Streaming: Big-Bang-Theorie-Star Jim Parsons in „Hollywood“ und „The Boys in the Band“

Januar 7, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Traumfabrik wird endlich zum Equality-Land

Hoffnungsvolles Ausharren bei der Oscar-Verleihung: Joe Mantello, Jim Parsons, Dylan McDermott, Holland Taylor und Patti LuPone. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Oft wenn Hollywood sich den Rückspiegel seiner Goldenen Ära vorhält, entgleitet das Ergebnis ins Sentimentale. Nostalgie mit Melancholie. Da tut es gut, wenn einer die Suggestionskraft hat, die cinematographische Märchenpracht ins Sagenhafte zu übersteigern. Ryan Murphy und Ian Brennan haben’s getan, die beiden vormals verantwortlich für „Glee“, „Ratched“, „American Horror Story“, Murphy, dessen

Dienste sich Netflix 2018 für unvorstellbare 300 Millionen Dollar für fünf Jahre exklusiv sicherte, nun für die Netflix-Serie „Hollywood“, ein topaktuelles Gegennarrativ zur gängigen L.A. Story. Wird doch in dieser den Mythos aufmotzenden Hommage die Traumfabrik endlich zum Equality-Land, „Hollywood“ spielt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als das berühmte Sign tatsächlich noch um die vier Buchstaben L.A.N.D. länger war, und Murphy und Brennan zeigen ganz Tinseltown, als ob #BlackLivesMatter und der #LGBTQ-Pride darüber hinweggefegt wären.

Die sieben Episoden folgen einer Handvoll blutjunger Protagonistinnen und Protagonisten, die nach Rampenlicht, Ruhm und Reichtum streben, Ex-Soldat und Schauspielanfänger Jack Castello, Drehbuchdebütant Archie Coleman, Regieneuling Raymond Ainsley und die Schauspiel-Elevinnen Camille Washington und Claire Wood, in Klarnamen David Corenswet, Jeremy Pope, Darren Criss, Laura Harrier und Samara Weaving – Archie und Camille Afroamerikaner, sie die Lebenspartnerin des halbphilippinischen, aber „weiß“ wirkenden Raymond.

Claire die Undercover-Tochter von Studio Boss Ace Amberg aka Rob Reiner – und hauptsächlich ist es die „Alte Garde“, die „Hollywood“ darstellerisch wertvoll macht: „Two and a Half Man“-Mutter Holland Taylor und Joe Mantello als Produzentenduo Ellen Kincaid und Dick Samuels, Dylan McDermott als Tankstellengigolo Ernie West und Tony-Award-Gewinnerin Patti LuPone als Avis Amberg, die den Chefsessel ihres Göttergatten entert, als diesen bei einem Pantscherl der Herzkasperl holt.

Rock Hudson mit Lebenspartner Archie Coleman: Jake Picking und Jeremy Pope. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Tankstellen-Toy-Boys: Darren Criss und David Corenswet. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Probeaufnahmen für „Peg“: Jim Parsons und Jake Picking. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

And the Oscar goes to …: Jeremy Pope, Darren Criss und Laura Harrier. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

An nackter Haut und Sexszenen wird nicht gespart, vor allem, weil die Jungs als Brotjob Ernies illustre Kundschaft mit Blow Jobs beglücken. „Dreamland“ heißt das Codewort des Zapfsäulenbordells, wo auch Avis eine treue Freierin von Jack ist, und da kommt auch der grandios agierende Jim Parsons ins Spiel, als Hollywood-Agent Henry Willson, der die Herrenriege, bevor er sie unter Vertrag nimmt, erst einmal zur Fellatio bittet. Statt Besetzungscouch steht hier gleich ein komplettes -bett, 70 Jahre vor #MeToo, und Parsons ist brillant als von Selbsthass zerfressener Unsympath, fulminant sein Isadora-Duncan-Tanz mit den sieben Schleiern, der den sexuellen Missbrauch seines Klienten-Frischfleischs als Selbstverständlichkeit nimmt.

Der homosexuelle Henry Willson ist ein dem realen Leben entliehener Charakter, und Roy Fitzgerald, den in der Serie halb fiktionalisiert und ausdrucksstark Jake Picking verkörpert, war wirklich sein Schützling. Willson macht aus ihm „Rock Hudson“, auch Sekretärin Phyllis Gates, mit der Willson Hudson pro forma verheiratete, kommt vor. Aber laut Murphy und Brennan verliebt sich der schüchterne, nicht übermäßig helle Stiefvaterkomplexler Rock in Archie, die beiden werden ein Paar, das zum Happy End den Red Carpet Hand in Hand beschreiten wird.

Die Traumfabrik-Talente nämlich haben einen ebensolchen: Archie hat ein Drehbuch geschrieben, „Peg“ – Entwistle, die sich, da aus ihrem ersten Film geschnitten, 1932 vom Hollywood-H in den Tod stürzte, Raymond will Regie führen und die Titelrolle mit Camille besetzen, womit sie die erste Schwarze in einer Hauptrolle wäre. Eine Unternehmung, von der Avis und Ellen als emanzipierte Regentinnen eines rassistischen, schwulenfeindlichen, frauenverachtenden Hollywoods alsbald überzeugt sind, die jedoch, man wird es sehen, auch den Ku Klux Klan samt seinen brennenden Kreuzen auf den Plan ruft …

Queen Latifah als die erste schwarze Oscar-Preisträgerin Hattie McDaniel. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Michelle Krusiec als die um ihre Hauptrolle betrogene Anna May Wong. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Laura Harrier als Leinwandschönheit Camille Washington. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Viel nackte Haut, hier die von David Corenswet als Jack Costello. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Namedropping ist bei einer Produktion wie dieser gleichsam Pflicht, Tallulah Bankhead, Vivien Leigh und Noël Coward haben Kurzauftritte bei einem von George Cukors Erotikdinnern, bei dem Jack und Archie als Fill-up-Boys im Einsatz sind, Ernie himself exklusiv als Entspannung für die hochneurotische Vivien, der oberintrigante Henry Rock an den Mann ist gleich Dick bringen will, Hollywood eine Männerwelt, in der man im Wortsinn die Hose runterlassen und bei der Stange bleiben muss – und das alles zum wunderbar swingenden Soundtrack von Ella Fritzgerald bis Frank Sinatra und Sets, die nur möglich sind, wenn Geld keine große Sache ist.

Michelle Krusiec spielt Anna Mae Wong, zu dieser Zeit die weltweit prominenteste Filmschauspielerin chinesischer Herkunft, die um die Hauptrolle in der Pearl-S.-Buck-Verfilmung „Die gute Erde“ betrogen wurde, weil MGM sicherheitshalber die weiße Luise Rainer besetzte – die prompt einen Oscar erhielt, Queen Latifah Camilles Mentorin Hattie McDaniel, die für die Rolle der braven Sklavin Mammy in „Vom Winde verweht“ als erste Schwarze einen Academy Award, den Nebendarstellerinnen-Oscar bekam, und auf diese Art Figuren festgelegt blieb.

Berührend ist die Szene, in der sie Camille erzählt, man hätte sie bei der Preisverleihung von den anderen Nominierten getrennt und an einen Tisch in der hintersten Reihe gesetzt, weshalb Camille entschieden auf den ihren in der ersten Reihe bestehen müsse. Tatsächlich war erst Whoopi Goldberg im Jahr 1991 die zweite afroamerikanische Nebendarstellerinnen-Oscar-Preisträgerin, 2002 Halle Berry die bisher einzige schwarze Oscar-Preisträgerin in der Hauptdarstellerinnen-Kategorie.

Backstage-Bangen: Patti LuPone, Dylan McDermott, Holland Taylor und Samara Weaving. Bild: Saeed Adyani /Netflix ©2020

Soviel zu #OscarsSoWhite, wiewohl das am britischen Theater schon längst übliche Colorblind Casting allmählich zumindest die Bildschirme erobert (siehe: Bridgerton, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=43837). Im Gegensatz dazu wird sich in der schönen, heilen Flimmerwelt, in der die einzige maßgebliche Color die Technicolor ist, bereits im Vorspann gegenseitig den Hollywoodland-Schriftzug hochgeholfen, bis die Heldinnen und Helden mit einer Grandezza in den Sonnenaufgang blicken, die all das Behauptete wie wahr erscheinen lässt.

Murphy unterläuft das klassische, nach außen puritanisch-bigott-biedere, nach innen von Ressentiments beherrschte Hollywood optisch wie inhaltlich mit den Mitteln ebendieses klassischen Hollywoods. Das hat Charme. Die Serie, die mit ihrem kontrafaktischen Finale furios die Filmgeschichte umschreibt, hat deutlich mehr mit Tarantinos historisch freihändiger Hollywood-Fantasie zu tun als mit dem Harvey-Weinstein-Skandal. Sie ist, was die Traumfabrik im Idealfall immer schon war: erstklassige Unterhaltung. Mit Sprung im Spiegel.

Eine Staffel zwei ist möglich, Fans betteln in den Social Media geradezu darum. Zum Ende der ersten entwickelt Jim Parsons als Henry Willson, Spoiler: der Saulus wird zum Paulus und arbeitet sich zum Produzenten hoch, das Script einer Liebesromanze zwischen zwei Männern mit Rock Hudson in der Hauptrolle, dies Henrys Buße für seine Sünden am schönen Vierschröter – und Avis scheint nicht abgeneigt. Und wenn sie nicht gestorben sind, gewinnen sie zwar keinen Oscar, aber vielleicht einmal einen Emmy…

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Q3EASLgzOcM            www.youtube.com/watch?v=W0WsEyqx0r4           www.netflix.com

FILMTIPP: The Boys in the Band

Jim Parsons und „Spock“ Zachary Quinto in der Broadway-Verfilmung

Tuc Watkins, Andrew Rannells, Matt Bomer, Jim Parsons, Zachary Quinto, Robin de Jesús, Brian Hutchison, Michael Benjamin Washington, Charlie Carver. Bild: S.E. White/Netflix ©2020

Und noch einmal Ryan Murphy, Joe Mantello – als Regisseur des Gay-Dramas – und Jim Parsons. „The Boys in the Band“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks aus dem Jahr 1968 von Mart Crowley, für dessen Bildschirm-Variante Produzent Murphy versprach, ausschließlich die schwulen Schauspieler aus dem 2018er-Broadway-Revival zu besetzen. Es ist also New York in den 1960ern, und Michael, Jim Parsons, richtet für Harold, Zachary Quinto, eine

mitternächtliche Geburtstagsparty aus. Ein schönes Fest soll es werden, zu der Michael den gesamten Freundeskreis eingeladen hat: seinen Liebhaber Donald (Matt Bomer), den ob seines Lovers gelangweilten Larry (Andrew Rannells) mit Lebenspartner Hank (Tuc Watkins), den stilbewussten Chauvi Bernard (Michael Benjamin Washington) und den stets zu Scherzen aufgelegten Emory (Robin de Jesús). Anfangs ist die Stimmung ausgelassen, was sich liebt, das neckt sich, die Intellektuellen-Clique ist unter sich und genießt den Abend.

Jim Parsons mit de Jesús und Rannells. Bild: Scott Everett White /Netflix ©2020

Zachary Quinto mit Carver und de Jesús. Bild: Scott Everett White /Netflix ©2020

Dass der gutaussehende, jedoch kulturell weniger bewanderte Stricher Cowboy Tex (Charlie Carver), er ist Harolds Geschenk, nicht wirklich in die Runde passt, sorgt schon für erste zynische Kommentare. Problematisch wird es jedoch, als unangemeldet Alan (Brian Hutchison) auftaucht, ein früherer Kommilitone von Michael, der unbedingt mit ihm reden will und den Emory kurzerhand als homosexuell outet. Harold erscheint und hat für alle nur Gehässigkeiten übrig, doch dann verstrickt der beleidigt-betrunkene Michael seine Gäste in ein sadistisches Spiel: Jeder muss eine ehemalige heimliche Liebe anrufen, und dieser am Telefon ebendiese und seine Homosexualität gestehen. Und Essig ist’s mit der Feierlaune, die Situation eskaliert …

Wie in „The Boys in the Band“ gekeift, gelästert, gedemütigt wird, der Tonfall so giftig und untergriffig, das ist durchaus ein Vergnügen. Man merkt dem Cast an, dass er aufeinander eingespielt ist, alldieweil man sich fragt, warum die dargestellten Männer eigentlich miteinander befreundet sind. Auf Entgleisungen folgen Handgreif- lichkeiten folgt Selbsthass. Parsons und Quinto im Infight sind allemal ein Hit, nicht zuletzt, wenn Harold Michael auf den Kopf zusagt, dass der seine Homosexualität verabscheut und lieber ein Hetero wäre. Im Streit werden Geheimnisse gelüftet und unausgesprochene Gefühle offenbart, Hank trägt immer noch seinen Ehering, Bernard laboriert als „doppelte Minderheit“ an seiner Hautfarbe ebenso wie an seiner sexuellen Orientierung.

Wäre Michael lieber ein Hetero? Jim Parsons und Matt Bomer als Lover Donald. Bild: Scott Everett White /Netflix ©2020

Förmlich sieht man die alten Narben zu frischen Wunden aufreißen, und fantastisch gespielt ist die Hassliebe, die die das Kammerspiel dominierenden Michael und Harold von Jim Parsons und Zachary Quinto verbindet. An keiner Stelle weiß man, ob man die beiden von Herzen verabscheuen oder mit ihnen leiden soll. Abseits von #LGBTQ sind dies die universellen Themen: Freundschaft und dennoch die Lust an Verletzungen, das Verlangen nach Liebe und trotzdem das Zurückstoßen derer, die es tun, Worte und wie sie zu Stichwaffen werden. Kurz gesagt: „The Boys in the Band“ ist absolut sehenswert!

Trailer: www.youtube.com/watch?v=862Pb9oDDAo           www.youtube.com/watch?v=WAIQbHJ9sAk           www.netflix.com

  1. 1. 2021

The Show Must Go On! Jesus Christ Superstar online

April 11, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Rockopernklassiker goes Heavy Metal

Im Konflikt zwischen Judas und Jesus kommt es zu ernsten Handgreiflichkeiten: Tim Minchin und Ben Forster. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Genre-Godfather Andrew Lloyd Webber hat die Verkündigung wahr gemacht, seine berühmtesten Musicals auf dem Youtube-Channel „The Show Must Go On!“ kostenlos zu streamen, zum Wochenende je ein neues, und am Karfreitag war das selbstverständlich eine Bühnenproduktion von „Jesus Christ Superstar“, die nun bis inklusive Ostersonntagabend online ausgestrahlt wird.

Und siehe: Das britische Arena-Spektakel aus dem Jahr 2012, über das nach der Premiere im O2 auch hier zu lesen stand, die Darsteller hätten ihr Kreuz damit, den Dome stimmlich und schauspielerisch zu füllen, hat auf Film gebannt von Regisseur Laurence Connor, er auch beteiligt gewesen an „Les Misérables“ mit Hugh Jackman und Russell Crowe, punkto Intensität und Emotion nur gewonnen.

Connor zeigt eine couragiert zeitgemäße Aufführung, sein Heiliges Land findet ein Äquivalent in der Anonymous-Bewegung, klar, alles ist heut‘ global issue, und das Apostelkollektiv wär‘ jetzt vielleicht eins aus Hacktivisten. Auf Vidiwall und Showtreppe tanzen Guy Fawkes mit Antikriegs-, Antikapitalismus-, Klimademonstranten, Jesus‘ Feuer und Schwert ist nun ein Megaphon, die Szenerie bereit für den Aufstieg eines politisch Aufständischen, der den Status Quo staatlicher Autorität gefährdet. Zwischen Anarchy-Tags und „Rome lies“-Schildern kommt es zur Straßenschlacht. Die „The Twelve“-Revolutionsfaust erhebt sich, der Rockopernklassiker goes Heavy Metal.

Dies dank der musikalischen Leitung von Louise Hunt, die mit der neunköpfigen Band die Ausdrucksstärke der Webber’schen Partitur wohl zu bedienen weiß. Die tragische ménage à trois aus von seiner Aufgabe erschöpftem Jesus, sehnsüchtiger Maria Magdalena und einem leidenschaftlich aufbegehrenden Judas gestalten Ben Forster, Melanie C und Tim Minchin, die Kritik weiland unverhältnismäßig unfreundlich zum Heiland, dessen Sieg in der UK-TV-Talentshow „Superstar“ für mehr als ein schales Witzchen herhalten musste.

Melanie C als Mary Magdalane. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Ben Forster und Tim Minchin. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Chris Moyles als Showmaster King Herod. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Tatsächlich ist Forster ein sinnlich-sanfter Erlöser mit samtiger Stimme und schöner Höhe. Den Auftritt im Tempel schafft er zwar nicht Ted-Neeley-like, dafür ist sein hingerotzter Gethsemane-Song wütend, anklagend und mit fabelhaftem „Alright, I’ll die!“-Hohem-C. Dass dieser Messias mit dem Ex-Spice-Girl als Mary Magdalane eine übers geistliche hinausgehende Liebesbeziehung hat, machen die beiden in ihren Blicken und Gesten deutlich, Melanie C, die sich beseelt die Schminke aus dem Gesicht wischt, und deren smoother Gesang am besten beim melancholischen „I Don’t Know How to Love Him“ zur Geltung kommt. Kaum je konnte eine bei voller Kraft so erotisch wispern.

Das Ereignis des Abends ist allerdings der australische Comedian, Komponist und – wie passend für den Part – Vertreter des internationalen Skeptikernetzwerks CSI Tim Minchin als Judas. Er fährt mit vollem Gefühl in diese Figur ein, die nicht nur nach der Nikos-Kazantzakis-Tim-Rice’schen Lesart vom Menschensohn mit dem Verrat beauftragt wurde, damit Seine Mission gelinge, und sich dennoch erhängen muss. Angetan mit Dreadlocks, Punklidstrich und Palästinensertuch kann er Verstocktheit, wilde Verzweiflung, Revolte – seine Stimme eine Hetfield-Röhre, in Höchstform beim Last Supper, seinTo Think I Admired You“ wie vor die Füße gespuckt, sein „Does He Love Me Too?“ ein Schmerzensschrei.

Ist Judas der Fundi, so Giovanni Spano als Simon Zealotes der Realo, der zum PR-Manager und bei „Christ, You Know I love You“ zum Massenanheizer wird, und mit riesigen Parteiplakaten zum „Believe“ auffordert. Rundum agiert ein großartig diverses Ensemble. Pete Gallagher und Gerard Bentall, der eine mit bedrohlichem Bass, der andere vipernhaft vibrierend, sind als Caiaphas und Annas Eminenzen im grauen Anzug, deren Businessmen-Priester gelangweilt die Financial Times durchblättern, Broadway- und West-End-Star Alexander Hanson wechselt als Pontius Pilate von der Richterrobe zum Trial in den Sportdress, alle drei sind sie süffisante Populisten und Volksverdreher.

Die Jesus-Aktivisten protestieren vorm Jerusalemer Tempel. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

I Don’t Want Your Blood Money: Tim Minchin. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

I Don’t Know How to Love Him: Melanie C und Ben Forster. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

Simon Zealotes wird zum PR-Manager des Christus-Kults. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

Wobei bezüglich Letzterem Chris Moyles als King Herod den Vogel abschießt. Der hauptberufliche Radio- und Fernsehmoderator macht auf der Bühne ebendieses, er gibt den Statthalter von Roms Gnaden als TV-Spielshow-Host im roten Samtoutfit, dessen Abendunterhaltung nicht nur aus einem Buzzer-Quiz für Jesus besteht, sondern der auch das Publikum zur SMS-Abstimmung aufruft: „Is he the Lord or a fraud? Text to phonenumber …, see you after the break!“ Hinreißend, wie er dem auf den Gamestuhl gefesselten Christus das befohlene „Walk Across My Swimming Pool“ via Einspielung vortrippelt.

Dramatisch dicht und voller Fingerzeige geht’s Golgatha entgegen. „Poor Jerusalem“ ist bevölkert von Obdachlosen und Bettlern, die auf Schwarzweiß-Bildern moderne Metropolen durchwandern, Peter’s Denial findet nicht an einer Wasserstelle in der Wüste statt, sondern an einer brennenden Mülltonne, einer Wärmestelle für gestrandete Existenzen. Im The-Temple-Club gibt’s Poledance und Toy Boys, einen Drag-Teufel und sexy Dessous-Engelchen, die auch den nunmehrigen „Kill-Your-Idol“-Rockstar Judas bei seinem „Jesus Christ Superstar“-Hit umschwärmen werden. BeimCould We Start Again, Please“ legt Maria Magdalena bereits Petrus den Mantel um. Als wüsste sie, dass er der kommende Kirchenmann ist.

Bloody brilliant ist das alles – und wie eine Zuseherin im Live-Chat schrieb: Please, let’s do this every Good Friday! Am Ende, und das kommt – einziger Einwand – zu unwürdig gewimmert, wird das Lamm Gottes von seinen Jüngern vom Kreuz genommen und in einer Prozession weggetragen. Bis morgen. Zur Auferstehung. Dem Urgrund des christlichen Glaubens.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=OGhnaIw20Ho           www.youtube.com/watch?v=_ZCx3WFw_QI

Die ganze Show: www.youtube.com/channel/UCdmPjhKMaXNNeCr1FjuMvag           www.youtube.com/watch?v=GpO4ohqx3os

www.jesuschristsuperstar.com           www.andrewlloydwebber.com

  1. 4. 2020

Andrew Lloyd Webber streamt seine Musicals

April 5, 2020 in Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

London West End kommt in die Wohnzimmer

Joan Collins als Mrs. Potiphar und Donny Osmond als Joseph. Bild: Screenshot/Universal

Musical-Titan Andrew Lloyd Webber hat einige seiner bekanntesten Musiktheater- produktionen zum kostenlosen Streamen auf dem YouTube-Channel „The Show must go on“ freigegeben – womit London West End nun bis in die heimischen Wohnzimmer kommt. Jeweils freitags, ab 19 Uhr, sind ausgewählte Shows für die nächsten 48 Stunden zu sehen. „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ mit Donny Osmond, Maria Friedman, Richard Attenborough und Joan Collins als laszivem Cougar „Mrs. Potiphar“ –

ihr Song ab Minute 26 – ist bereits online: www.youtube.com/watch?v=N6XjXfQmZ4Q. Am Karfreitag folgt „Jesus Christ Superstar“: www.youtube.com/watch?v=GpO4ohqx3os mit Ben Forster in der Rolle des Jesus, Ex-Spice-Girl Mel C als Maria Magdalena und dem von der britischen Kritik hochgelobten Tim Minchin als Judas. So schrieb etwa The Guardian über „the intelligence and desperate passion“ des australischen Comedians und – wie passend für die Figur – Vertreters der internationalen Skeptikerbewegung …

Ben Foster als Jesus und Mel C als Maria Magdalena. Bild: Screenshot/Universal Music/ Tristram Kenton

Tim Minchin (li.) soll ein grandioser Judas sein. Bild: Screenshot/Universal Music/ Tristram Kenton

Chris Moyles singt und spielt den Herodes. Bild: Screenshot/Universal Music/ Tristram Kenton

Into Your hands I commend My Spirit: Ben Foster. Bild: Screenshot/Universal Music/ Tristram Kenton

Auch Filmmaterial von hinter den Kulissen wird auf „The Show must go on“ veröffentlicht werden. In seiner Video-Botschaft www.youtube.com/watch?v=OLeErO8nXsc sagt Andrew Lloyd Webber, er selber freue sich am meisten auf sein hierzulande weitgehend unbekanntes „Katastrophen-Musical“ „By Jeeves“: „Ich mag es sehr und das werden Sie auch.“ Die Handlung basiert auf Romanen und Erzählungen des Humoristen P. G. Wodehouse, in denen als Protagonisten der blaublütige Bertie Wooster und sein Butler Jeeves im Vordergrund stehen. Die Uraufführung fand 1975 in der Regie von Librettist Alan Ayckbourn im Londoner „Her Majesty’s Theatre“ statt.

www.youtube.com/channel/UCdmPjhKMaXNNeCr1FjuMvag       www.andrewlloydwebber.com 

5. 4. 2020

Schauspielhaus Wien neu: Jesse Inman im Gespräch

Februar 12, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein prüder Brite spielt Nick Hornbys „Nipple Jesus“

Jesse Inman Bild: Matthias Heschl

Jesse Inman
Bild: Matthias Heschl

Mit Nick Hornbys Monolog „Nipple Jesus“ erweitert das Schauspielhaus sein englischsprachiges Programm. Jesse Inman, gebürtiger Brite und im Spätsommer mit Tomas Schweigen nach Wien gekommen (mehr: www.schauspielhaus.at/team/jesse_inman), spielt ab 18. Februar im Nachbarhaus einen Türsteher, der engagiert wird, um ein umstrittenes Kunstwerk zu bewachen: Eine Christusdarstellung, die sich bei näherer Betrachtung aus Fotos von Brüsten zusammensetzt.

Nick Hornbys lustvolle Auseinandersetzung mit moderner Kunst und ihrer Rezeption, gesellschaftlichen Moralvorstellungen und Nacktheit gilt in England längst als Klassiker. Regie führt Günther Grosser. Künftig wird es am Haus mehr Angebot auf Englisch geben (www.schauspielhaus.at/spielplan/englischsprachiges_programm). Neben Aufführungen mit Übertiteln und Gastspielen richtet sich auch die neue Lesereihe „Sprachwelten“ an Menschen, die sich in mehreren solchen bewegen. Am 18. April starten die „English Mondays“, bei denen Jesse Inman und Noëmi Steffen zu szenischen Lesungen zeitgenössischer englischsprachiger Dramatik bei Schwarztee, Chips und Bier ins Nachbarhaus einladen. Jesse Inman im Gespräch:

MM: Ich würde nicht fragen, wenn Sie nicht Brite wären: Kennen Sie Nick Hornby persönlich?

Jesse Inman: Nein. Ich hoffe, dass er zur Premiere nach Wien kommt. Regisseur Günther Grosser hat ihn eingeladen, und ich weiß, dass er das Stück schon in Deutschland auf Deutsch gesehen hat, aber noch nie auf dem Kontinent in Englisch. Mal sehen.

MM: Ich habe Sie jetzt zwei Mal gesehen, in „Punk & Politik“ und in „Der grüne Kakadu“, und ich habe das Gefühl, Sie haben einen sehr eigenen Humor.

Inman: Ja, vermutlich, den sagt man mir nach. Ich kann sehr lachen über Dinge, die irgendwie abgefahren sind. Ich denke, dass das zu Nick Hornby ganz gut passt. Ich habe ein Bühnen-Alter-Ego, dass der Figur in „Nipple Jesus“ nicht unähnlich ist. Privat bin ich ein zurückgenommener Mensch, aber wenn die Musik in der Arena spielt, muss ich …

MM: Rausgehen und Spaß haben?

Inman: Ja, als Schauspieler kann ich das. Dazu ist dieses Solo sehr geeignet. Ich mag die Intimität kleiner Räume. Ich liebe es, den Zuschauern ins Gesicht zu schauen und direkt zu ihnen zu sprechen, ich mag es, auf der Bühne eine Atmosphäre zu erzeugen, die dem Publikum verdeutlicht, dass wir gemeinsam einen Abend kreieren.

MM: Der Mann, den Sie spielen, Dave, beschützt ein Kunstwerk, den „Nipple Jesus“, das an Ende zerstört wird. Was ihn mehr stört, als die Künstlerin. Denn sie sagt, es wäre ihr nicht so sehr um den „Wert“ ihrer Kunst als um die Reaktion des Betrachters gegangen. Wie finden Sie das?

Inman: Es geht immer um die Reaktion des Betrachters, damit bin ich völlig einverstanden. Das ist der Grund, warum ich Theater mache. Ich bin nicht der clever-geschliffene Schauspieler, aber ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Ich will als Schauspieler ehrlich und authentisch sein und so Emotionen schaffen. Egal, ob sie Freude oder Traurigkeit oder Ärger sind. Das Wichtigste für mich ist, dass das Publikum bewegt ist – im einen oder anderen Sinne.

MM: Sie sind aus Birmingham, wie Barbara Cartland oder Geezer Butler. Sie spielen auch Gitarre?

Inman: Welche eine Kombination, nicht wahr? Ja, ich spiele sehr viele Instrumente sehr schlecht. Ein bisschen E-Gitarre, ein bisschen Bass. Ich kann auch die singende Säge, das macht Spaß! Das habe ich für eine Produktion von Tomas Schweigens Kompagnie „Far A Day Cage“ gelernt. Ich kam da rein und jeder konnte ein Instrument spielen, also haben sie für mich auch eines ausgesucht, in jedem Stück ein anderes und so kommt es, dass ich sehr viele Instrumente sehr schlecht spiele.

MM: Und Sie können Feuerspucken. Wo lernt man das? Im Zirkus?

Inman: Nein, mit einem Freund als Teenager in Birmingham. Das ist eine furchtbare Geschichte. Ich habe es schon lange nicht mehr gemacht, weil sich dieser Freund bei einer gemeinsamen Strandshow in Thailand schwer verletzte. Ich habe ihn schnell ins Meer gestoßen, um noch Schlimmeres zu verhindern – und seither habe ich nicht mehr zum Flüssigbrennstoff gegriffen, sondern arbeite wenn mit einem Pulver.

MM: Wie sind Sie von Großbritannien nach Deutschland und schließlich Österreich gekommen?

Inman: Ich war schon in Birmingham Schauspieler, habe es aber 2003 verlassen, weil ich wegen einer Frau nach Berlin übersiedelt bin. In Großbritannien habe ich nicht an großen, etablierten Häusern gespielt, sondern bei einer Truppe, die mit einem Zelt über Land gezogen ist …

MM: Also doch Zirkus!

Inman: Stimmt, ein wenig. Von dort habe ich meine Ausbildung. Ich habe auch sozialpädagogisches Theater gemacht, unter anderem mit psychisch Kranken, dann bin ich nach Deutschland gegangen und dachte, ich werde nie wieder als Schauspieler arbeiten, aber es gab sehr viele Chancen in Berlin für mich, mehr als in Birmingham. Und so bin ich dort in die englischsprachige Theaterszene eingetaucht. Ich kam dann durch eine Audition an Tomas Schweigen – und ihm folge ich jetzt von Ort zu Ort, seit elf Jahren. Wir haben einer des anderen Humor sofort verstanden, was ja auch keine Selbstverständlichkeit ist.

MM: Ist es einfacher oder schwerer hierzulande Theater zu spielen als in England?

Inman: Man hat mir über das Wiener Publikum ja schon im Vorfeld viel erzählt und manches hat sich bewahrheitet. Was ich liebe, ist die Ehrlichkeit hier. Wenn die Leute etwas mögen, dann lassen sie es dich spüren, dann rufen sie dich zum Applaus raus, drei Mal, vier Mal. In England wird kurz applaudiert und dann ins Pub gegangen, egal, ob es ihnen gefallen hat oder nicht. Andererseits teilen dir die Wiener Zuschauer auch beinhart mit, wenn ihnen etwas nicht gefallen hat.

MM: Was erwarten Sie bei „Nipple Jesus“?

Inman: Ich habe „Nipple Jesus“ bei einem kleinen Theaterfestival in Irland gespielt. Vor lauter netten alten Ladys, die das Stück die ganze Zeit kommentiert haben. Wir waren damit auch auf Jahrmärkten und in Zelten auf Parkplätzen, das war lustig, und die Reaktionen waren immer gut. Nur zwei Mal hat man uns gesagt: No Way! Und wir sagten, aber das Stück verletzt niemandes religiöse Gefühle, es geht um Sinn und Unsinn von Kunst. Und der Veranstalter sagte: Das ist mir egal, es heißt „Nipple Jesus“, vergesst es.

MM: Damit wollen Sie sagen, Sie haben Erfahrung mit dem Stück in katholischen Ländern?

Inman: Nein! (Er lacht.) Ich bin zuversichtlich, dass es gut angenommen wird.

MM: Fühlen Sie sich in Wien schon ein wenig zu Hause?

Inman: Vom Gefühl her bereits sehr, was das Geografische betrifft, versuche ich mich immer noch zu orientieren. Ich suche noch „meine kleine Ecke“, aber wir haben, seit wir hier angekommen sind, so viel gearbeitet, dass ich kaum dazugekommen bin, mich in der Stadt umzusehen. Ich war in ein paar Museen und will demnächst ins Schmetterlingshaus, falls es einmal offen hat, wenn ich dort bin. Ich war auf dem Beethovenweg in Nußdorf spazieren, ich war auf der Donauinsel – und obwohl ich britisch-prüde bin ganz kurz nackt baden … Als ich vergangenen August hier ankam, fand ich die Stadt allerdings schwierig.

MM: Warum?

Inman: Es klingt lächerlich, aber mir kam nach drei Jahren Basel plötzlich alles so groß vor. So viele Menschen, so viel Lärm, ich war richtig überwältigt. Die Menschen hier haben einen trockenen Humor und den können sie dir sehr hart um die Ohren werfen. Ich bin Radfahrer und versuchte immer noch das hiesige Radwegenetz zu durchschauen. Was denken Sie, wie oft ein Autofahrer neben mir das Fenster runterkurbelt und etwas in einem Dialekt rausschreit, den ich sowieso nicht verstehe. Ich komme dann immer ganz zittrig ins Theater, aber die österreichischen Kollegen wie Sebastian Schindegger sagen, ich soll mich vom Temperament der Leute hier nicht irritieren lassen.

MM: Was ist mit Film? Haben Sie den derzeit zurückgestellt?

Inman: Ich würde schon gern, habe aber keine Angebote. Ich hätte große Lust, ein paar österreichische Produzenten kennenzulernen, um der britische Parade-Spion der hiesigen Film- und Fernsehwelt zu werden. Also, ladet mich zu Castings ein!

MM: Sie wissen, warum ich frage: von wegen britisch-prüde? Sie waren zuletzt in zwei außergewöhnlichen Filmen: In Julie Delpys „The Countess“ als König Matthias von Ungarn und in Lars von Triers „Nymphomaniac“. Wie war das?

Inman: Ich weiß gar nicht, ob ich das erzählen kann. Ich mag es wirklich nicht, mich auszuziehen, und immer muss ich es. Ich kam also ans Set als „Man D“ und Stacy Martin hatte als junge Joe schon mit allen Sex gehabt. Man sagte mir: Jesse, mach‘ deinen Text und kümmere dich nicht um den Rest, wir haben einen Pornodarsteller und dessen Penis wird dann im Film zu sehen sein. Der Mann war ein wunderschöner, bronzegebräunter Riese ohne ein Körperhaar und ich dachte, das klappt nie. Hat es auch nicht. Nach dem Dreh kam Lars von Trier zu mir und fragte: Jesse, würde es dir was ausmachen, dich doch auszuziehen? Ich saß da in einem kleinen Slip und Lars stand vor mir und ich konnte nicht Nein sagen. Zwanzig Leute am Set, es war kalt, man hat mich mit eisigem Wasser bespritzt. Was soll ich sagen? Es war nicht meine „größte“ Leistung … Oh mein Gott, das können wir so nicht schreiben.

MM: Aber sicher. Jetzt wissen die Leser, Sie mögen es bloody and rare. Was anderes: Was erhoffen Sie sich von Ihrer Zeit am Schauspielhaus?

Inman: Worauf ich immer hoffe. Ich möchte eine einzigartige Arbeit abliefern, die sich nicht zu ernst nimmt, weil ich das selber auch nicht tue. „Far A Day Cage“ war meine Familie und ich war traurig, als dieses Theaterprojekt zu Ende gegangen ist. Nun hoffe ich, hier am Schauspielhaus eine neue Familie zu finden. Und die Chancen stehen gut dafür. Alle hier sind so nett und so interessiert am Theater. Jeder hat seinen eigenen Zugang und das macht unser Zusammentreffen so bunt und vielfältig. Ich hoffe, dass wir diese Gelegenheit nutzen und für das Publikum etwas ganz besonders schaffen.

MM: Wir in Wien schaffen uns gern Publikumslieblinge. Sie hätten das Zeug dazu. Wäre das was?

Inman: Da kommen wieder die zwei Seelen in meiner Brust ins Spiel. Ich würde es absolut lieben, denn wie jeder Schauspieler habe ich ein enormes Ego. Andererseits kann ich mit Komplimenten nicht so gut umgehen. Publikumsliebling zu sein, würde mich also verunsichern, aber auf wirklich nette Art.

www.schauspielhaus.at

Wien, 12. 2. 2016

Sommerarena Baden: Spielzeit 2014

April 23, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Franz Lehár bis Andrew Lloyd Webber

Giuditta: Bibiana Nwobilo, Sebastian Reinthaller Bild: Lukas Beck

Giuditta: Bibiana Nwobilo, Sebastian Reinthaller
Bild: Lukas Beck

In der Saison 2013/2014 übernahm Publikumsliebling Gesangsstar Sebastian Reinthaller die künstlerische Leitung der Bühne Baden. Wenn am 7. Juni die Saison der Sommerarena beginnt, wird der Chef dort gleich zwei Mal auf der Bühne stehen: In „Giuditta“ und in „Die Zirkusprinzessin“. Das Programm im Detail:

Giuditta

Premiere: 20. Juni. Musik von Franz Lehár. Libretto: Paul Knepler und Fritz Löhner-Beda. Hauptmann Octavio wartet in einer spanischen Hafenstadt auf seine Einschiffung nach Nordafrika. Da trifft er auf die lebenshungrige, verheiratete Giuditta. Die beiden verlieben sich und Giuditta folgt Octavio nach Afrika. Nach Wochen des Liebestraums wird Octavio einberufen. Giuditta bleibt enttäuscht zurück. Als Octavio aus Sehnsucht das Militär verlässt, um Giuditta zu holen, hat ihr Leben bereits eine andere Wendung genommen … „Freunde, das Leben ist lebenswert“, „Meine Lippen, sie küssen so heiß“, „Du bist meine Sonne“ und „Schönste der Frauen“ sind nur einige der bekanntesten Melodien dieses letzten Bühnenwerkes des Meisters der Operette. Es singen: Bibiana Nwobilo, Laura Scherwitzl, Franz Födinger, Sebastian Huppmann, Sebastian Reinthaller, David Sitka und Helmut Wallner.

Die Zirkusprinzessin

Premiere 11. Juli. Operette von Emmerich Kálmán. Liberetto: Julius Brammer und Alfred Grünwald. Der große Star des Zirkus Stanislawski in St. Petersburg ist Mister X, der geheimnisumwitterte Kunstreiter, der nur mit einer schwarzen Gesichtsmaske auftritt. Prinz Sergius, ein von der Fürstin abgewiesener Verehrer, möchte sich rächen und bringt Mister X dazu, sich der Fürstin Fedora Palinska ohne Maske als Prinz Korossoff vorzustellen. Der Plan geht auf, die Fürstin verliebt sich in den angeblichen Prinzen. in Wahrheit ist Mister X der Neffe ihres verstorbenen Mannes, den dieser verstieß, weil er sich in Fedora verliebt hatte. Prinz Sergius fädelt eine überstürzte Hochzeit des ineinander verliebten Paares ein, wobei er Fedora nicht über die wahre Identität ihres Bräutigams aufklärt. Nach der Hochzeit provoziert der Prinz einen Eklat, indem er Fedoras nunmehrigen Gatten als einfachen zirkusartisten enttarnt und Fedora als „Zirkusprinzessin“ tituliert: Fedora fühlt sich hintergangen und gedemütigt. Nach einigen Verwicklungen und überraschungen rund um das Paar lösen sich am Abend des Wiener Opernballs alle Verwirrungen und Intrigen in Wohlgefallen auf. Es singen: Nicola Becht, Johanna Ostermann, Katharina Schätz, Dany Sigel, Melanie Wurzer, Beppo Binder, Ovidiu Cozma, Peter Edelmann, Christoph Filler, Martin Fischerauer, Michael A. Mohapp, Dariusz Rutkowski, Jevgenij Taruntsov und Sebastian Reinthaller (8. und 16. August).

Geschichten aus dem Wiener Wald

Eine Koproduktion mit dem Landestheater Niederösterreich

Premiere 26. Juli. Von Ödön von Horváth. Mit seinem bekanntesten Theaterstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“, uraufgeführt 1931, zeichnet Ödön von Horváth in einer kaum erreichten Balance aus Trauer und Lachen, Ulk und Tragik, Gemütlichkeit und Terror, Herz und Gemeinheit das Panorama einer Gesellschaft im Umbruch: in eiten der Weltwirtschaftskrise, am Vorabend der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Im zentrum steht, wie oft bei Horváth, ein schönes Fräulein, das die Dummheit und Enge des Kleinbürgertums flieht und von der selbstgerechten Gesellschaft zu Grunde gerichtet wird. Für die Regie konnte Birgit Doll gewonnen werden, die 1979 als Marianne in der Verfilmung durch Maximilian Schell ihren ersten großen Leinwanderfolg feierte. Neben dem Ensemble des Landestheaters Niederösterreich spielen hochkarätige Gäste. Die Darsteller: Wojo van Brouwer, Swintha Gersthofer, Pascal Groß, Christine Jirku, Christoph Moosbrugger, Petra Morzé, Dominic Oley, Marion Reiser, Hilke Ruthner, Michael Scherff, Steve Schmidt, Jan Walter, Lisa Weidenmüller, Helmut Wiesinger und andere mehr …

Jesus Christ Superstar

Wiederaufnahme 9. August im Stadttheater Baden. Von Andrew LLoyd Webber und Tim Rice. Inszenierung: Robert Herzl. Als das Musical 1971 erstmals im Londoner West End auf die Bühne gebracht wurde, war klar, dass sich die Musicalwelt durch dieses Werk für immer verändern würde. Vor dem Hintergrund der 70er Jahre wird die Passionsgeschichte vom Einzug in Jerusalem bis zum Tod Jesu am Kreuz erzählt. Jesus ist nicht mehr „nur“ der Messias, er wird von seinen Anhängerinnen als Superstar verehrt. Nur Judas steht diesem Hype kritisch gegenüber. Da er Jesus nicht überzeugen kann, wieder zur ursprünglichen idee seiner Bewegung zurückzukehren, liefert er ihn an die jüdischen Priester aus, in der Hoffnung, damit eine Katastrophe abwenden zu können. Hits wie „I Don’t Know How to Love Him“, „Gethsemane“ und „Superstar“ zählen seit der Uraufführung zu den unvergesslichen Songs dieses Meisterwerkes. Besetzung: Katharina Dorian, Dessislava Filipov, Elisabeth Reichart, Karin Seyfried, Beppo Binder, Stefan Bleiberschnig, Nicolas Boris Christahl, Alexander Donesch, Reinwald Kranner, Darius Merstein-MacLeod, Chris Murray, Markus Neugebauer, Artur Ortens, Richard Peter, Horst Schirmbrand, Richard Schmetterer, David Schuler, Christoph Sommersguter, Nikolaus Stich, Manuel Stoff und Erwin Windegger.

Konzerte 2014

Eröffnungskonzert: Lehár und Kálmán – die Silberne Operettenära: 7. Juni, Stadttheater der Bühne Baden

Franz Lehár und Emmerich Kálmán, die Komponisten der Silbernen Operettenära, als Konjunkturmotoren einer singulären Musiktheaterform zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Solisten der Sommerproduktionen 2014 präsentieren mit dem Orchester der Bühne Baden unter der Leitung von Franz Josef Breznik und Oliver Ostermann die Werke der beiden herausragenden Komponisten der Silbernen Operettenära mit bekannten und selten gespielten Musikstücken.

Sommernachtskonzert: Wienerlied – Operette – Oper – Musical: 29. August, Sommerarena der Bühne Baden

Erstaunliches, Humorvolles, Traumhaftes und Instrumentales erlebt der Zuhörer, wenn sich Künstler der Sommersaison 2014 der Bühne Baden von einer ganz anderen, ungewöhnlich neuen Seite zeigen! Die Interpreten dieses Abends – von der Diva bis zum Tenor, vom Schauspieler bis zum Instrumentalisten – präsentieren unterschiedlichste Genres wie das Wienerlied, die Operette, die Oper und das Musical, aber auch Komödiantik wird nicht fehlen – alles, was einen abwechslungsreichen Theaterabend in Baden ausmach

Musical Late Night Show: 30. August, Stadttheater der Bühne Baden

Solistinnen aus der Erfolgsproduktion „Jesus Christ Superstar“ präsentieren ein „Best of“ der beliebtesten Musicals. Ein musikalisches Highlight zu vorgerückter Stunde! Speziell für alle nachtschwärmenden Musicalfans.

www.buehnebaden.at

Wien, 23. 4. 2014