Neue Oper Wien: Angels in America

September 27, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Himmlisch, brillant und hochaktuell

Der Engel steigt herab in Prior Walters Krankenhauszimmer: Caroline Melzer. Bild: Armin Bardel

Als Tony Kushner sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Theaterstück „Angels in America“ schrieb, hatte es in den USA gerade die George-Bush-Stunde geschlagen, es war die Zeit von Operation Desert Shield und den damit verbunden präsidentischen Lügen, und auch, wenn erst Sohn W. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partner per entsprechendem Verfassungszusatz unterbinden wollte, so war das amerikanische Klima in den 1990er-Jahren alles andere als freundlich für die LGBT-Community.

Die Neue Oper Wien brachte nun gestern im Wiener MuseumsQuartier Péter Eötvös‘ auf Kushners Gay Fantasia on National Themes“ basierende Oper zur österreichischen Erstaufführung. Wie die Vorlage ist das musiktheatralische Werk, für das Mari Mezei das Libretto verfasste, gesellschaftspolitisch klugen Inhalts, wenn Eötvös auch statt der im Stück festgemachten Sozialkritik mehr an den Schicksalen der Protagonisten interessiert ist, deren Los, wie in Kushners Zwischen-Himmel-und-Erde-Text, in Halluzinationen, Visionen, Traumwelten widergespiegelt wird.

Mal verursacht durch den Missbrauch, mal durch die Verabreichung von Medikamenten. Das Thema von „Angels in America“ ist AIDS. Und dass dieses nach wie vor hochaktuell ist, belegen die jüngsten Statistiken der AIDS Hilfe Wien: Weltweit leben 36,9 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, davon 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren. In Österreich liegt die Zahl der Infizierten und Erkrankten bei acht- bis neuntausend, und täglich kommen ein, zwei weitere Fälle dazu. Dass sich außerdem homophobe Angriffe wieder häufen, ist eine erschreckende Tatsache. In einer vor dem Sommer erhobenen Studie der Stadt Wien beispielsweise gaben 28 Prozent der Stadtbewohner mit queeren Lebensmodellen an, 2017 deshalb diskriminiert, lächerlich gemacht und beschimpft worden zu sein, ein Viertel davon war sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Über Eötvös‘ Arbeit sagt Neue-Oper-Wien-Intendant und Dirigent des Abends Walter Kobéra in seinem unbedingt empfehlenswerten Einführungsgespräch: „Das Werk kommt von Herzen. Möge es zu Herzen gehen.“ Und so geschieht es. Eötvös, der sich stets gern vom Lokalkolorit des verwendeten Dramas inspirieren lässt, seien‘s russische Töne bei den „Tri Sestri“ nach Tschechow oder französisch anmutende bei „Le Balcon“ nach Jean Genet, hat diesmal punkto Klangsprache auf die Melodien der großen Broadwaymusicals zurückgegriffen – erkennbar an der Besetzung des amadeus ensemble-wien mit zusätzlich zwei Schlagwerken, Hammondorgel, Gitarre und E-Gitarre, die bei der Begegnung von Louis und Joe eine Art „Doppelkonzert“ geben.

Prior Walter und sein Lover Luis Ironson: David Adam Moore und Franz Gürtelschmied. Bild: Armin Bardel

Krankenpfleger Belize kümmert sich um den „Propheten“ Prior: Tim Severloh und David Adam Moore. Bild: Armin Bardel

Eötvös‘ Komposition ist trotz der Schwere des Sujets erstaunlich zugänglich, leicht und melodiös. Fürs Zwischenmenschliche hat er ein leis‘-poetisches Vokabular erdacht, die Metaebene Himmel illustriert er auf atemberaubend sinnliche Weise. An den schönsten Stellen greift all dies ineinander. Der Inhalt, als solcher nicht leicht zu fassen, hier kurz zusammengefasst: Der Hauptcharakter Prior Walter erfährt, dass er an AIDS erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Auf Erden, heißt: in New York, bedeutet das für ihn, dass sich sein Lover Luis Ironson von ihm trennt, weil er vor dem qualvollen Sterben seines Partners fliehen will.

Vom Himmel herab steigt aber ein Engel, der Prior verkündet, „der Prophet“ zur Rettung der Menschheit zu sein, die er dazu bewegen soll, ihrem Fortschrittsglauben als der Wurzel allen Übels abzuschwören. Aus Salt Lake City ist das Mormonenehepaar Harper und Joseph „Joe“ Pitt neu in die Metropole am Hudson River gezogen. Die psychisch labile Harper ist der Großstadt nicht gewachsen und greift immer öfter zu Valium, da sieht sie in einer Vision Prior, der ihr offenbart, dass Joe schwul ist. Was dieser im Central Park, wo er Männerpaare bespannt, inzwischen selbst feststellt. Joe trifft Luis, die beiden gehen eine Beziehung ein, während im Spital Krankenpfleger Belize verzweifelt versucht, Prior klarzumachen:

Sein Engel war nur eine durchs Morphium ausgelöste Halluzination. Zwei real existiert habende Figuren gehören ebenfalls zum Personal: Roy Cohn, ein Staatsanwalt, der in der McCarthy-Ära zum berüchtigsten aller Kommunistenjäger aufstieg, und der in seiner Eigenbewertung als Präsidentenmacher als letztem Donald Trump das politische Handwerk beibrachte. Der ausgewiesene Schwulenhasser Cohn war selber homosexuell, 1984 wurde bei ihm AIDS diagnostiziert, doch bis zu seinem Tod zwei Jahre später gab er vor, an Leberkrebs zu leiden. In der Oper erscheint ihm knapp vor seinem Ende, um ihn zu verspotten, Ethel Rosenberg, in den 1950er-Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Julius wegen Spionage für die Sowjetunion angeklagt. Auf Cohns Betreiben wurde nicht nur er, sondern auch sie, bei der die Beweislage wesentlich dünner war, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Cohn gab 1986 zu, dass die Regierung die Beweise gegen die Rosenbergs „hergestellt“ habe …

Regisseur Matthias Oldag setzt in seiner Inszenierung ganz auf den vom Werk vorgegebenen Dauerdreh von Tragik zu Komik. Nicht ohne Witz ist etwa eine celestische Konferenz der Engel aller Kontinente, in der sie versuchen, mittels steinaltem Röhrenradio Nachrichten von der Erde zu empfangen, dabei angetan wie eben noch die Obdachlosen, die sich in der Bronx um ein Mülltonnenfeuer versammelten. Auftritt „Prophet“ Prior, der zwar nicht das nietzscheeske „Gott ist tot“ verkündet, aber immerhin dessen Davonschleichen vor den Sorgen seiner Geschöpfe. Priors Aufforderung, ihm bei Wiedererscheinen den Prozess zu machen, statt Gottes Gericht – Gott vor Gericht, hinterlässt in Anbetracht seines Zustands beim Zuschauer einen ziemlichen Kloß im Hals.

Dies Wechselbad der Gefühle hat Bühnen- und Kostümbildner Nikolaus Webern für den schnellen Szenenwechsel ausgestattet. Wenige, von den Darstellern bewegte Versatzstücke definieren die diversen Schauplätze, oft sind mehrere zugleich auf der Bühne, vorne Harper allein am Schminktisch, hinten Cohns Büro, in dem er seinen Adlatus Joe herumkommandiert. Auch die Trennungen von Joe und Harper sowie Prior und Luis laufen parallel, dazu ringsum Projektionen – Hochhaussilhouette, Bow Brigde, Star-Spangled Banner und Live-Videos, die die Solistinnen und Solisten überlebensgroß an die Wand werfen. Auf dem Bühnenboden liegt Schnee (oder liegen da doch Engelsfedern?).

Luis und Joseph Pitt kommen sich im Central Park näher: Franz Gürtelschmied und Wolfgang Resch. Bild: Armin Bardel

Die auf sein Geheiß auf dem elektrischen Stuhl hingerichtete Ethel Rosenberg sucht Roy Cohn heim: Sophie Rennert und Karl Huml. Bild: Armin Bardel

Eötvös und Librettistin Mezei haben die in sich verwobene, ihrer Entwirrung harrende Handlung in einen feinen Humor gekleidet, haben daraus ein Spiel mit Geschlechtern und ihren Rollenbildern gemacht, in dem das Ensemble durchwegs brilliert. Caroline Melzer, derzeit an der Volksoper auch als „Gräfin Mariza“ zu erleben, schwebt als weißer, später schwarzer Engel aus den Lüften herab, und trägt mit ihrem wunderschönen Sopran am ehesten das vor, was man „Eötvös pur“ zu nennen vermag – eine Partie, extravagant klingend und extrem fordernd. David Adam Moore weiß seinen lyrischen Bariton gekonnt zu führen, und ist nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch auf der Höhe, ob er sich „der Seuche“ nun leidend hingibt oder aufbegehrend entgegenstellt – oder sich vom Engel zum Orgasmus singen lässt.

Alle weiteren Solistinnen und Solisten sind in jeweils mehreren Rollen zu sehen: So ist etwa Sophie Rennert stark, wenn sie als Harper Pitt begreifen muss, dass Joe in ihr nur seinen „besten Kumpel“ sieht, und dessen als Eheretterin angereister Mutter Hannah gesteht, dass ihr Joes Penis fehlt. Inna Savchenko gestaltet diese Hannah mit perfekt großem Stimmumfang und in der Darstellung eindrucksvoll zurückgenommen, während sie anzunehmen trachtet, was sie bisher abgelehnt hat. Bariton Wolfgang Resch ist als verkrampfter Joe hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Lust, da trifft er Franz Gürtelschmieds Luis, den der als lasziven Verführer gibt, dem es ein Leichtes ist „Klemmschwester“ Joe auf seine Seite des Sex‘ zu ziehen.

Überzeugend ist auch Countertenor Tim Severloh in seiner Rolle als Krankenpfleger Belize, eine ehemalige Drag Queen, die den Glitzerfummel gegens OP-Grün tauschte, und nun Prior und Roy betreut. Wie Severlohs Belize als Reaktion auf die Narreteien ihrer Patienten die Stimme bis zum Schrillpunkt in höchste Höhen schraubt, ist bemerkenswert. Karl Huml schließlich ist als Roy Cohn zu sehen, sein kräftiger Bassbariton wie maßgeschneidert für die Figur des windigen Anwalts, arrogant und zynisch selbst noch in maßloser Angst – in die ihn neben der Diagnose AIDS auch Ethel Rosenberg versetzt, noch einmal gilt es die Leistung von Sophie Renner hervorzuheben, die ihm samt Elektroden-Kopfriemen auf der Leinwand erscheint – unheimlich vor sich hin summend und vor Schadenfreude irre grinsend.

Für Prior steht vor dem Hingang die Hoffnung. Auf mehr Leben, zumindest darauf keinen Tod mehr im Geheimen sterben zu müssen. Er hat sich von den fortschrittsgegnerischen Engeln abgewandt, sein Prophetenbuch abgegeben, kann er doch der Modernität und mithin der Wissenschaft, die seither einiges in der HIV/AIDS-Forschung erreicht hat, nicht abschwören. Er will nun als Mensch sein Leid annehmen. Das macht ihn mehr zur Messiasgestalt als jede Predigt. Und das Ensemble verteilt Red Ribbons ans Publikum, das diesem und dem anwesenden Komponisten mit riesigem Jubel für diese rundum geglückte und beglückende Produktion dankte.

www.neueoperwien.at

  1. 9. 2019

Neue Oper Wien: Staatsoperette

September 14, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Servus, „Grüß Gott“ und Auf Wiedersehen

Gernot Heinrich als Starhemberg, Dieter Kschwendt-Michel als Schuschnigg, Hagen Matzeit als Dollfuß mit der Dollfuß-Puppe von Nikolaus Habjan. Bild: © Armin Bardel

Die Dollfuß-Puppe fistelt ihre Befehle: Gernot Heinrich als Starhemberg, Dieter Kschwendt-Michel als Schuschnigg und Hagen Matzeit als Dollfuß. Bild: © Armin Bardel

Die Neue Oper Wien zeigt ihre „Staatsoperette“ nach der vielbejubelten Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen nun im Wiener Theater Akzent. Und über diese so eindringliche wie unterhaltsame Geschichtslektion in Sachen Zwischenkriegszeit ist nicht weniger zu sagen, als dass ihr Besuch quasi Pflichtfach werden sollte. Von wegen dieser Tage, wiewohl sich das neue künstlerische Team sehr klug jedem zwanghaften Bezüge-Herstellen entzogen hat. Man hat’s da aber auch leicht, man braucht nur hinzuzeigen, um aufzuzeigen.

Die Austrotragödie von Otto M. Zykan und Franz Novotny war einmal ein Film und war einmal ein Skandal. 1977 war das, da fühlten sich manche ob ihrer eigenen Rolle in den Jahren zwischen 1918 und 1938 noch auf den Schlips getreten, Nackerpatzln gab’s auch zu sehen, und einen Club 2, in dem Heribert Steinbauer der Empörung stellvertretend für seine Wählerschaft Luft machte. Der Film verschwand im Archiv. Zykans Weggefährtin Irene Suchy und Komponist Michael Mautner haben das Werk nun inhaltlich und musikalisch ergänzt, für Zweiteres aus dem reichen Schaffen Zykans geschöpft, und eine die Handlung erklärende Ebene eingezogen.

Neu sind nun ein Nestroy-hafter Kommentator, Stephan Rehm, der aus dem Stück erst recht ein Lehrstück macht, und zwei Frauenfiguren, die Linke und die Rechte, Laura Schneiderhan und Barbara Pöltl in Kittelschürze vs Trachtenkostüm, die entlang von Bassena-Räsonierereien die vox populi zum besten geben. Eingefügt sind Szenen, die damalige Fernsehverantwortliche schon im Vorfeld der zu erwartenden Erregung entfernen ließen, etwa das Schattendorfer Urteil oder Schuschniggs Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg.

Zykan zitiert Zeitgeschehen, zitiert Kirchen- oder Heurigenliedern, montiert Atonales mit Operettenhaftem, er reißt mit seiner Musik Witze. Sehr schön ist da eine Sequenz zum Nicht-miteinander-Können der politischen Lager, für deren Darstellung es heute einen ganzen desaströsen Runden Tisch brauchen würde; Zykan genügen zwei Worte, „Grüß Gott“ – und schon hat Ignaz Seipel den Otto Bauer abgefertigt. NOW-Intendant Walter Kobéra versteht es meisterlich diesen vertonten Sarkasmus umzusetzen, mit ihm am Pult flirrt und flimmert das amadeus ensemble-wien einmal mehr, dass es eine Freude ist.

Camillo dell’Antonio spielt Ignaz Seipl mal zwei. Bild: © Armin Bardel

Prälat-Bundeskanzler: Camillo dell’Antonio spielt Ignaz Seipel mal zwei. Bild: © Armin Bardel

Dieter Kschwendt-Michel im Zwiegespräch mit der Schuschnigg-Puppe. Bild: © Armin Bardel

Dieter Kschwendt-Michel im Zwiegespräch mit der Schuschnigg-Puppe. Bild: © Armin Bardel

In den Händen von Regisseur Simon Meusburger kommt die Groteske auch inszenatorisch zur Geltung. Er hat mit Bühnenbildner Nikolaus Webern als Ort des Geschehens einen devastierten Sitzungssaal erdacht, ein nachroyales Palais, verstaubt und überlebt, der Kronleuchter auf dem Boden, das Telefon an der Decke, denn das Unterste ist nach oben gekehrt, die Welt steht auf dem Kopf. Mit Graphic Novels à la Sin City werden die Protagonisten eingeführt, der „Blutprälat“ und der „Fürst der Finsternis“, und wenn diese dann auftreten, haben sie als Alter Ego eine Puppe von Nikolaus Habjan im Arm. Die Klappmäuler als politische Großmäuler, Ignaz Seipel, Engelbert Dollfuß, Kurt Schuschnigg, Benito Mussolini und als Anfang vom Ende Adolf Hitler, erfahren so eine karikaturhafte Überhöhung und bringen als solche ihre verqueren Botschaften über die Rampe. Das Fürchterliche ist ja auch immer lächerlich, sagt Thomas Bernhard. Das ist hier eindrücklich demonstriert.

Die Darsteller treten ins Zwiegespräch mit ihren zweiten Gesichtern, und wenn man bedenkt, wie vieles des Gesagten Original-Text ist, wird die „Staatsoperette“ zum Schwank zwischen Schaudern und Entsetzen. Es ist ein erschrecktes Auflachen, mit dem das Publikum auf die Komik der Situationen reagiert. Wenn’s über den Déjà-vu-Streit der großen Koalition heißt, er gehe eigentlich um belanglose Gründe. Wenn darüber debattiert wird, das sich „der kleine Mann von Stammtischgestammel verführen ließ“. Wenn im Wiener Kammerchor die einen die Haydn-Hymne noch auf Gott, Kaiser und Vaterland, die anderen schon als Deutschlandlied singen. Auf „Führer“, Völkisch, Vaterland.

Na, Servus. Starke Bilder sind das. Die ewige Furcht der europäischen Bourgeoisie vor links, doch nie vor rechts. Rot und Schwarz, die statt des Konsens‘ mit- den Kampf gegeneinander suchen, und so freilich dem Auftreten eines diabolischen Dritten Tür und Tor öffnen. Auch die Sozialdemokratie wird gescholten, Kolomann Wallisch und Otto Bauer, die als Arbeitervertreter auf ihren eingeschlagenen Wegen der Bewaffnung und der Beschwichtigung nicht zueinander finden können, Bauer, der es mit seinen theorieschwülstigen Formulierungen nicht schafft, sich „der Masse“ verständlich zu machen. Folge: Verlust des Gemeindebaus, Teil eins.

Die Solisten bestreiten größtenteils mehrere Rollen. Marco Di Sapia gefällt wie stets mit seinem wohlgeführten Bariton, er ist als sich selbst geiselnder Otto Bauer gleichsam die tragische Figur, der Anti?-Held des Werks, kann aber als Walter Pfrimer und Anton Rintelen wunderbar seine Qualitäten als Komödiant ausspielen und in den Rollen der verhinderten Putschisten zum allgemeinen Amüsement auch mit Steirischkenntnissen protzen. Wie es dem patscherten Sekundenkanzler nicht gelingt, sich nach der Ermordung Dollfuß‘ in seinem Hotelzimmer zu entleiben, da gelingt Di Sapia sogar ein gruseliges Kabinettstückchen.

Camillo dell‘ Antonio gibt den Seipel mal zwei, einen pitzeligen Prälat-Bundeskanzler, der politisch immer Lust auf mehr hat. Daheim knüppelt er, vor dem Duce kriecht er – ums Geld. Da ist es nur logisch, dass ihn Gernot Heinrich als Mussolini einen cretino schimpft. Heinrich gestaltet ihn als gutgelaunten „italienischen Tenor“, umringt von barbusigen Schönen und stets um die höchste Stellung bemüht. Weshalb es ihm im Sitzstreit mit Seipel auf der Schaukel auch nicht ums internationale Gleichgewicht oder politisches Die-Waage-Halten geht … Als Heimwehrführer „Fürst“ Starhemberg kann Heinrich diese süßlich-grausliche Seite dann noch deutlicher zeigen.

Der Anfang vom Ende: Hagen Matzeit als Hitler mit Hitler-Puppe, links: Laura Schneiderhan, rechts: Barbara Pöltl und der Wiener Kammerchor. Bild: © Armin Bardel

Der Anfang vom Ende: Hagen Matzeit als Hitler, links: Laura Schneiderhan, rechts: Barbara Pöltl und der Wiener Kammerchor. Bild: © Armin Bardel

Hagen Matzeit, ein famoser Opernsänger, der sowohl Bariton als auch Countertenor „kann“ (www.matzeit.de), macht aus dem Dollfuß dank seiner Puppe einen bösen Kobold mit Falsettstimme. Mit Karl-Kraus’schen Bumsti!-Rufen führt er seine Hälfte des Volkes gegen die andere, ein Ritt auf dem Kanonenrohr, während dem Thomas Weinhappel als Wallisch seinen republikanischen Schutzbund in Stellung bringt.

Beklemmend ist das, wie Meusburger zeigt, dass unter den Menschen kein Politwirrkopf, sondern die nackte Angst regiert. Sie werden aufgestellt und abgeschossen, aufgestellt und abgeschossen … Volk verliert, Volk fällt zu beiden Seiten. Die letzten Tage der Menschlichkeit. Matzeit wird zu deren Ende auch noch Adolf Hitler sein, Dieter Kschwendt-Michel sich ihm als Schuschnigg ergeben. Dem „Führer“ schenkt Matzeit kein menschliches Organ, er hat weder Sing- noch Sprechstimme, die Puppe grunzt und faucht und schnarrt, aber wenn sich im Schlussbild alles zu ihr hinwendet, ist deutlich, wie gut sie auf dem Heldenplatz einst verstanden wurde.

Beim begeisterten Applaus kann sich Matzeit der Hakenkreuzarmbinde gar nicht schnell genug entledigen, er wirft sie zu Boden und tritt danach. Ein abschließendes Statement, das beim Publikum bestens ankommt: Niemals vergessen. Dass die, die vorgeben, die Fäden in der Hand zu haben, auch nur jemandes Marionetten sind. Dass selbsternannte Heimatschützer unter dem Vorwand demokratische Mechanismen zu behüten eben diese aushebeln. Bei Zykan besingen sie als „wahre Sieger“ ihr Auf-Wiedersehen, da fehlt eindeutig ein „Nimmer“.

www.neueoperwien.at

Wien, 14. 9. 2016

Neue Oper Wien: Die Nase

September 29, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Terror ist kein Staat zu machen

Pablo Cameselle als Wachtmeister, Marco Di Sapia als Platon Kusmitsch Kowaljoff, Georg Klimbacher als Arzt und Lorin Wey als Iwan Bild: © Armin Bardel

Pablo Cameselle als Wachtmeister, Marco Di Sapia als Platon Kusmitsch Kowaljoff, Georg Klimbacher als Arzt und Lorin Wey als Iwan
Bild: © Armin Bardel

Ein Obdachloser macht sich im Zuschauerraum sein Pappkartonbett, auf der Bühne räkelt sich eine käufliche Kaugummikauerin. Dies die ersten Bilder, betritt man das Parkett. Wenig später wird der Barbier vom Mob verfolgt werden. „Des könnt’s bei eich daham mochn!“ – „Scheiß-Ausländer!“ – „Lern‘ amoi Deitsch!“ ruft man ihm hinterher. Und treibt ihn direkt in die Arme(e) der Polizei, wo sich Iwan Jakowlewitsch in vorauseilendem Gehorsam mit Klebeband gleich selbst mundtot macht. Am Ende wird man sehen: Die Folter hat ihn einen Finger gekostet. Auch Platon Kusmitsch Kowaljoffs Behandlung durch den Arzt gleicht einem schmerzhaften Verhör. Pistole, Spritze und Gummihandschuhe kommen zu Einsatz. Endlich irre geworden würgt der Kollegienassessor ergo einen, der ihm Gutes will. Und eine Brezelverkäuferin wird Vergewaltigungsopfer …

Die Neue Oper Wien zeigt in der Kammeroper Schostakowitschs „Die Nase“. Mit starken szenischen Statements macht Regisseur Matthias Oldag deutlich, mit Terror ist kein Staat zu machen. Er inszeniert intensiver die Verrohung der Gesellschaft, Gruppenwahn und Brutalität in Zeiten der Repression, als das aus der Konformität gefallene Einzelschicksal. Russland ist nicht mehr so groß, dafür der Zar nicht mehr so weit. Ein als Bühnenhintergrund affichierter Zeitungsartikel über Putins Ukrainekrise verweist im Zwischentitel auf „Osteuropas Ängste“ (Ausstattung: Frank Fellmann). Grimmig-groteske Gesellschaftskritik trifft sich mit Gogols Vorlage anno 2015. Und drückt auch Schostakowitsch nicht an die Wand. Jede Geste, jedes Mienenspiel, zu dem Oldag das Ensemble anhält, korrespondiert mit der farb- und facettenreichen Partitur. Als würde er nur zeigen, was musikalisch schon immer vorgegeben war. Er spielt mit dem russischen Titel „Nos“ und dessen Umkehr „Son“ und gestaltet den Abend als albtraumhafte, Lachen machende Farce. Oldag hatte ganz offensichtlich den richtigen Riecher für die Sache. Übers Musikalische an sich braucht man mit Intendant Walter Kobéra am Pult keine Sorge zu tragen. Es spielt das amadeus ensemble-wien. Das Orchester agiert unter Kobéras Leitung präzise und flott und exakt so „schräg“ wie es wünschenswert ist. Es singt der Wiener Kammerchor, der nicht nur in Schostakowitschs Anleihen bei Volksweisen und Kirchenliedern seinen schönsten Klang entfalten, sondern in den wimmelnden Massenszenen auch schauspielerisch glänzen kann.

Wie auch die Protagonisten gesanglich und darstellerisch gefallen. Mit ihrer Kraft drohen, nein: versprechen sie mitunter gar den Raum zu sprengen, eine Großartigkeit, die Oldags psychologisch eindringlicher Personenführung zu danken ist. Marco Di Sapia ist als Kowaljoff  intensiv. Sein wandlungsfähiger Bariton überzeugt in den weinerlich jammervollen Passagen ebenso wie im herrischen Befehlston, exemplarisch zeigt er vor: Hochnäsigkeit kommt nach dem Fall. Alexander Kaimbachers „Nase“ ist elegant-geschmeidig. Sein Tenor gehört zu den bestechendsten Hörerlebnissen des Abends. Bassbariton Igor Bakan ist als erbärmlicher, erbarmungswürdiger Barbier Jakowlitsch ebenso ein Genuss. Pablo Cameselle gibt den Wachtmeister als schwarze Odilija und lässt sich von seinen ALFA-Männern umringen. Stimmlich ist Cameselle schön auf der Höhe. Georg Klimbacher behagt mit ansprechendem Bariton als fieser Arzt wie als Redakteur – als solcher ist er der Führer einer gleichgeschalteten Bluthundpresse mit rotverschmiertem Maul.

Diese „Nase“ läuft! Eine Produktion, die man gesehen haben sollte. Noch bis 1.Oktober.

neueoperwien.at

Wien, 29. 9. 2015

Neue Oper Wien: Punch and Judy

Mai 23, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Morden ist ein Mordsspaß

Richard Rittelmann als Punch, vorne rechts: Till von Orlowsky als Choregos und Ensemble (v.l.n.r.: Lorin Wey, Manuela Leonhartsberger und Johannes Schwendinger) Bild: © Armin Bardel

Richard Rittelmann als Punch, vorne rechts: Till von Orlowsky als Choregos und Ensemble (v.l.n.r.: Lorin Wey, Manuela Leonhartsberger und Johannes Schwendinger)
Bild: © Armin Bardel

Man hat nicht einmal noch richtig Platz genommen, da sind die ersten beiden Morde schon passiert: Punch wiegt sein Baby, wirft es mit kurzem Lustschrei ins Feuer und sticht danach die darob entsetzte Gattin Judy ab. Die Alte musste eh schon weg, er hat nämlich ein Auge auf … aber dazu später. Eigentlich müßte nun  infernalische Musik einsetzen. Aus dem Orchestergraben jedoch ertönt nur eine Trillerpfeife und ein trockenes Trommelstaccato. Das Grausige kippt ins Lächerliche. Und Choregos, der Zeremonienmeister aus der Hölle, umrundet mit seiner Bal­let­teu­senmuse den Zuschauerraum. Hier gibt es kein Entrinnen – uahahaha (an dieser Stelle stelle man sich diabolisches Gelächter vor).

Die Neue Oper Wien zeigt in den Räumlichkeiten der Kammeroper Sir Harrison Birtwistles und Stephen Pruslins (Libretto) „Punch and Judy“. Das ist eine Gaudi. Eine, die so groß ist, dass es 1968 bei der Uraufführung noch ziemliche Kontroversen über all die vorkommende Gewalt gab. Tatsächlich sind „Punch and Judy“ das britische Kasperltheater, Grand Guignol sagen die Franzosen dazu, oder anders: Punch ist die rabiate englische Variante des Pulcinella aus der Commedia dell’arte. Die Insulaner haben’s eben gern skurriler, makaberer, weniger tragi-, mehr komischer. Zum 80. Geburtstag des großen Komponisten macht ihm Intendant Walter Kobéra nun also mit dem amadeus ensemble-wien dieses Geschenk, seine Erstlingsoper aufzuführen; Regie: Leonard Prinsloo, Bühne und Kostüme: Monika Biegler; und es ist einfach großartig. In einem gruseligen Abwasserkanal (?) bewegen sich die in Fetzen gekleideten Fratzen. Wer tot ist, wird zum Tier – vom Hasen bis zum (no na) Krokodil. Es geht nämlich noch ziemlich zu: Doctor und Lawyer werden mit Injektionsnadel und Schreibfeder gemeuchelt, selbst den Henker (siehe Bild) bringt Punch dazu, sich statt seiner zu erhängen. Er kennt sich doch mit der Schlinge nicht aus, der Schlingel … Ein großes, weißes P hat dieser Punch auf seinem Shirt stehen. Prisoner (Gefangener) seiner eigenen Bosheit. Lichteffekte (Norbert Chmel) und Videos (Bernd Preiml) machen das Grauen noch (unbe)greifbarer. Die Satire springt und sticht und schneidet.

Pruslin hat den traditionellen Puppentheaterstoff kaleidoskopartig aufgebrochenen. Birtwistle dazu drastisch holzschnittige Musik komponiert. Die Partitur nimmt unverhohlen Anleihen bei Webern und Stravinsky, vom Choral bis zum großen Opernduett, von barocken Tanzmetren bis zum operettenhaften Couplets. Dazwischen brechen abrupt, aberwitzig schnell die Tempi. Die Sänger/Schauspieler (denn hier wird auch diesbezüglich einiges abverlangt und mit Bravour gemeistert) sind auf der Höhe. Allen voran: Till von Orlowsky, der als tiefer Bariton Choregos über ein kraftvolles Volumen in sozusagen Höhen und Tiefen verfügt, dass es eine Freude ist. Richard Rittelmann ist ein Punch, der ihm in nichts nachsteht – und außerdem bei allen „Turnübungen“ nie außer Atem gerät. Schön schräg treffen ihre Töne Mezzo Manuela Leonhartsberger als Judy, Lawyer Lorin Wey und Johannes Schwendinger als Doctor. Tänzerin Evamaria Mayer ist eine Augenweide – für Domina-Colombina-Fans. Und dann sie: Jennifer Yoon als Pretty Polly. In sie hat sich Punch verguckt. Die will er haben. Wie eine steife, blonde Puppe bewegt sich Yoon über die Bühne, ihr hoher Sopran markiert die schrille Zicke, in deren Netz sich Punch fangen wird. Eine tadellose Vorstellung.

Auch, wenn man in Wien weiß, dass den Wurschtl kana derschlagen  beziehungsweise erhängen kann, auch wenn Choregos in einem Epilog an den Komödiencharakter des Abends erinnert, geht man doch mit dem befriedigenden Wissen nach Hause: Die Hexe hat Punch verdient! Viele verdiente Bravos für die Mitwirkenden! Eine Empfehlung für alle, die Mörderstimmen bei einem Mordsspaß erleben wollen, ohne gleich einen Mordsschrecken zu kriegen.

www.neueoperwien.at

23. 5. 2014

Stars von Michael Schade bis Klaus Maria Brandauer

März 23, 2013 in Klassik

Das Wiener OsterKlang-Festival in der Karwoche

Das siebzehnte OsterKlang-Festival spannt in der Zeit von 23. bis 31. März  seinen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe bis hin zu Werken von Georg Friedrich Händel, Benjamin Britten, György Kurtág, Max Bruch und der einzigartigen Oper von Ludwig van Beethoven: Fidelio. Den szenischen Kern des Festivalprogramms bilden die zwei Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten in der Kammeroper und L. v. Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien. Die Spielorte während der Osterwoche sind das Theater an der Wien, die Kammeroper, die Minoritenkirche, die Hofburgkapelle und der Musikverein. Neben den renommierten SängerInnen wie u. a. Michael Schade, Juliane Banse und Lawrence Zazzo wird sich das Junge Ensemble des Theater an der Wien im Rahmen des Eröffnungskonzertes in der Hofburgkapelle vorstellen. Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Fabio Luisi, Paul Goodwin und Martin Haselböck sowie der Concentus Musicus Wien, die Wiener Symphoniker, das kammerorchesterbasel, die Wiener Akademie und das Ensemble Prisma Wien präsentieren ein auserlesenes Konzert-und Opernprogramm. Klaus Maria Brandauer liest am Karfreitag Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, musikalisch umrahmt von Franz Bartolomey. Im Fokus der ausgewählten Werke des Festivals stehen die Sehnsucht nach Freiheit, Fragen über Glaube und Hoffnung, Tod und Verlust, als auch die Zuversicht auf Erlösung.

Osterklang 2013/Fidelio Michael Schade, Juliane Banse Bild: Herwig Brammer

Osterklang 2013/Fidelio
Michael Schade, Juliane Banse
Bild: Herwig Brammer

Das Programm:

Eröffnet wird der 17. OsterKlang am Palmsamstag, den 23. März  mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Erwin Ortner wird das Wiener Osterfestival erstmals in der Hofburgkapelle eröffnet. Als Solisten sind sechs junge SängerInnen aus dem Jungen Ensemble des Theater an der Wien (JET) zu erleben. Es
musiziert das Ensemble Prisma Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Die Urfassung von Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio wurde 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt. Unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt gelang nun die Fassung aus 1814 zur Aufführung an der Wien. Die Premiere dieser Neuproduktion in einer Inszenierung von Herbert Föttinger, der sich erstmals einer Opernregie widmet, war bereits am 17. März. Die Vorstellungen am 24., 26. und 28. März finden im Rahmen des OsterKlang-Programms statt. Als Leonore gibt Juliane Banse ihr Rollendebüt, Florestan wird von Michael Schade gegeben – Martin Gantner ist als Don Pizarro, Lars Woldt als Rocco und Anna Prohaska als Marzelline zu erleben. Es spielt der Concentus Musicus Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Georg Friedrich Händels Serenata in drei Teilen Acis and Galatea wird am 25. März unter der musikalischen Leitung von Paul Goodwin zur konzertanten Aufführung im Theater an der Wien gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen der Seenymphe Galatea und dem Schäfer Akis entstammt der griechischen Mythologie und Händels Acis-Stoff basiert ebenfalls darauf. Bei diesem selten gespielten Werk handelt es sich um eine pasticcio-artige Mischform in englischer und italienischer Sprache, die Händel selbst als Serenata bezeichnet hat. Das kammerorchesterbasel begleitet die Solisten Carolyn Sampson, Nuria Rial, Lawrence Zazzo, Hilary Summers und Andrew Foster-Williams.

Am 25., 27. und 29. März stehen die zwei einaktigen Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten auf dem Programm des Festivals. Beide Kirchenparabeln thematisieren den Verlust, den Menschen erleiden und die Gnade, die darüber hinweghelfen kann. Diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien wird musikalisch
von Walter Kobéra geleitet, für die Inszenierung zeichnet Carlos Wagner verantwortlich. Aufführungsort ist die Kammeroper am Fleischmarkt, die seit September 2012 vom Theater an der Wien bespielt wird. Solisten sind u. a. Peter Edelmann, Gernot Heinrich, Sebastian Huppmann und Alexander Kaimbacher. Es musiziert das amadeus ensemble-wien und singt der Wiener Kammerchor.

Martin Haselböck und seine Wiener Akademie sind ein wichtiger Bestandteil des OsterKlang-Festivals. Dieses Jahr sind der Dirigent und sein renommiertes Orchester am 27. März mit der Aufführung des Oratoriums Solomon von Georg Friedrich Händel im Theater an der Wien vertreten. Das dreiaktige Werk verbindet keine durchgehende Handlung, vielmehr zeigt jeder Akt ein anderes facettenreiches Bild des Königs Solomon. Als Solomon ist Franco Fagioli und als seine Gemahlin Kirsten Blaise zu hören. Die Königin von Saba wird von Bernarda Bobro gegeben und James Oxley ist der Priester Zadok. Es singt der Chorus sine nomine.

Am Karfreitag, den 29. März, steht mit dem Titel „Ich möchte Glauben lernen“ ein sehr außergewöhnlicher Abend in der Minoritenkirche auf dem Festivalprogramm. Klaus Maria Brandauer liest Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die während seiner Haft entstanden sind. Bonhoeffers leidenschaftlicher
Protest gegen die Nationalsozialisten, seine aktive Rolle im Widerstand gegen Hitler, seine Texte und sein Märtyrertod finden weit über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung. Musikalisch umrahmt wird dieser Abend mit Werken von Johann Sebastian Bach, György Kurtág und Max Bruch für Violoncello-Solo, interpretiert von Franz Bartolomey.

In der Minoritenkirche wird am Karsamstag, den 30. März, eine rekonstruierte Fassung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach zu hören sein. Die jüngste „Bachsche“ Passionsvertonung nach dem Evangelium des Markus ist wenig im Konzertleben präsent. Da lediglich der Text dieser Passion überliefert ist und die Musik als verschollen gilt, muss
jedes Ensemble auf eine bestehende Rekonstruktion zurückgreifen, oder wie in dieser OsterKlang-Aufführung eine „Neufassung“ erarbeiten. Die Gesamtleitung dieses Projekts, insbesondere hinsichtlich der Rekonstruktion, liegt in den Händen von Rudolf Leopold. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Platzgummer musiziert das Ensemble Il
Concerto Viennese und das Ensemble Vokal Origen. Als Evangelist ist Daniel Johannsen und als Jesus Matthias Helm zu hören.

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Fabio Luisi präsentieren die Wiener Symphoniker am Ostersonntag traditionellerweise ihren Frühling in Wien und schließen mit diesem Konzert das Festival OsterKlang Wien. Im Musikverein erwartet das Publikum ein stimmungsvolles Potpourri aus Werken der „Großen Drei“ der italienischen Oper: Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gioachino Rossini, ergänzt mit der Symphonischen Dichtung Feste Romane von Ottorino Respighi.

www.theater-wien.at

www.osterklang.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 3. 2013