Volksoper Wien: „Il trovatore“

November 12, 2013 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Eine tragische Dreiecksgeschichte

Eva Maria Riedl (Ines), Melba Ramos (Leonora), Chor Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Eva Maria Riedl (Ines), Melba Ramos (Leonora), Chor
Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Anlässlich von Giuseppe Verdis 200. Geburtstages setzt die Volksoper als erste Opernpremiere der aktuellen Saison “ Il trovatore“  aufs Programm. Verdis 17. Oper begründete gemeinsam mit „Rigoletto“ und „La Traviata“ (ab 29. März 2014 wieder im Repertoire)  zu Beginn der 1850er Jahre den Welterfolg des Komponisten. Die Premiere der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilfsdorf ist am 16. November 2013. Verdis Klassiker wird somit bereits zum fünften Male nach 1905, 1935, 1941 und 1961 am Haus am Gürtel neuproduziert. Die Musik sei banal und brutal, die Handlung schlichtweg unverständlich – so tönte es dem „Troubadour“ noch im 19. Jahrhundert – zumeist von der Seite deutschsprachiger Kritiker – entgegen. Während Verdis Partitur von elementarer Kraft und Meisterschaft mittlerweile über jede Herabsetzung erhaben ist, steht die tragisch endende Dreiecksgeschichte seit jeher im Verdacht nur schwer nacherzählbar zu sein. Und doch kann sich niemand ihrer Sogwirkung entziehen: Verdis „Il trovatore“ kreist um das Thema der verfeindeten Brüder Graf Luna und Manrico, die in diesem Falle jedoch nichts von ihrer Verwandtschaft wissen. Der Troubadour Manrico hält sich für den Sohn der Zigeunerin Azucena, die von dem Gedanken an Rache für ihr ermordetes Kind besessen ist. Manrico und Graf Luna sind nicht nur politische Widersacher, sondern auch Rivalen um die Liebe derselben Frau, Leonora. Die Vorlage für Verdis Oper „Il trovatore“ lieferte Antonio García Gutiérrez erstes Bühnenstück „El trovador“, uraufgeführt 1836. „Der Troubadour“ ist ein „großes und gewaltiges Sujet“, dessen starke emotionale Motive – Rache, Liebe, Hass, Angst und Eifersucht – ihm die geeignete Inspiration für seine gleichnamige Oper lieferten. Oft taucht in Verdis Schaffen das Motiv der verfeindeten Brüder auf; doch nur einmal gibt es eine so dominante Mutterrolle wie jene der alten Zigeunerin Azucena, welche die Handlung des „Trovatore“ vorantreibt. Seinen Librettisten Cammarano hatte Verdi dazu ermuntert, die Erzählung „je ungewöhnlicher und bizarrer, desto besser“ auszugestalten und besonders den Charakter der alten Zigeunerin in seiner „Neuartigkeit und Fremdheit“ herauszustellen. Der Kritiker und Verdi-Zeitgenosse Eduard Hanslick verachtete die Geschichte „von ausgesuchter Grässlichkeit, in welche eine Zigeunerin samt einigen gestohlenen und verbrannten Kindern bedenklich verwickelt ist“, den nachhaltigen Triumph dieses unwiderstehlich mitreißenden Meisterwerkes konnte er jedoch nicht verhindern. Neben der tragisch endenden Liebesgeschichte ist Verdi mit „Il trovatore“ auch eine ‚Parabel über die Unterdrückung von Minderheiten‘ (Ulrich Schreiber) gelungen.

Das Team der Neuinszenierung
Nach dem „Wildschütz“ im April 2013 inszeniert zum zweiten Male Dietrich W. Hilsdorf in Bühnenbildern von Dieter Richter an der Volksoper. Der 1. Gastdirigent unseres Hauses Enrico Dovico steht am Pult der ersten „Trovatore“-Neuproduktion an der Volksoper seit 52 Jahren. Als Azucena kehrt die international gefeierte Mezzosopranistin Janina Baechle an die Volksoper zurück, wo sie zuletzt 2006 als Magdalena in „Der Evangelimann“ zu hören war. Der koreanische Bariton Tito You, zuletzt hier als Vater Germont in Verdis „Traviata“ zu erleben, singt den Graf Luna. Stuart Neill gibt in der Rolle des Manrico, die er schon mit großem Erfolg u. a. an der Deutschen Oper Berlin und in der Arena von Verona gesungen hat, sein Hausdebüt. Die Partien der Leonora und des Ferrando sind mit den Ensemblemitgliedern Melba Ramos und Yasushi Hirano besetzt.

www.volksoper.at

Wien, 12. 11. 2013

Händels „Amadigi di Gaula“

April 24, 2013 in Klassik

Ein Ritterroman als Zauberoper

6213942293_917996a9a4_bAm 25. April hat am Theater an der Wien Georg Friedrich Händels Oper „Amadigi di Gaula“ Premiere. Inhalt: Amadigi und sein Gefährte Dardano wollen aus dem Zaubergarten der Melissa entfliehen. Die Zauberin aber will den gallischen Ritter für sich gewinnen. Doch Amadigi hat sich in eine andere Frau verliebt. Als er Dardano ein Porträt seiner Angebeteten zeigt, ist dieser entsetzt. Er liebt dieselbe Frau, die schöne Prinzessin Oriana. Melissa hält Oriana in einem Turm gefangen, nur dem stärksten der Helden kann es gelingen, Melissas Prüfungen zu bestehen und Oriana zu befreien. Die Welt der Magie, die in vielen Werken Händels eine bedeutende Rolle spielt, war eigentlich die Domäne der französischen Oper. Die Darstellung des Übernatürlichen verband mythologische mit literarischen Stoffen und entstammte französischen Ritterromanen oder italienischen Versepen. „Amadigi di Gaula“ basiert auf der seltenen Umwandlung eines französischen in ein italienisches Libretto. Händels Librettist verwendete als Vorlage die Tragédie lyrique „Amadis de Grèce“ von Antoine Houdar de la Motte aus dem Jahr 1699, die von André Destouches vertont worden war. Das Epos des Amadis von Gallien beruht auf der Artussage, die Abenteuer des unbesiegbaren Galliers erschienen in vielen Fortsetzungen und Erweiterungen und zählten bis in die Renaissance zu den beliebtesten Ritterromanen Europas.

Händel-Spezialist Alan Curtis bringt die Oper mit dem Orchester Il complesso barocco zu Gehör. Es singen unter anderem: Sonia Prina, Emoke Barath, Roberta Mameli.

www. theater-wien.at

Von Michaela Mottinger

Wien,24. 4. 2013