Academy Awards Streaming: Gary Oldman ist „Mank“

März 20, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

David Finchers Meisterwerk ist nominiert für zehn Oscars

Ein ziemlich verkaterter Mank am William-Randolph-Hearst-Privatset: Gary Oldman und Amanda Seyfried als Marion Davies. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Mit den meisten, das sind dieses Jahr zehn Nominierungen geht der Netflix-Film „Mank“ ins Rennen um die Academy Awards 2021, und zwar in den Oscar-Kategorien: Bester Film, David Fincher für Beste Regie, Gary Oldman als Bester Hauptdarsteller, Amanda Seyfried als Beste Nebendarstellerin, Erik Messerschmidt für Beste Kamera, Donald Graham Burt

und Jan Pascale für Bestes Szenenbild, Trish Summerville für Bestes Kostümdesign, Trent Reznor und Atticus Ross für Beste Filmmusik, Gigi Williams und Team für Bestes Makeup und Frisuren sowie Ren Kylce und Team für Besten Ton. Hier noch einmal die Filmrezension vom vergangenen November:

The Making of „Citizen Cane“ und Hollywoods Fake News

Einer der außerordentlichen Eindrücke in diesem Film sind die Fade-Outs. Langsam kommen sie, zögerlich, kein Schwarz soll die Sequenz zu schnell beenden, stattdessen ein Moment des Unerledigten bleiben, könnt‘ ich zum Augenblicke sagen …, bis schließlich die Gegenwart von 1940 in Flashbacks aus den Dreißigerjahren entschwindet. Dazu auf der Schreibmaschine getippte Szenenüberschriften – Schauplatz, Tageszeit, Situation …

David Fincher hat für Netflix „Mank“ gedreht, die Story um die Entstehungsgeschichte des Filmdramas „Citizen Kane“, Orson Welles‘ Hollywood-Einstand mit ihm als Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent, bis heute auf der Top-Ten-Liste der besten Filme aller Zeiten – und wie jedes Meisterwerk von einem Mythos umrankt. Dieser hier betrifft Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz, der im Abspann gerade mal als Co. genannt wird, alldieweil US-Kritikstar Pauline Kael schon 1971 im New Yorker auf Manks alleinige Autorschaft verwies. Ein Essay, den Davids Vater Jack Fincher bereits vor Jahrzehnten für sein Script studierte.

Da liegt also Mank im Bett, nach einem Autounfall mit Liegegips verarztet, auf einer Ranch in der Mojave-Wüste 85 Meilen nordöstlich von Los Angeles, wo, so hoffen die ihn dort einquartiert haben vergeblich, für den Alkoholiker nichts Hochprozentiges, dafür eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu finden ist. Das lädierte Bein ist gleichsam Sinnbild einer angeknacksten Karriere, Mank hat es sich mit MGM-Boss Louis B. Mayer verscherzt, jetzt soll die in Ungnade gefallene Edelfeder im Auftrag von RKO ein Drehbuch für Orson Welles verfassen.

Welles wer? Das neue Boy Wonder von der Ostküste gibt sein Traumfabrik-Debüt und hat dafür von RKO Carte blanche bekommen, seine „War of the Worlds“-Massenpanik eilt dem 24-Jährigen als Ruf voraus – und Tom Burke spielt einen sich selbst vergötternden Egomanen, der von seinem Genie einfach hingerissen ist. Eine Ich-Sucht, vor den lasterhaften, lästerlichen Mank geworfen, als wären‘s Schnapsperlen ins Whiskeyglas. Sechzig Tage hat er Zeit, so lange haben’s nicht einmal die biblischen Propheten in der Trockenzone ausgehalten. Zur Inspiration lässt sich Mank ergo erst einmal von der deutsch-jüdischen Haushälterin und Pflegerin Fräulein Freda, Monika Gossmann ehrenwert und ergeben, die Hausbar füllen, was wiederum der neuen, resoluten, moralisch entrüsteten Sekretärin Mrs. Rita Alexander, Lily Collins, nicht behagt.

Charles Dance als Medienmogul und Kane-Vorbild William Randolph Hearst. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Amanda Seyfried als dessen Dauergeliebte und Schauspielerin Marion Davies. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Tom Burke gibt den selbstverliebten Wonder Boy Orson Welles. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Oldman mit Arliss Howard als Louis B. Mayer und Tom Pelphrey als Manks Bruder Joe. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Gary Oldman in einer platonischen Ménage à trois, das Eheweib „poor Sara“, Tuppence Middleton wunderbar krisengeschmiedet, hat er zuhause gelassen, so ist Oldmans Mank: ein charmant ramponiertes, kauziges Scheusal, einer, der mit seinen pointierten Sagern und wohldosierten Beleidigungen die zynische Zier jeder Party ist, belesen, ein Poet, ein Philosoph, ein Philanthrop, letzteres gut versteckt (in einem Küchengespräch erfährt etwa Rita, dass Mank Fredas ganzes Dorf vor den Nazis in die USA gerettet hat), liebenswert, wenn er jemanden mag, was ihn demjenigen gegenüber hilflos macht, Oldman – in jeder Hinsicht ein Sympathicus.

David Fincher hat den „Citizen Kane“ en détail erforscht, konterkariert Welles‘ Deep Focus Cinematography, seine Point-of-View-Shots mit einer Nonchalance und Nachlässigkeit ähnlich der seines Protagonisten, während die Vorspanntitel das Golden Age in La La Land imitieren, Fincher verwichene Manierismen neu interpretiert. Nicht nur jenem dem aktuellen Kino abhandengekommenen Stilmittel Abblende wird gefrönt, künstlich eingefügte Kratzer und Marker sollen den Eindruck erwecken, dass man hier tatsächlich Filmrollen eingelegt hat. Fincher lässt seinen Film so ein eigenes, warmes Timbre entwickeln, diese achtsame inszenatorische Geste ist dem Regisseur offensichtlich Herzenssache.

Doch wiewohl von Kameramann Erik Messerschmidt in versonnen-traumverlorenem Schwarzweiß festgehalten, ist „Mank“ keine verwehte Nostalgie, keine Sentimentalität, keine schluchzenden Geigen à la anno Schnee, sondern eine durch und durch zeitgenössische Produktion. Fincher verschiebt die Perspektiven, die Betrachtungsweisen und Standpunkte, er erzählt, was sonst selten der Erzählung für Wert befunden wird. Finchers Rückblendenstruktur arrangiert die Geschehnisse neu, ordnet deren Chronologie um, flicht historisch nicht verbürgte Figuren oder Episoden ein und stellt legendäre Sätze in einen anderen Kontext. Mankiewicz‘ zweitberühmtesten Satz „There, but for the grace of God, goes God“ ruft Oldman Orson Welles hinterher.

Der sardonische Welles geistert meist als sagenumwobene Telefonstimme durch den Äther; viel näher als ihm ist Fincher den Figuren in den Rückblenden. Diese beginnen 1930, als Mank nach durchfeierter Nacht und hinlänglich verkatert auf Hearst Castle erwacht, Schloss und Anwesen samt Privatzoo des Medienmoguls William Randolph Hearst, den Grandseigneur Charles Dance als ebensolchen gibt, ein Machtmensch, ein Massenmanipulator, Meinungs- und Ministermacher und von den ihm Verpflichteten bestenfalls amüsiert.

Mank stolpert mitten in Dreharbeiten auf Hearsts Privatset – und wie Charles Dance auf dem Kamerawagen heransaust, ist vom Feinsten. Die folgenden geschliffenen Dialoge sind im englischen O-Ton noch gewitzter. Wenn Oldmans Mank mit den „supporting devices“ per Augenwinkern eindeutig den versteckten Alkohol meint, doch auf Deutsch mit dem durchaus korrekten Vokabel „Stützvorrichtung“ (für den geh-gehandicapten) übersetzt wird, so trifft das eben nicht den Kern von Vater Finchers Komödiantik.

Gary Oldman mit Lily Collins als Sekretärin und Alkohollehrling Rita Alexander. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Monika Gossmann als deutsch-jüdische Pflegerin Fräulein Freda. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Angewidert sieht Mank Louis B. Mayers Fake News: Gary Oldman. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Mayer verkündet Lohnkürzungen für die Studiobelegschaft: Arliss Howard. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Fincher-Sohn gibt Hearst durch die Flashbacks eine zentrale Rolle im zunehmend eskalierenden Konflikt. Durch den Alkoholnebel wabern Manks Erinnerungen und befeuern den Schreibprozess, Hearst ist Kane, ach, Rosebud! Hearst wird mit Mank noch Schlittenfahren, doch vorerst lernt er dessen Dauergeliebte, Ex-Ziegfeld-Follie, Schauspielerin Marion Davies kennen, Amanda Seyfried als Wasserstoffblondine mit wachem Verstand, in der Mank eine Seelenverwandte findet.

Die Studiobosse, die an Hearsts Intrigenfäden wie Marionetten zappeln, werden vorgestellt, allen voran Arliss Howard als maliziöser, vom Machtrausch mickriger Männer angesäuselter Louis B. Mayer. Bezeichnend eine Wirtschaftskrisen-Szene in der Mayer der als „meine Mischpoche“ geherzten Studio-Belegschaft mit blumigen Worten die Hälfte der Gehälter abschwatzt. Diese Chuzpe macht sogar Mank sprachlos.

Der Republikaner Hearst bedient sich der Suggestivkraft des Kinos, um im kalifornischen Gouverneurs-Wahlkampf von 1934 eine schmutzige Kampagne gegen den Schriftsteller und Sozialisten Upton Sinclair zu führen, und seinen Mann Frank Merriam groß zu machen. Fincher zeigt den politischen Druck auf die MGM-Künstlerinnen und -Künstler, die ohne eine Widerrede zu wagen in Mayers Anti-Sinclair-Fonds einzahlen müssen. Der an Felix E. Feist angelehnte Shelly Metcalf, Jamie McShane, zeigt Mank schließlich, was Mayer ihm als erste Regie-Chance angepriesen hat:

„Interviews“ mit Merriam-Wählern und Sinclair-Gegnern, allesamt gecastete Schauspielerinnen und Schauspieler, arbeitslose Mimen, die sich um die Mitwirkung in den Propagandaspots rissen, Fake News made by Film Industry, und mag Manks Prinzipienfestigkeit auch nur bis zur nächsten Bar reichen, diese Korruptheit stößt ihm saurer auf als Sodbrennen. Es ereignet sich Eskalation eins bei der Wahlabendparty im Trocadero Nachtclub, als Mank sein heute hochaktuelles: Man muss nur lang und laut genug die Unwahrheit sagen … vom Stapel lässt.

An solchen Stellen bekommt Finchers Film politische Tiefenschärfe. Später, in der 1940er-Mojave, wird er seinem Bruder Joe, Tom Pelphrey als schmucker Bursche eine Art Mank 2.0, der ihn vorm beruflichen Selbstmord warnt, heißt: sich nicht mit Hearst anzulegen, bescheiden: „Wir müssen achtsamer sein!“ – „Weswegen?“ – „Wegen der Menschen, die im Dunkeln sitzen …“ [Joseph wird als Autor-Regisseur und Oscarsammler von „All about Eve“ mit Bette Davis, „Julius Cäsar“ mit Marlon Brando bis „Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor und Richard Burton, zuletzt „Sleuth“ mit Laurence Olivier und Michael Cane, den älteren übertreffen, Anm.]

Partycrasher Mank blamiert Mayer und sich selbst: Gary Oldman. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Not amused: Arliss Howard als Mayer und Charles Dance als Hearst. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Die Wahlnacht 1934: Tuppence Middleton als „die arme Sara“ (M.). Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Ein Oscar fürs Beste Original-Drehbuch: Gary Oldman als Mank. Bild: © 2020 – Netflix / Gisele Schmidt

Abblende, Aufblende, 1937 und wieder Party. Sturzbetrunken und streitlustig stürmt Mank den Hearst-Zirkus, um ihm sein Sinclair-Komplott vor die Füße zu werfen. Bevor er auf den Teppich kotzt. Der „Hofnarr“ wird vom Hausherrn persönlich hinausgeworfen. Dies die famose Schlüsselszene des Ganzen in der Mankiewicz vor Hearst schon seine Fabel eines megalomanischen Zeitungszaren skizziert. Ein Moment wie ein fiebriger Albtraum, für den Fincher manche Takes bis zu hundertmal wiederholt haben soll. In der Wüste verlangt Mank vom angereisten Orson Welles indes seinen Credit, davor hatte er auf Rechte und Nennung verzichtet, es steht also in zwei Zeitzonen Spitz auf Knopf. Welles‘ Wutausbruch nützt Mank sofort für die Trennungsszene zwischen Kane und seiner zweiten Frau.

Mehr als zwei Stunden lang begeistert Gary Oldman als Mank in Finchers detailreicher Charakterstudie eines sozial unverträglichen Menschen im Minenfeld gesellschaftlicher Konventionen. Welch hochentzündliche Reibefläche, dieser Traumfabrik-Insider, der stets Hollywoods Außenseiter war, welch eine Rolle, dieser überbezahlte, unterforderte in-der-Regel-der-einzige-im-Raum Intellektuelle mit seiner rücksichtslosen Integrität.

In der schönsten Szene spazieren Mank und „Pops“ Starlet Marion bei einem unschuldig-nächtlichen Tête-à-Tête durch Hearsts Privatzoo, vorbei an den Schemen von Giraffen, Raubkatzen und Elefanten. Ein surreales Szenario mit Serengeti-Tonspur, und die beiden um nichts weniger Gefangene des Studiosystems als die Kreaturen im Tiergarten. Mank sagt: „Ich bin wie eine Ratte in einer selbstgebauten Falle, die ich repariere, sobald Gefahr besteht, ihr zu entkommen.“ Und eine Vorahnung von Kanes goldenem Käfig Xanadu, Manks krönender Schöpfung, von deren Genesis niemand überraschter ist als er selbst, liegt in der Luft.

Der Rest ist Geschichte: „Citizen Kane“ wurde 1942 mit neun Oscar-Nominierungen bedacht, darunter Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, und bei jeder Nennung von Hearst-Getreuen ausgebuht. Schließlich ging der Academy Award in der Kategorie Bestes Original-Drehbuch an Welles und Mankiewicz, die beide der Verleihung fern geblieben waren, Welles, weil er bereits in Mexiko drehte. Auf die Frage der ihm nachgefolgten Journalisten, ob er seinem Mitpreisträger medial etwas ausrichten wolle, antwortet er zumindest im Film: „Tell him he can kiss my ass.“ Am 25. April wird man wissen, wie David Finchers Hommage wie Demontage des klassischen Hollywood abgeschnitten hat.

Trailer/engl.: www.youtube.com/watch?v=aSfX-nrg-lI     www.youtube.com/watch?v=qDFI6EbEF8c     Behind the Scenes: www.youtube.com/watch?v=49LWiBUCauU     www.netflix.com

20. 3. 2021

„White House Down“ mit Jamie Foxx

September 9, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Und immer sind die armen Amis die Opfer …

Channing Tatum ("John Cale") und Jamie Foxx ("Präsident James Sawyer")  Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Channing Tatum („John Cale“) und Jamie Foxx („Präsident James Sawyer“)
Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

„In Emmerich we trust“ schrieben die US-Medien nach des Schwaben jüngstem Streich. „White House Down“, aber geh‘, wieder einmal hat Roland, der Rächer, die freie Welt – oder zumindest die, die sich dafür und ihre Polizei gleich dazu halten – vor dem Bösen gerettet. Nach „Independence Day“ (da waren’s Aliens), „The Day After Tomorrow“ (da war’s die Klimaerwärmung) und  „2012“ (da war’s der Maya-Kalender) bedroht nun eine paramilitärischen Gruppe die USA. Ein Glück für Lunz am See und Schwarzau im Gebirge, dass beide solcherart von zahlreichen Begleitphänomenen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und  Flutwellen, die allesamt zum Weltuntergang führen,  verschont bleiben. In „White House Down“ also wurde dem Washingtoner Polizisten John Cale (Channing Tatum) gerade sein Traumjob verwehrt, für den Secret Service als Personenschützer von Präsident James Sawyer (Jamie Foxx) zu arbeiten. Weil er seiner kleinen Tochter die schlechte Nachricht schonend beibringen will, nimmt er sie mit zu einer Besichtigungstour durch das Weiße Haus. Aus heiterem Himmel wird der gesamte Gebäudekomplex von einer Horde finsterer Jungs gestürmt und besetzt. Während die Regierung ins Chaos stürzt und allen die Zeit davonläuft, liegt es an Cale, den Präsidenten, seine Tochter und das Land zu retten. Was zu erwarten war … Das Weiße Haus fliegt natürlich -no na – in die Luft.

„Cale versucht seit Jahren sein Leben in den Griff zu bekommen. Was ihm fehlt, sind die nötigen Werkzeuge, um alles auf die Reihe zu kriegen“, sagt Tatum im Gespräch. „Aber er hat ein gutes Herz – er hat immer davon geträumt, der Held seiner Tochter zu sein. Und jetzt wird ihm bewusst, dass er das nicht sein kann, wegen der Fehler, die er gemacht hat. Er denkt: „Nun, sie bewundert den Präsidenten – wenn ich schon nicht ihr Held sein kann, dann kann ich vielleicht wenigstens denjenigen beschützen, der es ist.’“ „Zu Beginn des Films ist er vermutlich eher ein guter Kumpel als ein guter Vater“, erzählt Tatum weiter. „Er ist kein besonders gutes Vorbild – er ist niemand, zu dem man gehen würde, wenn man Rat benötigt. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann ist er der Typ, auf den man sich verlassen kann. Er hat schon einige haarige Situationen gemeistert.“

Jamie Foxx mimt – sehr passend zur Realität – den  46. Präsident der Vereinigten Staaten, einen Mann, so Foxx, „der alles unternehmen würde, um Schaden von Amerika abzuwenden. Er ist aber auch einer, dem bewusst ist, dass man, wenn man Amerika in der heutigen Zeit beschützen will, genau wissen muss, wer der Feind ist, mit dem man es zu tun hat. Wenn man dieses Wissen nicht mitbringt und nicht weiß, wie man einen Dialog führt, dann wird sich die Situation niemals wirklich entspannen und so besteht die Gefahr, dass etwas Drastisches passieren kann.“ Foxx: „Als Präsident Sawyer gewählt wird, will er Berge versetzen. Als er schließlich im Amt ist, stellt er fest, dass es nicht ganz so einfach ist. Er muss viel Zeit mit der Politik seines Jobs verwenden. Während es Cales Ziel ist, sich selbst und seine Tochter zu beeindrucken, strebt der Präsident danach, etwas Großes zu leisten – er will etwas wirklich Präsidentschaftliches erzielen, etwas „Lincoln-haftes“. Er will, dass man sich an ihn als großen Präsidenten erinnert. Das ist also Teil des Spaßes bei diesem Film: Wir haben es mit einem ehemaligen Soldaten zu tun, der es intellektuell mit dem Commander-in-Chief aufnehmen muss, weil sie den ganzen Film über aneinander gebunden sind.“ Na, wenn das nicht lustig ist. Sagt der Spieß zur Truppe: „Rechts um! Das gilt auch für den kleinen Roten da hinten!“ Soldat: „Aber Herr Feldwebel, das ist doch ein Hydrant!“ Spieß: „Na und? Ist mir sowas von egal, was der studiert hat!“

„In dieser Situation wird der Präsident mit dem Beginn einer neuen Weltordnung konfrontiert“, erzählt Foxx über seine Figur. „Er lernt, dass die Macht des Schwertes (?, Anm. der Redaktion, wir dachten Schwerter, bei aller Liebe zur Bibel oder Rosa Luxemburg, hat der böse Islamist) nicht immer die beste Maßnahme in einer Krisensituation ist. Wir schneiden ein paar dieser politischen Themen an, aber wir wollen das Publikum nicht runterziehen.“ Völlig verständlich. Irak, Afghanistan, Syrien – man kann’s doch schon nicht mehr hören. Warum Realität zeigen, wo man dem Zuschauer mit Krachbumm ein paar unbeschwerte Stunden bescheren kann.

Maggie Gyllenhaal ist als Tatums Vorgesetzte für die Frauenquote zuständig.  Und … ? … ach ja: Das Oval Office musste wegen der Explosionsszene zwei Mal gebaut werden. Das hätte sich Bill Clinton auch gewünscht.

www.whitehousedown.de

www.sonypictures.at/filme/white-house-down/

www.whitehousedown.com/site/

Trailer: www.youtube.com/watch?v=uvx7cvJKEpM

www.youtube.com/watch?v=iXufri0Ts3c

Wien, 9. 9. 2013

Chroniken der Unterwelt – City of Bones

August 28, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Jonathan Rhys Meyers als Leinwandbösewicht

Mächtiger Bösewicht: Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers).  Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Mächtiger Bösewicht: Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers).
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Am 29. August startet in den heimischen Kinos die Fantasy-Saga „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“, ein Mix aus Action, spektakulären Spezialeffekten und je einer guten Portion Romantik und Humor. Der Film basiert auf dem ersten Buch der gleichnamigen, weltweit erfolgreichen Abenteuerreihe der Bestsellerautorin Cassandra Clare. Erzählt wird die Geschichte von Clary (Lily Collins), die entdeckt, dass sie einer viele Generationen alten Gruppe von Schattenjägern angehört, einem Geheimbund von Halbengel-Kriegern, die dafür kämpfen, unsere Welt vor Dämonen zu bewahren. Nach dem rätselhaften Verschwinden ihrer Mutter schließt sich das Mädchen einer Gruppe von Schattenjägern an, die ihr das New York einer Parallelwelt zeigen – voll mit Dämonen, Zauberern, Werwölfen, Vampiren und anderen tödlichen Kreaturen. Gemeinsam mit den Schattenjägern Jace (Jamie Campbell Bower), Alec (Kevin Zegers) und Isabelle (Jemima West) macht sich Clary auf die Suche nach ihrer Mutter. Außerdem müssen die vier verhindern, dass der finstere Valentine Morgenstern  (Jonathan Rhys Meyers) in den Besitz des mächtigen Kelchs der Engel gelangt … In einer Gastrolle  ist Elyas M’Barek („Türkisch für Anfänger“) zu sehen.

Schriftstellerin Clare begann im Jahr 2003 mit dem Verfassen ihrer Reihe von Young-Adult-Romanen, die auf Anhieb auf den Bestsellerlisten von New York Times, USA Today, Wall Street Journal und Publishers Weekly landeten. „Ich war immer schon ein großer Fan von Fantasy und epischen Geschichten über Gut und Böse“, sagt sie. „Ich wollte eine Coming-of-Age-Geschichte mit einem Mädchen im Mittelpunkt erzählen, weil ich das noch nicht allzu oft gesehen hatte. Und ich beschloss, New York als Kulisse zu wählen, weil ich gerade in die Stadt gezogen war und mich in ihre wunderbare und unglaubliche Geschichte verliebt hatte.“ Vier Jahre später wurde „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ veröffentlicht und entwickelte sich in Windeseile zum weltweiten Verkaufsschlager. In der Folge entstanden fünf weitere Romane der Chroniken der Unterwelt-Saga mit Clary Fray und ihren Schattenjäger-Kameraden sowie drei weitere mehrteilige Serien, die ebenfalls in Clares erdachter Schattenwelt angesiedelt sind: „The Bane Chronicles“, „The Infernal Devices“ und „The Dark Artifices“. Die Bücher wurden in 36 Sprachen übersetzt und haben sich weltweit 22 Millionen Mal verkauft.

In der Chroniken der Unterwelt-Romanserie befindet sich in der uns bekannten Welt noch eine weitere, eine versteckte Welt, die von magischen Wesen bevölkert wird, die sich in einem fortwährenden Kampf zwischen Gut und Böse befinden. Man kennt sie als die Schattenwelt: Sie beinhaltet Geheimnisse, die tausend Jahre zurückreichen in eine Zeit, als die Erde drohte, von Dunkelheit verschlungen zu werden. Zehn Jahrhunderte sind vergangen, seitdem die Pest durch Europa wütete und endlose Heilige Kriege den Nahen Osten in die Knie zwangen. Cassandra Clares sorgfältig geplottete Mythologie besagt, dass hinter diesen Ereignissen dämonische Kräfte stecken, die damals versuchten, die Menschheit zu zerstören und die Weltmacht zu übernehmen. Weil er befürchtete, dass das Böse über das Gute triumphieren könnte, griff der Engel Raziel zu drastischen Maßnahmen. Er vermischte sein Blut in einem geheimnisvollen Kristallkelch mit Menschenblut. Jeder, der von diesem Kelch der Engel trank, wurde Teil einer Rasse von Hybriden, halb Mensch, halb Engel, die man als Nephilim kennt – oder als Schattenjäger. Diese einzigartigen Wesen, ausgestattet mit übernatürlich großen Kräften und magischen Fähigkeiten, beschützen die menschliche Welt seither vor Übergriffen der Dämonen. Die Schlacht wird noch heute in der Schattenwelt ausgetragen, obwohl normale Menschen ihr gesamtes Leben führen, ohne je von deren Existenz zu erfahren.

Jonathan Rhys Meyers spielt Bösewicht Valentine Morgenstern. „Valentine ist kein geifernder Superbösewicht oder unglaublich verwerflicher Strippenzieher“, sagt Produzent Robert Kulzer. „Seine Gefahr geht von seinem Charme aus. Er steht für all das, was die Schattenjäger nicht sein sollten. Und doch hat er alle möglichen Leute dazu gebracht, ihm auf dem Weg in die Finsternis zu folgen.“ Valentines Verbleib bleibt für den größten Teil des Films ein Geheimnis, aber seine finstere Präsenz trägt viel zur Atmosphäre bei. „Die Erwähnung seines Namens reicht aus, um den Leuten kalte Schauer den Rücken herunter laufen zu lassen. „Als Clary herauszufinden versucht, was mit ihrer Mutter geschehen ist, fällt sein Name immer wieder. Damit wird effektiv die Bühne bereitet für den Moment, an dem er wirklich in die Handlung eingreift.“ Cassandra Clare sagt, dass Rhys Meyers’ grüblerische Intelligenz ihn zum idealen Valentine macht. „Ich habe Jonathans Arbeit geliebt, als ich ihn erstmals in „Velvet Goldmine“  (1998) gesehen habe“, erklärt die Schriftstellerin. „Er verleiht Valentine eine Art von bösartiger Vernunft. Obwohl man weiß, dass die Worte, die aus seinem Mund kommen, im Wesentlichen unmoralisch sind, will man doch einer Meinung mit ihm sein. Eine ganze Reihe theoretisch guter Leute werden Teil seines Zirkels. Als ich erstmals online geposted habe, dass Jonathan Rhys Meyers unser Valentine sein würde, erhielt ich viele Antworten, in denen stand: ,Also ich würde Mitglied des Kreises werden, wenn er von ihm angeführt werden würde.’“

Rhys Meyers ist ein intensiver und erfindungsreicher Darsteller und überraschte seine Kollegen während des kompletten Drehs immer wieder. „Nachdem wir die erste Szene mit Valentine gedreht hatten, nahm Jamie Campbell Bower mich beiseite und gestand: ‚Ich habe ein bisschen Angst vor ihm’“, so Kulzer. „Und auch Lily kam zu mir und sagte: ,Er ist super, aber ich habe ein bisschen Angst vor ihm.’ Und ich antwortete ihnen: ‚So soll das ja auch sein!‘“

http://chronikenderunterwelt.de/

http://www.cityofbonesmovie.com/

Trailer: www.youtube.com/watch?v=FzbzWrNQuTw

Wien, 28. 8. 2013

Da geht noch was

August 13, 2013 in Film

Henry Hübchen nervt Florian David Fitz

Conrad (Florian David Fitz) gibt seinem Vater Carl (Henry Hübchen) Nachhilfe im Wäsche waschen  Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Conrad (Florian David Fitz) gibt seinem Vater Carl (Henry Hübchen) Nachhilfe im Wäsche waschen
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Nach dem preisgekrönten und erfolgreichen Kinofilm „Vincent will meer“ startet am Mitte September mit „Da geht noch was“ die neue Komödie von Olga Film. Die Produzenten Viola Jäger und Harry Kügler beweisen mit dem Kinodebüt von Holger Haase einmal mehr ihr sicheres Gespür für talentierten Nachwuchs und tragisch komische Geschichten. „Da geht noch was“  ist ein liebevolles Plädoyer an Alle, die sich insgeheim wünschen, die liebe Verwandtschaft manchmal auf den Mond schießen zu können. Florian David Fitz (der auch das Drehbuch mitbearbeitete) und Henry Hübchen brillieren als kauziges Vater-Sohn-Gespann. In weiteren Rollen überzeugen Marius Haas als pubertierender Enkel, Leslie Malton als Helene und Thekla Reuten in der Rolle der Tamara.

Inhalt: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen und deshalb beschränkt Conrad (Florian David Fitz) die Besuche bei seinen Eltern auf ein absolutes Minimum. Conrad ist der Prototyp des erfolgreichen Businessmannes. Für seinen Kindheitstraum vom perfekten Familienglück gibt er 150 Prozent: Das Eigenheim für Frau und Sohn vor Postkartenidylle ist bereits zum Greifen nah, als er plötzlich ahnt, das Wesentliche – seine Familie – längst aus den Augen verloren zu habenSein Vater Carl (Henry Hübchen) ist ein mürrischer alter Knochen, der kein gutes Haar an seinem Sohn oder dessen Frau Tamara (Thekla Reuten) lässt, während Enkel Jonas (Marius Haas) die Besuche ganz pragmatisch sieht: Seine gute Laune lässt er sich von Papa bezahlen. Carl hat die Mentalität eines Silberrücken-Gorillas. Er hält selten mit seiner Meinung hinter dem Berg. Der Gewerkschaftsboss a.D. setzt für gewöhnlich seinen Willen durch, er hat sein Leben der Gewerkschaft gewidmet und darauf ist er stolz. Für die Bedürfnisse seiner Familie hat er wenig Verständnis. Doch der Dickschädel hat einen weichen Kern unter der harten Schale. Seine Frau Helene liebt er sehr – auch wenn er das natürlich niemals zeigen würde. Beim diesjährigen Geburtstagstreffen überrascht Mutter Helene (Leslie Malton) allerdings mit Neuigkeiten. Sie hat Carl nach 40 Jahren Ehe verlassen und bittet Conrad um einen Gefallen: einen Botengang ins Elternhaus – mit ungeahnten Folgen. Denn dort versinkt Carl nicht nur in leeren Bierdosen, sondern auch in jeder Menge Selbstmitleid. Als Carl dann noch in den leeren Pool stürzt und sich dabei verletzt, müssen Conrad und Jonas notgedrungen in Conrads altem Jugendzimmer campieren. Drei Generationen unter einem Dach: Alptraum oder die Chance für einen Neuanfang?

Interview mit Florian David Fitz (Conrad)

 Was hat Sie an der Story  interessiert?

Familie ist für uns alle ein Thema. Jeder hat sich schon einmal eine andere Familie gewünscht oder eine andere Familie „erträumt“. Aber man hat die Eltern oder die Kinder, die man eben hat! Damit muss man umgehen. Deshalb finde ich das Thema Familie so spannend.

Beschreiben Sie Ihre Figur Conrad.

Conrad trifft das Herz meiner Generation auf eine sehr charakteristische Weise. Wenn man kritisch sein möchte, dann ist er ein sehr äußerlicher Typ. Conrad hat sich immer in eine Werbewelt weggeträumt, in eine perfekte Welt. Um gegen die Leere in sich anzukämpfen, weil er gespürt hat, dass es nicht so läuft wie es eben laufen sollte. Er dachte, seine Sehnsucht wird in Äußerlichkeiten befriedigt und diesen jagt er besessen nach. Er möchte es sich und den Anderen beweisen. Im Verlauf des Filmes bemerkt er, dass er den falschen Dingen hinterher läuft.

 Probleme, die mit Vater und Sohn unter einem Dach zu Tage gefördert werden…

Conrad hat Probleme, von denen er gar nicht wusste, dass er sie hat. Dieses Haus ist ein Kessel, in dem drei Menschen eingesperrt werden, die nichts miteinander zu tun haben wollen. Und natürlich fängt das an zu gären und dann wird es spannend. Conrad beginnt sich mit Themen zu beschäftigen, die vorher kein Problem für ihn darstellten. Zum Beispiel seine Ehe: Als der Plan, gemeinsam einen wunderbaren Urlaub zu verbringen ins Wasser fällt und seine Frau alleine in Goa sitzt, muss er sie jeden Tag am Telefon erneut vertrösten bis sie schließlich ausflippt und zurückkommt. In der Zwischenzeit hat Conrad aber neue Erfahrungen gemacht und stellt plötzlich alles in Frage. Alles was er sich aufgebaut hat, zerfällt auf einmal.

Welche Art von Beziehung haben Conrad und Tamara geführt?

Die funktionierte so gut, weil beide Karrieristen sind und auf ein großes Ziel hinarbeiteten. Geld ist kein Problem mehr, aber die Beziehung hat sich totgelaufen, sie sind in ihrem eigenen Aspik erstarrt. Conrad ist sehr stark geprägt von seinem Nicht-Verhältnis zu seinem Vater, der einen Gewerkschaftshintergrund hat und ein überzeugter Antikapitalist ist. Deswegen möchte sich Conrad alles selbst erarbeiten. Tamara hat ähnliche Motive. Die beiden arbeiten sich hoch, kaufen schöne Dinge, das Kind kommt auf die beste Schule und erhält die beste Betreuung. Das Haus, das sie bauen, ist meines Erachtens das Symbol für ihre Beziehung. Es ist das Ziel, auf das Conrad immer hingearbeitet hat: Das perfekte Haus, in einer perfekten Landschaft, vom perfekten Architekten. Wenn das fertig ist, wollen sie das Kind aus dem privaten Internat holen und endlich eine Familie sein. Das ist natürlich eine vollkommene Illusion. Conrad bemerkt im Laufe des Filmes, dass das Kind jetzt schon seit sechs Jahren auf dem Internat ist und dieses Provisorium schon ewig dauert. Er bemerkt, dass sein Leben ein Provisorium ist und dass man aufhören muss, diese Pläne zu machen.

Was passiert mit den  drei Generationen unter einem Dach?

Es fängt damit an, dass da drei Menschen sind, die nicht zusammen sein wollen und durch einen Unfall aneinander gebunden werden. Wir treffen den Vater Carl, der immer eine Autoritätsfigur war und allen alles diktiert hat, zu einem Zeitpunk, als er von seiner Frau verlassen wurde. Der Grund ist ihm ein Rätsel und er ignoriert es. Als er einen Unfall hat, wird Conrad gezwungen, bei ihm zu bleiben und sich mit seinem Vater auseinanderzusetzen. Anfangs haben die Beiden sich überhaupt nichts zu sagen, Conrad versucht, ihn mit Essen zu versorgen und dann schnellstmöglich wieder zu verschwinden. Er beginnt, das Leben seines Vaters neu zu organisieren – was dieser natürlich gar nicht möchte. Je mehr sich die Beiden auseinandersetzen, desto mehr Spaß finden sie daran sich zu kabbeln und zu streiten.

Und dann gibt es noch das Problem mit der jüngsten Generation…

Darauf hatte ich mich total gefreut, weil ich zum ersten Mal im Film einen Sohn habe. Das ist schön, weil alle Beziehungen sich gegenseitig spiegeln. Der Alte zum Mittleren und wiederum zum Jüngsten. Und als der Großvater plötzlich mit dem Enkel kann, fragt sich der Sohn, warum er diesen Zuspruch nie von seinem Vater bekommen hat. Diese drei Generationen-Situation eröffnet spannende Perspektiven.

Was erzählt der Film über das Erwachsen werden?

Meine Definition von erwachsen sein ist, anzufangen, ein bisschen ruhiger zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Einen Schritt weiter zu sehen und auch für Andere mitzudenken. In der Phase zwischen zwanzig und dreißig möchte man sein Leben organisieren und ist ganz stark auf seine eigenen Prioritäten fixiert. Es wird keine Glocke läuten und dir sagen, dass du jetzt erwachsen bist. Es ist ein fließender Prozess. Ich bin fast vierzig, das heißt also, ich kann mich nicht mehr darauf zurückziehen, dass ich noch nicht erwachsen bin…

Interview mit Henry Hübchen (Carl)

Was sagt der Titel des Films aus?

 Da geht noch was – selbst bei dem älteren Paar, Carl und Helene. Sie haben zwar nicht mehr so viel Zeit ein erfülltes Leben gemeinsam zu organisieren, aber selbst bei den Beiden geht noch was. Die gleiche Frage stellt sich übrigens bei dem Yuppi-Paar, die Probleme mit sich selbst, der Welt und den eigenen Wertebezügen, die man nicht teilen muss, haben. Mit etwa 35 Jahren haben Conrad und Tamara noch viel mehr Zeit. Und dann gibt es den 13-Jährigen Jonas, der noch alles vor sich hat und von Anfang an alles richtig machen könnte. Was er natürlich nicht machen wird, aber die Chance besteht. Der Film erzählt davon, dass, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und es auch zulässt, miteinander produktiv auszukommen, eine Erfüllung erfährt.

Steckt Carl in einer Krise?

Carl ist nicht in einer Krise, nee, der ist gar nicht in einer Krise! Wenn man so lange liiert ist wie Carl und Helene, einen erwachsenen Jungen mit eigener Familie hat und um die 60 Jahre ist – wenn dann die Frau auf die Idee kommt sich zu trennen, weil es so nicht weitergehen kann… Und das dann auch tut. Meistens sind es ja die Frauen, die die Initiative übernehmen und das dann auch durchführen. Carl wundert sich nur, dass Helene das wirklich macht, was sie wahrscheinlich oftmals angedroht hat. Der kommt gar nicht auf die Idee, dass das wirklich eine endgültige Trennung ist. Nach dem Motto „die soll sich mal selbst verwirklichen, mal sehen wie lange das dauert. Und wenn sie fertig ist, dann kommt sie wieder an.“

Was ist das Problem von Carl und Conrad?

Der Sohn Conrad ist ein seltsamer Typ, der immer alles organisieren muss. Alles muss sich nach ihm richten. Er denkt, er muss das Haus seiner Eltern wieder in Ordnung bringen und vor allen Dingen den Vater ins Lot bringen. Dabei mischt er sich in Dinge ein, die ihn eigentlich nichts angehen, Sohn hin oder her. Carl ist ein typischer Gewerkschafter. Er interessiert sich für Weltpolitik, sieht Fußball und ist traurig, dass er so eine Pfeife als Sohn hat.

Wie finden die zerstrittenen Parteien wieder zueinander?

Über Jonas, den Enkel, der auf einmal Leben in die Bude bringt. Dem Carl etwas beibringen kann, der auf einmal auch zuhört. Über die neue Beziehung zu seinem Enkel bekommt Carl auch wieder einen Draht zu seinem Sohn. Denn Conrad erkennt, dass er seinem eigenen Sohn gegenüber – ähnlich wie er damals seinen Vater erlebt hat – ein Rabenvater ist. Jonas wurde abgeschoben in ein Internat, weil die Eltern viel arbeiten müssen um sich große Häuser und dicke Autos leisten zu können. Deshalb kommt das Kind zu kurz – ein Vorwurf, den Conrad immer seinem Vater gemacht hat und der nun gar nicht mitbekommt, dass er sich auf eine andere Weise genau so seinem Sohn gegenüber verhält.

 Welche Botschaft vermittelt der Film?

Dass man nicht erst mit sechzig darüber nachdenken sollte, wie man eigentlich miteinander lebt. Der Titel  sagt es aus: es geht immer noch etwas, es ist immer Zeit, kurz inne zu halten und über das Leben und den Umgang miteinander zu reflektieren. Selbst wenn man das fünfzig Jahre lang versäumt hat und das in den letzten zwei Jahren noch hinbekommt, dann geht da noch was!

www.constantin-film.de

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Hbg69unPhrA

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 8. 2013

Kino: Ein Oscar für Christoph Waltz

Januar 26, 2013 in Film

Djangos Frau ist tot, Baby!

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Der österreichische Schauspieler Christoph Waltz wurde für seine Rolle als Kopfgeldjäger Dr. Schultz mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Damit verlieh ihm Hollywood schon den zweiten goldenen Schwertträger. Quentin Tarantino erhielt den Preis für das beste Originaldrehbuch.

US-Regisseur Quentin Tarantino hat nicht nur ein Herz, sondern ist auch ein Meister des Trash-Kinos. Vom Comic-Episoden-Irrsinn „Pulp Fiction“ bis zum absichtlich falsch buchstabierten Nazi-Exploitation-Movie „Inglourious Basterds“ hat er das immer wieder und nach vorliegendem Ergebnis immer wieder hoch dekoriert bewiesen.

Nun hat sich der Genre-Gauner bei von ihm ebenso verehrten Klassikern bedient: den Italo-Western. In „Django Unchained“ plündert er mit diebischer Freude das Zitatenschatzkästchen der drei großen Sergios – Corbucci, dem tatsächlichen Django-Erfinder, an dessen Kult-Film „Leichen pflastern seinen Weg“ auch Tarantinos Schnee-Szenen erinnern, Leone und Sollima.

Im Gegensatz zu früheren Sarkasmusschmonzetten kommt Tarantino diesmal aber nicht aus dem Windschatten des triumphalen Trios.

„Django Unchained“ ist eine wunderbare, großartig gelungene Hommage an den italienischen Western der 1960er Jahre. Aber er ist kein Django-Film.

Wofür weder der zu Recht Oscarnominierte Christoph Waltz als deutscher Kopfgeldjäger Dr. Schultz, noch der zu Unrecht nicht Oscarnominierte Jamie Foxx als Ex-Sklave Django etwas können.Was fehlt ist: der Sarg. Simpel gesagt.

Als der politisch links außen stehende Corbucci 1966 seinen „Django“ mit Franco Nero (der Schauspielstar absolviert bei Tarantino übrigens einen kurzen, durch seine stechend blauen Augen markanten Kurzauftritt) drehte, wollte er brutal einen zeitgenössisch-gesellschaftskritischen Film gegen die Leinwand schleudern. In Europa mehrten sich die Studentenunruhen, die Proteste gegen den Vietnamkrieg. Der Kalte Krieg kochte. Terroristische Gruppierungen wie die RAF oder die Roten Brigaden glaubten, als einsame „Pistoleros“ für das, was sie unter Recht verstanden, sorgen zu können. Ohne Rücksicht auf Kollateralschäden.

Das ist Django: Ein wortkarger Verfechter der Selbstjustiz, der das dafür notwendige Maschinengewehr in einem Sarg hinter sich her zieht. Ein zynischer Gewalttäter, der sich auch an Frauen vergreift. Seine eigene ist tot. Was er Gott nicht verzeiht. Und deshalb auf kein Jüngstes Gericht wartet, sondern schon einmal selber die Postapokalypse einläutet. Berühmtestes Filmzitat: „Es gibt bloß eins, was wichtig ist: dass man sterben muss.“

Zwei Szenen mussten im katholischen Italien aus einer ersten Fassung gestrichen werden: Die, in der Django auf einem Friedhof hinter einem Grabkreuz in Deckung geht – und dieses von seinem Gegner mit Kugeln durchsiebt wird. Und die, in dem der Desperado einem Widersacher ein Ohr abschneidet und zum Fressen in den Mund schiebt.

Tarantino verhält sich in Vielem als braver Schüler seines Lehrers. Vor allem punkto makabrem Humor steht er Corbucci in nichts nach. Waltz, getarnt als reisender Zahnarzt, der sich mitten im Nirgendwo des gepflegtesten Ausdrucks befleißigt, bevor er losballert, ist eine Show für sich. Es gibt eine – im Gegensatz zu Corbucci – saukomische Ku-Klux-Clan-Szene; es wird ohne Rücksicht aufs Geschlecht ausgepeitscht und anderweitig gefoltert. Und das ausgerechnet auf Leonardo DiCaprios Gut namens „Candyland“. Man ist dankbar, dass man nicht en detail sehen muss, wie einem „Nigger“ die Augen in den Kopf gedrückt werden; ein anderer, der von Hunden zerfetzt wird, trennt sich allzu offensichtlich als die Stoffpuppe auf, die er ist. Dass Franco Neros „Django“ von seinem Feind die Hände zertrümmert werden, deutet Tarantino an, lässt es DiCaprio aber nicht ausführen.

Anzurechnen ist dem Amerikaner, dass er sich via Jamie Foxx mit dem unaufgearbeiteten Kapitel der Sklaverei in den USA auseinandersetzt.

Das ist Verdienst und Problem von „Django Unchained“ zugleich – und da soll gar nicht darüber philosophiert werden, warum ein ehemaliger Sklave so einen flotten Umgang mit der Flinte pflegt. Aber eine Ehefrau? Und die 165 Minuten lang suchen? Und mit der dann ein glückliches Leben als der schnellste Schütze im Süden führen? Sorry, Quentin, das geht sich nicht aus. Django als verliebter Göttergatte ist wie Schnitzel mit Tunke.

Da hätten die beiden ja gleich dem Nordstern folgen können, Jamie Foxx wäre den Unionstruppen beigetreten und später in Fort Sumter verreckt …

www.unchainedmovie.com
www.djangounchained.de

Von Michaela Mottinger
Wien, 19. 1. 2013

Geschichte einer Nobelherberge

06.01.2013. Von Michaela Mottinger http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527

In „Das Adlon“ auf ORF 2 (Sonntag, 20.15 Uhr) wird die Geschichte des gleichnamigen Berliner Hotels erzählt.

Er könne sich, sagt Heino Ferch, vor allem an die großartige Big Band des Adlon erinnern. 1997 war das. Und der Anlass die Premiere der „Comedian Harmonists“, ein Kinofilm, in dem Ferch eine der Hauptrollen spielte.

1997 hatte das Adlon schon drei politische Systeme überdauert. Die Kaiserzeit, die Nazis, die DDR. Es lag, wie das ganze Land, in Trümmern. Und wurde doch von der Ruine wieder zur Nobelherberge aufgebaut.

Produzent Oliver Berben und Regisseur Uli Edel setzen dem Hotel in einem TV-Dreiteiler (6., 7., 9. Jänner, 20.15, ORF 2) nun ein filmisches Denkmal. Am 7. Jänner im Kulturmontag: Die Doku „Adlon verpflichtet“ von Dagmar Wittmers.

„Das Adlon. Eine Familiensaga“ verbindet die reale Geschichte der Familie Adlon über vier Generationen mit der fiktiven Figur Sonja Schadt, der Tochter eines Hausangestellten. Sie ist es, die die große güldene Welt oben mit der der kleinen Leute unten verbindet. Ihr Leben ist aus Briefen von Angestellten, die das Adlon in seinem Archiv aufbewahrt, gespeist, um es so authentisch wie möglich zu erzählen.

„Unser Projekt ist viel mehr als ein Hotelfilm“, so Oliver Berben. „Das Adlon ist ein Zeitzeuge. Es erzählt eine Vielzahl von Geschichten und hütet unzählige Geheimnisse. Bei einem so altehrwürdigen Haus einmal durch das Schlüsselloch zu spähen, all die Komödien und Tragödien zu erforschen, die sich darin abspielten, war für mich das Spannendste an der Arbeit.“
Die nicht weniger als drei Jahre dauerte.

Regisseur Percy Adlon („Zuckerbaby“, „Out of Rosenheim“, „Mahler auf der Couch“), ein unehelicher Hoteliers-Spross, der 1996 mit dem TV-Film „In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon“ selbst schon einmal dessen Geschichte aufarbeitete, stand dem Team als Konsulent zur Seite. Ferch, der Louis Adlon spielt: „Über Percy Adlons Film habe ich mich dem Thema angenähert. Außerdem habe ich das Buch ,meiner‘ Frau Hedda, die von Marie Bäumer verkörpert wird, gelesen. Sie schildert die Geschehnisse aus ihrer Sicht und weiß viele Fakten.“

Stars und Kostüme

103 Rollen wurden für das Fernsehspektakel gecastet. Neben Ferch und Bäumer unter anderem Rosemarie Fendel, Burghart Klaußner, Thomas Thieme, Sunnyi Melles, Wotan Wilke Möhring und Jürgen Vogel. Viele Figuren sieht man im Wandel der Jahrzehnte – weshalb Vogel auf die Frage, was das Anstrengendste am Dreh war, auch stöhnte: „Die Maske!“

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„Ich hatte mindestens fünf Perücken und maßgeschneiderte Silikonteile, um im Laufe der Zeit 70 Jahre alt zu werden“, lacht Ferch. Marie Bäumer erzählt: „Ich habe mir einen Gürtel aus Gardinenblei nähen lassen, um gebeugter zu gehen.“Dafür durfte sie als junge Hedda ausgiebig reiten. Das tut sie nämlich gern. Hat schließlich auch der um ihre Sicherheit besorgte Produzent eingesehen.

 

 

Gute Manieren, falsche Bilder

„Der letzte Weynfeldt“: Ein Fernsehfilm nach Martin Suter mit Stefan Kurt in der Titelrolle.

05.01.2013, Von Michaela Mottinger http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527

Ein bankrotter Freund bittet Kunsthändler Adrian Weynfeldt, das Gemälde „Femme nue devant une salamandre“ von Félix Vallotton in seine nächste Auktion zu bringen. Der Freund besitzt vom Bild Original und Fälschung. Da taucht eine Femme fatale auf – und eine weitere Fälschung. Die wird versteigert. Und das Original besitzt … eine originelle Schlusspointe.

2008 erschien der Roman „Der letzte Weynfeldt“ von Martin Suter. Eine Mischung aus Komödie, Thriller und Liebesgeschichte. Der Bestseller wurde verfilmt; das ZDF zeigt ihn am  5. Jänner um 21.45 Uhr.

Der Schweizer Autor, ein bekennender Fernsehfreak, ließ sich vertraglich zusichern, dass er bei der Wahl der Produktionsgesellschaft und der Regisseure mitreden dürfe. Und stellte für das Projekt sonst nur eine Bedingung: ein Schweizer Schauspieler, der wunderbare Stefan Kurt, der 2012 auch bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne stand, sollte den Weynfeldt spielen. Man kennt einander schon von anderen Produktionen. „Und jedes Mal war er wunderbar“, so Suter.

„Stefan verleiht Weynfeldt genau die Mischung aus vermeintlicher Überheblichkeit und Bescheidenheit, die die Figur im Roman auszeichnet.“

Auch Stefan Kurt war von der Rolle sofort angetan: „Ich liebe es, diese zurückgenommenen Charaktere zu spielen. Das liegt mir im Blut. Wahrscheinlich steckt in Adrian Weynfeldt einiges von meiner eigenen Person. Weynfeldt ist eher der stille Beobachter, er reagiert, statt dass er agiert. Das muss man sehr minimalistisch spielen, diese Contenance in jeder Situation. Ich habe mir dafür einen speziellen Gesichtsausdruck zurechtgelegt.“

Weynfeldt ist wie aus der Zeit gefallen. Seine antrainiert guten Manieren lassen ihn oft überheblich wirken. Die Fassade beginnt erst zu bröckeln, als ihm Marie Bäumer als Lorena, die damenhafteste Schlampe, die man im Fernsehen je gesehen hat, und ihr Liebhaber/Zuhälter Pedroni alias Nicholas Ofczarek, nachstellen. Mit immer neuen Erpressungsgeldforderungen.

Erlesene Besetzung

Auch die übrige Besetzung ist erlesen: Vadim Glowna spielt Dr. Baier, den insolventen Vallotton-Besitzer; Annemarie Düringer ist die ob der neuen Dame des Hauses, Lorena, missmutige Hausdame Frau Hauser.

Für Stefan Kurt, sehr gern Ausstellungsbesucher, aber ahnungslos in Sachen Kunstfälschung, waren die Dreharbeiten lehrreich. Vor allem die Begegnungen mit Experten Christoph Keller, der als Berater zur Verfügung stand. „Kunstleute umgibt ein anderer Geist“, so Kurt. „Das ist ein eigener Menschenschlag. Hochgebildet, sehr höflich, aber auch sehr bestimmt.“

Stefan Kurt hat sich das alles durch die Lektüre diverser Knigge-Bücher und einen Schnellkurs bei Isa Gräfin von Hardenberg angeeignet.

Was er sich für seinen Weynfeldt wünscht? „Dass die Zuschauer Empathie für diesen verschrobenen Menschen entwickeln.“