Bronski & Grünberg: Richard III.

Oktober 5, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Mordsspaß mit dem Monster

Sympathy for the Devil: Josef Ellers macht aus Richard III. einen charmanten Verführer. Bild: © Philine Hofmann

Es gibt viele gute Gründe, warum Shakespeare-Aficionados sich die aktuelle Produktion im Bronski & Grünberg nicht entgehen lassen dürfen, und es gibt einen sehr guten Grund – namens Josef Ellers. Der 29-jährige Klagenfurter gibt einen „Richard III.“ wie ihn sich der britische Barde wohl gewünscht hätte. Verschmitzt, falsch und verräterisch, um Verständnis, ja um Mitleid heischend, da unschuldig „ums schöne Ebenmaß verkürzt“, und mehr als gewillt, den Dreckskerl aufzuführen. Das Ziel heißt Krone, dafür werden Kollateralschäden in Kauf genommen.

Ellers wischt alle möglichen Vorbilder, die Wien schon gesehen hat, scheint’s unbekümmert aus dem Blickfeld. Er macht auf charmanter Manipulator, und buckelt dabei im Wortsinn wie ein treuer Diener des Staates; statt A-part-Sprechen setzt er aufs Beiseitegrinsen, macht sich so das Publikum zum Komplizen, und tatsächlich, man hat Sympathien für diesen gerissenen Teufel. Der hat Witz, der hat Charisma, man hat einen Mordsspaß mit dem Monster. Und endlich einen Richard, bei dem verständlich ist, warum die diversen Witwen der von ihm Gemeuchelten auf ihn fliegen …

Helena Scheuba ist als Regisseurin und Übersetzerin für diese tadellose Inszenierung verantwortlich, mit der das Bronski & Grünberg seine zweite Saison eröffnete. Auf der Rückwand hat Bühnenbildner Daniel Sommergruber den „Schummelzettel“ angebracht, die Stammbäume der Geschlechter Lancaster und York. Auf einen Blick erklärt sich wer mit oder warum gegen wen, während Richard, das rote Farbkübelchen in der Krüppelhand, blutrünstig und mit Malerpinsel die Namen derer streicht, die er bereits gefällt hat. Ganz am Rande steht – Richmond, und darunter hängt sein Schwert.

Elizabeth schwört ihre Verbündeten ein: Johanna Rehm mit Sophie Aujesky und David Jakob. Bild: © Philine Hofmann

Schwarze Tränen und Verwünschungen für Richard: David Jakob als Königin Margaret. Bild: © Philine Hofmann

Wie überhaupt jeder Figur eine Requisite zugeteilt ist. Sophie Aujesky, Johanna Rehm und David Jakob nehmen sie von den jeweiligen Haken, verwandeln sich blitzschnell in den nächsten Charakter. Das tolle Dreiergespann schlüpft in alle weiteren Rollen, stattet zwei Dutzend Nebenfiguren mit oder ohne Rückgrat, mit übler Gesinnung oder nobler Haltung aus – ob Mann oder Frau ist egal. Und so ist Sophie Aujesky unter anderem ein großartig wütender Eduard, ein ehrenwerter Lord Hastings und eine angewiderte und dennoch leicht um den Finger gewickelte Anne (deren Name auf der Wand entsprechend die Seiten wechselt).

David Jakob brilliert vor allem als Richards Mann fürs Grobe, Buckingham, und als parzenhafte, schwarze Tränen weinende Königin Margaret. Außerdem ist er der im Tower ermordete Bruder George. Johanna Rehm ist eine verzweifelt rasende Elizabeth, ein angstvoller Stanley, und schließlich der ruhmreiche Richmond – inklusive beeindruckendem Schwertkampf mit Ellers‘ Richard. Rehm und Aujesky können auch ihre Slastickqualitäten ausspielen, sei’s als tollpatschige gedungene Mörder, in dieser Szene ist Scheubas Arbeit echtes Shakespeare’sches Volkstheater, oder als präpotent aufsässiges Prinzenpaar, zwei echte Früchtchen, die den Onkel wegen seiner Behinderung verspotten. Ihre Abschlachtung markiert Aujesky als mit dem Feuerzeug spielender Tyrell einfach, indem sie ihre Papierkrönchen anzündet. Zwischen solch symbolhaften, mitunter trashigen Szenen läuft Popmusik zu Liebe, Macht, Schuld.

Am Ende ihrer Politikeransprachen, dem Verbalduell Richard vs Richmond, folgt der Waffengang, Richards Name der letzte, der von den Siegern genussvoll gestrichen wird. Zweieinhalb Stunden dauert die Aufführung im Bronski & Grünberg, jede Minute davon spannend. Als nächstes will das Team um Kaja Dymnicki und Alexander Pschill mittels Crowdfunding einen „Rigoletto“ auf die Beine stellen. Von „Richard III.“ gibt es noch zehn Vorstellungen bis 10. Dezember.

www.bronski-gruenberg.at

5. 10. 2017

Der todkranke Eduard wütet über Richards Ränkespiel: Sophie Aujesky mit Johanna Rehm. Bild: © Philine Hofmann

Buckingham macht sich zu Richards Handlanger: David Jakob und Josef Ellers. Bild: © Philine Hofmann

Belvedere: Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien

Juli 11, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Kunstmäzen, Familienmensch und Wien-Befreier

Henri Gascar: Porträt der Familie von Jan III. Sobieski, 1691. Krakau, Königsschloss auf dem Wawel, © Zamek Królewski na Wawelu, Bild: Łukasz Schuster

Der polnische König Jan III. Sobieski (1629 – 1696) ist untrennbar mit der Geschichte Wiens verbunden. Als Oberbefehlshaber des vereinten Entsatzheeres befreite er 1683 die Stadt aus der mehrwöchigen Belagerung durch die Osmanen. Mit diesem Sieg sicherte er sich einen Platz in der Weltgeschichte und im kollektiven Gedächtnis der Österreicher.

Die gemeinsam mit den vier bedeutenden polnischen Residenzen entwickelte Ausstellung im Winterpalais des Prinzen Eugen bietet nun erstmals im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit, den Monarchen als Privatperson, sowie sein Wirken als Staatsmann, Feldherr und Mäzen der Künste und der Wissenschaften näher kennen zu lernen. In den Prunkräumen des Winterpalais spüren Kuratorin Maike Hohn  vom Belvedere und Kurator Konrad Pyzel  vom Museum Schloss Wilanów dem Leben und Wirken Jan III. Sobieskis nach. Anhand von knapp 100 Gemälden, Preziosen, kunstgewerblichen Objekten, Militaria und Memorabilien wird den Besuchern ein umfassendes und lebendiges Bild des polnischen Königs und seiner Zeit vermittelt. „Die Ausstellung ,Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien‘ gibt die Möglichkeit, diese bedeutende Persönlichkeit des europäischen Barock als Herrscher, Kriegsheld und Mensch kennenzulernen. Die facettenreiche Darstellung verdankt sich einer außergewöhnlich umfassenden österreichisch-polnischen Zusammenarbeit“, betont Belvedere-Chefin Stella Rollig bei der Präsentation der Schau am Donnerstag.

Sobieskis Herkunft und sein Weg zum Thron als gewählter polnischer König werden im ersten Abschnitt der Ausstellung behandelt. Es waren vor allem seine Fähigkeiten und Erfolge als Feldherr, die ihm die polnische Krone eintrugen. Bereits im Alter von 20 Jahren stand Sobieski zum ersten Mal auf dem Schlachtfeld. Der Sieg der polnisch-litauischen Armee bei Chocim/Chotyn 1673 über die osmanischen Truppen und der gleichzeitige Tod des amtierenden Königs begünstigten seine Wahl zum König durch den polnischen Adel im Jahr 1674. Kulturell war Sobieskis Umfeld vom Sarmatismus geprägt – einer allumfassenden Weltanschauung des polnischen Adels, der seine Herkunft genealogisch auf das antike Volk der Sarmaten zurückführte. Diese Geisteshaltung fand ihren augenfälligsten Ausdruck in der Bekleidung, die an orientalischen Kostümen angelehnt war. In einigen Porträts in der Ausstellung wird dies nachvollziehbar.

Husaren-Halbharnisch, Polen, zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Krakau, Königsschloss auf dem Wawel © Zamek Królewski na Wawelu, Bild: Stanisław Michta

Winterpalais des Prinzen Eugen: Ausstellungsansicht „Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien“. Bild: Sandro Zanzinger © Belvedere, Wien

Sobieskis Rolle als Mäzen der Künste ist eine weitere Sektion gewidmet. „Der Monarch beauftragte talentierte Künstler, die später an verschiedenen europäischen Herrscherhöfen Anstellung finden sollten. Unter ihnen findet sich auch Martino Altomonte, der nach seiner Tätigkeit als Schlachtenmaler und Porträtist für Sobieski nach Wien kam, um für Prinz Eugen die Freskenmalereien im Unteren Belvedere auszuführen. Überhaupt wäre die österreichische Malerei des Hochbarock ohne Altomonte nicht zu denken“, so Kuratorin Maike Hohn. Als weitere wichtige Künstlerpersönlichkeiten, die auch mit der Ausstattung der königlichen Residenz Schloss Wilanów beauftragt wurden, sind Jerzy Eleuter Szymonowicz-Siemiginowski und Jan Reisner zu nennen. Sie sind ebenfalls mit Werken in der Ausstellung vertreten. Der einst vor den Toren von Warschau gelegene Wilanów-Palast kann als Herzstück Sobieskis mäzenatischer Tätigkeit bezeichnet werden. Mit der architektonischen Umsetzung des Ausbaus von einem einfachen Landhaus zu einer barocken Königsresidenz wurde Vincenzo Agostino Locci beauftragt. Die Ausstellung zeigt die bedeutenden Ansichten der Schlossanlage von Bernardo Bellotto, die eigens zu diesem Zweck ihren fixen Platz im Canaletto-Saal des Warschauer Königsschlosses verlassen haben.

Sobieski förderte jedoch nicht nur die bildenden Künste, er zeigte sich auch an Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung interessiert und unterstützte Gelehrte wie den Danziger Astronomen Johannes Hevelius, von dessen Person und wissenschaftlicher Arbeit die Ausstellung einen Eindruck gibt. „Hevelius erhielt von Sobieski ein jährliches Gehalt. Für die Tätigkeit in seinen Brauereien erteilte ihm der polnische König eine Steuerbefreiung. Überdies stellte Sobieski für den brandbedingten Wiederaufbau und die neuerliche Ausstattung von dessen Werkstatt entsprechende Geldmittel bereit“, erklärt Kurator Konrad Pyzel. Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung widmet sich Sobieskis Rolle als Ehemann und Vater. Bis heute erhaltene Briefe an seine Frau Marie Casimire, eine französische Hofdame am polnischen Hof, bezeugen seine innige Zuneigung und Wertschätzung seiner Gattin und die politische Zusammenarbeit des königlichen Paares. Eine kleine Auswahl der Briefe ist – zum Teil erstmals in deutscher und englischer Übersetzung – digital einzusehen, Familienporträts zeigen das Herrscherpaar und ihre Kinder, die entgegen den damaligen Usancen in engem Kontakt mit den Eltern am Hof aufwuchsen.

Anonymer Maler Porträt des Kara Mustafa 18. Jahrhundert. Warschau, Museum Schloss Wilanów © Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie, Bild: Zbigniew Reszka

Anonymer Maler, Porträt von König Jan III. Sobieski, 18. Jahrhundert. Warschau, Museum Schloss Wilanów © Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie, Bild: Zbigniew Reszka

Ein eigenes Kapitel der Ausstellung befasst sich mit der Schlacht bei Wien. Bevor Sobieski die alliierten Truppen, bestehend aus kaiserlichen Kontingenten, Hilfstruppen aus dem Heiligen Römischen Reich sowie der polnischen Kronarmee, als Oberbefehlshaber zum Sieg gegen die Osmanen führte, schloss er ein Bündnis mit Kaiser Leopold I. Dieser für die österreichisch-polnische Geschichte bedeutende Vertragstext wurde anlässlich der Ausstellung vollständig übersetzt. Die Exponate zeigen zentrale Protagonisten des Entsatzes auf kaiserlicher wie auf polnischer Seite. Den Schlusspunkt der Sektion bilden Objekte rund um die Heilige Liga und den Frieden von Karlowitz im Jahr 1699. Der vorletzte Abschnitt der Ausstellung beleuchtet Sobieskis Rückkehr aus Wien mit königlichen Trophäen und kostbaren Textilien, die er teilweise als Votivgaben Kirchen und Klöstern in Polen stiftete. Schließlich geht die Ausstellung auf den Ruhm ein, der dem polnischen König unmittelbar nach dem erfolgreichen Entsatz von Wien zuteilwurde. Ein Beispiel für die Anerkennung, auch fernab der großen europäischen Herrscherhöfe, bildet das Denkmalprojekt für die Kathedrale von Le Puy-en-Velay. Auf Betreiben des Bischofs sollten in mehreren Kirchen der französischen Auvergne Monumente für Sobieski errichtet werden. Die Skulpturen in der Ausstellung sind Teile eines Denkmals, das letztlich jedoch nicht aufgestellt wurde.

„Die Ausstellung versammelt zentrale Werke zur Person, die auch als Momentum Sobescianum bezeichnet werden. Ausstellung und Ausstellungsort ergänzen sich dabei kongenial. Prinz Eugen von Savoyen, der Bauherr des Winterpalais, dürfte König Sobieski während der Entsatzschlacht um Wien 1683 kennen gelernt haben“, sagt Paweł Jaskanis, Direktor des Museum Schloss Wilanów. In Kooperation mit dem Museum Schloss Wilanów erscheint zur Ausstellung im Hirmer Verlag ein umfangreicher Katalog in deutscher und polnischer Sprache. Eine Datenbank mit gesammelten wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Artikeln zu Geschichte, Kultur und Sitten Polen-Litauens sowie herausragenden Persönlichkeiten bietet eine umfangreiche Nachlese für alle Interessierten, die sich über die Ausstellung hinaus tiefergehend mit der Person und der Zeit Jan III. Sobieskis befassen möchten.

www.wilanow-palac.pl/pasaz

www.belvedere.at

6. 7. 2017

Burgtheater: Die Krönung Richards III.

März 15, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Schon die zweite Vorstellung wurde abgesagt

Martin Wuttke Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Martin Wuttke
Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Freitag, 16.45 Uhr, wogten die Zuschauermassen durchs Foyer des Burgtheaters wie Wellen bei schwerem Seegang. Erst hieß es, die Vorstellung finde nicht statt. Also hin zur Kassa, Karten hergeben, Geld entgegennehmen. Dann hörte man, nein, die Vorstellung werde doch gespielt. Also Geld retour, Karten retour. Schließlich ließ Frank Castorf die zweite Vorstellung von „Die Krönung Richards III.“ absagen. Zwei Damen des Ensembles seien stimmlos. Oliver Masucci verlässt das Haus über den Bühneneingang,lässig, mit Sonnenbrille. Ein deutsches enttäuschtes Paar: „Bei uns schließen sie die Theater, die Burg sperrt sich von innen zu.“ Der mittlerweile auch schon entnervte Mann an der Kassa: „Wenn jetzt alle ihr Geld wollen, habe ich zu wenig Bares da.“ Nanu? Bares ging doch sonst am Haus in 100.000er-Summen über den Tisch.

Tags zuvor hatte manch Premieren-Printschreiber von Massenfluchten des Publikums berichtet. Nun wären die wahren Castorfianer da gewesen, um sich an der jüngsten Dekonstruktion des Grumpy Old Man des deutschen Diskurstheaters sechs Stunden lang zu laben. Der viel gemühte Sager vom Stückezertrümmerer ist nämlich ein blöder. Auch für „Heiterkeiten“ zum Thema Hinternwundsitzen besteht kein Anlass. Castorf macht größer, führt Gedanken der von ihm bearbeiteten Autoren fort und aus. Diesmal um Texte von Antonin Artaud – was könnte besser zu Hans Henny Jahnn passen, als dessen Theater der Grausamkeit -, Georges Batailles surrealistisch-dekadente-erotische Prosa  und, weil Bataille stark von ihm beeinflusst war und Castorf ohne ihn sowieso nicht kann: Karl Marx. Ans Ende stellte der Theatermacher Heiner Müllers „Der Auftrag“. Dessen, Martin Wuttkes als Richard III., vorletzter, viel belachter, von „Qualitätszeitungen“ als aktuell improvisiert interpretierter Satz „Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Ich entlasse uns aus unserem Auftrag“, steht 1:1 so bei Heiner Müller. Lernen Sie Kultur, Herr Redakteur. Martin Wuttke, die treue Seele, war’s dann auch, die sich freitags anbot, auf der Bühne Material aus dem und ums Stück zu lesen.

Hans Henny Jahnn war ein Unbequemer, einer der großen produktiven Außenseitern des Zwanzigsten Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg Kriegsdienstverweigerer, von den Nazis verfemt, man solle seine Stücke und Romane verbrennen, statt aufführen, meinte und tat das Dritte Reich, später einer der ersten öffentlichen Gegner der Atombombe. Und Tierversuchsgegner. Begründer der Künstlergruppe Ugrino. Orgelbauer und Pazifist, obwohl oder wohl weil er nicht an das Gute im Menschen glaubte. Er kämpfte in den frühen fünfziger Jahren gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, gegen die Zerstörung der Umwelt und auch gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, weil er die Lagerung des atomaren Mülls schon damals für unverantwortlich hielt. Den Menschen hat er einmal als „Schöpfungsfehler“ bezeichnet, der zentrale Gedanke seines Werks ist eine antichristliche Schöpfungsmythologie. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. „Der Mensch ist Körper zuerst, und dann vielleicht Geist“, sagt er einmal. „Der Trieb, die Gier, die Aggression sind unmittelbar“. Gott ist bei Jahnn nicht tot, er hat aufgegeben.

In diesem Sinne erklären sich alle Arten von Sadismus und Perversion, die „Die Krönung Richards III.“ ausmachen. Im Gegensatz zu Shakespeare stirbt der Antiheld am Ende nicht. Er muss leben. Weiterleben. Weil es Gewalt und Grausamkeit auch tun. In Ewigkeit, Amen. An der Burg spielen hoffentlich bald wieder: Martin Wuttke als Richard III., Ignaz Kirchner, Fabian Krüger, Jasna Fritzi Bauer, Oliver Masucci als Herzog Buckingham, Marcus Kiepe, Hermann Scheidleder, Dirk Nocker, Sophie Rois als Königswitwe Elisabeth, Markus Meyer, Marc Hosemann und Moussa Baba, Azamat Chabkhanov, Jovita Domingos-Dendo, Robin Furlic, Simon Jung, Anasiudu Kenechukwu, Tobias Margiol, Bernhard Mendel, Adam Nakaev, Marie-Christiane Nishimwe, Christoph Prochart und Philipp Schwab. Bühne und Kostüme: Bert Neumann.

Die nächste Vorstellung wäre am 20. März.

www.burgtheater.at/Content.Node2/home/ueber_uns/aktuelles/Vorstellungsabsage_14-03-2014.at.php

www.hans-henny-jahnn.de

Wien, 15. 3. 2014

„Faust III“ in Prinz Eugens Schloss Hof

Juni 17, 2013 in Tipps

Ein Fest für alle Sinne

Bild: BRETTERHAUS – Herbert Kern

Bild: BRETTERHAUS – Herbert Kern

Mehr als Theater – Schauspiel, Musik, Festmahl, Kunst & Natur an verschiedenen Szenenorten im und rund um das Schloss Hof: Von 20. bis 23. Juni zeigt das Bretterhaus „Faust III“. Peter F. Schmid – Autor und Initiator des Theaters  – hat der Tragödie ersten und zweiten Teil  in unterhaltsamer, bisweilen slapstickartiger Weise für die Bühne bearbeitet. Die Zuseher können Faust, Mephisto, Rita & Co zu den Stationen in die größte Schlossanlage der Monarchie begleiten. Gespielt wird vor prächtigen Fassaden, in barocken Sälen, auf imperialen Höfen, in schaurigen Kellergewölben, auf feudalen Gartenterrassen und vor prachtvollen Brunnenanlagen – das „Spiel des Lebens“  im Marchfeld. Inhalt: Heinrich wähnt sich im Himmel. Doch Mephisto hat noch einen Trumph in der Hinterhand. Faust muss auf die Erde zurück – mit dem Versprechen, nach der kleinen und der großen nun „die innere Welt“ kennenzulernen. Und dem kann Faust, der ständig Unzufriedene und Suchende, nicht widerstehen … „Faust III“ wird ständig weitergeschrieben. Die jeweils neuen Szenen werden in die Inszenierung aufgenommen: Live Rockmusik wird neben klassischen Versen geboten, auf Tanz folgt Spiel im und mit dem Publikum, existenzielle Dialoge wechseln mit slapstickartigen  Szenen in der Tradition eines Woody Allen.

www.FAUST-III.com

Von Michaela Mottinger

Wien, 17. 6. 2013