Burgtheater: Radetzkymarsch

Dezember 15, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Schwerelos über dem Abgrund schweben

Trotta und die Slamas beim Totentanz: Daniel Jesch, Philipp Hauß und Andrea Wenzl. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Nach gigantischen Gartenzwergen nun also riesige Luftballons. Sie sind Donnerstagabend am Burgtheater das Bestimmende. Gleiten, entgleiten, müssen ausgewichen, gejagt, gefangen, man von ihnen überrollt werden. Eine Choreografie des Augenblicks, denn einzuüben gibt es da wenig, die sich auf den Zuschauerraum überträgt. Wo die bunten Bälle neu angetippt über die Ränge schweben und seltsame Lichtspiele auf den Köpfen tanzen lassen.

Manch einer murmelt anfangs etwas von Irritation der Konzentration, doch einmal auf den Vorfall eingegroovt, lassen die Luftballons ein einzigartiges Fließen zwischen Bühne und Publikum zu, schaffen ein Einvernehmen über den folgenden Fast-Vier-Stunden-Abend: Johan Simons hat Joseph Roths „Radetzkymarsch“ inszeniert.

Und tatsächlich scheint es ihm mehr darum zu gehen, das Porträt einer Gesellschaft im Schwebezustand zu zeigen, eine Welt auszustellen, die wie schwerelos über dem Abgrund flackert, als die Roth’schen Charaktere psychologisierend durchzudeklinieren. Die nämlich bleiben Schemen und Schablonen, stehen mehr für Prinzipien denn für Eigenschaften. Die Schauspieler agieren entsprechend lapidar und prägnant, doch ohne die hierzuland so perfekt eingeübte hackenzusammenschlagende k.u.k.-Contenance, sobald entsprechende Autoren auf dem Spielzettel stehen.

Der Tonfall ist neu, Koen Tachelets Textbearbeitung ist sprachlich schlank, dennoch eine gültige Version, auch, wenn man freilich an der einen oder anderen Stelle die genialische Schönheit, die eingängige Melodie von Roths Formulierungen vermisst. Unterstützt wird das Ensemble von einer Gruppe Schauspielstudierender, die als Volk, Arbeiter, Diener, Kutscher, Soldaten, Erzählerchor … fungieren. Und alle sind immer auf der Bühne, sie sitzen im Wortsinn auf der langen Bank …

Chojnicki bereitet sein Fest vor: Steven Scharf, Philipp Hauß, Peter Rahmani und Ferdinand Nowitzky. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Der Arzt Skowronnek und der Bezirkshauptmann: Merlin Sandmeyer und Falk Rockstroh. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

1932 erschien Joseph Roths Opus Magnum, in dem er den Zerfall der Donaumonarchie am Beispiel der Familie Trotta darstellt. Drei Generationen werden gezeigt, der Großvater, als Retter des kaiserlichen Lebens zum Helden von Solferino geadelt, der Vater ein treuer Beamter, ein Bezirkshauptmann, der Sohn wieder Militär, doch bereits angekränkelt von den heraufdämmernden neuen Zeiten. Mehr dem Alkohol als dem Ethos der Pflichterfüllung verfallen, wird er sich am Ende im Ersten Weltkrieg doch ermannen – und fallen. Er ausgerechnet, als er für die Kameraden Wasser holen will.

Simons entblößt seine Spieler bis auf fast die nackte Haut. In vergilbter Unterwäsche stehen sie da, entkleidet damit symbolisch auch ihrer Würde oder eines möglichen Würdevoll-Seinwollen, dazu nur ein bezeichnendes Stück Kostüm, wie einen Uniformrock oder einen Zylinder, turnen sie sich durch die Luftballons, Andrea Wenzl einmal auch durch die Herren im Publikum. Der letzte anständig gekleidete ist der Bürokrat, Vater Bezirkshauptmann, der aufrechtstehend wie ein stur insistierender Kapitän sein k.u.k.-Schiff untergehen sieht, an Bord des Narrendampfers seinen Sohn, der sich durchs Leben wie über Wellen treiben lässt. Falk Rockstroh gestaltet ersteren ganz fabelhaft.

Philipp Hauß ist als Sohn Carl Joseph von Trotta gerade Elegiebürschchen genug, um noch erotischer Abenteurer zu sein. Er trägt den Abend in seiner gewohnten Großartigkeit, gibt einen überhitzten, neurotischen, die Schultern hängenlassenden Trotta, den nur der „Neunziggrädige“ abzukühlen vermag. Mit Hauß im Zentrum, wie er vom Zaudern ins fast Hysterische kippt, dabei das Roth’sche „Ich-hab‘-wollen-sagen“ beherrscht, nimmt die Aufführung alsbald Fahrt auf, schnelle Szenenwechsel, Schauspielertheater ohne viel Chichi. Dazwischen verströmen Simons und Tachelet den An-/Schein des Heraufdämmernden. Das rote Wien steht auf, genauso wie der Nationalismus immer stärker wird. Roth schrieb sein Werk nicht nur retrospektiv, sondern erschrocken weise vorausblickend.

Bilder prägen sich ein. Johann Adam Oest als ein Franz Joseph, der an seinem Alter (ver)zweifelt. In starken Momenten macht er klar, dass sich hier ein halber Kontinent in den Fängen eines greisen Kaisers windet, dann wieder stammelt er hilflos „An meine Völker!“, die Kriegserklärung im Nachthemd dargebracht. Hauß als Trotta, der sich mit Kapellmeister Slama, Daniel Jesch, und dessen Frau, seiner Geliebten, bei einem Totentanz umringt (denn sie stirbt bei der Geburt ihres/seines? Kindes). Schließlich Steven Scharf als Graf Chojnicki, beim großen Schlussfest fröhlich den Untergang herbeisehnend, herbeifeierend. Das Gespenst der Monarchie geht da um, und mit ihm die Geister seiner Untergebenen.

Bis auf weniger schlüpfen alle in mehrere Rollen. Andrea Wenzl verkörpert alle Frauenfiguren mehr oder weniger oversexed. Jesch gibt außer dem Kapellmeister auch noch diverse resche Militärs, den Zoglauer und den antisemitischen Tattenbach. Scharf ist außerdem als dessen Feindbild, Regimentsarzt Demant, exzellent, Merlin Sandmeyer als Diener Jacques und Onufrij und als Skowronnek.

Johann Adam Oest als Kaiser. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Der Krieg ist endlich ausgebrochen: Die Schauspielstudierenden sind in Aktion. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Fazit: Johan Simons „Radetzkymarsch“-Interpretation ist eine der anderen, der ungewohnten Art. Sie ist die neue Spielart von etwas altösterreichisch gut Bekanntem. Darauf muss man sich einlassen wollen. Dann kann man genießen. Einigen, natürlich, werden die Haare zu Berge stehen – und das wird nicht nur mit der von den Luftballons erzeugten Reibungselektrizität zu tun haben.

www.burgtheater.at

  1. 12. 2017

Schikaneder: Die ersten Szenen des neuen Musicals

September 16, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

VBW-Musicalintendant Christian Struppeck im Gespräch

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Koen Schoots, Bild: VBW/Herwig Prammer

Die Hauptdarsteller Milica Jovanovic und Mark Seibert mit dem musikalischen Leiter Koen Schoots. Bild: VBW/Herwig Prammer

Zum ersten Mal präsentierten die Vereinigten Bühnen Wien Freitagvormittag im Raimund Theater Szenenausschnitte aus ihrem neuen Musical „Schikaneder“. Am 30. September hat die von VBW-Musicalintendant Christian Struppeck erdachte und verfasste und von Stephen Schwartz komponierte Liebesgeschichte rund um die Entstehung der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ Weltpremiere.

„Wir wissen über Schikaneder, dass Zeitgenossen ihn einen Charismatiker nannten, seine Frau Eleonore wird als Schönheit mit silbriger Stimme beschrieben. Mal sehen, ob wir das getroffen haben“, scherzt Struppeck. Der Vorhang hebt sich, gibt den Blick frei auf die beiden Hauptdarsteller Mark Seibert und Milica Jovanović. Es ist das Jahr 1775, die erste Begegnung von Emanuel und Eleonore in Innsbruck, da ist er Star der Theatertruppe von Franz Moser, sie die Newcomerin – und es funkt. Die Anziehungskraft der Bühne, sie wirkt auch zwischen den beiden. Im Orchestergraben sitzt das 32-köpfige VBW-Orchester, der musikalische Leiter Koen Schoots hat am Cembalo Platz genommen. Von dort aus begleitet er auch die Rezitative. „Träum groß!“ geht los, der vorprogrammierte Hit der Produktion, ein Duett im schwungvollen Sound des großen, klassischen Musicals.

Charisma getroffen! Seibert und Jovanović sind ein ebenso charmantes wie schelmisches Paar. Seibert spielt einen Schikaneder, der von seinem Genie überzeugt, auch ein bissl selbstverliebt ist, einen liebenswerten Visionär mit großen Plänen und noch größeren Träumen. „Mach‘ dich von den Fesseln der Wirklichkeit los“, singt er. Die deutschsprachigen Texte stammen einmal mehr von Michael Kunze. Sie aber ist nicht weniger selbstbewusst, wird von Jovanović dargestellt als eine, die dem Schikaneder Paroli bieten kann und will. „Warum spiel‘ ich in diesem Stück nicht den Don Juan?“, wird sich der Theatermagier später fragen. A Powerpaar is born.

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble. Bild: VBW/Herwig Prammer

Szene im Ballettsaal mit Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble … Bild: VBW/Herwig Prammer

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble. Bild: VBW/Herwig Prammer

… in der Eleonore und Emanuel versuchen, ihre Liebe geheim zu halten. Bild: VBW/Herwig Prammer

Eine Einschätzung, die ganz im Sinne des Erfinders ist. „Emanuel Schikaneder war der größte Theatermacher im deutschsprachigen Raum, vielleicht sogar in Europa“, sagt Struppeck. „Er war der Sohn zweier Lakaien, und in der damaligen Zeit war es eigentlich unmöglich dorthin zu kommen, wo er hingelangt ist, an die Spitze der Wiener Bühnenlandschaft. Er war ein Magier der Bühne, er hatte Mut zum Experiment, er war als Sänger, Schauspieler, Dichter und Produzent ein Universaltalent, ein Vorgänger Johann Nestroys und Max Reinhardts und, indem er die Wichtigkeit des Schauwerts von Aufführungen erkannt hat, ein Vorreiter des modernen Musicals.“

Worte, die so etwas wie Seelenverwandtschaft vermuten lassen. Seit mehr als fünf Jahren arbeitet das Leading Team an der Produktion, inspiriert hat Struppeck eine Schikaneder-Büste, die er im Salzburger Landestheater gesehen hat. Historisch, sagt er, ist sein Buch „erstaunlich akkurat. Natürlich sind nicht alle Details bekannt, aber die Geschichte ist schon so passiert“. Die Geschichte des Musicals ist die der „Zauberflöte“ minus Mozart. Struppeck: „Schikaneder ist der Kopf dahinter, die ,Zauberflöte‘ ist seine Idee, er hat Mozart engagiert, er hat den Papageno der Uraufführung gespielt. Mit dem Gewinn, den er daraus erzielt hat, hat er das Theater an der Wien gekauft.“ Heute ein Haus der Vereinigten Bühnen.

Auch eine berühmt-berüchtigte Anekdote wird vorkommen, nämlich, „dass Schikaneder das Federkostüm schon für ein anderes Stück hatte, aber dann doch nicht verwenden konnte. Er wollte das teure Teil aber nicht verschwenden, indem er’s weggeworfen hätte – und so wurde aus Papageno ein Vogelhändler.“ Was Struppeck bezüglich Plot jedoch viel mehr interessierte als solcherart Histörchen, war, dass Schikaneder alle Unternehmungen gemeinsam mit Eleonore vornahm. „Sie haben die Stoffe gemeinsam entwickelt und umgesetzt, das ist unser Blickwinkel im Stück: Schikaneders Ehe mit dieser besonderen Frau, über die man bis dato so wenig wusste.“

Milica Jovanovic und Mark Seibert. Bild: VBW/Rolf Bock

Milica Jovanovic und Mark Seibert. Bild: VBW/Rolf Bock

Franziska Schuster, Armin, Kahl, Katie Hall, Florian Peters und Katja Reichert. Bild: VBW/Rolf Bock

Franziska Schuster, Armin, Kahl, Katie Hall, Florian Peters und Katja Reichert. Bild: VBW/Rolf Bock

Auf der Bühne sind die Darsteller bereit für die zweite Szene. In „Irgendwas passiert“ tratschen sich die Theaterkollegen im Ballettsaal den Mund über die Liebesaffäre zwischen Emanuel und Eleonore in Fransen. Ein Ausschnitt, der beweist, dass bei all den großen Gefühlen auch das Komödiantische nicht zu kurz kommen wird. So wie Hardy Rudolz, als Franz Moser mit überdimensionaler Perücke und Ballettmeisters Stock ausgestattet, da versucht seine Mimen bei und an der Stange zu halten, wird’s witzig. Auch bei den unzähligen Kostümen zeigt sich die Liebe zum Detail zweier Tony-Preisträger – Regisseur Sir Trevor Nunn und Ausstatter Anthony Ward. Weil die Kostüme optisch der Zeit angepasst sein sollten, wurden sie aus historischen Beständen gefertigt, Schmucksteine, Pailletten sind tatsächlich aus anno dazumal, die Knöpfe wurden aus alten Bordüren oder Spitzenbesätzen gepresst.

Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seiber und Sir Trevor Nunn. Bild: VBW/Rolf Bock

Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seiber und Sir Trevor Nunn. Bild: VBW/Rolf Bock

Struppeck freut sich, dass es immer wieder möglich ist, die Superstars unter den Musicalmachern nach Wien zu holen. Obwohl: „Das internationale Team ist eine logistische Herausforderung, man muss gut vorbereiten, wo man wann mit wem arbeitet. Denn ein Musical kann man nicht am Schreibtisch entwickeln, das muss man immer wieder ansehen und anhören.“ Sein Gemütszustand nun, so knapp vor der Uraufführung?

Er lacht. „Sagen wir: Die nächsten 14 Tage werden turbulent, das macht aber auch sehr viel Spaß.“ Turbulent wird es mittlerweile auch auf der Bühne. Finale des 1. Akts. Schikaneder und Eleonore sind zu Seitenspringern geworden. Sie geht mit Johann Friedl nach Wien, er bekennt sich öffentlich zu seinem Pantscherl mit Maria Anna Miller, das Ensemble glaubt sich ob dieser Trennung erledigt. Mit Seibert und Jovanović treten in dieser Szene auch Florian Peters und Katie Hall als Solisten auf. Und, ja, da denkt man sie zu hören: Zauberflöten-Zitate! Zumindest sind’s deutliche „dramatische“ Opernklänge, die Stephen Schwartz da aufs Notenblatt gebannt hat. Hunderte echte Kerzen sorgen für ein stimmiges Lichtdesign. Das lässt sich über „Schikaneder“ jetzt schon sagen: Es wird bestimmt bombastisch. Der erste Eindruck ist jedenfalls hinreißend.

Was Komponist Stephen Schwartz über „Schikaneder“ sagt: www.mottingers-meinung.at/?p=19731

www.musicalvienna.at

Wien, 16. 9. 2016

Schikaneder: Ab 30. September im Raimund Theater

Mai 10, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Vereinigten Bühnen präsentierten ihr neues Musical

Erste musikalisce Kostprobe: Milica Jovanovic und Mark Seibert singen als Eleonore und Emanuel Schikaneder "Träum groß!". Bild: VBW

Erste musikalische Kostprobe: Milica Jovanovic und Mark Seibert singen als Eleonore und Emanuel Schikaneder „Träum‘ groß!“. Bild: VBW

Als schließlich zum ersten Mal vor Publikum der vorprogrammierte Hit „Träum‘ groß!“ intoniert wurde, klang es schon so, als würde Wolfgang Amadé ums Eck grinsen. Was nicht zuletzt daran lag, dass Dirigent Koen Schoots sein 31-köpfiges Orchester „mozartisch“, das heißt: „in der Fast-Original-Zauberflöten-Besetzung“, aufgestellt hat. Mark Seibert und Milica Jovanovic sangen das Liebesduett von Eleonore und Emanuel Schikaneder.

Denn darum geht’s im Wesentlichen, die turbulente Liebesgeschichte des genialen Wiener Theatermachers und seiner Frau. Das alles rund um die Schöpfung der „Zauberflöte“, deren Librettist und Ur-Papageno der Schauspieler, Sänger und Regisseur war. Und, nein, Mozart kommt diesmal nicht vor. Wie das geht, kann man ab 30. September, also genau 225 Jahre nach der Erstaufführung der Freimaureroper, erleben, wenn die Vereinigten Bühnen „Schikaneder“ als insgesamt dreizehnte Musical-Uraufführung des Unternehmens auf die Bühne des Raimund Theater heben.

Intendant Christian Struppeck, als Autor auch für das Buch verantwortlich, stellte die Produktion Dienstag Vormittag gemeinsam mit seinem „Schreibpartner“, dem Komponisten und Liedtexter Stephen Schwartz vor. Der Oscar-, Grammy- und Golden-Globe-Preisträger ist ein Showman. Und so war ein Klavier flugs zur Stelle, auf dem der New Yorker Musiker für die Presse und einige handverlesene Musicalfans ein Best-of seiner Melodien zum besten gab. Dazu erklärt er in Kurzfassung die Handlung: Man lernt sich kennen, „We are only young once“, doch er kann seine Angewohnheit, sich für andere Frauen zu interessieren, nicht ablegen, es gibt einfach „Too many fish in the sea“. Sie lernt erst „To look the other way“, doch nach Trennung und Beinah-Pleite steht das Geschäftliche wieder im Vordergrund, es heißt „Striktly business“ und man macht sich an die Arbeit zu einer der berühmtesten Opern der Welt.

„It’s all true and really funny“, sagt Schwartz über seine Story. Und, dass er es erst aufregend, gefährlich und erschreckend fand, dass in seiner Musik Zitate von Mozart zu hören sein sollten. Nun, die Übung scheint aufs erste Hinhören gelungen. So zwischen volkslied’schem „Klinget, Glöckchen, klinget“, Walzeranklängen und very Wienerischem L’amour-Hatscher. Michael Kunze schreibt die deutschsprachige Fassung, David Cullen hat die Orchestierung übernommen.

Intendant Christian Struppeck stellte mit Komponist und Liedtexter Stephen Schwartz die Produktion vor. Bild: VBW

Intendant Christian Struppeck stellte mit Komponist und Liedtexter Stephen Schwartz die Produktion vor. Bild: VBW

Reinwald Kranner, Katie Hall, Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seibert, Koen Schoots, David Cullen und Florian Peters. Bild: VBW

Reinwald Kranner, Katie Hall, Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seibert, Koen Schoots, David Cullen und Florian Peters. Bild: VBW

Mark Seibert und Milica Jovanovic. Bild: Rafaela Pröll/VBW

Die Schikaneders in ersten Kostümen: Mark Seibert und Milica Jovanovic. Bild: Rafaela Pröll/VBW

Seit vier Jahren schon beschäftigt sich Struppeck intensiv mit dem Projekt. Er sei fasziniert, sagt er, von diesem waghalsigen Unternehmer, mit seinem Sinn fürs Spektakuläre und seinen Antennen für den Publikumsgeschmack. Und, mal ehrlich, was könnte schöner an ein VBW-Haus passen, als eine Hommage an den Gründer der Raimund-Theater-„Schwesterbühne“, des Theaters an der Wien. Dies sei in dieser Stadt tatsächlich längst überfällig.

Auch Darsteller Mark Seibert schwärmt von seinem Charakter: „Schikaneder war definitiv ein Visionär, der das Theater neu erfinden wollte. Privat allerdings war er ein Hallodri, der es immer geschafft hat, mit einem Augenzwinkern davonzukommen. Ich bewege mich da auf einem schmalen Grat, denn Schikaneders großes Selbstbewusstsein und seine maßlose Selbsteinschätzung können schnell auch unsympathisch wirken. Meine Aufgabe wird es sein, die Figur so charmant zu gestalten, dass man ihn trotzdem mag.“ Bühnenpartnerin Milica Jovanovic sieht Eleonore Schikaneder als „moderne, emanzipierte Frau, und das im 18. Jahrhundert! Es ist fantastisch, wie sie es geschafft hat, von der Schauspielerin zur Intendantin zu werden. Welch eine Karriere! Schade, dass sie heute fast vergessen ist.“ Nachsatz: „Doch das werde ich jetzt ja ändern.“ Sie lacht.

Mit den beiden spielen unter anderem Reinwald Kranner, der „gerade übt, in Saft zu gehen“, den Schikaneder-Gegenspieler Karl Marinelli, Florian Peters Eleonores Verehrer Johann Friedl, Katie Hall die Maria Anna Miller, Franziska Schuster und Katja Reichert die Barbara Gerl, die spätere Papagena, und Josepha Hofer, Mozarts Schwägerin, die spätere Königin der Nacht. Hardy Rudolz ist als Franz Moser und Josef von Bauernfeld zu sehen, Armin Kahl als Benedikt Schack.

Anthony Ward gestaltet Bühnen- und Kostümbild, „alles wird aussehen, wie 1791“, sagt er, „und auch die Art, wie die Bühnenbilder bewegt werden, haben wir an die damaligen technischen Gegebenheiten angepasst“; Anthony van Laast übernimmt die Choreografie. Und mit noch einem Superstar kann Christian Struppeck aufwarten: Sir Trevor Nunn wird Regie führen. Der Tony-Preisträger und ehemalige Intendant der Royal Shakespeare Company meldet sich via Videozuspielung zu Wort. Was er davon hält, Schikaneder ein Musical zu widmen? „Well, das ist nicht die schlechteste Idee der Welt!“ Stimmt. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.

www.musicalvienna.at

Wien, 10. 5. 2016