Bronski & Grünberg: Schuld & Sühne

Januar 8, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Aus den Scherzen eine Mördergrube gemacht

Rodion Romanowitsch Raskolnikow hat sehr eigene Rechtfertigungen für den „gerechten“ Mord an jenen Menschen, die er „Laus“ nennt: Charlotte Krenz. Bild: © Philine Hofmann

Als Ansager im Biedermannspulluder, wie Stefan Lasko da anfangs vor dem roten Theatervorhänglein steht, als Bronski-&-Grünberg-Antwort auf Michael Palin, ist vollkommen klar, dass sich hier wieder ein starkes Stück erlaubt wird. Monty Python‘s Staged Punk sozusagen, sind die Bronskisten doch für die Wiener Bühnenwelt, was die Sex Pistols dereinst für die Spikesszene waren – nur weniger sid-vicious denn absurd und grotesk. Diesmal haben, soweit’s Text und Regie betrifft, zwei von drei Prinzipale selbst Hand angelegt, Alexander Pschill und Kaja Dymnicki, alldieweil Julia Edtmeier schauspielert. Worin, das will Lasko ja erklären, im Werk eines berühmten

Russen, wobei geschlagene drei Stunden lang weder an Ausstattung noch Mitwirkenden gespart werde. „Tolstoi!, Tschechow!, Dostojewski!“, klingt’s von diesen aus dem Off, ja, bei jenen Literaten und deren üppigem Personal kann man schon in die Irre gehen, wie Evelyn Hamann im North-Cothelstone-Hall-Sketch, aber tatsächlich wird „Schuld & Sühne“ – die Wiederaufnahme geboten. Frei nach Fjodors Feuilletonroman um den St. Petersburger Studenten Rodion Romanowitsch Raskolnikow und dessen seltsamen Rechtfertigungen für den „gerechten“ Mord.

Und weil ein solches Mammutprojekt für das Müllnergassen-Tschocherl, zwar nicht punkto Intellekt und Irrwitz, aber was den Innenraum betrifft, sowieso zu groß ist, hat man sich gleich ins Guckkastenformat verfügt. Hinterm Hangerl nämlich verbirgt sich eine Handdrehbühne, die per Muskelkraft mal Studentenbude, mal das Zimmerchen der Pfandleiherin Aljona Iwanowna, mal Polizeistube ist. En miniature ist en détail eingerichtet, mit Schlüsselbord, Brausekopf, Blumentopf, Wassili Perows Porträt – und original Rasselbockkopf.

Die Axt im Haus hat Charlotte Krenz als Raskolnikow, sie nicht die einzig cross-besetzte, statt tief gefallener Hochschüler nun gescheiterter Schauspieler, den Aljona Iwanowna samt Schwester Lisaweta bereits als düsterer Tagalbtraum heimsuchen, bevor er überhaupt Geschäfte geheuchelt, dann sie hingemeuchelt hat. Krenz gibt den designierten Mörder mit nach rückwärts gegelter Langhaarmatte, sinister, fiebrig und mit selbstgefälligem Wahnsinnsgrinsen unterm ausgefransten Menjou-Bärtchen. Zum Belächeln wär‘ das, würde Krenz ihren Eigendünkler seine ideologischen Überlegungen über privilegierte Herren-Menschen, denen das „erlaubte Verbrechen“ an der „Laus“ als Geburtsrecht zusteht, nicht mit einem Zynismus Richtung Zuschauer raunen lassen, dass einem nicht jenseitig, sondern ganz jetztzeitig wird.

Boris Popovic, Julia Edtmeier, Alexander Jagsch, Charlotte Krenz, Marius Zernatto, Maddalena Hirschal. Bild: © P. Hofmann

Christian Gnad, Maddalena Hirschal, Alexander Jagsch, Marius Zernatto, Charlotte Krenz, Julia Edtmeier. Bild: © P. Hofmann

Das Totschlagargument bekommt am eigenen Leib bald die wucherische Zinseneintreiberin zu spüren, Doris Hindinger, die mit misstrauisch nach unten gezogenen Mundwinkeln die zu versetzenden Habseligkeiten des übelmeinenden Kunden in Empfang nimmt, eine bauernschlaue, ausgefuchste Alte, deren böse Blicke einen, wenn sie’s denn sprichwörtlich könnten, aus dem Leben beförderten. Wunderbar, wie sie bei jedem Türöffnen vorm ausgestopften Wiesel überm Türrahmen zusammenzuckt, als erkenne da ein Frettchen das andere. Der ganze Abend ist rappelvoll mit solcherlei stummfilmischem Slapstick, vollbelegt wie die Bühne, auf der sich – Platz ist in der kleinsten Kulturhütte – gezählte vierzehn Akteurinnen und Akteure tummeln.

Für Bronski-Verhältnisse erstaunlich werktreu haben Pschill und Dymnicki bei dieser Inszenierung gewerkt, freilich streichen sie, schreiben Rollen neu und um, lassen Soundeffekte von einem Speiseeiswagen, Overacting, Faxen- und Fratzenmachen zu, aber im Kern blieb’s beim Buch. Herr-lich ist Alexander Jagsch als Raskolnikows Mutter Pulcheria Alexandrowa, ein baumlanger Vamp mit inzestuösen Anwandlungen, eine Fleisch gewordene freudsche Traumdeutung, das Über-Ich im 180-Grad-Umbau, wenn sie schnippisch anmerkt, ihres Sohnemanns Depressionsanstrich beschmiere sogar die vierte Wand.

Im Bronski & Grünberg lässt das Publikum gern mit sich spielen, da wird aus den Scherzen im Wortsinn eine Mördergrube gemacht, bei dieser russischen Kasperliade, mit der die Bronskisten definitiv ein neues Level erreicht haben. Kim Schlüter gibt mit Kulleraugen die geistig zurückgebliebene, bei Dostojewski ergo kindliche Unschuld symbolisierende Lisaweta, Thomas Weissengruber Pulcheria Alexandrowas Verlobten Luschin als versnobten „Das wird man doch noch sagen dürfen!“-Neureichen, und stellt sich so als Kapitalist gegen den frühsozialistischen Fast-Sohn, und apropos Kapital: in einer Marx-Brothers-Hommage platzt dessen Kammerspiel-Kämmerlein mittlerweile als allen Nähten.

Ermittlungsrichter Porfirij wagt schon einmal ein Siegestänzchen: Florian Carove. Bild: © Philine Hofmann

Die Untoten und ihr Mörder: Doris Hindinger als Pfandleiherin, Kim Schlüter und Charlotte Krenz. Bild: © Philine Hofmann

Julia Edtmeier hat für sich eine Pate-streichelt-(ausgestopfte)-Katze-Szene erfunden. Sie spielt Raskolnikows Freund Rasumichin, ebenfalls erwerbsloser Mime, der gerade ein Engagement als Kindertheaterpferd hat und mit kriminalistischem Spürsinn den Täter um Kopf und Kragen redet, legt er doch Florian Carove als Ermittlungsrichter Porfirij und Marius Zernatto als dessen diensteifrig-dämmlichem Assistenten die heiße Spur zum Schuldigen. Carove gestaltet den Amtsträger mit seinem subtil-psychologischen Katz-und-Maus-Gehabe als eine Art Columbo. Allerdings hat er den Trenchcoat gegen Ballettschuhe getauscht – und seine wortverdrehenden Pirouetten beim Verhören des Verdächtigen sind schlicht spitze.

Maddalena Hirschals Mixcharakter ist irgendwie auch Dunja, jedenfalls Sofja Semjonowna Marmeladowa, als die sie immer aufs Neue betonen muss, bestimmt keine Prostituierte zu sein. Und während Stefan Lasko, auch dies Michael-Palin‘isch, auf bekochwütige, nachbarliche Nervensäge macht, erscheint aus dem Untergrund Claudius von Stolzmann als Marmeladow und räumt aus dem Unterbühnenraum, das Gesicht bald so hochrot wie Caroves tanzangestrengtes, eine komplette Wohnungseinrichtung, Stehlampe, Sitzkissen, Fernseher, auf die und wieder von der Spielfläche – wozu er dem darob nicht wenig irritierten Raskolnikow seine erlogene Lebensbeichte ablegt. Ein furioser Monolog, ein fantastisches Kabinettstück, ein Höhepunkt der Aufführung. Es macht Spaß zu sehen, mit wie viel Lust und Genauigkeit hier gearbeitet wird.

Boris Popovic, Christian Gnad und Patrick Weiss als weitere Hausbewohner, Schaulustige, Jagsch-Verehrer, Beamte ergänzen den Cast. Hindinger und Schlüter haben noch einen Auftritt als blutüberströmte Untote, Edtmeier liest die Reclam-Ausgabe von „Weh dem, der lügt“. Carove zerbricht sich in Zeitlupe den Kopf übers Schädelspalten, was mit Krenz zu Dialogen à la „Ich war in der Tat dort.“ – „Am Tatort?“ führt, bevor Raskolnikows „Anstrengungen im Sinne des allgemein-menschlichen Fortschritts“ gewürdigt werden, und er abgeführt wird. Dabei, im Bronski & Grünberg kann die übliche Lösung nicht die gängige sein, und so enttarnt sich als wahrer Mörder schließlich … weil gleichermaßen Geldschulden bei und daher Hass auf die Pfandleiherin … Großartig!

 

Trailer: vimeo.com/353973287           www.bronski-gruenberg.at

  1. 1. 2020

Stadttheater Klagenfurt: „Familiengeschäfte“

April 19, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Henry Mason inszeniert Alan Ayckbourn

Familiengeschäfte. Bild: Arnold Pöschl

Das Ensemble der „Familiengeschäfte“. Bild: Arnold Pöschl

Am Stadttheater Klagenfurt hat am 28. April Alan Ayckbourns Komödie „Familiengeschäfte“ Premiere. Regie führt Henry Mason, der bei den Salzburger Festspielen zuletzt die „Komödie der Irrungen“ zeigte und am Stadttheater bereits „Die Dreigroschenoper“ inszenierte. Raphaela Möst, die umjubelte „Nora“ der Klagenfurter Inszenierung, kehrt in der Rolle der Tina Ruston zurück.

Mit ihr steht mit Claudia Kainberger, Heike Kretschmer, Doris Prilop, Isabel Schosnig, Stephanie Katharina Schreiter, Nikolaus Barton, Martin Bermoser, Christian Graf, Tim Grobe, Horst Heiss, Alexander Jagsch und Wolfgang Kraßnitzer ein hochkarätiges Ensemble auf der Bühne.

Jack ist einer, dem Moral und Werte noch etwas bedeuten. Als er die Möbelfirma seines Schwiegervaters übernimmt, ist er davon überzeugt, dass mit harter Arbeit, Leistung, Fairness und Vertrauen das Familienunternehmen wieder florieren wird. Doch schon bald folgt die Desillusionierung: Sämtliche Familienmitglieder sind in dubiose, aber profitable Nebengeschäfte verwickelt. Um den guten Namen des Unternehmens zu schützen, muss Jack nun die kriminellen Machenschaften der Familie nicht nur decken, sondern sie auch noch unterstützen.

Ayckbourn, dem Meister der britischen Satire dient die Familie als Modell einer Gesellschaft, die den Widerspruch zwischen Leistungsideologie und schamloser Selbstbereicherung nur noch zynisch und achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Pointiert und mit galligem Humor führt er vor, wie die Familie den Charakter verderben kann und beweist einmal mehr, dass der familiäre Zusammenhalt mitunter nur so lange besteht, wie dabei Geld zu machen ist.

www.stadttheater-klagenfurt.at

Wien, 19. 4. 2016

Zu Ursula Strauss kommen die Stars

November 3, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Wachau in Echtzeit

Ursula Strauss, Künstlerische Leiterin Bild: www.photo-graphic-art.at

Ursula Strauss, Künstlerische Leiterin
Bild: www.photo-graphic-art.at

Im November präsentiert Intendantin Ursula Strauss stets ihr Festival „Wachau in Echtzeit“. Hier einige Höhepunkte aus dem Programm:

9. November, 11 Uhr:
„Göttliche Verführungen“ mit Christian Dolezal und Ali Jagsch. Die wunderbaren barocken Fresken über Geschichten aus dem Alten Testament im Schloss Pielach in Melk sind Ausgangspunkt für eine Reise in die Sinnlichkeit großer Mythologien. Evas Gespräch mit der Schlange und das gemeinsame Naschen mit Adam, der Schwerenöter Zeus mit seinen listenreichen Verwandlungen, um bei den Frauen ans Ziel zu gelangen, Ovids Metamorphosen, die nördliche Edda oder fernöstliche Schriften. Die beiden Schauspieler Jagsch und Dolezal folgen der Lust, Phantasie und Sinnlichkeit, manchmal auch der unverhohlenen Gefahr und Brutalität von Geschichten, welche die Welt prägten. Und dies mit Leidenschaft und einer großen Portion Humor. Auf warme Kleidung achten. Verpflegung: Wein & Brot ab 10 Uhr.

16. November, 11 Uhr:
„Kriemhild erzählt das Nibelungenlied“. Mit Barbara Horvath & Tandaradey. Im Schüttkasten der Römerhalle Mautern. Einst zog Kriemhild mit ihrer Gefolgschaft durch das Donautal hin zu Etzels Hof. Ihre Sippe um König Gunther und den düsteren Hagen folgten ihr und passierten mit Melk und Mautern auch die Tore der Wachau. So steht es im über 800 Jahre alten Heldenlied, an diesem Abend gesungen und gespielt von zwei Spielleuten nach einer uralten Melodie. Die Schauspielerin Barbara Horvath schlüpft in die Figur der Kriemhild: eine starke Frau, die sich in einer Männerwelt behaupten muss. Und sie wirft einen besonderen Blick auf die scheinbaren Heroen: Siegfried, den größten Helden seiner Zeit, einen Haudrauf, der in Wahrheit zu gutmütig und harmlos für diese Welt war. Gunther, den Burgunderkönig – obwohl im Bett bei seiner Frau eine Niete, ein Playboy und Dandy erster Ordnung. Ja und da ist dann auch noch Hagen, Kriemhilds finsterer Gegenspieler. Aus Zuneigung zwischen den beiden wird Hass, tödlicher Hass … Eine spannende Reise in einen Mythos, der eng mit der Wachau verwoben ist.
Die Spielleute:
Manfred Hartl – Sänger und gotische Schoßharfe
Michael Vereno – Kobos (Rumänische Bauernlaute) und Rebec (eine Urform der Geige). Verpflegung: Wein & Brot ab 10 Uhr.

23. November, 19.30 Uhr:
„Die Passion der Jungfrau von Orléans“ mit Divine Musical Bureau & Ursula Strauss. Im Kino im Kesselhaus, Krems. Dieser Stummfilm von Carl Theodor Dreyer, ein Meilenstein der Filmgeschichte, über die letzten Stunden der Jeanne d’Arc, sollte eigentlich mit Ton gedreht werden, doch 1928 fehlten dafür die finanziellen Mittel. Im Rahmen von Wachau in Echtzeitwill Ursula Strauss also nicht nur diesen Film präsentieren, sondern auch den inneren Kampf der Johanna sprachlich ausdrücken. Mit Schillers Monologen über dieses junge Mädchen, das im 15. Jahrhundert als visionäres Bauernmädchen zur Nationalheldin wurde, als Ketzerin am Scheiterhaufen landete und letztlich heiliggesprochen eine der geheimnisvollsten Frauen der Geschichte ist, erweitert die Schauspielerin Ursula Strauss die starken filmischen Bilder. Musikalisch unterstützt vom live improvisierenden Ensemble „Divine Musical Bureau“, das sich als Plattform für musikalische Experimente und als Spielwiese für die interaktive Entwicklung klanglicher Kommunikation formierte. Zuletzt vertonte das „Divine Musical Bureau“ erfolgreich den Stummfilmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang.
Ursula Strauss – Rezitation
Maria Dorn – Flöte, Blockflöte, Stimme
Clemens Geist – Saxophon
Klaus Hainzl – Trompete
Michael Obernberger – Gitarre
Julia Schwendinger – Cello
Olga Shevtsova – (Präpariertes) Klavier, Stimme
Benno Sterzer – Perkussion
Klaus Zalud – Schlagzeug
Mathias Lackenberger – Computer
Michael Strauß – Dirigent

29. November, 1930 Uhr:
„Amerika“ mit Philipp Hochmair. In der Domäne Wachau / Kellerschlössel Dürnstein. Philipp Hochmair, Burgtheaterstar und derzeit am Hamburger Thalia-Theater engagiert, ist Karl Rossmann. Er ist nicht nur Karl, er verkörpert viele Figuren aus Kafkas Romanfragment „Amerika“. Dieser Theaterabend ist ein intimes, facettenreiches Solo: Fragil, unsicher, gutmütig, voller Neugier und mit großer Leichtigkeit wechselt Hochmair, ein Virtuose der Darstellung und des Erzählens, die Rollen im Sekundentakt und gleitet mit atemberaubendem Tempo über den Parcours der kafkaesken Charakterköpfe. Hier trifft ein großer Text auf eine suggestiv minimalistische Form, ein packender Realismus auf artifizielle Abstraktion. Und durch die Reduktion auf einen einzigen brillanten Darsteller trifft die Inszenierung präzise den Ton von Kafkas unvollendetem Roman und bewegt durch eine erschütternde Zeitlosigkeit. Regie: Bastian Kraft. Inklusive gefüllte Wachauer Laberl, Wein und Kellerführung.

30. November, 17 Uhr:
„Die Geschichte eines Fremden“ mit Udo Samel und Martin Ptak. Im Klangraum Krems Minoritenkirche. Udo Samel, ein Grand Seigneur der Schauspielkunst, hat sich mit „Wilhelm Meisters Wanderjahre oder Die Entsagenden“ die vielleicht persönlichste aller Dichtungen von Johann Wolfgang von Goethe ausgewählt. Gleich einem Rundhorizont malt Goethe hier ein Bild der Gesellschaft, des Geistes, der Kultur, der Politik und der Ökonomie. Der Einzelne in seiner Beziehung zur Gesellschaft, die Liebe und das Streben nach Vollkommenheit – das sind die großen Themen dieses Meisterwerks. Die Minoritenkirche Krems ist dafür ein stimmungsvoller, berührender Rahmen, den Martin Ptak mit Klavier, Posaune und Harmonium als Klangraum nutzt. Seine Musik zeichnet sich durch eine erzählerische und repetitiv-cineastische Linie aus und liegt stilistisch zwischen Neo-Klassik, Ambient und Improvisation. Verpflegung: Wein & Brot ab 16 Uhr.

https://www.kultur-melk.at/wachau-in-echtzeit/programm.php

Wien, 3. 11. 2014

Kammerspiele: Die Mausefalle

Dezember 12, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Agatha Christies Krimiklassiker in Wien

Martin Zauner, Silvia Meisterle, Marianne Nentwich, Heribert Sasse, Martin Niedermair, Alexandra Krismer, Alexander Jagsch, Siegfried Walther (v. l. n. r.) Bild: © Jan Frankl

Martin Zauner, Silvia Meisterle, Marianne Nentwich, Heribert Sasse, Martin Niedermair, Alexandra Krismer, Alexander Jagsch, Siegfried Walther (v. l. n. r.) Bild: © Jan Frankl

Am 19. Dezember hat in den Kammerspielen Agatha Christies „Die Mausefalle“ Premiere. „Die Mausefalle“ wird seit mehr als 60 Jahren im Londoner West End ohne Unterbrechung aufgeführt und ist damit das am längsten laufende Theaterstück der Welt. Mittlerweile haben bereits über 350 Schauspieler in dieser Produktion mitgewirkt. Der Premieren-Regisseur des Stückes, Peter Saunders, feierte jahrelang sogenannte „Mausefallen“-Partys im Londoner Savoy Hotel, denen auch die sonst recht scheue Agatha Christie regelmäßig beiwohnte.  „Die BBC rief an und wollte wissen, ob ich ein kurzes Hörspiel für ein Programm schreiben würde, das sie aus irgendeinem Anlass, der mit Queen Mary zu tun hatte, auszustrahlen beabsichtigte. Die Königin hatte den Wunsch ausgesprochen, etwas von mir dabeizuhaben, weil sie meine Bücher so gerne las. Ich dachte nach, rief zurück und sagte zu. Das Hörspiel hieß „Die Mausefalle“. Und soviel ich weiß, gefiel es Queen Mary. Das hätte das Ende der Geschichte sein können, aber bald darauf schlug man mir vor, eine Kurzgeschichte daraus zu machen. Ich dachte mir jedoch: Warum nicht statt eines Buches ein Theaterstück schreiben? Viel mehr Spaß. Dann kam die Premiere. Ich muss gestehen, ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein großer Erfolg sein würde. Ich fürchtete, ich hatte zu viele komische Szenen eingebaut, denn es wurde zuviel gelacht. Ich war deprimiert. Aber der Regisseur nickte mir ermutigend zu und sagte: „Keine Sorge! Ich schätze, dass es über ein Jahr laufen wird – ich tippe auf vierzehn Monate.“ „So lange nicht“, widersprach ich, „ich rechne mit acht Monaten. Ich werde immer gefragt, worauf ich den Erfolg der Mausefalle zurückführe. Von der logischen Antwort ‚Glück!‘ abgesehen, habe ich nur die eine Erklärung: Es ist für fast jeden Geschmack gesorgt.“(Agatha Christie, Meine gute alte Zeit)

Die Handlung folgt dem Muster eines klassischen Whodunit: Mollie Ralston hat das alte Haus Monkswell Manor geerbt und eröffnet gemeinsam mit ihrem Ehemann Giles eine Pension. Bei den Vorbereitungen hören sie im Radio vom Mord an Maureen Lyon, der in London geschehen ist, und die Beschreibung des Täters, der am Tatort gesehen wurde. Zur Eröffnung haben sich vier Gäste angesagt, der junge, etwas sonderbare Architekturstudent Christopher Wren, die gestrenge altjüngferliche Mrs. Boyle, die distanzierte Miss Casewell und der pensionierte Offizier Major Metcalf. Mr. Paravicini überschlägt sich in der Nacht mit seinem Auto in einer Schneewehe und findet ebenfalls in der Pension Unterschlupf. Das Wetter verschlechtert sich weiter, bald sind die Straßen nicht mehr befahrbar und das Haus völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Mollie Ralston erhält einen Anruf von Superintendent Hogben, der ankündigt, dass bald einer seiner Polizisten in der Pension ankommen wird, ohne zu erklären, warum. Tatsächlich schlägt sich Sergeant Trotter mit Skiern zu den Eingeschlossenen durch. Kurz nach seiner Ankunft ist auch die Telefonleitung tot. Trotter informiert die Eingeschlossenen, dass die Adresse der Pension im Notizbuch des flüchtigen Mörders von Maureen Lyon gefunden worden ist. Im Notizbuch hat man außerdem den Hinweis „Drei blinde Mäuse“ entdeckt und an die Leiche geheftet einen Zettel mit der Aufschrift „Das war die erste“. Er vermutet, dass der Mörder sich bereits im Haus aufhält. Verdächtig ist jeder … und mit dem Morden hat’s auch noch kein Ende … denn der Mörder ist … Nach jeder Aufführung wird das Publikum aufgefordert, die Lösung nicht zu verraten. Auch die Presse hält sich an dieses Abkommen.

In der Regie von Folke Braband spielen Alexandra Krismer (Mollie Ralston), Alexander Jagsch (Giles Ralston), Martin Niedermair (Christopher Wren), Marianne Nentwich (Mrs. Boyle), Heribert Sasse (Major Metcalf), Silvia Meisterle (Miss Casewell), Siegfried Walther (Mr. Paravicini) und Martin Zauner (Detective Sergeant Trotter).

www.josefstadt.org

Wien, 12. 12. 2013