Einen Abend mit Jonas Kaufmann ersteigern

Mai 19, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Künstler schenken sich her. Eine Auktion für Hemayat

Jonas Kaufmann. Bild: Julian Hargreaves/Sony Classical

Jonas Kaufmann. Bild: Julian Hargreaves/Sony Classical

Am 3. Juni ist das große Sommerfest für Hemayat im Palais Schönburg. Auch dieses Jahr gibt es wieder namhafte Unterstützer und Zeitspender für die bevorstehende Benefiz-Auktion zugunsten des Betreuungszentrums für Folter- und Kriegsüberlebende. Bundespräsident Heinz Fischer lädt zu Kaffee und Kuchen in die Präsidentschaftskanzlei, Karim El-Gawhary zu einem Gespräch über den Nahen Osten, Michael Niavarani erst in sein Globe Theatre zu einer Vorstellung, dann in die Theater-Bar.

Barbara Frischmuth bittet zu einer Jause in ihren Garten in Altaussee, Florian Scheuba zu einem gemütlichen Abendessen im „Petz im Gußhaus“, mit Andreas Vitasek darf man einen Tag auf Tour gehen. Julya Rabinowich kommt auf eine private Lesung vorbei. Und auch die Opernstars Angelika Kirschschlager und Jonas Kaufmann schenken den Meistbietern ihre Zeit und ein ganz persönliches Kennenlernen. Ab sofort kann man auf der Webseite des Dorotheum ein Gebot abgeben:

www.dorotheum.com/auktionen/aktuelle-auktionen/kataloge/list-lots/auktion/11845-charity-auktion-zeitspenden-und-kunstwerke-von-hemayat.html

Das Wort „Hemayat“ stammt aus dem arabischen Sprachraum und bedeutet Betreuung und Schutz. Das Betreuungszentrum Hemayat ermöglicht schwersttraumatisierten Flüchtlingen den Zugang zu psychotherapeutischer und medizinischer Hilfe. Nicht nur Erwachsene, auch viele Kinder und Jugendliche, die Folter und Krieg erlebt haben, finden hier Unterstützung. Im Jahr 2015 wurden 753 Menschen, davon 122 noch minderjährig, betreut. Alle Einnahmen aus dem diesjährigen Sommerfest und der Benefiz-Auktion werden der spezifischen Finanzierung von Einzeltherapieplätzen für traumatisierte Kinder und ihre Familien zweckgewidmet. Die Veranstaltung ist zur Gänze ehrenamtlich organisiert.

www.hemayat.org

Wien, 19. 5. 2016

Julya Rabinowich im Gespräch

Januar 15, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Tagfinsternis“ am Landestheater Niederösterreich

Foto: Margit Marnul

Foto: Margit Marnul

Am 17. Jänner wird am Landestheater Niederösterreich „Tagfinsternis“ von Julya Rabinowich uraufgeführt. Regisseur ist der durch seinen Kinoerfolg „Michael“ bekannt gewordene Filmemacher Markus Schleinzer. Die Story von „Tagfinsternis“: Vor zwei Jahren floh Eli mit seiner Familie nach Österreich. Seitdem wartet die Familie, hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen, in einer Flüchtlingspension auf die Beantwortung ihres Asylantrags. Eli gilt in seiner Heimat als Staatsfeind, da er als Krankenpfleger auch Widerstandskämpfer verarztet hat. Obwohl er nun in Sicherheit ist, lässt ihn die Vergangenheit nicht los. Als sein in der Heimat lebender Bruder als Geisel genommen wird, um gegen ihn ausgetauscht zu werden, steht Eli vor der Wahl, sich seinen Feinden zu stellen und sein Leben zu verlieren – damit aber die Familienehre zu retten – oder in Österreich zu bleiben und den Bruder zu opfern. Mit dem Eintreffen des langersehnten positiven Asylbescheids verschärft sich Elis moralisches Dilemma. Er weiß, dass den Seinen ohne ihn die Abschiebung droht. Die geringe Chance, seinen Bruder in der Heimat zu retten, bedeutet gleichzeitig, seine Familie hier zu opfern … Julya Rabinowich im Gespräch:

MM: „Tagfinsternis“ ist ein Stück, das es seit 2007 gibt. Nun kommt es endlich auf die Bühne. Und Sie feilen immer noch daran …

Julya Rabinowich: Ja, eigentlich sind wir mittlerweile bei der dritten Fassung, die ich gemeinsam mit dem Landestheater Niederösterreich erarbeite. „Tagfinsternis“ war mein erstes Theaterstück, fünf Stunden lang, bombastisch; ich habe ausgeholt und wiederholt – ich dachte wohl ein Anfang sei der richtige Moment, um gleich einmal den Mount Everest zu besteigen (sie lacht). Ich weiß auch noch nicht, ob dies nun die endgültige Fassung ist. Vielleicht verbinde ich später beide, schließlich sind die Fassungen Geschwister. Aber in der neuen sind Szenen drin, die absolut zwingend sind, die hundertprozentig bleiben werden. Mal sehen.

MM: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Landestheater Niederösterreich?

Rabinowich: Gut. Wenn ich Bücher schreibe, bestehe ich auf Singularität. Am Theater bin ich Teamworker. Ein Stück ist immer die größere Summe aller Teile. In diesem Fall war mir vor allem das Feedback von Markus Schleinzer wichtig. Mit ihm kann man anders sprechen als mit einem anderen Regisseur, denn er hat Erfahrung im Asylbereich, hat Asylwerber betreut, hat mit ihnen Kunstprojekte gemacht. Er weiß, was es für die Menschen bedeutet, zu warten, ausgeliefert zu sein, er kennt die Notwendigkeit, sich zu beschäftigen, um nicht verrückt zu werden. Ich unterziehe meine Texte gern einem Realitycheck – auch da kam von ihm Bestärkung. Dann wiederum hat er als Mann einen anderen Blick auf das Geschehen. Seine Sicht der Dinge haben wir also auch noch eingearbeitet.

MM: Sie waren früher Simultandolmetscherin bei Psychotherapie- und Psychiatriesitzungen von Asylwerbern. Diese Gespräche beschäftigen Sie. Sie sagten einmal: „Ich habe sehr viel mit Flüchtlingen zu tun. Da tragen alle Familien griechische Tragödien mit sich herum. Jede davon wäre theoretisch buch- oder theaterreif.“ Kam daher die Idee für „Tagfinsternis“?

Rabinowich: Die Idee zum Stück kam tatsächlich aus dieser Tätigkeit. Es gibt zum Thema noch zwei, drei Theaterstücke und Prosatexte. Dieses Immer-wieder-Aufsuchen ist wichtig für mich, weil viele der angesprochenen Themen auch mein Thema sind. Es hat lang gedauert, es war mir sozusagen erst auf den zweiten Blick klar, dass Entwurzelung Teil meiner Lebensgeschichte ist. Ich habe auch einmal in einer Flüchtlingspension gewohnt. Als Dolmetscherin war ich mit einer Flut an Vergewaltigungsopfern konfrontiert. Einige Frauen mussten sogar vor der eigenen Familie flüchten. Je reaktionärer, je abgeschlossener ein Ort ist, desto gefährlicher ist er. Ich war dabei, wenn die Frauen endlich ihre Angst vor Abschiebung überwanden und erzählten. Ich durfte keine Emotionen zeigen – eine furchtbare Anstrengung.

MM: In „Tagfinsternis“ werfen Sie Fragen nach der Bedeutung von Traditionen auf, zeigen einen Familien- und vor allem Ehrbegriff, der hierzulande doch sehr fremd ist.

Rabinowich: Nicht nur. Ich zeige eine Familie – Vater, Mutter, Tante, Sohn, Tochter – und diese Familie spiegelt diese Werte in einer gewissen Art und Weise. Was sie tun, kann man aber nicht verallgemeinern. Dies ist keine Wiedergabe, sondern eine literarische Bearbeitung.

MM: Kann man die vermittelten Standpunkte verstehen?

Rabinowich: Verstehen kann man vieles, dennoch bleibt es unbegreiflich. Bürgerkriege etwa neigen dazu, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Da gibt es geprägte Realitäten, die uns absurd erscheinen, die aber dort funktionieren. Deshalb glauben wir zu verstehen, wohin gewisse Mechanismen führen, bei gleichzeitigem Nichtglauben, dass sie jemand verfolgt.

MM: Welcher der Figuren gehört Ihr Herz? Mir hat sich beim Lesen keine so recht erschlossen.

Rabinowich: Das war meine Absicht, dass man sich nicht auf die Seite einer Figur schlagen kann. Ich wollte kein Verfolgungsdreieck „Verfolger, Retter, Opfer“ aufbauen. Mein Herz gehört so gesehen jeder Figur, das heißt: Vater – Mutter- Tante am meisten. Die Kinder sind notwendig, um die Entscheidungen des Vaters noch absurder erscheinen zu lassen. Die drei Erwachsenen stehen für drei Lebenseinstellungen, drei unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit – und über allem schwebt extreme Aggressivität. Die auch dadurch entsteht, dass man im Asylgasthof in einem kleinen Zimmer eingesperrt ist.

MM: Sie schreiben Stücke, Prosa, eine Kolumne in einer Tageszeitung. Was ist der Reiz an der Vielfalt?

Rabinowich: Die drei Genres fordern mich unterschiedlich. Das schärft den Blick auf neue Situationen, da kann man nicht in einen Trott verfallen. Die Kolumne ermöglicht mir außerdem aktuell aufs Tagesgeschehen einzugehen. Da gönne ich mir keine Ruhepause. Ich mache nie Urlaub von meinen Geschichten.

MM: Woran arbeiten Sie derzeit?

Rabinowich: An drei Sachen gleichzeitig. Ich bin mit einem Roman über bildende Kunst beschäftigt – für einen Ausschnitt daraus habe ich einen Literaturpreis bekommen, was mich sehr freut, weil mich das Projekt schon lange umtreibt. Ich schreibe für Hanser ein Jugendbuch „Tagfinsternis“, das die Geschehnisse aus dem Blickwinkel der Tochter beschreibt. Und ich arbeite für eine europaweite Publikation an einem Essay zum Jubiläum 1914. Darin schreibt jeder Autor über eine Stadt – und meine ist natürlich Wien.

ZUR AUTORIN: Geboren in St. Petersburg, 1977 „entwurzelt und umgetopft“, lebt Julya Rabinowich derzeit in Wien. Für den Roman „Spaltkopf“, der sie 2008 schlagartig bekannt machte, wurde sie unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Es folgten die Romane „Herznovelle“ (2011) und „Die Erdfresserin“ (2012) sowie zahlreiche Stipendien, darunter das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien. Bislang wurden sechs ihrer Theaterstücke uraufgeführt, zuletzt „Auftauchen. Eine Bestandsaufnahme.“ Die vielseitige Künstlerin ist auch Malerin.

ZUR PRODUKTION: Regie führt Markus Schleinzer, der 2011 mit „Michael“ sein Debüt als Filmregisseur gab. Mit seinem ersten Film, für den er auch das Drehbuch schrieb, gewann Markus Schleinzer zahlreiche Preise, darunter den Max-Ophüls-Preis und den Wiener Filmpreis, zudem erfolgte eine Einladung zu den Filmfestspielen in Cannes. Katrin Huber und Gerhard Dohr, die mit „Michael“ 2012 den Diagonale-Filmpreis für das beste Szenenbild gewannen, werden bei Tagfinsternis die Ausstattung übernehmen.

www.julya-rabinowich.com

www.landestheater.net

Wien, 15. 1. 2014

Ausschreibung exil-DramatikerInnenpreis 2013

April 11, 2013 in Bühne

Die WIENER WORTSTAETTEN suchen neue Stücke

Bild: Dimitre Dinev

Bild: Dimitre Dinev

Die WIENER WORTSTAETTEN schreiben heuer bereits zum siebten Mal den exil-DramatikerInnenpreis aus. Gemeinsam mit dem Verein exil werden abendfüllende, noch nicht uraufgeführte Theaterstücke, die sich im weitesten Sinne mit den Themen Fremdsein, Identität, Flucht, Vertreibung, Integration bzw. dem Leben zwischen den Kulturen auseinandersetzen, gesucht. Ein Projekt, aus dem  AutorInnen wie Dimitré Dinev, Julya Rabinowich, Seher Cakir, Semir Plivac, Ana Bilic, Marianna Salzmann, Olga Grjasnowa, Azar Mortazavi und Valerie Melichar hervorgegangen sind.

Teilnehmen können Personen, die seit mindestens einem halben Jahr im deutschen Sprachraum leben. Alle Texte müssen vom Autor oder der Autorin selbst in deutscher Sprache verfasst worden sein. Der Einreichung (in vierfacher Ausfertigung) sollen außerdem beiliegen: Kurzbiographie und Bibliographie, ein Foto sowie Adresse, Telefonnummer und Email-Adresse des Autors /der Autorin. Der Preis ist mit € 2.000,– dotiert, Einreichschluss ist der 30. April 2013.

Einsendungen ab sofort an: Verein exil, Kennwort „exil-DramatikerInnenpreis“, Stiftgasse 8, A-1070 Wien.
edition.exil@inode.at
Alle AutorInnen werden spätestens Anfang Oktober vom Ausgang des Wettbewerbes informiert.

www.wortstaetten.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 11. 4. 2013

Protestlesung im Schauspielhaus Wien

März 22, 2013 in Tipps

Mit Julya Rabinovich und Susanne Scholl

Julya Rabinowich  Bild: © Margit Marnul

Julya Rabinowich
Bild: © Margit Marnul

Am  24. März, 11 Uhr, findet im Schauspielhaus Wien  die „Protestlesung.Von Tätern und Opfern. Wider die derzeitige Rechtssprechung bei Sexualdelikten.“ statt Es lesen: Andrea Maria Dusl, Sabine Gruber, Olga Flor, Sibylle Hamann, Elfriede Hammerl, Gabriele Kögl, Margaret Kreidl, Lydia Mischkulnig, Helga Christine Pregesbauer, Julya Rabinovich, Eva Rossmann, Susanne Scholl, Andrea Stift, Linda Stift und Cornelia Travnicek. Es moderiert Mercedes Echerer. Musik: Sormeh (Iran/Serbien) – zwischen Kagran und Teheran: Ein  Bogen von orientalischer zu balkanischer Musik.

facebook.com/Sormehmusic

Gesang, Daf, Berimbao: Golnar Shahyar
Klarinette: Mona Matbou Riahi
Gesang, Viola, Loops: Jelena Popržan

Sexueller Missbrauch einer Minderjährigen führt derzeit innerhalb des gesetzlichen Strafrahmens zu 6 Monaten Fußfessel, von denen noch Monate nachgelassen werden sollen, obwohl das Opfer mehrfach angab, vom Täter weiterhin verfolgt worden zu sein. Eine Justiz, unter deren Wirken erwiesene sexuelle Gewalt an Frauen und Minderjährigen zu lächerlich geringen Strafen führt, signalisiert den Tätern freie Bahn. Ein sexueller Übergriff ist Gewalt. Delikte gegen Leib und Leben werden sanfter bestraft als Vermögensdelikte. Als Schriftstellerinnen erheben wir unsere Stimme stellvertretend für die Opfer und ihre Angehörigen. Ein Protest für alle – vorgetragen von vielen.

www.schauspielhaus.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 22. 3. 2013