10 Jahre theaterfink: Jubiläum der Vienna Street Puppets

Juli 9, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Theresia K., dem Einedrahra und dem Lechner Edi

Theresia entsorgt ihren erschlagenen Ehemann (Walter Kukla) in der Buttn. Das Publikum marschiert mit. Bild: Hans-Georg Sedlak

Der theaterfink, Wiens einziges kontinuierlich spielendes Stationentheater im öffentlichen Raum, begeht sein Zehn-Jahres-Jubiläum. Und fliegt erstmals auch auf Landpartie. Gemeinsam mit dem Publikum wandern die Darsteller zu historischen Schauplätzen der Wiener Kriminalgeschichte und erzählen meist vergessene Ereignisse vor Ort. Durch Schauspiel, Puppenspiel und musikalischem Treibstoff werden so historische Begebenheiten lebendig und in Bezug zur Gegenwart gesetzt.

Zum Geburtstag ihrer „Straßengang“ lassen die Leiterinnen Susita Fink und Karin Sedlak die Highlights der vergangenen Jahre noch einmal aufleben. In der Inneren Stadt wird ab 12. Juli das „Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K** oder Als Resi ‘s Hackl zur Hülf’ holte!“ neu begangen (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25243). Theresia Kandl, geboren am 10. Juni 1785, wuchs in Atzgersdorf bei Wien in einem angesehenen Elternhaus auf. Sie entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen und aufmüpfigen Schönheit. Eine verbotene Liebschaft, ein uneheliches Kind und eine erzwungene Ehe später fand ihr turbulentes Leben ein jähes Ende. Als erste und einzige Frau wurde sie an der Hinrichtungsstätte „Spinnerin am Kreuz“ im Alter von nur 23 Jahren wegen Mordes an ihrem Gatten öffentlich gehängt …

Im Rahmen des Viertelfestivals Niederösterreich ist ab 2. August auf Schloss Kottingbrunn „Da Einedrahra kauft a Schloss!“ zu sehen. Peter Ritter von Bohr, angesehener Maler, Unternehmer, Aktionär, Bankengründer, Adeliger und Geldfälscher, eventuell auch Mörder, wird danach ab 16. August bei „Hin und Weg“ in Litschau sein Unwesen treiben, ab 24. August heißt es dann in Gallizien und Klagenfurt „Da Einedrahra hält Hochzeit!“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=21440).

Das „Einedrahra“-Ensemble. Bild: Joseph Vonblon

theaterfink-Leiterin Susita Fink. Bild: Susita Fink

Eva Billisich und die schöne Resi. Bild: Susita Fink

Viel Publikum fürs Straßentheater. Bild: Susita Fink

Als Neuinszenierung zeigen Susita Fink und Ensemble ab 9. September in Wien-Erdberg Jura Soyfers „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“. Inhalt: Der Lechner Edi ist arbeitslos. Schuld daran ist der Motor, der ihn in seiner Fabrik ersetzt hat. Als er Rache an dem Motor üben will, offenbart ihm dieser, dass auch er ausrangiert wurde.  Schuld daran sind wiederum der Lechner Edi und seinesgleichen, da aufgrund der Wirtschaftskrise keiner mehr kauft. Gemeinsam mit Edis Freundin Fritzi begeben sich die beiden Arbeitslosen auf eine Zeitreise, um den wahren Schuldigen ausfindig zu machen. Aber wo nimmt das Übel seinen Anfang? Irgendwer muss doch immer Schuld haben.

theaterfink bringt nun Jura Soyfers im Jahre 1936 entstandenes Stück aufs Pflaster und zeigt, dass es nichts an Aktualität und politischer Brisanz eingebüßt hat.  Bespielt werden dabei historische Plätze aus der Jugend Jura Soyfers in Erdberg sowie Produktionsstätten und Betriebe, wo immer noch von Hand geschaffen wird. Es spielen Walter Kukla, Claudia Hisberger und Susita Fink, musikalisch begleitet von Walther Soyka.

Susita Fink und Karin Sedlak im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=25205

Videos:

www.youtube.com/watch?v=zADRAM-TN74

 

www.theaterfink.at

9. 7. 2019

Circus Roncalli: Reise zum Regenbogen

September 17, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Sehen, was Sie noch nie gesehen haben!

Paolo Carillon hüllt die Welt in sanft schillernde Seifenblasen. Bild: Circus Roncalli

Paolo Carillon hüllt die Welt in sanft schillernde Seifenblasen. Bild: Circus Roncalli

Roncalli, das ist Gesamtkunstwerk auf dem Rathausplatz, das sind Fantasiewesen und skurrile Geschöpfe, die das Publikum schon lange vor dem Einlass abholen und in ihre Welt entführen, das ist der Kindheitsgeruch nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Roncalli, das sind die Clowns, die Pierrots, die Colombinen, die dummen Augusts, sie wie immer das Herz der Show.

„Reise zum Regenbogen“ heißt die, die Roncalli-Gründer Bernhard Paul zum 40-Jahr-Jubiläum seines Circus erdacht hat, und bis man endlich drinnen ist im Zelt, ist man dort längst angekommen, längst verzaubert, längst im Zirkusfieber. Minutenlang werden sie mit Applaus bedacht, der Herr Direktor und sein Spektakel. Beide sind sie Wiener. Beide nun bis 16. Oktober in Wien zu sehen. Für das hochkarätige Programm, durch das Clown-Conférencier Gensi und seine Kollegen Anatoli Akerman und Ramon, der sich mit seiner spaßigen Art durch die Nummern crasht, führen, hat Bernhard Paul sich sozusagen neu erfunden. Die Nostalgie früherer Shows ist natürlich da, das Sentiment und die leise Melancholie gehören zur Roncalli-Melange. Etwa, wenn Paolo Carillon und seine verrückten Maschinen mit sanft schillernden Seifenblasen jede harte Realität weichzeichnen. Oder das Duo Pykhov. Seiltänzerin Yana, die auf einer von ihrem Mann sanft geschaukelten Mondsichel, Richtung Himmel schwebt.

Ai'Moko bezauberte das Publikum mit dem Cyr-Rad. Bild: Circus Roncalli

Clown-Akrobat Ai’Moko bezaubert das Publikum mit dem Cyr-Rad. Bild: Circus Roncalli

Jongleur Ty Tojo hebt eine alte Kunst auf eine völlig neue Stufe. Bild: Circus Roncalli

Jongleur Ty Tojo hebt eine alte Kunst auf eine völlig neue Stufe. Bild: Circus Roncalli

Doch diesmal sorgen auch viele junge, vielfach bereits preisgekrönte Artisten mit ihren temperamentvollen Nummern für Tempo und modernes Flair. Schauen heißt Staunen, und Stimmung ist vom ersten Moment an. Neben der Poesie der Bilder besticht auch die akrobatische Leistung. Sehen Sie, was Sie noch nie gesehen haben! Etliche Darbietungen in dieser Form tatsächlich zum ersten Mal. Ty Tojo, der 18-jährige Amerikaner mit japanischen Wurzeln, in Monaco bereits mit dem Newcommerpreis ausgezeichnet, hebt die Kunst der Jonglage auf eine neue Ebene. Scatman Robert Wicke beweist, dass man Beatboxen, Singen und Kekse essen gleichzeitig kann – und freilich fordert der Comedian die Zuschauer auf, es ihm gleich zu tun. Ohne mitzumachen kann man bei Roncalli nicht dabei sein.

Vivi Paul begeisterte das Publikum im Luftring. Bild: Circus Roncalli

Vivi Paul begeistert das Publikum im Luftring. Bild: Circus Roncalli

Lili Paul zeigte zum ersten Mal ihre Kontorsionsakrobatik. Bild: Circus Roncalli

Lili Paul zeigt Kontorsionsakrobatik. Bild: Circus Roncalli

Und mitten drin die beiden Töchter. Vivi Paul als Harlekina mit keckem Hütchen am Luftring und Lili Paul mit ihrer Kontorsionsakrobatik. Die Erstgeborene präsentiert sich mit Anmut und einem Augenzwinkern, ganz „alte Häsin“, das 17-jährige Nesthäkchen der Familie zeigt seine Kunst zum ersten Mal in der Manege. Nach dem Schlussapplaus zu schließen der Liebling des Publikums ist das Wunderwesen Ai’Moko, eine Erfindung des venezolanischen Clown-Akrobaten Aime Morales, das im surrealen Raum eines Cyr-Rads lebt und mit diesem einen anmutigen Konflikt um die eigene Daseinsberechtigung austrägt. Was der bereits hoch dekorierte Künstler da zeigt, ist etwas auch für Zirkuserfahrene völlig Neues.

Gleich dem Foucault'schen Pendel schwebt Lift durch die Luft. Bild: Circus Roncalli

Gleich dem Foucault’schen Pendel schwebt Lift durch die Luft. Bild: Circus Roncalli

Das Duo Pykhov balanciert auf der Mondsichel. Bild: Circus Roncalli

Das Duo Pykhov: Yana balanciert auf der Mondsichel. Bild: Circus Roncalli

Ebenso wie die Darbietung des fliegenden Quartetts namens Lift. Gleich einem Foucault’schen Pendel schwingen die beiden Herren ihre Partnerinnen durch die Luft, lassen sie, selbst nur von einem Hüftgurt gehalten, bis unter die Kuppel abheben. Das kanadisch-südamerikanische Kleeblatt hat mit dem Porteur Parallele ein neues Genre entwickelt und wurde dafür beim Paris Nachwuchszirkusfestival mit Silber belohnt. Die vier sind ein rasanter, ein atemberaubender Schlusspunkt der Show. Zu Recht bejubelt, bevor sich die Zuschauer mit bunten Luftballons beschenkt glücklich nach Hause träumen.

Nach Wien ab Oktober in Graz und ab November in Innsbruck.

www.roncalli.de

Wien, 16. 9. 2016

museum gugging: johann hauser … der künstler bin ich!

Mai 30, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Jubiläumsschau über den Schöpfer des Blauen Sterns

Johann Hauser mit Pin-up-Skulptur, 1987. Bild: Mathias Braschler

Johann Hauser mit Pin-up-Skulptur, 1987. Bild: Mathias Braschler

Am 5. Juni begeht das museum gugging sein 10-jähriges Jubiläum. Gefeiert wird mit einer großen Art Party und der Ausstellungseröffnung des Ausnahmekünstlers Johann Hauser. Hauser wurde schon sehr früh zum Star unter den Gugginger Künstlern. Mit seinem prägnanten Strich war er von anderen Künstlern wie Jean Dubuffet bis Arnulf Rainer hoch geschätzt. Seine Bildnisse von schönen und hässlichen Frauen, Raketen und Panzern, Schlangen und Schlössern sind intensiv, mächtig und bewegend.

Kaum einer eignet sich mehr dazu, zehn Jahre museum gugging gebührend zu feiern. Die Schau „johann hauser … der künstler bin ich!“ gibt mit ungefähr 200 Werken einen repräsentativen Einblick in sein Lebenswerk.

Kurator ist der künstlerische Direktor des museum gugging, Johann Feilacher, der Johann Hauser persönlich über einen Zeitraum von 13 Jahren begleitete. Hauser, Schöpfer des Blauen Sterns von Gugging, hat hunderte farbenprächtige Bildnisse geschaffen, die in öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten und aus der internationalen Art Brut-Szene nicht mehr wegzudenken sind. Seine Frauendarstellungen sind voll offensiver Erotik und beeindrucken durch ihre kraftvolle Strichführung. Seine verspielte Seite zeigt der Künstler bei seinen Darstellungen anderer Themen: Flugzeuge, Kriegsschiffe, Hubschrauber, Schlösser, grüne Schlangen. Sie ziehen die Betrachter durch ihre farbliche und emotionale Intensität in ihren Bann.

Johann Hauser, Nackte Frau mit Hut, 1986. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

Johann Hauser, Nackte Frau mit Hut, 1986. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

Flugzeug mit Bombe, 1986, Bleistift, Farbstifte, Sammlung Helmut Zambo. Bild: Privatstiftung - Künstler aus Gugging

Flugzeug mit Bombe, 1986, Sammlung Helmut Zambo. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

1926 in Bratislava geboren, musste Johann Hauser in seiner frühen Jugend in ein Umsiedlungslager nach Niederösterreich. In die Landes-Nervenklinik Maria Gugging wurde Hauser 1943 im Alter von 17 Jahren eingewiesen, 1986 übersiedelte er in das Haus der Künstler in Gugging. Der Psychiater und Leiter der Männerabteilung, Leo Navratil, entdeckte sein Talent und begann ihn zu fördern. So begann er erst im Alter von 32 Jahren zu zeichnen. Der zum “Künstler-Patienten” aufgestiegene Hauser wurde 1965 erstmals publiziert und andere Künstler, vor allem der Wiener Avantgarde, waren von seiner Kunst begeistert.

Der Maler Peter Pongratz bezeichnete ihn als den Lehrer, der ihm zeigte, was Kunst ist, der “Übermaler“ Arnulf Rainer stellte gar fest, dass Hauser 99 Prozent der professionellen Maler degradiere. Erste Ausstellungen in den 1970er-Jahren brachten frühe Erfolge und erste Publikationen. Unter Navratils Nachfolger Johann Feilacher, der das „Zentrum für Kunst- und Psychotherapie“ in das „Haus der Künstler“ umwandelte und von der Klinik abtrennte, wurde Hausers Werk in ganz Europa, den USA und Japan gezeigt. Hauser wurde zu Vernissagen in Helsinki, Köln, Philadelphia oder New York eingeladen und genoss seinen Ruhm und die damit verbundenen Reisen.

Im Jahr 1990 erhielt er mit seinen Gugginger Künstlerkollegen den Oskar-Kokoschka-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Hauser starb im Jänner 1996. Er hinterließ etwa 2.500 Zeichnungen und fast 150 Radierungen.

www.gugging.at

Wien, 30. 5. 2016

25 Jahre Kunst Haus Wien: Das Jubiläumsprogramm

April 4, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Alles Hundertwasser – von Bildern und Buch bis „Walk“

Cora Pongracz: Hundertwasser in Venedig, ca. 1970 Bild: © 2016 Fotosammlung OstLicht

Cora Pongracz: Hundertwasser in Venedig, ca. 1970
Bild: © 2016 Fotosammlung OstLicht

Zahlreiche Highlights rund um ein Haus und seinen Erfinder: Montagvormittag präsentierte Kunst Haus Wien-Direktorin Bettina Leidl das Jubiläumsprogramm fürs Museums Hundertwasser. Neben einer Gesprächsreihe mit renommierten Weggefährten Hundertwassers ist das unter anderem die neue Publikation „100 x Hundertwasser“, ein „Hundertwasser-Walk“und eine vierteilige Hundertwasser-Fotoedition. Das Kunst Haus Wien feiert 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Das Museum beherbergt die weltweit einzige umfassende permanente Ausstellung seines visionären Schöpfers und widmet sich in seinen Sonderausstellungen der Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts.

Mit der im Vorjahr eingeleiteten inhaltlichen Neupositionierung als „grünes Museum“ und der Öffnung neuer Ausstellungsflächen bewegte sich das Museum einen Schritt weiter in die Zukunft. „Ausgehend von den zukunftsweisenden Ideen Hundertwassers zu ökologischen Themen schafft das Kunst Haus Wien einen neuen Ort für Künstler und Kreative, die sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Recycling oder generationsübergreifender Verantwortung aus heutiger Sicht kritisch und visionär auseinandersetzen“, so Leidl.

Die Bilanz der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte kann sich mit 90 internationalen Ausstellungen und mehr als dreieinhalb Millionen Besuchern sehen lassen. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 zeigte das Kunst Haus Wien 90 Wechselausstellungen renommierter Künstler. Darunter auch solche, die Fotografiegeschichte geschrieben haben wie Cecil Beaton, René Burri, David LaChapelle, Annie Leibovitz, Robert Mapplethorpe, Man Ray, Herb Ritts, Henri Cartier-Bresson und zuletzt die sehr erfolgreiche Schau von Joel Meyerowitz.  Dieses Jahr widmet das Museum dem Magnum Fotografen Martin Parr seine erste Retrospektive in Österreich. Mit seinem Interesse an kulturellen Traditionen, Eigenheiten und Ritualen ist der Brite Parr einer der einflussreichsten dokumentarisch arbeitenden Fotografen der Gegenwart. Das Alltägliche und Absurde liegen in diesem Werk stets dicht beieinander. Zuspitzungen, Pointen und Klischees schrecken Parr nicht: Mit seinem von trockenem Humor getragenen, direkten Blick ist er einer der unverhohlensten Chronisten unserer Zeit. Zu sehen ab 3. Juni.

GB. England. New Brighton. From 'The Last Resort'. 1983-85. Bild: © Martin Parr / Magnum Photos

GB. England. New Brighton. From „The Last Resort“. 1983-85. Bild: © Martin Parr / Magnum Photos

Das Jubiläumsprogramm wird mit einer kuratierten Gesprächsreihe mit renommierten Künstlern und Weggefährten von Friedensreich Hundertwasser eröffnet. Nach Gustav Peichl, der am 8. April zu Gast sein wird, kommen auch Arnulf Rainer, Elfie Semotan oder André Heller zu Wort. Am Jubiläumstag selbst, dem 9. April, lädt das Kunst Haus Wien zum großen „Familiensamstag“ ein.

Auf dem Programm stehen zahlreiche Workshops in den Ausstellungen, im Foyer und im Garten sowie Führungen für Eltern und Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren. Erstmals wird an diesem Tag die Familienjahreskarte erhältlich sein. Mit ihr können Familien, zwei Erwachsene und zwei Kinder, ein ganzes Jahr um 39 Euro das Museum und alle Sonderausstellungen besuchen. Ebenfalls zum Jubiläum erscheint die neue Hundertwasser-Publikation mit dem Titel „100 x Hundertwasser“ im Metro-Verlag. Autorin Caro Wiesauer präsentiert darin das Ausnahmetalent, dessen Ideen und unkonventioneller Zugang zum Alltagsleben weltweit faszinieren. Zwischen Hundertwasserhaus und Kunst Haus Wien wird ein „Hundertwasser-Walk“ angelegt. Säulen werden als Leitsystem von der Kegelgasse zur Unteren Weißgerberstraße führen und dabei gleichzeitig über das Leben und Werk von Friedensreich Hundertwasser informieren. Außerdem erscheint eine limitierte Fotoedition der Fotografen Cora Pongratz und Roland Pleterski, vier Fotosujets zu einer Auflage von 200 Stück. Die Edition erscheint in Zusammenarbeit mit OstLicht.

Peter Dressler - Eher seltene Rezepte, 1987 Bild: Leo Kandl

Peter Dressler – Eher seltene Rezepte, 1987.
Bild: Leo Kandl

Die Jubiläumsausstellung schließlich widmet sich ab 16. November dem österreichischen Fotografen Peter Dressler. Wie wenige andere Persönlichkeiten hat Peter Dressler als Künstler, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische Fotografie seit den 1970er Jahren mit beeinflusst. Dressler ist bekannt durch seine seriellen Bildfolgen gleich einer Fotogeschichte mit einer metaphorischen Bildsprache. Erste fotografische Arbeiten entstanden in den 1960er-Jahren. Das „Dresslersche“ Wien dieser Zeit ist eine Stadt in der die „Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist“.

Öffentliche Räume, die er durch Zufall fand, und Alltagssituationen dienten ihm als Schauplätze, in denen er für seine Fotografien temporäre Eingriffe vornahm. Sein Künstlerbuch „Zwischenspiel“ enthält Fotografien seiner städtischen Erkundungen im Wien der frühen 1970er-Jahre, es wurde jedoch erst 1989 publiziert. In den Jahren 1975 bis 1978 realisierten Peter Dressler und Franz Zadrazil den Schwarzweiß-Film „Sonderfahrt“; dabei entstand ein audiovisuelles Mosaik als eine Mischung von assoziativ Gefundenem und Gespieltem. Die Ausstellung im Kunst Haus Wien ist die erste Retrospektive von Peter Dressler in Österreich.

www.kunsthauswien.com

Wien, 4. 4. 2016

Grafenegg 2016: Rudolf Buchbinder präsentiert das Programm der Jubiläumssaison

November 4, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Tribut an den überzeugten Europäer Beethoven

Der künstlerische Leiter Rudolf Buchbinder Bild: Klaus Vyhnalek

Der künstlerische Leiter Rudolf Buchbinder
Bild: Klaus Vyhnalek

2016 feiert Grafenegg sein zehntes Festival. Rudolf Buchbinder als künstlerischer Leiter präsentierte am 4. November das Programm für die Jubiläumssaison: Beginnend mit der Sommernachtsgala am 16. und 17. Juni ist Grafenegg drei Monate lang bis zum 11. September Schauplatz hochkarätiger Konzertprogramme. Der Kartenvorverkauf beginnt für Inhaber der Grafenegg-Card oder der Duett-Karte am 18. November, für alle anderen am 2. Dezember. „Es macht mich stolz“, sagt Buchbinder, „dass Grafenegg sich seit seiner Gründung zu einem prominenten Festivalstandort und Ort der Begegnung für internationale Orchester, Solisten und den musikalischen Nachwuchs mitten in Europa etabliert hat. Dem zollt das Jubiläumsprogramm mit dem Œuvre des überzeugten Europäers und Humanisten Beethoven Tribut. Beethoven prägt den Klang Grafeneggs 2016“.

Höhepunkt der Jubiläumssaison ist das von 19. August bis 11. September stattfindende Grafenegg Festival mit internationalen Orchestern, Solisten und Dirigenten. Am 19. August wird der Jubiläumstag mit einem Festakt eröffnet, für den Regisseur Michael Sturminger eine Multimedia-Performance basierend auf Shakespeares 66. Sonett inszeniert. Erzählt wird die Geschichte Europas ab der Renaissance. Eröffnet wird das Festival mit Beethovens 9. Symphonie sowie zwei Uraufführungen des Composer in Residence Christian Jost: traditionell eine Fanfare, ein Auftragswerk des Grafenegg Festivals, sowie sein neues Werk „An die Hoffnung“ nach dem gleichnamigen Lied von Beethoven. Buchbinder: „Jost gestaltet das Jubiläumsfestival als Komponist, Dirigent und Lehrender maßgeblich mit“.

Bis zum 11. September präsentiert Grafenegg weltweit führende Klangkörper und internationale Künstler, darunter das Cleveland Orchestra und Franz Welser-Möst mit zwei Konzerten am ersten Festivalwochenende. Das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam ist mit Chefdirigent Daniele Gatti und Sol Gabetta mit Schumanns Cellokonzert zu hören. Am dritten Festivalwochenende bringen das Mariinsky Orchester St. Petersburg und Valery Gergiev mit zwei reinen Tschaikowski-Programmen russische Klänge nach Grafenegg. Außerdem ist die Sächsische Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann zu Gast und Solisten wie Hilary Hahn, Klaus Florian Vogt, und Klaus Maria Brandauer als Sprecher in Beethovens Musik zu Goethes Trauerspiel „Egmont“. Zum Abschluss des Jubiläumsfestivals, spielt Rudolf Buchbinder am 11. September gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven.

Neben Konzerten internationaler Spitzenorchester, steht vor allem der Grafenegg Campus im Mittelpunkt der Jubiläumssaison. Neben der Partnerschaft mit dem European Union Youth Orchestra und dem daraus hervorgegangenen European Music Campus, gehört auch der Composer-Conductor-Workshop Ink Still Wet zum Angebot des Grafenegg Campus. Von 1. bis 5. September findet der Workshop unter Leitung des Composer in Residence Christian Jost statt. 2016 wird auch erstmals der Grafenegg Kompositionspreis durch eine international besetzte Jury vergeben.

Das ganze Programm: www.grafenegg.com

Wien, 4. 11. 2015