Karikaturmuseum Krems: Ironimus 90. Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018

Februar 28, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Bislang Unveröffentlichtes aus dem „Unruhestand“

Ironimus, Zehn Impressionen, 1958 © Ironimus Archiv

Ab 3. März zeigt das Karikaturmuseum Krems die Schau „Ironimus 90. Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018“. Die Ausstellung zum 90. Geburtstag des Karikaturisten und der Zeichnerlegende zeigt neue, bislang unveröffentlichte Cartoons aus dem „Unruhestand“. Die humorvollen Zeichnungen der Jubiläumsausstellung geben einen besonderen Einblick in das Schaffen von Ironimus.

Mit mehr als 12.000 Karikaturen, über 30 Büchern und rund 100 Ausstellungen blickt Ironimus auf eine beispiellose Karriere zurück. Seine ORF-Sendungen „Die Karikatur der Woche“ und „Der Jahresrückblick in der Karikatur“ erreichten ein Millionenpublikum. Unter seinem bürgerlichen Namen wurde Gustav Peichl als Architekt bekannt, zum Beispiel durch den Bau der ORF-Landesstudios in Graz, Dornbirn, Eisenstadt, Salzburg, Innsbruck, St. Pölten und Linz, den Neubau des Städel Museums, der Bundeskunsthalle in Bonn und des Karikaturmuseum Krems. Aus diesem Anlass präsentiert das Karikaturmuseum Krems zu seinem 90. Geburtstag eine Jubiläumsausstellung mit seinen besten, nicht politischen Zeichnungen. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Ironimus‘ Sohn, dem Kurator und Galeristen Markus Peichl kuratiert, dadurch erhält der Besucher einen sehr feinfühligen Blick in das Schaffen seines Vaters.

Ironimus , Metamorphosen, Nr. 32, 2016 © Ironimus Archiv

Ironimus, Metamorphosen, Nr. 10, 2015 © Ironimus Archiv

Mehr als 60 Jahre lang hat Ironimus mit spitzer Feder das politische Zeitgeschehen aufs Korn genommen, ehe er sich Ende 2014 zur Ruhe setzte. Der zeitliche Bogen der Arbeiten spannt sich von 1948 bis 2018 und präsentiert das zeichnerisch-humoristische Repertoire des Cartoonisten. Wie der Titel schon verrät, stehen nicht die (tages-)politischen Zeichnungen im Vordergrund. Feinsinnige Cartoons und hintergründige Beobachtungen, die mit der Doppelbödigkeit des Lebens und der Kunst spielen, sind in der Schau ein zentrales Thema. Sie führen die Absurdität der kleinen, alltäglichen Momente vor Augen.

Witzige, bisweilen absurde Situationen wechseln sich mit intelligenten Kurzgeschichten ab, unerwartete Perspektiven treffen neue ungewöhnliche Bild-Metamorphosen. Allesamt haben die Originale eine klare Formulierung und die unverkennbare Handschrift von Ironimus. Politisch aufgeladen finden sich viele dieser Bildideen in den Editorial Cartoons des Künstlers wieder. Genau diese Kombination und die Einzigartigkeit Ironimus‘ sind weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und geschätzt.

www.karikaturmuseum.at

28. 2. 2018

Karikaturmuseum Krems: Marie Marcks

November 25, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die Meisterin mit dem Finger am Bleistift der Zeit

Marie Marcks: Verantwortung – für wen oder was?, 1979 caricatura museum frankfurt, Bild: © Marie Marcks, 2015

Marie Marcks: Verantwortung – für wen oder was?, 1979
caricatura museum frankfurt, Bild: © Marie Marcks, 2015

Das Karikaturmuseum Krems widmet sich ab 29. November zwei Meisterinnen in der vermeintlichen Männerdomäne Zeichnung: Marie Marcks und Barbara Yelin. Die 1922 geborene Berlinerin Marcks, Nichte des Bildhauers Gerhard Marcks und bekennende Karl-May-Leserin, war die wichtigste Karikaturistin, Grafikerin und Autorin im deutschen Sprachraum. Als Chronistin ihrer Zeit bearbeitete sie mit Tusche und Feder gesellschaftspolitische Themen ohne erhobenem Zeigefinger. Sie hatte den Finger lieber am Bleistift als in der Luft. 

Nachkriegszeit, Rüstungspolitik, Atomkraft, Friedensarbeit oder Umweltschutz – mit Detailreichtum und Wortwitz bezog Marcks bis ins hohe Alter Position in politischen Fragen und kommentierte ihre Umwelt mit pointierten Zeichnungen. Gern nahm Marcks Autoritäten aufs Korn und stellte sich auf die Seite der Kleinen. Vor dem hintergründigen Humor der Karikaturistin war niemand sicher, auch jene nicht, denen die Grün-Denkerin politisch zuneigte. „Humor ist unheimlich wichtig“, so Marcks in einem Interview mit der Zeit, „auch in der politischen Karikatur, das Lächerlichmachen ist viel wirksamer, als zu dozieren. Die Leitartikelschreiber waren oft eifersüchtig auf meine Narrenfreiheit“.  Narrenfreiheit, dieser Begriff stammt ja noch aus Zeiten, in denen Narren am Hofe gehalten wurden, nicht nur um zu amüsieren, sondern auch um die Wahrheit zu sagen. Früh schon, früher als die Leitartikler, warnte sie vor dem Wiedererstarken der Rechten und zeichnete gegen die Neonazis an.

Anfang der 1960er Jahre begann sie, Karikaturen zu veröffentlichen. Ihre ersten Werke erschienen in der Zeitschrift atomzeitalter von Claus Koch. Im Laufe der Zeit erweiterte die Mutter von fünf Kindern ihre Zeichnungen auf Themen aus dem feministischen Bereich. Ihre autobiografischen Aufzeichnungen aus dem Alltag waren ein wichtiges Votum für die Gleichstellung der Frau. Ihre Bilder, schwarz-weiß oder mit Buntstift, sind oft mit Sprechblasen oder Untertexten zu Momentaufnahmen einer Entwicklung(sgeschichte) konzentriert. Ihre Geschichten öffnen die Augen für die Absurditäten des Alltagslebens, für die Komik der Geschlechterverhältnisse und die große, weite Welt der Beziehungen von Eltern und Kindern. In die „Frauen- und Sozialecke“ wollte sie sich allerdings nicht drängen lassen. „Anfangs“, erzählte Marcks anlässlich der Ehrungen zu ihrem 90. Geburtstag, „habe ich noch meinen Vornamen abgekürzt, damit man nicht weiß, dass ich eine Frau bin. Ich wollte nicht nur auf Frauenthemen beschränkt sein. Alice Schwarzer fragte mich einmal für die Emma an, aber mein Cartoon war ihr dann doch zu ‚männerfreundlich'“.

Bei aller Liebe zur zugespitzen Bleistiftspitze, ein Tabu gab es, dies ein Statement anlässlich der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten, für Marcks: „Das Verspotten fremder Religionen … Aber die Verzerrung des Islams – dazu gehören auch die Selbstmordkommandos – sollte man durchaus kritisch betrachten, auch mit Hilfe von Karikaturen. Das ist etwas anderes, als den Propheten Mohammed zu karikieren und lächerlich zu machen“. Sie selbst war wegen Zeichnungen über die Wiedervereinigung Deutschlands oder den Streit um das Berliner Holocaust-Denkmal angefeindet worden. Marcks: „Ich bin auch oft zensiert worden bei meiner Arbeit, auch von liberalen Zeitungen. Zwar haben wir auf dem Papier eine Pressefreiheit, aber die wirksamste Zensur ist ja, erst gar nicht gedruckt zu werden. Das hat schon Heine gesagt“. (Das ganze Interview zum Islam in der Karikatur: www.brigitte.de/frauen/gesellschaft/karikaturen-interview-546628/)

Marie Marcks gilt als Vorbild vieler junger Karikaturistinnen und Karikaturisten. Die etwa 70 Arbeiten, die das Karikaturmuseum Krems nun zeigt, ermöglichen einen umfassenden Einblick in das Schaffen der Künstlerin und stammen aus dem caricatura museum frankfurt und Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst. Marie Marcks beteiligte sich noch persönlich an der Planung dieser Schau, bevor sie Ende 2014 gegangen ist. Die Doyenne der deutschen Cartoonisten fehlt. Ihr wäre zu Pegida und anderem Politblala angesichts der aktuellen Weltlage sicher eine Menge gestrichelter Sticheleien eingefallen.

Barbara Yelin: Artist in Residence

Die Künstlerin Barbara Yelin präsentiert im Karikaturmuseum Krems im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms ihre aktuellen Arbeiten zur Graphic Novel „Irmina“. Yelin, geboren 1977 in München, ist mehrfach ausgezeichnete Comiczeichnerin und derzeit Gast des Landes Niederösterreich. Parallel zu Marcks werden Yelins Comics und Graphic Novels in einer Personale vorgestellt. Darunter sind aktuelle, vor Ort entstandene und unveröffentlichte Arbeiten, Zeichnungen aus Sketchbooks von ihrem Indien-Aufenthalt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut zu sehen. Außerdem Originale aus ihrem Comic-Roman „Irmina“, ein packendes Drama, basierend auf einer wahren Geschichte über die Entscheidung zwischen persönlicher Freiheit und dem Drang nach gesellschaftlichem Aufstieg in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit „Irmina“ hat sich Barbara Yelin an die Spitze der Graphic Novel-Szene gezeichnet.

marie-marcks.de

www.karikaturmuseum.at

Wien, 25. 11. 2015

Karikaturenmuseum Krems: Das Fenster zur Welt

Januar 23, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Fernsehen in der Karikatur aus den letzten 60 Jahren

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992 Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992
Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Unter dem Motto der Internationalen Funkausstellung in Düsseldorf 1953, „Fenster zur Welt“, präsentiert das Karikaturmuseum Krems ab 25. Jänner im IRONIMUS-Kabinett das Phänomen Fernsehen anhand von Karikaturen der letzten 60 Jahre. 1955 startete das Fernsehen in Österreich und heute ist es weltweit immer noch das beliebteste und meistgenutzte Medium. Das Fernsehen selbst und auch das gezeigte Programm stehen aber seit jeher im Kreuzfeuer der Kritik. Information, Unterhaltung, Spielball von Politik und anderen Manipulationen, Propaganda und Werbung oder bloße Berieselung – alle Funktionen und Aufgaben des Fernsehens werden in Karikaturen thematisiert, ebenso unsere gesellschaftliche Entwicklung, die kontinuierliche Veränderung des Fernsehens und die Konkurrenz durch neue Medien.

Fernsehen beeinflusst unseren Alltag, unser politisches, soziales und gesellschaftliches Verständnis und hat enorme Wirkung auf unseren Meinungsbildungsprozess. Karikaturist(inn)en verwenden das Medium Fernsehen in ihrer Symbolsprache und verraten in ihren Zeichnungen vieles über unsere Fernsehgewohnheiten. Die Ausstellung im Karikaturmuseum Krems präsentiert mit über 40 historischen bis aktuellen Karikaturen das Medium und die Entwicklung des Fernsehens und zeigt Sternstunden österreichischer und internationaler Fernsehgeschichte.

Künstlerliste: Wolfgang Ammer, Gernot Budweiser, Manfred Deix, Jean Genie – Christian Feichtinger, Alfred Gerstenbrand, Bruno Haberzettl, Gerhard Haderer, IRONIMUS – Gustav Peichl, Michael Jesenko, Rudi Klein, Ralf König, Mac – Hellmuth Macheck, Nicolas Mahler, Ruben L. Oppenheimer, Michael Pammesberger, Petar Pismestrovic, Sinisa Pismestrovic, Chlodwig Poth, Rang – Rudolf Angerer, Tex Rubinowitz, Oliver Schopf, Erich Sokol, Jean Veenenbos, WIN – Winifred V. Jakob, Thomas Wizany, Wolfgang Zöhrer.

www.karikaturmuseum.at

Wien, 21. 1. 2015