Ute Bock Superstar

Januar 14, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit trockenem Humor gegen die Herzlosigkeit

Ute Bock: Hommage an die Menschenrechtsaktivistin. Bild: © Stadtkino Filmverleih

„Ich habe einen Vogel, aber es gibt viele Leute, die meinen Vogel unterstützen“, so zitiert Bundespräsident Alexander van der Bellen Ute Bock beim Lichtermeer zu ihren Ehren. Am 19. Jänner 2018 ist die große Menschen- rechtsaktivistin und Flüchtlingshelferin gestorben, am 2. Februar trafen sich tausende Menschen auf dem Wiener Heldenplatz, um von ihr Abschied zu nehmen.

Mit Van der Bellens Ausspruch „Ute Bock ist ein Symbol für die Hilfe, die wir geben können, wenn wir wollen“ eröffnet Filmemacher Houchang Allahyari seine Dokumentation „Ute Bock Superstar“, die am Freitag in den Kinos anläuft. Es ist nach „Bock for President“ und „Die verrückte Welt der Ute Bock“ seine dritte Arbeit über seine ehemalige Schwägerin, Allahyari war mit Bocks Schwester Helga verheiratet, und das Besondere diesmal ist der familiäre Aspekt. Allahyari beleuchtet mithilfe von privaten Fotos und Filmaufnahmen nicht nur Ute Bocks Wirken, sondern auch ihr Werden. Vom Elternhaus mit einem dem Nationalsozialismus durchaus zusprechenden Vater, von dem sie sich früh distanzierte, über ihre Zeit als Erzieherin, später als Heimmutter im Gesellenheim Zohmanngasse, eine Einrichtung für Jugendliche, die als „schwierige Fälle“ galten, bis in den 1990er-Jahren die ersten Flüchtlinge aus Jugoslawien und Afrika kamen und sie schließlich ihren Verein gründete (www.fraubock.at).

Auch die Drogenrazzia im Herbst 1999 lässt er nicht aus, es sei, sagt er im Interview mit mottingers-meinung.at, noch Ute Bocks ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass die im Film vorkommt, weil nichts ausgelassen werden sollte. „Ute Bock Superstar“ ist die Begegnung mit einer bewunderungswürdigen Persönlichkeit, die für sich in Anspruch nahm, nichts Außergewöhnliches, sondern nur das zu tun, was normal sei. Einem Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, einem Hungernden zu essen. Mit trockenem Humor begegnet Bock der gesellschaftlichen Herzlosigkeit, man sieht sie granteln, wenn’s nicht nach ihrem Kopf geht, bei ihren Immer-wieder-Abrutschern erst hantig sein, dann natürlich hilfsbereit – und einmal, wie ihr der Geduldsfaden reißt.

Beim Lichtermeer zu Ute Bocks Ehren auf dem Heldenplatz … Bild: © Stadtkino Filmverleih

… sprach auch Bundespräsident Alexander van der Bellen. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Und gerade dieses von Allahyari ausgestellte Auch-nur-ein-Mensch-Sein, ist es, was Ute Bock als Symbol, als moderne Heldin, als „Superstar“ greifbar macht. Alles Zuschreibungen, sagt Allahyari, über die sie sich nur lustig gemacht, die sie weit von sich gewiesen hätte. Etliche Male zeigt sein Film Ute Bock auf Bühnen, in Universitäten vor Studenten, bei der Viennale vor deren Publikum, und ja, es entsteht der Eindruck, sie hätte den Applaus schon genossen. Nicht den für sich, den für die Sache.

Allahyari lässt Familienmitglieder, Ex-Frau Helga, seine Söhne Tom-Dariusch und Kurosch, dieser bei Purple Sheep engagiert, seine Tochter Petra, zu Wort kommen. Er spricht mit Josef Hader, Karl Markovics oder Hans Peter Haselsteiner, der das Heim Zohmanngasse von der Gemeinde Wein kaufte, sanierte und so das „Ute Bock Haus“ entstehen ließ, und der Pflegerin in ihren letzten Wochen. Ehemalige Zöglinge erzählen von Ute Bock, Anekdoten und private Eindrücke.

Und in eigentlich jedem Gespräch fallen die Worte „Ehrfurcht und Respekt“ und „Ersatzmutter“ und „Mama Bock“, so wie Bock ihre Schützlinge ihre Kinder nannte. In einer Sequenz sieht man sie an ihrem Grab stehen, Allahyari zeigt auch die, die nach wie vor und gerade in der derzeitigen politischen Stimmung Schutz brauchen. Ein 18-jähriges Mädchen, Schülerin mit Bestnoten, mit dem Vorsatz Tourismus-Management zu studieren, bevor sie ihren Abschiebebescheid bekam. Kinder von Geflüchteten, die ohne Scheu und in schönstem Wienerisch in die Kamera sagen, einmal Koch werden zu wollen, oder Polizist. Kinder, die sich ganz selbstverständlich als hierher gehörig empfinden – weil sie gar kein anderes Zuhause kennen.

Ute Bocks Schützlinge an ihrem Grab. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Ute Bock war keine Jausengegnerin, wenn es darum ging, sich für Menschen in Not einzusetzen. Schlagfertig und um klare Worte nie verlegen, wies sie Gegner an ihrem Handeln in die Schranken. Dass ihre diesbezügliche Kompromisslosigkeit, ihre trotz aller Widerstände Unbeirrbarkeit, ihre Zivilcourage beispielgebend sind, auch das sieht man.

„Ute Bock Superstar“ ist ein inspirierendes Plädoyer für soziales Engagement, und ein Beleg dafür, dass es das andere Österreich immer noch gibt. Katze Mutzi kommt selbstverständlich auch vor, sie lebt nun bei Nichte Petra.

Houchang Allahyari im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=31182

Trailer: vimeo.com/303082307

stadtkinowien.at

  1. 1. 2019

Ute Bock Superstar: Houchang Allahyari im Gespräch

Januar 8, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

„Eine Zeit mit einer seltsamen Weltanschauung“

Ute Bock Superstar: Regisseur und Schwager Houchang Allahyari würdigt das Werk der großartigen Menschenhelferin. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Mit seinem Dokumentarfilm „Ute Bock Superstar“, der am 18. Jänner in den Kinos anläuft, würdigt Regisseur Houchang Allahyari die große Menschenrechtsaktivistin, die vor einem Jahr verstarb. Allahyari zeigt das Vermächtnis seiner Schwägerin. Familienangehörige und Mitarbeiter, ehemalige Zöglinge und Flüchtlinge, Kinder und Erwachsene, Politiker und Prominente erzählen von Begegnungen und Erlebnissen.

Und schaffen das schillerndes Bild einer einfachen Frau, die Unglaubliches geleistet hat. „Ute Bock Superstar“ geht von der Lücke aus, die ihr Tod hinterlässt und stellt die Frage, ob diese Gesellschaft nicht mehr denn je eine Symbolfigur für Menschlichkeit braucht. Eine Rolle, die Ute Bock immer abgelehnt hat, denn was sollte daran symbolisch sein, einem Hungernden zu essen und einem Obdachlosen Quartier zu geben – wie Houchang Allahyari im Gespräch berichtet:

MM: Was mir an Ihrem Film am besten gefallen hat, ist, dass er in politischen Zeiten wie diesen das andere Österreich zeigt, dass er Menschen zeigt, die sich engagieren, die auf die Straße gehen, die nicht bereit sind, alles nur so hinzunehmen. Das war für mich das schönste Erlebnis, als ich „Ute Bock Superstar“ gesehen habe.

Houchang Allahyari: Dieses Erlebnis wollte ich auch haben. Wir leben in einer Zeit mit einer seltsamen Weltanschauung. Alles dreht sich um die Ökonomie, um Geld und wie man dazu kommt, und die Menschlichkeit ist in den Hintergrund getreten. Das ist auch meine Begeisterung für Ute, dass sie immer nur ein Mensch bleiben und nie etwas besonderes sein wollte. Diese Frau hatte eine Einfachheit, die einen berührte. Für sie war völlig klar, dass mitten in Europa niemand hungern oder ohne Dach über dem Kopf sein sollte. Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem es solche Menschen gibt, sie helfen mir, auch, wenn das politische Klima kälter wird, was Österreich betrifft, optimistisch zu bleiben.

MM: Sie haben mit Ihrem neuen Film, nach „Bock for President“ und „Die verrückte Welt der Ute Bock“, eine Bock-Trilogie vollendet. Warum ist Ihnen dieser dritte Teil ein Anliegen, hatten Sie das Gefühl, die Geschichte ist nicht fertigerzählt?

Allahyari: „Ute Bock Superstar“ ist mir ein enormes Anliegen, weil ich möchte, dass dieser Name den Leuten weiter im Gedächtnis bleibt. Ich bin zwar nicht so sehr für symbolische Dinge, weil mir die Realität immer wichtiger ist, aber in diesem Fall glaube ich, die Menschen brauchen Ute als Symbol. Ihr Tod reißt ein riesiges Loch in unsere Gesellschaft, aber was sie getan hat, soll überdauern und anderen ein Vorbild zum Handeln sein. Deshalb wollte ich diesen dritten Film machen, obwohl sehr viele dagegen waren, weil sie meinten, es sei mit zwei Filmen genug, von denen es im ersten Teil um ihre Arbeit geht, und im zweiten ihre Erzählungen, die ich dokumentarisch ja nicht erfassen konnte, von Schauspielern und Ute selbst dargestellt wurden.

MM: Dieser Film nun …

Allahyari: … ist persönlicher, handelt auch davon, wie Ute Bock zu Ute Bock wurde. Da diesmal die engste Familie, die immer um sie war, zu Wort kommt, können wir das Phänomen noch einmal von einer anderen Seite beleuchten. Ich dachte, wenn ich das nicht mache, wer sollte es sonst tun? Ich kenne Ute seit mehr als 50 Jahren, wir haben so viel zusammengearbeitet. Sie hat auch mir sehr viel geholfen, so gesehen ist diese Frau für mich ganz hoch oben, für die ganze Familie ist sie das, und das hat mich bewogen, noch einen Film zu machen.

MM: Ute Bock war früher Ihre Schwägerin. Im Film zu Wort kommen Ihre Ex-Frau Helga, Ihre Söhne Tom-Dariusch und Kurosch, Ihre Tochter Petra zu Wort, man sieht alte Familienfotos … Da gab es offensichtlich noch sehr viel Material, das Sie aufarbeiten wollten?

Allahyari: Selbstverständlich. Das ist Material, das die Familie und ich selbst gehabt haben, vieles haben wir extra für den Film und das zeitgleich erscheinende Buch zusammengesucht.

MM: Tut sich der Verein Ute Bock (www.fraubock.at) nun schwerer, da das Aushängeschild nicht mehr unter uns ist?

Allahyari: Es ist schwer für mich, diese Frage zu beantworten, weil ich in die Vereinsangelegenheiten nicht involviert bin. Ich nehme an, dass es nicht einfach ist. Ich wünsche allen Institutionen in Österreich, nicht nur dem Ute Bock Haus und dem jüngst gegründeten Bildungszentrum, dass ihr Engagement gewürdigt und auch finanziell wertgeschätzt wird. Ich bewundere alle, die sich um andere Menschen kümmern, bei deren Arbeit der Mensch im Vordergrund steht, egal, ob Österreicher oder Ausländer.

MM: Ihr Sohn Kurosch geht ja beruflich auch in diese Richtung.

Allahyari: Ja, er ist total infiziert von der Tante. Er arbeitet zusammen mit seiner Lebensgefährtin bei Purple Sheep und im Schützenhaus.

Wegbegleiter: Houchang Allahyari im Gespräch mit Josef Hader. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Für Allahyari ein berührender Filmmoment: Ute Bocks Schützlinge sprechen an ihrem Grab. Bild: © Stadtkino Filmverleih

MM: Im Gespräch mit Kurosch lassen Sie auch von ihm betreute Kinder zu Wort kommen. Das geht einem richtig ans Herz.

Allahyari: Ja. Diese Kinder haben so viel Hoffnung, die denken nicht daran, dass sie Flüchtlinge sind, die verstehen sich als hierher gehörig, die reden teilweise schon mit Wiener Dialekt, die wollen Polizist oder Koch werden, wenn sie groß sind. Man sieht, dass sie in die Gesellschaft hier eingebettet sind, und dass sie hier vorwärtskommen wollen.

MM: Wer diese Szenen sieht, kann gar nicht auf die Idee kommen, jemanden wieder wegzuschicken – sollte man glauben.

Allahyari: Aber das 18-jährige Mädchen, mit dem ich gesprochen habe, wird ausgewiesen werden.

Ich hoffe immer noch, dass sich eine andere Lösung findet, weil sie eine 100-prozentige Österreicherin ist. Sie plante ja auf die Tourismusfachschule zu gehen und auch zu studieren.

MM: Wie haben Sie Ute Bock kennengelernt?

Allahyari: Ich habe als junger Student, eine hübsche Frau kennengelernt, das war Helga, und Ute eben ihre Schwester. Als wir dann Kinder hatten, hat Ute öfter auf sie aufgepasst, und als sie in der Zohmanngasse im Lehrlingsheim gearbeitet hat, war ich Psychiater in einer Haftanstalt gearbeitet, da hatten wir immer wieder gemeinsame Klienten. Dann habe ich auch die Jugendlichen in der Zohmanngasse betreut, und schließlich hatte ich die Ehre, Ute selbst in ihrer letzten Zeit medizinisch zu betreuen. So ist unser Band immer fester und fester geworden. Es war wirklich eine schöne Freundschaft zu dieser Frau.

MM: Ein Wort, das bei Ihren Gesprächspartnern regelmäßig fällt, ist Respekt. War sie so respekteinflößend, hatte Frau Bock auch eine weiche Seite?

Allahyari: Ja. Wenn sie mit ihrer Katze spielte. Die Härte war für sie ein Schutzmantel vor der Machtlosigkeit. Sie konnte wahnsinnig grob sein, auch zu mir, ich nenne das ihren Wienerischen Charme. Aber sie hat manchmal wirklich nicht gewusst, was sie noch anstellen soll, um helfen zu können. Sie hat nie Nein sagen können, wenn jemand etwas brauchte, das war ihre weiche Seite.

MM: Wenn man sie im Film so auf diversen Bühnen stehen sieht, hat man den Eindruck, dass Frau Bock den Applaus und die Aufmerksamkeit auch genossen hat.

Allahyari: Sie hat schon Freude daran gehabt, vor allem, wenn sich die Gelegenheit bot, jungen Leuten etwas zu vermitteln und mit ihnen zu diskutieren. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie sich als Star fühlte, das kommt von mir, Ute würde sich darüber nur lustig machen. Den Titel „Bock for President“ gab es zuerst auf T-Shirts, von dort habe ich ihn genommen. All das ist von außen gekommen. Utes Bestreben war nie, ein Star zu werden, aber natürlich war ihr bewusst, je bekannter sie wird, umso mehr Geld wird für den Verein gespendet. Das war ihr wichtig.

MM: Weil Sie von den T-Shirts sprechen: Der Name ist ja längst eine Trademark. Es gibt „Bock auf Kultur“, „Bock auf Bier“, Laptophüllen, Taschen, sogar Babybodys mit Aufdruck …

Allahyari: Sie hat selbst immer Witze gemacht darüber. Sie sagte zum Beispiel über „Bock auf Bier“: Meine Kinder beschweren sich, dass ich nicht will, dass sie Alkohol trinken, und jetzt mache ich selber Werbung für Bier. Sie hat eben alles versucht, um zu Geld zu kommen. Dolores Schmidinger hat einmal zu ihr gesagt: Frau Bock, Sie sind die Mutter Teresa von Österreich. Und Ute darauf: Na, da ist ein Unterschied. Mutter Teresa bekommt Geld von Gott, ich nicht, ich muss betteln gehen. Diese Schlagfertigkeit und ihr schwarzer Humor waren einmalig. Diesen ätzenden Witz habe ich auch erst hier kennengelernt. Der gefällt mir irgendwie.

Bundespräsident Alexander van der Bellens Rede beim Lichtermeer zu Ehren von Ute Bock. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Tausende Menschen kamen, um Abschied zu nehmen. Bild: © Stadtkino Filmverleih

MM: Haben Sie, als Sie nach Wien kamen, lange gebraucht, um sich an diese Mentalität zu gewöhnen?

Allahyari: Sowieso, aber jetzt bin ich derart drinnen, dass ich Schwierigkeiten habe, wenn ich in meiner Heimat bin, weil ich falsch verstanden werde. Im Iran ist die Kultur eben eine andere.

MM: Sie schneiden im Film kurz die Operation Spring von 1999 an, wo es in der Zohmanngasse eine Drogenrazzia samt anschließendem Skandal gab. Das hat Frau Bock sehr gebeutelt, wie man sieht.

Allahyari: Ja, diese Episode wollte sie in den Film einbringen, sie hat davon erzählt, ich hätte es weggelassen. Das war für sie wirklich eine schwierige Sache.

Denn wenn in ihrem Haus gedealt wird, ist auch sie eine Dealerin. Ute hatte gerade einen Preis bekommen, und gleichzeitig wurde sie vom Dienst suspendiert und später pensioniert. Gott sei Dank stand die Presse sehr hinter ihr.

MM: Was war während der Dreharbeiten Ihre berührendste Begegnung?

Allahyari: Berührt war ich, als Utes Kinder, ihre Flüchtlinge, an ihr Grab gekommen sind. Das war für mich so emotional, dass ich die Szene im Film erst gar nicht verwenden wollte. Berührend war für mich auch das Lichtermeer, wo tausende Menschen von Ute Abschied genommen haben, auch die Rede von Alexander van der Bellen. Das war für mich sehr wichtig, was er über die Menschenrechte gesagt hat, dass sie für manche nur ein Papier sind, das man wegwerfen kann. Wenn ein Bundespräsident so etwas sagt, dann hat das Gewicht. Dieses Lichtermeer war für mich eigentlich der Grund zu sagen, ich mache den Film.

MM: Als Sie nach Österreich kamen …

Allahyari: Als ich ins Land kam, gab es nie solche Probleme, wie heute. Wir waren Exoten, das ja, aber deswegen auch gut behandelt. Die Leute waren nett und hilfsbereit. Ich kann mich erinnern, dass ich als Student gar nichts gehabt habe, ich habe bei einem Rechtsanwalt im ersten Bezirk gewohnt und hatte nie das Gefühl, dass ich ein Ausländer bin. Diese Ausländer-Sache ist langsam gekommen und immer mehr geworden. Diese Geschichte habe ich noch niemandem erzählt: Ich habe einmal in der Zeitung gelesen, dass eine Schweizer Familie einen Studenten für einen Monat einladen würde. Ich habe hingeschrieben – und habe vier Wochen an einem wunderbaren See verbracht. Ich bin dann viele Jahre im Sommer hingefahren. Wo ist diese Freundlichkeit geblieben?

MM: Eine wie Ute Bock brauchen wir also dringend?

Allahyari: Ja, klar. Ich hoffe mehrere, nicht nur eine.

MM: Es gab ja sogar Bestrebungen den Dr.-Karl-Lueger-Platz in Ute-Bock-Platz umzubenennen.

Allahyari: Was aber nicht gemacht wurde. Dann hieß es, der Ute-Bock-Platz kommt woanders, aber passiert ist nichts. Ich werde sicher dahinter sein, eine Anfrage ans Magistrat stellen. Es wäre schön, wenn der Name Ute Bock weiter bestehen bleibt, ich kann ja nicht dauernd Filme machen.

MM: Was wünschen Sie diesem Land fürs Neue Jahr?

Allahyari: Wenn es auch kitschig klingt, Freundschaft, Menschlichkeit, ein bisschen an die anderen denken, nicht nur an sich selbst, nicht nur Geld für wichtig halten. Sicher, ohne geht’s nicht, aber so wichtig ist es auch wieder nicht. Ich hoffe, dass die Menschen in Österreich wieder eine Einheit werden, ich wünsche mir, dass es keine Spaltung der Gesellschaft mehr gibt. Ich weiß, das wird es nicht geben, aber wünschen darf man ja. Ich wünsche mir, dass man den Menschen als Mensch betrachtet, egal, welche Herkunft, Hautfarbe oder Religion er hat. Und ich wünsche mir, das sage ich jetzt als Psychiater, dass die Menschen für sich eine Normalität finden.

Die Filmkritik: www.mottingers-meinung.at/?p=31289

Trailer: vimeo.com/303082307

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8. 1. 2019

Houchang Allahyari: Normalsein ist nicht einfach

Januar 12, 2017 in Buch, Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Autobiografie und ein neuer Film

Allahyari_Normalsein_1D_HRMittwoch Abend stellte Psychiater und Filmemacher Houchang Allahyari im Wiener Stadtkino sein erstes Buch und seinen neuen Film vor. „Normalsein ist nicht einfach“ heißt ersteres, „Die Liebenden von Balutschistan“ zweiterer. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen und seinen beiden Töchtern las Allahyari aus seiner Autobiografie.

Darin erzählt er von seiner Ausbildungszeit zum Neurologen sowie Psychiater unter anderem an der Linzer Nervenheilanstalt Wagner-Jauregg, von seiner Zeit als Psychiater in einer Strafanstalt, wo er das Medium Film in der Therapie mit jugendlichen Straftätern nutzt, und von der Entstehung seiner preisgekrönten Filme und Begegnungen mit Stars wie Leon Askin, Gunther Philipp, Waltraut Haas, Karl Merkatz, Erni Mangold und Liza Minnelli.

In knappem, sensiblem Ton setzt August Staudenmayer die selbstironischen Schilderungen Allahyaris von skurrilen Vorkommnissen und erschütternden Erlebnissen mit Patienten wie etwa Paul Wittgenstein in literarische Episoden um.

Man erfährt, warum die Krankenschwestern im oberösterreichischen Kirchberg Allahyari „Dr. Huschi“ nannten und warum er sich dort einmal als Jesus ausgab, schmunzelt über einen Primarius, der alle Patientinnen „Weibi“ nannte und begleitet den gebürtigen Teheraner auf seinen ersten Schiausflug, der natürlich als Desaster enden musste. Ebenso, wie die „Projektgruppe Film“, die der Psychiater in einer Jugendstrafanstalt ins Leben rief, die sich aber nach der ersten Exkursion in Luft aufgelöst hatte. Immerhin Postkarten seiner Schützline hat Allahyari lange danach noch erhalten, eine sogar aus Indien und zwei aus den USA …

Amalthea Verlag, Houchang Allahyari: „Normalsein ist nicht einfach. Meine Erlebnisse als Psychiater und Filmemacher“, Autobiografie, aufgezeichnet von August Staudenmayer, 240 Seiten.

www.amalthea.at

Die Liebenden von Balutschistan: Allahyari beim Tanzen ... Bild: © Stadtkino Filmverleih

Die Liebenden von Balutschistan: Allahyari beim Tanzen … Bild: © Stadtkino Filmverleih

... und beim Abwarten und Tee trinken (hinten). Bild: © Stadtkino Filmverleih

… und beim Abwarten und Tee trinken (hinten). Bild: © Stadtkino Filmverleih

Die Liebenden von Balutschistan

Wie immer gemeinsam mit seinem Sohn Tom-Dariusch entstand Allahyaris neuer Kinofilm „Die Liebenden von Balutschistan“, der am 13. Jänner in den Kinos anläuft.  Die alte balutschische Liebesgeschichte von Hani und Morid zieht sich als roter Faden durch die Dokumentation. Vater und Sohn sind aus Österreich in das abgelegene Grenzgebiet zwischen Iran, Afghanistan und Pakistan gereist. Auch für Houchang Allahyari ist Balutschistan ein unbekanntes Gebiet, wie für die meisten Iraner. Die Gegend gilt als gefährlich, ist sie doch ein Zentrum des Schmuggels. Auf den Spuren der Legende treffen die beiden Filmemacher auf arme Bauern und reiche Geschäftsleute, auf mutige einheimische Dokumentarfilmer und wilde Krokodile, auf Dichter und Sänger. Von der staubigen Grenzstadt Zahedan geht eine abenteuerliche Fahrt bis nach Charbahar am persischen Golf.

Über den Filmemacher:
Houchang Allahyari, geboren 1941 in Teheran, kam als Jugendlicher nach Österreich, studierte Psychiatrie, arbeitete mehr als 20 Jahre als Psychiater in Strafanstalten und führt heute eine Praxis in Wien. Seit 1970 dreht Allahyari Filme und setzt wiederholt Filme auch in seiner Therapiearbeit ein. 2014 wurde „Der letzte Tanz“ mit Erni Mangold mit dem Großen Diagonale-Filmpreis als bester österreichischer Spielfilm ausgezeichnet.

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Wien, 12. 1. 2017

Houchang Allahyari: Rote Rüben in Teheran

August 30, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Blick auf Menschen statt Einblick in die Politik

Houchang und Tom-Dariusch Allahyari in Isfahan. Bild: © Houchang Allahyari

Houchang und Tom-Dariusch Allahyari in Isfahan. Bild: © Houchang Allahyari

Irgendwann im Film erzählt Houchang Allahyari eine Anekdote aus seiner Schulzeit. Seine Mitschüler und er hatten nasse Tücher an die Zimmerdecke geworfen, um dem Direktor einzureden, dass es in die Klasse regnet. Der Bluff hat funktioniert, man wurde nach Hause geschickt, aber bog schon an der nächsten Ecke ab, um sich im Kino „Et Dieu… créa la femme“ mit Brigitte Bardot anzusehen.

Irgendwann im Film steht Allahyari in dieser Teheraner Straße, in der sich früher ein Lichtspielhaus ans nächste reihte. Nun ist dort nichts mehr, leere Häuser, bestenfalls ein paar Elektroläden.

Dies ist die Art, in der sich der österreichisch-persische Filmemacher einen Kommentar zu seiner alten Heimat erlaubt. Indem er eben nicht kommentiert, sondern darstellt, sein Blick auf Umstände wie immer humor- und liebevoll. „Rote Rüben in Teheran“ heißt Allahyaris gemeinsam mit seinem Sohn Tom-Dariusch entstandener Dokumentarfilm über den Iran, das heißt eigentlich: dessen Menschen, der am Freitag in den heimischen Kinos anläuft. Und der für den einen den ersten Besuch nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit, für den anderen die erste Reise ins Familienherkunftsland bedeutete. Was nicht nur Fragen über „Fremdsein“, zu Identität, Mentalität und deren Unterschieden, dem Clash of Cultures in neue Zusammenhänge setzt. „Mein Vater ist hier wie ein Fisch im Wasser“, sagt der Sohn, „ein eingeborener Ausländer“.

Ihre Reise führt die beiden von Isfahan nach Teheran, als wär’s vom Licht in den Schatten, so unterschiedlich sind die beiden Städte, die an Sehenswürdigkeiten reiche antike Flussoase und die moderne Betonhochburg. Bilder verdrängen Bilder. Vor allem die medial vorgefertigten. Die Allahyaris malen Porträts, statt sich die Weltpolitik auszumalen, strategische Partnerschaften sind eine Angelegenheit von Angesicht zu Angesicht, das Wort Ideologie ist ausgeblendet. Doch man erlaubt sich einen Kunstgriff. „Rote Rüben in Teheran“ ist ein Frauenfilm. Sie kommen meist zu Wort. In der Öffentlichkeit ist die Gesellschaft eine männliche. „Man muss tapfer für die Wahrheit sein“, sagt der Mann, der Dokumenarfilmerin Azadeh Bizargiti zum Gespräch begleitet. Es ist die Privatheit, die an diesem Film berührt.

Im Gespräch mit den Frauen des Landes. Bild: © Houchang Allahyari

Im Gespräch mit den Frauen des Landes: Filmemacherin Zahra. Bild: © Houchang Allahyari

Die großartige Großmutter von Kameramann Behruz Malbuzbaf. Bild: © Houchang Allahyari

Die großartige Großmutter von Kameramann Behruz Malbuzbaf. Bild: © Houchang Allahyari

Wie in Spielszenen treten Klein-Houchang und seine Großmutter auf. Sie, die Matriarchin, hat ihn zu Kunst und Kultur gebracht. Weil sie Theater und Film so sehr liebte, zum Hingehen allerdings den Enkel brauchte. Omas Lieblingsschauspielerin Melekhe Ranshbar, der große Bühnenstar, tritt ebenso vor Allahyaris Kamera, welch eine Ehre!, wie die eben für ihr Lebenswerk geehrte Ausnahmeerscheinung des postrevolutionären iranischen Kinos, Fatemeh Motamed-Arya.

Kameramann Behruz Malbuzbaf lädt zu sich nach Hause ein, seine Frau lässt sich von ihm scheiden, mit dem Handy, erklärt sie, habe sie aufgenommen, wie schlecht er sich gegen sie benehme, nun müsse er gehen. Seine Großmutter aber, noch so eine großartige Greisin, hält an ihrem alten Glauben fest: dass Eheprobleme am besten im Bett gelöst werden. Lacht sie. Eine Frau vom Verein für Kinderrechte unterhält sich mit einem afghanischen Flüchtlingskind. Drei Millionen Afghanen hat man aufgenommen, Perspektive haben sie keine, zwar werden Schulen gebaut, doch die Kinder sind Straßenkinder, werden von den Eltern arbeiten geschickt, verkaufen Taschentücher und anderen Krimskrams. Die Sozialarbeiter kümmern sich um sie. „Erzähl‘ mir, was dich glücklich macht“, sagt die Frau zu ihrem Schützling. Doch dem Buben, er ist acht, neun Jahre alt, fällt nichts ein.

In diesen Szenen nimmt sich Allahyari, ganz Dokumentarist, ganz zurück. Sein Film ist ein stiller, besinnlicher, der unaufgeregt einen Blick hinter sonst geschlossene Türen wirft. Es gibt Erwartungen, Erstaunen. Enttäuschungen auch. Auslagen mit Dior-Sonnenbrillen, junge Menschen auf dem Weg ins Nightlife, Lärm auf Spielplätzen mit bunten Plastikrutschen und Schaukeln, die prallvolle U-Bahn, Gottesdienst in einer Synagoge, das Essen beim schiitischen Ashura-Fest. Als könne man mit abfotografierten Antiklischees gegen die Klischees in den Köpfen angehen. Leicht lässt sich finden, was dem einen wie dem anderen entspricht.

Street Food in Teheran: die berühmten roten Rüben. Bild: © Houchang Allahyari

Street Food in Teheran: die berühmten roten Rüben. Bild: © Houchang Allahyari

Seine Tante stellt Allahyari noch vor, auch sie eine dieser starken Frauen. Weil ihr Sohn auf einer Schnellstraße überfahren wurde und starb, kämpfte sie um die Errichtung einer Fußgängerbrücke. Nun ist die Todesstrecke vieler junger Männer sicher zu überqueren. „Ich erinnere mich, dass Cousin Ali einmal in Wien war“, sagt Tom-Dariusch, „aber nicht mehr an viel, damals war ich noch zu klein.“

Die roten Rüben in Teheran sind eine weitere Erinnerung. Der Vater genießt das beliebte Street Food, das aus dampfenden Kesseln in kleine Schalen geschöpft wird. Die Suche nach diesen Wurzeln ist Allahyari die Suche nach seinen eigenen. Kindheit, weiß er, ist ein Geruch, ein Geschmack, ein Gefühl von damals. Weshalb die Frage nach zu wenig Hinterfragung, zu wenig Ambivalenz und kaum je Kritik schwer zulässig ist. Je schneller ein Mensch einsieht, dass er den anderen nie verstehen wird können, umso besser wird sein Verständnis für ihn sein.

www.facebook.com/roteruebeninteheran/

Wien, 30. 8. 2016

Filmpreise der Diagonale 2014

März 24, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Auszeichnungen für Houchang Allahyari

und Ruth Beckermann

Houchang Allahyari: Der letzte Tanz - Daniel Sträßer, Erni Mangold Bild: (c) Reinhard Mayr

Houchang Allahyari: Der letzte Tanz – Daniel Sträßer, Erni Mangold
Bild: (c) Reinhard Mayr

Bei der Preisverleihung der Diagonale wurden im Orpheum Graz 18 Filmpreise vergeben, darunter die mit je € 21.000 dotierten Großen Preise für den jeweils besten österreichischen Kinospielfilm bzw. Kinodokumentarfilm. Als bester österreichischer Spielfilm wurde Der letzte Tanz von Houchang Allahyari ausgezeichnet. Nach dem Diagonale-Preis Kurzdokumentarfilm 2012 für Das persische Krokodil ist dies die zweite Auszeichnung für den Regisseur bei der Diagonale. Der Film erzählt von einem jungen Zivildiener, der für einen vermeintlich unakzeptablen Akt der Liebe und der Menschlichkeit von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Für ihre außergewöhnliche Darstellung einer Alzheimerpatientin in Der letzte Tanz erhielt Erni Mangold überdies den Diagonale-Schauspielpreis. Those who go Those who stay von Ruth Beckermann – ein Film über das Unterwegssein in der Welt und im eigenen Lebenslauf – gewann den Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm. Der Preis Innovatives Kino ging an High Tide von Lukas Marxt. Gloria Dürnberger wurde für den Dokumentarfilm Das Kind in der Schachtel mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Neben Erni Mangold wurde Gerhard Liebmann für seine Rollen in Blutgletscher, Das finstere Tal und Bad Fucking mit dem diesjährigen Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet. Insgesamt wurden im Rahmen der Diagonale 2014 Preise im Wert von knapp € 165.000 vergeben.

Großer Diagonale-Preis Spielfilm des Landes Steiermark (€ 21.000)
Houchang Allahyari für Der letzte Tanz

Großer Diagonale-Preis Dokumentarfilm des Landes Steiermark (€ 21.000)
Ruth Beckermann für Those who go Those who stay

Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz (€ 10.500)
Lukas Marxt für High Tide
Lobende Erwähnung: Josephine Ahnelt für Wasser aus Korn

Diagonale-Preis Kurzspielfilm von ServusTV (€ 4.000)
Stefan Bohun für Musik
Lobende Erwähnung: Alexandra Makarová für SOLA

Diagonale-Preis Kurzdokumentarfilm der Jury der Diözese Graz-Seckau (€ 4.000)
Antoinette Zwirchmayr für Der Zuhälter und seine Trophäen

Diagonale-Preis der Jugendjury des Landes Steiermark (€ 4.000)
Britta Schoening, Michaela Taschek und Sandra Wollner für Uns geht es gut

Diagonale-Preis Bildgestaltung des Verbandes Österr. Kameraleute AAC (je € 4.000)
Thomas W. Kiennast für Das finstere Tal (Spielfilm)
Joerg Burger und Attila Boa für Das große Museum (Dokumentarfilm)

Diagonale-Preis Schnitt des Verbandes Film- und Videoschnitt aea (je € 3.000)
Karina Ressler für Oktober November (Spielfilm)
Dieter Pichler für Das große Museum (Dokumentarfilm)

Diagonale-Preis Sounddesign des Verbandes Österreichischer Sounddesigner/innen
VOESD (je € 2.000)

Christoph Amann für Shirley – Visions of Reality (Sounddesign Spielfilm)
José Miguel Enriquez und Alejandro de Icaza für Calle López (Sounddesign Dokumentarfilm)

Diagonale-Preis Szenenbild und Kostümbild
des Verbandes Österreichischer Filmausstatter/innen (je € 3.000)
Christina Schaffer für Fieber (Szenenbild Spielfilm)
Theresa Ebner-Lazek für Die Werkstürmer (Kostümbild Spielfilm)

Diagonale-Publikumspreis der Kleinen Zeitung (€ 3.000)
Gloria Dürnberger für Das Kind in der Schachtel

Diagonale-Schauspielpreis in Kooperation mit der VDFS (je € 3.000)
Erni Mangold für Der letzte Tanz
Gerhard Liebmann für Blutgletscher, Das finstere Tal und Bad Fucking

Preis Innovative Produktionsleistung der VAM Verwertungsgesellschaft für
audiovisuelle
Medien (je € 5.000)
Prisma Film- und Fernsehproduktion für Alphabet und Dor Film für Der Letzte der Ungerechten

Etwa 25.500 Besucher/innen (also ein leichter Besucher/innenanstieg: 2013: ca. 25.000) waren auf den Veranstaltungen der Diagonale. Auch abseits der Kinosäle – bei Werkstattgesprächen und Podiumsdiskussionen, beim Branchentreffen, bei den Ausstellungen oder der Nightline herrschte großer Andrang. Einen Höhepunkt markierte die dem Filmkünstler Manfred Neuwirth gewidmete Personale. Zum Publikumsliebling avancierte der diesjährige Tribute-Gast Agnès Godard – eine Ausnahmeerscheinung des zeitgenössischen Kinos. Viel Publikumszuspruch fanden auch die Spezialprogramme zu Peter Lorre und Austrian Pulp. Positives Echo von den rund 150 teilnehmenden Fachbesucher/innen gab es außerdem auf das diesjährige Branchentreffen „Digital Revolution Meets Reality“. Und am letzten Festivaltag konnte sich Spezialgast James Benning über eine ausverkaufte Matineevorstellung seines Meisterwerks Landscape Suicide freuen.

Wie immer positionierte sich das Festival als unverzichtbarer Ort der Begegnung und des Austausches von Filmbranche und Publikum. Zehn Jahre nach der Widerstands-Diagonale regte sich erneut Protest in der Filmbranche. In einer an die Regierungsparteien und die Geschäftsführung des ORF adressierten Videobotschaft warnten zahlreiche Vertreter/innen vor den unmittelbaren Auswirkungen der drohenden Mittelkürzung des ORF nach dem Wegfall der Gebührenrefundierung. www.filmfernsehfreunde.at

Die Diagonale 2015 findet von 17. bis 22. März statt.

www.diagonale.at

www.mottingers-meinung.at/diagonale-georg-friedrich-erhaelt-den-schauspielpreis

Wien, 24. 3. 2014