter Klimts Horror Vacui verborgen geblieben war. Der damals herrschenden Auffassung zum Trotz, dass Frauen keine Seele hätten, prägten Schiele und Kokoschka damit im Akt eine neue, moderne, psychologisch durchdrungene Porträtmalerei.

Aus den Werken Klimts, Schieles und Kokoschkas geht hervor, dass alle drei am Glauben an die romantische Liebe festhielten: an eine Verbindung von Seelenverwandten, die durch erotische Leidenschaft besiegelt wird. Doch während Klimt in seinen Liebespaardarstellungen, oft sind er selbst und seine Lebensmenschin Emilie Flöge die Porträtierten, den Inhalt auf eine allegorische Ebene hob, ließen die beiden Expressionisten persönliche Erfahrungen in ihr Schaffen  einfließen. Tatsächlich sind Evokationen glücklos verlaufender Beziehungen bei Schiele und Kokoschka oft emotional überzeugender als ihre Darstellungen idealisierter, glücklicher Liebender. Da Mann und Frau als Gegensatz verstanden wurden, kann keine reibungslose Vereinigung der beiden stattfinden. Und apropos, Tabubruch: das Private der Herren blieb oft sehr konventionell konservativ. So muss es Egon Schiele die Seele zerschrammt haben, als seine Ehefrau Edith Harms den endgültigen Bruch mit Wally Neuzil forderte, den er schweren Herzens endlich vollzog, nachdem beide Frauen ein Dreiecksverhältnis abgelehnt hatten. „Ich bin froh, dies alles und noch mehr zu erleben, denn gerade diese Erlebnisse, die traurig sind, klären den schaffenden Menschen“, sagt Schiele dennoch.

Das Motiv der Mutter mit dem Kind, eines der ältesten Bildthemen der westlichen religiösen Kunst, wurde im Geiste der Sexualpolitik des Fin de Siècle einer Wandlung unterzogen. In der allgemeinen Vorstellung kategorisierte man Frauen als „Madonnen“, keusch und mütterlich, oder „Huren“, heißt: sexuell unersättliche Räuberinnen. Klimt und Schiele unterwanderten diese Dichotomie, indem sie Akte von Schwangeren und nackte Mütter zeigten. Damit stellten sie eine ausdrückliche Verbindung zwischen Mutterschaft und weiblicher Sexualität her. Kokoschka hingegen schien der Auffassung gewesen zu sein, dass die Mutterschaft eine Frau von sexueller Promiskuität „heilen“ könne. Er war besessen von dem Wunsch, mit seiner Geliebten Alma Mahler ein Kind zu zeugen, und stellte sie in seiner Kunst wiederholt allegorisch als Jungfrau Maria dar. Alma trieb gegen Kokoschkas Willen ab, er zog als Freiwilliger in den Krieg. Erst mit Olda Palkovská kam Hitlers späterer „Kunstfeind Nr. 1“, der „Entartetste unter den Entarteten“, zur Ruhe.

Klimts Akte wiederum sind von verführerischer Schönheit, und in vielen seiner eindeutig erotischen Zeichnungen sind sie von einer Passivität, die an Bewusstlosigkeit grenzt. Im Vergleich dazu sind die Aktdarstellungen Schieles und Kokoschkas schroffer. Kantige Linien untergraben einladende weibliche Kurven, markante Bildausschnitte und ungleichmäßige Farbigkeit generieren eine Aura des Unbehagens. Anders als beim klassischen Akt scheint diesen Frauen häufig bewusst zu sein, dass sie beobachtet werden. Zuweilen wirken sie davon sogar unangenehm berührt … Die Ausstellung untersucht diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten tiefgreifend. Im Zuge dessen werden neue Einblicke in die Beziehungen zwischen den Geschlechtern im frühen 20. Jahrhundert sowie die Ursprünge der modernen sexuellen Identität erarbeitet.

www.belvedere.at

Wien, 20. 10 2015

Oskar Kokoschka im Leopold Museum

Oktober 2, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Ich im Brennpunkt

Emil Korner: Oskar Kokoschka vor dem Gemälde »Anschluss -Alice in Wonderland«, 1942/43 Bild: © Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2013

Emil Korner: Oskar Kokoschka vor dem Gemälde »Anschluss -Alice in Wonderland«, 1942/43
Bild: © Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2013

Ab 4. Oktober zeigt das Wiener Leopold Museum eine Ausstellung über Oskar Kokoschka. Mit »Kokoschka. Das Ich im Brennpunkt« widmet das Leopold Museum einem der bedeutendsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts eine Ausstellung die erstmals Fotografien aus Kokoschkas Leben prominent in den Mittelpunkt rückt. Oskar Kokoschka (1886-1980) zählt zweifellos zu den wichtigen Protagonisten der Moderne. Sein Oeuvre als Maler und Grafiker, aber auch als Dramatiker, Essayist und Bühnenbildner ist enorm und hat einen festen Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte. Bisher kaum bekannt war die Tatsache, dass Kokoschkas Leben und Schaffen auch durch eine Vielzahl von Fotos dokumentiert ist. Allein im Nachlass des Künstlers haben sich etwa 5.000 Fotos erhalten, die sich heute in der Universität für angewandte Kunst Wien befinden und nunmehr erstmals in einer wissenschaftlich kommentierten Auswahl publiziert werden. Fotografische Aufnahmen aus Kokoschkas Arbeitsumfeld und Privatleben vermitteln ein reiches, intensives Künstler­leben und sind zugleich ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Aus der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Bestandes entstand die Idee zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt von Leopold Museum und Oskar Kokoschka-Zentrum der Universität für angewandte Kunst. Vielseitig, oft provokant und kontroversiell war nicht nur der Künstler, sondern auch der Mensch Kokoschka. Galt er in jungen Jahren als Enfant terrible, wurde er während der nationalsozialistischen Ära nicht nur seiner Kunst wegen als prominenter »entarteter« Künstler diffamiert, sondern auch aufgrund seiner offenen Gegnerschaft zum Regime. Seine allgegenwärtige Leidenschaft für alle Kunst- und Lebensbereiche faszinierte viele Zeitgenossen, darunter bedeutende Literaten, Komponisten, Bühnenstars, Wissenschaftler, Politiker und Lebenskünstler.

In der Ausstellung werden einzigartige Fotos und ganze fotografische Serien den Werken des Künstlers unmittelbar gegenübergestellt.
So sind etwa einige der berühmten Porträts Kokoschkas zu sehen deren Entstehungsprozess an Hand der fotografischen Dokumentation der Porträtsitzungen im Detail nachvollziehbar wird. Die Aufnahmen, zum Teil von namhaften Fotografen und Fotografinnen, zum Teil anonyme Schnappschüsse, werden Kokoschkas Gemälden und Grafiken zur Seite gestellt. Das Lebenswerk eines der großen internationalen Maler des 20. Jahrhunderts tritt somit in einen spannenden Dialog zur Fotografie, dem Medium, das wie kaum ein anderes das visuelle Gedächtnis dieses Jahrhunderts geprägt hat. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

www.leopoldmuseum.org

Wien, 2. 10. 2013