Pleasure

Januar 15, 2022 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

An die Männer denken, die sich damit aufgeilen

Schauspieldebüt: Sofia Kappel als Bella Cherry. Bild: © Plattform Produktion

Es dauert keine zehn Minuten, bis in „Pleasure“ der erste echte erigierte Penis, keine Penisattrappe!, zu sehen ist. Riesig und beängstigend ragt er über Bella Cherrys Kopf, die eigentlich Linnéa heißt und mit 19 Jahren aus einer schwedischen Kleinstadt nach Los Angeles gereist ist, um ein Pornostar zu werden. Es ist ihr erster Drehtag, sie fühlt sich unwohl. „Das ist Lampenfieber, das haben alle beim ersten Mal“, beruhigt sie der Regisseur. Nett und verständ- nisvoll sind sie alle am Set.

Anfängerin Linnéa reißt sich zusammen, die Kamera läuft. Bella Cherry ist geboren. „Pleasure“ heißt der erste Spielfilm der schwedischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ninja Thyberg. („Are you here for business or for pleasure?“, fragt der Einwanderungsbeamte Linnéa routinemäßig bei der Einreise nach Amerika. Einen Moment lang hält sie inne, um dann mit dem Anflug eines vieldeutigen Lächelns zu antworten: „For pleasure.“) „Pleasure“, ab 14. Jänner in den heimischen Kinos, ist vielbeachtet. Er hatte seine bejubelte Premiere beim Sundance Festival, gewann mittlerweile mehrere Awards, trägt bereits den Cannes-Stempel und ist nun für den Europäischen Filmpreis als bestes Erstlingswerk nominiert.

Thyberg hat jahrelang in der Pornobranche recherchiert und sich das Vertrauen der dortigen Protagonistinnen und Protagonisten erworben. Bis auf Hauptdarstellerin Sofia Kappel, die hier ihr Schauspieldebüt gibt, sind die Rollen mit tatsächlichen Akteurinnen und Akteuren besetzt. Vom Agenten Mark Spiegler über die Regisseurin Aiden Starr, die sich sozusagen selber spielen, bis zu Bellas männlichen Partnern John Strong oder Chris Cock, er ein Spezialist für Interracial Porn, was die Amerikaner „noch schockierender finden als triple-anal“.

Der Grazer Mick Blue hat einen Auftritt als Filmemacher. Gedreht wurde großteils an Original-Pornosets. Dass „Pleasure“ weder dezidiert für noch gegen Pornografie Partei ergreift, macht den Film so stark. Dabei sind die Bilder drastisch und teilweise auch höchst unangenehm anzusehen. Die dokumentarisch-fiktionalen Überschneidungen, die in vielerlei Hinsicht Echtheit, erzeugen eine Spannung, die hart an der wahrscheinlichen Wahrheit kratzt. „Pleasure“ ist der wohl authentischste Pornoindustrie-Film aller bisherigen Zeiten.

Anfangs ist alles ein großer Spaß. Sie sei einfach Schwanz-fixiert und liebe Sex, beteuert Bella. „Ich bin eine Performerin“, sagt sie. John Strong mit ein wenig Hüftspeck ist ein fast väterlicher Penetrierer und Bellas Typ – unschuldiges Mädchen von nebenan – kommt an. Bizarr ist die Pragmatik und Porn-Bürokratie mit der vor einem Dreh ein Stapel Formulare ausgefüllt werden muss. Die Pornoindustrie ist ein nüchterner, emotionsloser Erwerbszweig, der Frauenkörper Ware, heiße Ware. Bella erkennt rasch, dass sich karrieretechnisch nur hochschläft, wer sich für alles zur Verfügung stellt und alles ankreuzt: „Cumshot“, „Reverse Cowgirl“, „Double Penetration“, „Rough Scenes“ …

Ein Selfie auf der Adult Video News Messe: „Bella“ Sofia Kappel. Bild: © Plattform Produktion

Fotoshooting im Pool: „Bella“ Sofia Kappel klettert die Karriereleiter hoch. Bild: © Plattform Produktion

Mit Konkurrentin Ava auf dem Weg zu einer Branchenparty: Sofia Kappel und Evelyn Claire. Bild: © Plattform Produktion

Trockentraining mit Banane: Sofia Kappel und Revika Anne Reustle als Joy. Bild: © Plattform Produktion

Ihr mit Sperma vollgespritztes Gesicht postet Bella noch fröhlich (während es der Betracherin offen gesagt den Magen hebt). Instagram ist die neue Präsentationsmappe. Dann ist es mit Erotik-Fun vorbei. Denn je rauer, gewalttätiger und demütigender die Frauen behandelt werden, desto besser verkaufen sich die Filme. Einen großen Unterschied macht es auch, ob bei einem BDSM-Dreh Frauen hinter der Kamera stehen (bei Aiden Starr werden der Mundknebel und die Nippelklemmen mit höchster Höflichkeit angelegt) oder wie meistens Männer.

Männer … man muss unweigerlich an jene denken, die sich an der Erniedrigung der vorgeführten Frauen aufgeilen. Bei der Adult Video News Messe in Las Vegas sieht man die Klientel: Schiachperchten und Freaks, aber auch Familienväter, die sich in der prickelnden Umgebung als Bad Boys fühlen wollen. Ist es die pathologische Angst des „starken Geschlechts“ vor der Weiblichkeit zu versagen, die manche Männer in die fiktionale Hardcore-Porno-Welt mit Hundeketten, Reitgerten und Fesselspielen treibt? Werden sie im Bedarfsfall Fiktion von Realität trennen können (Ausnahme: Sie finden eine BDSM-Gleichgesinnte)?

In den Sexszenen saugt sich die Kamera von Sophie Winqvist Loggins an Sofia Kappels großen, blauen Augen fest. Sie übt sich in der Kunst auch mit schmerzverzerrtem Gesicht Lust zu vermitteln: doppel-anal, für das sie ihren Anus mit Butt-Plugs vordehnen musste, denn Bella will ein „Spiegler-Girl“ werden. Die sind die Elite im Business und hochbezahlt, müssen dafür aber die perversesten Dinge mit sich machen lassen. Ein besonders brutaler Dreh entgleist, Minuten, die man kaum ansehen kann, diese Herabwürdigung einer Frau zum Objekt ist kaum auszuhalten, auch wenn der Regisseur und die beiden „Kollegen“ das Ganze „Show“ nennen.

Sie weint, sie ruft ihr Safeword, die Männer trösten sie. Wie immer sind alle superliebenswürdig. Doch als sie wirklich gehen will, erfährt sie, dass man einem lukrativen Geschäft kein jähes Ende bereitet. „Du spielst mit unserem Geld“, raunt der Regisseur gefährlich. Als Linnéa später vor ihrem Agenten Mike, Jason Toler, von Vergewaltigung spricht, will der davon nichts hören. Sie sei ja freiwillig ans Set gekommen. Da hat ihr Ashley, Dana DeArmond, aus der WG längst erzählt, dass Mike seine Mädchen auch an Freier vermietet: „Cash ist Cash“, meint sie lapidar. Pornografie meets Prostitution. Welch eine seltsame Form der Selbstausbeutung.

Dreharbeiten: Chris Cock, Xander Corvus, John Strong und Sofia Kappel. Bild: © Plattform Produktion

Schmerz und Lust beim Anal-Dreier: Chris Cock, Jack Blaque und Sofia Kappel. Bild: © Plattform Produktion

Bella und Joy müssen mit dem unsympathischen Caesar Rex arbeiten: Bill Bailey. Bild: © Plattform Produktion

Die Jobs werden Hardcore: „Bella“ Sofia Kappel dreht mit der rücksichtsvollen Aiden Starr. Bild: © Plattform Produktion

Die Pornodarstellerinnen-WG, in die sich Bella einmietet, ist wenig glamourös und oft ein trauriger Anblick. Die nicht gerade mit Geld gesegneten Mädchen leben von Pizza und chinesischen Nudeln, danach eine Pot-Pfeife. Bella wird beste Freundin von Joy, Revika Anne Reustle als Südstaatenbelle, die mit der Newcomerin Bananen-Trockentraining macht. Gemeinsam lästern sie über dritte ab, Joy stärkt Bellas Selbstvertrauen. Doch das Ringen um einen Job ist ein eiskalter Konkurrenzkampf. Auf dem Weg nach oben opfert Bella ihre Frauensolidarität und fällt Joy beim Dreh mit dem unsympathischen Caesar Rex in den Rücken.

Und dann ist da noch Ava, die wunderschöne Evelyn Claire, das neueste Spiegler-Girl, Marke Femme fatale. Die Bitch! In einer erschreckenden Szene wird Linnéa zur Täterin. Bei einem Girl-Girl-Shooting mit Ava kämpft sie diese mit einem Umschnalldildo nieder, alles, was sie an Hardcore gelernt hat, lässt sie nun an Ava aus. Muss erwähnt werden, dass Regisseur Mick Blue von den Aufnahmen begeistert ist?

Mit ihrer besonderen Mischung aus Furchtlosigkeit und Durchlässigkeit, mit stoischer Entschlossenheit und laszivem Schlafzimmerblick macht Sofia Kappel ihre erste Filmrolle zum atemraubenden Ereignis. Und Ninja Thyberg hat ein feines Feeling für die Vieldeutigkeit der Situationen, die sie einfängt. Sie spürt Momenten von Triumph und Stolz ebenso nach wie Momenten abgrundtiefer Verlorenheit. Einmal ruft die 19-Jährige nach einer besonders unangenehmen Dreherfahrung ihre ahnungslose Mutter in Schweden an, bittet darum, heimkommen zu dürfen. Die denkt, ihre Tochter mache in den USA ein Praktikum, und rät zum Durchhalten.

„Du wirst leider überall auf Idioten treffen“, sagt sie am Telefon. Lässt man Penisse und Analplugs beiseite, ist „Pleasure“ eine Parabel auf Frauen am Arbeitsplatz. Wer Macht hat, kann machen, was er will. Und Macht haben eben meist die Männer, gerade in der Pornoindustrie. „Pleasure“ ist ein schonungsloser Film, der den Zuschauerinnen und Zuschauern viel zumutet, dem aber auch das Kunststück gelingt, dabei nicht voyeuristisch zu sein. Zur Atmosphäre trägt der Soundtrack von Karl Frid bei, „Una Gida“ gesungen von Caroline Gentele, ein Mix aus Rap und Barock anmutenden Kirchenklängen, „Stripped to the Bone feat. Rubi Rose“, und Sofia Kappel singt „En midsommarnattsdröm“.

www.weltkino.de/filme/pleasure

15. 1. 2022

Streaming – Bridgerton: Die Serien-Sensation der Saison

Januar 3, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Colorblind Casting und ein Vergewaltigungsskandal

Simon, der Duke of Hastings, und seine angetraute Daphne im bonbonfarbenen Fairy-Tale-Land: Regé-Jean Page und Phoebe Dynevor. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Als knapp nach Weihnachten die US-Serie „Bridgerton“ auf Netflix ihre Premiere hatte, war das Binge! von den Bildschirmen bis auf die Straßen zu hören. Staffel eins steht komplett online, eine Kostümschmonzette, die Shonda Rhimes mit ihrer Produktionsfirma Shondaland nach den Büchern von Bestsellerautorin Julia Quinn realisiert hat. Quinn, deren historische Liebesromane aus dem britischen Regency wegen ihres frechen Humors, ihrer spritzigen Dialoge und

eines absolut unzeitgemäßen Feminismus Millionen Fans haben. Und so wirkt auch „Bridgerton“, als wäre das „Gossip Girl“ die verloren geglaubte sechste Bennet-Schwester. Die Bridgertons sind sogar acht Geschwister, die’s zwischen Stolz und Vorurteil, Verstand und Gefühl hin und her reißt, mittendrin Eloise, eine wahrhafte Jane-Austen-Figur. Der Rest ist schnell erzählt: In einer bonbonbunten Fairy-Tale-Welt schuftet sich die Londoner High Society durch die Ballsaison anno 1813 – übrigens das Jahr, in dem „Pride and Prejudice“ dereinst erschienen ist.

Ehrgeizige Mütter treiben ihre pubertären Gänse auf den Heiratsmarkt, doch alle Debütantinnen werden überstrahlt von der Anmut Daphne Bridgertons, der sogar Königin Charlotte zugesteht, „ein Diamant erster Güte“ zu sein. Auftritt Simon Basset, seit dem Ableben seines Vaters der Duke of Hastings, und weil er die aufdringlichen Mütter und sie einen ebensolchen Verehrer loswerden will, schmieden Daphne und Simon den sinistren Plan, sich so lange als Turteltauben zu gerieren, bis er Ruhe und sie einen annehmbaren Antrag hat.

Allein, das Experiment läuft aus dem Ruder, das Nicht-Liebespaar, das natürlich totalmente ineinander verschossen ist, landet mit allen erdenklichen Folgen vorm Altar – und über all das und mehr klatscht und tratscht die mysteriöse Lady Whistledown in ihrem Boulevardblättchen, Lady Whistledown eine Whistleblowerin d’amour, die Vorfahrin aller spitzzüngigen Gesellschaftskolumnisten. So weit, so eh schon wissen, würde sich „Bridgerton“ nicht durch eine Wokeness auszeichnen, die in derlei Serien-Paketen selten ist – und sehr, sehr, seehr viel Sex.

Wobei die Objekte der Begierde hier eine ansehnliche Reihe junger Herren ist, die mit blanker Brust und Pobacken glänzen. Allen voran Regé-Jean Page, der als Duke of Hastings so schön ist, wie weiland Denzel Washington als Don Pedro in Kenneth Branaghs „Viel Lärm um nichts“, und Jonathan Bailey als Daphnes großer Bruder Viscount Anthony Bridgerton.

Claudia Jessie als Eloise und Ruth Gemmell als Lady Violet Bridgerton. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

National-Theatre-Star Adjoa Andoh als süffisant spöttelnde Lady Danbury. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Von der lesbischen Othello zu Königin Charlotte: die britische Bühnengröße Golda Rosheuvel. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Die Featheringtons: Polly Walker, Ruby Barker und Kathryn Drysdale als Genevieve. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Fünf Punkte, die „Bridgerton“ besonders machen (Inhalt kann Spoiler enthalten)

1. Das Matriarchat. Rund um den Grosvenor Square regiert das Matriarchat, das heißt eigentlich beginnt dieses schon im Kew Palace, von wo aus Königin Charlotte das Volk im mütterlich festem Griff hat – Schauspielerin Golda Rosheuvel, die Nachrichten aus dem Gemach ihres wegen seiner Stoffwechsel- an einer Geisteskrankheit leidenden Gemahl George III., „Eure Majestät, der König …“, mit einem hoffnungsvollen „Ist er tot?“ quittiert.

Unter ihr herrschen Ruth Gemmell als verwitwete Lady Violet Bridgerton, die ihren Clan mit viel Liebe an die Kandare nimmt, Nachbarin und, da Mutter dreier von der Natur weniger begünstigter Töchter, Rivalin Lady Portia Featherington, verkörpert von Polly Walker, deren liederlich-trotteliger Ehemann das Familienvermögen verspielt und verhurt – und die unvergleichliche Großmeisterin des süffisant spöttelnden Smalltalks, Adjoa Andoh als Lady Danbury, die Klein-Simon großzog, da sein Vater das vor Angst stotternde Kind aus den Augen haben wollte.

Die nächste Generation ist nicht minder frühemanzipiert: Claudia Jessie als Freigeist Eloise Bridgerton, die an die Universität statt unter die Haube will, ihre beste Freundin Penelope Featherington, Nicola Coughlan, der Verstand vor Gewicht geht, und schließlich Anthonys Affäre, die selbstbewusste Opernsopranistin Siena Rosso, Sabrina Bartlett, und die geschäftstüchtige Modemacherin Genevieve Delacroix, Kathryn Drysdale – die noch dazu ein nächtliches Doppelleben führt, infolgedessen sie Sohn Nummer zwei Benedict Bridgerton bei einer Party von dessen bisexuellem Hofmaler-Freund zu ihrem Geliebten macht.

Die ärmliche, vom Land in die Stadt verfrachtete Featherington-Cousine Marina Thompson, Ruby Barker spielt die Schönheit, weigert sich trotz geheim gehaltener Schwangerschaft den Nächstschlechtesten zu ehelichen, stattdessen stürzt sie sich im Wortsinn auf den dritten Bridgerton-Bruder, den unschuldigen, den naiven Colin … Jede dieser Frauen hätte das Zeug dazu, Lady Whistledown zu sein.

2. Das Colorblind Casting. Die Ensemble-Diversität in „Bridgeton“ lässt die Frage nach Hautfarbe gar nicht erst aufkommen. Showrunner Chris Van Dusen hat quer durch den britischen Adel weiße und nicht-weiße Schauspielerinnen und Schauspieler besetzt. An britischen Theaterhäusern, von denen etliche der Engagierten kommen, hat das Colorblind Casting eine lange Tradition, siehe die Rezensionen von www.mottingers-meinung.at über das Londoner Shakespeare’s Globe Theatre beim Art Carnuntum Festival.

Die Besetzung der People of Color wurde als ein Statement getroffen, so Van Dusen, angefangen bei der renommierten Theaterschauspielerin Golda Rosheuvel, zu deren Bühnen-Credits „Macbeth“, „Romeo und Julia“ und 2018 eine lesbische „Othello“ zählen. Hier ist sie Königin Charlotte, über deren „afrikanisches Antlitz“ Zeitgenossen tatsächlich munkelten, und das Historiker heute auf die portugiesische Linie der von Mecklenburg-Strelitzens zurückführen.

Dieser Aspekt immerhin schien Van Dusen so bemerkenswert, dass er die historische Persönlichkeit ins Setting einführte, in den Büchern kommt die Königin nämlich nicht vor, in der Serie leitet Rosheuvel den Cast an – von Regé-Jean Page bis Adjoa Andoh, von Ruby Barker bis zu Simons Freund und Boxtrainer, Martins Imhangbe als Will Mondrich, und Simons Butler, Jason Barnett als Jeffries. Kathryn Drysdale ist topaktuell für die Rolle der Meghan Markle im Gespräch.

Anthony Bridgerton ist soeben dem Bett seiner Mätresse entstiegen: Jonathan Bailey. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Serien-Beau Regé-Jean Page als Simon Basset, Duke of Hastings, in ähnlicher Situation. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Daphne erprobt ihre Verführungskunst: Phoebe Dynevor und Regé-Jean Page. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

Der Höhepunkt der Vergewaltigungsszene: Regé-Jean Page sorgt für Skandal. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

3. Der Vergewaltigungsszenen-Skandal. An Liebesszenen wird in „Bridgerton“ nicht gespart, vor allem zwischen Daphne und Simon. Nicht nur erklärt er ihr, wie man die Wonnen des Orgasmus für sich allein entdecken kann, sie zieht ihn mit ihren Blicken quasi aus, bevor er es selber tun kann. Ob Beau Page nun lasziv einen Eislöffel ableckt oder beim Training im Boxring seine Muskeln spielen lässt, in „Bridgerton“ ist fürs weibliche Herz allerhand dabei. Eine Szene mit der zauberhaften Phoebe Dynevor erregt allerdings die männlichen Gemüter – und nein, nicht so.

Daphnes sexuelle Erweckung ist einer der wichtigsten Themenstränge der Serie. Von Mama und ihrer Herumdruckserei denkbar unaufgeklärt, sagt ihr Simons Verhalten knapp vor dem Kommen, sich wegdrehen und in ein Taschentuch stöhnen, erst nichts. Der Herzog hat vor seinem sterbenden, ihm verhassten Vater den Schwur getan, die Hastings aussterben zu lassen, heißt: niemals ein Kind zu zeugen, daher der Hang zum Interruptus.

Es bedarf der Kammerzofe Polly, um ihrer Herrin zu erklären, wie das mit den Bienen und Blüten funktioniert, also inszeniert Daphne einen Samenraub de luxe, sie dreht den Spieß ist gleich die Beischlafpositionen um, und so kann Simon noch so sehr ums „Bitte aufhören!“ betteln, der Höhepunkt steht wie eine Eins. Skandal, skandiert’s nun durch die Social Media, eine Vergewaltigungsszene wird vom Publikum bagatellisiert. Im Roman war’s noch ärger, da machte Daphne Simon sogar betrunken und willfährig – tja …

4. Julie Andrews. Wem’s irgend möglich ist, der sollte sich „Bridgerton“ im englischen Original ansehen. Julie Andrews näselt sich als Lady Whistledown aus dem Off very british durch deren boshafte kleine Sticheleien, auch Eloise hat ein entzückend loses Mundwerk, und überhaupt sind die Dialoge im O-Ton ein so rasantes wie sarkastisches Ping-Pong-Spiel. Und siehe: Plötzlich ist „Bridgerton“ eine Serie, die sich so gar nicht todernst nimmt. Wenn Frauen die Tuscheltrommel rühren, um die hochfahrenden, allerdings hirnrissigen Pläne der Männer samt und sonders zu ruinieren …

Penelope Featherington wird noch eine wichtige Rolle spielen: die wunderbare Nicola Coughlan. Bild: Liam Daniel/Netflix © 2020

5. Die zweite Staffel. Ist in Planung, die Dreharbeiten sollen im März starten, laut Gerüchten aber ohne Daphne und Simon. In Julia Quinns Buchreihe hat die Autorin jedem der acht Bridgerton-Kinder einen Roman gewidmet. In Band zwei ist ergo Anthony an der Reihe, dem auf dem Bildschirm die wegen seiner Hop-on-Hop-off-Liebe erzürnte Siena gerade die Tür vor der Nase zugeschlagen hat. Erzählenswert ist zweifellos aber auch die Geschichte von Eloise, die nach Daphne in Season 2 in die Gesellschaft eingeführt werden

soll, dies aber um die Burg nicht will. Francesca Bridgerton, die zweitjüngste Tochter, kehrt in den letzten Minuten der Staffel eins erst aus Bath zurück, über sie weiß man also noch gar nichts. Und auch die heillos in Colin verliebte Penelope ist der Aufmerksamkeit wert. Und last, but not least gilt es nach wie vor die Identität der Lady Whistledown aufzudecken.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=gpv7ayf_tyE           www.youtube.com/watch?v=XM8-Q_dssYI           www.netflix.com

  1. 1. 2021