Tippi Hedren kommt als Stargast zur Viennale

August 21, 2015 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Hans Hurch verabschiedet sich 2018

Tribute to Tippi Hedren: The Birds, Alfred Hitchcock, USA 1963 Bild: Viennale

Tribute to Tippi Hedren: The Birds, Alfred Hitchcock, USA 1963
Bild: Viennale

Hans Hurch gewährt einen kleinen Einblick in seinen Arbeitsalltag: Tippi Hedren habe man erst überzeugen müssen, weil sie eigentlich nicht mehr fürs Kino arbeite. Bei Wynona Ryder bestünden gute Chancen, dass sie nach Wien kommt, aber Raoul Perrone ringe noch mit seiner Flugangst. Ja, als Viennale-Chef hat man’s nicht leicht mit seinen potentiellen Stargästen. Und so kann Hurch bei einer ersten Programmpräsentation zumindest eines sicher sagen: Ab 22. Oktober wird’s in Wien filmverrückt. Mit einem Tribute an Hitchcocks „Die Vögel“-Star samt einer Galavorstellung von „Marnie“ und einer Vorführung ihres Tierfilmprojekts „Roar“, mit Ryder, die mit dem Film „Experimenter“ von Michael Almereyda vertreten sein wird, und mit einem Tribute an  Regisseur Perrone. Der Vater des argentinischen Independent-Kinos, 2014 mit „Favula“, 2013 mit „P3ND3JOS“ in den Lichtspielhäusern, übe bereits mit Inlandsflügen, feixt Hurch …

Auch der heuer mit 106 Jahren verstorbene Manoel de Oliveira wird gewürdigt, und zwar indem sein portugiesischer Kollege Pedro Costa unter dem Titel „How Green Was My Valley“ eine persönliche Auswahl an Werken präsentiert. Einen Ausblick gibt es auf das Werk des jungen uruguayischen Filmemachers Federico Veiroj, dem Hurch eine große Karriere prognostiziert. Veiroj hat übrigens sein Kommen sicher zugesagt. Ebenso sicher sehenswert: Sein neuester Film „El Apóstata„, in dem ein Don Quijote den Kampf gegen Autoritäten aufnimmt. Die Tierretrospektive „Animals – Eine kleine Zoologie des Kinos“ im Filmmuseum versammelt Werke der Filmgeschichte von „Tarzan The Ape Man“ mit Johnny Weissmüller aus dem Jahr 1932 und John Hustons „Moby Dick“ (1956) über Francois Truffauts „L’Enfant Sauvage“ (1970) und Peter Greenaways „A Zed & Two Noughts“ aus dem Jahr 1985 bis zu Lucien Castaing-Taylors und Verena Paravels „Leviathan“ aus 2012. Stark vertreten sind das afroamerikanische und das chinesische Kino. Woody Allens neues Werk „Irrational Man“ (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?s=kinoherbst), „Mia Madre“ von Nanni Moretti und „Valley of Love“ mit Gerard Depardieu und Isabelle Huppert sind ebenfalls zu sehen. Das österreichische Filmschaffen vertreten  die Reportage „Lampedusa im Winter“ von Jakob Brossmann und „Seit die Welt Welt ist“ von Günther Schwaiger, „Aus dem Nichts“ von Angela Summereder, ein Mix aus Spiel- und Dokumentarfilm, wird auf der Viennale Weltpremiere haben.

Was seine Viennale-Zukunft angeht, macht Hurch klar: „Mit 2018 ist meine Arbeit wirklich zu Ende“. Bis dahin wälze er aber noch jede Menge Ideen. Eine davon ist, für jedes Jahr eine zweite Person als eine Art Paten zu finden, der an der Gestaltung des Festivals mitwirken soll. Er denke etwa an den Maler Peter Doig, die Sängerin Patti Smith und den Philosophen Slavoj Zizek. Hurchs Nachfolge wird 2017 ausgeschrieben.

www.viennale.at

Wien, 21. 8. 2015

Viennale 2013: 24. Oktober bis 6. November

Oktober 22, 2013 in Film

VON RUDOLF MOTTINGER

Will Ferrell ist Stargast der diesjährigen Viennale

Will Ferrell: "Blades of Glory" (2007) Bild: DreamWorks Pictures

Will Ferrell: „Blades of Glory“ (2007)
Bild: DreamWorks Pictures

Die Viennale, die heuer von 24. Oktober bis 6. November stattfindet, widmet dem großen amerikanischen Schauspieler und Komiker Will Ferrell ein umfangreiches Film-Tribute. Die gemeinsam mit Will Ferrell getroffene Auswahl aus seinen Arbeiten umfasst einige seiner absoluten Klassiker wie STEP BROTHERS (2008), TALLADEGA NIGHTS: THE BALLAD OF RICKY BOBBY (2006) oder OLD SCHOOL (2002), aber auch weniger Bekanntes wie etwa CASA DE MI PADRE (2012), YOU’RE WELCOME AMERICA. A FINAL NIGHT WITH GEORGE W. BUSH (2009), sowie unter dem Titel SAFETY LAST! eine Auswahl seiner besten Shorts und TV-Sketches. Die Viennale ist das erste Filmfestival weltweit, das dem Ausnahmekünstler Will Ferrell eine längst überfällige Hommage widmet und freut sich, dass Will Ferrell aus diesem Anlass persönlich Gast der diesjährigen Viennale sein wird. Am Mittwoch, den 6. November findet um 17 Uhr im Gartenbaukino eine Galaveranstaltung mit dem Film ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY in Anwesenheit von Will Ferrell statt, gefolgt von einem ausführlichen Bühnengespräch. „Mit Will Ferrell würdigt die Viennale einen der originärsten und intelligentesten Komiker des gegenwärtigen Kinos. Umso größer ist unsere Freude, dass wir Will Ferrell persönlich im Rahmen der diesjährigen Viennale begrüßen können,“ so Viennale-Direktor Hans Hurch.

WELTPREMIEREN BEI DER VIENNALE 2013

NEUE ARBEITEN BEDEUTENDER FILMEMACHER WIE EDGARDO COZARINSKY, GONZALO GARCÍA PELAYO, JEAN-MARIE STRAUB, KLAUS LEMKE UND RUTH BECKERMANN
In diesem Jahr wird es eine besonders reichhaltige und spannende Auswahl an Welturaufführungen und internationalen Premieren geben, darunter Werke einer Reihe von prominenten und international relevanten Regisseuren. Der Argentinier Edgardo Cozarinsky zeigt in Wien erstmalig CARTA A UN PADRE, seinen lang erwarteten Essay über die Geschichte und das Schicksal seines Vaters. Jean-Marie Straub hat dem Festival die Premiere seines neunen Films DIALOGUE D’OMBRES nach einem Text von Georges Bernanos – und zugleich eines der frühsten Projekte seines langen Arbeitslebens – überlassen. Gonzalo García Pelayo, dem die Viennale in diesem Jahr ein Tribute widmet, präsentiert persönlich die Welturaufführung seines ersten Films nach 31 Jahren, ALEGRÍAS DE CÁDIZ, in Wien. Ebenfalls bei der Viennale erstmalig zu sehen ist KEIN GROSSES DING, der neue Film von Klaus Lemke, und die aktuelle Dokumentation von Ruth Beckermann THOSE WHO GO THOSE WHO STAY. Dazu kommen weitere Arbeiten, darunter Filme von Harald Bergmann, Sandro Aguilar oder Luciano Piazza, sowie die internationalen Premieren neuer Werke von Volker Koepp, Raya Martin und Mark Peranson, von Jennifer Reeder, Robert Beavers und Ning Ying. „Die jährlich wachsende Zahl an bedeutenden RegisseurInnen, die der Viennale die Premiere ihrer Arbeiten
anvertrauen, ist für uns ein schöner Hinweis auf die große internationale Wertschätzung und Bedeutung, die dem Festival weltweit entgegengebracht wird“, so Viennale-Direktor Hans Hurch.

Retrospektive 2013

JERRY LEWIS

Bereits mit fünf Jahren stand Jerry Lewis, 1926 als Joseph Levitch und Sohn russisch-jüdischer Eltern geboren, gemeinsam mit seinem Vater, einem Entertainer, erstmals auf einer Bühne. Und als er 1945 auf Dean Martin traf, konnte er auf drei Jahre Erfahrung als eigenständiger Komiker zurückblicken. Lewis und Martin wurden zum Dreamteam der New Yorker Clubs, ab 1949 auch Hollywoods und traten in sechzehn Filmen gemeinsam auf. 1956 trennten sich ihre Wege und Lewis’ Karriere als Regisseur begann. Gleichzeitig hinter und vor der Kamera, und auf beiden Seiten gleich perfektionistisch, schuf er in der Slapstick-Tradition eines Stan Laurel sein eigenes geniales Universum der komisch-desaströsen Tollpatsche, Sissies und sympathisch schüchternen Außenseiter, die vor lauter Bemühen dazuzugehören eine fröhliche Spur der Verwüstung hinterlassen. Seit Beginn der siebziger Jahre machte der «King of Comedy» sich rar als Filmemacher wie als Schauspieler, wurde aber seit seiner Rolle in Scorseses gleichnamigem Film von 1983 endlich auch als Darsteller jenseits des Komikerfachs ernstgenommen. Seine größte Wertschätzung erfuhr Lewis, der wie der Inbegriff des Amerikanischen erscheinen mag, paradoxerweise stets jenseits der USA. Es waren die europäischen Cineasten, vornehmlich in Frankreich, die schon früh in ihm einen der großen Individualisten des Kinos erkannten.

www.viennale.at

Wien, 22. 10. 2013