10 Jahre Theater a.d. Wien: José Carreras singt „El Juez“

September 22, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Dreigroschenoper“ mit Angelika Kirchschlager und Tobias Moretti, Nikolaus Harnoncourt dirigiert „Fidelio“

Bild: Theater an der Wien

Bild: Theater an der Wien

Im Jänner 2016 feiert das Theater an der Wien mit drei hochkarätig besetzten Opernaufführungen sein zehnjähriges Bestehen als Opernhaus. Intendant Roland Geyer präsentierte am Dienstag das Programm: Den Auftakt macht die Premiere von Bert Brechts und Kurt Weills „Die Dreigroschenoper“ am 13. Jänner in einer Inszenierung von Keith Warner mit Tobias Moretti als Mackie Messer, Angelika Kirchschlager und Florian Boesch als Ehepaar Peachum und Anne Sofie von Otter als Spelunkenjenny. Es folgen zwei Festkonzerte: Am 17. Jänner steht Beethovens „Fidelio“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus Wien und den Solisten Michael Schade, Juliane Banse und Anna Prohaska auf dem Jubiläumsspielplan. Mozarts Oper „Idomeneo“ gelangt am 22. Jänner unter der musikalischen Leitung von René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester zur Aufführung.

Mit einem außergewöhnlichen szenischen Sonderprojekt, der Oper „El Juez“ von Christian Kolonovits mit Opernsuperstar José Carreras in der Titelpartie, wird der Jubiläumsspielplan des Theater an der Wien am 2. und 5. Juli 2016 erweitert. Kolonovits behandelt in seiner Oper ein dunkles Kapitel spanischer Geschichte: Zur Zeit der Franco-Diktatur wurden nicht regimetreuen Eltern ihre Kinder weggenommen, um sie in Klöstern und anderen Einrichtungen umzuerziehen. Die Kirche, die federführend an der Entführung der Kinder beteiligt war, weigert sich bis heute, Aufzeichnungen und Informationen über die wahre Identität der „verlorenen Kinder“ preiszugeben – ein Konflikt, der die spanische Gesellschaft immer noch spaltet. Zwei Jahre war Kolonovits mit der Komposition seiner Oper beschäftigt, in der er mit der Librettistin Angelika Messner der Frage nach Recht und Unrecht und nach persönlicher Entscheidungsfreiheit nachgeht. Die bejubelte Uraufführung von „El Juez“ fand im April 2014 in Bilbao statt.

Die Rolle des Richters Federico Ribas wurde José Carreras, der mit ihr nach achtjähriger Absenz auf die Opernbühne zurückkehrte, auf den Leib geschrieben: „Meine Familie war stets gegen General Franco. Sie waren Republikaner und alles andere als rechts gerichtet. Zu Hause hörte ich meinen Vater und meinen Großvater über den Krieg sprechen und wie es in der Zeit vor Franco war. Deshalb ist dieses Thema so wichtig für mich“, sagt Carreras im Pressegespräch und erklärt über seine Rolle: „,El Juez‘ ist zwar eine zeitgenössische Oper, sie ist aber alles andere als atonal – es gibt wundervolle Melodien zu singen, Soli und Duette, und tolle Szenen zu spielen. Ich bin überglücklich, dass ich in ‚meinem‘ Wien in dieser Oper auf der Bühne stehen kann!“

Der Kartenverkauf für „El Juez“ startet am 22. September um 12 Uhr an der Tageskasse des Theater an der Wien, zeitgleich mit dem Onlineverkauf auf der Website

www.theater-wien.at

„El Juez“ zum Reinhören: Premiere im Mariinsky: www.youtube.com/watch?v=GWQ8Osqcmbs

Wien, 22. 9. 2015

Startenor Michael Schade in Melk

April 23, 2013 in Klassik

Neuer Künstlerischer Leiter der Barocktage im Stift

Michael Schade, Alexander Hauer Bild: www.photo-graphic-art.at

Michael Schade, Alexander Hauer
Bild: www.photo-graphic-art.at

Die Internationalen Barocktage Stift Melk haben in Startenor Michael Schade einen neuen, richtungsweisenden Künstlerischen Leiter gefunden. Schade übernimmt beginnend mit der Saison 2014 bis einschließlich Pfingsten 2016 die künstlerische Programmierung des traditionsreichen Festivals. „Wir streben zu noch größeren Festspielambitionen. Wir wollen als Leuchtturm und Hochburg der Hochkultur gelten, und das nicht nur für Melk und Niederösterreich. Ich freue mich maßlos nun zusammen mit dem Concentus Musicus in diese heiligen Hallen als Künstlerischer Leiter einzutreten“, so Schade in einem ersten Gespräch. Ihn verbindet auch eine tiefe persönliche Beziehung zum Stift Melk: „Im Advent 2001 hatte ich zum ersten Mal das Glück, während der Proben für Händels ,Alexanderfest‘, das Stift Melk zu betreten. Das Konzert wurde unter dem Dirigat von Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus aufgeführt – es war eine der schönsten Konzerterfahrungen in meiner Karriere. Nicht nur die opulente barocke Schönheit des Stiftes, das sofortige und unvermeidliche Streben des eigenen Herzens von Erden zum Himmel blickend machten dieses Konzerterlebnis zu einem Höhepunkt, sondern auch die persönliche Begegnung mit dem Benediktinerstift und dessen Gastfreundlichkeit“. Harnoncourts Concentus Musicus wird das Residenzorchester der Barocktage werden. Die erste gemeinsame Produktion wird die Aufführung des Oratoriums „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn zu Pfingsten 2014 sein. Als Solisten sind  Florian Boesch (Bass) und Michael Schade selbst (Tenor) vorgesehen.

Die Förderung junger Talente ist ein weiteres Herzensanliegen von Schade. Das von ihm initiierte Young Singers Project der Salzburger Festspiele und die Stella Maris International Vocal Competition gelten als Vorzeigeprojekte im Bereich der Nachwuchsförderung. In Melk nimmt er sich der Neuaufstellung des Heinrich Schmelzer-Wettbewerbs an, der 2014 zum 8. Mal stattfindet. Preisgeld: 5.000 €. Zudem erhalten die jungen Künstler eine Konzertverpflichtung für die darauf folgenden Barocktage. Programmdetails der Festivalsaisonen 2014 bis 2016 werden  im Herbst 2013 präsentiert.

Programm 2013: Die Internationalen Barocktage Stift Melk finden heuer von 17. bis 20. Mai im Stift Melk, Schloss Pielach und Stift Dürnstein  unter der Künstlerischen Leitung von Bernhard Trebuch und Kultur-Melk-Intendant Alexander Hauer statt. Künstlerinnen und Künstler aus elf Ländern sind eingeladen. Das Irish Baroque Orchestra wird dabei erstmals am europäischen Festland konzertieren. Im Mittelpunkt der musikalischen Auseinandersetzung stehen Kompositionen der großen italienischen Meister des Barocks. Zu den weiteren Interpreten und Ensembles zählen unter anderem das legendäre The Hilliard Ensemble, die ambitionierten Vorarlberger Musiker von Concerto Stella Matutina, der Stargeiger Hiro Kurosaki sowie das aufstrebende Croatian Baroque Ensemble.

www.barocktagemelk.at

www.kultur-melk.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 4. 2013

Ein Fall für Nikolaus Harnoncourt

April 18, 2013 in Klassik

Der Concentus Musicus spielt Beethoven im Wiener Musikverein

Am 20. und 21. April ist im Großen Saal des Wiener Musikverein ein selten gespieltes kompositorisches Juwel zu hören: Stardirigent Nikolaus Harnoncourt, der schon so manches Waisenkind des Repertoires erfolgreich adoptierte, nimmt sich mit seinem Concentus Musicus Ludwig van Beethovens Messe in C – Dur op. 86 an. Allerdings erst nach der Pause. Davor wird Beethovens Symphonie Nr. 2 D – Dur, op. 36, gegeben. Beethoven stand zur Zeit seiner ersten Messvertonungen unter dem Vorbild der von seinem Lehrer Joseph Haydn komponierten Messen, die er als „unnachahmliche Meisterstücke“ansah und entsprechend eifrig studierte. Im Gloria seiner C-Dur-Messe, sollen zwei Stellen aus Haydns Schöpfungsmesse enthalten sein.

196079075_604aa20257Um die Messe C-Dur op. 86 ranken sich noch mehr Legenden. Sie wurde von Beethoven  1807 im Auftrag von Fürst Nikolaus II. von Esterházy geschrieben – und missfiel Seiner Durchlaucht. „Aber, mein Lieber, was haben Sie denn da gemacht“, soll die adelige Aburteilung gelautet haben. Was von Esterházys Hofkapellmeister Johann Nepomuk Hummel, der bereits einige Messen für den Fürsten geschrieben hatte, mit einem schadenfrohen Lachen quittiert wurde. Beethoven, dem der Fürst zudem eine minderwertige Unterkunft zugewiesen hatte, verließ wütend die Stadt. Soweit die Anekdoten. Die Nachwelt wiederum ließ das Werk im Schatten der Missa solemnis verblühen. Beethoven distanzierte sich mit der Messe C-Dur von den traditionellen Messvertonungen und behandelte den Text nach eigener Angabe so, „wie er noch wenig behandelt worden“. Da sie dem Fürsten  nicht zusagte, widmete der große Komponist sie bei  Drucklegung dem Fürsten Kinsky.

Im Musikverein interpretieren neben Harnoncourt und seinem Concentus Musicus der Arnold Schoenberg Chor, Sopranistin Luba Orgonasova, Elisabeth von Magnus (Alt), Tenor Werner Güra und Florian Boesch (Bass)  das Werk.

www.musikverein.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 18. 4. 2013

Föttinger inszeniert „Fidelio“

März 14, 2013 in Klassik

Premiere im Theater an der Wien mit Michael Schade

Föttinger inszeniert Fidelio am Theater an der Wien

Herbert Föttinger
Bild: Erich Reismann

Sein Tag muss tatsächlich 36 Stunden haben: Herbert Föttinger ist nicht nur Intendant des Theaters in der Josefstadt, inszeniert und spielt am eigenen Haus, gibt an der Volksoper einen hinreißenden Henry Higgins in „My fair Lady“ – und nun? Versucht sich der Tausendsassa erstmals an Oper. Im Theater an der Wien debütiert er mit Beethovens „Fidelio“ als Opernregisseur.

Premiere ist am 17. März.

Am Pult: Nikolaus Harnoncourt, der sein Originalklangensemble, den Concentus Musicus Wien, dirigieren wird. Der Maestro  hat für diese Aufführung  die letzte Fassung des Dramas um Freiheit, Gattinnenliebe und Tyrannei gewählt. Das Bühnenbild entwarf noch Rolf Langenfass.

Besetzung: Juliane Banse singt die Leonore, Michael Schade den Florestan. Martin Gantner ist Don Pizarro, Lars Woldt der Rocco. Anna Prohaska ist als Marzelline zu hören, Johannes Chum als Jaquino.

www.theater-wien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 14. 3. 2013