Volksoper: Carousel

März 24, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum Schluss was zum Mitsummen

Das Ensemble der Volksoper liefert gesanglich und darstellerisch eine Glanzvorstellung. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Es ist kein Leichtes, Rodgers‘ und Hammersteins „Carousel“ auf die Bühne zu bringen. Weder für Darsteller noch für Publikum. Gesang geht nahtlos in Textpassagen über, deren gibt es vor allem im zweiten Akt so ausufernde, dass man meint, hier würde aufs Singen ganz vergessen. An der Volksoper, wo man sich unter der Direktion Robert Meyer hohe Kompetenz in Sachen klassisches Musical angeeignet hat, ist die Übung nun aber gelungen. Zumindest über weiteste Teile.

Der einzig mögliche Einwand allerdings wiegt mittelschwer, nämlich, dass die Sprechstrecken so gestelzt und aufgesetzt daherkommen, wie es heute am Musiktheater wahrlich nicht mehr sein muss. So überzeugt das „Carousel“ in erster Linie musikalisch. Joseph R. Olefirowics als Mann am Pult weiß sowohl die lyrischen wie auch die temperamentvollen Stellen gekonnt zu dirigieren. Der Chor tut wie stets das Seinige, dass der Abend ein Vergnügen ist. Inszeniert hat Henry Mason – er ist auch für die deutschsprachige Fassung verantwortlich, die ein, zwei Mal (zum Beispiel bei „Wär‘ es Liebe) über die Noten holpert – ohne viel Schnickschnack, eine Zeitreise ins vorvorige Jahrhundert, deren Bühnenbild von Jan Meier Geschmackvolles zeigt: einen Jahrmarkt, eine Landschaft am Meer, den Sternenhimmel. So erzählt sich die von Ferenc Molnárs Drama „Liliom“ übernommene Geschichte so ziemlich kitschbefreit.

Als Billy Bigelow, heißt: Liliom, kann Daniel Schmutzhard mit seinem schönen Bariton ideal bestehen. Der Opernsänger meistert seine erste große Musicalrolle auch darstellerisch, gibt den Kraftlackel und Aufschneider, der die Jahrmarktsmenge im Griff hat, bevor er beim Monolog/„Soliloquy“ Billys sanfte, verletzliche Seite offenbart. Nichts desto trotz bleibt sein Karussellausrufer ein Unangepasster, eine verlorene Seele in Spießertown. Das bevölkern: Mara Mastalir als brave Textilarbeiterin Julie Jordan, die darstellerisch tatsächlich so etwas wie einen Hauch Naturalismus aufkommen lassen möchte. Ein Bravo hierfür! Johanna Arrouas, die alles aus ihrer Carrie Pipperidge herausholt und auf der ganzen Linie überzeugt, sowie Jeffrey Treganza als ihr biederer Enoch Snow.

Christian Graf als Jigger Craigin und Johanna Arrouas als Carrie Pipperidge. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Daniel Schmutzhard als Billy Bigelow und Mara Mastalir als Julie Jordan. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Christian Graf ist ein fabelhafter, cooler Bösewicht, der seinen Jigger Craigin zur Charakterstudie macht, Regula Rosin eine gute Mrs. Mullin, Nicolaus Hagg ein souveräner Bascombe, Atala Schöck eine schön solide Nettie und Robert Meyer ein köstlich-kauziger Sternwart – mit langem weißen Herrgottsbart und Arbeitsoverall eine Art Himmelshausmeister. Ganz großartig ist Astrid Renner als Julies Tochter Louise Bigelow. Sie meistert die Balletteinlage nach dem Original von Agnes de Mille, das Francesc Abós wie alle De-Mille-Tänze neu einstudiert hat, fabelhaft. Fein auch, die wie Solistinnen und Solisten tänzerisch in jeder dafür notwendigen Szene mithalten. Zum Schluss ertönt noch einmal „You’ll never walk alone“ – längst bekannt als die Fußball-Hymne des FC Liverpool – als Chorversion. Perfekt, um mitzusummen nach einer fast perfekten Aufführung.

www.volksoper.at

  1. 3. 2018

Stadttheater Klagenfurt: „Familiengeschäfte“

April 19, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Henry Mason inszeniert Alan Ayckbourn

Familiengeschäfte. Bild: Arnold Pöschl

Das Ensemble der „Familiengeschäfte“. Bild: Arnold Pöschl

Am Stadttheater Klagenfurt hat am 28. April Alan Ayckbourns Komödie „Familiengeschäfte“ Premiere. Regie führt Henry Mason, der bei den Salzburger Festspielen zuletzt die „Komödie der Irrungen“ zeigte und am Stadttheater bereits „Die Dreigroschenoper“ inszenierte. Raphaela Möst, die umjubelte „Nora“ der Klagenfurter Inszenierung, kehrt in der Rolle der Tina Ruston zurück.

Mit ihr steht mit Claudia Kainberger, Heike Kretschmer, Doris Prilop, Isabel Schosnig, Stephanie Katharina Schreiter, Nikolaus Barton, Martin Bermoser, Christian Graf, Tim Grobe, Horst Heiss, Alexander Jagsch und Wolfgang Kraßnitzer ein hochkarätiges Ensemble auf der Bühne.

Jack ist einer, dem Moral und Werte noch etwas bedeuten. Als er die Möbelfirma seines Schwiegervaters übernimmt, ist er davon überzeugt, dass mit harter Arbeit, Leistung, Fairness und Vertrauen das Familienunternehmen wieder florieren wird. Doch schon bald folgt die Desillusionierung: Sämtliche Familienmitglieder sind in dubiose, aber profitable Nebengeschäfte verwickelt. Um den guten Namen des Unternehmens zu schützen, muss Jack nun die kriminellen Machenschaften der Familie nicht nur decken, sondern sie auch noch unterstützen.

Ayckbourn, dem Meister der britischen Satire dient die Familie als Modell einer Gesellschaft, die den Widerspruch zwischen Leistungsideologie und schamloser Selbstbereicherung nur noch zynisch und achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Pointiert und mit galligem Humor führt er vor, wie die Familie den Charakter verderben kann und beweist einmal mehr, dass der familiäre Zusammenhalt mitunter nur so lange besteht, wie dabei Geld zu machen ist.

www.stadttheater-klagenfurt.at

Wien, 19. 4. 2016

Volksoper: Der Zauberer von Oz

Dezember 7, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Einfach entzückend

Peter Lesiak (Hunk/Die Vogelscheuche), Puppenhündchen Toto, Johanna Arrouas (Dorothy Gale), Martin Bermoser (Zeke/Der Löwe), Oliver Liebl (Hickory/Der Blechmann) Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Peter Lesiak (Hunk/Die Vogelscheuche), Puppenhündchen Toto, Johanna Arrouas (Dorothy Gale), Martin Bermoser (Zeke/Der Löwe), Oliver Liebl (Hickory/Der Blechmann)
Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Henry Mason inszenierte an der Volksoper Harold Arlens Musical „Der Zauberer von Oz“ nach dem Roman von L. Frank Baum, und das ist ihm so hinreißend gelungen, dass man gar nicht weiß, wo anfangen zu erzählen. Der Abend ist der Stoff aus dem die Publikumslieblinge gemacht werden. Und da ist der persönliche Hündchen Toto, bewegt von Puppenspieler und Volksopern-Debütant Daniel Jeroma, der die ganze Zeit über mit auf der Bühne ist. Es ist schon was anderes, hätte man Dorothy ein lebloses Plüschtier unter den Arm geklemmt, als hier ein Wesen, das wedeln, winseln und Mitspieler abbusseln kann. Für die Idee das erste Bravo.

Johanna Arrouas brilliert in der Rolle der Dorothy, ein Temperamentbündel, das Herz und Mund am rechten Fleck hat – und letzteren auch „aufzureißen“ versteht. Gesanglich, darstellerisch und konditionell ist Arrouas top. Nach Rundendrehen rund um die Rundbühne zu stoppen und drauflos zu schmettern, da gehört was dazu. Den großen Hit des Musicals „Over the Rainbow“ gibt sie auf Englisch. Was ihr fehlt ist die leise Melancholie, die die ein Leben lang unglückliche Judy Garland in Victor Flemings Film aus dem Jahr 1939 einbrachte. Aber, hallo, 2014 sind Mädchen eben emanzipierter und schicken sich nicht in eine Situation, nur weil es sich schickt.

„Der Zauberer von Oz“ ist ein Märchen für Kinder und im Herzen Kind Gebliebene. Ein Märchen mit Message, denn was braucht Mensch mehr als ein Herz, ein Hirn, Mut und ein Heim. Sehr schön die wortwitzige deutsche Fassung von Klaus Eidam. Masons Arbeit ist komplett große Broadwayshow. An Bühnendarstellern inklusive Kinderchor herrscht kein Mangel, einer mehr draußen und die Bretter, die die Welt bedeuten, würden unter der Last der Menschenmassen zusammenbrechen. Im Zehnminutentakt, so scheint’s, werden Kostüme und Bühnenbild gewechselt. Jan Meier (Bühne und Kostüme) hat sich dafür erst ein nostalgisches Ansichtskarten-Kansas („Greetings from Kansas“ steht in der oberen Ecke der Farm von Onkel Henry – ein zwischen Verzweiflung und Zorn changierender Wolfgang Gratschmaier und der gutmütigen Tante Em – Regula Rosin) einfallen lassen, dann eine kunterbunte Oz-Welt. Eine Materialschlacht. Lorenz C. Aicher dirigiert mit so viel Schwung, dass es ihn manchmal aus der Kurve trägt. Musikalischer Höhepunkt natürlich der „Jitterbug“, mit dem die böse Hexe des Westens die Eindringlinge in ihr Reich unschädlich machen will. Sie, das heißt: er, ist die nächste Sensation: Christian Graf auf einem Easy Rider-Chopper mit Spitzhut, ganz grün im Gesicht, mit grün-schwarz geringelten Strümpfen. Sehr sexy und sehr stimmgewaltig. Er ist großartig böse in beiden Rollen, auch als Almira Gulch in Kansas.

Dorothys Begleittrio ist ebenfalls zum Niederknien: Allen voran Peter Lesiak als Vogelscheuche, die lieber Hirn statt Stroh im Kopf hätte, obwohl nicht wenige so gut leben, ein gleichgewichtsgestörtes Tanztalent, ein Erzkomödiant, der seinen Bariton bis in die Ränge schmettert. Oliver Liebl gibt den Blechmann als Schmerzensmann, staksig, nah am Wasser gebaut, was zur Immer-wieder-Einrostung führt, ach, hätte er doch ein Herz im Leib. Er kann sich gar nicht dran erfreuen, dass er beim Singen sein eigenes Blechinstrument ist. All diese Figuren sind optisch ziemlich nah am Film gestaltet; nur „Löwe“ Martin Bermoser erinnert mehr an einen Ritter von der traurigen Gestalt. Mit „Fell“-Cape beim Posen mit Neurosen. Sein Brüllen hat offenbar Bronchitis.

Bleibt Hausherr Robert Meyer als Zauberer von Oz, der wieder einmal zeigt, was in ihm steckt, der aus einer kleinen Rolle – wir wissen natürlich, dass es keine kleinen Rollen gibt – ein Kabinettstück macht, in dem er sich einen Lacher nach dem nächsten abholt. So wird’s gemacht. Chapeau, Herr Direktor! Und noch ein Bravo an alle Mitwirkenden!

www.volksoper.at

www.mottingers-meinung.at/johanna-arrouas-im-gespraech

Wien, 7.12. 2014

Robert Meyer präsentiert große Namen

April 10, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Volksoper-Premieren 2014/15

Hello, Dolly!  Robert Meyer (Horace Vandergelder), Sigrid Hauser (Mrs. Dolly Gallagher Levi)  Bild: Dimo Dimov / Volksoper Wien

Hello, Dolly! Robert Meyer (Horace Vandergelder), Sigrid Hauser (Mrs. Dolly Gallagher Levi) Bild: Dimo Dimov / Volksoper Wien

Robert Meyer hat gut Grinsen. Der Volksopernchef erscheint zur Pressekonferenz auf der Probebühne bestens gelaunt. Die Auslastung der laufenden Saison liegt mit Stand Ende März bei beinah 84 %, in manchen Fällen sogar bei 95 %. Der neu eingeführte Musicalpass ist so erfolgreich, das es ihn erneut geben wird. Auch „Hello Dolly!“ wird wieder dabei sein – und neu „Der Zauberer von Oz“. Finanziell schreibt man im Haus am Gürtel „eine schwarze Null“, was angesichts allgemeiner Subventionskürzungen beachtlich ist. Acht Premieren kündigt Meyer für die kommende Saison an – eine Operette wird um ein Jahr verschoben. Wegen ernsthafter Erkrankung des Regisseurs. Da will Meyer fair sein, da will er lieber warten.

Los geht’s am 11. Oktober mit schwerer Kost (doch man ist mutig, hat man doch mit „Albert Herring“ einen nicht zu ahnenden Erfolg eingefahren): „Onkel Präsident“. Auf der Basis von Ferenc Molnárs Bühnenstück „Eins, zwei drei“, das 1961 von Billy Wilder verfilmt wurde, zeichnet Friedrich Cerha die Wandlung des Fahrradboten Josef Powolny (David Sitka) zum Spitzenmanager mit Adelsprädikat. Mit dem im Juni 2013 in München uraufgeführten Werk ist dem 87-Jährigen  ein vitales Lebenszeichen nicht nur seiner Kunst, sondern der verblasst geglaubten „komischen Oper“ überhaupt gelungen. Die österreichische Erstaufführung besorgt Josef E. Köpplinger, musikalische Leitung: Alfred Eschwé. Zwei Leigaben holt man sich: Renatus Mészár, der bereits bei der Uraufführung die Titelrolle sang, und Walter Fink von der Staatsoper in der Rolle des Komponisten. Die erste von drei Ballett-Premieren gibt es am 16. November:  Mit dem Doppelabend „Mozart à 2“ und „Don Juan“ stellt sich Thierry Malandain, einer der bedeutendsten Choreografen Frankreichs und Direktor des Centre chorégraphique national de Biarritz, dem Volksopernpublikum vor. Der Ballettabend zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Christoph Willibald Gluck wird von Jiří Novák dirigiert.

Am 6. Dezember folgt „Der Zauberer von Oz“. „The Wonderful Wizard of Oz“ von L. Frank Baum ist Amerikas wohl berühmteste Märchenerzählung, die durch die Verfilmung mit der jungen Judy Garland als Dorothy (1939) weltweit Kultstatus erhielt. Regie führt der in London geborene Henry Mason, der  2013 bei den Salzburger Festspielen sein vielbeachtetes Debüt mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gab. Markus Meyer, der Salzburger Puck, wird  den Löwen spielen, der gemeinsam mit dem Blechmann (Peter Lesiak) und der Vogelscheuche (Oliver Liebl) die junge Dorothy (Johanna Arrouas) auf ihrer Reise begleitet. Christian Graf ist die Hexe des Westens. Den geheimnisvollen Zauberer von Oz spielt –  schmunzelnder O-Ton Volksoperndirektor: „Wir suchten für diese kleine Rolle einen Schauspieler, der nicht viel kostet, und haben ihn dann mit dem Schmäh geködert, dass er ja die Titelrolle ist. Als habe ich den Oz mit mir besetzt.“ Alternierend spielt Boris Eder.

Ab 17. Jänner kann man sich auf Rolando Villazón freuen. Der Startenor gibt als Regisseur von Donizettis Komödie „Viva la Mamma“ sein Volksoperndebüt, am Pult steht die junge estnische Dirigentin Kristiina Poska. Sie ist Erste Kapellmeisterin der Komischen Oper Berlin. Inhalt: In einem kleinen Provinztheater bereitet sich das Ensemble auf eine Opernpremiere vor: Die Primadonna (Anja-Nina Bahrmann) und die zweite Sopranistin (Mara Mastalir) liefern sich einen regelrechten Zickenkrieg, jeder Darsteller versucht auf seine Weise, den Regisseur und den Dirigenten zu beeinflussen, um optimal in Szene gesetzt zu werden. Agata, die resolute Mamma der zweiten Sängerin, treibt den normalen Wahnsinn des Theaters auf die Spitze. Meyer: „Das wollte ich immer schon einmal machen. Ich liebe diese Theater-auf-dem-Theater-Stücke“. Highlight: Bassbariton Martin Winkler, sonst eher von Bayreuth bis an die MET als Klingsor oder Alberich engagiert, gibt „la Mamma“ Agata. Villazón zu kriegen, war natürlich ein Coup, „doch ich denke, das Stück passt zu diesem hochformatigen Komödianten“, so Meyer. „Wir hatten schon ein erstes Gespräch auf der Probebühne. Schon dafür hätte ich Eintritt verlangen sollen. Einziger Wunsch des Weltbewunderten: Er will mit der Clownin Nola Rae www.nolarae.com zusammen arbeiten.

Die erste und einzige Operette folgt am 21. Februar: Jacques Offenbachs „Pariser Leben“, mit reiner Hausbesetzung, außer Rasmus Borkowski, den man sich nach dem Erfolg von „Catch me if you can“ von den Kammerspielen holt. Außerdem konnten  zwei ausgewiesene Offenbach-Spezialisten gewonnen werden: Der französische Dirigent Sébastien Rouland hat unter anderem am Théâtre du Châtelet „La GrandeDuchesse de Gérolstein“ und in Lyon „La vie parisienne“  dirigiert. Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema inszenierte bereits unter anderem „La Périchole“, „Die Großherzogin von Gerolstein“ und „Orpheus in der Unterwelt“.  Am  12. April kehrt der russische Choreograph Boris Eifman, dem Wiener Publikum bestens bekannt durch seine fesselnde Interpretation von „Anna Karenina“  mit „Giselle rouge“ an die Volksoper zurück.

Ab 15. Mai steht Mozarts „Così fan tutte“ auf dem Spielplan. Regisseur Bruno Klimek inszeniert erstmals an der Volksoper, die musikalische Leitung liegt in den  Händen von Julia Jones, die diesen Mai noch die Premiere von „Fidelio“ dirigieren wird. Die Fiordiligi singt Caroline Wenborne, die an der Staatsoper zur Pause und in nicht für sie geschneiderten Kostümen für die erkrankte Barbara Frittoli einsprang. Meyer: „Bei uns darf sie den ganzen Abend singen.“ Am 2. Juni stehen die Nachwuchskräfte der Kompanie  im Zentrum von „Junge Talente des Wiener StaatsballettS II“ unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Manuel Legris und der musikalischen Leitung von Wolfram-Maria Märtig. Letzterer wird ab nächster Saison Kapellmeister der Volksoper

www.volksoper.at

Wien, 10. 4. 2014

Da geht noch was

August 13, 2013 in Film

Henry Hübchen nervt Florian David Fitz

Conrad (Florian David Fitz) gibt seinem Vater Carl (Henry Hübchen) Nachhilfe im Wäsche waschen  Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Conrad (Florian David Fitz) gibt seinem Vater Carl (Henry Hübchen) Nachhilfe im Wäsche waschen
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Nach dem preisgekrönten und erfolgreichen Kinofilm „Vincent will meer“ startet am Mitte September mit „Da geht noch was“ die neue Komödie von Olga Film. Die Produzenten Viola Jäger und Harry Kügler beweisen mit dem Kinodebüt von Holger Haase einmal mehr ihr sicheres Gespür für talentierten Nachwuchs und tragisch komische Geschichten. „Da geht noch was“  ist ein liebevolles Plädoyer an Alle, die sich insgeheim wünschen, die liebe Verwandtschaft manchmal auf den Mond schießen zu können. Florian David Fitz (der auch das Drehbuch mitbearbeitete) und Henry Hübchen brillieren als kauziges Vater-Sohn-Gespann. In weiteren Rollen überzeugen Marius Haas als pubertierender Enkel, Leslie Malton als Helene und Thekla Reuten in der Rolle der Tamara.

Inhalt: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen und deshalb beschränkt Conrad (Florian David Fitz) die Besuche bei seinen Eltern auf ein absolutes Minimum. Conrad ist der Prototyp des erfolgreichen Businessmannes. Für seinen Kindheitstraum vom perfekten Familienglück gibt er 150 Prozent: Das Eigenheim für Frau und Sohn vor Postkartenidylle ist bereits zum Greifen nah, als er plötzlich ahnt, das Wesentliche – seine Familie – längst aus den Augen verloren zu habenSein Vater Carl (Henry Hübchen) ist ein mürrischer alter Knochen, der kein gutes Haar an seinem Sohn oder dessen Frau Tamara (Thekla Reuten) lässt, während Enkel Jonas (Marius Haas) die Besuche ganz pragmatisch sieht: Seine gute Laune lässt er sich von Papa bezahlen. Carl hat die Mentalität eines Silberrücken-Gorillas. Er hält selten mit seiner Meinung hinter dem Berg. Der Gewerkschaftsboss a.D. setzt für gewöhnlich seinen Willen durch, er hat sein Leben der Gewerkschaft gewidmet und darauf ist er stolz. Für die Bedürfnisse seiner Familie hat er wenig Verständnis. Doch der Dickschädel hat einen weichen Kern unter der harten Schale. Seine Frau Helene liebt er sehr – auch wenn er das natürlich niemals zeigen würde. Beim diesjährigen Geburtstagstreffen überrascht Mutter Helene (Leslie Malton) allerdings mit Neuigkeiten. Sie hat Carl nach 40 Jahren Ehe verlassen und bittet Conrad um einen Gefallen: einen Botengang ins Elternhaus – mit ungeahnten Folgen. Denn dort versinkt Carl nicht nur in leeren Bierdosen, sondern auch in jeder Menge Selbstmitleid. Als Carl dann noch in den leeren Pool stürzt und sich dabei verletzt, müssen Conrad und Jonas notgedrungen in Conrads altem Jugendzimmer campieren. Drei Generationen unter einem Dach: Alptraum oder die Chance für einen Neuanfang?

Interview mit Florian David Fitz (Conrad)

 Was hat Sie an der Story  interessiert?

Familie ist für uns alle ein Thema. Jeder hat sich schon einmal eine andere Familie gewünscht oder eine andere Familie „erträumt“. Aber man hat die Eltern oder die Kinder, die man eben hat! Damit muss man umgehen. Deshalb finde ich das Thema Familie so spannend.

Beschreiben Sie Ihre Figur Conrad.

Conrad trifft das Herz meiner Generation auf eine sehr charakteristische Weise. Wenn man kritisch sein möchte, dann ist er ein sehr äußerlicher Typ. Conrad hat sich immer in eine Werbewelt weggeträumt, in eine perfekte Welt. Um gegen die Leere in sich anzukämpfen, weil er gespürt hat, dass es nicht so läuft wie es eben laufen sollte. Er dachte, seine Sehnsucht wird in Äußerlichkeiten befriedigt und diesen jagt er besessen nach. Er möchte es sich und den Anderen beweisen. Im Verlauf des Filmes bemerkt er, dass er den falschen Dingen hinterher läuft.

 Probleme, die mit Vater und Sohn unter einem Dach zu Tage gefördert werden…

Conrad hat Probleme, von denen er gar nicht wusste, dass er sie hat. Dieses Haus ist ein Kessel, in dem drei Menschen eingesperrt werden, die nichts miteinander zu tun haben wollen. Und natürlich fängt das an zu gären und dann wird es spannend. Conrad beginnt sich mit Themen zu beschäftigen, die vorher kein Problem für ihn darstellten. Zum Beispiel seine Ehe: Als der Plan, gemeinsam einen wunderbaren Urlaub zu verbringen ins Wasser fällt und seine Frau alleine in Goa sitzt, muss er sie jeden Tag am Telefon erneut vertrösten bis sie schließlich ausflippt und zurückkommt. In der Zwischenzeit hat Conrad aber neue Erfahrungen gemacht und stellt plötzlich alles in Frage. Alles was er sich aufgebaut hat, zerfällt auf einmal.

Welche Art von Beziehung haben Conrad und Tamara geführt?

Die funktionierte so gut, weil beide Karrieristen sind und auf ein großes Ziel hinarbeiteten. Geld ist kein Problem mehr, aber die Beziehung hat sich totgelaufen, sie sind in ihrem eigenen Aspik erstarrt. Conrad ist sehr stark geprägt von seinem Nicht-Verhältnis zu seinem Vater, der einen Gewerkschaftshintergrund hat und ein überzeugter Antikapitalist ist. Deswegen möchte sich Conrad alles selbst erarbeiten. Tamara hat ähnliche Motive. Die beiden arbeiten sich hoch, kaufen schöne Dinge, das Kind kommt auf die beste Schule und erhält die beste Betreuung. Das Haus, das sie bauen, ist meines Erachtens das Symbol für ihre Beziehung. Es ist das Ziel, auf das Conrad immer hingearbeitet hat: Das perfekte Haus, in einer perfekten Landschaft, vom perfekten Architekten. Wenn das fertig ist, wollen sie das Kind aus dem privaten Internat holen und endlich eine Familie sein. Das ist natürlich eine vollkommene Illusion. Conrad bemerkt im Laufe des Filmes, dass das Kind jetzt schon seit sechs Jahren auf dem Internat ist und dieses Provisorium schon ewig dauert. Er bemerkt, dass sein Leben ein Provisorium ist und dass man aufhören muss, diese Pläne zu machen.

Was passiert mit den  drei Generationen unter einem Dach?

Es fängt damit an, dass da drei Menschen sind, die nicht zusammen sein wollen und durch einen Unfall aneinander gebunden werden. Wir treffen den Vater Carl, der immer eine Autoritätsfigur war und allen alles diktiert hat, zu einem Zeitpunk, als er von seiner Frau verlassen wurde. Der Grund ist ihm ein Rätsel und er ignoriert es. Als er einen Unfall hat, wird Conrad gezwungen, bei ihm zu bleiben und sich mit seinem Vater auseinanderzusetzen. Anfangs haben die Beiden sich überhaupt nichts zu sagen, Conrad versucht, ihn mit Essen zu versorgen und dann schnellstmöglich wieder zu verschwinden. Er beginnt, das Leben seines Vaters neu zu organisieren – was dieser natürlich gar nicht möchte. Je mehr sich die Beiden auseinandersetzen, desto mehr Spaß finden sie daran sich zu kabbeln und zu streiten.

Und dann gibt es noch das Problem mit der jüngsten Generation…

Darauf hatte ich mich total gefreut, weil ich zum ersten Mal im Film einen Sohn habe. Das ist schön, weil alle Beziehungen sich gegenseitig spiegeln. Der Alte zum Mittleren und wiederum zum Jüngsten. Und als der Großvater plötzlich mit dem Enkel kann, fragt sich der Sohn, warum er diesen Zuspruch nie von seinem Vater bekommen hat. Diese drei Generationen-Situation eröffnet spannende Perspektiven.

Was erzählt der Film über das Erwachsen werden?

Meine Definition von erwachsen sein ist, anzufangen, ein bisschen ruhiger zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Einen Schritt weiter zu sehen und auch für Andere mitzudenken. In der Phase zwischen zwanzig und dreißig möchte man sein Leben organisieren und ist ganz stark auf seine eigenen Prioritäten fixiert. Es wird keine Glocke läuten und dir sagen, dass du jetzt erwachsen bist. Es ist ein fließender Prozess. Ich bin fast vierzig, das heißt also, ich kann mich nicht mehr darauf zurückziehen, dass ich noch nicht erwachsen bin…

Interview mit Henry Hübchen (Carl)

Was sagt der Titel des Films aus?

 Da geht noch was – selbst bei dem älteren Paar, Carl und Helene. Sie haben zwar nicht mehr so viel Zeit ein erfülltes Leben gemeinsam zu organisieren, aber selbst bei den Beiden geht noch was. Die gleiche Frage stellt sich übrigens bei dem Yuppi-Paar, die Probleme mit sich selbst, der Welt und den eigenen Wertebezügen, die man nicht teilen muss, haben. Mit etwa 35 Jahren haben Conrad und Tamara noch viel mehr Zeit. Und dann gibt es den 13-Jährigen Jonas, der noch alles vor sich hat und von Anfang an alles richtig machen könnte. Was er natürlich nicht machen wird, aber die Chance besteht. Der Film erzählt davon, dass, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und es auch zulässt, miteinander produktiv auszukommen, eine Erfüllung erfährt.

Steckt Carl in einer Krise?

Carl ist nicht in einer Krise, nee, der ist gar nicht in einer Krise! Wenn man so lange liiert ist wie Carl und Helene, einen erwachsenen Jungen mit eigener Familie hat und um die 60 Jahre ist – wenn dann die Frau auf die Idee kommt sich zu trennen, weil es so nicht weitergehen kann… Und das dann auch tut. Meistens sind es ja die Frauen, die die Initiative übernehmen und das dann auch durchführen. Carl wundert sich nur, dass Helene das wirklich macht, was sie wahrscheinlich oftmals angedroht hat. Der kommt gar nicht auf die Idee, dass das wirklich eine endgültige Trennung ist. Nach dem Motto „die soll sich mal selbst verwirklichen, mal sehen wie lange das dauert. Und wenn sie fertig ist, dann kommt sie wieder an.“

Was ist das Problem von Carl und Conrad?

Der Sohn Conrad ist ein seltsamer Typ, der immer alles organisieren muss. Alles muss sich nach ihm richten. Er denkt, er muss das Haus seiner Eltern wieder in Ordnung bringen und vor allen Dingen den Vater ins Lot bringen. Dabei mischt er sich in Dinge ein, die ihn eigentlich nichts angehen, Sohn hin oder her. Carl ist ein typischer Gewerkschafter. Er interessiert sich für Weltpolitik, sieht Fußball und ist traurig, dass er so eine Pfeife als Sohn hat.

Wie finden die zerstrittenen Parteien wieder zueinander?

Über Jonas, den Enkel, der auf einmal Leben in die Bude bringt. Dem Carl etwas beibringen kann, der auf einmal auch zuhört. Über die neue Beziehung zu seinem Enkel bekommt Carl auch wieder einen Draht zu seinem Sohn. Denn Conrad erkennt, dass er seinem eigenen Sohn gegenüber – ähnlich wie er damals seinen Vater erlebt hat – ein Rabenvater ist. Jonas wurde abgeschoben in ein Internat, weil die Eltern viel arbeiten müssen um sich große Häuser und dicke Autos leisten zu können. Deshalb kommt das Kind zu kurz – ein Vorwurf, den Conrad immer seinem Vater gemacht hat und der nun gar nicht mitbekommt, dass er sich auf eine andere Weise genau so seinem Sohn gegenüber verhält.

 Welche Botschaft vermittelt der Film?

Dass man nicht erst mit sechzig darüber nachdenken sollte, wie man eigentlich miteinander lebt. Der Titel  sagt es aus: es geht immer noch etwas, es ist immer Zeit, kurz inne zu halten und über das Leben und den Umgang miteinander zu reflektieren. Selbst wenn man das fünfzig Jahre lang versäumt hat und das in den letzten zwei Jahren noch hinbekommt, dann geht da noch was!

www.constantin-film.de

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Hbg69unPhrA

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 8. 2013