Mike Smith: Boko Haram. Vormarsch des Terror-Kalifats

September 24, 2015 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein Augenzeugenbericht über Nigerias unheiligen Krieg

9783406682193_coverSchätzungen zufolge sind mehr als eine Million Menschen, darunter viele Kinder, auf der Flucht. Mehr als 10.000 Menschen sind seit 2009 in Nigeria, dem mit ca. 170 Millionen einwohnerreichsten Staat Afrikas, ums Leben gekommen – das Werk der Terror-Miliz Boko Haram. Doch woher kommt diese fundamentalistische islamische Gruppe, die so viel Schrecken, Angst und Gewalt in Nigeria und seinen Nachbarstaaten verbreitet? Der amerikanische Journalist Mike Smith hat sich drei Jahre lang auf die Spuren dieser Fanatiker geheftet und seine Eindrücke und Ergebnisse in dem brandaktuellen Buch „Boko Haram – Der Vormarsch des Terror-Kalifats“ niedergeschrieben.

Und diese geben großen Anlass zur Sorge, für die Menschen in Nigeria, aber auch weltweit. Denn eines ist sicher: Eine zufällig zusammengewürfelte Bande, wie manche nigerianische Politiker und Militärs der Weltöffentlichkeit weiß machen möchten, sind Boko Haram sicher nicht. Das wäre auch eine allzu einfache Erklärung. Die Wurzeln und Gründe für ihr Entstehen bzw. ihr Erstarken in den letzten Jahren liegen tiefer. Sowohl in der nigerianischen Gesellschaft als auch in der leidvollen Geschichte des westafrikanischen Staates, der 1960 seine Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren erhielt. „Boko Haram ist ein Problem, das seine Wurzeln in Nigeria hat und das die Nigerianer lösen müssen“, weiß der Autor und Kenner des Landes.

Smith geht auf Spurensuche. Er befragt nigerianische Politiker, Militärs, Einwohner, Sympathisanten und Opfer von Boko Haram, die aus ihrer Sichtweise die Ereignisse schildern. Er reist an die Orte der Gewalttaten und macht sich ein Bild. Er besucht, trotz Behinderungen der lokalen Behörden, die Millionenstadt Kano im Norden des Vielvölkerstaates, wo Anfang 2012 einige Tage bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten und sich die Armee und Boko-Haram-Kämpfer wilde Gefechte lieferten, Abuja, die Hauptstadt, wo 2011 ein Sprengstoffanschlag von Boko Haram auf ein UN-Gebäude mindestens 23 Todesopfer forderte oder Chibok und die Schule, aus der am 14. April 2014 300 Mädchen von den Islamisten verschleppt wurden. Viele von ihnen sind bis heute nicht aufgetaucht. Damit entsteht ein lebhaftes Bild der Ereignisse und ein Buch, das weit über das Sollen und Wollen eines Sachbuches hinausgeht.

Nigeria ist heute Afrikas größte Volkswirtschaft, doch das bedeutet für die Mehrheit der Nigerianer, die weiterhin von weniger als einem Dollar pro Tag leben muss, wenig oder gar nichts. Sie ist gezwungen, sich irgendwie über Wasser zu halten, während ihre Führer und korrupten Wirtschaftsmagnaten sich, von der Polizei eskortiert, mit ihren Geländewagen gewaltsam den Weg durch den Verkehr bahnen und hinter den Schutzmauern ihrer Wohnanlagen verschanzen. Schmiergelder gehören in Nigeria ebenfalls zum Alltag, und dann gibt es noch den Unterschied zwischen dem großteils muslimischen Norden und dem christlichen Süden, in dem sich die Erdölvorkommen des Landes befinden. Gewalt prägte und prägt die Geschichte des westafrikanischen Staates. Auch nach der Unabhängigkeit 1960, die im Sezessionskrieg Biafras (1967-1970) und dessen Scheitern gipfelte. Die Kultur des Nordens unterscheidet sich stark von der des Südens, da sich im Mittelalter zusammen mit dem Handel auch der Islam in den Savannengebieten südlich der Sahara ausgebreitet hat. Im Großteil des heutigen Nordens wurde Anfang des 19. Jahrhundert nach einem bewaffneten Dschihad unter der Führung von Usman dan Fodio, einem islamischen Geistlichen, das Kalifat Sokoto errichtet, das erst von den Briten beendet wurde. Der Norden und Süden wurden eins. Das heutige Nigeria ist nur dem Namen nach ein Nationalstaat. Es wurde vielmehr aus diversen traditionellen Gesellschaften und Hunderten von ethnischen Gruppen zusammengewürfelt.

Smith: „Neben kulturellen und historischen Faktoren sind jedoch vor allem die legendäre Korruption und Misswirtschaft in Nigeria verantwortlich für den desolaten Zustand des Nordostens und des Landes insgesamt. Nigerianer aus allen Ethnien und Regionen haben jegliches Vertrauen in die Regierung, das Rechtssystem und die Sicherheitskräfte des Landes verloren, das sie vielleicht einmal hatten.“ Viele im Norden betrachten die Demokratie inzwischen als System, das sie in Armut belässt und unwürdige, korrupte Führer reich macht. Zusammengefasst: Armut, keine Bildung, Korruption auf allen Ebenen, dazu unzählige Staatsstreiche und Umstürze, die gescheitete Sezession Biafras im Osten des Landes, die Millionen Tote forderte: In dieser Atmosphäre begann Mohammed Yusuf, Boko Harams erster Führer, damit, seine Anhänger um sich zu scharen.

Der Autor zeichnet seinen Aufstieg (1970 geb., 2009 nach seiner Gefangennahme vermutlich von den Sicherheitskräften erschossen) soweit es die Quellenlage erlaubt nach. Zuerst war er Gefolgsmann des Predigers Sheikh Ja’far, der den Koran auf sehr eigenwillige Weise interpretierte, bald ging er seine eigenen, radikaleren Wege (u.a. gegen alle westliche Formen von Bildung und dem Aufruf an die Muslime des Landes nicht an einer weltlichen Regierung teilzunehmen). Das war um das Jahr 2003, quasi dem Geburtsdatum der Gruppierung, die später als Boko Haram (Haussa-Ausdruck für „Westliche Bildung ist verboten“) zu trauriger Berühmtheit gelangte, auch wenn sie sich selbst als „Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad“ bezeichnet. Bald danach verübte die radikal-islamische Gruppierung die ersten Anschläge auf Polizeistationen. Yusuf scharte in seinem Kreuzzug gegen westliche Einflüsse eine vor allem aus jungen orientierungslosen, arbeitslosen Menschen bestehende Anhängerschaft um sich.

Seine Hass-Predigten und Video-Botschaften wurden militanter. Er bereitete seine Anhänger auf den Kampf gegen das Böse auf der Welt und gegen den nigerianischen Staat vor. Am 26. Juli 2009 begann schließlich der Boko Haram-Aufstand, der drei Tage andauern sollte und mit der Verhaftung Yusufs und seinem Tod endete. Boko Haram ging in den Untergrund. 2010 flammte der Terror unter Abubakar Shekau, Yusufs ehemaligem Stellvertreter mit Anschlagserien in mehreren Städten Nigerias erneut auf. Die Präsidenten wechselten, der Terror blieb. Die Regierungsmacht ignorierte das Problem bzw. glaubte, es im Griff zu haben. Doch schon bald breitete sich die Welle der Gewalt vom Norden auf den Middle Belt Nigerias und auch in den Süden aus, bis 2012 der nationale Notstand ausgerufen werden musste. Shekau bekannte sich und die Boko Haram zu Anschlägen in Kano und anderen Städten. Diese richteten sich nun nicht mehr nur gegen Repräsentanten des Staates.

In den Auseinandersetzungen wurden und werden auch Verbrechen der nigerianischen Sicherheitskräfte begangen, wie Berichte von Human Rights Watch belegen. Bürgerwehren sollen für Sicherheit vor den islamischen Extremisten sorgen, die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen und Boko Haram wendet eine neue Strategie an, die von Entführungen von Mädchen bis zu Selbstmordattentaten reicht. Auf der anderen Seite steht die Ohnmacht der nigerianischen Regierung und die hilflosen, ja kontraproduktiven Gegenmaßnahmen der Einsatzkräfte. „Tatsächlich war es doch gerade Nigerias Unfähigkeit, den Aufstand zu bekämpfen und das Vertrauen der eigenen Bevölkerung zu stärken, die es Boko Haram ermöglicht hatte, immer weiter zu wachsen und eine solche Wirkung zu entfalten ­ auch wenn es übertrieben ist, von einer Art ,al-Qaida West- und Zentralafrikas‘ zu sprechen.“, resümiert Smith.

Das Buch beginnt mit den Ereignissen in Kano 2012 und erzählt von einem Opfer der Anschläge, dem Polizeibeamten Wellington Asiayei, der für immer gelähmt bleiben wird – und endet mit dessen Tod 2015. „Die Debatte über Boko Haram, die internationalen Verbindungen und Dschihad-Ambitionen der Terrorgruppe wird und sollte weitergehen. Sie ist jedoch für jene, die tagtäglich mit der Realität der Gewalt konfrontiert sind, fast irrelevant. Das Problem ist kein Geringeres als der derzeitige Zustand Nigerias und die Art, wie das Land beraubt wird – seines Reichtums und, wichtiger noch, seiner Würde“ , schreibt Smith am Ende wenig hoffnungsvoll. Ob der seit einigen Monaten neu im Amt befindliche Präsident Muhammadu Buhari, selbst ehemaliger Militärherrscher des Landes, das Problem lösen wird, bleibt offen.

Über den Autor:
Mike Smith hat seit 2010 den Aufstieg von Boko Haram in Nigeria für die Nachrichtenagentur AFP beobachtet. Er veröffentlicht zahlreiche Artikel in großen Zeitungen und Magazinen wie „Slate magazine“ oder „The Guardian“.

C.H.Beck, Mike Smith: „Boko Haram – Der Vormarsch des Terror-Kalifats“, Sachbuch, 288 Seiten. Aus dem Englischen von Ursula Pesch, Karlheinz Dürr und Karsten Petersen

Literaturtipps:
Chimamanda Adichie: Die Hälfte der Sonne. Ein packender Roman über den Biafra-Krieg (1967-1970), München 2008
Wole Soyinka: Brich auf in früher Dämmerung. Erinnerungen des nigerianischen Literaturnobelpreisträgers, Zürich 2008
Toyin Falola: A History of Nigeria, Cambridge 2009
Richard Bourne: A New History of a Turbulent Century, London 2015

www.chbeck.de

Wien, 24. 9. 2015

Loretta Napoleoni: Die Rückkehr des Kalifats

Februar 18, 2015 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Durch Terror zum Staat?

9783858696403Der Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erfolgte rasch und blieb lange Zeit unbemerkt. Der Westen, allen voran die USA, hatte andere Sorgen. Der Irak verfiel nach dem Abzug der amerikanischen Invasionstruppen mehr und mehr in Chaos und Anarchie, die Ereignisse in Ägypten mit der Absetzung von Präsident Mursi und der Machtübernahme der Militärs unter dem heutigen Präsidenten al-Sisi, und der arabische Frühling, der letzten Endes seine Erwartungen nicht erfüllte, zogen das weltpolitische Augenmerk auf sich. Für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen IS war keine Zeit. Doch das änderte sich schlagartig als die Terrormiliz und ihr selbsternannter Kalif Abu Bakr al Baghdadi Ende Juni 2014 das Kalifat ausriefen, sie immer mehr Zulauf auch aus westeuropäischen Staaten bekamen und Geiseln, etwa Kriegsberichterstatter von Großbritannien bis Japan, auf brutalste Weise vor laufender Kamera enthauptet und Andersgläubige, insbesondere Schiiten oder zuletzt koptische Christen aus Ägypten, die als Gastarbeiter in Libyen arbeiteten, hingerichtet wurden.

Was war wieder einmal in der amerikanischen Nahostpolitik falsch gelaufen? Im Schatten der weltpolitischen Ereignisse zwischen 9/11 und Arabischem Frühling ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu einer Organisation herangewachsen, die heute im Begriff scheint, die politische Landkarte des Nahen Ostens neu zu ordnen. In ihrem brandaktuellen Buch „Die Rückkehr des Kalifats“ analysiert die Terrorismusexpertin Loretta Napoleoni den Aufstieg des Islamischen Staates und ihres Anführers Abu Bakr al-Baghdadi (geb. 1971 in Samarra, Irak, zwischen 2005 und 2010 verbüßte er im Irak eine Gefängnisstrafe) als Erben von Abu Musab al-Zarqawi, dem Emir von al-Qaida im Irak. Sie stellt dabei zentrale Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Was bedeutet die Rückkehr des Kalifats für den Westen und die arabische Welt? Und: Wie kann man IS effektiv begegnen?  Klar und präzise zeigt die Autorin, welche Ereignisse insbesondere ab 2003, nach der US-Invasion im Irak und dem Sturz des Hussein-Regimes, Wendepunkte markierten und welche Rolle, der seit 2011 anhaltende Bürgerkrieg in Syrien spielt, dessen Lösung in weite Ferne gerückt ist.

Im Zuge des Arabischen Frühlings sollte dem alawitischen (schiitischen) Assad-Regime in Damaskus der Garaus gemacht werden. Um dort einen Regimewechsel zu erwirken, haben die sunnitischen Herrscher Kuwaits, Katars und Saudi Arabiens eine ganze Reihe bewaffneter Gruppen finanziert – eine davon war der IS. Das zur Verfügung gestellte Geld hat der IS gut angelegt und seine eigenen Stützpunkte in strategisch wichtigen Gebieten errichtet – Ausgangsbasen für ihre weitere Expansion. Die modernen Waffen haben sie zum größten Teil im Irak und Syrien erbeutet und stammen aus den USA bzw. Russland. Daneben wurde aber auch aus dem Erlös des Erdölverkaufs fleißig eingekauft. Eine Lösung des Syrien-Konflikts ist heute nicht in Sicht. Assad ist weiter an der Macht. Vor allem Russland hält seine schützenden Hände über das Regime. Eine von den Vereinten Nationen sanktionierte mögliche westliche Militärintervention scheiterte bis jetzt am „Njet“ Putins.

Wie ist das Phänomen IS zu erklären? Terrororganisationen gab und gibt es weltweit viele. „Was … ihre (der IS, Anm. des Autors) enorme Durchschlagskraft erklärt“, so Napoleoni „sind ihre Modernität und ihr Pragmatismus. Die IS-Führung hat wie sonst kaum jemand erfasst, welche Einschränkungen die heutigen Mächte in unserer globalisierten und multipolaren Welt unterliegen.“ Und natürlich haben sie auch die Bedeutung der Medien und der Propaganda erkannt und nutzen diese für ihre Zwecke. Napoleonis markante These: Der IS verfügt mehr als jede andere bewaffnete Gruppe in der Vergangenheit über die Ressourcen und die Strategien zur dauerhaften Staatenbildung, auch wenn die Fundamente des Staates auf Terror basieren.

Was IS noch besonders macht: Anders als die Taliban und al-Qaida ziehen sie in erster Linie (noch) nicht direkt gegen den ihnen verhassten Westen und die USA in den Krieg. Sie wollen wieder ein Kalifat, in Anlehnung an das „Goldene Zeitalter“ des Islam (im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr.), auf arabischem Gebiet errichten. Die alten, korrupten Eliten werden in Frage gestellt, ebenso die willkürlichen europäischen Grenzziehungen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts (Sykes-Picot-Abkommen 1916), und sollen hinweggefegt werden. Dabei konzentriert sich der IS verstärkt auf die Nationbildung und in ihren eroberten Gebieten streben sie durchaus nach Konsens. Lokale Eliten werden für sie gewonnen und mit ausgebesserten Straßen, wiederhergestellter Stromversorgung, organisierten Suppenküchen für die Armen und anderer Maßnahmen versuchen sie die Zustimmung der ansässigen Bevölkerung zu gewinnen. Freilich: Per öffentlichem Aushang werden Verbote ausgerufen, Frauen dürfen nicht ohne männliche Begleiter reisen und müssen sich verhüllen und in der Öffentlichkeit keine Hosen tragen. Und mit ihrer aggressiven Missionierung treiben sie ihre religiöse Säuberung voran. Bewohner des IS-Herrschaftsgebiets, die nicht fliehen, müssen sich zum salafistischen (eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, die eine geistige Rückbesinnung auf die Vorfahren anstrebt) Glauben bekennen, andernfalls riskieren sie ihre Exekution. Und schiitische Muslime haben im sunnitischen IS sowieso keinen Platz.

Wie wird die Zukunft aussehen? Die kurze Aufbruchstimmung des Arabischen Frühlings ist verflogen. Von mehr Demokratie und Mitbestimmung der Massen am politischen Prozess ist wenig zu bemerken. Libyen versinkt nach dem Sturz Gaddafis im Bürgerkrieg, in Syrien kämpft das Regime Assad gegen die verschiedensten Rebellen- und Widerstandbewegungen, und diese wiederum gegeneinander, ums Überleben, der Irak versinkt im Chaos, im Jemen haben die schiitischen Huthi-Rebellen Präsident Hadi gestürzt und quasi die Macht übernommen, die Golf-Staaten unterdrücken jede Form der Opposition; gar nicht zu reden von der nach wie vor ungelösten Palästinenser-Frage. Dafür hat der Kampf gegen den IS überraschende, teilweise unheilvolle Allianzen geschaffen. Zwei Erzfeinde – die USA und der schiitische Iran – rücken zusammen, um gegen den sunnitischen IS vorzugehen. Kurdische Peschmerga-Kämpfer und die als Terrororganisation eingestufte PKK (kurdische Arbeiterpartei) werden für ihren Kampf gegen den IS mit modernen Waffen ausgerüstet. Ob sie diese nach einem Erfolg auch wieder abgeben werden, steht in den Sternen. Vielmehr wird es dem Bestreben der Kurden nach einem eigenen Staat nur neuen Auftrieb geben. Welche Staaten dafür Gebiet abtreten müssen? Syrien, der Irak oder/und die Türkei? Letztere wohl kaum. Der nächste kriegerische Konflikt scheint vorprogrammiert.

Die USA wiederum wollen eine internationale Allianz aufstellen, um den IS zu zerschlagen. Die Saudis, aber auch andere Golfstaaten, sollen dabei sein. Schließlich geht es doch um den Erhalt der Dynastien Saud, as-Sabah (Kuwait), al-Thani (Katar) oder al-Chalifa (Bahrain). Allesamt keine Bollwerke der Freiheit und Demokratie. Doch damit von dort das Erdöl auch weiter in den Westen fließt, nimmt man in Washington, London und Co. Menschenrechtsverletzungen, öffentliche Auspeitschungen, Unterdrückung der Frauen etc. in Kauf.
Wie wird das Experiment IS enden? Gibt es eine Alternative neben dem Scheitern des Arabischen Frühlings und dem Voranschreiten des Islamischen Staates? „Ja“, sagt Napoleoni. „Sie setzt Bildung und Wissen voraus sowie ein Verständnis der Art und Weise, wie sich unser politisches Umfeld verändert – dieselben Instrumente, die in der Vergangenheit benutzt wurden, um politischen Wandel nicht durch Blutvergießen, sondern durch Konsens zu erreichen.“ Das Buch ist ein Muss für alle, die den Konflikt und die Hintergründe verstehen wollen – abseits von Stereotypen, Vorurteilen und Medien-Propaganda.

Über die Autorin:
Loretta Napoleoni, geboren 1955 in Rom, ehemalige Fulbright-Stipendiatin und Absolventin der London School of Economics, gilt als Expertin, wenn es um die ökonomischen Grundlagen des internationalen Terrorismus geht. Bekannt wurde sie u.a. durch ihre Studie „Die Ökonomie des Terrors. Auf den Spuren der Dollars hinter dem Terrorismus“ (2004). Napoleoni, die als wissenschaftliche Beraterin u.a. für die UNO sowie als Auslandskorrespondentin tätig war, lebt in London.

Rotpunktverlag, Loretta Napoleoni: „Die Rückkehr des Kalifats“, Sachbuch, 160 Seiten mit einem reichhaltigen Glossar. Aus dem Englischen von Peter Stäuber.

www.rotpunktverlag.ch

Wien, 18. 2. 2015