Akademietheater: Ein europäisches Abendmahl

Februar 12, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Den Stier zum Schlachtvieh gemacht

Da-Vinci-Tableau-Vivant mit Damen: Catrin Striebeck, Maria Happel, Sylvie Rohrer, Kirsten Dene, Frida-Lovisa Hamann und Katharina Lorenz. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Am Ende des Abends im Akademietheater erklärt sich sein Titel, „Ein europäisches Abendmahl“, erklärt sich, warum immer wieder eine überdimensionale Holzplatte über die Bühne getragen wurde. Die Schauspielerinnen machen sie zum Tisch, machen daraus ein Da-Vinci-Tableau-Vivant mit Damen. Erstmals nun nach neunzig Minuten sprechen sie miteinander, wenden sie sich einander zu, statt wie davor zu monologisieren. Auf seiner Homepage schreibt das Burgtheater vorsorglich, „das ‚europäische Abendmahl‘ ist kein mageres pseudofeministisches Manifest“, stimmt!, denn hier wird in einem starken Bild festgehalten, wie sich Frauen männlich besetzten Bedeutungsraum erobern.

Fünf Autorinnen aus fünf Ländern, Jenny Erpenbeck, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Terézia Mora und Sofi Oksanen, haben Frauenfiguren für diese Uraufführung erdacht, Barbara Frey hat sie inszeniert. Das Ergebnis ist ein Fest für sechs Schauspielerinnen, von der Regie kaum in ihren Reden unterbrochen, sondern in ihrer Darstellung subtil unterstützt, die Frey weiß halt, was sie tut, sie vertraut zu Recht der literarischen Qualität der Vorlagen. Gespielt wird in einer Art abgefackeltem, abgefucktem Prunksaal, der Rauch eines schwelenden Brands hängt in der Luft. In der Traumdeutung steht dieses untergründig Verheerende für innere Unsicherheit und falsche Zielsetzung – und genau darum geht’s:

Um Angstszenarien, die die Realität ins Absurde kippen. Um ein Wir-Sein, das im Wirr-Sein versinkt. Um die Anrufung von Werten und vor allem Sitten, Moralgesabbere, aber Anstand nirgendwo. Um Identität und Identitäre, Ideologie und Idiotie, Integrität und Integration, und Heimat als Begriff, nicht begriffen. Die Frauen in diesem Szenario sind keine Siegerinnen, die stehen an der Hintertür des gesellschaftlichen Spektrums, das Heilsversprechen einer besseren Existenz ist Utopie geblieben, und so meistern diese Anti-Heldinnen ihre missliche Lage im täglichen Überlebenskampf mit tapferer Selbstironie. Botschaften haben sie keine, keinen mahnend erhobenen Zeigefinger, nur Geschichten ihres Lebens. Und das sind nicht immer sympathische.

Kirsten Dene tritt als Erste auf, als „Mari“, Terézia Moras Debüt als Dramatikerin. „Frieden ist, wenn jeder bleiben kann, wo er ist“, erklärt sie. Ihr selbst war das nicht vergönnt. Ihre Flucht, mutmaßlich aus Ungarn, führte sie durch vieler Herren Länder, sie war Illegale und Schwarzarbeiterin, sie hat ihre Entwurzelung akzeptiert. Neckisch, in heiterem Ton erzählt das die Dene und lässt kokett die silbernen Löckchen tanzen. Ihre Angst vorm Fliegen und vor Bettlern und vorm Fremden bezwingt sie, indem sie einem syrischen Flüchtling hilft, dem Fremden also ein Gesicht gibt. Und doch wird auch dieser Schritt keiner aus der Isolation sein.

Neckisch bis in die Löckchen: Kirsten Dene spricht Terézia Moras Monolog „Mari“, ein Flüchtlingsschicksal im Rückblick. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Autorinnen-Look-Alikes: Sylvie Rohrer und Frida-Lovisa Hamann spielen Elfriede Jelineks „Frau aus Österreich“. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Ganz anders die „Frau aus Österreich“, Elfriede Jelineks Beitrag zur Aufführung und der einzige, der für das Projekt nicht aktuell geschrieben wurde, sondern zu den Zusatztexten der „Schutzbefohlenen“ gehört. Hier will man „unter sich“ bleiben. Sylvie Rohrer und Frida-Lovisa Hamann fungieren als Autorinnen-Look-Alikes und sozusagen „Synchronsprecherinnen“. Mit weit aufgerissenen Augen berichten sie im Duett von der Festung Europa, die ein Kartenhaus ist, ihr Stier zum Schlachtvieh gemacht. Werte gilt es, wie Grenzsteine zu setzen, sagen sie, bevor sie in einem Erdloch in Deckung gehen.

Maria Happel ist Marusja, eine von der georgischen Autorin Nino Haratischwili zu Papier gebrachte Figur. Die Putzfrau, selbst Immigrantin und nun zu ihrer Schande dazu verdammt, in einem Flüchtlingsheim sauber zu machen, hat einen unbändigen Hass auf die „Hammelfresser“, die noch dazu von der Willkommenskultur der „Eingeborenen“ und ihrer „Armee von Freiwilligen“ verhätschelt werden. Eine Gunst, die sie nie erfahren hat! Wie die Happel zwischen Vorurteile dreschen, Tiraden schleudern, grotesk Grauslich sein und Mut zur Verzweiflung das Trauma dieser Marusja austariert, macht seine Mitte gleichsam zum Höhepunkt des Abends.

Maria Happel brilliert als ausländerfeindliche Immigrantin „Marusja“ von Nino Haratischwili. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Sofi Oksanen schreibt in „Darja und Mary“ über Elternglück im Sonderangebot: Katharina Lorenz und Catrin Striebeck. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Spricht Nino Haratischwili in ihrem Text das Ausspielen der sogenannten Wirtschafts- gegen die Kriegsflüchtlinge an, die Sorge um den längst angestammt geglaubten Platz, die Furcht und die Selbsterniedrigung vor denen, die das Sagen übers Kommen-Dürfen und Gehen-Müssen haben, zeigt Sofi Oksanen einen anderen Irrpfad ins vermeintliche Glück. In „Darja und Mary“ soll der Weg der Frau aus der Armut über den Verkauf des eigenen Körpers gehen, nicht Prostitution, sondern Eizellenspende. Katharina Lorenz und Catrin Striebeck gestalten diese Geschichte, die ein wenig aus der Reihe fällt, die vom kapitalistischen Prinzip von Angebot und Nachfrage erzählt, vom Fortpflanzungsdruck und Leistungsabfall in den Industriestaaten, während die, die nichts haben, „wie die Karnickel!“ … Skurril klingt, wie die Biografie der potenziellen Spenderin ins Positive geschönt wird. Alkoholismus und Freitod in der Familie passen nicht in den Warenkatalog der Babyagentur.

Bleibt als letzter Text Jenny Erpenbecks Szene „Frau im Bikini“, mit der noch einmal Frida-Lovisa Hamann auftritt. „Ich habe heute Nacht nicht geschlafen, ich habe die ganze Nacht gehasst“, zitiert sie Bismarck und zählt detailliert Waffenlieferungen deutscher Firmen in Krisengebiete auf. Wegen Terror und Tod traut sie sich nicht mehr nach Draußen, ihre Straßen-Flucht die nackte Neurose, so nackt, als müsse sie im Bikini gehen. Diese Inventur Europas aus dem Blickwinkel von Frauen, sie ist aufs Erste niederschmetternd, ist gekennzeichnet von Ausbeutung und Angst, Hetze und Hass. Gut tut da der Hoffnungsschimmer zum Schluss, die Tischgesellschaft, die von der Jelinek’schen Wortweberei bis zu Oksanens zartem Sprachgespinst alle eint. Ein Flachmann geht rum, Solidarität sollte als Chance gesehen werden. In weiblicher Hand wäre die Welt vielleicht nicht besser, aber mit Sicherheit … anders. Vorhang.

www.burgtheater.at

Wien, 12. 2. 2017

Akademietheater: Bella Figura

April 14, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Unterhaltungswert der Langeweile

Der Abend gestaltet sich zäh: Sylvie Rohrer, Joachim Meyerhoff, Caroline Peters, Kirsten Dene und Roland Koch Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Der Abend gestaltet sich zäh: Sylvie Rohrer, Joachim Meyerhoff, Caroline Peters, Kirsten Dene und Roland Koch. Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Es ist schon so. Wenn sich alle ein wenig mehr angestrengt hätten, hätte das eine runde Sache werden können. Eine berührende Tragikomödie, und das wäre aus der Feder der Yasmina Reza schon was gewesen. Doch der Ansatz verreckt im Ansatz. Dieter Giesing hat am Akademietheater „Bella Figura“ inszeniert, zweifellos eines der schwächeren Stücke der Erfolgsautorin.

Was weniger daran liegt, dass sie einmal mehr more of the same serviert, das war ja abzusehen, sondern daran, dass sich dieses same nicht entwickelt. Die Exposition ist gleichsam der Handlungshöhepunkt, danach herrscht Stillstand. Der Welt größte Dramatikerin hat sich diesmal zu sehr auf die Kraft ihrer geschliffen witzigen Dialoge verlassen, und in diesem Sinne ist der Abend doppelt zum Lachen, weil sich trotz der üblichen Perlenreihenkette an Bonmots die Langeweile ausbreitet. Über deren Unterhaltungswert kann man geteilter Meinung sein.

Der Plot ist schnell erzählt. Zwei Seitenspringer rasen im gelben Sportwagen an: Andrea ist alleinerziehende Apotheken-Assistentin mit mittelschwerer Medikamentensucht und einem gerüttelt Maß an Maßlosigkeit, sobald Champagner perlt. Boris kämpft mit Firmenbankrott und Prozesswelle und will dieses Leid durch die Lust einer verbotenen Nacht lindern. Doch vorm Nobelrestaurant fährt er eine ältere Dame über den Haufen. Nix passiert, aber Aufregung. Der Sohn und dessen Lebensgefährtin rauschen an – und sie ist just die beste Freundin von Boris‘ Ehefrau. Der Rest ist Raus- und Rumreden. Mit jeder Sekunde schwindet die Hoffnung auf einen gepflegten Infight der Reza-Bourgeoisie, auf deren kuriose gegenseitige Ausbremsmanöver und ihre bekannt zielsichere Eskalationsdramaturgie mit den bekannt routinierten Tempiwechseln. Giesing setzt nicht mehr und nicht weniger in Szene, als die vorgegebenen dramaturgischen Anweisungen, als wäre seine Arbeit ein Klon der Schaubühnen-Ostermeier-Produktion aus dem Vorjahr – ein Regiereinfall.

Reza selbst setzt diesmal weniger auf skurrilen Krawall und lautstarkes Gedöns, als man’s von ihr sonst kennt, aber sie kann ihre diesbezüglichen Ideen nicht ausführen. Ein Beispiel: Die überrollte Yvonne, angelegt als verdrehte Alte vom Dienst, führt auch ein geheimes Alzheimer-Tagebuch, das zufällig von Andrea geborgen wird. Was hätte sich daraus entwickelt können an zart versteckter Verzweiflung, ein liebevoller Kommentar über das Menschsein und die damit verbundenen Sehnsüchte, über Werden, Wollen und Nicht-Vergehen-Wollen. Doch Reza lässt das Notizheftchen in die Restauranttoilette plumpsen, wohin sich Andrea und Boris zwecks Sex zurückgezogen haben. Beide begrinsen die unzusammenhängenden Einträge und geben ihr feuchtes Fundstück der Besitzerin zurück. Aus. Eine Enttäuschung.

Schon fließen die Nerventropfen: Joachim Meyerhoff und Caroline Peters Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Schon fließen die Nerventropfen: Joachim Meyerhoff und Caroline Peters. Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Auch die Schauspieler machen nicht durchgängig gute Figur. Man hat sich zwar auf die gedrosselte Temperatur eingelassen, doch mit dem sinkenden darstellerischen Thermometer das für den Reza-Boulevard überlebensnotwendige Temperament eingebüßt. Die Bühne ist wie ein Kaltblüterterrarium kurz vor dem Winterkoma. Die Pointe bewegt sich träge vorwärts und, ja, werte Zuschauer, da kommt sie und trifft und sitzt und … uff … erledigt. Mitunter beschleicht einen das Gefühl, man befinde sich in einem Ibsen. Wobei das völlig falsch ist, weil man auf psychologische Feineinstellungen und ausgefeilte taktische Manöver im Geschlechtergrabenkampf vergeblich wartet.

Joachim Meyerhoff gibt den Boris, doch hat sich ihm die wie auch immer geartete „Sexyness“ eines Verkäufers von Veranden mit Seitenwänden nicht erschlossen. Der begnadete Mime hat sich am alterwürdigen Burgtheatervirus angesteckt, es ist mittlerweile wurst, ob er „Ist ein Arzt anwesend?“ nachfragt oder aus einem seiner Bücher vorträgt, er findet für alles Gesagte nur noch genau eine Tonlage. Ach, diese entsetzliche Lücke, auch wenn die militanten Verehrerinnen jetzt eine Fatwa verhängen, wahr muss wahr bleiben: Da ist einer von seiner eigenen Virtuosität besoffen. Joachim Meyerhoff spielt derzeit Joachim Meyerhoff wie er Joachim Meyerhoff spielt. Man glaubt ihm weder blankliegende Nerven noch andere Neurosen.

Caroline Peters hat als Andrea eigentlich den besten Part, das vulgäre Kontrastmittel zum dekadent Meeresfrüchte schmausenden Mittelstand, die einkommensschwache Guerrillera mit dem Herzen am rechten Fleck, und das gelingt ihr auch gut, dieser aufreizende Sarkasmus im Gegenteil zum selbstmitleidigen Mann. Doch, dass da auch eine Mutter ist, die ein Tränen trocknendes Telefonat mit ihrer Tochter führt, deren Teddy in der Waschmaschine ein Beinchen eingebüsst hat, verliert sich zwischen Gags um Schlampenkleidchen und Insektensprays. Trotzdem ist die Peters mit ihrem Gegeneinander-Ausspiel eine der Erfreulichkeiten des Abends.

Kirsten Denes Yvonne ist eine Kautzin, betulich nervig und tendenziell dement, doch versteht sie mehr, als die meisten ihr zutrauen wollen. Mit kleinen Spitzen und staubtrocken vorgetragenen Frechheiten würzt sie das Geschehen. „Ich ertappe mich oft dabei, dass ich so tue, als sei alles friedlich“, sagt sie neckisch ins Streitgespräch der anderen. Oder „Irgendwo lauert immer ein Happy End“, dies der Silberstreif fürs Publikum. Die Dene turnt mit alterskomödiantischer Leichtigkeit über die ihrer Rolle zugeschriebenen Peinlichkeiten hinweg, sie hat sich eine Kunstfigur geschaffen, die jeden Satz mit viel „Huch!“ und „Hach!“ seinem Ende entgegenschraubt. Das heißt: in lichte Höhen schraubt, denn alles Gesagte endet eine Oktave höher als begonnen und damit gleichsam als sei’s eigentlich eine Frage. Über Gott und die Welt und die Menschen darin. Welch eine Performance. Kirsten Dene zeigt märchenhaft schön, wie man Stroh zu Gold spinnen kann.

Das Alzheimer-Notizbuch ist in die Toilette gefallen: Caroline Peters, Kirsten Dene, Roland Koch und Joachim Meyerhoff Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Das Alzheimer-Notizbuch ist in die Toilette gefallen: Caroline Peters, Kirsten Dene, Roland Koch und Joachim Meyerhoff. Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Sylvie Rohrer ist, als bessere Hälfte der biederen Paarung Françoise und Eric, dagegen seltsam inexistent. Ohne die Ausrede gelten zu lassen, dass ihre Rolle die konturloseste ist, hätte man von ihr mehr erwartet.

Mehr Widerstand, mehr Aufbegehren, mehr Emanzipation, eine Entwicklung dieses erst mutlosen Moralapostels. Doch auch ihre Françoise wurde von ihrer Schöpferin im Stich gelassen: an der einen Stelle, als sich die Frauen allein und unter zunehmendem Alkoholeinfluss, dieses ja das Reza-Motiv, an der Bar sammeln, und man denkt, Andrea setzt ihr nun den Kopf zurecht und Françoise erkennt die Vergeblichkeiten in ihrer vergeudeten Existenz – nichts. Und wieder nichts.

Der Typ gegen den sich Françoise endlich durchsetzen sollte, ist Eric. Und Roland Koch erweist sich einmal mehr als Ausnahmeschauspieler. Kaum einer ist im Burgensemble dieser Tage wandlungsfähiger als er. Er schlüpft, was prinzipiell Grundvoraussetzung wäre, für jede neue Aufgabe in eine neue Haut. Diesmal in die eines selbstgefälligen Klugschwätzers und obergescheiten Muttersöhnchens, das ist brillant und heiter anzuschauen, wie Koch aus der Zuschreibung der immer wieder Stecken-im-A**llerwertesten-Charaktere das Maximum herausholt. Wie er mit Andrea flirtet und bei Auftritt Françoise den Rückwärtsgang einlegt, wie er herumquängelt, weil keiner die sündteure Schneckenplatte aufessen mag, hat schließlich alles Geld, sein Geld gekostet, das ist der Kleingeistbürger, wie man ihn kennt und nicht liebt.

Ansonsten lotet Stéphane Laimé die Abgründe, die sich hier auftun hätten können, am besten aus. Sein hyperrealistisches Bühnenbild besticht mit einem Beinahe-echt-Aquarium und einem Beinahe-echt-Feuerwerk, und zeigt als letztes, als Boris das Wasser endgültig bis zum Hals steht, den Himmel in Unterwasserstimmung. Ein magischer Moment an einem geheimnislosen Abend, an dessen Ausgang man sich bereits beim Ausgang nicht mehr erinnern kann. Nur eines ist sicher: Das waren die längsten 90 Minuten dieser bisherigen Theatersaison.

www.burgtheater.at

Wien, 14. 4. 2016

Im August in Osage County

Februar 28, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Meryl Streep und Julia Roberts im Duell der Diven

Julia Roberts und Meryl Streep Bild: Tobis Film

Julia Roberts und Meryl Streep
Bild: Tobis Film

Der Stoff ist bekannt. Alvis Hermanis inszenierte Tracy Letts‘ mit dem Pulitzer Preis (und fünf Tonys für die Broadway-Fassung) ausgezeichnetes Stück 2009 am Akademietheater. Unter dem Titel „Eine Familie“.  Und starbesetzt mit Kirsten Dene, Dorothee Hartinger, Dörte Lyssewski, Barbara Petritsch, Sylvie Rohrer, Martin Reinke, Falk Rockstroh, Dietmar König und Michael König. Nun zieht Hollywood nach. Regisseur John Wells bringt „Im August in Osage County“ – trotz Protesten des Dramatikers und Drehbuchautors nicht in der Original-US-Theaterbesetzung – auf die Leinwand. Als Kammerspiel, in meist abgedunkelten Räumen, ohne Chichi und Trara. Wells will die Bühnenherkunft der bitterbösen Tragikomödie gar nicht verschleiern. Das tut dem Ganzen gut. Er lässt den Vorarbeitern der Traumfabrik Raum. Und die entfalten sich prächtig. Allen voran Julia Roberts  als Barbara und Meryl Streep als Violet. Beide Damen waren für einen Golden Globe nominiert und sind es für einen Oscar.

Violet ist die Matriarchin einer Familie aus Oklahoma. Da ihr alkoholkranker Mann Beverly auf rätselhafte Weise ums Leben kam, finden sich die Familienmitglieder zur Beerdigung zusammen. Man hat einander lange nicht gesehen und diesen Zustand durchaus genossen. Violets herrische Art, ihr Zwang stets sofort auszusprechen, was sie  denkt, macht den Aufenthalt im Elternhaus zur Hölle. Für die Töchter Barbara und Karen, die erstmals mit ihren Lebenspartnern in ihre Heimatstadt reisen. Für Ivy, die bei Violet wohnen blieb. Außerdem kommt Violets Schwester Mattie Fae mit ihrem Mann und ihrem Sohn zur Trauerfeier. Obwohl alle Beteiligten das Ereignis möglichst schnell und friktionsfrei hinter sich bringen wollen, reizt Violets Zynismus schließlich alle zu Aussagen, die pünktlich zum Leichenschmaus allerlei dunkle Familiengeheimnisse ans Licht bringen …

„Im August in Osage County“ ist ein Frauenfilm. Streep, Roberts und Juliette Lewis als Karen sind derart brillant, dass die Kollegen Ewan McGregor (Barbaras Nochehemann Bill; man ist schon mitten drin in der Scheidung, will aber darüber schweigen, was natürlich nicht gelingt), Benedict Cumberbatch (als Mattie Faes problematischerSohn) und Sam Sheperd, ein Rückblenden-Beverly, schwer dagegen ankommen. Wiewohl auch sie fantastisch sind. Meryl Streep gestaltet die tablettensüchtige Violet – die Dene-Rolle – hart am Rande des Abgrunds. Und mit jenem Mut zur „Hässlichkeit“ (im Guck-mal,-nur-schöne-Leute-Business heißt das ja was), den man an der großen Schauspielerin immer wieder bewundern darf. Mit bröckelnder Fassade, Make-up und Perücke gehen im Laufe der Entgleisung verloren, lebt sie ihre seelischen Qualen, lang unterdrückte Begierden aus. Ist immer auf der Suche nach einem neuen Opfer für einen Schlagabtausch. Will verletzen – und verletzt vor allem ihre älteste, Barbara. Die spielt Julia Roberts zunächst noch mit hart erarbeiteter, hochdisziplinierter Zurückhaltung. Doch man merkt schon: Da brodelt’s unter der Oberfläche. Die angestauten Aggressionen brechen sich am Esstisch Bahn; wie Furien fallen die Frauen übereinander her.

Das ist großes Kino. Ein Familienk(r)ampf auf höchstem Niveau. Wie sich hier alles ums Geliebtwerdenwollen und Ungeliebtsein dreht, ist fast wie echt. Verwandte sind eben eine ererbte Krankheit. Mit den übrigen Leuten identifiziert man sich per Zufall.

Zu sehen ab 7. März.

www.augustosagecountyfilm.com

www.imaugustinosagecounty.de

Wien, 28. 2. 2014

Wiener Festwochen: Die Kinder von Wien

April 29, 2013 in Bühne

Ein Gespräch (und mehr) mit Regisseurin

und Rechercheurin Anna Maria Krassnigg

„Howeverstillalive“ ist nicht nur der Untertitel der literarischen Entdeckung von Chef-Salo5istin Anna Maria Krassnigg (Rechte: Thomas Sessler Verlag). Der große streitbare Satiriker Robert Neumann hat sich selbst so genannt – wie auch immer: noch am Leben. 1946, so vermeldete der New Yorker Herald Tribune schrieb er „a violent, gentle story“. „Children of Vienna“ führt in den Winter 1945/46, in ein fiktives Nachkriegswien. Zwischen Ruinen und Bombentrichter. Zu Schleichhändlern, Amts-Alliierten, einem schwarzen Nichts-Erlöser-USA-Missionar – dem kindlichsten Kind in dieser kinderfeindlichen Umgebung. Führt zu Läusen, Dreck und Wanzen. Fünf irgendwie überlebende Jugendliche hausen in einem Keller. Eine Wohngemeinschaft des Mangels, aber auch einer anarchischen Freiheit. Sie begegnen dem Leben ohne Moral, aber mit tierischer Zähheit und einem Witz, der beißt. 1948 schimpfte das „Neue Österreich“ gegen die „Überfülle von Widerwärtigem“. „Es geht nicht an, dass Österreich widerspruchslos ein Buch akzeptiert, das für das Land, für die Stadt, ihr millionenfaches Blutopfer und die jahrelange Bitterkeit gequälter Menschen nichts anderes übrig hat als ein zynisches Kaleidoskop.“ Neumanns geniale Parabel hat die Jahre überlebt (sie wurde in 18 Sprachen übersetzt, nicht aber ins Deutsche. Fast drei Jahrzehnte nach Kriegsende, 1974 veröffentlichte Neumann sie erstmals in Deutschland in eigener Übersetzung. 1979 erschien eine Ausgabe mit einer Einführung von Christine Nöstlinger), hat die Wegstrecke zum Heute mühelos eingeholt, ein Zeitstück über „displaced persons“.

Foto Christian Mair

Foto Christian Mair

2013 kommen sie von allen Kontinenten. Versuchen sich mit ihrem „displaced slang“ ein neues Leben aufzubauen, doch da bleibt die Wut im Bauch und das Lachen im Hals stecken … „Flüchtlinge in der Votivkirche, an den Euro-Randzonen, wir können nicht so tun, als hätte das nichts mit uns zu tun“, empört sich Anna Maria Krassnigg. Ab 15. Mai will die Theatermacherin in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik ihr Projekt stemmen. Es spielen Werner Brix, Petra Gstrein, Daniel Frantisek Kamen, Jens Ole Schmieder, Kirstin Schwab, Martin Schwanda und David Wurawa. „Trüffelschweine“, liebevoll, nennt Krassnigg ihren Bekanntenkreis, der ihr half, diesen „originär-originellen, nicht zurückgeholten, unglaublichen Wiener Literaturschatz“ ausgegraben zu haben. „Dieser schnelle, böse Humor!“ Acht große Romane hat Neumann geschrieben; Krassniggs „Überziel“ wäre eine Neuauflage des Werks zu initiieren. „Wobei“, sagt sie, „man das parabel-, märchenhafte, fantastische der ,Kinder von Wien‘ sofort erkennen muss. Das Buch ist keine dokumentierte Wahrheit, es ist seelische Wahrheit, und die ist stärker als jedes Dokument. ,Ich muss ein Märchen schreiben, denn nur Märchen sind wahr'“ meinte Neumann. Die Saturday Review of Literature nannte es dann „a nightmarish fairy tale.“ Eine Story über den Menschen durch Krieg und Faschismus. Krude, radikal, verzweifelt, beklemmend. Alles ist kaputt und verdorben.

So ist auch die Konstellation der Protagonisten: Da ist der gerissene Schleichhändler Jid aus dem KZ, der blonde Goy aus einem Kinderverschickungslager und „Curls“, Besitzer der Kellerruine. Ewa, 15 Jahre alt, ist Prostituierte; ihre Freundin Ate war beim „Bund deutscher Mädchen“ und hat den Stechschrittsprech auch noch drauf. Im Babywagen liegt ein „Kindl“ mit Wasserbauch, um das sich alle kümmern. Eine todkomische, mitreißende, schonungslose Sprachfantasie soll da im zehnten Bezirk uraufgeführt werden, die Halle eine imaginär-zerstörte Stadt, ein wienerisch-gemütliches Inferno aus der radikal Neubeginn wachsen soll. Die Amis und ihre Preachers sind ja da. „Die Expedithalle wird unser Vienna“, bestätigt Krassnigg. „Eine Nachkriegsgeisterstadt, in der’s dort nobel zugeht, wo das Schiebergeld locker sitzt.“ Erni Mangold, Zeitzeugin, und unsentimental wie man sie kennt und liebt, war Krassnigg eine große Hilfe. Sie stellte lapidar fest: „Die Leut‘ werden a Sach ned verstehen: Das es so war! Wie willst anarchistische Freiheit vermitteln? Des is schwer. Da musst ned nur a Lehrstunde über Hitler, sondern auch über Dollfuß und Schuschnigg abhalten.“

„Thomas Bernhard hätte die ganze Sache wahrscheinlich ,Die Kinder von Wien. Eine Anstrengung‘ genannt“, lacht Krassnigg. Und ist sich eines weiteren Problems bewusst: Wie peinlich es sein kann, wenn Erwachsene Heranwachsende verkörpern.“ Sie hofft bei ihren Darstellern auf das von ihnen schon oft bewiesene „Gretchengen“ beziehungsweise eine „parsifalekse“ Spielweise. Auch Neumanns Sprache ist eine „Klischeefalle“, eine Mischung aus jiddisch, gaunerrotwelsch, wienerisch, US-Slang, ein Sprachbabylon, eine bewusst-ironische Kunstsprache, ein „displaced person“-Idiom. „Aber in Traiskirchen ist es auch nicht anders“, so Krassnigg. Und außerdem habe jeder der Schauspieler Unterstützer gefunden. Kamen, der den Jid gibt, etwa „zwei entzückende jüdische Damen, die Neumann noch kannten, und mit Daniel üben.“ Auf einer zweiten Spielebene findet ein „Maturatreffen der Geister“, eine Verfremdung, eine Zeitreise, eine Kommentarebene, „was typisch Krassnigg’sches eben“ statt. Die Kinder scheinen einander nach Jahrzehnten wieder zu treffen. Aber ohne konkrete Erinnerung. „Waren wir nicht gemeinsam auf Landverschickung?“, fragt BDM-Ate beim Tee in der Konditorei die KZ-Ewa.

Damit niemals vergessen wird, hat der Abend einen zweiten Teil: Von 12. bis 14. Juni werden im Salon 5 Zeitzeugen zu Wort kommen und sich der Diskussion stellen. „Da wird der ehemalige Schuster aus Ottakring genauso dabei sein, wie berühmte Forscher oder Künstler.“ Erni Mangold, Franz Stadler, Helmut Schüller oder Zukunftsforscher Peter Zellmann sind eingeladen. Am 23. und 24. Oktober gastieren „Die Kinder von Wien“ dann im Posthof Linz.

Zur Person Robert Neumann: 1897 in Wien geboren, Studium der Medizin, Chemie und Germanistik, danach unter anderem Bankangestellter, Effektenkassierer, Schwimmtrainer und Matrose. Mit seinen Parodien „Mit fremden Federn“ (1927) und „Unter falscher Flagge“ (1932) erreichte er literarische Bekanntheit. Manche nannten ihne wegen seiner Mischung aus Witz, Spott, Angriffslust sogar einen heimlichen Moralisten, versteckt hinter der Maske des Spachvirtuosen. Freund Erich Kästner – und Neumann hatte nicht viele Freunde – schrieb über ihn: „Halb ein Bürgerschreck und halb ein erschrockener Bürger dichtet er sich leicht frierend durch das Menschengewühl.“ 1934 Emigration nach England, wo er weiter als Autor arbeitete; ab 1939 Tätigkeit für den österreichischen und internationalen P.E.N., dessen Vizepräsident er 1950 wurde. Neumann veröffentlichte mehr als 100 Bücher, Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher, zählt heute jedoch zu den großen unterschätzten Romanciers Österreichs, dessen Wiederentdeckung und literarische Neueinschätzung noch aussteht. Er starb 1975 in München.

Wieder zu entdecken wären: „An den Wassern von Babylon“, „Ein leichtes Leben“ (Geschichten aus dem Internierungslager, in das die Briten „feindliche“ Emigranten steckten), „Die Parodien“.

www.festwochen.at

www.kindervonwien.at

Ein „Wienerlied“ zum Reinhören: kindervonwien.at/?p=328  
Werner Brix und David Wurawa singen ein Update ((Musik: Christian Mair) des legendären Wienerliedes vom „Lieben Augustin“ über Pest und Überlebenswillen. Alle Vertriebseinnahmen werden der Gruft, dem Caritas-Betreuungszentrum für Obdachlose, zur Verfügung gestellt. 30 Käufer, die je 0,99 Euro bezahlen, finanzieren bereits eine warme Mahlzeit, eine Woche lang. „Howeverstillalive“ wurde unter eigenem Label (saucybark) verlegt und kann ab sofort online über iTunes, Google Play und zahlreiche andere Musikplattformen erworben werden.

www.salon5.at

www.ifflandundsoehne.com

www.dramashop.eu

An der Burg greift das Sparprogramm

April 8, 2013 in Bühne

Nestroy ist über die Bösch-ung gefallen

Weil ja die Subventionen des Burgtheaters in den vergangenen 13 Jahren real um 33 Prozent geschrumpft sind, erklärte die Kaufmännische Direktorin des Hauses kürzlich ihren Rücktritt als solche. Sie wird mit 1. September Burgherrn Matthias Hartmanns Stellvertreterin. Und: Mehr Direktoren her! Ein neuer Kaufmännischer Direktor wird u. a. per Inserat gesucht! Ja, man hat’s nicht leicht, als Luxusdampfer mit so bescheidenen Geldmitteln auszukommen. Davon können Beiboote aus der freien Szene nicht einmal ein Liedchen summen. Herr Pereira wird vielleicht mitfühlend ein Tränlein verdrücken. Der weiß ja, wie’s ist, mit beinah leerem Säckl auszukommen …

Presse: Fotos bei Nennung des Fotografen für die aktuelle Berichterstattung freigegeben.

Sarah Viktoria Frick (Salome Pockerl)
Bild: Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Doch an der Burg hat man sich an der Nase gefasst und sich ein strenges Sparprogramm verordnet. Das greift erstmals eindrucksvoll in David Bösch’s Hervorbringung von Nestroys „Der Talisman“ am Wiener Akademietheater. Der Regisseur, der vom Wunderkind zum Wunderwuzzi avanciert, hat einfach große Teile seiner „Gespenster“-Inszenierung (oder war’s „Stallerhof“?) von den Bühnenarbeitern bei der Tür hinauskehren lassen und spielt auf dem übrig gebliebenen Misthaufen nun … ja … äh … was? Hilfe.

Es ist immer schwer, als Ösi das Kulturgut der Eingeborenen zu verteidigen, ohne als Ahnungsloser abqualifiziert zu werden. Von wegen Erneuerung und so. Doch bei diesem „Talisman“ gab’s am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 6) heftige Rotationen, verursacht durch Sich-im-Grab-Umdrehungen auf der nach oben offenen Nestroy-Skala. Aber wozu sich beschweren? Es versteht sich ja eigentlich von selbst: Dieser unbedeutende, kaum je die Grenzen von k.k. Österreich sprengende Dramatiker verfasste da ne Posse ohne Wortwitz und Hinterfotzigkeit. Da muss ein Bösch einfach eingreifen, um das Ruder herumzureißen. Und so wurde mit Slapstick und Spiegelfechten, aber keinem Verstand für schwarzen Humor vor schwarzem Hintergrund Nestroys Perückenposse ENDLICH verschlimmbessert. Vielleicht spielt man das demnächst schon in der Mehrzweckhalle Bad Böblinghausen. Welch ein Glück!

Erste Dringlichkeit war, Nestroys Sprachgewandtheit durch den Fleischwolf zu drehen. Weil der Originaltext nicht genug Urkomik hergibt, musste sich Kirsten Dene als Frau von Cypressenburg in Versprechverdrehungen wie Taliban/Talisman ergehen. Was haben wir gelacht. Andre Meyer ist als Plutzerkern der beste Piefke der Welt – eine vollkommen logische Regieentscheidung. Ebenso wie die, Dietmar König als Friseur Monsieur Marquis im Fechtgewand zu einem Mix aus Frankensteins Monster und Richard III. zu machen; oder Maria Happel als dessen geliebte Kammerfrau Constantia zur Gothicbraut samt Reitpeitsche. Allesamt heftig bemüht, diesen ulkigen Alpenländerdialekt irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Das gilt auch für Markus Meyer als Titus Feuerfuchs, der für den verletzten Johannes Krisch eingesprungen ist. Arrogant-affektiert-geschwätzig, selbst im Striptease, ist er doch ein wenig im Osvald stecken geblieben. Ließ er dem Osvald zu wenig Fallhöhe in den Irrsinn, gibt er dem Titus zu wenig Oberlicht für den „gesellschaftlichen Aufstieg“. Sarah Viktoria Frick als Salome Pockerl müht sich in diesem Szenario nach Kräften.

Eine Lieblingsszene hat’s im Ganzen auch: Regina Fritsch als Gärtnerin Baumscheer mordet die Cypressenburg’sche Tochter (Liliane Amuat) im Plumpsklosett mit der Kettensäge, bis dieser die Gedärme aus dem Leib hängen … Überhaupt die Fritsch. Spricht wie frisch ei’gflogn aus Braadenlee (Breitenlee: Teil des 22. Wiener Gemeindebezirks, liegt im Marchfeld) und glaubt – ebenso wie Branko Samarovski als Bierversilberer Spund – „Nestroy“ spielen zu müssen. Eine Frechheit. Learnen’S amoi Deitsch, bevurs do wo’s spün! Möchte man den beiden zurufen. Schließlich hat Hartmann ein Konzept. „Der Talisman“ reiht sich nahtlos an den „Alpenkönig“ – in Fußball-Deutsch ausgedrückt: Eine Mannschaft, die dermaßen KEINE Einheit bildet, kann unmöglich ein Tor schießen.

PS.: Im „Talisman“ geht es um eine Gesellschaft, die aus Angst und Unwissenheit „das Fremde“ – die Rothaarigen – ausschließt und vertreibt. Und um einen der eigentlich Ausgestoßenen, der um jeden Preis Karriere machen will. Dazu könnte man eine Idee haben. Von wegen Erneuerung. Muss aber nicht sein. Oder wie Frau von Cypressenburg hier sagt: „Tschüss, Pfüat di, Baba, Adieu!“

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Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 4. 2013