Karikaturenmuseum: Mordillo

März 6, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Den richtigen Riecher

MORDILLO © 1996 Oli Verlag N.V. in der Ausstellung "MORDILLO", Karikaturmuseum Krems, 08/03 - 22/11/2015

MORDILLO
© 1996 Oli Verlag N.V.
in der Ausstellung „MORDILLO“, Karikaturmuseum Krems, 08/03 – 22/11/2015

Wenn sprachlose Figuren mit großen Nasen eine bunte, verführerische Welt bevölkern, den Ausweg aus verschlungenen Labyrinthen suchen oder sich in absurden Sportarten üben, dann befinden wir uns in der Welt von Guillermo Mordillo (*1932 Argentinien). Seine Bildgeschichten entfalten sich über das Herz direkt in den Verstand, dringen in alle Bevölkerungsschichten ein und erfassen sämtliche Altersstufen.

Das Karikaturmuseum Krems zeigt ab 8. 3. erstmals in Österreich in einer international heiß ersehnten Ausstellung dieses Mordillo-Universum in über 100 Originalen, farbenfroh aber deshalb nicht minder kritisch. Hinter einer märchenhaften Fassade lauert ab und zu das Unheil, wiederum in liebenswürdiger Gestalt mit großer Nase. Sosehr die gewaltige Knollennase zum Markenzeichen geworden ist, es geht Mordillo doch mehr um die Augen, deren Zeichnung die Seele der Figuren abbildet. Mit wenigen Strichen kann er hier zwischen Langeweile, Entsetzen und Verzücken variieren und damit seine Figuren wortlos zum Sprechen bringen. Die ausgestellten Originale stammen aus dem großen Familienschatz des Künstlers und werden erstmals in Österreich präsentiert. Das Karikaturmuseum Krems bietet somit die Möglichkeit, Mordillos Welt anhand von Skizzen, Zeichnungen und Cartoons zu entdecken – ein einzigartiges Erlebnis für die ganze Familie.

www.karikaturmuseum.at

Wien, 6. 3. 2015

Karikaturenmuseum Krems: Das Fenster zur Welt

Januar 23, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Fernsehen in der Karikatur aus den letzten 60 Jahren

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992 Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992
Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Unter dem Motto der Internationalen Funkausstellung in Düsseldorf 1953, „Fenster zur Welt“, präsentiert das Karikaturmuseum Krems ab 25. Jänner im IRONIMUS-Kabinett das Phänomen Fernsehen anhand von Karikaturen der letzten 60 Jahre. 1955 startete das Fernsehen in Österreich und heute ist es weltweit immer noch das beliebteste und meistgenutzte Medium. Das Fernsehen selbst und auch das gezeigte Programm stehen aber seit jeher im Kreuzfeuer der Kritik. Information, Unterhaltung, Spielball von Politik und anderen Manipulationen, Propaganda und Werbung oder bloße Berieselung – alle Funktionen und Aufgaben des Fernsehens werden in Karikaturen thematisiert, ebenso unsere gesellschaftliche Entwicklung, die kontinuierliche Veränderung des Fernsehens und die Konkurrenz durch neue Medien.

Fernsehen beeinflusst unseren Alltag, unser politisches, soziales und gesellschaftliches Verständnis und hat enorme Wirkung auf unseren Meinungsbildungsprozess. Karikaturist(inn)en verwenden das Medium Fernsehen in ihrer Symbolsprache und verraten in ihren Zeichnungen vieles über unsere Fernsehgewohnheiten. Die Ausstellung im Karikaturmuseum Krems präsentiert mit über 40 historischen bis aktuellen Karikaturen das Medium und die Entwicklung des Fernsehens und zeigt Sternstunden österreichischer und internationaler Fernsehgeschichte.

Künstlerliste: Wolfgang Ammer, Gernot Budweiser, Manfred Deix, Jean Genie – Christian Feichtinger, Alfred Gerstenbrand, Bruno Haberzettl, Gerhard Haderer, IRONIMUS – Gustav Peichl, Michael Jesenko, Rudi Klein, Ralf König, Mac – Hellmuth Macheck, Nicolas Mahler, Ruben L. Oppenheimer, Michael Pammesberger, Petar Pismestrovic, Sinisa Pismestrovic, Chlodwig Poth, Rang – Rudolf Angerer, Tex Rubinowitz, Oliver Schopf, Erich Sokol, Jean Veenenbos, WIN – Winifred V. Jakob, Thomas Wizany, Wolfgang Zöhrer.

www.karikaturmuseum.at

Wien, 21. 1. 2015

Die Kunsthalle Krems 2014

Dezember 4, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Andy Warhol bis VALIE EXPORT

William Kentridge: Zeichnung für den Film "Felix in Exile", 1994 Bild: © William Kentridge, 2013, Courtesy Wiliam Kentridge Studio

William Kentridge: Zeichnung für den Film „Felix in Exile“, 1994
Bild: © William Kentridge, 2013, Courtesy Wiliam Kentridge Studio

Die Kunsthalle Krems, zusammen mit der Factory und dem Forum Frohner, präsentiert im Jahr 2014 fünfzehn ambitionierte Ausstellungen und Sonderprojekte. Ein Schwerpunkt ist diesmal dem Medium Zeichnung gewidmet. Mehrere Schauen gewähren Einblick in verschiedene Traditionen und Wahrnehmungsschulen aus fünf Jahrhunderten und bilden nach der großen Yoko Ono-Retrospektive, noch zu sehen bis 23. 2.2014, den Auftakt des Ausstellungsjahres. Neben dem jungen österreichischen Zeichner und Objektkünstler Constantin Luser, der vor Ort eine große Wandarbeit kreieren wird, ist William Kentridge der Einladung nach Krems gefolgt, wo er seinen gesamten Animationsfilmzyklus „Drawings for Projection“ präsentieren wird.

Die Highlights des Programms:

KARIKATURENMUSEUM. ZEICHNEN FÜR DEN FRIEDEN. Ab 26. 1. 2014.

Die Friedenstaube in der Karikatur.

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. VON TIEPOLO BIS WARHOL DIE SAMMLUNG KLÜSER. Ab 16. 3. 2014.

Einer auf Papier festgehaltenen „Ideensammlung“ gleich bieten die etwa 250 Arbeiten aus der deutschen Privatsammlung von Bernd und Verena Klüser außergewöhnliche Einblicke in die Zeichenkunst vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Herausragende Meister der Spätrenaissance und des Barocks von Parmigianino oder Giovanni Battista Tiepolo über Anthonis van Dyck und Rembrandt Harmenszoon van Rijn bis zu Jean-Honoré Fragonard bilden den Ausgangspunkt der Schau. Von dort spannt sich der Bogen zu deutschen und französischen Werken des 19. Jahrhunderts. Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge sowie Carl Gustav Carus sind ebenso darunter wie Eugène Delacroix, Théodore Géricault oder Victor-Marie Hugo. Die klassische Moderne wird unter anderem vertreten von den Künstlern Paul Cézanne, Henri Matisse, Constantin Brâncusi und Alberto Giacometti. Der Kunst nach 1945 wird mit bedeutenden Werkblöcken von Joseph Beuys, Blinky Palermo sowie Andy Warhol ein besonderer Schwerpunkt eingeräumt. Zeichnungen von Cy Twombly sowie Tony Cragg, Olaf Metzel und Jorinde Voigt bilden den Übergang zur jüngsten Gegenwart. Der Ausstellungstitel „Zurück in die Zukunft“ steht sinnbildlich für die Genese der Sammlung Klüser: Ursprünglich eine Kollektion zeitgenössischer Kunst mit einer zunehmenden Anzahl von
Werken der klassischen Moderne, erweiterte sich die Perspektive der Sammlung seit den 1990erJahren auch auf Zeichnungen von der Renaissance bis zur Romantik. Die Zusammenschau der Arbeiten eröffnet so ein eindrückliches Panorama der Zeichenkunst, das den Brückenschlag zwischen historischen und aktuellen Werken sucht.

CONSTANTIN LUSER. Ab 16. 3. 2014.

Mit seinen vielschichtigen Zeichnungen, die Worte, Symbole, abstrakte und figurative Elemente zu komplexen Liniengefügen vereinen, hat der österreichische Künstler Constantin Luser (*1976) innerhalb der letzten Jahre international Aufsehen erregt. Im Frühjahr 2014 fungieren die Wände des Oberlichtsaales der Kunsthalle Krems als Träger seiner verschlungenen wie verdichteten Bild- und Ideengeflechte, die er unter Ausschöpfung seines visuellen und gedanklichen Repertoires realisiert.

WILLIAM KENTRIDGE: DRAWINGS FOR PROJECTION. Ab 16. 3. 2014.

William Kentridge (* 1955) setzt sich in seinem Schaffen mit den Bedingungen des Menschseins, der Conditio humana, auseinander. Leid, Verlust, Trauer, Schmerz und Tod, aber auch Vergnügen, Sehnsüchte, Leidenschaften und Humor spielen eine bedeutende Rolle in seiner vielschichtigen Arbeit. Neben rauminstallativen Arbeiten, Theaterinszenierungen und Bühnenbildern widmet sich Kentridge vor allem dem Medium der Zeichnung, die er in Form von Animationsfilmen zum Leben erweckt. Aus einer Reihe von Bildern, gezeichnet mit Kohle
oder Pastellfarben, die der Künstler mit einer Filmkamera durch Einzelbildschaltung abfotografiert, entstehen erzählerische, poetische und mit suggestiver Kraft aufgeladene Kurzfilme. Ihre Inhalte setzen sich mit der dramatischen Geschichte und den politischen Konflikten Südafrikas in Zeiten der Apartheid, mit Kolonialismus, Totalitarismus, kapitalistischer Gier und Korruption auseinander. Fragen sozialer wie moralischer Verantwortung, Täter-Opfer-Beziehungsstrukturen sowie Aspekte der individuellen und kollektiven Erinnerung stehen im Zentrum von Kentridges Schaffen. Im Zuge der Ausstellung wird der gesamte zehnteilige Zyklus „Drawings for Projection“ präsentiert: „Johannesburg, 2nd Greatest City After Paris“ (1989), „Monument“ (1990), „Mine“ (1991), „Sobriety, Obesity and Growing Old“ (1991), „Felix in Exile“ (1994), „History of the Main Complaint“ (1996), „WEIGHING… and WANTING“(1998), „Stereoscope“ (1999), „Tide Table“ (2003) sowie „Other Faces“ (2011).

KARIKATURENMUSEUM. ALLES KLAR HERR KOMMISSAR?. Ab 6. 4. 2014.

Knatterton, Kottan, Emil und andere Detektive.

AKTIONISTINNEN. Ab 18. 5. 2014.

Hartnäckig ist der internationale Ruhm des „Wiener Aktionismus“ an seine männlichen Vertreter gebunden. Außer VALIE EXPORT, die sich mit ihren Body-Art-Aktionen und dem „Expanded Cinema“ auch im Ausland etablieren konnte, und den bis Amerika bekannten Werken von Birgit Jürgenssen, werden die in den 1970er- und 1980er-Jahren auftretenden Vertreterinnen des Aktionismus nur zögerlich von der Kunstgeschichte wahrgenommen. Dabei haben gerade Renate Bertlmann, Linda Christanell, Rita Furrer, Margot Pilz oder Inge Opitz mit ihren Aktionen über die Galerien Grita Insam, Ursula Krinzinger und die Galerie im Griechenbeisl hinaus auch in Museen, Kunstvereinen und der Kremser Performancewoche 1983 großes Aufsehen erregt. Nach der Erinnerungsschau „Mothers of Invention“ (2003) in der mumok-Factory und „Matrix“ (2008) im MUSA setzt die Präsentation im Forum Frohner die Forschung zu den wichtigsten Protagonistinnen des österreichischen Aktionismus fort. Aktionen, dokumentiert in Fotografie und Film, sowie Aktionsrelikte werden dabei gegenübergestellt. Bevor der Begriff „Performance“ in die Szene der bildenden Kunst des Theaters Eingang fand, dienten Kunstaktionen vor allem der Vermittlung gesellschaftspolitischer Statements. Weitere Inhalte sind die Alltagssymbolik der Frau, wobei – ganz im Unterschied zur masochistischen Thematik der „Wiener Aktionisten“ – eine feine Klinge in Sachen subtiler Humor und Identitätsbefragung geführt wurde. Selbstbespiegelungen des zum Objekt verdammten weiblichen Körpers werden zu Projektionsflächen für feinen Sprachwitz in Parallele zu strukturalistischer Methodik, vorgeführt vor allem durch die Medien Video, Fotografie und Film.
Künstlerinnen: Renate Bertlmann, Linda Christanell, VALIE EXPORT, Rita Furrer, Birgit Jürgenssen, Kiki Kogelnik, Friedl Kubelka Bondy, Inge Opitz und Margot Pilz.

BLUTORGEL. ADOLF FROHNERS ANFÄNGE IM WIENER AKTIONISMUS. Ab 7. 9. 2014.

Anlässlich des achtzigsten Geburtstages von Adolf Frohner (1934–2007) präsentiert das Forum Frohner in Kooperation mit dem Essl Museum einen umfassenden Rückblick auf sein Lebenswerk. Ist die Ausstellung im Essl Museum retrospektiv angelegt, fokussiert das Forum Frohner auf den Beginn seines künstlerischen Schaffens im Umfeld von Otto Muehl und Hermann Nitsch, die sich Anfang der 1960er-Jahre mit der Aktion „Blutorgel“ in die österreichische Kunstgeschichte eingeschrieben haben. „Wir wollten diesen Vatermord
begehen […]!“, analysierte Frohner Nitschs, Muehls und seine Motivation zur Durchführung der aufsehenerregenden Aktion
„Blutorgel“, die zusammen mit dem gleichnamigen Manifest als Beginn des „Wiener Aktionismus“ gilt. Als dreitägige Einmauerungsaktion konzipiert, fand diese vom 1. bis zum 4. Juni 1962 in einem Wiener Atelierkeller statt. Sie bestimmte in besonderer Weise den Werdegang Frohners und gilt aus heutiger Sicht als Ausgangspunkt seiner formalen Konzeptionen zwischen Objekt, Bild und Relikt auf der Spur einer Ästhetik des Hässlichen. Neben dokumentarischen Zeugnissen der Aktion „Blutorgel“ sind in der Ausstellung zentrale Materialarbeiten Frohners aus den frühen 1960er-Jahren – wie „Ausgeweidet“ oder „Das hohe Bett der Rituale“ – zu sehen. Dass das aktionistische Vokabular auch Eingang in die malerischen Arbeiten des Künstlers fand, wird in einem Dialog mit Werken von Nitsch und Muehl aus den 1960erJahren deutlich. Die Ausstellung folgt damit Frohners Suche eines bildnerischen Neuanfangs nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges.

www.kunsthalle.at

www.mottingers-meinung.at/yoko-ono-in-der-kunsthalle-krems

Wien, 4. 12. 2013

Lucky Luke reitet nach Krems

Mai 29, 2013 in Ausstellung

Der wilde Westen kommt ins Karikaturenmuseum

lucky_luke_2012Er zieht schneller als sein Schatten, ist als einsamer Cowboy immer auf Seiten des Gesetzes, hat mit seinem cleveren Pferd Jolly Jumper und seinem so treuen wie tollpatschigen Hund Rantanplan zwei erstklassige Schurkenjäger zur Seite – und das sind IMMER die vier Dalton-Brüder. Lucky Luke ist eine Legende. Nicht nur im Wilden Westen. Erstmals wird der Held auch im Karikaturmuseum Krems für Recht und Ordnung sorgen (von 2. Juni bis 17. November). Die Ausstellung, kuratiert von Direktor Gottfried Gusenbauer, ist weltweit einzigartig und zeigt wichtige Stationen des Comic-Klassikers mit Schwerpunkt auf der Arbeit seines Zeichners Achdé, aber nicht ohne Lucky Lukes künstlerischen „Vater“, den belgischen Comic-Zeichner Morris, in Originalen zu vergessen. Achdé wurde nach dessen Tod Morris‘ Nachfolger. Noch testamentarisch hatte Morris verfügt, dass es weitere Lucky-Luke-Abenteuer geben solle. Achdé stieg 2003 mit „Der französische Koch“ ein.

Viele Protagonisten haben realen Hintergrund, der Stoff für einmalige Storys bietet. Sei es der Gründer des FBI, Allen Pinkerton, historische Schurken wie Billy the Kid, eine Reminiszenz an den Meisterkoch Auguste Escoffier oder Showbiz-Diven wie Celine Dion. In Krems räumt man mit Wild-West-Klischees auf, enthüllt so manche Wahrheit und lässt Kinderträume für Groß und Klein wahr werden. Die Schau wurde um Exponate von privaten Sammlern ergänzt.

Auch für den 1961 in Lyon geborenen Achdé erfüllte sich mit seinem Cowboy ein Kindheitstraum. Schon als Fünfjähriger soll er auf die Frage, was er einmal werden wolle, „Lucky-Luke-Zeichner“ geantwortet haben. „Dann“, so erzählte er Gottfried Gusenbauer, „habe ich 1999 an einem Kollektiv teilgenommen, das eine Hommage an Morris schuf. Bei dieser Gelegenheit bin ich Madame Morris begegnet, zufällig an meinem Geburtstag. Sie kam auf mich zu und sagte: ,Sind Sie Achdé? Ihre Geschichte hat Morris sehr gefallen.‘ Sie sagte nur diesen kurzen Satz, aber das war für mich das schönste Geschenk, das es gibt.“

www.karikaturenmuseum.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 29. 5. 2013