Volksoper Wien: Lachen mit Loriot

Mai 17, 2013 in Klassik, Tipps

Wagners „Ring“ an einem Abend

Bild: Volksoper Wien

Bild: Volksoper Wien

Eine konzertante Aufführung von Wagners „Ring“ zeigt die Volksoper Wien ab 23. Mai. Zwischentexte von Loriot: Der große Humorist und Buchautor, Zeichner und Filmemacher Vicco von Bülow  hatte auch ein inniges Verhältnis zur Musik. So arbeitete er mehrfach als Opernregisseur und legte mit seinen Konzertfassungen von Leonard Bernsteins „Candide“ (die im Jänner 2013 an die Volksoper zurückkehren wird) und eben Wagners „Ring des Nibelungen“ überaus originelle und erfolgreiche Bearbeitungen vor. Für den Hausherren Robert Meyer ist es die erste humorvolle Hommage zum Wagner-Jubiläum; die zweite folgt mit der Wiederaufnahme seines „Tannhäuser in 80 Minuten“ im Juni 2013. Die Volksoper kann die „Ring“-Kurzfassung überwiegend aus dem eigenen Ensemble besetzen. So treten unter anderem Sebastian Holecek als Wotan und Wanderer, Jörg Schneider als Loge, Martin Winkler als Alberich (eine Rolle, die er demnächst bei den Bayreuther Festspielen zur Gänze verkörpern wird), Alexandra Kloose als Fricka und Caroline Melzer als Sieglinde auf. Mit Irmgard Vilsmaier (sie war zuletzt die Herodias der neuen Volksopern-„Salome“) als Brünnhilde und Endrik Wottrich als Siegmund und Siegfried (er hat als Bacchus am Haus debütiert) kehren auch gern gesehene Gäste zurück. Am Pult debütiert der Dortmunder Generalmusikdirektor und Gastdirigent des BBC National Orchestra Wales, Jac van Steen. Der „Spiegel“ würdigte den im Sommer 2011 verstorbenen Humoristen Loriot als „größten deutschen Künstler der Gegenwart“. 1993 und 1994 truger den „Ring an einem Abend“ an der Volksoper selbst vor; nun schlüpft (wie schon bei der erfolgreichen „Candide“-Adaptation desselben Autors) Robert Meyer in die Rolle des Erzählers und wird damit dem Bayreuther Meister zum 200. Geburtstag humorvolle Reverenz erweisen.

www.volksoper.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 17. 5. 2013

„Der Wildschütz“ an der Wiener Volksoper

April 19, 2013 in Klassik

Wenn „die Stimme der Natur“ ruft

Bild: Volksoper Wien

Bild: Volksoper Wien

Am 20. April hat an der Wiener Volksoper Albert Lortzings komische Oper „Der Wildschütz“ Premiere. Verkleidung, Verwechslung, Verstellung. Schon am Ende der Ouvertüre erschallt im Hintergrund ein Schuss, der auf das kommende Geschehen hinweist. Das sind die Zutaten aus denen Lortzing sein Werk geschaffen hat. Der musikalische Allrounder, der nicht nur komponierte und sein eigener Liberettist war, dirigierte, sang und schauspielerte auch. Zu Silvester 1842 stellte er einem begeisterten Publikum seinen „Wildschütz“ in Leipzig vor, 1846 als Lortzing als Kapellmeister am Theater an der Wien wirkte, nahm er seinen Erfolg mit hierher.

Die Freude war nicht einhellig. Felix Mendelssohn etwa nannte das ganze „infam, verwerflich und elend“ – „ein Wollustspiel“ (Ermanno Wolf-Ferrari verteidigte den Ruf des Komponisten später mit den Sätzen: „Die Naiven haben ihn umso mehr geliebt und lieben ihn noch. Und nur Liebe kann der Kunst Lohn sein, nicht kalte intellektuelle Registrierung seitens der ewigen Beckmesser.“ Na also!) Dabei hatte der Lortzing die schlüpfrigsten Passagen der Vorlage extra weggelassen. Diese stammt von Trivialdramatikermeister August von Kotzebue und heißt: „Der Rehbock oder die schuldlosen Schuldbewussten“. Die ziemlich wirre Handlung: Dorfschulmeister Baculus hat im Wortsinn einen Bock geschossen – und zwar im gräflichen Park – und soll deshalb entlassen werden. Daher schickt er einen „Studenten“ (in Wirklichkeit aber Baronin und Schwester des Grafen) aufs Schloss, wo sie als seine „Braut“ für ihn bitten soll. Der Baron wiederum, der unerkannt als Stallbursche des Grafen arbeitet, verliebt sich in die „Braut“ und will sie dem Lehrer für 5000 Taler abkaufen (wem das bekannt vorkommt: Smetanas „Verkaufte Braut“ wird in dieser Saison ebenfalls neu an der Volksoper  produziert).

„Die Stimme der Natur“ (so der Untertitel, den Albert Lortzing seiner Oper gegeben hat) wird bei Regisseur Dietrich W. Hilsdorf zu „Ein unmoralisches Angebot“. Er will den Fokus von den Ausschweifungen der Aristokratie weg-, hin auf den Schulmeister lenken, der sich schon als glücklicher „Kapitalist“ wähnt. Neben diesen sozialkritischen Tönen ist Alfred Eschwe am Pult für die musikalischen zuständig. In der wunderbaren Ensembleoper singen unter anderem Daniel Ochoa den Graf von Eberbach, Alexandra Kloose seine Gräfin, Mirko Roschkowski den Baron Kronthal, Anja-Nina Bahrmann seine Baronin, Gernot Kranner den Haushofmeister auf dem Schloss, und Lars Woldt den Dorfschulmeister Baculus.

www.volksoper.at

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Von Rudolf Mottinger

Wien, 19. 4. 2013