Servus TV: Kein Betriebsrat, keine Kündigungen

Mai 3, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Mateschitz lässt den Sender weiterleben

In der Causa Servus TV war in diesen Minuten unter dem Titel „Positive Wendung bei Servus TV“ Folgendes per Aussendung zu erfahren: „Mittwochnachmittag trafen sich die Verantwortlichen von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Red Bull. Basierend auf gegenseitiger Akzeptanz und Respekt sowie dem Verständnis der jeweiligen Positionen und Standpunkte kam es zu einem konstruktiven Gespräch betreffend Servus TV. Nicht überraschend für einen Betrieb, der für seine hohen sozialen Standards bekannt ist, lehnt die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter einen Betriebsrat ab. Im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt. Die Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie wird von allen Beteiligten begrüßt. Red Bull führt daher den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen. Die Verantwortlichen glauben, dass sie dadurch eine gute Basis und Strategie gefunden haben, um die jeweiligen Ziele – die überwiegend gemeinsame und im Weiteren ähnliche Ziele sind – zu erreichen.“

Wien, 4. 5. 2016

Was bisher geschah:

Mateschitz will keinen Betriebsrat: Servus TV wird eingestellt. Das ist auch das Aus für Holenders „kulTour“

Bald nicht mehr auf "kulTour": Ioan Holender mit Opernstar Heinz Zednik. Bild: mottingers-meinung.at

Bald nicht mehr auf „kulTour“: Ioan Holender auf dem Bild mit Opernstar Heinz Zednik. Bild: mottingers-meinung.at

Dietrich Mateschitz‘ Servus TV stellt voraussichtlich noch im Juni den Betrieb ein. „Obwohl wir Jahr für Jahr einen nahezu dreistelligen Millionenbetrag in Servus TV investiert haben, lässt sieben Jahre nach Einführung die aktuelle Markt- und Wettbewerbssituation keine wirklich positive Entwicklung erwarten. Der Sender ist daher für unser Unternehmen wirtschaftlich untragbar geworden“, ließ das Haus heute via Aussendung wissen.

Der in den Red-Bull-Milliardenkonzern eingebettete Privatsender war 2009 mit hohem Anspruch an Qualität und Unterhaltung gestartet. Er überraschte mit dem naturwissenschaftlichen „Terra Mater“ und „Moderne Wunder“, mit Theater- und Opernübertragungen oder mit Ioan Holenders so tief- wie hintergründigem Kulturmagazin „kulTour“.

Ernst Swoboda, Vorstandsvorsitzender des Verbands Österreichischer Privatsender, reagiert schockiert: „Die Entscheidung des Eigentümers, den Sender aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen, muss natürlich respektiert werden. Aber diese Entscheidung ist ein scharfes Alarmsignal für die österreichische Medienpolitik. Denn die derzeitigen Rahmenbedingungen behindern nach wie vor massiv die Entwicklung eines wirtschaftlich tragbaren, privaten Rundfunkmarkts. Das Ende von ServusTV ist die bittere Konsequenz, wenn ein Sender hochqualitative, teilweise öffentlich-rechtliche Inhalte privat finanzieren muss, während die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt mit Gebühren Kommerz-TV betreibt.“ Auch Kultur- und Medienminister Josef Ostermayer zeigt sich „betroffen“. Mit dem Ende von Servus TV verlieren 264 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Sie sind bereits beim AMS angemeldet worden. Das Printmagazin Servus in Stadt und Land ist von der Maßnahme nicht betroffen.

Nachdem laut Standard „am Dienstag hartnäckig das Gerücht die Runde machte, dass Mateschitz wegen eines Rundmails, das von einer externen Mail-Adresse gekommen sei, empört gewesen sei. Darin sei vorgeschlagen worden, online über die Gründung eines Betriebsrats abzustimmen – was neue, bessere Verträge zur Folge gehabt und den Konzern mehr Geld gekostet hätte. Deshalb soll es dem Red-Bull-Boss gereicht haben, berichteten Mitarbeiter“ (mehr: derstandard.at/2000036231337/Schock-bei-Mitarbeiter-Viele-Redakteure-stehen-vor-dem-Nichts), erklärte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz den Salzburger Nachrichten, dass für ihn die beabsichtigte Gründung eines Betriebsrats der Hauptgrund war, um Servus TV einzustellen.

„Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV, so Mateschitz. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens – anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer – nachhaltig beschädigt. Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation des Senders nicht gerade dienlich war, ist evident.“

Ein Statement des Verbands Österreichischer Privatsender dazu steht noch aus.

www.servustv.com/at

Wien, 3. 5. 2016