Leopold Museum: Egon Schiele. Die Jubiläumsschau reloaded

September 24, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Werk im Spiegel zeitgenössischer Künstler

Egon Schiele: Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 653

2018 jährt sich Egon Schieles Tod zum einhundertsten Mal. Das Leopold Museum mit seiner bedeutenden Sammlung an Werken dieses herausragenden Vertreters des österreichischen Expressionismus würdigt ihn ab 28. September mit einer Ausstellung jenseits aller medialen Grenzen: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzen, Briefe und Fotografien geben einen so außergewöhnlichen wie umfassenden Einblick in sein künstlerisches Schaffen.

Dass Schieles OEuvre auch ein Jahrhundert nach seinem Tod von ungeheurer Aktualität und Virulenz ist, zeigen punktuelle „Injektionen“ zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in die Jubiläumsschau.

Werke von Louise Bourgeois, Tadashi Kawamata, Jürgen Klauke, Sarah Lucas, Chloe Piene, Rudolf Polanszky, Maximilian Prüfer, Elisabeth von Samsonow und Fiona Tan belegen die vielfältigen Anknüpfungspunkte, die Schieles zentrale Themen- und Motivkomplexe bieten.

Sei es im Kontext seiner radikalen Selbstreflexionen und Körperbefragungen, seiner Darstellungen von Frauen und seines ambivalenten Mutterbildes, seiner Spiritualität oder seiner ausdrucksstarken Landschaften, Städtebilder und Porträts.

Sarah Lucas: Tracey, 2018. © Courtesy the artist and Sadie Coles HQ, London. Bild: Courtesy the artist and Sadie Coles HQ, London/Robert Glowacki

Tadashi Kawamata: Plan for Beaufort, 2003. © Sammlung Diethard Leopold. Bild: Leopold Museum Wien/Manfred Thumberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Dialoge zwischen dem zentralen Künstler des Leopold Museum und ausgesuchten Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler beruhen auf konkreten Bezugnahmen oder auf persönlichen Assoziationen, beziehen sich auf einzelne Werke oder fußen auf korrespondierendem Interesse, bestärken oder konturieren einander. Gemein ist den neun inszenierten Zwiegesprächen, dass sie der inhaltlichen Nähe gegenüber der formalästhetischen den Vorzug geben und einen neuen Blick auf einen der faszinierendsten Künstler des 20. Jahrhunderts ermöglichen.

www.leopoldmuseum.org

24. 9. 2018

Leopold Museum: Egon Schiele. Die Jubiläumsschau

Februar 22, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Vergleich mit Günter Brus und Thomas Palme

Egon Schiele, Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung), 1910 © Leopold Museum, Wien. Bild: Leopold Museum, Wien

Im Jahr 2018, ab 23. Februar, 100 Jahre nach seinem Tod, ist dem zentralen Künstler aus der Sammlung des Leopold Museum, Egon Schiele, eine besondere Ausstellung gewidmet: einzigartig durch die Kombination von Gemälden, Papierarbeiten und zahlreichen Archivalien präsentiert die Ausstellung die wichtigsten Themen im Schaffen des Künstlers: zunächst sein selbstbewusstes Heraustreten aus der Tradition und seine Findung als Ausdruckskünstler, in der Folge Motivgruppen wie die ambivalente Figur der Mutter oder die Tabubrüche in Form der Darstellung junger Mädchen und Buben, des weiteren Themen wie Spiritualität und Verwandlung, seine enigmatischen Häuser und Landschaften oder etwa seine spannungsvoll komplexe Analyse in seinen Porträtdarstellungen.

Die Gewichtung der Ausstellung ergibt sich aus jener der Sammlungen Leopold, die Kunstgeschichte schrieben: bei den Ölbildern wie den Papierarbeiten liegt der Schwerpunkt auf den expressionistischen Jahren 1910–1914, wobei die Blätter zu je einem Drittel den Selbstdarstellungen, den Porträts und Akten der Mädchen und schließlich jenen erwachsener Frauen gewidmet sind. Demgegenüber umfassen die Gemälde die genannten Themen. Neben dem umfassenden Sammlungsbestand, deren Papierarbeiten aus restauratorischen Gründen in drei Durchläufen gezeigt werden, sind einzelne herausragende Schiele-Werke von internationalen Sammlungen als „noble Gäste“ in die Jubiläumsausstellung integriert.

Günter Brus, Aktionszeichnung, 1966 © Privatsammlung. Bild: N. Lackner/UMJ

Thomas Palme, No Text, 2014 © Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum. Bild: N. Lackner/UMJ

Am 3. März folgt dies Schau „Schiele – Brus – Palme“. Egon Schiele, Günter Brus (geboren 1938) und Thomas Palme (geboren 1967) – Enfant terribles ihrer jeweiligen Generation – erweiterten mit ihren Arbeiten den herkömmlichen Kunstbegriff. Schieles schonungslose Beschäftigung mit dem Individuum, mit dem Selbst, war der notwendig verstörende Auftakt für das von zwei Weltkriegen erschütterte 20. Jahrhundert. In den 1960er-Jahren nimmt Günter Brus den Körper als Kapital für die Kunst wieder auf und radikalisiert Schieles Analyse des Ichs, indem er bald Papier und Leinwand verlässt und sich wortwörtlich einer Zerreißprobe stellt. Eine Generation später ist es Thomas Palme, der das Erbe von Schiele und Brus in seinen Grafiken weiterführt, indem er jene zitiert, weiterdenkt oder ihnen antwortet. In der Ausstellung entsteht ein fiktiver – zwischen Brus und Palme auch direkter – Dialog, der zeitliche, räumliche und gesellschaftliche Grenzen bei aller existentialistischen Pein oft auch spielerisch hinter sich lässt.

www.leopoldmuseum.org

22. 2. 2018