Harri Pinter Drecksau

Dezember 4, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Absolut sympathische Loser-Komödie

Harris Herzblut – Juergen Maurer schlägt mit der U12-Eishockeymannschaft des KAC ein. Bild: © ORF/arte/Graf/Petro Domenigg

Von den „Mighty Ducks“ bis zum „Miracle“ – Filme über Eishockey stehen auf der persönlichen To-do-Liste nicht besonders weit oben. Nicht einmal Paul Newman und „Slap Shot“ konnten daran etwas ändern. Nun aber „Harri Pinter Drecksau“: hinreißend, supersympathisch, eine warmherzige Loser-Komödie, die den Kinobesuch lohnt, noch bevor der Film ins Fernsehen kommt (ist er doch die dritte „ORF-Stadtkomödie“).

Ein wenig  zaghaft wagte man sich erst nur an eine Veröffentlichung in Kärnten, nun ist „Harri Pinter Drecksau“ dank des dortigen Erfolges seit Freitag österreichweit in den Kinos. Der Inhalt: Harri Pinter, 46, hat seine beste Zeit schon hinter sich, nicht nur optisch: in den 1980er-Jahren holte die berüchtigte „Drecksau“ – dies ein Ehrentitel, bei dem das Ohrlapperl eines „Russen“ eine Rolle spielte – dem KAC den Meistertitel.  Erfolge, die der nunmehrige Fahrlehrer und Trainer der U12-Mannschaft beim Bier mit seinen Haberern gerne aufwärmt. Als aber Dauerfreundin Ines mit ihrem Uniprofessor den Absprung probt, gerät Harris Welt- und Selbstbild gehörig ins Wanken. Und als ihm auch noch der Trainerposten weggenommen wird, versteht er gar nichts mehr …

Nach „Die Werkstürmer“ ist „Harri Pinter Drecksau“ die neue turbulente Komödie von Andreas Schmied. Und sie besticht, wie schon die vorherige, durch die großartigen Darsteller. Juergen Maurer ist die Idealbesetzung für den einfach gestrickten Kraftlackel Marke „raue Schale, weicher Kern“, der bei seinen Eishockeykids sogar batzweich wird. Sein Harri ist mehr armes Würstl als Macker, weit weniger testosterongesteuert, als er’s gern hätte, und stets peinlich bemüht seinen Freunden etwas zu beweisen.

Mit einem Blick wie ein gescholtener Rottweiler bewegt sich dieses so hilflos naive Mannsbild durch die Gegend. Wunderbar, wie er alle Frauen in seiner Umgebung nach dem neuen, sensiblen Gegenmodell fragt, zu dem er sich für die Ines entwickeln möchte. Die unbequemen Wahrheiten, die er dabei zu hören bekommt, lassen nur einen Schluss zu: „Die Weiba stehen auf so halbschwule Sachn.“ In einer der witzigsten Szenen versucht er mit à la 80er Jahre aufgekrempelten Sakkoärmeln in der Disco einen Stich zu machen. Sehr fein auch, dass in der Kantine nicht Tischfussball, sondern Tischeishockey gewuzzelt wird.

Flasch gewährt Harri seine „5 minutes of fame“: Juergen Maurer und Andreas Lust. Bild: © ORF/arte/Graf/Petro Domenigg

Harri begleitet Dörki auf seinem schweren Weg zu Miri: Juergen Maurer und Hosea Ratschiller. Bild: © ORF/arte/Graf/Petro Domenigg

Flankiert wird Harri von Andreas Lust als Unsympathler vom Dienst, Flasch, der beim KAC auf Funktionärsebene große Karriere bis zum Vereinspräsidenten machen will, und Hosea Ratschiller als Dodl von der Vereinszeitung, Dörki, der unsterblich in die Kantinenkraft verliebt ist. Julia Cencig spielt die Ines, Dominik Warta ihren Uniprof – und alle beherrschen sie den Kärntner Dialekt aus dem Effeff.

Am Ende, eh klar, wird Harri zum Hero. Durchschaut alle Machenschaften und erkennt, dass Dörki sein einziger echter Freund ist. Entdeckt hinter Helm und Brustschutz seine perfekte Mischung aus Macho und Schmusebär. Das Dilemma moderner Männer. Doch gerade, weil Harri an allem (ver)-zweifelt, ermannt er sich. Schließlich gilt es ein Spiel und die Frau fürs Leben zu gewinnen …

Trailer: www.youtube.com/watch?time_continue=56&v=1V-adkDjncI

  1. 12. 2017

Jazz Fest Wien 2013

Juni 5, 2013 in Tipps

Bei Bryan Ferry bebt die Staatsoper

Bleiben die Temperaturen noch länger so winterlich, wird’s umso mehr Zeit für heiße Musik: Von 17. Juni bis 10. Juli steigt in Wien wieder das Jazz Fest. Traditionell an diversen Spielorten. Hier ein einige Highlights:

Das Eröffnungskonzert bestreitet  am 17. Juni in der Stadthalle Vokalakrobat Bobby McFerrin, ein gern und oft erlebter Gast des Jazz Fest Wien, mit seinem Gospel- und Spiritual-Programm „Spirit You All“, das daran erinnert, dass beim Jazz Geist und Genießen eine vollkommene Einheit bilden sollen. Wie weltumspannend diese Idee ist, werden der italienische Pianist, Sänger und Altmeister des jazzinspirierten italienischen Liedguts Paolo Conte mit seinem Konzert am 24. Juni und der deutsche, durchaus als Jazz-Musiker ernst zu nehmende Komiker Helge Schneider mit seinem Gast Scott Hamilton am 27. Juni  zu Gehör bringen.

Bryan Ferry

Bryan Ferry

Weiter geht es am 1. Juli in der Wiener Staatsoper. Bryan Ferry, mit Blues und Jazz großgeworden und mit Glamrock in den Pop-Olymp aufgestiegen, findet altersweise zum Jazz zurück. Seine betörend sinnlichen Flirts mit Verlangen und Enttäuschung wird der nun zum zweiten Mal auf dem Jazz Fest auftretende Brite gehörig zelebrieren, solo am Klavier, mit Orchester und mit Standards aus dem Great American Songbook und den Hits seiner Karriere. Leisere Töne werden von der in Wien bestens bekannten norwegischen Sängerin Rebekka Bakken am 4. Juli angeschlagen. Am 6. Juli spielt die Jazz-Legende George Benson in der Wiener Staatsoper, und sein samtweich groovendes Gitarrenspiel eröffnet gleichzeitig die Funk- und Soul-Schiene des Festivals und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Kunst des Gitarrenspiels. Er und Bonnie Raitt, der Auftritt des amerikanischen Bluesrockgitarristen Robben Ford am 9. Juli im Arkadenhof des Rathauses, das Konzert des Fusion-Gitarristen Mike Stern, der zusammen mit Victor Wooten am 1. und 2. Juli im Porgy & Bess auftritt, das dortige Aufspielen der ungarischen, klassisch ausgebildeten Gitarristin Zsofia Boros am 6. Juli, die Auftritte des Rockjazz-Gitarristen Richie Kotzen am 29. Juli im Reigen und der von Harri Stojka auf der Bühne vor dem Rathaus, sie alle verleihen in diesem Jahr dem Gitarrenspiel eine gewichtige Bedeutung.

Die Blues-Soul-Funk-Jazz-Schiene des Programms wird mit dem Doppelkonzert von Randy Crawford, Joe Sample und der Newcomerin China Moses am 7. Juli in der Staatsoper ebenso fortgeführt wie mit dem Auftritt von Bluessänger John Lee Hooker Jr. im Reigen (3. Juli) und dem in der Fernwärme abgehaltenen Freiluftkonzert. Am 29. Juni wird dort Marlon Roudette, der mit Mattafix den Nummer–Eins-Hit „Big City Life“ einspielte, auftreten, davor Martha High, afroamerikanische Sängerin mit Gospel- und Soulhintergrund bei James Brown, dem Publikum mit klassischen Soul einheizen. Eric Burdon, der mit seinem aktuellen Album ‚Til Your River Druns Dry‘ gerade von der Kritik gefeiert wird, gibt sich am 10. Juli im Arkadenhof des Rathauses die Ehre. Der Auftritt des legendären längst siebzigjährigen Rock- und Bluesshouters ist die wahre Sensation des diesjährigen Jazz Fest. Mehr unter:

www.viennajazz.org

Von Rudolf Mottinger

Wien, 5. 6. 2013