Clemens Ettenauer, Hg.: Virale Cartoons

November 14, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Buch zur Pandemie

© Holga Rosen

Veni, Vidi, Virus! Ich kam, sah und infizierte. Wer die Welt mit den Augen eines Virus betrachtet, liest die jüngste Vergangenheit als Erfolgsgeschichte. Think positive! So positiv wie ein #Corona-Testergebnis. Das Arbeitslosengeld reicht nicht für einen neuen Backofen? Don’t worry, einen Ansteckungsherd kann sich jeder leisten. Die soeben aus dem Après-Ski-Urlaub zurückgekehrten Mitmenschen

tragen die Atemschutzmasken über dem Kinn, weil Mund-Nase offenbar nach unten verrutscht sind? Ein anatomisches Wunder. Durch Quarantäne endlich Zeit für ausgedehnte Liebesspiele, aber das gewisse Etwas macht einem einen Strich durch die Rechnung? Cock down im Lockdown? Dann empfiehlt sich ein gutes Buch …

… „Virale Cartoons“, herausgegeben von Clemens Ettenauer, mit Bildern und Zeichnungen von Daniel Jokesch, Greser & Lenz, Katharina Greve, Martin Zak, Miriam Wurster, Uwe Krumbiegel und vielen mehr. Denn Lachen sorgt für Leichtigkeit, wenn die Last des Lebens wieder einmal erdrückend wird. Durch die Lektüre dieser exquisiten Cartoonsammlung gelangt man zurück in einen schwebenden Daseinsmodus sorgloser Heiterkeit. Schwebend und unbeschwert wie kleine Aerosole auf einer illegalen Parkplatzparty.

© Katzi/oeleiwand

© Lo Graf von Blickensdorf

© Daniel Jokesch

© Holzbaum Verlag (Cover-Detail)

Über den Herausgeber: Clemens Ettenauer wurde 1986 am Land geboren und lebt jetzt in der Stadt. Genauer: in Wien. Nach der Matura am Abendgymnasium die Lehre zum Verlagskaufmann gemacht. Noch während der Lehrzeit mit 600 € Startkapital den Holzbaum Verlag gegründet. Seit 2012 geschäftsführender Gesellschafter der Komischen Künste in Wien. Seit 2013 Veranstalter der von ihm ins Leben gerufenen Indie-Buchmesse BuchQuartier. Verantwortlich für viele Werke, die als vergriffen gelten.

Holzbaum Verlag, Clemens Ettenauer (Hg.): „Virale Cartoons“, 80 Seiten, mit Bildern und Zeichnungen von Daniel Jokesch, Greser & Lenz, Katharina Greve, Martin Zak, Miriam Wurster, Uwe Krumbiegel und vielen mehr.

www.holzbaumverlag.at           www.komischekuenste.com

14. 11. 2020

Hosea Ratschiller: Der allerletzte Tag der Menschheit. Mit Cartoons von Stefanie Sargnagel

November 29, 2017 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Karl Kraus in die Gegenwart herüber gespürt

„Natürlich ist auch bei uns nicht alles optimal gelaufen“, antwortete Karl Habsburg angesprochen auf den Ersten Weltkrieg. Diese Worte des Kaiserenkels inspirierten den Humoristen Hosea Ratschiller zu einer lustvollen Schmierenkomödie über den allerletzten Tag der Menschheit. Aus Notwehr hat er Karl Kraus´ Opus Magnum „Die letzten Tage der Menschheit“ in die Gegenwart herüber gespürt und eine feierliche Gala zu Ehren der hervorragenden Gegenwart vorbereitet: „Der allerletzte Tag der Menschheit“.

Das Kabarettprogramm wurde 2016 mit dem Österreichischen Kabarettpreis und 2017 mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet. Nun liegt der Text als Buch vor, aufgepeppt mit witzigen Cartoons von Satire-Kollegin Stefanie Sargnagel. Ein Protokoll über den allerletzten Tag der Menschheit: Österreich an einem heißen Sommertag. Das nahende Ende liegt in der Luft und das von Karl Kraus beschriebene „österreichische Antlitz“ zeigt sich in seiner Vielfalt und in seiner Hässlichkeit.

Weil, eine Boulevardzeitung hat einen neuen Weltkrieg ausgerufen. In den darauffolgenden Verwirrungen begegnen einem der Kommunismus im Altersheim, ein Bundeskanzler, der für sein Abendessen autorast, und dem Glücksspiel verpflichtete Selbsthilfegruppen nahe der Sezession: „Nur ein Beispiel: Das Gebäude, wo wir unser Kulturforum rein getan haben, wunderschön, direkt gegenüber von der Secession, kennt man. ,Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit‘. HA! Nein, wirklich wunderschön, Art Deco, alles da. Ich war so glücklich, wo wir es gekriegt haben. Aber dann klopft der Chef von meiner Compliance und sagt: In dem Gebäude war in der sogenannten Nazizeit ein Reisebüro, ganz normales Geschäftsmodell, Fahrkartenverkauf, Detail, für Fahrten in Konzentrationslager. Ja. Schauen Sie mich nicht so an. Die deutsche Reichsbahn hat auch nix zum Verschenken gehabt …“

Ein Waffenhändler philosophiert bei den Salzburger Festspielen: „Was mit einem Land geschieht, dass sich zur falschen Zeit weigert, Eurofighter zu kaufen, das könnt ihr gerade in Griechenland beobachten. Da is nix mehr mit ,queerfeministisches  Tanztheater auf Kosten des Steuerzahlers‘. Da ist jetzt nur mehr Überlebenskampf. Und ich darf schon erinnern: Österreich war ganz oben mit dabei, in der Liste der Pleitekandidaten. Mafia, aufgeblähte Verwaltung, Korruption, besser könnte man Österreich doch kaum beschreiben. Aber der Grieche, der war eben zusätzlich noch bockig beim Eurofighter, und jetzt muss er die Kröte schlucken. Das sagt man doch so? Ach, ich liebe Österreich“.

Bild: Stefanie Sargnagel

Und Deutschlehrer lernen mittels Döner die türkische Kultur kennen: „Kunde: Ich habe keinerlei Vorurteile. Nie gehabt. Aus diesem Grunde möchte ich nun bei Ihnen einen Döner bestellen, junge Frau. Um genau zu sein einen Döner in Pide. Denn erst der Zusatz ,in Pide‘ stellt klar, dass ich mich für ein Grillfleisch-Sandwich interessiere, wie Sie wissen. Verstehen Sie unsere Sprache? Verkäuferin: Mit Alles? Kunde: Zwiebel, Tomate, Soße. Und über den Grammatikfehler sehe ich galant hinweg. Verkäuferin: Mit Scharf? Kunde: Auch das lasse ich gelten. Der Anatole weiß, aber auch seine Frau weiß es: An heißen Tagen soll man scharf essen. Sie bemerken: Ich bin durchaus bereit, von Ihrer Kultur zu lernen“. „Serbien muss sterbien“ kommt vor, und die Schalek. Sehr böse ist das, dieses Kaleidoskop der Gesellschaft.

Hosea Ratschiller beschreibt in seiner Collage voll Ironie und schwarzem Humor, wie diese letzten 24 Stunden in Österreich verlaufen könnten. Dafür erweckt er 43 höchst unterschiedliche Charaktere zum Leben.

Eine lustvoll-satirische Revue zum Zustand des Wesens „Österreich“, die mit intelligentem Witz, scheinbar spielerisch, die Abgründe in Gesellschaft und Gegenwart aufspürt.

Über den Autor: Hosea Ratschiller, geboren 1981 in Klagenfurt, ist ein österreichischer Schauspieler (derzeit mit „Harri Pinter Drecksau“ in den heimischen Kinos), Kabarettist, Kolumnist und Radiomacher. Ratschiller hat in Wien ein Studium der Geschichte, Philosophie und Theaterwissenschaft abgebrochen. Anschließend leistete er Zivildienst im Sanatorium der Israelitischen Kultusgemeinde. Seit 2000 arbeitet Ratschiller beim Radiosender FM4 und seit 2009 auch für Radio Ö1.

Holzbaum Verlag, Hosea Ratschiller (Text), Stefanie Sargnagel (Cartoons): Der allerletzte Tag der Menschheit (Jetzt ist wirklich Schluss), Theaterstück, 64 Seiten

www.holzbaumverlag.at

www.hosearatschiller.at

  1. 11. 2017

Brot & Spiele: Cartoons und Karikaturen

Mai 27, 2016 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Leben immer schön sportlich nehmen!

Teddy Tietz: Winterolympiade Dakar

Teddy Tietz: Winterolympiade Dakar

Jean La Fleur: Fussball

Jean La Fleur: Fussball

Oliber Ottitsch: Fussball-Fernsehen

Oliver Ottitsch: Fussball-Fernsehen

Erdäpfelchips und Bier und Sport im Fernsehen – mehr braucht Mann nicht zur Seligkeit. 32 Zeichner haben die angewärmten Couchplätze verlassen und ihren gedopten Humor in die Arena geschickt. Dabei entzündet sich ein olympisches Gag-Feuerwerk über alles, was die Welt schon immer über „Brot und Spiele“ wissen wollte: Was tun bei Fußballfieber im Endstadion? Welche Sportarten gab es bei Olympischen Spielen im Mittelalter? Und wie sieht eine Ernährungspyramide für Fernseh-Sportler aus? Dazu gibt’s natürlich allerhand politisch Unkorrektes. Mit Cartoons von Dorthe Landschulz, Elisabeth Semrad, Martin Zak, Michael Holtschulte, Nicolas Mahler, Oliver Ottitsch, Schilling & Blum und vielen anderen.

Holzbaum Verlag: Clemens Ettenauer, Matthias Hütter (Hg.): „Brot & Spiele“, Cartoons & Karikaturen, 96 Seiten.

www.holzbaumverlag.at

Wien, 27. 5. 2016

Jean La Fleur: Wie kommt der Parmesan in die Tastatur?

März 17, 2016 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Abgründe des Bildungsbürgers

Parmesan-U1-WebAm 25. März erscheint der neue Cartoon-Band „Wie kommt der Parmesan in die Tastatur?“ von Jean La Fleur. La Fleur bietet seinem Avantgarde-Publikum in diesem Werk einen Einblick in die Abgründe der modernen Gesellschaft. Also 50 Cartoons, die geil sind, weil sie von Robotern mit Koteletten, twitternden Rebellen und radikalen Bildungsbürgern handeln. Vorsicht, dieses Buch ist nur für sehr coole Leute.

Über den Autor: Jean la Fleur ist die größte Bitch im Cartoon-Business, macht alles für Geld, zum Beispiel in Titanic, Eulenspiegel und TAZ veröffentlichen. Der Begründer der Neuen Frankfurter Hauptschule (Mitglieder: eins) veröffentlicht seine Witzbilder außerdem in dem Hetz-Blog itsjeanbitch.tumblr.com

Holzbaum Verlag, Jean La Fleur: „Wie kommt der Parmesan in die Tastatur“, Cartoons, 48 Seiten.

www.holzbaumverlag.at

Wien, 17. 3. 2016