Werk X: Die Arbeitersaga (Folge 1 & 2)

Dezember 13, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Drama der Sozialdemokratie als Seniorengroteske

Kämpferische Politaktivistin trifft auf sangesfreudige Gewerkschaftsjugend: Michaela Bilgeri und der Arbeitersaga-Chor. Bild: © Alexander Gotter

Die Sätze, wie sie zum Teil fallen, könnten treffender nicht sein. Ins Herz treffender, denn trotz aller Hetz, die man hat, drängt doch im Hinterkopf der Grant darüber, wie groß sie einmal war, und wie klein sie gehandelt wurde und geredet wird – die „Bewegung“. Dieser sich anzunehmen, der Sozialdemokratie nämlich, hat sich das Werk X anlässlich des Hundert-Jahr-Jubiläums des Roten Wien auf die Fahnen geschrieben. In Tagen, in denen nicht wenige Türkis-Grün als Fake der ersteren und

deren ruckzuck Zappen auf Blau prophezeien, sobald der Strache-Weg bereitet ist, scheint eine Zeitgeschichtsstunde durchaus sinnvoll. Und so nimmt man sich in Meidling, alldieweil die SPÖ trotz Ärztin als Parteichefin auf der ideologischen Intensivstation liegt, Peter Turrinis und Rudi Pallas „Die Arbeitersaga“ vor. Die ORF-Serie der späten Achtzigerjahre als theatrales Mammutprojekt, der Vierteiler auf zwei Abende aufgeteilt, von denen Folge 1 & 2 gestern Premiere hatten. Das sind, fürs Fernsehen führte weiland Dieter Berner Regie, „Das Plakat“ und „Die Verlockung“, ein Streifzug auf roten Spuren von 1945 in die 1960er, dessen Episode eins Helmut Köpping und Episode zwei Kurt Palm in Szene gesetzt haben. Ästhetisch beide Male vollkommen anders gedacht, bleiben doch gemeinsame Eckpunkte.

Die nicht nur Karl und später dessen Sohn Rudi Blaha sind, sondern auch die stete Verzweiflung der „Revolutionären Sozialisten“, sie nach den Februarkämpfen von 1934 tatsächlich und als illegale Gruppe gebildet, mit den bedingungslos kompromissbereiten „Parteireformern“. Die‘s wenig bekümmerte, sich mit Gerade-erst-Gestrigen gemein zu machen – siehe eine Stadt, in der von den Karls zwar der Lueger, nicht aber der Renner vom Ring geräumt wurde. Und so verwandelt sich die Frage des Volks von „Wann hat das alles angefangen, schief zu gehen?“ zu einem „Wer hat uns verraten? Szldmkrtn!“ Das Sozialdrama wird zur skurrilen Groteske, weil wie Marx schrieb, sich alles Weltbedeutende einmal als Tragödie, einmal als Farce ereignet, weshalb Palm die Köppinger’sche Fassung zur schmierenkomödiantischen Farce dreht – im Sinne von: ein Trauerspiel ist der Zustand der SPÖ ohnedies in jedem Fall.

Susi Stach als Trude, Peter Pertusini, Julia Schranz, Johnny Mhanna und Thomas Kolle. Bild: © Alexander Gotter

Karl Blaha ist aus dem Krieg zurück: Johnny Mhanna, Peter Pertusini und Thomas Kolle. Bild: © Alexander Gotter

Karl mit Olga: Julia Schranz, Peter Pertusini, Susi Stach, Johnny Mhanna und Thomas Kolle. Bild: © Alexander Gotter

Thomas Kolle als Projektion, vorne: Julia Schranz, Susi Stach, Peter Pertusini und Johnny Mhanna. Bild: © Alexander Gotter

Wie sich die Bilder gleichen, wird dem Publikum mal mittels TV-Ausschnitten vom Maiaufmarsch, mal mit Quizfotos höchst amüsant vor Augen geführt, die Kanzlerparade Vranitzky, Klima, Gusenbauer, Faymann, Kern, und daneben immer: es-kann-nur-einen-geben Michael Häupl. Die Saga beginnt im April 1945, Olga Blaha ist hochschwanger, ihr Mann Karl nach wie vor, da illegaler Sozialist, mit einer Strafkolonne verschollen. Julia Schranz spielt Olga, Peter Pertusini Karl. Susi Stach ist Trude Fiala, die ebenfalls auf die Rückkehr ihres Mannes hofft, während ihr Johnny Mhanna als politisch uninteressierter Albin Roemer den Hof macht, und weil Thomas Kolle in die Rolle von Olgas im Krieg einbeinig geschossenen Bruder Kurt Swoboda schlüpft, ist klar, dass das Ganze sehr körperlich ist.

Die Schauspieler nähern sich der Bewegung über die Bewegung, das Bühnenbild von Daniel Sommergruber gilt es für sie erst zusammenzubasteln, und von Sakkos bis Sporthosen ist rot, rot, rot ihre liebste Farbe. Köpping zeigt das Politische im Privaten wie umgekehrt, die vor kurzem noch Widerstandskämpferin Trude Susi Stachs rechtet mit Kolles Kurt, dem gesinnungsmäßig geweglichen Parteifunktionär, Kolle, der im behänden Tanzschritt „harte Standpunkte“ auflösen will. Zu Recht fühlt sich die Basis gefoppt, „Koalitionen mit rechts werden immer rechts“, sagt Trude. In der Geräuschkulisse von Maschinengewehrsalven läuft Karl ohne vom Fleck zu kommen, aber am Ende doch nach Hause. Mit ihm hat der Flügel der Revolutionären Sozialisten eine Stimme mehr gegen die Sozialdemokraten. „Es sind ja noch gar nicht alle da, viele von uns sind noch im Exil oder im KZ, die müssen wir zurückholen“, sagt die Schranz wieder und wieder.

Ohne gehört zu werden. Zu Karls Fronttrauma kommt Trudes Sicht auf den Tod als Trost, Zukunftsangst wird mit Euphorie übertüncht, Filmszenen werden mit dem Bühnengeschehen überschnitten, etwa, wenn Schranz und Pertusini die Zigarettenreichung von Annette Uhlen an Helmut Berger mitgestalten, da wird die intime Filmsequenz zur kunstreichen Geste. Schön auch, wie das Anfragen bei den Sowjets um Plakatpapier in einer babylonischen Sprachverwirrung gipfelt, Johnny Mhanna, der sich zwischen den Alliiertensprachen Russisch, Englisch, Französisch verrennt – und kein Ausweg nirgendwo. So wird’s nichts mit dem Sozialismus, merkt man bald. Köpping hat den Konflikt der revolutionären und der reformistischen Kräfte in den Mittelpunkt seiner Handlung gerückt, mit heutigen Kommentaren kontrastiert, und um Specials wie eine Live-Kamera aufgepeppt.

Marx‘ Werke wiegen schwer: Michaela Bilgeri, Martina Spitzer und der Arbeitersaga-Chor. Bild: © Alexander Gotter

Mandi und Rudi Blaha studieren die „Bravo“: Florentin Groll und Karl Ferdinand Kratzl. Bild: © Alexander Gotter

Endlich bei Brigitte Bardot: Erika Deutinger, Martina Spitzer, Karl Ferdinand Kratzl und Michaela Bilgeri. Bild: © Alexander Gotter

Tanzen statt debattieren: Bilgeri, Kratzl, Spitzer, Deutinger, Groll und der Arbeitersaga-Chor. Bild: © Alexander Gotter

Sie projiziert die Streitereien überlebensgroß auf die Hinterwand, der „gesunde Opportunist“ Kurt wird als Paktierer mit dem Klassenfeind aus dem Freundeskreis vertrieben, Trude und Albin finden einander beim „Wiener-Blut“-Walzer, und zum Schluss, wenn fertig gewerktätigt ist, werden die überdimensionalen 1.-Mai-Lettern aufgestellt und „Aufmarsch“ nachgeahmt. In alten Wochenschau-Aufnahmen marschiert Schärf samt Gefolge vor Menschenmassen, der Achtstundentag wurde von links eingeführt, von rechts ohne Gegenwehr abgeschafft, und Kurt Palm lässt seine Protagonisten nun polemisieren, die rote Zukunft sei eine tote Zukunft.

Der „Monster“-Autor (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34263) macht die jugendlichen Parteirevolutionäre zum Pensionistenverband, die Senioren im Clinch mit der Gewerkschaftsjugend, die im Klub die selben Räume belegt. Michaela Mandel hat zu den krachbunten Kostümen das Setting mit scheußlicher Siebziger-Jahre-Retrotapete ausgestattet, vom Wort Votivkirche an der Wand blieb nur das CHE, die roten Hoffnungsträger schlurfen mit Rollator oder Rollstuhl übers politische Parkett, und zwar zwecks Erhaltung von dessen Glattheit ausschließlich in „Filzdackerln“. Palm hat mit seiner Krückengroteske dies Biotop auf den Punkt genau getroffen: So geht Sektion! Was Palm vorführt, ist weniger Verballhornung der Wirklichkeit als etliche im Saal glauben, und kongenial sind Karl Ferdinand Kratzl und Florentin Groll als Rudi Blaha und Haberer Mandi.

Deren Liebesgeschichte, denn selbstverständlich gibt’s auch eine, sich um Brigitte Bardot dreht, deren Schwanken zwischen Konsum und Klassenkampf die Regie allerdings gestrichen hat – die Alten schwanken wohl so schon genug. Ein Kabinettstück ist es, wie Groll und Kratzl sich mit Hilfe eines Sexratgebers und der Bravo für die Bardot in Stellung bringen wollen, ein Bodenturnen zu dessen Wie-kommen-wir-wieder-hoch? man sich zu spät Gedanken macht. Die Figur des Fritz Anders hat Palm mit dessen neu erfundener Tochter Jenny überschrieben, Michaela Bilgeri als Phrasen dreschende Filmemacherin, die verbal zwischen „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und „Das sagt man nicht mehr“ changiert, die ergraute Partie darüber verwundert, dass man den „Neger“ Franz nicht mehr, weil böses N-Wort, bei seinem Nachnamen nennen darf.

Das 1.-Mai-Bühnenbild ist zusammengebastelt und steht: Johnny Mhanna, Susi Stach, Thomas Kolle, Peter Pertusini und Julia Schranz. Bild: © Alexander Gotter

„Das wird ja immer absurder“, sagt irgendwann irgendwer, da haben sich die Zuschauer schon schiefgelacht, das Beharren auf politischer Korrektheit wird als Pose entlarvt und zur Posse gemacht, dazu singt der Arbeitersaga-Chor ein gegendertes „Wir sind die ArbeiterInnen von Wien“ oder „Von nun an gings bergab“ oder säuselt „Je t’aime“. Immerhin rollt keine Geringere als Erika Deutinger als Brigitte Bardot durchs Szenario, die „Gitti“, geoutet als Front-National-

Sympathisantin und Islam-Hasserin, die hier Stofftiere füttert und ihren Ennui mit Champagner vertreiben will. Die Deutinger im Glitzerkleidchen ist vom Feinsten, und so auch Martina Spitzer als „Bienenkönigin“ Heddi Prießnitz. Die in ihrem Zitate-Quiz Aussagen von SPÖ-Kanzlern, Vranitzky, Klima, Gusenbauer, Faymann, Kern, als Unwahrheiten enttarnt, bis es nicht mehr verwundert, dass sich der Gemeindebau in FPÖ- und Nichtwähler gespalten hat. Der stolze Proletarier ist nur noch stumpfer Prolet, und während sich unheilige Allianzen bilden, ist jeder vierte Österreicher für einen starken Führer. Zustände sind im Land, die diese Doppelaufführung, diesen Mix aus Überprüfung und Persiflage, Defätismus und Zweckoptimismus dringend notwendig machen.

„Die Arbeitersaga (Folge 1 & 2)“ ist ein Workout für Lachmuskeln und Gehirnzellen. Gut so. Am 16. Jänner haben Folge 3 & 4 Premiere, Regie führen dann Martina Gredler und Bernd Liepold-Mosser.

werk-x.at

  1. 12. 2019

Hotel Rock’n’Roll

August 24, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein All-Inclusive-Trip in den wilden Wahnsinn

Die Hotelband und die Konkurrenz: Georg Friedrich, Pia Hierzegger, Detlev Buck, Gerald Votava und Michael Ostrowski. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Die Hotelband und die Konkurrenz: Georg Friedrich, Pia Hierzegger, Detlev Buck, Gerald Votava und Michael Ostrowski. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Man weiß in Wahrheit gar nicht wo anfangen. Bei den gewagten Rollstuhlstunts. Oder beim neongrünen Neptundrummer oder überhaupt beim Augenkrebsambiente. Beim mutmaßlichen Chartstürmer-Song „Futschikato Masalani“- wobei hier abzuwarten bleibt, ob die Metal- oder die Reggae-Version Platz eins erobern wird. Wurscht. Weil im pulpfiction-filmigen Vorspann verleihen sich die Macher eh schon selber das Prädikat wertvoll. Schonungslos. Amazing; bzw. fuckin‘ awesome, wie der Steirer sagt.

Ein solcher, nämlich Michael Ostrowski, verantwortet den All-Inclusive-Trip in den wilden Wahnsinn, der sich „Hotel Rock’n’Roll“ nennt und am 26. August in den heimischen Kinos anläuft, als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller. Der Film ist die Steigerungsform von „Nacktschnecken“ und „Contact High“, heißt: der Abschluss von Michael Glawoggers „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie. Als Glawogger 2014 bei Dreharbeiten in Liberia überraschend verstarb, war fürs Team klar, dass das bis dato bereits weit gediehene Projekt zu einem guten Ende zu bringen ist.

Was über weiteste Strecken auch perfekt gelang, samt einer Art Happy End, das es nun endlich für alle Figuren gibt. Ostrowski und Co-Regisseur Helmut Köpping haben Glawoggers filmische Handschrift mit großem Engagement zur eigenen erneuert, und auch wenn dessen surrealistische Sensoren die Untiefen der Handlung an der einen oder anderen Furt vielleicht tiefer ausgelotet hätten, bleibt genug Dada, um zweifelsfrei festzustellen: „Hotel Rock’n’Roll“ ist völlig gaga. Nach Softporno-Paraphrase und Rauschroadmovie ist man nun beim gepflegten Hotelfilm angelangt. Eine Reverenz an ein Nachkriegsgenre, das Größen wie Jerry Lewis oder hierzulande mit einem Hauch Heimat Peter Alexander bestens bedient haben.

Mit einem Wort die Chaosclique rund um Mao, Max und den unvermeidlichen Schorschi wird sesshaft. Dieses aber ausgerechnet in der Provinz, weil Mao irgendwo im Nirgendwo einen abgefahren abgefuckten Schuppen erbt, samt Schulden, wie sich später herausstellen wird. Also will man G‘schertindien keinesfalls seinen Bewohnern über-, sondern dort den richtigen Spirit einziehen lassen. Die Hotelband übt zwecks Tilgung der Rückstande fürs Benefiz, man hat zwar nur einen Song, diesen aber in xen Varianten, da kracht der Schorschi mit seiner Corvette in den Schwimmteich, im Kofferraum die geklaute Kohle von einem Banküberfall.

Die Guten finden das geraubte Geld im Teich: Gerald Votava, Michael Ostrowski. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Die Guten finden das geraubte Geld im Teich: Gerald Votava und Michael Ostrowski. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Doch die Bösen wollen's natürlich zurück: Deltev Buck, Georg Friedrich. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Doch die Bösen wollen’s natürlich zurück: Deltev Buck und Georg Friedrich. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Was folgt, ist wohl klar, samt Harry, der vergisst, dass er eigentlich honoriger Betreiber des Alpengasthofs Alzheimer, ergo die Konkurrenz der Hotel-Rock’n’Roller ist, und sich auf sein kriminelles Genie besinnt. Doch nicht nur, dass sich Komplize und Love Interest Schorschi, nach Beinbruch mit Gipsfuß auf einen Rollstuhl angewiesen, bei Mao und Max als Gärtner verdingt, hat er doch ein ausgewiesenes Händchen fürs Graserl, ist der ganzen Sache auch noch ein höchst aufdringlicher Inspektor auf der Spur …

Beim Finale Furioso sind natürlich alle dabei – und in darstellerischer Hochform: Michael Ostrowski als substanziell lässiger Max und Pia Hierzegger als hantige Mao, die sich sinnlos bemüht, irgendwelche Fäden zusammenzuhalten. Der großartige Georg Friedrich als Schorschi, der sich nicht nur als einwandfreier Stuntman erweist, sondern über sein selbstzerstörerisches Kleinkriminellentum auch die Weltsager hat –  einer der besten: „Illegalität ist immer Ausdruck der Auflehnung gegen die herrschenden Zustände“, Detlev Buck als ebenso skrupulöser wie skrupelloser Harry und selbstverständlich Hilde Dalik als Max‘ Angebetete.

Neu in der Band ist Gerald Votava als Jerry, Raimund Wallisch ist ja aus der Formation ausgestiegen, und Votava ist nicht nur als Mensch und Schauspieler, sein Jerry nicht nur punkto Verwirrt- und Verplantsein ein Gewinn, sondern vor allem auch als Gitarrero – quasi der Schnittling auf dieser supersympathischen Suppn. Johannes Zeiler gibt den ehrgeizig verbissenen Kiberer Walzer, Helmut Köpping himself den wamperten Bankdirektor, die sich gemeinsam auf die Jagd nach dem gestohlenen Geld machen.

Echte Rock'n'Roll-Outlaws haben Groupies: Jayney Klimek und Hilde Dalik. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Echte Rock’n’Roll-Outlaws haben Groupies: Jayney Klimek und Hilde Dalik. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Aber immer auch das Gesetz auf den Fersen: Johannes Zeiler. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

Aber immer auch das Gesetz auf den Fersen: Johannes Zeiler. Bild: © Toni Muhr / Dor Film

In kleineren Rollen machen sich Willi Resetarits als selbst im Sterben sinistrer Erbonkel, Sven Regener als satanischer Pfarrer, Hermann Scheidleder als „Alzheimer“-Gast und die steirische Urmutter Stefanie Werger einen Karl. Letztere betreibt, apropos Mutter, einen Escort Service, bei dem sich Jerry eine Dame bestellt, für die er schließlich die australische Singer/Songwriterin Jayney Klimek hält. Dies nur einer der unzähligen irren Handlungsstränge, die einem in den diversen Durcheinanders auf- und davonlaufen, um zum Schluss wieder zueinander zu finden.

Die Pointen sitzen ergo erst an Stellen, wo man’s gar nicht mehr erwartet hätte, und ihr Witz ist das ewige Missverstehen der Menschen. In diesem Sinne und vor allem in der Figur Schorschi ist „Hotel Rock’n’Roll“ fast ein extremphilosophisches Werk. Ein Unfug auf höchstem Niveau. Und jedenfalls nix für Non-Nihilisten. Oder wie Jerry beim Anblick des Erb-Guts sagt: „Des is weniger Stairway to Heaven als mehr Highway to Hell.“

Trailer: www.youtube.com/watch?v=4PhKKXmQTOM

Michael Ostrowski im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=21535

www.hotel-rocknroll.com

Wien, 24. 8. 2016