Theater der Jugend: Die Abenteuer des Odysseus

Januar 18, 2022 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Griechischer Wein und ganz viel Blut auf der Erde

Bild: © Theater der Jugend

Bevor es über den mythologischen Troja-Helden zu berichten gilt, ein Wort über die Alltagshelden des Theaters, die dieser Tage allüberall alles tun, damit der Vorhang hochgeht. Im Theater im Zentrum, dem kleineren Haus des Theaters der Jugend, gelang dies bei „Die Abenteuer des Odysseus“ mit zwei Umbesetzungen: Curdin Caviezel, der die in dieser Spielfassung sehr wichtige Rolle des Telemachos übernahm.

Und Rafael Schuchter als Eurylochos, Bote, Teiresias, Freier auf Ithaka und Teil des Chors im Sturm. Wie die beiden in Windeseile in die Produktion gerauscht sind, nötigt Respekt ab. Auch Bijan Zamani als Odysseus, der sich im Probeneifer die Nase gebrochen hat, und dennoch auf der Bühne steht. Michael Schachermaier hat „nach Homer“ inszeniert und dafür die Magiemaschine angeworfen (Bühnenbild aus beweglichen Schiffsbausteinen: Judith Leikauf und Karl Fehringer, Kostüme: Regina Rösing, Abenteuerfilmmusik: Thomas Felder, das hier Atmosphäre schaffende Licht: Lukas Kaltenbäck); er hat am Haus vor einem Jahrzehnt schon mal bei der „Odyssee“ eines anderen Autors Regie geführt, nun machte er sich selber an den Text heran.

Schachermaier hat dafür einen Rahmen gebaut. Nach zwanzig Jahren Abwesenheit wird Odysseus als letzter Überlebender von Poseidons Rache an die Gestade von Ithaka gespült. Er ist traumatisiert, verwirrt, erkennt die Heimat erst nicht. Da torkelt sein steinalter Hund Argos heran, anrührend knuffig: Enrico Riethmüller, der später auch den Zerberus gibt (bis auf Odysseus und Telemachos sind die Darstellerinnen und Darsteller für mehrere Charaktere zuständig), er erkennt seinen Herrn. Pfötchen, ein Schlecker übers ganze Gesicht – Odysseus findet sich wieder, und Telemachos, der auf der Suche nach seinem treuen, vierbeinigen Freund ist. Jetzt kommt Schachermaiers genialer Kunstkniff. Der Vater erzählt dem Sohn, was bisher geschah – nicht die ganze Odyssee, die passte nicht ins 90-Minuten-Format -, und Telemachos, skeptisch und unentschlossen, wie er sich dem Alten gegenüber verhalten soll, findet sich plötzlich mitten drin in den „Abenteuern des Odysseus“.

Bild: © Theater der Jugend

Bild: © Theater der Jugend

Bild: © Theater der Jugend

Odysseus verliebt sich in Penelope, kein Heimchen am Herd: Cathrine Sophie Dumont, die hinter milchigen Folien auch als Schemen der Pallas Athene zu sehen ist, und im Hades als Odysseus‘ tote Mutter, Telemachos wird geboren, da erscheint Menelaos, Clemens Matzka martialisch in schwarzem Leder, und fordert vom Kriegsdienstverweigerer Gefolgschaft ein. Die zehn Jahre vor Troja sind schnell erzählt. Trojanisches Pferd. Kein Dankesopfer für Poseidon, abermals Matzka, den Gott der Meere und der Pferde, ergo Irrfahrt.

Jürgen Heigl, Rafael Schuchter, Enrico Riethmüller, Clemens Matzka – und Johanna Egger wechseln von Odysseus‘ Mannschaft zum präpotenten Pack von Penelopes Freiern, als erstere dem Listenreichen treu ergeben, obwohl der „Ithaka“-Ruf alsbald vom Stinkefinger begleitet wird, als zweitere sind sie famose Intriganten. Johanna Egger soll wohl ein Gegengewicht zu so viel toxischer Männlichkeit sein. Das alles zeigt Schachermaier nicht bitterernst, sondern modern und mit einer Portion frechen Humors. Vom Zyklopen Polyphem hört man aus den Tiefen des Saals nur ein Brüllen und Stampfen, die Schiffscrew in der Höhle, heißt: auf giftgrüner Leinwand, will den einäugigen Riesen zwecks Flucht betrunken machen, die Männer singen Udo Jürgens „Griechischer Wein“ und kommen schließlich mit dem aufgespießten Auge aus dem Untergrund.

Johanna Egger kann auch Circe. In durchsichtigen Gewändern singt sie den Popsong „Give in, you never win, whatever Circe wants Circe gets“. Kein Wunder, dass da Telemachos Hormone verrücktspielen, der Vater setzt zu einem „Du kommst jetzt in eine Phase…“-Vortrag an, Kichern im Saal, bevor sich der Kriegsverbrecher entschließt, bei der schönen Zauberin auch Ehebrecher zu werden. Der Schweinechor intoniert dazu eine Rumba, Odysseus fühlt sich jedenfalls sauwohl. Telemachos fragt: „Und was ist mit Mutter?“, darauf Odysseus: „Komm erst mal in mein Alter …“

Bild: © Theater der Jugend

Bild: © Theater der Jugend

Bild: © Theater der Jugend

Bijan Zamani. Bild: © Theater der Jugend

Vom Hades, wo Odysseus auf „Mama?“ trifft und den Seher Teiresias befragt, wird man aufgerieben zwischen Skylla und Charybdis, dies alles erzeugt durch Lichteffekte. Ein Papierschiffchen wird auf den Stoffbahnen-Wellen hin und her geworfen, bis es zerfetzt ist. Dann die Sirenen. „Die Abenteuer des Odysseus“ im Theater im Zentrum, das ist Spiel, Satz und Sieg für Bijan Zamani, der nicht nur als grüblerischer, leise gewordener später Kriegsheimkehrer überzeugt, sondern auch die Statur eines, wenn auch angeschlagenen, eigentlich: Anti-, Helden mitbringt. Das Ensemble rund um ihn agiert vom Feinsten. Mit viel Nebel, Zwielicht und Höllenlärm kommt die Sage des klassischen Altertums hier aufs nicht nur jugendliche Publikum zu.

Der Schluss ist bekannt: Penelope verlangt vom künftigen König und Gatten, Odysseus Bogen zu spannen, die Freier versagen kläglich, als ein „Bettler“ erscheint, den sie unter Spott und Hohn an die Waffe lassen. Odysseus enttarnt sich. Das Blutbad unter den Freiern erspart einem Schachermaier. Man hätte zweifellos – Ui: Feminismus! – die Rolle des Odysseus vor Troja, seine Gräueltaten und Gewaltakte (vom Aussetzen des Philoktetes auf Lemnos, der falschen Beschuldigung und Steinigung des Palamedes, den vor Hektor Flüchtenden, womit er sowohl seinen Waffenbruder Diomedes als auch den greisen Nestor im Stich ließ …), kritischer beleuchten können. Schauermaier feiert seinen Protagonisten lieber ab. Gutgelaunt also verlässt man das Theater. Ende gut, alles gut. Denn freilich muss auch Argos im Gegensatz zu Homer hier nicht sterben …

Für Jugendliche ab 11 Jahren.

www.tdj.at           Trailer: www.youtube.com/watch?v=SeMhpfMxynM

  1. 1. 2022

Theater der Jugend: Krieg der Welten

Juni 2, 2021 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Garten Erde schmarotzt der Parasit Mensch

Rette sich, wer kann, die Aliens rücken an: Maria Astl, Uwe Achilles, Johanna Hainz, Enrico Riethmüller, Soffi Povo und Valentin Späth. Bild: © Rita Newman/TDJ

„Der Krieg der Welten“ ist als 1898 veröffentlichte Dystopie von H. G. Wells ein Klassiker der Sci-Fi-Literatur. Legendär auch das Hörspiel von Orson Welles, die fiktive Reportage über den Alien-Angriff, der zu Halloween 1938 eine Massenpanik und die höchst zeitgemäße Frage nach der Medien Kompetenz und Verantwortung auslöste. Verfilmungen gibt’s en masse, Stephen Spielberg mit Tom Cruise, Roland Emmerichs Wells-Hommage „Independence Day“, die Satire

„Mars Attacks!“ von Tim Burton … Mark Slee machte aus dem Stoff eine Mockumentary, die einen Angriff von Marsianern nach Wells‘schem Vorbild als Alternativszenario zum Ersten Weltkrieg entwarf. Nun also eine Uraufführung im Theater der Jugend. Regisseur Jethro Compton hat entlang der Vorlage eine neue Bühnenfassung erarbeitet, übersetzt von Birgit Kovacsevich, in der die Außerirdischen nicht mehr landen, um Ressourcen zu plündern, sondern um diese zu bewahren. Das erfährt man am Ende dieser Aufführung, die die großen Themen dieser Tage auf einwandfreie Weise zu verbinden weiß.

Von der Flüchtlings- zur Klima- zur Regierungskrise, von Entsolidarisierung zu Individualisierung zu Ignoranz, Covid-19, die pandemische Plage. Der weltberühmte Roman, entstanden als kraftvolle Metapher über die britische Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts, ist in Zeiten globaler Katastrophen, die der Kooperation der gesamten Menschheit über alle ideologischen Gräben hinweg bedürfen, von erschreckender Aktualität, stellt Wells doch darin die nicht enden wollende Selbstgefälligkeit menschlichen Handelns einer unumstößlichen Wahrheit gegenüber: Hybris kommt vor dem Fall.

Beim britischen Theatermacher Compton sind es nun drei Teenagerinnen im dritten Wiener Bezirk, die mit der Invasion aus dem All konfrontiert werden: Johanna Hainz spielt eine Art Fridays-For-Future-Aktivistin, Julia, die von der Sorge um den ökologischen Fußabdruck ihrer Vielflieger-Mutter umgetrieben wird. In die Fußstapfen ihres xenophoben Vaters tritt Maria Astl als Laura, an der der Text großartig die ererbten Vorurteile samt deren Widersprüchlichkeiten durchdekliniert: „Die Ausländer sind allesamt arbeitsscheue Sozialschmarotzer“ vs. „Die Ausländer nehmen uns Österreichern die Arbeitsplätze weg“.

Enrico Riethmüller, Soffi Povo und Maria Astl. Bild: © Rita Newman/TDJ

Uwe Achilles als Orchideenzüchter. Bild: © Rita Newman/TDJ

Maria Astl, Soffi Povo und Johanna Hainz. Bild: © Rita Newman/TDJ

Kein Wunder, dass die Wutbürgerstochter in Streit mit der von Soffi Povo dargestellten Amira gerät, ein muslimisches Mädchen, das von den Eltern aus einem Kriegsgebiet auf die lange Reise ins sichere Europa geschickt wurde. Amira mit ihrer Flucht- und Kriegserfahrung, so wird man noch sehen, ist einerseits traumatisiert, aber andererseits eine, die sich bedrohlichen Situationen auszusetzen, zu widersetzen weiß. Enrico Riethmüller, Valentin Späth und Uwe Achilles bestreiten alle weiteren Rollen, Soldat und Schuldirektorin, einen Botaniker, den geheimnisvollen Adam, Fernseh- und Radioreporter, NASA-Wissenschaftler, vor allem auch als Wells-Welles’sche Erzähler …

Es kommt zum Angriff, den Laura sofort als einen islamischen deklariert. Der Stephansdom wird zerstört, und ganz fabelhaft ist, wie die auf der Bühne natürlich „unsichtbare“ Gefahr mittels Licht- und Soundeffekten, „Stimmen“ wie griechisch-migrantenfeindliche Schallkanonen, dem Publikum durch Mark und Bein fährt – Bühne: Diana Zimmerman, Licht: Lukas Kaltenbäck, Musik: Jonny Sims, Kostüme: Andrea Bernd. Dass die Marsianer die Menschen via der GPS-Systeme ihrer Smartphones ausmachen, um sie alsdann auszuradieren, die Protagonistinnen die ihren aber dennoch nicht von sich schmeißen, macht einen fast lachen. Es gibt in der Pause keinen unter Dreißig, der nicht am Mobilgerät daddelt. Generation Handy, halt.

Die Marsianer kommen näher: Maria Astl, Soffi Povo und Johanna Hainz. Bild: © Rita Newman/TDJ

Valentin Späth als sinistrer Soldat, Johanna Hainz, Soffi Povo und Maria Astl. Bild: © Rita Newman/TDJ

Im Gewächshaus des Botanikers: Soffi Povo, Uwe Achilles, Johanna Hainz und Maria Astl. Bild: © Rita Newman/TDJ

Valentin Späth, Enrico Riethmüller und Uwe Achilles als NASA-Wissenschaftler nebst Reporter. Bild: © Rita Newman/TDJ

Im Military-Setting, zwischen Camouflage-Netzen und olivgrünen Schutzkoffern treffen die drei jedenfalls auf Valentin Späth als sinistren, Befehle bellenden Soldaten, dem Amira unterstellt, sein eigenes Süppchen zu kochen, später und ausgerechnet in einer Kapelle auf Enrico Riethmüller als Adam. Statt Solidarität gibt’s Streit unter den Parteien, die stets misstrauische Amira krankt an Flashbacks vom Verlust ihrer kleinen Schwester über den Budapester Bahnhof 2015 bis Traiskirchen, die zugestaute A1 Richtung Linz ist von den Maschinen menschenleer gemacht worden – und plötzlich müssen alle Beteiligten erkennen, wie klein ihre Streitereien gegen diesen numinosen Horror sind.

Man landet im Gewächshaus des Botanikers Uwe Achilles, und siehe: die Aliens rücken gegen dessen Orchideenzucht nicht vor. Der Mensch ist der Feind von Fauna und Flora, und die beiden übernehmen. Blumen statt Asphalt lautet bald das Motto. Das alles ist spannend, duster, eindrücklich. Beim Aufstand gegen die Maschinen gibt es das eine oder andere Menschenopfer. Die Dystopie des Originals hat sich um 180 Grad gedreht: Im Garten Erde sind wir die Parasiten, und die Aliens angerauscht zum Umwelt-, zum Artenschutz. Jethro Compton statuiert ein Exempel über das, was wir für selbstverständlich halten.

Es zeigt sich, ohne zu spoilern und wie in der Regel, dass das Problem ein hausgemachtes ist. Der Kreis schließt sich im „Dschungel“ von Calais, jener menschenunwürdigen Zeltstadt, in der Flüchtlinge auf eine bessere Zukunft hoffen. Das sichere Europa … mehr Science Fiction ist kaum mehr möglich, und das Theater der Jugend macht diese Zustände ohne erhobenen Zeigefinger greifbar. Was bleibt zu sagen? Dass dieser Produktion viele Zuschauerinnen und Zuschauer (ab 11 Jahren) zu wünschen ist, und dass diese es einmal besser machen werden. Menschsein ist Work in Progress. Arbeiten wir daran.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=LDiY1bt_0mI           www.tdj.at

  1. 6. 2021

Das Theater der Jugend kämpft mit Geldsorgen

September 11, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas Birkmeir braucht noch mal 500.000 Euro

Human Being Parzival Bild: Rita Newman

Human Being Parzival
Bild: Rita Newman

Die Zahlen zuerst: In der vorigen Saison haben 276.500 Besucher die Vorstellungen des Theaters der Jugend gesehen, was einer Auslastung von 96 Prozent entspricht.  Die wirtschaftlichen Eigenleistung liegt bei 47 Prozent. 44.000 Abonnenten machen das Haus zum größten Kinder- und Jugendtheater Europas. Doch trotz dieser Erfolge, mit den seit 2008 nicht mehr erhöhten Subventionen käme man heuer gerade noch einigermaßen über die Runden. „Dann weiß ich nicht mehr weiter“, sagte Direktor Thomas Birkmeir bei der Programmpräsentation für die Saison 2015/16. Das Theater der Jugend brauche 500.000 Euro pro Jahr mehr, um künftig einen vergleichbaren Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. Schon jetzt habe man gravierende Schnitte setzen müssen, den üblichen Tag der Offenen Tür zu Saisonbeginn könne man sich nicht mehr leisten: „Das Existenzbedrohende umklammert uns bereits mit kalter Hand“, so Birkmeir. „Produktionen im Großen Haus dürfen nur noch sechs Schauspieler benötigen, im kleinen vier. Das ist echt an der Kante zum Desaströsen. Es wird ein hartes Jahr für uns.“ Bei den politisch Verantwortlichen könne er keinerlei Perspektive im Umgang mit der Situation ausmachen. Wiewohl bei Kindern sparen sicherlich ein Sparen am falschen Platz ist …

Zum Künstlerischen: Es werden acht Neuproduktionen gezeigt, darunter sind die beiden märchenhaften Uraufführungen „Die automatische Prinzessin – Fantastische Fabeln aus 1001 Nacht“ (12. 2. 2016) von Henry Manson und „Der Pirat im Kleiderschrank“ (24. 5. 2016) von Thomas Birkmeir. „Eine inhaltliche und thematische Klammer bildet die Fragestellung nach Wert und Gültigkeit des Generationenvertrags in unserer heutigen Gesellschaft“, erklärt der sein Spielzeitmotto.

Die Saison beginnt am 9. Oktober im Renaissancetheater mit einer Bühnenadaption des Nicht-nur-Kinderbuchklassikers „Momo“ von Michael Ende, es inszeniert Michael Schachinger. Die grauen Herren sind für Birkmeir ein Synonym für unheimliche Erscheinungen unserer Zeit: „Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder vor ausländerfeindlichen Parolen schützen und ihnen die Werkzeuge geben, diesen zu begegnen.“ Im zweiten Haus, dem Theater im Zentrum, ist ab 15. Oktober die Produktion „Human Being Parzival“, eine moderne Version des mittelalterlichen Vers-Epos von Wolfram von Eschenbach, zu sehen. Bei Bernhard Studlar sucht statt eines Ritters ein Teenager Wege zu sich selbst. Jakob Elsenwenger spielt den Parzival, Uwe Achilles unter anderem den Anfortas. Außerdem steht in der deutschsprachigen Erstaufführung „Kalle Blomquist lebt gefährlich“ (11. 12.) von Astrid Lindgren auf dem Programm.

„Beautiful Thing“ (8. 4. 2016) von Jonathan Harvey in der Regie von Werner Sobotka wird erstmals in Österreich aufgeführt und geht der Liebe von zwei jungen Männern auf den Grund. Eine Komödie, wie vielleicht nur die Engländer sie schreiben können. Ein Stück, das den Drahtseilakt zwischen Ernsthaftigkeit des Stoffes und pointiertem Humor mit Leichtigkeit bewältigt. Situationskomik wechselt sich ab mit atemberaubenden und stillen Momenten. Die Stücke von Jonathan Harvey, einem ehemaligen Lehrer, sind vielfach preisgekrönt. Er verfasst ebenso erfolgreich Drehbücher für das Fernsehen. Zudem schrieb er das Buch zum Pet-Shop-Boys-Musical „Closer to heaven“.“Netboy“ (26. 4. 2016) thematisiert Cybermobbing. Auf ebenso spannende wie einfühlsame Art verfolgt die Autorin Petra Wüllenweber das Thema von seinen harmlosen Anfängen in der vermeintlichen Anonymität bis zu seinen sehr realen Folgen in der Wirklichkeit. „Tschick“ (12. 1. 2016) ist ein Road-Trip durch Deutschland, Birkmeir selbst setzt Wolfgang Herrndorfs Coming-of-Age-Story in Szene. Die Geschichte wurde mit Superlativen bedacht, Herrndorf in eine Reihe mit Mark Twain und J. D. Salinger gestellt. Noch vor dem tragischen Tod des Autors wurde der Roman mit vielen Auszeichnungen – unter anderem dem Deutschen Jugendliteraturpreis – gewürdigt und in 24 Sprachen übersetzt.

Auch für die aktuelle Saison stehen unterschiedlich zusammengestellte Abonnements für verschiedene Altersgruppen zur Verfügung. Diese Abos umfassen nicht nur Stücke im Renaissancetheater und Theater im Zentrum, sondern auch auf weiteren Wiener Bühnen.

www.tdj.at

Wien, 11. 9. 2015

Theater der Jugend: Tag der offenen Tür

August 29, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Blick hinter die Kulissen

Bild: Rita Newman

Bild: Rita Newman

Am 13. September  öffnet das Theater der Jugend wieder seine Pforten und bietet seinen Fans und allen, die es noch werden möchten, einen Tag lang Theater zum Angreifen: Sich in die Lieblingsfigur des letzten Bühnenhits verwandeln, mit Theaterschminke in eine andere Rolle schlüpfen, ein Gewitter in den Theatersaal zaubern oder der Kostümwerkstätte bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen: Die MitarbeiterInnen aus Requisite, Maske, Licht, Ton, Kostüm und Bühnentechnik zeigen, was in ihnen steckt und präsentieren viele interessante Ausschnitte aus ihrer Arbeit. Der individuell zu gestaltende Rundgang dauert ca. 2 Stunden und wird mit einer Schnupperprobe auf der Bühne des Renaissancetheaters beendet, bei der die Besucher die einmalige Gelegenheit haben, Einblick in die Entstehung eines Theaterstücks zu nehmen.

 Es werden Zählkarten vergeben. Anmeldung unter www.tdj.at.

Wann:

Samstag, 13. September 2014

Beginnzeiten: 10:30, 13:00 und 15:30

Wo:

Renaissancetheater, Neubaugasse 38, 1070 Wien

Wien, 29. 8. 2014

Theater der Jugend: Der Hund der Baskervilles

Januar 8, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Gruseln mit dem Geisterkläffer

„Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist.“ Arthur Conan Doyle. Der Hund der Baskervilles.

Bild: Rita Newman

Bild: Rita Newman

Am 14. Jänner wird im Theater der Jugend (Spielstätte: Theater im Zentrum) die Bühnenadaption von Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Roman „Der Hund der Baskervilles“ uraufgeführt: Eine Leiche wird im Dartmoor gefunden. Keine Spur von Gewaltanwendung, aber das Gesicht entsetzlich verzerrt – vor Todesangst, so sagt man … Das Opfer: Sir Charles Baskerville. Schon bald vermutet man in der Gegend, dass es der „Fluch des Hundes“ war, der auf den Baskervilles lastet. Eine schrecklich geisterhafte Bestie habe im Jahre 1648 den ruchlosen Hugo Baskerville getötet und suche seither seine Nachkommen in ihr Verderben zu hetzen. Kein Fall, den Sherlock Holmes als würdig erachtet. Er schickt lieber seinen Gehilfen Dr. Watson nach Devonshire zu den Baskervilles. Und Dr. Watson will beweisen, dass auch er durchaus über die Qualitäten eines Superdetektivs verfügt. Kaum im Moor, versinkt er jedoch fast auf Nimmerwiedersehen, und erfährt zudem, dass im benachbarten Zuchthaus ein verrückter Serienkiller ausgebrochen ist. Er macht Entdeckungen, deren Rätsel er nicht zu entwirren weiß. Bald raucht ihm der Schädel. Den eigenen Schatten überspringen – und Sherlock Holmes um Hilfe bitten?

Der dritte Sherlock Holmes-Roman gilt als der beste von Sir Arthur Conan Doyle. Doyle, zu seiner Zeit einer der höchstbezahlten Schriftsteller der Welt, ließ seinen berühmten Detektiv und dessen etwas tölpelhaften Gehilfen im „Beeton Christmas Annual“ erstmals das Licht der Welt erblicken. Er wurde seiner literarischen Figur jedoch bald überdrüssig und ließ den Detektiv in einer Erzählung einen Wasserfall hinabstürzen. Ein Proteststurm seiner Leserschaft zeigte keine Folgen. Jahre später, von einer Legende um einen schauerlichen Geisterhund im Dartmoor zu einem Roman inspiriert, griff er während des Schreibens auf seine Figur Sherlock Holmes zurück, obwohl er die Reihe für beendet erklärt hatte. Die Legende erzählte ihm der Journalist und Schriftsteller Bertram Fletcher Robinson, eine Gruselgeschichte über Richard Capel von Brooke Manor. Capel war ein reicher Landbesitzer in Devon, der berüchtigt dafür war, die Töchter seiner Pächter zu entführen und zu vergewaltigen. Der Überlieferung nach wurde Capel 1677 im Buckfastleigh-Moor von einem Rudel dämonischer Hunde zu Tode gehetzt. Doyle reiste nach Dartmoor, um ein wenig der realen Atmosphäre mit in das Buch aufnehmen zu können. Sein Kutscher hieß Harry Baskerville … Veröffentlicht wurde der Krimi 1901/02 als Fortsetungsroman im Strand Magazin.

Am Theater der Jugend setzt Michael Schachermaier den schaurig schönen Stoff in Szene. Es spielen Uwe Achilles, Frank Engelhardt, Clemens Matzka und Christian Pfütze. Die Fassung ist von TdJ-Chef Thomas Birkmeir. Empfohlen ab 13 Jahren.

www.tdj.at

Wien, 8. 1. 2014