Festwochen: Christophe Slagmuylder wird Intendant

Oktober 15, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Sein neuer Vertrag läuft nun bis 2024

Christophe Slagmuylder. Bild : Andreas Jakwerth

Christophe Slagmuylder, der derzeit als interimistischer künstlerischer Leiter die Saison 2019 vorbereitet, wird auch künftig als Intendant die Wiener Festwochen verantworten. Sein neuer Vertrag läuft von 2020 bis 2024. Nach öffentlicher Ausschreibung und Eingang von fünf Bewerbungen haben in den vergangenen Tagen Hearings stattgefunden, nach denen Slagmuylder für die Position ausgewählt wurde.

„Ich verstehe die Wiener Festwochen als multidisziplinären Entfaltungsraum, der visionär und zugleich der Tradition verpflichtet ist, der international und ebenso in der Stadt verankert ist, der es schafft, den Dialog zwischen etablierten und aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern zu eröffnen – und natürlich mit und zwischen dem Publikum. Um diese Grundidee weiterhin zu verwirklichen, bedarf es eines langfristigen Engagements, und ich bin sehr glücklich, meine Vision in den kommenden Jahren entwickeln zu dürfen. Ich freue mich darauf, zur Neuorientierung der Wiener Festwochen in ihrer lokalen, nationalen und globalen Pionierrolle beizutragen“, so sein erstes Statement.

Christophe Slagmuylder, geboren 1967 in Brüssel, studierte Kunstgeschichte an der Université Libre de Bruxelles. Seine Laufbahn begann er als Dozent für visuelle Theorie an der Kunst-, Design- und Architekturhochschule La Cambre in Brüssel. Seit 2002 arbeitete er im Programmteam des Brüsseler Kunstfestivals Kunstenfestivaldesarts. 2007 wurde Slagmuylder Leiter und Künstlerischer Direktor des Kunstenfestivaldesarts, das zu den innovativsten Veranstaltungen dieser Art in Europa zählt und sich auf multidisziplinäre und internationale Gegenwartskunst konzentriert. Für seine Arbeit wurde ihm der Titel des Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich verliehen. Im Oktober 2018 erhielt er gemeinsam mit Frie Leysen für die Gründung und Programmierung des Festivals den Prix de la Critique.

www.festwochen.at

15. 10. 2018

Rolando Villazón ist neuer Intendant der Mozartwoche

Juni 26, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Startenor kommt mit Juli 2017 nach Salzburg

Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum Salzburg und Rolando Villazón, Mozartwochen Intendant ab 2019. Bild: ISM/Wolfgang Lienbacher

Montagvormittag gab die Stiftung Mozarteum Salzburg eine Sensation bekannt: Sie präsentierte Rolando Villazón als neuen Intendanten der Mozartwoche Salzburg. Der weltweit gefeierte Opernsänger, Regisseur und Schriftsteller übernimmt zum 1. Juli 2017 die künstlerische Leitung des renommierten Festivals und verbindet damit seine internationalen Aktivitäten als Mozartbotschafter mit der Planung und Umsetzung der Mozartwoche. Dis erste komplett von Villazón konzipierte Festival wird 2019 stattfinden, sein Vertrag läuft zunächst über fünf Mozartwochen bis 2023.

Rolando Villazón beschäftigt sich seit über einem halben Jahrzehnt intensiv mit Mozarts Werk und Leben. Neben Auftritten in szenischen Produktionen in Salzburg, Wien, Mailand, London und Berlin hat er alle Konzertarien für Tenor aufgenommen und diese auf einer europaweiten Konzerttournee präsentiert. Er ist Initiator und künstlerischer Motor des von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und mehrfach Grammy-nominierten „Mozart-Zyklus“ der Deutschen Grammophon, der die letzten sieben Opern Mozarts dirigiert von Yannick Nézet-Séguin umfasst.
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Rolando Villazón: „Wolfgang Amadé Mozart ist einer der liebsten Freunde der gesamten Menschheit. Es gibt keinen anderen Komponisten, der gleichermaßen so bewundert und geliebt wird. Ich fühle mich glücklich, geehrt und dankbar mich der enormen Verantwortung zu stellen, dem Meister als neuer Intendant der Mozartwoche, dem bedeutendsten Mozart-Festival der Welt, zu dienen. Dass dies in Salzburg passiert, Mozarts Geburtsort und eine Stadt, die solch wunderbaren Einfluss auf mein Leben und meine Karriere genommen hat, macht dieses Abenteuer noch besonderer. Viva Mozart!“
Wien, 26. 6. 2017

Leitung des Tanzquartier Wien neu ausgeschrieben

April 19, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Stadt Wien sucht einen Nachfolger für Walter Heun

Meg Stuart: Until our hearts stop. Zu sehen ab 29. April. Bild: © Iris Janke

Meg Stuart: Until our hearts stop. Zu sehen ab 29. April. Bild: © Iris Janke

Die künstlerische Leitung für das Tanzquartier Wien wird neu ausgeschrieben. Nach zwei erfolgreichen Perioden unter Kurator, Produzent und Netzwerker Walter Heun soll das Haus nach dem Willen der Stadt Wien in neue Hände gegeben werden. Bewerbungen sind bis 10. Juli 2016 möglich. Die neue Intendanz beginnt mit 1. Jänner 2018, läuft Ende der Saison 2020/21 aus und kann einmal verlängert werden.

Zentrale Aufgabe ist, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung, „die künstlerische Leitung und zeitgemäße Weiterentwicklung eines im internationalen Kontext agierenden Hauses für zeitgenössischen Tanz und Performance“. „Damit die künstlerische Arbeit im Tanzquartier Wien weiter so gut läuft wie aktuell, muss man sie Veränderungen aussetzen“, so Mailath-Pokorny. Die Bewerbung von Frauen wird besonders begrüßt.

Künstlerischer Intendant Walter Heun. Bild: © Gregor Titze

Intendant Walter Heun. Bild: © Gregor Titze

Gesucht wird eine Persönlichkeit mit unter anderem fundierten Kenntnissen des zeitgenössischen österreichischen und internationalen Tanz- und Performanceschaffens sowie spartenübergreifender Kunstkompetenz. Außerdem wird Berufserfahrung in der Programmierung von Spielstätten sowie Erfahrung in der Entwicklung innovativer Konzepte zur Vermittlung von zeitgenössischem Tanz und Performance und zur Erschließung neuer Publikumsschichten erwartet.

Dazu Walter Heun: „Dass die Intendanz zur Ausschreibung gelangt, ist ein normaler Prozess nach beinahe zwei Perioden. Das Team und ich blicken bereits vorfreudig auf die kommende Saison, in der das Tanzquartier sein fünfzehnjähriges Jubiläum begehen wird.“

www.tqw.at

Wien, 19. 4. 2016

Kärntner Kulturpolitik

Februar 8, 2013 in Bühne

Zufrieden mit der Wahl in Kärnten: Fachjury-Vorsitzender Ioan Holender gewährt Florian Scholz ein Ohr.
12.09.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/3

Kärntner Theater: „Genug politische Brisanz“

Florian Scholz, neuer Chef des Stadttheaters Klagenfurt, eröffnet seine erste Saison. Kärnten ist für ihn nicht chaotischer als Wien.

Seine Bewerbung, meinte Fachjury-Vorsitzender Ioan Holender sei „eine der dünnsten gewesen“. Er habe eben nie versucht, „mehr aus sich zu machen, als er tatsächlich kann“.

Florian Scholz reagiert, erstmals mit diesem Statement konfrontiert, amüsiert-irritiert. Der neue Intendant des Stadttheater Klagenfurt hat seinen Fünfjahresplan – so lange dauert fürs Erste sein Vertrag – nämlich schon fix im Kopf:

„Ich möchte, dass Klagenfurt ans internationale Theatergeschehen andockt.“

Keine SPÖ-Stimmen

Starke Worte, die ein ebenso starker Spielplan untermauern soll.

Scholz, der sich gegen 90 Mitbewerber durchsetzte und schließlich im Theaterausschuss mit sieben von zehn Stimmen (keine Zustimmung der SPÖ) gewählt wurde, nennt Klagenfurt seine „Liebe auf den ersten Blick“. Ein „Bündnis mit der Kärntner Bevölkerung und seinen Zuschauern“ wolle er als Theatermacher eingehen.

Wie aber macht man Theater in einem Bundesland, in dem nicht nur die Sonne für immer untergegangen ist, sondern das beinah täglich durch einen Politik-Skandal auf“scheuch“t?

Scholz denkt lange über diese Frage nach. „Ich schaue gerade aufs Landesgericht, während wir telefonieren“, sagt er. Und: „Der Kärntner Alltag besteht nicht nur aus Skandalen. In Wien wird thematisiert, wie chaotisch hier alles sein soll. Dieser Fokus könnte auch ein Ablenkungsmanöver von größeren Zusammenhängen sein. Ich finde nicht, dass die Verhältnisse hier mehr in Unruhe sind als andernorts.“

Jelinek und Haderlap

Was er diesbezüglich zu sagen habe, soll sein Spielplan übernehmen. „Die Stücke entpuppen genug politische Brisanz.“ Etwa die Eröffnungspremiere „Der Freischütz“ (13. 9.) – „das Sinnbild einer Gemeinschaft, die sich in der Krise neu strukturieren muss.“ Oder „Winterreise“ von Elfriede Jelinek (23. 9.). Die darin enthaltene Beschäftigung der Literaturnobelpreisträgerin mit der Hypo Alpe Adria „sei ja wohl selbsterklärend“.

Auch Kärntens kritische Stimme, Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap, holt Scholz zurück ans Haus. Unter Vorvorgänger Dietmar Pflegerl war sie Chefdramaturgin. Nun hat sie die „Carte blanche“ für ein erstes Projekt; f ür nächste Saison hofft Scholz, sie zu einem Auftragswerk überreden zu können.

19,6 Millionen Euro Subvention stehen Scholz zur Verfügung. Zehn fixe Ensemblemitglieder hat er engagiert. Noch zugesagt von FPK-Landesrat Harald Dobernig, „mit dem die Zusammenarbeit immer einwandfrei lief“. Dessen ÖVP-Nachfolger Wolfgang Waldner kennt Scholz noch nicht.

„Aber ich bin zuversichtlich, dass man mit einem Mann, der das Wiener MuseumsQuartier leitete, gut auskommen kann.“

Dobernig ließ Waldner kürzlich ausrichten, er möge sich endlich in seinen neuen Job einarbeiten. Kultur in Kärnten bleibt spannend.

Zur Person: Ein Impresario für alle

Anfänge: Florian Scholz, geboren 1970 in Heidelberg, wurde an der Berliner „Ernst Busch“-Schule als Schauspieler ausgebildet. Er trat u. a. am Gorki Theater und an der Schaubühne auf. Zuletzt war er an der Bayerischen Staatsoper unter Nikolaus Bachler für internationale Projekte und Sonderprojekte zuständig.

Zukunft: Scholz nennt Bachler sein großes Vorbild. Wie er will er „Impresario“ sein und nicht – wie seine Vorgänger Pflegerl und Köpplinger – selbst inszenieren: „Emotionen sollen auf der Bühne stattfinden, hinter den Kulissen bin ich für Ruhe zuständig.“ Mit Bachler gibt es ab 25. 10. die Koproduktion „Das schlaue Füchslein“.