TheaterArche: Odyssee 2021

September 11, 2021 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Irrfahrt durch Schauplätze und Seelenräume

Eike N.A. Onyambu, Helena May Heber, Roberta Cortese, Bernhardt Jammernegg, Pia Nives Welser, Marc Illich und Manami Okazaki. Bild: © Jakub Kavin

Es wäre nicht Jakub Kavin, wenn er nicht wieder etwas Besonderes in petto hätte. Der Theatermacher, der seine TheaterArche als einziger am ersten möglichen Tag nach dem Kulturlockdown zur Premiere des überaus passenden Rückzugsstücks „Hikikomori“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=40634) öffnete, hat mit seinem Team nun die „Odyssee 2021“ erarbeitet. Ein Stationentheater, dessen erste zum Prolog ein jeweils anderer Ort im sechsten Bezirk sein

wird, diesmal war’s der Fritz-Grünbaum-Platz vorm Haus des Meeres, bevor es in die Münzwardeingasse 2 geht. Uraufführung ist heute Abend, www.mottingers-meinung.at war bei der gestrigen Generalprobe. Und so beginnt die Irrfahrt durch Schauplätze und Seelenräume. Zu Homer, Dantes „Göttlicher Komödie“, Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ und natürlich James Joyces „Ulysses“, hat Kavin, weil ihm das alles zu männlich konnotiert war, als weibliche Gegenstimmen die Autorinnen Marlene Streeruwitz, Miroslava Svolikova, Lydia Mischkulnig, Kathrin Röggla, Theodora Bauer, Margret Kreidl und Sophie Reyer eingeladen, Texte für die „Odyssee 2021“ zu verfassen.

„Mit dem Resultat“, so Kavin im Gespräch über sein nunmehriges „Frauenstück“, „jetzt vier Odyssas, zwei Penelopes und eine Lucia Joyce zu haben, Lucia, die Tochter von James Joyce, eine Tänzerin, die mit 30 als schizophren diagnostiziert wurde und 50 Jahre in diversen psychiatrischen Kliniken zubrachte.“ – „Errrrrrrrrrrrr wiederholt sich. Sch! Schlauch, Schlund, Schlamassel. Der Schlüssel zum Ödipuskomplex.“ (Margret Kreidl)

Sieben Performerinnen und sieben Performer, Roberta Cortese, Max Glatz, Claudio Györgyfalvay, Elisabeth Halikiopoulos, Helena May Heber, Marc Illich, Bernhardt Jammernegg, Tom Jost, Nagy Vilmos, Manami Okazaki, Eike N.A. Onyambu, Amélie Persché, Pia Nives Welser und Charlotte Zorell, dazu Multiinstrumentalist Ruei-Ran Wu, die meisten davon erstmals im TheaterArche-Engagement, gestalten die Collage. Eine Reise ins Ungewisse, Unbekannte, Untiefe, die sich für jede Zuschauerin, jeden Zuschauer des in drei Gruppen aufgeteilten Publikums anders gestaltet.

Choreografin Pia Nives Welser, hi.: Roberta Cortese und Claudio Györgyfalvay. Bild: © Jakub Kavin

Bernhardt Jammernegg im Inferno mit Max Glatz, Manami Okazaki und Charlotte Zorell. Bild: © Jakub Kavin

Roberta Cortese unter Höllentieren: Claudio Györgyfalvay, Max Glatz und Manami Okazaki. Bild: © Jakub Kavin

Bernhardt Jammernegg, Roberta Cortese, Charlotte Zorell und Pia Nives Welser. Bild: © Jakub Kavin

Man selbst strandet zuerst im Irish Pub, die Ausstattung aller Räume ist von Schauspielerin und Bildhauerin Helena May Heber, denn wie stets hat Kavin interdisziplinär tätige Künstlerinnen und Künstler um sich versammelt, strandet im Irish Pub also, wo man aber nicht etwa Leopold Bloom, sondern in Marc Illich und Tom Jost zwei Raskolnikows begegnet, die Serviererin-Prostituierter Sonja, Pia Nives Welser, mit Marc Illich und Claudio Györgyfalvay auch für die Choreografien zuständig, und Barkeeper Johannes Blankenstein bei Wodka und Whiskey vom Totschlag der Pfandleiherin berichten.

Dass dabei auch Russisch gesprochen wird, ist in der TheaterArche Programm, später wird’s noch Monologe in Englisch, Italienisch und Japanisch geben, Eike N.A. Onyambu rappt Amanda Gormans Amtseinführungsrede für Joe Biden: „We are striving to forge our union with purpose. To compose a country committed to all cultures, colors, characters and conditions of man.“ Roberta Cortese klagt im „Inferno“: „ich bin verwirrt gewesen, das kommt doch vor. ich hatte die mitte des lebens erreicht, die mitte des horizonts, den halben weg. oder, wo sonst bin ich hier?“ (Miroslawa Svolikova).

Koloratursopranistin und TheaterArche-Co-Leiterin Manami Okazaki spricht und singt zur AKW-Katastrophe in Fukushima: „Die Natur schlug zu und traf das Kernkraftwerk. 120 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt bin ich aufgebrochen und wusste wohin. In ein Zelt. Und was wird sein?“ (Lydia Mischkulnig). Kavin hat den Begriff Odyssee weit gefasst, vom antiken Inselhopping zur Irrfahrt zu sich selbst zur Rückkehr in ein verseuchtes Land.

Bernhardt Jammernegg als Teiresias. Bild: © Jakub Kavin

Fukushima-Monolog von Manami Okazaki. Bild: © Jakub Kavin

Elisabeth Halikiopoulos im Spiegel-Boudoir. Bild: © Jakub Kavin

Bildhauerin Helena May Heber. Bild: © Jakub Kavin

„Es geht mir um die Heimatsuche, die geografische wie die innere“, sagt er. „Meine Figuren sind Weitgereiste, Wartende, vom Schicksal verwehte, Anti-Heldinnen und -Helden, die fehlgehen, wo immer der Mensch nur irren kann. Das heißt“, unterbricht er sich, „meine Figuren sind es nicht, wir sind ein Produktionskollektiv, bei dem alle in die Rolle das Ihre einbringen. Ich vertraue den Spielerinnen und Spielern den Text an, damit sie ihn mit ihren eigenen Subtexten zum Leben erwecken.“

Derart ist die Performance von der ersten Minute an intensiv, durch die Nähe zum Geschehen auch intim, meint: auf spezielle Weise immersiv, die TheaterArche gewohnt innovativ. Weiter geht’s in den Theatersaal, wo sich im von Tom Jost und Nagy Vilmos gesprochenen „Inferno“ Roberta Cortese und Bernhardt Jammernegg in Höllenqualen winden. TheaterArche, das ist immer auch Körpertheater, hier kriecht ein Ensemble aus Unterweltsfratzen gleich Totentieren auf die Unglücklichen zu. Grausam-poetisch ist das, enigmatisch, aufregend, und so findet man sich in der persönlichen Lieblingsschreckenskammer wieder.

Einem Dostojewski’schen Spiegel-Boudoir mit Elisabeth Halikiopoulos als frech-frivole Molly Bloom, Charlotte Zorell als Reitgerten-bewehrte Domina und Nagy Vilmos mit Beißkorb – pst, mehr soll da nicht verraten sein. Nur so viel, um Sartre zu bemühen: Die Hölle, das sind die anderen …

Die Raskolnikows Marc Illich und Tom Jost parlieren im Irish Pub auch auf Russisch. Bild: © Jakub Kavin

Selbst das Klavier ist gestrandet: Amélie Persché, Nagy Vilmos und Charlotte Zorell. Bild: Jakub Kavin

Als Reitgerten-bewehrte Domina mit einem Stammkunden: Charlotte Zorell mit Nagy Vilmos. Bild: © Jakub Kavin

Endlich Penelope und Odysseus: Helena May Heber und Claudio Györgyfalvay. Bild: © Jakub Kavin

Die „Odyssee 2021“ dreht sich kaleidoskopisch um die Achse Homer, bei Kavin reimt sich selbst noch Amanda Gorman aufs Gorman-Gilbert-Schema zum „Ulysses“, Homer also, als dessen antiker Odysseus Claudio Györgyfalvay durch das Labyrinth der Räume rennt, gehetzt von Kirke und eigenen Dämonen, einen Ausweg erflehend, doch von Kavins Assoziationsketten in Fesseln geschlagen. Und apropos, schlagen: Im Foyer findet man erneut Helena May Heber, die während der zweimonatigen Spielzeit einen 300-Kilo-Stein zur Muttergöttin meißeln wird, begleitet von Amélie Persché, mit 17 Jahren die jüngste im Ensemble, auf der Bratsche. Zwei Frauen, Homers Penelope und Theodora Bauers Penny: „Sie haben mir gesagt, ich muss warten. Ich muss immer, immer warten. Ich hasse warten.“

Am Ende, alle versammelt im Theatersaal, gesellt Jakub Kavin zu seinen Protagonistinnen und Protagonisten die Antagonisten: Bernhardt Jammernegg als mittels Kontaktlinsen erblindeter Teiresias im Fake-News-Anzug, Tom Jost als Swidrigailow, Nagy Vilmos als Leopold Bloom und Max Glatz, eben noch Polyphem, als Joyces „Telemach“ Stephen Dedalus. Für Marc Illich als Zukünfigen Odysseus hat Hausautor Thyl Hanscho einen Text geschrieben. So endet nach drei Stunden ein herausforderndes, faszinierendes Theaterereignis, ein Gesamtkunstwerk, dessen Genuss man nur von ganzem Herzen empfehlen kann.

„Zwischen Skylla und Charybdis lassen wir die Ketten zur Brücke werden. Wir befreien die Ungeheuer und damit uns von der Angst in die alten Sprachen zurückzugeraten.“ (Marlene Streeruwitz)

Vorstellungen bis 11. November. Den Spielort des Prologs erfährt man jeweils beim Kauf des Tickets. www.theaterarche.at

TIPP:

Von 11. September bis 11. November findet in der TheaterArche außerdem das Odyssee Festival statt. Zu den 14 Aufführungen zählen: Dione – mit Koloratursopranistin Manami Okazaki präsentiert Scharmien Zandi erstmals alle Elemente des internationalen Kunstprojekts als Opernperformance. Lost My Way von und mit Saskia Norman, Regie: Elisabeth Halikiopoulos. Das Tanztheaterstück Mythos. The Beginning of the End of the Story von Nadja Puttner und Unicorn Art. Das Schauspiel- und Figurentheater Der Sturm, für Kinder ab 6 Jahren, frei nach Shakespeare und inszeniert von Eva Billisich. Stilübungen – Raymond Queneaus Meisterwerk als Theaterstück. Und von 28. bis 30. Oktober Das Dostojewski Experiment, eine szenische Collage der TheaterArche mit großem Ensemble, ein Fest zum 200. Geburtstag des russischen Romanciers.

www.theaterarche.at

  1. 9. 2021

Volksoper: Into the Woods

Mai 29, 2021 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Musical als kunterbuntes Pop-up-Märchenbuch

Familie Aschenputtel trifft Hans‘ Mutter: Martina Dorak, Franz Suhrada, Elisabeth Schwarz, Theresa Dax, Christian Graf und Ursula Pfitzner. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der eigene Vater, da selber früher ein kindliches Opfer von deren Gruselschockern, hatte die Gebrüder Grimm ja aus Töchterchens Zimmer verbannt. Stattdessen wurden „Die schönsten Tiermärchen aus aller Welt“ über Verständnis und Versöhnung, Frieden und Freundschaft verlesen. Doch wie’s schon so ist, mit der dunklen Seite des Wünschens und dem Reiz des Verbotenen, die berühmt-berüchtigte Sammlung fand sich in der öffentlichen Bibliothek

– und heimlich, sozusagen mit Taschenlampe unter der Bettdecke, konnte man sich nun dem süßen Erschauern ob brennender Hexen, sich selbstverstümmelnder Stiefschwestern und dem Massakrieren gefährdeter Tierarten hingeben. So ähnlich mag’s vielleicht Stephen Sondheim ergangen sein, dem scharfsinnigen Satiriker unter den Musicaltitanen, dessen Geniestreiche „Die spinnen, die Römer!“ und „Sweeney Todd“ die Volksoper bereits höchst erfolgreich aufführte, bevor man nun gestern* des Hauses Erstaufführung von dessen Märchen-Mash-up „Into the Woods“ besorgte.

Im weiland Broadway-Hit gehen Sondheim und sein Autor James Lapine, die deutsche Übersetzung ist von Michael Kunze, jenem „happily ever after“ nach, das es nach Verarbeitung durch die spöttelnden Fabelverschwurbler angesichts der Unbelehrbarkeit der Menschheit einfach nicht geben kann. So viel zum Verbotenen und zum Wünschen, ist der eine erfüllt, wird schon der nächste auf die Liste gesetzt. Das geht nicht ohne Kollateralschäden ab: In „Into the Woods“ hat es mehr Tote als im „Hamlet“, und gefragt, ob’s denn trotzdem was wäre für die ganze Familie: Ja. Es gibt, wie auch in der US-amerikanischen Comic-Literatur üblich, eine Ebene zauberhaften Humors für die Kleinen, jedoch dahinter, als Subtext jene Art hinterhältig bitterbösen Witz, der die Volksoper zum Ankünder „Auch Erwachsene brauchen Märchen!“ veranlasste.

Sondheim und Spießgesellen haben eine Rahmenhandlung erdacht, in die sie Grimm’sche Klassiker sonder Zahl einbetten: Ein Bäckersehepaar möchte nichts dringlicher als ein Kind, aber die alte Hexe aus der Nachbarschaft verlangt für die Magie dieser künstlichen Befruchtung eine milchweiße Kuh, ein blutrotes Mäntelchen, maisblonde Haare und einen goldenen Schuh. Womit, man ahnt es, Rotkäppchen, Rapunzel und Aschenputtel ins Spiel kommen, nebst Hans aus „Jack and the Beanstalk“, vom britischen Buchhändler Benjamin Tabart 1807 nieder- geschrieben, und wohl weltweit bekannt geworden, als Mickey, Goofy und Donald die Bohnenranke erklommen.

In der Regie von Oliver Tambosi und Simon Eichenberger, Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann, Kostüme von Lena Weikhard, verwandelt sich das Musical zum kunterbunten Pop-up-Märchenbuch. Mit Robert Meyer als „Es war einmal …“-Erzähler und Geheimnisvollem Mann, über dessen Existenz nichts weiter verraten sein soll, und während Entertainment Weekly über die Stars-funkelnde Hollywood-Verfilmung mit immerhin Meryl Streep, Emily Blunt, Chris Pine und Johnny Depp zusammenfasste, nach der wilden Jagd des Bäckerpaars sei der Film „wie ein luftloser Ballon“, verhält es sich an der Volksoper genau umgekehrt.

Bettina Mönch als sexy Hexe. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Drew Sarich als böser Wolf. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Lauren Urquhart als Rapunzel und Julia Koci. Bild: © B. Pálffy / Volksoper Wien

Regelrecht giert man schon danach, dass nach der Pause die Dekonstruktion von „und wenn sie nicht gestorben sind“ beginnt, weil ja wie gesagt heftig abgelebt wird. Welch ein cleverer Spaß voll musikalischer Eleganz, der, ohne dies nun überstrapazieren zu wollen, eine allgegenwärtige Alb-Geschichte von Meinungsmachern, Opportunisten, Egoisten und Wutbürgern erzählt, denen gegenseitige Schuldzuweisungen wichtiger sind als das Wohl aller. Welch ein Sehnsuchtsruf nach „normalen“ Zeiten, und, ja, selbstverständlich gibt’s bei Sondheim eine Moral von der … nämlich, dass nur Gemeinschaft und Zusammenhalt die Auslöschung der Welt – hier durch die Riesin mit der Stimme von Erika Pluhar und den Saal erbeben lassenden Stampfschritten – verhindern können.

In rasanten Performances toben die Darstellerinnen und Darsteller durch das tragikomische Stück. Dies mit einer Tambosi’schen sexuellen Konnotation, der finstre Wald der wilden Triebe, die Grimms Märchen ohnedies unterstellt werden, und Dirigent Wolfram-Maria Märtig vermag es mit dem Volksopernorchester, den Themes, den musikalischen Motiven der einzelnen Figuren den entsprechenden Drive zu geben. Anfangs ist die Bühne dreigeteilt, Aschenputtel Laura Friedrich Tejero möchte zum Galaball des Prinzen, Hans‘ Mutter – superb Ursula Pfitzner als Oliver Liebls schreckschraubige Erziehungsberechtigte -, dass die Kuh endlich Milch gibt, Peter Lesiak und Julia Koci als Herr und Frau Bäcker schnellstens Nachwuchs.

„Ab in den Wald“, Ohrwurm #1 dieser Aufführung, singen sie alle, weil offensichtlich im dunklen Dicht der Baumstämme die Erfüllung aller Bedürfnisse lauert. Die fulminante Bettina Mönch hat ihren ersten Auftritt als gedreadlockte, rappende Megäre, bevor der Zaubertrank aus den geforderten Zutaten sie zum Sexy Hexy macht, im denkbar knappsten Kostümchen, das erahnen lässt, dass hier schon diverse Herren Hand angelegt haben. Alldieweil begegnet Rotkäppchen Juliette Khalil dem bösen Wolf – Publikumsliebling Drew Sarich wie stets mit Sonderapplaus bedacht, er im Exhibitionisten-Trenchcoat über den Bondage-Strapsen der volle Verführer. Es folgt die Defloration mittels Liebesschaukel/Sling mitten im Blütenmeer.

Die kinderlosen Bäckersleut‘ und die milchweiße Kuh: Julia Koci und Peter Lesiak. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Juliette Khalil als williges Rotkäppchen und Drew Sarich als rotbestrapster Wolf. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Wehrhaftes Enkelkind: Juliette Khalil im Wolfscape und Oliver Liebl als Hans. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Robert Meyer als Geheimnisvoller Mann, Bettina Mönch als noch böse alte Hexe. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Allein, die Story ist bekannt. Nicht nur richtet Regula Rosin als Rotkäppchens Großmutter eine Splatter-Schlächterei an, auch das Rotkäppchen ist äußerst wehrhaft. Es wird später ein Cape aus dem Fell des Wolfes tragen. Im Who is Who der Grimm-Welt geben außerdem Martina Dorak, Elisabeth Schwarz und Theresa Dax die Aschenputtel-Stieffamilie – und Franz Suhrada grandios den ob seiner miesen Wahl dauertrunkenen Vater. Lauren Urquhart muss als Rapunzel Haare lassen, und Christian Graf galoppiert als jene Art prinzlicher Kammerdiener, der mehr hoheitlicher Prinzipienreiter ist als sein Herr, durchs blindwütige Setting.

Was einen zum x-ten Kabinettstückchen der Produktion kommen lässt, Drew Sarich nunmehr als Aschenputtels Macho-Prince Charming im pathostriefenden Duett mit Martin Enenkel als jenem von Rapunzel über beider „Liebesqual“, zwei selbstverliebte Degenschwinger, die ihre Rösser à la Ritter der Kokosnuss reiten, die ihre Bestimmung im Wachküssen schlafender Schönheiten orten, und alsbald von den Gattinnen gelangweilt sich Schneewittchen und Dornröschen zuwenden …

Unzufriedenheit, Fremdgehen, ständiges Mehr-Wollen, Irrungen und Wirrungen und nicht zu vergessen eine dorfzertrampelnde Gigantin später hat sich das furios agierende Ensemble durch die schönsten Melodien des Musicals gesungen, Oliver Liebl sinniert über die „Riesen unter uns“, Bettina Mönch verkündet die „Mitternachts- stunde“. Man wähnt sich „von der Regierung verlassen“, und als eine Gottesgabe für die Fee-fi-fo-fum-Frau gesucht wird und die ohnedies geringe Solidarität perdu geht, versucht sich Robert Meyer mit den Worten „ich spiele doch gar nicht mit“ aus der Affäre zu ziehen. Vergebens, welch eine Rolle für den Herrn Direktor.

Jahaha, es ist ein Teufelskreis vom Wunsch zu dessen Erfüllung. „Into the Wood“ ist zweifellos Stephen Sondheims skurrilstes Werk übers Sehnsuchtsvehikel Mensch, darüber, was wir von der Vorgängergeneration mitbekommen und an die nächste weitergeben wollen. „Niemand ist allein“, davon gibt’s in diesem Sondheim’schen Vexierspiegel einer real existierenden Gesellschaft Teil I und II. Die spielfreudige Volksopern-Truppe fühlt sich im Überdrüber des Drunter und Drüber sichtlich so pudelwohl, wie der von Faust beschworene Kern. Und so lebten sie vergnügt bis … zur nächsten Vorstellung kommenden Sonntag.

[* Die Rezension bezieht sich auf die Vorpremiere am 24. Mai 2021.]

Kurzeinführung: www.youtube.com/watch?v=HuLvf3JW4os           Das Ensemble im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=Z8pjeas414Q           www.youtube.com/watch?v=G6f8hZSndqU           www.volksoper.at

  1. 5. 2021

Academy Awards Streaming: Neues aus der Welt

April 7, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Paul Greengrass‘ Western ist nominiert für vier Oscars

Captain Jefferson Kyle Kidd will Johanna zu ihren Verwandten bringen: Tom Hanks und Helena Zengel. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Zwar in keiner der Hauptkategorien, aber immerhin in vieren ist Paul Greengrass‘ Westerndrama „Neues aus der Welt“ mit Tom Hanks und Helena Zengel nominiert. Am 25. April, bei den Academy Awards 2021, könnte es punkto Beste Kamera für Dariusz Wolski, Bestes Szenenbild für David Crank und Elizabeth Keenan, Beste Filmmusik für James Newton Howard und Bester Schnitt für Oliver Tarney und Team „and the Oscar goes to“ heißen. Hier noch mal die Filmkritik vom Februar 2021:

Die Frohe Botschaft im Vorhof der Hölle verkünden

Eine Kinopremiere blieb Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass‘ Westerndrama „Neues aus der Welt“ Corona-bedingt versagt, und so kam Netflix die Ehre zu, die Produktion der Universal Studios ins Programm zu nehmen. Oscar-Preisträger Tom Hanks und Helena Zengel, die bereits in „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt mit ihrer schauspielerischen Stärke beeindruckte (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34792), fahren als Sezessionskriegsveteran und Waisenmädchen durch tief gespaltene Vereinigte Staaten.

Ein Western als Gegenwartskritik. Diesbezüglich angesprochen auf „Lügenpresse“ und Fake News, auf #BlackLivesMatter und Verschwörungstheorien, Stickwort: Mauer zu Mexiko, sagte ein schmunzelnder Greengrass zu deadline.com, er hätte den Roman von Paulette Jiles gelesen und seine „Wünschelrute“ habe eben reagiert. In seinem epischen Werk der wenigen Worte schickt er Tom Hank als ehemaligen Südstaaten-Helden auf ein Himmelfahrtskommando; dies das Bild, das dieses Roadmovie bestimmt:

Mitten im Post-Bürgerkriegs-Purgatorium steht Jefferson Kyle Kidd im Wortsinn mit dem Rücken zur Wand, umringt von einem volltrunkenen Lynchmob verrohter Büffelschlächter, Mexikaner-Mörder, Schwarzen-Killer und Indianer-Hasser. In den Augen der Männer kocht heiß die durch das Unionsheer erlittene Schmach, die Demütigung durch den Norden, als wär’s nicht schon fünf Jahre her und immer noch hat der Feind in der Heimat das Sagen, ein wahrer Hexersabbat, ein Teufelstanz ist in Erath County zugange.

Herr und Meister über dies gesetzlose Niemandsland ist ein diabolischer Uncle Sam namens Mr. Farley, Darsteller ist Thomas Frances Murphy, der seine „Familie“ mit eiserner Faust befehligt, und damit dies auch so bleibt Kidd und Johanna mit gezogener Waffe in seine Stadt bittet … Johanna? Ah ja! Zurück auf Anfang: Als gewesener Konföderierten-Captain Jefferson Kyle Kidd kutschiert Tom Hanks im Jahr 1870 kreuz und quer durch Texas, um sich seinen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen, indem er Unterhaltsames, Wundersames, Grausames aus den aktuellen Zeitungen vorliest – im Schummerlicht der Gaslaterne und mit Vergrößerungsaugenglas fürs Kleingedruckte.

Er berichtet vom Eisenbahnbau, von tödlichen Epidemien und Abenteuern aus fernen Welten, für sein leseunkundiges Publikum meist hochdramatisch aufbereitet – und mit Cheers! und Boohs! und „Texas first!“ bedankt, letzterer ein Ruf, bei dem die Yankee-Soldaten am Eingang in Habtachstellung gehen. Kidd bringt den Bildungsfernen im Wilden Westen laut Titel „Neues aus der Welt“, Infotainment für einen Dime, Nachrichten von jenseits des Horizonts samt den „Federal News“, die hier keiner hören mag, die Forderung von Präsident Ulysses S. Grant, in Texas endlich die Sklaverei abzuschaffen, heißt: die Ratifizierung des 13. Zusatzartikels der Verfassung, ein Muss, damit die Region wieder Teil der Union und ein Bundesstaat werden kann.

Captain Kid und Johanna wehren sich … Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

… gegen Almays Männer: Michael Angelo Covino. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Leonberger: Neil Sandilands und Winsome Brown. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Abschiedsschmerz: Helena Zengel und Tom Hanks. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Da, eines Tages auf dem Weg, ein umgestürzter Wagen, ein erhängter Schwarzer, der wohl auf Beamte der Indianerbehörde hoffte, aber offensichtlich Gegnern der Sklavenbefreiung in die Hände fiel, an die Brust geheftet ein Zettel: „Texas sagt Nein! Das ist das Land der Weißen“, und ein blondes Mädchen, gekleidet wie eine Indianerin, die Kidds Fragen in schlechtem Deutsch oder perfektem Kiowa beantwortet.

Zikade nennt sich die Kleine, als die Helena Zengel den großen Tom Hanks ziemlich an die Wand spielt, und einem Schreiben entnimmt er, dass „Johanna Leonberger“, deren deutschstämmige Siedler-Eltern vor Jahren von den Kiowa abgeschlachtet und sie als Kleinkind vom Stamm entführt worden waren, zu Verwandten nach Castroville gebracht werden soll. Die Aufmerksamkeit des internationalen Filmbusiness‘ ist der Zwölfjährigen mit diesem Auftritt als Findelkind gewiss. Zengel schlüpft in die Rolle der doppelt verwaisten, denn nun haben die Weißen ihre Kiowa-Eltern getötet, der Sprachbarrieren wegen fast stummen Johanna wie diese in ihr Lederkleid.

In den Augen den wissenden Blick einer jahrhundertealten Weltenkenntnis, das Temperament, die Temperatur wechselnd von Verletzlichkeit zu Verzweiflung, von Sturheit zu Trotz zu einer stolzen Eiseskälte, mit der die junge Frau der First Nation die Errungenschaften der Neuen Nation ablehnt, Rüschenkleidchen, Essbesteck etc., derart ist Zengel die Sensation des Films. Greengrass braucht Johannes Story nicht in Flashbacks erzählen, er erzählt sie einzig und allein über Helena Zengels Gesicht.

Welch ein Sittenbild. Rebellen unterm Blood-Stained Banner auf Kriegspfad gegen die Washingtoner Gesetzeshüter – das Hinterland, durch das Kidd zieht, fühlt sich damals wie heute vom Kapitol verraten -, die Native Americans bis zur Grenze des Genozids verfolgt, eine Besatzungsarmee, der alles egal ist, solang der Eisenbahnbau voranschreitet, eine verheerte, verkehrte Welt – und zwischendrin Tom Hanks‘ Kidd, der wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind kommt.

Denn niemand will die „Wilde“, keiner fühlt sich zuständig. Bei diesem selbstbestimmten, aufmüpfigen Kind endet die christliche Nächstenliebe. Kidd und Johanna, die keiner der sich hysterisch befehdenden Gruppen zugehören, mussten im Lone Star State zueinanderfinden, ihre Annäherung erfolgt in der Einsamkeit der weiten Prärie, womit „Neues aus der Welt“ alle Westernelemente hat, die’s braucht. Er lehrt sie „Zivilisation“, sie bringt ihm die Natur in ihrer Ganzheit und deren Schützenswürdigkeit nahe.

Winsome Brown. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios.

Tom Hanks. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios.

Helena Zengel. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios.

Hanks wirft sein komplettes Guter-Kerl-Sein in die Waagschale, wie ein Prediger verkündet Vorleser Kidd Greengrass‘ Frohe Botschaft im Vorhof der Hölle: Nur wenn alle bereit sind, einander zuzuhören, voneinander zu lernen, kann Frieden entstehen. Allein Humanität und Respekt vor allem Lebendigen – und das inkludiert Mutter Erde – machen aus den Schlacht- wieder Erntefelder. Schade, dass diverse FilmkritikerInnen diesen Gedanken alsbald als „totgeritten“ empfanden.

Greengrass bedient sich gleichnishafter Szenen: In Dallas, wo man erfährt, dass Witwer Kidd durchaus kein Heiliger ist, da er in Saloonbesitzerin Miss Gannett, Elizabeth Marvel, eine Bettgenossin hat, will ihm der Schurke Almay mit seinen Kumpanen, schön sinister: Michael Angelo Covino mit Clay James und Cash Lilley, Johanna für 50 Dollar abkaufen. Die Kunde von der verwaisten „Rothaut“ aus Wichita Falls hat bereits die Runde gemacht, die Männer wollen sich mit einem exotischen Spielzeug vergnügen, erst „die Blauen“ beenden die Schlägerei.

Dass Almay blutige Rache schwört, führt zu einer der wohldosierten Actionszenen im Film, ein Shootout, bei dem sich Johanna als erfahrene Kämpferin erweist. Die Bildmacht, mit der Kameramann Dariusz Wolski zu überwältigen weiß, ist überbordend. Vom Himmel her fängt er entgrenzende Panoramen ein, Landschaftsgemälde von einem Viehtrieb oder einem Planwagentreck, alle unterwegs dorthin, wo das Gras grüner sein soll. Wolski drückt sich im Halbdunkel an Türöffnungen mit freiem Blick auf Liebeslager vorbei, er rast mit einer sich überschlagenden Kutsche den Berg hinunter und duckt sich bei Schusswechseln hinter Felsen.

„Neues aus der Welt“ ist ein Kinostart von Herzen zu wünschen, auf der großen Leinwand wird das alles besser zur Geltung kommen: die Verfolgungsjagd durch die potenziellen Kidnapper Johannas, die Schießerei und die Prügelei. Das macht Tempo, bevor sich Raum und Zeit auf dem Marsch unter gleißender Sonne wieder zerdehnen. Wie ein Geistbild wirkt Johannas Gang ins Haus der Toten; Kidd und sie finden eine zerstörte Kiowa-Siedlung; Johanna entdeckt in Chaos und Gerümpel eine Strohpuppe und behält sie. Nur wer sich erinnert, kann nach vorne blicken, sagt sie im Kiowa-Englisch-Deutsch-Gemisch, das ihre gemeinsame Sprache mit Kidd wird.

Im beredten Schweigen finden sich Kidd und Kind. Nur einmal verlieren sie einander, in einem Sandsturm, der auf zauberische Art und Weise einen Indianerstamm auf dem Zug in die Reservate materialisiert, Schemen von zermürbten Gesichtern und zerlumpten Gestalten – und wieder verweht. Noch ein Geistbild, und kein stolzer Krieger, nirgendwo. Message kann Greengrass auch in der eingangs beschriebenen Farley-Szene. Der Clan-Chef will Kidd als Propagandist seiner zu Heldentaten stilisierten Gräueltaten missbrauchen.

Der Indianerbeamte als Opfer eines Lynchmob. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Im Wagentreck: Helena Zengel und Tom Hanks. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Die Metropole Dallas anno 1870. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Umzingelt von Mr. Farleys „Familie“. Bild: Bruce Talamon – © 2020 Universal Studios. All Rights Reserved.

Doch statt aus Farleys County-Postille vorzulesen, beginnt Kidd mit einer Parabel aus Pennsylvania. Dort hätten sich nach einem schweren Minenunglück einige wenige der lebendig Begrabenen aus der Tiefe ans Licht, in die Freiheit gekämpft, worauf die Kohlekumpel gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestierten, ja, sogar eine Gewerkschaft gründeten! Was Wunder, dass Mr. Farley sich alsbald mit einem Aufstand in den eigenen Reihen konfrontiert sieht. Kurioser lässt sich das „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ kaum illustrieren.

Bleibt: Castroville, wo Kidd Johanna den seltsamen, bigotten Onkel und Tante Wilhelm und Anna Leonberger, Neil Sandilands und Winsome Brown, aushändigt [um ein Haar hätte man geschrieben: ausliefert]. Sie mögen das traumatisierte Kind, das Menschlichkeit und Wärme braucht, in seinem Wissensdrang befördern und ihm Bücher geben, empfiehlt Kidd. „Sie muss arbeiten“, befindet der Onkel, und da das nicht funktioniert und sie immer wieder wegläuft, wird Johanna wie ein Tier mit einem Strick an einen Pfosten gebunden. Zum Glück kommen Kidd, der seit Tagen unterwegs nach San Antonio ist, Zweifel, ob seine Entscheidung Johanna den Leonbergers zu überlassen richtig war. Die wilde Waise hat sein vom Krieg gebrochenes Herz kuriert …

Mit „Neues aus der Welt“ ist der Zuschauer, die Zuschauerin unterwegs in einer Welt der Weißen, und es wird an keiner Stelle so getan, als hätten die Vertriebenen oder eben noch Versklavten schon Anspruch auf einen Platz darin bekommen. Präsent sind sie dennoch, die Schuld steht verdrängt im Raum. Das Elend der vermeintlich Privilegierten allerdings auch. Nur schlimmste Verbrecher, wie Almay und Mr. Farley, sind von Grund auf böse, allen anderen gewährt Greengrass eine zweite Chance.

Trotz Zeitbezug vermeidet „Neues aus der Welt“ tagesaktuelle Predigten und lässt stattdessen lieber Tom Hanks seine ganze Gravitas in der ersten (!) Wildwest-Variante seines Good American ausspielen. „Ich verstehe euch ja“, sagt der vernunftbegabte Kidd zu seinen Zuhörern, „wir alle leiden“, doch es könne nicht länger um den Nord-Süd-Konflikt gehen, man müsse endlich eins werden. Dass Kidd nach 1865 auf der Verliererseite und nicht auf der der Gewinner steht, ist ein Kunstgriff von Autorin Jiles, den Hanks mit breitgekautem Texas-Idiom zu bedienen weiß.

Zu Helena Zengel entwickelt der Hollywood-Star eine natürlich wirkende distanzierte Nähe, die den Film mühelos über zwei Stunden trägt. Des alten weißen Mannes und des sich indigen fühlenden Mädchens vorsichtige, versöhnliche Annäherung und ihre stoisch-melancholische Heilsgeschichte ist genau der Western, den die Welt gerade braucht.

Trailer dt./engl.: www.youtube.com/watch?v=yGod2iwZQCs           www.youtube.com/watch?v=ZfrO7za1MBY           www.netflix.com

BUCHTIPP:

Sebastian Barry: „Tage ohne Ende“ und „Tausend Monde“: Die Bürgerkriegssoldaten Thomas McNulty und sein Geliebter John Cole adoptieren die Indianerwaise Winona – und finden in all dem Horror ein stilles Glück (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31215); in der Fortsetzung leben sie glücklich auf einer Tabakfarm in Tennessee – doch alte Feinde lassen nicht lange auf sich warten (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=42818).

7. 4. 2021

Art Carnuntum / Shakespeare’s Globe: Romeo & Juliet

April 28, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Beim Blankvers ungeniert anbaggern

Have not saints lips, and holy palmers too? Romeo & Juliet: Adetomiwa Edun und GoT-Star Ellie Kendrick. Bild: John Haynes

Das Art Carnuntum Festival bringt auch in Zeiten von #Corona Welttheater nach Österreich, und bietet auf seiner Webseite www.artcarnuntum.at Inszenierungen des Shakespeare’s Globe Theatre zum kostenlosen Stream an. Seit mehr als zehn Jahren ist die gefeierte Londoner Kompagnie Stammgast im Amphitheater, für dieses Jahr waren Aufführungen von „A Midsummer Night’s Dream“ und „The Tempest“ geplant, aber ach …

Nach dem „Hamlet“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39290) zeigt man nun bis 3. Mai online eine Aufzeichnung von „Romeo & Juliet“ aus dem Jahr 2009, mit dem in Nigeria geborenen Schauspieler Adetomiwa Edun und der mittlerweile als Grünseher-Schwester und -Beschützerin Meera Reed aus „Game of Thrones“ bekannt

gewordenen Ellie Kendrick. Die Produktion überzeugt mit Musik und Tanz und Degengerangel, wie man’s aus Carnuntum kennt und liebt, mit dreisten Anspielungen auf alles unter Gürtellinie – und man erinnert sich freudig an die famose im Niederösterreichischen gezeigte Inszenierung, als die Montagues und Capulets im VW-Bus anreisten, um dort ihre Fehde auszutragen.

Regisseur Dominic Dromgoole, künstlerischer Leiter des wooden O von 2005 bis 2011, hat sich bei dieser Arbeit für ein extrem junges Ensemble entschieden, nicht nur die Juliet, auch die Darsteller des Benvolio und des Tybalt geben hier ihr Theaterdebüt, und punkto Tempo, Temperament und Lust an der Outrage macht sich das allemal bezahlt. Der geschmeidig-athletische Adetomiwa Edun besticht wie seine Mit- und Gegenspieler mit überbordender Spielfreude und außerordentlicher Bühnenpräsenz. Sein Romeo ist ein lebhafter, übermütiger junger Mann, frisch, frech, leichtfüßig und voll des Überschwangs erster Liebe.

Ein Halbstarker, wie der ganze Haufen der ihn umgibt, der gekünstelt tragikomisch die Augen verdreht, wenn er mit den Worten Liiiebe, Tod und Rosaline seine Scherze treibt, nichts ahnend, dass die Triebtäter Eros und Thanatos ihn bereits in ihren Klauen haben. Ellie Kendrick ist eine derart entzückend mädchenhafte Juliet, dass man ihr die süßen 14 Jahre fast noch abnimmt. Wie sie sich in die Arme ihrer Amme schmiegt, als sie erfährt, dass Romeo sie heiraten will, ist von unwiderstehlich unschuldiger Freude.

Als Ian Redfords wütender Capulet sie wegen ihres Ungehorsams ausschimpft, zitterte sie in ihrer kindlichen Verletzlichkeit und fleht Mutter und Amme an dazwischen zu gehen. Man glaubt Ellie Kendricks Juliet, diesem zerbrechlichen Seelchen, dass sie nach Romeos Dahinscheiden keinen Sinn im Weiterleben sieht. Ein weiteres Highlight ist Penny Layden als North Country Nurse mit entsprechendem Zungenschlag, eine Amme mit großem Herzen und noch größerem Mundwerk, dessen Zahnlosigkeit sie nicht daran hindert, den Jungs ungeniert Avancen zu machen. Wofür sie von Mercutio launig geküsst wird – obwohl sie von Romeos „body“ schwärmte.

„Nurse“ Penny Layden und Ellie Kendrick. Bild: John Haynes

Hinreißend verliebt: Adetomiwa Edun und Ellie Kendrick. Bild: John Haynes

Die Capulets: Miranda Foster und Ian Redford. Bild: John Haynes

Love Is In The Air, sozusagen, und überhaupt versteht es Dromgoole die schelmische Seite des britischen Barden bestens zu bedienen. Beinah jeder Satz hat einen sexuellen Subtone, ob nun die heißblütigen Edelherren beim Blankvers blankziehen und schamlos das Publikum anbaggern oder Juliet neckisch nachdenkt: „What’s Montague? It is nor hand nor foot nor arm nor face nor … [Pause] … any other part belonging to a man.“

Bemerkenswerte Leistungen liefert auch der übrige Cast: Fergal McElherron zeigt sich in den diversen Dienerrollen Balthazar, Peter, Gregory als geborener Spaßmacher, wunderbar, wie er die zum Capulet-Ball geladenen Gäste Grimassen schneidend nachahmt, während Romeo die Liste laut vorliest, und auch Maori-Star Rawiri Paratene hat als seine Textzeilen wie auf Häkelkissen gestickte Lebensweisheiten aufsagender Friar Lawrence die Lacher auf seiner Seite. Den Vogel ab schießt aber Tom Stuart als Paris, mit einer Interpretation der Figur, wie man sie hierzulande wohl noch nie gesehen hat.

Stuarts Paris ist zwar in dem die Clans unterscheidenden Rot-Blau-Schema, einzig Romeo und Juliet tragen nach der Balkonszene trotzig beide Farben, von Kopf bis Fuß weiß gewandet, weiß aber nichts über das passende Benehmen gegenüber Mitmenschen, heißt: er ist eine Nervensäge durch und durch, und urkomisch, wie er nie versteht, wann’s Zeit ist zu gehen oder dass er jemandem zu nahe getreten ist. Sein „These times of woe afford no time to woo“ ist in diesem Sinne zum Brüllen. Was Ian Redford als Capulet denn auch gleich tut, Capulet, dessen oberflächliche Bonhomie sich so schnell in rotgesichtige Böswilligkeit verwandelt, dass er was Wunder die Tochter dem Grab zutreibt.

Der vielschichtigste Charakter ist freilich einmal mehr Mercutio, Philip Cumbus, dessen zynischer Weltverdruss, sein Sarkasmus-Ausgießen über allem und jedem auf ein tieferes Seelenleid verweist. So beginnt etwa sein betrunkenes Rufen nach Romeo ausgelassen und amüsant, endete aber als bedrücktes Bitten und Betteln nach dem abwesenden Freund. Dessen – nach der Nachtigall-Nacht mit Juliet – endgültiger „Verrat“ im Duell mit Tybalt ist deshalb umso ergreifender. Gefochten wird auf hohem Niveau, blitzschnell sind die Schauspieler beim Zustechen, und im Sterben haben sie ein letztes Scherzchen auf den Lippen.

Besonders stark ist hier der Tybalt des guyanesich-britischen „Blindspot“-FBI-Psychiaters Ukweli Roach, ein angry young man, der sich aus der Capulet’schen Höflichkeitszwangsjacke befreit und auf die freie Wildbahn kämpft. Sein letztes Ringen mit Romeo wirkt wirklich brutal, nach dem Verlust der Waffen ein Kratzen, Hauen und Treten, bis Benvolio die beiden trennt, Jack Farthing in der Figur vom Charme eines Schulbuben, der seine Phallus-Zoten mit verlegen glühenden Wangen witzelt.

Aus Bonhomie wird bald Bedrohung: Ian Redford, Penny Layden und Ellie Kendrick. Bild: John Haynes

Fergal McElherron, Adetomiwa Edun, Philip Cumbus als Mercutio und Jack Farthing als Benvolio. Bild: John Haynes

Farthing, Cumbus, Tom Stuart als Paris, Andrew Vincent als Prinz und Ukweli Roach als Tybalt. Bild: John Haynes

Here’s to my love! Thus with a kiss I die: Ellie Kendrick und Adetomiwa Edun. Bild: John Haynes

Dominic Dromgoole versteht, den um einen ersten Stock und eine Rampe ins Parkett erweiterten Raum perfekt zu nutzen. Effektvoll, wie Graham Vick als Apotheker wie ein Springteufel aus einer Versenkung raus-„explodiert“ und mit erdiger, bedrohlicher Würde Romeo das Gift verkauft, bevor er als dessen personifiziertes Schicksal wieder in den Eingeweiden des Theaters verschwindet. In der Gruftszene verwandelt Dromgoole die komplette Bühne in dieselbe, während Romeo und Paris einander auf einer oberen Ebene begegnen, einem schmalen, davor als Balkon benutzten Steg, von dem der verwundete Paris eine Wendeltreppe hinab ins Grab fällt. Das hat Schauwert!

Mit allem Jubel-Trubel und Drama, Baby! ist es jetzt endgültig vorbei, Dromgoole besinnt sich auf die tragedy, lässt Juliet auf einer Bahre quer durchs stehende Publikum wegtragen, so schweigsam die vier Mönche, so erschüttert die Zuschauer. Begleitet vom Sängerquartett Jack Farthing, Graham Vick, Fergal McElherron und James Lailey, die vorher als Volk das Geschehen erläuterten und kommentierten, und via historischem Volkslied auch aufs Handyverbot im Theater hinwiesen.

Und wenn sie nicht gestorben sind … folgt auf die die Luft reinigende Rede des Prinzen rasch ein Lied. Was gefallen war, erhebt sich zu guter Letzt zum Tanz, dieser Schluss im Shakespeare’s Globe Theatre bei allen Stücken stets die schönste Tradition. Cheers fellows, it’s always a pleasure to see you – even on screen!

Coming Soon: „Romeo & Juliet“ wird noch bis 3. Mai kostenlos gezeigt, danach folgt am 4. Mai „The Two Noble Kinsmen“ und ab 11. Mai die aktuelle 2020er-Produktion von „Macbeth“ aus Shakespeare’s Globe. Mitunter erheiternde deutschsprachige Untertitel (siehe Übersetzungsfehler Nurse/Amme als Krankenschwester, wiewohl rund um Romeo mancher eine brauchte) können zugeschaltet werden.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=8TuR24xhtYg           www.youtube.com/watch?v=6baK-km5gFA           www.youtube.com/watch?v=v_ji4opPBbY           www.artcarnuntum.at           www.shakespearesglobe.com

  1. 4. 2020

The Phantom of the Opera at the Royal Albert Hall – online auf The Show Must Go On!

April 18, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein viktorianisches Schauerstück wird zur Opernsatire

Der Rote Tod erscheint auf dem Maskenball: Ramin Karimloo als das Phantom auf Bühne und Leinwand. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Musical-Titan Andrew Lloyd Webber bietet dieser Tage seine berühmtesten Werke auf dem Youtube-Channel „The Show Must Go On!“ als kostenlosen Stream an. Zum Wochenende je ein neues, am Karfreitag war das selbstverständlich „Jesus Christ Superstar“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39238), gestern folgte „The Phantom of the Opera at the Royal Albert Hall“ aus dem Jahr 2011, das bis inklusive Sonntagabend online ausgestrahlt wird.

Weiland war die Bühnenproduktion zum 25-Jahr-Jubiläum des Phantoms live in Kinosäle auf der ganzen Welt übertragen worden. Eine Aufzeichnung davon, die elektrisierende Atmosphäre des großen Ganzen und – als Überblendungen – spezielle Close-Ups der Darsteller gibt es nun zu sehen, die Gemeinschaftsarbeit von Theaterregisseur Laurence Connor und Filmregisseur Nick Morris eben mehr als ein „Mitschnitt“, sondern ein eigenständiges Erlebnis – und als solches eins nicht nur für eingefleischte „Phans“.

Denn tatsächlich, die zuletzt 1988 in der goldenen Peter-Weck-Ära gesehene Musikschmonzette hat an Dramatik nichts eingebüßt. Immer noch spektakulär ist der damalige Aha-Effekt aus Nebel-Wasser-Barke-Kerzenschein, die Hits von „The Music of the Night“ bis „The Point of No Return“ sowieso, und um’s gleich zu sagen: In London’s most iconic venue saust der Kronleuchter nicht mit Karacho Richtung der Zuschauerköpfe, er explodiert in der imperialen Höhe des Konzertsaals – fürs Filmpublikum heißt das natürlich Vogelperspektive und „hautnah“.

Derart sitzt man beim #stayathome auf den besten Plätzen. Was die Magie des Moments, die Emotionen, die leidenschaftliche Stimmung betrifft, und auch den Sound. Das von Anthony Inglis dirigierte 45 Mann und Frau starke Haus-Orchester thront dafür auf einer Plattform oberhalb des Bühnengeschehens, hinter sich eine gigantische Vidiwall für etwaige Groß- und Backstage-Aufnahmen, beispielsweise sieht man das Phantom beim Verfassen seiner „Operngeist“-Anweisungen an die Direktoren, alldieweil die Messieurs Firmin und André diese dreisten Billets bereits lesen. Gelungen auch die Phantom-Verdopplung bei dessen abruptem Erscheinen in der „Masquerade“-Szene, die Schädelmaske des Roten Tods in überlebensgroß besonders schaurig.

Ramin Karimloo und Sierra Boggess als Christine Daaé. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Boggess flüchtet in die Arme von Hadley Frasers Raoul. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Demaskiert: Ramin Karimloo als Phantom. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Der Showdown mit Karimloo, Boggess und Fraser. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Was im aus der Raumnot eine inszenatorische Tugend machenden Setting gezeigt wird, ist very british und wunderbar Vintage. Beginnend mit der holprigen „Hannibal“-Probe und dem poetischen „Think of Me“ zeigen Sierra Boggess und Wendy Ferguson was gesanglich und schauspielerisch in ihnen steckt, Boggess eine Christine Daaé, deren schöner lyrischer Sopran übers Anforderungsprofil „Musicalstimme“ weit hinausragt, Ferguson als Carlotta Giudicelli eine höchst theatralische Primadonna assoluta, die begnadete Komödiantin ein Glanzpunkt des Abends, wenn ihr Operndivenschein beim „Poor Fool He Makes Me Laugh“-Gequake in Schieflage gerät.

Und apropos, „Il Muto“: Ein Auskenner-Auge werfen sollte man auf den 2011-Gerade-noch-Shootingstar Sergei Polunin, der Ballett-Rebell hier mal als Slave Master im „Hannibal“, mal als Shepherd in „Il Muto“ Spitze, mittlerweile erwachsen gewordenes Enfant terrible, der seine bravouröse Technik auf Leinwand zuletzt im Biopic „Nurejew – The White Crow“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34617) demonstrierte. Ein zweites auf den Umstand, dass Regisseur und Webber-Experte Laurence Connor ins Gewand seines viktorianisch kostümierten Gothic Horror gekonnt eine humorvoll-gfeanzte Satire auf verschmockte Musiktheatermanierismen und ein opernweltliches Starunwesen kleidet. Kitsch meets Kunst.

Das gilt für Aufführung wie Ambiente. Denn selten zuvor war’s so ersichtlich, dass das Phantom, nicht nur mit einer abscheulichen Fratze, sondern auch mit dem absoluten Gehör gestraft, zugleich Zertrümmerer und Erneuerer im Musentempel ist. Einer, der mit der Atonalität der Avantgarde, siehe sein „Don Juan Triumphant“, das allzu Genregewöhnliche ausmerzen will, die Art Spearhead/Queer Head, der für seine Vision alle in den Wahnsinn treibt, ein Wesenszug, der Genies wie Möchtegerns anhaften mag, einer, der dafür Kollateralschäden in Kauf nimmt, ein mörderischer Pygmalion, der die von ihm erschaffene Göttin nicht loslassen kann und will.

Wendy Ferguson als Carlotta Guidicelli. Bild: The Really Useful Group Ltd.

Shootingstar Sergei Polunin. Bild: The Really Useful Group

Maskenball: Sierra Boggess und Hadley Fraser. Bild: The Really Useful Group Ltd.

Der in Teheran geborene Ramin Karimloo (www.raminkarimloo.com), mit seinen Eltern als Kleinkind vor dem Khomeini-Regime nach Kanada geflüchtet, spielt davon jede Facette. Der Phantom-Profi, seit er Anfang der 2000er erst in die Rolle des Raoul, dann in die des Phantoms schlüpfte, bietet in der Royal Albert Hall eine andere, eine unerwartete Interpretation der Figur. Selbstverständlich kann Karimloo Schmerz und Schreck und spooky sein, doch seine Augen hinter der Maske, mal funkensprühend böse, mal vor Tränen funkelnd, die Sehnsucht in seiner Körpersprache, dann wieder seine Hybris, die das Bemitleidenswerte übertüncht, diese subtilen Signale werden auf dem Bildschirm erst so richtig ersichtlich. Karimloo macht in düsteren Nuancen die gefährliche seelische Instabilität des Phantoms deutlich, und macht, was eindimensional sein könnte, so zum schillernden Main Charakter.

Dass zwischen Karimloo und Boggess die Chemie stimmt, weiß, wer die beiden bereits im Phantom-Sequel „Love Never Dies“ gesehen hat, sie tut’s auch zwischen Boggess und Hadley Fraser, der mit seinem angenehm sanften Bariton den Vicomte Raoul de Chagny gleich einem Fels in der Brandung singt. Man glaubt Fraser bis in jede Faser, dass er der ganze Mann ist, der sich gegen das Monster stellen wird, je hypnotischer das Phantom, desto wutentbrannter er, der Realist im irrationalen Treiben. Raouls beschützende Kraft ist dabei die gegen- sätzliche zur besitzergreifenden, obsessiven des Phantoms, mit dem Ergebnis, dass die beiden samt der zwischen zwei Lieben hin- und hergerissenen Christine der Sierra Boggess die perfekte Ménage à trois ergeben.

Ihr Highlight auch hier die „The Point of No Return“-Reprise, „The Final Lair“, das Grande Finale dargeboten mit vollem Schmelz, die Schraube, die das Phantom zweifelsohne locker hat, von Laurence Connor bis zum Abschlag angezogen, das Ende für Christine beinah ein emanzipatorisches, ihr „One Love, One Lifetime“ definitiv ans Phantom gerichtet. „Love conquers all“ heißt’s, also auch das Phantom, und bezüglich „Love Never Dies“, wer weiß, vielleicht wird das ja in einer der kommenden Wochen noch gestreamt.

Unterirdische Bootsfahrt mit Boggess und Karimloo. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Wynne Evans, Wendy Ferguson, Daisy Maywood, Barry James, Gareth Snook und Hadley Fraser. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

„Il Muto“-Satire mit Stephen John Davis (re.) als Don Attilio. Bild mit freundl. Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

Zwölftongeorgel: Ramin Karimloo und Sierra Boggess. Bild mit freundlicher Genehmigung von The Really Useful Group Ltd.

„The Phantom of the Opera“ ist in seinem 35. Jahr immer noch phänomenal, das beweist diese Show aus der Royal Albert Hall. Die mit Barry James und Gareth Snook als amüsant-überhebliche Operndirektoren Monsieur Firmin und Monsieur André, Liz Robertson als gouvernantenhafte Unheilkünderin Madame Giry, Daisy Maywood als töchterliche Ballettmaus Meg Giry, Wynne Evans als Pavarotti-Lookalike Ubaldo Piangi und Nick Holder als finstere Späße treibenden Bühnenmeister Joseph Buquet auch in den weiteren Rollen tadellos besetzt ist.

Ein Tipp: Nach dem Schlussapplaus noch zwanzig Minuten dranbleiben. Es gibt eine Überraschung, Andrew Lloyd Webber tritt auf, und was dann folgt, hat sehr viel mit ihm und seinem persönlichen „Angel of Music“ Sarah Brightman zu tun. Gänsehaut garantiert! Die Royal Albert Hall jedenfalls tobte …

Trailer: www.youtube.com/watch?v=C90eHuBPhS8

Die ganze Show: www.youtube.com/watch?v=nINQjT7Zr9w

www.youtube.com/channel/UCdmPjhKMaXNNeCr1FjuMvag     www.thephantomoftheopera.com         www.andrewlloydwebber.com            www.royalalberthall.com                    www.reallyuseful.com

18. 4. 2020