Theater an der Wien: Hamlet

September 12, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Uraufführung der Oper von Anno Schreier

Der Arnold Schoenberg Chor, mit Theresa Kronthaler als Ophelia. Bild: © Monika Rittershaus

Ihm gehört das berühmte „Sein oder Nichtsein“: Der Arnold Schoenberg Chor mit Theresa Kronthaler als Ophelia. Bild: © Monika Rittershaus

Roland Geyer, Intendant des Theater an der Wien, wünschte sich zum Shakespeare-Jahr eine Uraufführung zu einem Stoff des britischen Barden – und beauftragte bei Komponist Anno Schreier ein Werk. Dessen „Hamlet“ wird nun am 14. September in einer Inszenierung von Christof Loy am Haus uraufgeführt. Am Pult: Michael Boder. Ein Kammerspiel, das mit wenigen Charakteren auskommt, ist diese Oper in 25 Bildern geworden.

Der Arnold Schoenberg Chor fungiert wie der der griechischen Tragödie, die Handlung erklärend, die Protagonisten begleitend – als Wahrheits- und Weissagender, dort, wo sich der dänische Hof in Lügen ergeht. Auch das berühmte „Sein- oder Nichtsein“ gehört ihm, Schreier, dessen Musik oft als zwischen Verdi und Britten angesiedelt gedeutet wird, hat dafür eine Art Madrigal vorgesehen. Die Besetzung ist illuster: Andrè Schuen gibt den Hamlet, Jochen Kowalski seinen toten Vater, Bo Skovhus den Claudius. Kurt Streit wird in der neu eingeführten Rolle eines protestantischen Pastors zu sehen sein. Die Partie der Gertrud singt Marlis Petersen, als Ophelia ist Theresa Kronthaler zu hören.

Jochen Kowalski als Der tote Hamlet, im Hintergrund Andrè Schuen als sein Sohn Hamlet. Bild: © Monika Rittershaus

Jochen Kowalski als Der tote Hamlet, im Hintergrund Andrè Schuen als sein Sohn Hamlet. Bild: © Monika Rittershaus

Bo Skovhus als Claudius, Andrè Schuen alsHamlet, Theresa Kronthaler als Ophelia und der Arnold Schoenberg Chor. Bild: © Monika Rittershaus

Bo Skovhus als Claudius, Andrè Schuen als Hamlet, Theresa Kronthaler als Ophelia und der Arnold Schoenberg Chor. Bild: © Monika Rittershaus

Mit ihr hat es eine besonder Bewandtnis. Liberettist Thomas Jonigk verwandelte sie in eine Edelprostituierte. Denn nur noch an den Eckpunkten ist sein „Hamlet“ ein shakespeare’scher; der Autor zieht auch andere Quellen heran, wie etwa Saxo Grammaticus’ „Historia Danica“ und Francois de Belleforests „Histoires tragiques“. Beide Texte dienten schon dem elisabethanischen Dramatiker als Vorlage.

Und so ist Gertrud nun von Claudius schwanger, was ihrem Erstgeborenen so gar nicht schmecken will. Die Mutter legt ihm erst als Trost Ophelia ins Bett, aber als sich die beiden ernsthaft ineinander verlieben – Ophelia ist über den Umständen ihres Berufes depressiv geworden und erkennt in Hamlet diesbezüglich eine verwandte Seele -, ist ihr das gar nicht recht. Sie stiftet Claudius an, Ophelia zu ermorden, und ungeplanterweise kommt auch Hamlet zu Tode. Am Ende posiert man als neue Königsfamilie vor den Fotografen und verkündet stolz: Das Ungeborene wird ebenfalls Hamlet heißen …

Vorstellungen bis 23. September.

www.theater-wien.at

Wien, 12. 9. 2016

Art Carnuntum – Shakespeare’s Globe Theatre: Hamlet

April 20, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine schön spannende Spukgeschichte

Hamlet Globe to Globe. Bild: Bronwen Sharp

Hamlet Globe to Globe. Bild: Bronwen Sharp

„Ihr seid Land Nummer 194 auf unserer Reise“, rief Laertes-Darsteller Tom Lawrence zu Beginn ins Publikum und sicherte sich damit schon einmal den ersten Jubel. Ja, da war man doch gleich Teil von etwas größerem, Teil der mutmaßlich bedeutendsten Jubiläumsfeier für den britischen Barden, denn 2014 waren die Schauspieler vom Londoner Shakespeare’s Globe Theatre ausgezogen, um der Welt ihren „Hamlet“ zu bringen.

Das Globe-Ensemble spielte in Flüchtlingslagern in Kamerun, in Zaatari in Syrien und vor Schulklassen in Myanmar, trat auf von Bhutan bis Burundi (mehr zur Tour: globetoglobe.shakespearesglobe.com). Bevor man pünktlich zum 400-Jahr-Termin 2016 wieder daheim sein muss, ging sich ein Auftritt im Rahmen von Art Carnuntum auf Schloss Hof aus. Sehr zur Freude der Zuschauer, die der alle Jahre wieder von Art-Carnuntum-Mastermind Piero Bordin nach Niederösterreich geholten Truppe seit Langem die Treue halten. Entsprechend war die Reithalle bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Was geboten wurde, war Shakespeares schönste Spukgeschichte. Fernab von verkopftem „Sein oder Nichtsein“ zeigten die Darsteller in ihrer gewohnten Manier ein saftiges Stück Volkstheater, garniert mit Musik und Tanz. Selbst Hamlet durfte da singen. Mit diversen auf deutschsprachigen Bühnen leidenden Elegiebürscherln im Hinterkopf, konnte man nicht umhin zu denken, viel anders werden sie’s anno 1601 auch nicht gespielt haben. Shakespeare im ursprünglichen Zustand, das Bühnenbild flugs aus den Equipementkoffern zusammen- und immer wieder umgebaut, zwei Holzlatten ein Schiff, ein roter Vorhang für Verwandlungen. Denn jeder außer Hamlet muss hier in mehrere Rollen schlüpfen. Und der tut’s ja, weil’s ihm die Rolle vorschreibt.

Das Gespenst geht sogar mehrmals über die Bühne, ohne pseudopsychologische Erklärungversuche bleibt der Geist ein Geist, ist weder Kopfgeburt noch Projektion von irgendetwas, sondern Hamlet, der ältere, mit einem Arbeitsauftrag an seinen Sohn. So einfach kann’s gehen – und noch dazu so spannend. Wiewohl einem nach x-Inszenierungen jeder Tote so gut wie persönlich bekannt ist, beim Globe-Theatre sitzt man bibbernd und staunend abwartend, wie der Dänemark-Thriller denn ausgehen möge. Natürlich wie immer. Doch das ist die Kunst!

John Dougall als Claudius. Bild: Bronwen Sharp

John Dougall als Claudius. Bild: Bronwen Sharp

Naeem Hayat als Hamlet. Bild: Bronwen Sharp

Naeem Hayat als Hamlet. Bild: Bronwen Sharp

Die Londoner auf Tournee zeigen, dass alle Welt Bühne ist. Dominic Dromgoole, zusammen mit Bill Buckhurst Regisseur des Projekts, wollte beweisen, dass Shakespeare „unabhängig von deren Herkunft, zu allen Leuten sprechen kann“. Das scheint mehr als gelungen. Auch im Ensemble sind alle Grenzen gefallen. Die Darsteller haben ihre Wurzeln von Pakistan bis Hongkong; den Horatio spielt mit Phoebe Fildes eine Frau. Das ist Welttheater im Wortsinn.

Den Hamlet gibt Naeem Hayat als einen, der sich der Situation bewusst ist. Er weiß, dass er gegen Mutter und Onkel handeln muss, mit Tränen in den Augen gesteht er sich das ein, ist deshalb angstvoll, dann wieder von einem Zornausbruch geplagt. Er fragt das Publikum um Rat, in den ersten Reihen ist es gleichsam Spielpartner, und kommentiert sarkastisch das Geschehen. Gegenüber Ophelia ist er ein drängender Liebender, seine Freunde stimmt er rechtzeitig auf seine Verwandlung zum „Irren“ ein. Stark auch die Szene, in der er mit auf den bloßen Nacken zielendem Schwert hinter dem betenden Claudius steht.

Den spielt John Dougall mit höchster Intensität, da er auch der Geist von Hamlets Vater und der erste Schauspieler ist, muss man sagen, er dominiert das Geschehen. Welch eine Kraft!  Keith Bartlett, Preisträger des Laurence-Olivier-Award und derzeit auch der „Zauberer von Oz“ in London Westend, hat sich den Polonius als Kabinettstückchen zurechtgelegt. Er zeigt ihn als kauzigen Wortspieler, und wäre er nicht so nervtötend, wäre er der gute Mensch von Helsingør. Später brilliert er als Totengräber.

Jennifer Leong: Ophelia verfällt dem Wahnsinn. Bild: Shakespeare's Globe Theatre

Jennifer Leong: Ophelia verfällt dem Wahnsinn. Bild: Shakespeare’s Globe Theatre

Die berühmten Zitate, sie fallen hier nicht bedeutungsschwer, sondern wie nebenbei. Luftig und leicht gesagt. Der Pathos trieft nur, wenn angebracht, etwas wenn die Schauspieler als „die Schauspieler“ auf Teufel komm‘ raus schmieren. Oder in der Begegnung mit Rosencrantz und Guildenstern. Beruce Khan beweist sich hier als begnadeter Komödiant, und der mitgeführte Tennisschläger, dass auch das Globe Tom Stoppard liebt.

Miranda Foster ist eine Gertrude, die zwischen der Liebe zu ihrem Sohn und dem neuen Ehemann schwankt. Jennifer Leong überzeugt als Ophelia mit trotzigem Aufbegehren, bevor ihr das Sterben rundum die Sinne raubt. Gefochten wird, als gäb’s kein Morgen. Der Rest ist … ebenso großartig wie alles andere.

Das Shakespeare’s Globe Theatre London zeigte wieder einmal Unterhaltung auf höchstem Niveau. Es wird am 4. August mit der Komödie „The Two Gentlemen Of Verona“ wiederkommen. Die diesjährige Neuproduktion des Hauses in der Regie von Nick Bagnall wird bei Art Carnuntum im Römischen Amphitheater in Petronell-Carnuntum zu sehen sein. Bis dahin hat Piero Bordin noch allerlei Sehenswertes vorbereitet. Am 23. April etwa eröffnet er im Archäologischen Park Carnuntum – zeitgleich mit dem Londoner Vorbild – „Shakespeare‘s Walk in History“, auf dem vom Globe Theatre eigens dafür produzierte Filme mit Ausschnitten aller Shakespeare-Stücke gezeigt werden.

Mehr zu Shakespeare’s Globe bei Art Carnuntum: www.mottingers-meinung.at/?p=17802

www.artcarnuntum.at

Wien, 20. 4. 2016

Theatermuseum: Five Truths. Shakespeares Wahrheit und die Kunst der Regie

April 19, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Katie Mitchell zeigt Ophelias Wahnsinn hoch fünf

Five Truths Video Installation. Bild: © Gareth Fry

Five Truths Video Installation. Bild: © Gareth Fry

Wie unterscheiden sich die Regiestile von fünf der einflussreichsten europäischen Theaterpraktikern des 20. Jahrhunderts? Wie würden Konstantin Stanislawski, Antonin Artaud, Bertolt Brecht, Jerzy Grotowski oder Peter Brook die berühmte Wahnsinnsszene der Ophelia aus Shakespeares Hamlet inszenieren?

Für ihre Video-Installation hat die berühmte britische Regisseurin Katie Mitchell, die in Österreich zuletzt bei den Salzburger Festspielen ihre Arbeit „Forbidden Zone“ zeigte (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=10209), diese eine Szene mit ein und derselben Schauspielerin im Stil dieser fünf maßgeblichen Regisseure inszeniert und gefilmt. Das Theatermuseum zeigt die „touring installation“ des Victoria and Albert Museum ab 21. April zum 400. Todestag von William Shakespeare.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=7oxnyRl8e8A

www.theatermuseum.at

Wien, 19. 4. 2016

Art Carnuntum: Welttheater im Wortsinn

Februar 24, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Londons Shakespeare’s Globe Theatre zeigt „Hamlet“

Naeem Hayat und Ladi Emeruwa spieln alternierend den Hamlet Bild: Bronwen Sharp

Naeem Hayat und Ladi Emeruwa spielen alternierend den Hamlet
Bild: Bronwen Sharp

Noch vor der Präsentation des diesjährigen Gesamt- programms lässt das Welt-Theater-Festival Art Carnuntum mit einer ersten Sensation aufhorchen: Bereits am 19. April zeigt das Londoner Shakespeare’s Globe Theatre seine Inszenierung von „Hamlet“  in der Reithalle vom Kaiserlichen Festschloss Hof.

Das ist deswegen besonders, weil die Regiearbeit von Dominic Dromgoole und Bill Buckhurst damit in Niederösterreich vor London, wo die Premiere erst für 23. April angesetzt ist, und vor einer Aufführung am Originalschauplatz Helsingör zu sehen sein wird. „Art Carnuntum ist ja von Anfang an ,Part of the Game‘ und präsentiert seit fast einem Jahrzehnt exklusiv und mit großartigem Erfolg das weltberühmte Shakespeare’s Globe Theatre in Österreich“, sagt Art-Carnuntum-Mastermind Piero Bordin über diesen Höhepunkt der erfolgreichen Zusammenarbeit im Shakespeare-Jahr 2016.

Die „Hamlet“-Aufführung ist Teil eines zweijährigen Globe-to-Globe-Projekts. Seit dem 23. April 2014, dem 450. Geburtstag des britischen Barden, ist man mit dem Stück auf allen Kontinenten unterwegs. Die Inszenierung war bis dato von Bhutan und Nepal über Tuvalu und Tongo bis Ruanda und Burundi zu sehen. In Somalia war dieser „Hamlet“ die erste Theateraufführung aus einem fremden Land seit 23 Jahren. Das Globe-Ensemble spielte in Flüchtlingslagern in Kamerun, in Zaatari in Syrien und vor Schulklassen in Myanmar. „Der Globe-to-Globe-Hamlet wurde erfunden mit dem Ziel, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, egal wo auf dieser Erde sie zu Hause sind. Wir wollen damit zeigen, dass Shakespeare alle Zuschauer unterhalten kann und bis heute so lebendig ist, dass er, unabhängig von deren Herkunft, zu allen Leuten sprechen kann“, so Dominic Dromgoole.

Was das Wort Welttheater bedeutet, erklärt die Besetzung: Den Hamlet spielen alternierend der aus Nigeria stammende Ladi Emeruwa, ein Weltenbummler zwischen London und Lagos, und Naeem Hayat, dessen familiäre Wurzeln in Pakistan liegen. Jennifer Leong, geboren in Hong Kong, und Amanda Wilkin, deren Mutter aus Jamaica stammt und deren Vater ein nordenglischer Geordie ist, teilen sich die Rolle der Ophelia. Der Maori Rawiri Paratene ist ein Claudius, Beruce Khan ein Horatio. Miranda Foster, Tom Lawrence oder Keith Bartlett, derzeit auch der „Zauberer von Oz“ in London Westend, komplettieren das Tour-Team. Vom 4. bis 6. August ist dann im Römischen Amphitheater in Petronell-Carnuntum die Komödie „The Two Gentlemen Of Verona“, die diesjährige Neuproduktion des Shakespeare’s Globe Theatre in der Regie von Nick Bagnall, zu sehen.

Das feierliche „Hamlet“-Tour-Finale in London an Shakespeares 400. Todestag am 23. April wird am Themse-Ufer von einem „Shakespeare-Walk“ begleitet, auf dem vom Globe Theatre eigens dafür produzierte Filme mit Ausschnitten aller Shakespeare-Stücke gezeigt werden. In Anlehnung an diesen Londoner Walk konzipierte Piero Bordin einen “Shakespeare-Spaziergang” durch den Archäologischen Park Carnuntum. Schwerpunkt sind Ausschnitte, Monologe und Dialoge aus Shakespeares Stücken, deren Handlung in der Antike spielt – von Rom über Ephesus bis Athen …  Die thematisch passenden Filme vom Globe-Shakespeare-Walk werden dabei in Carnuntum zu sehen sein. Außerdem wird es eine Shakespeare-Fotoausstellung, eine Filmwoche in Kooperation mit dem St. Pöltener Cinema Paradiso und ein großes Fest geben.

www.artcarnuntum.at

www.shakespearesglobe.com

Mehr zur „Hamlet“-Inszenierung: globetoglobe.shakespearesglobe.com/hamlet/the-show

Wien, 24. 2. 2016

Wiener Festwochen: Please, Continue (Hamlet)

Juni 10, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Schuldig oder nicht schuldig? Das ist hier die Frage.

"Hamlet" Thiemo Strutzenberger (re.) Foto: Nurith Wagner Strauss

Verteidiger Rudolf Mayer, „Hamlet“ Thiemo Strutzenberger  Foto: Nurith Wagner Strauss

Ich bitte um Ruhe!“, spricht der strenge Gerichtsdiener ins Mikrofon, und schon wird es still. „Please, Continue (Hamlet)“. Die österreichische Erstaufführung Yan Duyvendaks und Roger Bernats Weiterschreibung der Shakespeareschen Tragödie nimmt ihren Lauf. Das Publikumsbeteiligungsstück setzt da ein, wo Shakespeares dritter Akt endet. Hamlet hat Polonius, den Vater seiner Geliebten Ophelia, getötet. Ob er dabei fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat, darüber wird nun Gericht gehalten.  www.festwochen.at/fileadmin/user_upload/Ermittlungsakte.pdf  Und jeder Zuschauer ist am Ende des dreistündigen Abends  Geschworener. In den beiden Pausen wird heftig diskutiert. Welch ein Spaß, sich einmal beim britischen Barden einmischen zu dürfen! Können wir das auch bei Macbeth und Richard III. machen. Wohl kaum jemand, als die, die wissenschaftlich daran arbeiten – „Hamlet“ ist das Theaterstück, zu dem es die meiste Sekundärliteratur gibt -, hat sich je mehr mit dem Dänenprinzen und seinen Problemen befasst, als an diesem Abend.

Thiemo Strutzenberger als ein großartiger Hamlet wird von der Richterin zum vermeintlichen Tathergang befragt. Danach werden Ophelia (Julia Jelinek) und Gertrud (Susi Stach) in den Zeugenstand berufen. Der Richter, die beiden Rechtsanwälte, der Staatsanwalt, der Psychiater und der Gerichtsdiener  sind  Vertreter der Österreichischen Justiz und Rechtsanwaltschaft und hier Laiendarsteller. Sie üben ihren Beruf einfach einmal auf der Bühne aus. In fünf Ländern war die Produktion schon zu sehen. Die Verbindung von Theater und national jeweils unterschiedlichem Strafrecht soll laut Programmheft exemplarisch zeigen, dass Gerechtigkeit „keine präzise Wissenschaft“ sei. Duyvendak und Bernat konfrontieren einen mit den, involvieren einen in die Spielregeln der Gerichtsbarkeit, sie zeigen, wie unvorhersehbar und zufällig Rechtsprechung sein kann, wie subjektiv Urteile gefällt werden. Schuld- oder Freispruch.

So kann man beispielsweise den keineswegs medien- und öffentlichkeitsscheuen Verteidiger Rudolf Mayer zu erleben (er war Verteidiger der „schwarzen Witwe“ Elfriede Blauensteiner und von Josef Fritzl), wie er jovial für den sehr zurückhaltenden Strutzenberger argumentiert. Susi Stach gab’s heftig kräftig im Zeugenstand: Sie waren halt alle b’soffen in ihrer „sozialen Randschichtfamilie“, wie es später im psychiatrischen Gutachten heißen wird. Unübersichtlich wird es, als ein jüngst in Marseille passierter Mord Hamlet in die Schuhe geschoben werden soll. Doch das Konzept der beiden Theatermacher ist gut. Mehr davon!

Das Urteil der Verhandlung vom 7. 6. 2014 lautet wie folgt:

Hamlet ist schuldig am 7. 7. 2013 in Wien fahrlässig den Tod des Polonius dadurch herbeigeführt zu haben, dass er mit einem Messer einen Vorhang durchstach und den dahinter befindlichen Polonius im Bereich der linken Brustkorbhälfte, zwischen der 4. und 5. Rippe hindurch, direkt ins Herz traf und dabei die vordere Wand der linken Herzkammer verletzte, wodurch ein Herzstillstand eintrat. Er hat hierdurch das Vergehen der fahrlässigen Tötung nach § 80 StGB begangen und wird hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, so wie gemäß § 389 (1) StPO zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt.

Das Urteil der Verhandlung vom 8. 6. 2014 lautet wie folgt:

Hamlet wird von dem wider ihn erhobenen Anklagevorwurf, er habe den Tod des Polonius dadurch herbeigeführt, dass er mit einem Messer einen Vorhang durchstach und den dahinter befindlichen Polonius im Bereich der linken Brustkorbhälfte, zwischen der 4. und 5. Rippe hindurch, direkt ins Herz traf und dabei die vordere Wand der linken Herzkammer verletzte, wodurch ein Herzstillstand eintrat, gemäß § 336 StPO freigesprochen.

www.festwochen.at

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-2014

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