aktionstheater ensemble im Werk X: Bürgerliches Trauerspiel – Wann beginnt das Leben

September 30, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Hochkulturgift der heimkehrenden Witwe

Benjamin Vanyek und Thomas Kolle. Bild: Stefan Hauer

„… hat die Mama gesagt“, „… hat auch der Bundeskanzler gesagt“ – ein jedes hat hier seinen sakralen Satz. Ersterer von Thomas Kolle, zweiterer von Benjamin Vanyek wieder und wieder hergebetet. Die Eckpunkte, die Stützpfeiler, der Grundstein, damit klar: die liebe Familie und der heilige Sebastian, beide im Sinne ihrer Schutzbefohlenen bekanntlich Märtyrer, und ihr Hirtenspruch somit wie einer beim Wolfauslassen.

Ein „Bürgerliches Trauerspiel – Wann beginnt das Leben“ haben Martin Gruber und sein aktionstheater ensemble ihre aktuelle Performance genannt, die Uraufführung, durch den #Corona-Lockdown ausgebremst, jetzt endlich im Werk X zu sehen – und tatsächlich hat es die nicht umsonst schnelle Eingreif- genannte -truppe geschafft, ihre im März nahezu fertige Arbeit einen Twist weiterzudrehen. Nicht nur einer Überschuss-Überdruss-Besseren-Gesellschaft wird nun auf den Zahn gefühlt, sondern auch jenem aufkeimenden Quarantäne-Patriotismus, der sich so wenig ins Gute-Menschen-Bild fügen will.

Das aktionstheater ensemble zeigt sich mit diesem Text in würdiger Erbschaft eines Thomas Bernhard, dessen sarkastische Kaskaden die gestrenge Uni-Professorin weiland in die Nähe des bürgerlichen Lachtheaters rückte – „Des sittlichen Bürgers Abendschule“ samt Hausaufgaben. Was es allerdings im Weiteren mit dem Zahnfühlen auf sich hat, ist so schrecklich, dass man’s kaum wiedergeben mag.

Zwischen Sängerin Nadine Abado, Schlagzeuger Alexander Yannilos und Gitarrist Kristian Musser bleibt die Spielfläche leer, bis auf etliche von derart metallenen Gitterschränken, in denen im Orkus der Supermärkte der Zivilisationsmüll entsorgt wird. Auf ganzen Säcken davon, Plastik, schwarz, prallgefüllt, Müll, Gerümpel werden die Spielerin und die Spieler später herumturnen, eingepfercht zwischen den Wänden dessen, was einmal war, doch nicht länger von Wert ist.

Horst Heiss und Benjamin Vanyek. Bild: Gerhard Breitwieser

Benjamin Vanyek. Bild: Gerhard Breitwieser

Thomas Kolle und Benjamin Vanyek. Bild: Gerhard Breitwieser

Erst aber zieht Thomas Kolle die #Covid19-Linie zum Publikum, zaghaft zunächst, als müsse er sich an die neue Situation herantasten, zwei Spieler sind schließlich Virus-bedingt aus der Produktion ausgestiegen, dann immer dreister: Es wird wieder in die Hände gespuckt, und in der Kalamität hat man s’aktionstheater ensemble selbstverständlich zu begünstigen. Auftritt, nein, es erscheint, nein, hereinschwebt Benjamin Vanyek und spricht:

„Die Bundesregierung hat gesagt, wir müssen gerade jetzt in diesen Zeiten der großen Not die österreichischen Künstler und Künstlerinnen sehr unterstützen. Und jetzt stellen Sie sich mich als Emilia Galotti vor, mit dieser leicht lakonischen Sprache, wie Goethe schon gemeint hat. Und das in dieser Krise jetzt.“ Nicht nur mit der Wunschmätresse des Prinzen Gonzaga will er dem deutschen Verfechter eines „Christentums der Vernunft“ seinen Respekt zollen, sondern auch als dessen Minna – Weihnachtseinkäufe als Gabriele wär‘ auch was.

Vanyek raunzt sich per Vokabeldehnung perfekt durch den Paula-Wessely-Tonfall: Gnääädige Frau, gnääädige Frau …! – Wie? … Ah, Sie sind’s! – Geben Sie mir doch Ihre Pakete! Und schade ist, dass die Nachgeborenen seine „Heimkehr“ zu wenig zu würdigen wissen. Welch ein Komödiant! Wie er ins Kurze Hörbiger’sche Wut-Video kippt. Wir werden froh und glücklich wieder zurückkommen! Da ist gut lachen, Vanyek im Tournürenkleid eine Schwarze Witwe, die ihr Hochkulturgift verspritzt. Doch wie jedem wahrhaft großen Schalk sitzt ihm die Tragik im Nacken. Der Moment wird so persönlich, dass man’s nicht aushält. Die Schneidezähne, beim Bundesheer, Vergewaltigung zum Oralsex, die Prothese als Beweis, die Zahnlücke unfassbare Realität.

Die emotionale Corona-Kurve steigt. Von Sentiment zu Verzweiflung zu Zorn. Vom „gesunden“ Egoismus zum empathischen Wunsch, in einem Wir aufzugehen. Das jedoch nicht jede und jeden mit einschließt. Irgendwo muss man Grenzen ziehen! Mit Liegestühlen bewehrt kreiseln die Sich-selbst-Darsteller um die eigene Achse, mit jeder Drehung mehr Richtung Orientierungslosigkeit, einsam, aufgerieben zwischen Selbstoptimierung – Stichwort: Haare im Hintern rasieren – und der vergeblichen Suche nach einem Gemeinsinn.

Thomas Kolle, Michaela Bilgeri und Benjamin Vanyek. Bild: Gerhard Breitwieser

Thomas Kolle, Alexander Yannilos, Horst Heiss, Michaela Bilgeri und Kristian Musser. Bild: Gerhard Breitwieser

Thomas Kolle, Alexander Yannilos, Benjamin Vanyek, Horst Heiss und Michaela Bilgeri. Bild: Gerhard Breitwieser

Thomas Kolle, Alexander Yannilos, Michaela Bilgeri, Benjamin Vanyek und Horst Heiss. Bild: Stefan Hauer

Wie gewohnt und geliebt lässt Martin Gruber banale Alltagssorgen mit den Weltproblemen kollidieren, wie stets schneidet er choreografische Elemente und rauschhafte Musik zwischen die Texte. Nadine Abadas Stimme dabei die der Sehnsucht, Alexander Yannilos verantwortlich für Thomas Kolles Herzschlag-Furor. Er isst keine Tomaten mehr, sagt er, nur noch Saisonales, wegen der Paradeisermafia und der Flüchtlinge, die in Italien als Pflücker ausgebeutet werden. „Gemüse, Heimat, Österreich!“, skandiert Horst Heiss.

Die Leihgabe vom Koproduzenten Landestheater Linz ist in höchstem Maße verantwortlich für den Thomas-Bernhard-Sound. Wie er die Grade des Faschismus in der Regierung misst, das ist Robert-Schuster‘ische Reinkultur. „Die Kunst wird uns retten“, meint einer der Akteure. Alldieweil „die letzte verbliebene Frau“ im High-Speed-Reigen Vollgas gibt, Michaela Bilgeri, einmal mehr entfesselt, über Isolationskochen, ihre Corona-Alkoholliste, und mutmaßlich nie wurde theatralischer ein Rezept für Rindsgulasch dargeboten.

Man tanzt zum Beat, man geht einander auf die Nerven. Die Bilgeri muss zugeben, ihre Seifen-„Sharing forward“-Strategie im Kuba-Urlaub ist obschon exzessiven Rumkonsums gescheitert. Die bürgerliche Trauergemeinde versinkt trotz Fleiß, Verlässlichkeit, Talent und nacktem Kolle-Popo im sozialistischen Nichts. Welch eine Ironie, dass die Heilige Corona, per Foltertod von Diokletian ums Leben gebracht, die Schutzpatronin gegen Seuchen ist. Schwer ist’s, den Gruber’schen freien Assoziationen zu folgen, doch ist man fasziniert von der Fülle an Denkbarem und Weiter-Denkbarem.

Die Generation Zukunftsglauben wird den Wertekatalog der Eltern relaunchen, eine sich als „gerecht“ ausgebende Gesellschaft gegen nationalistische Populisten aufstehen müssen. Doch wer kann, wenn er sich ernsthaft einlässt, weiterspielen? Das aktionstheater ensemble mit seinem gleichzeitig berührenden und lustvoll-kurzweiligen Gesamtkunstwerk! Und die Schwarze Witwe streut Sternenstaub auf die Seelen aller …

aktionstheater.at           werk-x.at

  1. 9. 2020

Festspiele Stockerau: Der Diener zweier Herren

Juni 29, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Okan Cömert tanzt den Truffaldino

Claudia Waldherr (Columbina), Okan Cömert (Truffaldino). Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Columbina hat sich in Truffaldino verguckt, der freut sich über eine Frau mit fixem Einkommen: Claudia Waldherr und Okan Cömert. Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Los geht’s bereits, bevor es überhaupt anfängt. Während die Zuschauer auf die Tribünenplätze strömen, tun die Schauspieler eben selbiges auf der Bühne, entschuldigen sich für ihr Zuspätkommen, beginnen sich auf den Abend vorzubereiten. Kostüm und Makeup werden an- und aufgelegt, der Menschheit Würde ist in ihre Hand gegeben, und während die oben noch diskutieren, wie sie ihre Rollen anlegen werden, ist denen unten längst klar … hintergründig.

Intendant Zeno Stanek hat bei den Festspielen Stockerau Goldonis „Diener zweier Herren“ inszeniert, die Textfassung ist von Karl Ferdinand Kratzl und Stanek, und der lässt sein Ensemble dabei Theater auf dem Theater spielen. Diskussionen um den siebenten Zwerg, hier natürlich: Venezianer, inklusive. Christoph F. Krutzler fungiert als Regisseur. Sozusagen. Denn eigentlich ist er auch Brighella, der Wirt zum Goldenen Kirchturm, als Padrone also in zweierlei Hinsicht Brötchengeber. Katharina Stemberger ist sein Star, und la Diva ist angetreten, um unterm Stockerauer Campanile die Beatrice zu geben. Aber, ach!, Goldoni will hier keiner spielen. Denn die Fama macht die Runde, „der Herr Direktor“ säße just heute im Publikum, auf der Suche nach frischen Talenten, und so produziert sich ein jeder auf Teufel komm‘ raus. „Romeo und Julia“ will man zeigen, einige machen sich Hoffnungen auf „Hamlet“, Stechen und Hauen und Lieben und Sterben, doch es wird Comedia dell’arte – uäh. „Wehe einer spielt auf Engagement“, warnt Brighella-Krutzler seine Truppe.

Welch ein Einfall, Goldonis Komödienmeisterwerk in diesen Bühnenrahmen zu packen; der Kunstgriff verdoppelt was immer es an Verwirrung und Verwechslung, Wortwitz und Situationskomik schon gibt, er macht diesen Wirbelwird von einem Stück zum mitreißenden Orkan. Dabei haben Kratzl und Stanek Goldoni tatsächlich nur beim Wort genommen, denn gerade ihr Aus-der-Rolle-Fallen ermöglicht es dessen Lustspielpersonal von Possenreißern zu Charakteren zu avancieren, hinter jeder namentlich festgelegten Stereo-Type steckt hier ein Mensch mit all seinen Sorgen und Nöten, und die sind so zeitgemäß wie zeitlos. Sitten ändern sich selten. Und so kann, während die Musik von Andi Senn und Thomas Berghammer die lazzi mit lässigen Jazztönen begleitet, der großartige Krutzler alle Leiden eines Regisseurs ausleben.

Katharina Stemberger (Beatrice), Horst Heiss (Pantalone), Alexander T.T. Mueller (Dottore), Christoph F. Krutzler (Brighella), Naemi Latzer (Rosa), Tobias Eiselt (Silvio), Claudia Waldherr (Columbina). Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Das Auftauchen Beatrices sorgt in Venedig für Aufruhr: Katharina Stemberger, Horst Heiss, Alexander T.T. Mueller, Christoph F. Krutzler, Naemi Latzer, Tobias Eiselt und Claudia Waldherr. Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Katharina Stemberger (Beatrice), Horst Heiss (Pantalone), Claudia Waldherr (Columbina), Okan Cömert (Truffaldino). Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Truffaldino verstrickt sich immer mehr in seinem Lügengebilde: Katharina Stemberger, Horst Heiss, Claudia Waldherr und Okan Cömert. Bild: Festspiele Stockerau/Johannes Ehn

Der eine Darsteller hat seinen Text vergessen und braucht den Souffleur, zwei lachen einander aus, im Glauben der jeweils andere und nicht etwa sie selber würden schmieren. Tobias Eiselt prahlt mit seinen Fechtkünsten, obwohl laut Vorlage sein Silvio die Degenführung gar nicht beherrscht. Okan Cömert als Truffaldino bricht inmitten der schönsten Clownerie in den Sein-oder-Nichtsein-Monolog aus. „Nur weil deine Karriere vorbei ist, brauchst du meine nicht zu zerstören“, herrscht ein Jungmime die arrivierte Kollegin Stemberger an. Jedenfalls, das Ganze ist der nackte Wahnsinn. Ein Zirkus, in dem jeder so gut er kann versucht, das Publikum durch Beiseitereden auf seine Seite zu ziehen und zum Komplizen für die ureigenen Interessen zu machen. Und in dem Okan Cömert die Glanznummer ist.

Der Vorjahresabsolvent des Max-Reinhardt-Seminars ist eine Theaterentdeckung. Zuletzt am Volkstheater in Thomas Köcks „Isabelle H.“ zu sehen, kann er nun endlich sein clowneskes Können ausspielen. Und wie. Cömert tanzt und rappt den Truffaldino, er singt, unter anderem Rossinis Figaro-Arie „Largo al factotum“ und halb „My fair Lady“, er schwankt zwischen subversiv und subaltern, und saust so von einem Herrn zu anderem.

Weil der Diener zweier Herren klassenkämpferisch den Kapitalismus für seine Zwecke zu nutzen sucht, muss er nämlich im Rundherum um den Kirchplatz einiges an Kilometern machen. Das ist die Strafe dafür, dass er nach Beatrices auch in die Dienste ihres Geliebten Florindo getreten ist. Florindo wird beschuldigt, deren Bruder Federico Rasponi getötet zu haben, und ist ergo geflohen. Als Mann verkleidet reist ihm Beatrice nach. Ohne dass die beiden Liebenden voneinander wissen, nehmen sie sich im selben Wirtshaus Zimmer. Truffaldino wird zu beider Diener und gerät so in zahlreiche Schwierigkeiten, aus denen er sich nur durch Lügen retten kann. Katastrophe sozusagen komödiantisch vorprogrammiert.

In diesem Setting gibt Horst Heiss einen auf Plateauschuhe gestellten Pantalone, was seine ohnedies schon imposante Erscheinung im Wortsinn noch weiter erhöht. Der Geschäftsmann mit dem dehnbaren Ehrbegriff hatte seine Tochter bereits dem Rasponi zugedacht, nach dessen Ableben verspricht er sie aber dem Silvio. Als nun Beatrice als Federico auftaucht, sitzt er in einer Patsche, für die nicht nur der eifersüchtige und stolze Silvio-Eiselt, sondern auch Alexander T.T. Mueller als dessen Vater Rache fordern. Der paragraphenfeste Dottore weiß sich dabei von Naemi Latzer als raunzig liebende Rosa unterstützt, deren Zofe Columbina wiederum, gespielt von Claudia Waldherr als kunterbuntes Kammerkätzchen, will den Truffaldino ehelichen. Beatrice, die durch Gaunerei zu ihrem Recht kommen will, und ihr schnöseliger Florindo, Daniel Keberle angetan als Ludwig-XIV-Klon, bilden das melodramatische Paar. Mit großer Spielfreude und viel Hang zur Skurrilität gehen die Schauspieler zu Werke. Sie machen Staneks Aufführung zum luftigen Sommerspaß, für den das Publikum schließlich mit viel Jubel und Applaus dankte.

Dass Truffaldino am Ende seinen Willen – und die Frau kriegt, ist klar. Columbina muss ihn nun nicht nur aus-, sondern auch erhalten. So wie Beatrice ihren mittellosen Florindo und Rosa den arbeitsscheuen Silvio. Denn freilich gibt’s ein dreifaches Happy End für die Herren. Vor allem Silvio hat das große Los gezogen. Sein Schwiegervater in spe ist schließlich, so sagt er, der „Kaufmann von Venedig“. Na dann. Ein Bravo allen Beteiligten!

www.festspiele-stockerau.at

Wien, 29. 6. 2016

Stadttheater Klagenfurt: „Familiengeschäfte“

April 19, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Henry Mason inszeniert Alan Ayckbourn

Familiengeschäfte. Bild: Arnold Pöschl

Das Ensemble der „Familiengeschäfte“. Bild: Arnold Pöschl

Am Stadttheater Klagenfurt hat am 28. April Alan Ayckbourns Komödie „Familiengeschäfte“ Premiere. Regie führt Henry Mason, der bei den Salzburger Festspielen zuletzt die „Komödie der Irrungen“ zeigte und am Stadttheater bereits „Die Dreigroschenoper“ inszenierte. Raphaela Möst, die umjubelte „Nora“ der Klagenfurter Inszenierung, kehrt in der Rolle der Tina Ruston zurück.

Mit ihr steht mit Claudia Kainberger, Heike Kretschmer, Doris Prilop, Isabel Schosnig, Stephanie Katharina Schreiter, Nikolaus Barton, Martin Bermoser, Christian Graf, Tim Grobe, Horst Heiss, Alexander Jagsch und Wolfgang Kraßnitzer ein hochkarätiges Ensemble auf der Bühne.

Jack ist einer, dem Moral und Werte noch etwas bedeuten. Als er die Möbelfirma seines Schwiegervaters übernimmt, ist er davon überzeugt, dass mit harter Arbeit, Leistung, Fairness und Vertrauen das Familienunternehmen wieder florieren wird. Doch schon bald folgt die Desillusionierung: Sämtliche Familienmitglieder sind in dubiose, aber profitable Nebengeschäfte verwickelt. Um den guten Namen des Unternehmens zu schützen, muss Jack nun die kriminellen Machenschaften der Familie nicht nur decken, sondern sie auch noch unterstützen.

Ayckbourn, dem Meister der britischen Satire dient die Familie als Modell einer Gesellschaft, die den Widerspruch zwischen Leistungsideologie und schamloser Selbstbereicherung nur noch zynisch und achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Pointiert und mit galligem Humor führt er vor, wie die Familie den Charakter verderben kann und beweist einmal mehr, dass der familiäre Zusammenhalt mitunter nur so lange besteht, wie dabei Geld zu machen ist.

www.stadttheater-klagenfurt.at

Wien, 19. 4. 2016

Zehn Jahre TAG: Einladung zum Geburtstagsfest

Januar 8, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das ganze Programm, leicht gekürzt

Michaela Kaspar und Jens Claßen, aus "13 oder Liebt eure Volksvertreter!" Bild: © Anna Stöcher

Michaela Kaspar und Jens Claßen, aus „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“
Bild: © Anna Stöcher

Das TAG feiert am 13. Jänner seinen zehnten Geburtstag und lädt zur musikalischen Rückschau auf mehr als 120 Theaterproduktionen. Zu erwarten ist nicht weniger als das gesamte Programm der letzten Dekade – leicht gekürzt – und ein rauschendes Fest mit vielen Weggefährten, Stammgästen, Künstlern und dem gesamten TAG-Team.

Mit Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Georg Schubert und Elisabeth Veit, Horst Heiss, Julian Loidl, Petra Strasser und anderen.

Der Eintritt ist frei.

Zur Einstimmung zum Nachlesen: Rezensionen „13 oder Liebt eure Volksvertreter!“: www.mottingers-meinung.at/?p=16199 ,“Bluad, Roz und Wossa“: www.mottingers-meinung.at/?p=15115 , „Faust-Theater“: www.mottingers-meinung.at/?p=13951.

dastag.at

Wien, 8. 1. 2016

Theater Phönix: Er ist wieder da

November 23, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Harald Gebhartl holt Adolf Hitler wieder nach Linz

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy Bild: © Christian Herzenberge

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy
Bild: © Christian Herzenberger

In den heimischen Kinos ist Burgschauspieler Oliver Masucci zurzeit als untoter „Führer“ zu sehen www.constantinfilm.at/kino/er-ist-wieder-da.html, ab 26. November heißt es auch am Linzer Theater Phönix „Er ist wieder da“. Linz übernimmt die österreichische Bühnen-Erstaufführung nach dem gleichnamigen Debütroman von Timur Vermes. Dieser ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte, das seit seinem Erscheinen die Bestsellerlisten stürmt. Phönix-Chef Harald Gebhartl hat die Fassung geschrieben und führt Regie.

Gezeigt wird der unaufhaltsame „Aufstieg des vermeintlichen Comedians Adolf Hitler“: Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Aber unter Tausenden von Ausländern. Eine gefühlte Ewigkeit nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten der Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? Oder plant Hitler seine Rückkehr an die Macht? Ist er wieder da?

In Gebhartls Inszenierung führt der Siegeszug natürlich nach Linz, in die „fünfte Führerstadt“. Hier entschloss sich Hitler den „Anschluss“ vollständig zu vollziehen, er übernahm sogar die „Patenschaft“ für die Stadt. Hitler, der in Linz die Schule besucht hatte, beabsichtigte, dort einmal seinen Ruhestand zu verbringen. Es folgten Ausbaupläne von Albert Speer und der „Sonderauftrag Linz“, heißt: die Sammlung geraubter Kunstwerke an diesem einen Ort. Gebhartls Dramatisierung hat Timur Vermes offenbar so gefallen, dass der Theatermacher „schon nach zwei Stunden“ eine retourgemailtes Ja bekam, nachdem er dem Autor seine Idee vorgestellt hatte. „Phönix-Dramaturgin Sigrid Blauensteiner und ich sind überzeugt, dass es ein starker Theater-Stoff ist und auch sehr aktuell, was Medien und deren Oberflächlichkeit betrifft. ‚Er ist wieder da‘ ist auch eine Medien-Satire“, sagt Gebhartl im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten.

Es spielen Simon Jaritz (Hitler), das Phönix-Ensemble David Fuchs, Felix Rank, Rebecca Döltl und Markus Hamele und als Gäste Sina Heiss, Sabrina Rupp und Emese Fáy.

www.theater-phoenix.at

Wien, 23. 11. 2015