Elfie Semotan im Kunst Haus Wien. Ab 13. März

Dezember 28, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Haltung und Pose: Eine Werkschau zum 80. Geburtstag

Inspiriert von einem Kollegen: Vivien Solari („Life moves fast“ inspired by Jeff Wall), New York, 1999. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Anlässlich ihres 80. Geburtstags würdigt das Kunst Haus Wien die große österreichische Fotografin Elfie Semotan in seiner Eröffnungsausstellung 2021 mit einer umfangreichen Werkschau. Präsentiert wird das vielschichtige und umfangreiche Schaffen der Kamerakünstlerin – von ihren weltberühmten Modeaufnahmen für Helmut Lang, Liska oder Zalando über Werbe-Auftragsarbeiten für Palmers und Römerquelle bis hin zu ihren faszinierenden Aufnahmen von Ateliers, ihren berührenden Landschaftsaufnahmen und Stillleben und ihren bekannten

Künstler- und Künstlerinnenporträts. Von Persönlichkeiten wie William Dafoe oder Missy Elliott und Models wie Naomi Campell, Claudia Schiffer oder Cordula Reyer – die Schau „Haltung und Pose“ zeigt ab 13. März mehr als 160 Arbeiten. „Über diese große Museumsausstellung freue ich mich sehr und bin auch stolz, da das Kunst Haus Wien jener Ort in Wien ist, der sich kontinuierlich mit künstlerischer Fotografie auseinandersetzt“, sagt Elfie Semotan und erklärt: „Die Ausstellung-Komposition wird extravagant, meine Arbeit wird nicht chronologisch, sondern aus einem neuen intuitiven und innovativen Blickwinkel präsentiert.“

Über die Künstlerin:
Die 1941 in Wels geborene Elfie Semotan besucht in Wien die Modeschule und geht im Anschluss, im Alter von 20 Jahren, nach Paris, wo sie für einige Jahre als Mannequin arbeitet und Einblick in die Welt der Mode und der Fotografie erhält. In Paris lernt Semotan auch Sarah Moon kennen, die später neben Elfie Semotan, Corinne Day und Ellen von Unwerth zu den wenigen sehr erfolgreichen Modefotografinnen in dieser männerdominierten Branche gehören wird.

Von Moon inspiriert, lernt Semotan von ihrem damaligen Partner, dem kanadischen Fotografen und Filmemacher John Cook, schließlich selbst den Umgang mit der Kamera wie auch die Arbeit in der Dunkelkammer und entwickelt ihr außergewöhnliches Gespür für Licht. Cooks ans Filmische angelehnte und in Geschichten gedachte fotografische Herangehensweise sollte Semotans Art zu fotografieren beeinflussen. Prägend wirkt sich auch ihre eigene Erfahrung als Fotomodell aus.

Gerhard Freidl, Wien, 2009. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Self-portrait, New York, 2000. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

o.T. (Inspiriert von Roy Lichtenstein), New York, 2002. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

In der Zusammenarbeit mit professionellen Models, aber auch bei ihren Porträtaufnahmen setzt Semotan fortan auf eine angenehme Atmosphäre und eine offene Kommunikation. Durch ihre lockere, aber respektvolle Art holt sie ihre Modelle aus der Defensive. „Ich weiß, wie alleine gelassen man sich fühlt, wenn einem der Fotograf nicht sagt, wohin die Reise gehen soll. Man muss den Menschen vor der Kamera von seinen Ängsten und Eitelkeiten ablenken, denn sonst verkrampft er und versucht, möglichst schön und souverän auszusehen, und das verhindert, dass gute Bilder entstehen“, reflektiert die Künstlerin ihre Art, Menschen zu fotografieren.

Nach einigen Jahren in Paris, vielen Reisen in die Modemetropolen London, New York und Mailand und ersten Aufträgen als Fotografin kehrt Semotan nach Wien zurück. Dort reüssiert sie in den 1980er-Jahren als Mode- und Werbefotografin, bis sie in den 1990er-Jahren durch ihre Arbeit mit Helmut Lang, für den sie exklusiv die Modekampagnen fotografiert, schließlich weltbekannt wird. Es sind ihre Fotografien, die das kühle und intellektuelle Image der minimalistischen Mode des Stardesigners transportieren. Nun entstehen Modestrecken für weitere große Labels und ihre bekannten Porträtaufnahmen wichtiger Persönlichkeiten.

Elfie Semotans fotografischer Ansatz ist von Beginn an, mehr als nur schöne Kleider und Produkte abzubilden. Sie inszeniert und konstruiert innerhalb des Bildformats Geschichten. Auf dem Produkt, um das es geht, liegt – siehe ihre Arbeiten für Römerquelle – dabei oft nicht das Hauptaugenmerk. Anfang der 2000er-Jahre treibt Semotan diese Inszenierung in einer später legendären Modestrecke auf die Spitze: Die Models sind nur noch auf TV-Bildschirmen zu sehen, die einen Teil des fotografierten Interieurs bilden. Semotan wird zur Meisterin im Verknüpfen von Kreativität und Kommerzialität.

Kunst als Inspirationsquelle: o.T. (Floor Dance), New York, 1998. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Die Kunst und die Kunstgeschichte dienen ihr vielfach als Inspirationsquelle. Ihre Nähe zur bildenden Kunst wurde auch durch ihre Ehen mit den Künstlern Kurt Kocherscheidt und Martin Kippenberger verstärkt. Semotan nutzt ihr umfassendes Kunstverständnis und geht sehr frei und kreativ an ihre Aufträge heran. Künstlerische Aneignungen, Adaptionen und Hommagen an Kunstwerke, Künstlerinnen und Künstler finden sich in etlichen ihrer Serien, etwa „Inspired by Lucian Freud“ aus dem Jahr 1997, „Präraffaeliten“ von 2005 und in Arbeiten, die auf ikonische Bilder von so berühmten Fotografinnen und Fotografen wie John Coplans, Diane Arbus, Irving Penn oder Robert Frank Bezug nehmen.

www.kunsthauswien.com           semotan.com

Programmvorschau 2021: www.youtube.com/watch?v=yBktIA0jRhk           Trailer: www.youtube.com/watch?v=61JQ8RlJHYM           www.youtube.com/watch?v=DpViSCkAvRw

28. 12. 2020

Halloween-Tipps: Party machen in Gruselgebäuden

Oktober 26, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

The Murder House / The Mortuary / Das schaurige Haus

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

Nur wegen #Corona muss Halloween 2020 noch lange nicht ausfallen. Zwar ist vor Trick-or-Treat-Umzügen abzuraten, doch Party machen in Gruselbauten ist allemal möglich – wann sonst als an Samhain sollte man sich schon mit einer Maske schmücken? Zu den bekannten Kürbisköpfen wie Michael Myers, dem guten

alten Freddy, Leatherface oder Mörderpuppe Chucky gesellen sich dies Jahr ein paar neue Spukgestalten. Netflix bietet auf www.netflix.com/at/browse/genre/108663 Serien wie „Spuk in Bly Manor“, „Der Nebel“ und „Ratched“ (über die böse Oberschwester in „Einer flog über das Kuckucksnest“) teilweise kostenlos an. Dazu Horror-, Psycho- und Kinderfilme von „House at the End of the Street“ über „Haus der 1000 Leichen“ bis „Hotel Transilvanien“, und Haus, das ist auch das Stichwort für drei besondere Halloween-Tipps:

The Murder House

Das „American Horror Story“-Mörderhaus öffnet sich am Halloween-Wochenende für einen paranormalen Livestream, beginnend am 29. Oktober in der Abenddämmerung bis Sonnenuntergang am 1. November. Hausbesitzer Prof. Dr. Ernst von Schwarz und Gattin Angela Oakenfold veröffentlichen auf mottingers-meinung.at vorab eine Teilnehmerliste zur Veranstaltung im berüchtigten historischen Denkmal in Los Angeles:

Screenshot: The Murder House

Screenshot: The Murder House

Die allererste paranormale Untersuchung wird von Exorzisten-Bischof James Long durchgeführt, der in „Ghost Adventures“, „The Possessed“, „Gates Of Hell“, „Exorcism Live!“ und „Portals To Hell“ aufgetreten ist.  Die berühmte Hellseherin und weiße Hexe Patti Negri aus „Ghost Adventures“ wird die erste Séance des Hauses leiten. Michelle Belanger, Vampir-Spezialistin und gefeierte Autorin, die in „Paranormal State“, „Portals To Hell“ und „The Real Vampire Files“ zu sehen war, wird in die gespenstische Welt des Okkulten eintauchen. Zur Geisterjagd wie zur Séance sind die Zuschauer herzlich eingeladen.

Die renommierte Historikerin und Halloween-Expertin Lisa Morton nimmt einen mit auf eine Entdeckungsreise durch die Geschichte und Traditionen von All Hallows’ Eve. Die Tarot-kundige Sasha Graham wird die Rätsel des Kartensets lüften, und ein glücklicher Ticketbesitzer erhält eine virtuelle Lesung live on air. Energieheiler Satish Dholakia wird Ratschläge geben, wie man sich vor negativen Energien und unerwünschten bösen Entitäten schützen kann. Der Psychiater Dr. Waguih Ishak wird über die süchtig machende Natur des Grauens und die Pathologie der Angst sprechen. Hausbesitzer und Kardiologe Prof. Dr. Ernst von Schwarz vertieft sich in die Geschichte der mittelalterlichen Foltertechniken.

Der „Murder House“-Livestream wird mit 15 Kameras, die im gesamten 10.000 Quadratmeter großen Haus aufgestellt sind, das ganze Wochenende lang live übertragen. Über den Live-Stream hinaus sehen die Zuschauer das tägliche Programm. Während der Live-Stream mit Eintrittskarte für alle zugänglich ist, wird „The Murder House“ sein Innerstes für sechs glückliche – oder unglückliche – Fans öffnen. Je zwei von ihnen werden sich für je eine der drei Nächte im schrecklichen Keller wiederfinden, während sie live in die Welt gestreamt werden – und ein Arzt ihre Lebenszeichen und ihren psychologischen Zustand überwacht …

Ein Ticket zu 25$/knapp 22€ ermöglicht drei Tage lang 24 Stunden virtuellen Zugang zum Haus und allen Veranstaltungen. www.themurderhouse.com           Trailer: vimeo.com/469181741

The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

Eine dunkle Erzählerstimme raunt Bedrohliches, die Kamera entschwebt durch einen Wald, vorbei an einem Schild mit der Aufschrift „Raven’s End“, ein Unwetter tobt, die Raben krächzen – und ein Bub hastet mit seinem Fahrrad durch Forst und Flur. Bis er zu einem abgelegenen Anwesen kommt, dem örtlichen Leichenschauhaus, das zugleich ein Krematorium ist.

Mit seinem Spielfilmdebüt „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“, seit Freitag in den Kinos zu sehen oder z.B. via Amazon zu streamen, hält Drehbuchautor und Regisseur Ryan Spindell an jener Gruselatmosphäre und seinem Sinn für morbiden Spaß fest, die man von seinen schwarzhumorigen Kurzfilmen kennt. Wie in diesen mixt er auch hier Horror-, Fantasy- und Comedy-Elemente. „The Mortuary“ ist als Anthologie konzipiert, die Episoden sind mit einer Rahmenhandlung verknüpft – und fürs Finale hat Spindell seinen 22-Minüter „The Babysitter Murders“ aus dem Jahr 2015 wieder aufgegriffen.

The Mortuary: Clancy Brown. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

Vor allem aber beschert einem „The Mortuary“ ein Wiedersehen mit spooky Highlander Clancy Brown. Denn wer in Raven’s End stirbt, landet auf dem Tisch des von ihm grandios verkörperten Leichenbestatters from Hell Montgomery Dark. Bei ihm sind die Verstorbenen in besten Händen. Als sich eines Tages die furchtlose Sam, Leinwandentdeckung Caitlin Fisher, um die freie Assistentenstelle bewirbt, ist er beeindruckt von ihrer Faszination fürs Makabre – und auf ihren Wunsch hin beginnt er Geschichten über seltsame Todesfälle zu erzählen. Und so geht es von einem kurzen Kammerspiel, das in den 1950er-Jahren angesiedelt ist und einer Diebin im Badezimmer des gerade Bestohlenen eine höchst unangenehme, Cthulhu-artige Überraschung beschert, zu einem drastischen Stück Body-Horror, das in ein Sixties-College führt.

Wo einem arroganten Aufreißer-Studenten eine tödliche Lektion in Sachen Safer Sex erteilt wird – Stichwort: Wo kommen die Babys her? Ja, genau … Von Szene zu Szene steigert Spindell die Subtilität seines Horrors, auf nicht wenig Blut folgen ungeahnte Absurditäten, auf eine düstere Geschichte in den 1970er-Jahren über einen verzweifelten Ehemann, der in einem mörderisch moralischem Dilemma steckt, und wie perfide, man identifiziert sich tatsächlich mit ihm, nicht mit dem Opfer, folgt schließlich jene „Halloween“-Variation um eine junge Frau in einem nächtlichen Haus und eine grausame Mordserie in einem US-Vorort der 1980er. Ryan Spindell bedient sich des episodischen Horrorgenres wie „Der grauenvolle Mr. X“ und „Die Todeskarten des Dr. Schreck“, und Clancy Brown steht großen Vorbildern wie Vincent Price, Peter Cushing oder Christopher Lee in nichts nach.

Spindells volle Aufmerksamkeit gilt aber der Sam von Caitlin Fisher, der er nicht den weiblichen Stereotyp von Hysterie, Kreischen, hilf- und vor allem kopflosem Wegrennen, sondern die Rolle einer intelligenten, so gar nicht unschuldigen Frau auf den Leib geschrieben hat. Dieser gehört das trick- und twistreiche Ende: ein entschlossener Babysitter, Verfolgungsjagden durchs Haus, Gegner, die sich bis zum Letzten bekämpfen und alles als Waffe hernehmen, das zur Hand ist, ein gestresster Tunnelblick, verzerrte Stimmen – und die feministische Erkenntnis, das nichts zwingend so sein muss, wie es auf den ersten Blick scheint … www.trapdoorpictures.com/the-mortuary-collection-main          Trailer:www.youtube.com/watch?v=f9T3ld_juyo           www.youtube.com/watch?v=iZHg9xcK83s

Das schaurige Haus

Für weniger starke Nerven und als Gruselspaß für die ganze Familie empfiehlt sich das Spielfilmdebüt „Das schaurige Haus“ von Daniel Geronimo Prochaska, Sohn des mit „Das finstere Tal“ oder „In 3 Tagen bist du tot“ genre-affinen Filmemachers Andreas Prochaska. Der Mystery-Film, ab Freitag im Kino, der auf dem gleich- namigen Jugendroman der deutschen Autorin Martina Wildner basiert, erzählt vom 16-jährigen Hendrik aus Hannover, der mit Mutter und kleinem Bruder Eddi nach Bad Eisenkappel/Železna Kapla in Kärnten übersiedelt.

Schon kurz nach der Ankunft mehren sich die seltsamen Geschehnisse im eher Bruchbude als Bauernhaus zu nennendem neuem Heim. Eddi beginnt mit Schlafwandeln, Hendrik plagen Albträume, ein Foto der Vorgängerfamilie hängt, wie oft auch weggeräumt, am nächsten Morgen wieder an seinem Platz an der Wand, in die Eddi plötzlich slowenische Wörter ritzt, die geheimnisumwitterte Nachbarin steht betend am Fenster, und – eh klar – hinterm Hof liegt ein verwitterter Friedhof.

Das schaurige Haus. Bild: Filmladen Filmverleih

Das schaurige Haus: Inge Maux. Bild: Filmladen Filmverleih

Als Eddi auch noch Slowenisch zu sprechen anfängt, die Augen in diesen Szenen pechschwarz angelaufen, ach, es gibt nichts Schöneres als unheimliche Kinder, als sich Hendrik mit Nerd Fritz anfreundet und in die fesche Ida verliebt, beschließen die Jugendlichen dem Spuk ein Ende zu bereiten. Die Story dahinter kennt Fritz: Einst wohnte im Haus eine aus Slowenien stammende Mutter, die ihre beiden Söhne ermordet haben soll, bevor sie sich das Leben nahm – und deren Geister wollen nun via der Körper von Hendrik und Eddi Rache nehmen.

Die Leinwand-Adaption von „Das schaurige Haus“ trieft gleich „The Mortuary“ vor Genreklischees, nur weiß man hier nicht mit so nonchalantem Augenzwinkern damit umzugehen. An der Goonies’schen Coming-of-Age-Abenteuer-Horror-Story: „Outcast mit nervigem Sidekick meets Teenagerromanze“ erfreuen, neben den jugendlichen Darstellern León Orlandianyi und Benno Rosskopf als Gebrüder Hendrik und Eddi, Marii Weichsler als toughe Ina und dem wundersamen Lars Bitterlich als Fritz, Inge Maux als seltsame Nomen-est-omen-Nachbarin Frau Seelos, die sich mit Salzringen gegen jenseitige Mächte schützt, und last, but not least Michael Pink als Immobilienmakler Röckl.

Der Friesacher in perfektem Karntnerisch, der das Sinistre seiner Figur erst gar nicht verbirgt. Bei ihm laufen die Fäden denn auch zusammen, in einem Schluss, der sehr nach „Landkrimi“ schmeckt (der noch nicht ausgestrahlte Kärntnerische, betitelt „Waidmannsheil“, ist übrigens tatsächlich von Daniel Geronimo Prohaska). Die Zuschauer wird das am Filmvergnügen nicht hindern, doch sei’s gesagt: Der Teufel steckt im Detail. Und so verärgert, im Buch geht es um eine norddeutsche Familie, die ins Allgäu zieht, warum ein slowenisches Gespensterkind „Ralf“ heißen muss, wo doch ein Radin oder Rajko möglich gewesen wäre, oder wie ein Paar aus dem bäuerlichen Milieu sich eine „Haushälterin“ einstellen sollte, wo’s eine Wirtschafterin sein müsste.

Dass Daniel Geronimo Prohaska für seine Deix‘ischen Dorfbewohner den Humor fürs Culture Clashen gepachtet hat, ist der große Pluspunkt des Films. Im wirklichen Leben, mit einer amerikanischen Freundin, die drüben natürlich Deutsch-Deutsch lernte, folgender Szene selbst beigewohnt: Hendrik/US-Freundin geht in die Greißlerei und verlangt sechs Brötchen. In Floridsdorf, Greißlerin: Brötchen is bei mir wos mit an Ei und an Gurkerl. Im Film, Greißlerin: Ah, wos? Ah so, Semmeln!

Das schaurige Haus: www.dasschaurigehaus.at           Trailer: www.youtube.com/watch?v=IdrDBKfeTgw

26. 10. 2020

Kunst Haus Wien: Nach uns die Sintflut

September 7, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Klimakatastrophe in Wort und Bild

Solmaz Daryani, aus der Serie: The Eyes of Earth (The Death of Lake Urmia), seit 2014. © Solmaz Daryani: „This ship was built in 1996 and was grounded with a significant decrease in the water of Lake Urmia, four kilometers from the shore of the Lake Urmia port.“

Schwindende Gletscher und Polkappen, steigende Meeresspiegel und versteppte Landflächen: die Folgen der Klimakrise sind längst sichtbar. „Nach uns die Sintflut“ heißt die große Herbstausstellung des Kunst Haus Wien, die ab 16. September mit den Mitteln der Kunst die Dringlichkeit des Themas aufzeigt. 21 österreichische und internationale Künstlerinnen und Künstler veranschaulichen durch Fotografie und Video die ökologischen Auswirkungen unseres wachstumsorientierten Wirtschaftssystems.

Die Werke aus den vergangenen zehn Jahren sind oft in intensiver Recherche und in Zusammenarbeit mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern entstanden. Sie geben den abstrakten Prozessen und komplexen Zusammenhängen der Klimakrise eine visuelle Form und berühren auf emotionaler Ebene. Die Ausstellung steht programmatisch für die Anliegen und Schwerpunkte, die das Kunst Haus Wien als Grünes Museum verfolgt: Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen sowie künstlerische Fotografie.

Anastasia Samoylova, Pink Sidewalk, 2017, aus der Serie: FloodZone, seit 2016. © Anastasia Samoylova, Courtesy: Anastasia Samoylova & Galerie Caroline O’Breen, Amsterdam

Genoveva Kriechbaum: The World / The Heart of Europe, 2018. © Genoveva Kriechbaum, Bildrecht, Wien, 2020

Anastasia Samoylova: Roots, 2018, aus der Serie FloodZone, seit 2016. © Anastasia Samoylova, Courtesy: Anastasia Samoylova & Galerie Caroline O’Breen, Amsterdam

„Nach uns die Sintflut“ zeigt die Schönheit der Natur genauso wie durch Dürre, Flut oder Bautätigkeit zerstörte Landstriche und Regionen. Der alpine Bereich ist von der Klimaerwärmung besonders betroffen. Exemplarisch dafür steht Axel Braun, der anhand von historischen Aufnahmen das erschreckende Schwinden der Pasterze dokumentiert. Michael Goldgruber hat für die Ausstellung eine neue Arbeit produziert, die die Veränderung der hochalpinen Landschaft in den Ötztaler Alpen in Tirol zum Inhalt hat. Douglas Mandry hält in seiner Serie „Monuments“ den Prozess des Verschwindens von Gletschereis auf weißer Folie, die zum Abdecken der Gletscher verwendet wird, in den Schweizer Alpen fest.

Die aus den Niederlanden stammende Anouk Kruithof reiht in ihrer Videoarbeit „Ice Cry Baby“ Aufnahmen einstürzender Gletscher aus aller Welt aneinander und unterlegt die Bilder mit dem Sound des brechenden und fließenden Eises. Permafrost als Klimaindikator thematisiert Benedikt Partenheimer in seiner Fotoserie „Memories of the Future“. Dabei mahnt er vor den fatalen globalen Folgen des drohenden Auftauens der gefrorenen Böden in Alaska. Verena Dengler präsentiert Fotografien und Aquarelle von ihrem Aufenthalt in Spitzbergen 2018: Stillgelegte Kohleminen und durch die Gletscherschmelze freigelegte Felslandschaften zeichnen ein aktuelles Bild der Einflüsse der Klimaerwärmung und brachliegender Kohleminen. Der Fotograf Sarker Protick widmet sich der Erosion der Flussufer des Ganges in seinem Heimatland Bangladesch.

Justin Brice Guariglia reflektiert mit seiner Arbeit das Anthropozän, die gegenwärtige geologische Epoche, in der menschliche Aktivitäten den dominierenden Einfluss auf Klima und Umwelt ausüben. Dafür arbeitet er etwa mit der NASA-Mission Oceans Melting Greenland zusammen, die untersucht, wie groß der Einfluss der Erwärmung der Ozeane auf die grönländische Eisschmelze ist. Auf die Verantwortung des Menschen für sein Tun spielen Nicole Six & Paul Petritsch in ihrer Videoarbeit „Räumliche Maßnahmen (1)“ an, in der man eine Person beobachten kann, die mit einer Hacke auf die Eisoberflache einschlägt, auf der sie steht.  Christina Seely spielt in einer Zweikanal-Videoinstallation auf den weltweiten Zusammenhang der Ökosysteme an, indem sie Aufnahmen des panamaischen Regenwaldes dem Grönländischen Eisschild gegenüberstellt.

Sarker Protick, aus der Serie: Of River and Lost Lands, 2011-2018. © Sarker Protick

Benoit Aquin, Berger à Wuwei, 2006, aus der Serie: The Chinese Dust Bowl, 2006-2009. © Benoit Aquin

B. Partenheimer: Methane experiment, Alaska 2017, Serie: Memories of the Future. © B. Partenheimer, Bildrecht Wien 2020

Nicole Six & Paul Petritsch: Räumliche Maßnahme (1), 2002. © Nicole Six & Paul Petritsch, Bildrecht, Wien, 2020

Der Ausstellungstitel „Nach uns die Sintflut“ ist dem ersten Band „Das Kapital“ von Karl Marx entnommen – „Aprés moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“. Bereits vor 150 Jahren hat er die menschliche Intervention als faktische Umweltzerstörung erkannt und die Gleichgültigkeit darüber festgehalten. Er kritisiert ein Verhalten, das nur auf den eigenen, kurzfristigen Profit bedacht ist und die systemischen Zusammenhänge sowie dramatischen Folgen auf das gesamte Ökosystem ignoriert. Das Streben nach immer weiterem Wachstum entzieht der Menschheit ihre Lebensgrundlage. Die drastischen Auswirkungen des Eingreifens in die Natur sind auch an der aktuellen #Covid-19-Krise ablesbar.

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Begleitprogramm geplant: eine Diskussionsreihe in Kooperation mit Fridays for Future zu umweltrelevanten Themen sowie Reading Classes zu Karl Marx mit Lukas Egger von der Uni Wien.

www.kunsthauswien.com

7. 9. 2020

das weisse haus: Travel Apparatus

Juni 15, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Ferndestination der Wahl zum Selberscreenen

Lisa Großkopf & Lena Schwingshandl: alles meins, 2019, Filmstill

Muss man einen Ort physisch betreten, um ihn zu erleben? Als unmittelbare Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen, bietet das weisse haus in seinen Ausstellungsräumlichkeiten den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, mit dem Screening-Programm „Travel Apparatus“ an 34 Destinationen zu reisen, ohne die Stadt zu verlassen, von Ghana, Marokko, Thailand bis

hin zum Nordpol – jedes Land entspricht einer Videoarbeit. Doch nicht das touristische Erlebnis steht im Vordergrund, sondern das Nachdenken über die Folgen der globalen Erwärmung, das Erkennen sozialer Ungleichheit, die Konfrontation mit gesellschaftspolitischen Fragen und – bestenfalls – das Einnehmen einer anderen Perspektive gegenüber der Welt.

Jede und jeder kann den Inhalt der Reise selbst wählen und die Dauer des Auslandsaufenthalts individuell gestalten. Wohin soll’s gehen? Nach Spanien, wo private Pools durchschwommen werden. Nach Tuvalu, um die Dürre- und Überschwemmungsperioden zu erleben, von denen diese Gegend jährlich betroffen ist. Nach Ägypten, um die Pyramiden anhand ihrer Darstellung im Film neu zu entdecken. In den Iran, um den Alltag einer iranischen Familie kennenzulernen. Oder doch lieber an den Nordpol, um dort die einsamen Eislandschaften und den endlosen blauen Himmel zu genießen.

Enrique Ramírez: Un hombre que camina, 2014, Filmstill

Evy Jokhova: In this hot desert I miss the snow, 2018, Filmstill

„Travel Apparatus“ eröffnet eine Möglichkeit des Aufbruchs in einer Zeit, die das Reisen zur Unmöglichkeit erklärt hatte: für sich allein zur Destination der Wahl und ohne zu wissen, auf welchen künstlerischen Blick man sich dabei einlässt. Das Screening-Programm findet von 18. 6. bis 20. 8. jeden Donnerstag von 12 bis 21 Uhr statt –

mit Videoarbeiten von Yael Bartana, Ben Bigelow, Carolina Boettner, Viktor Brim, Danaya Chulphuthiphong, Rah Eleh, Flatform, Siegfried A. Fruhauf, Johannes Gierlinger, Lola González, Lisa Großkopf & Lena Schwingshandl, Ayesha Hameed & Hamedine Kane, Saman Hosseinpuor & Ako Zandkarimi, Invernomuto & Jim C. Nedd, Fermín Jiménez Landa, Evy Jokhova, Anna Frida Jónsdóttir, Karrabing Film Collective, Annja Krautgasser, Claudia Larcher, Katharina Anna Loidl, Johann Lurf, Maha Maamoun, Randa Maroufi, Lukas Marxt, METASITU, Suzannah Mirghani, Ryts Monet, Adrian Paci, Marlies Pöschl, Enrique Ramírez, Kamen Stoyanov, Lisa Truttmann & Marta Armengol Pujol, Guido van der Werve und Kay Walkowiak.

Katharina Anna Loidl: Out Of In Between, 2014, Filmstills

Und so funktioniert’s: 1. Anmelden Melden Sie sich beim Information-Desk an. 2. Platz nehmen Nehmen Sie im Wartezimmer Platz und blättern Sie im digitalen Katalog. 3. Auswählen Wählen Sie aus dem Angebot Ihr bevorzugtes Reiseziel aus und füllen Sie das Buchungsformular aus. 4. Einstimmen Während die Tour Operators die Buchung bearbeiten, werden Sie von Adrian Paci’s “Centro di permanenza temporanea” auf Ihre geplante Reise eingestimmt. 5. Einsteigen Nach einer kurzen Wartezeit werden Sie zum Screening geleitet. 6. Verreisen Nun kann Ihre Reise beginnen. Bon Voyage!

www.dasweissehaus.at

15. 6. 2020

Kunsthalle, Kunsthaus und Kunsthistorisches öffnen

Mai 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zu Pfingsten gilt „Pay as you wish!“

… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?, 2019, Filmstill. Courtesy die Künstlerin & mor charpentier gallery, Paris

 

Zum Pfingstwochenende öffnen das Kunsthistorische Museum Wien, die Kunsthalle und das Kunsthaus wieder ihre Pforten.

kunsthalle wien: … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden.

… ist ab 29. Mai wieder zu sehen, und auch am Pfingstmontag wird das Haus geöffnet sein.

Während des gesamten langen Wochenendes gilt punkto Eintritt: Pay as you wish! Die Ausstellung ist die erste von What, How & for Whom / WHW – Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović – kuratierte Ausstellung, seit das Kollektiv die Leitung der Kunsthalle Wien übernommen hat. Sie bietet einen Überblick über die vielfältigen künstlerischen und politischen Bestrebungen, mit denen sich WHW über die Jahre auseinandergesetzt haben. Sie stellt einige der vielen Künstlerinnen und Künstler vor, die ihre kollektive Tätigkeit im Lauf der Jahre inspiriert haben. Zugleich skizziert die Ausstellung die Orientierung des Programms, das die Direktorinnen in den nächsten fünf Jahren entwickeln wollen.

Der Titel der Schau zitiert den libanesischen Schriftsteller Bilal Khbeiz, der am Beginn der 2000er-Jahre über einige der Dinge sinnierte, die den Unterschied zwischen den Träumen der Menschen im Globalen Süden und jenen im Westen ausmachen. Mit genau dieser Aufzählung – Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – brachte Khbeiz die Vorstellung eines „guten Lebens“ auf den Punkt, das damals für große Teile der Menschheit unerreichbar war. Fast zwei Jahrzehnte später scheint es, als sei die Befriedigung solcher Grundbedürfnisse für immer mehr Menschen auch an Orten gefährdet, wo sie einmal als selbstverständlich galt:

Der Klimawandel lässt den Fortbestand des Lebens auf der Erde fraglich erscheinen; die Zerstörung der Umwelt schreitet immer schneller voran; die Finanzkrise von 2008 hat den Glauben zerstört, dass der Kapitalismus im Kern gut sei und seine Segnungen auf lange Sicht das Leben auch der Ärmeren und Ärmsten verbessern würden. Es scheint, als ob mittlerweile alle aufgezählten Elemente einen üblen Beigeschmack haben. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmittel ist global ungerecht verteilt und die industrielle Landwirtschaft verursacht enorme Schäden – während die, die genug haben, Brot und Wein mit Gefühlen von Schuld und Scham, mit zwanghafter Selbstoptimierung und rücksichtslosem Konsum verbinden … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=38710

Alec Soth: Ukraine. Odessa. 2018. Galina. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Arcadie. Bucharest, 2018. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Anna. Kentfield, California., 2017. © Alec Soth / Magnum Photos

Kunst Haus Wien: Alec Soth. Photography ls A Language

… kann ab 31. Mai wieder besucht werden. Bei freiem Eintritt und mit einem speziellen Programm steht dem Kunstgenuss am Pfingstsonntag und -montag nichts mehr im Wege. Unter anderem gibt es um 10 Uhr ein American Breakfast & Ausstellungsgespräch, Anmeldung: info@kunsthauswien.com, und um 15 Uhr im Garten die Weinprobe „Vivo Rosé“ des Weingut Mehofer-Neudeggerhof mit musikalischer Begleitung.

Der Amerikaner Alec Soth zählt seit einigen Jahren zu den wichtigsten Fotografen weltweit. Mit der Serie „Sleeping bq the Mississipi“ wurde er 2004 schlagartig berühmt: In die Fußstapfen von Robert Frank tretend, dokumentierte der Künstler auf seinem Roadtrip entlang des Mississippi das amerikanische Leben – subjektiv, mit viel Poesie und Melancholie. Soths fotografisches Werk – er ist Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos – findet sich seither in allen namhaften Ausstellungshäusern und Fotografie-Institutionen. Seine Personale im Kunst Haus Wien kann als Österreichpremiere bezeichnet werden:

Soths bekannteste Serien „S/eeping bg the Mississippi“  von 2004, „Niagora“  von 2006, „Broken Monuo/ (2OIO)“ und „Songbook“ von 2015 sind erstmals in Wien zu sehen, ebenso seine jüngste Arbeit „/ Know How Furious/g Your Heort ls Beating“ aus dem Jahr 2019. Mit dieser verdichteten Porträtserie hat der Künstler nach einer einjährigen Schaffenspause erneut Furore gemacht. Soths fotografisches Werk besticht durch seine poetische Bildsprache. Ihm gelingt es virtuos, vorstädtische und ländliche Gegenden in den USA, Menschen und Situationen ins Bild zu setzen. Seine groß angelegten Serien können als Fallstudien der US-amerikanischen Gesellschaft gelesen werden.

Soths Fotografien geben Einblick in das Leben gewöhnlicher wie auch manch ungewöhnlicher Menschen; sein Interesse gilt der breiten Mittelschicht abseits der Metropolen sowie Menschen am Rande der Gesellschaft. Der thematische Zugang von Soth ist von einem philanthropischen Interesse geprägt. Er bedient sich einer dokumentarischen Herangehensweise, wobei er sich von seinem poetischen Blick leiten lässt. Seine in großen Serien zusammengefassten Fotografien bewegen sich zwischen Realität und Fiktion und entwickeln eine außergewöhnliche narrative Kraft.

Manche Aufnahmen sind schon allein aufgrund ihres Sujets poetisch, wirken malerisch, sind bisweilen romantisch aufgeladen, etwa wenn Soth die Niagarafälle in all ihrer Pracht ablichtet. Aber auch den konkreten Darstellungen von Menschen und Orten wohnt stets etwas Träumerisches, Entrücktes inne. Der Blick der Dargestellten spielt dabei wohl eine ebenso gewichtige Rolle wie das Licht, in das die Schauplätze getaucht sind. In Soths Aufnahmen spiegeln sich Vorstellungen von Lebenssituationen oder Liebes-/Beziehungen wider, wie sie im amerikanischen Film, in Literatur und Musik geprägt wurden. In seinen vielfach ausgezeichneten Fotobüchern werden die fotografischen Arbeiten von Essays, Kurzgeschichten oder Auszügen aus Songtexten von verschiedenen Autorinnen und Aitoren, etwa dem Pulitzer-Preisträger Richard Ford, begleitet.

Sie tragen zur Gesamterzählung bei und unterstreichen die sehnsuchtsvolle, mitunter melancholische Tendenz, die den eigenwilligen Reiz der Aufnahmen ausmacht. Soth schafft außergewöhnlich eindringliche Porträts von Menschen und Orten. In seiner einzigartigen fotografischen Sprache erzählt er von großen Gefühlen wie Liebe und Einsamkeit und reflektiert weitreichende gesellschaftspolitische Themen, etwa wenn er Aussteiger oder Außenseiter der US-amerikanischen Gesellschaft porträtiert. In seinen Bildern widerhallen zutiefst menschliche Sehnsüchte und Bedürfnisse, sie erzählen von trivialen wie von komplexen Lebensrealitäten, von physischen und psychischen Landschaften gleichermaßen … mehr: alecsoth com/photoeraphy

Pieter Bruegel d. Ä. : Bauernhochzeit, um 1567. KHM, Gemäldegalerie. © KHM-Museumsverband

Die Meisterwerke in der Gemäldegalerie locken zahlreiche Besucher. © KHM-Museumsverband

Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Hauses am Maria-Theresien-Platz. © KHM-Museumsverband

Benvenuto Cellini: Saliera, 1540-1543, Paris. Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer. © KHM-Museumsverband

Kunsthistorisches Museum Wien: The Best of Bruegel

Das Team von Generaldirektorin Sabine Haag freut sich schon auf die Wiederaufnahme des Museumsbetriebs am Pfingstsamstag. Das Kunsthistorische Museum wird heuer in den Monaten Juni, Juli und August täglich geöffnet haben, und von 30. Mai bis 30. Juni gilt im ganzen Haus „Pay As You Wish“. Zu sehen sind zunächst die einzigartigen Museumssammlungen und die Meisterwerken von Bruegel, Rubens, Caravaggio, Vermeer, Rembrandt, Raffael, Velázquez und vielen anderen am Standort Maria-Theresien-Platz. Die weiteren Häuser des KHM-Museumsverbands werden in den kommenden Monaten schrittweise wieder öffnen.

Die erfolgreichste Ausstellung, die je im Kunsthistorischen gezeigt wurde, war: „Bruegel – Once in a Lifetime“, sie hat inWien Ausstellungsgeschichte geschrieben. Bei der global größten Werkschau von Pieter Bruegel dem Älteren mit sensationellen Leihgaben aus aller Welt wurden 2018/2019 etwa drei Viertel aller erhaltenen Gemälde des flämischen Meisters und etwa die Hälfte seiner noch existierenden Zeichnungen und Drucke ausgestellt. Wer diese einmalige Ausstellung verpasst hat oder Bruegel neuerlich erleben möchte, kann seine bedeutendsten Gemälde jederzeit in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums erleben. Pieter Bruegel der Ältere war schon zu seinen Lebzeiten einer der begehrtesten Künstler, weshalb seine Werke bereits damals ungewöhnlich hohe Preise erzielten.

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Das Kunsthistorische Museum beherbergt mit seinen zwölf Werken die weltweit größte und bedeutendste Sammlung Pieter Bruegels des Älteren. Dies liegt darin begründet, dass die Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Unter den Bruegel-Meisterwerken im KKHM finden sich die berühmten Gemälde „Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich der „Turmbau zu Babel“ … mehr: www.insidebruegel.net

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23. 5. 2020