mumok: Dabernig, Haliti und Neuerwerbungen

Juni 5, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Drei Ausstellungen starten an einem Tag

Ab 6. Juni gibt es im mumok drei neue Ausstellungen zu sehen:

Josef Dabernig: River Plate, 2013, Filmstill 35mm, s/w, 16 min Courtesy the artist und / and Galerie Andreas Huber, Wien und / and Wilfried Lentz, Rotterdam © Bildrecht Wien, 2014

Josef Dabernig: River Plate, 2013, Filmstill 35mm, s/w, 16 min
Courtesy the artist und / and Galerie Andreas Huber, Wien und / and Wilfried Lentz, Rotterdam © Bildrecht Wien, 2014

Josef Dabernig: Rock the Void

Ordnungsliebe und Minimalismus, rationalistische Obsession und der Hang zu planbaren Strukturen scheinen die Szenerie zu prägen, die der Künstler und Filmemacher Josef Dabernig (geb. 1956 in Kötschach-Mauthen) für seine erste umfassende Überblicksausstellung in musealem Rahmen entwickelt. Und doch wird die von ihm zur Schau gestellte Aufgeräumtheit durch subtile Irritationen und Ungereimtheiten aller Art immer wieder ins Wanken gebracht. Der systemimmanente Leerlauf diverser Art wird mit viel konzeptuellem Humor zum Gegenstand der Auseinandersetzung. Ein zentrales Element von Rock the Void ist der Raster, der den BesucherInnen als Montageprofil an den Wänden, als Reihung rechtwinkliger Vitrinen oder als Abfolge kubischer Einbauten begegnet.

Für seine Personale im mumok hat der Österreicher ein sich über drei Ausstellungsebenen erstreckendes, architektonisches Konzept entwickelt, mit dem er seine künstlerischen Arbeitsbereiche zueinander in Beziehung setzt. Frühe Skulpturen, konzeptuelle Auflistungen und Textarbeiten sowie mathematisch strukturierte Aluminiumraster finden darin ebenso ihren Platz wie Fotopanoramen von Fußballstadien und Dabernigs filmische Werke. Sein neuer Film River Plate (2013) ist ebenso zu sehen wie der bei den Filmfestspielen in Venedig 2011 für den Europäischen Filmpreis nominierte Hypercrisis (2011). Auch Dabernigs Filmerstling Wisla (1996), dem international breite Anerkennung zuteil wurde, ist darunter.

Flaka Haliti: I See a Face. Do You See a Face.

Flaka Haliti, die Gewinnerin des Henkel Art.Award. 2013, bezieht sich in ihren gesellschafts- und medienanalytischen Arbeiten auf ihre Erfahrungen als Grenzgängerin zwischen unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Die 1982 geborene Künstlerin lebt und arbeitet sowohl in ihrer Heimatstadt Pristina als auch in München und Wien.

In der Gegenüberstellung einer Installation aus imitierten Betonwänden und einer Fotoserie mit Wolkenmotiven, in die Gesichtszüge als Computergrafiken eingezeichnet sind, konstruiert sie ein raumbezogenes Szenario von bedrohlicher Enge mit vermeintlichem Ausblick ins Offene und Weite. Das zwischenmenschliche Verhältnis von Nähe und Distanz unter den Bedingungen der Mediatisierung thematisiert eine Videoinstallation, die sich mit Fernbeziehungen im Internet auseinandersetzt.

Der Ausstellungstitel I See a Face. Do You See a Face. leitet sich von der Fotoserie mit den Wolkenporträts her und stellt eine Frage, die durch ihre Schreibweise zugleich eine Feststellung beinhaltet. Mit dieser bewussten Auflösung eindeutiger Verhältnisse und Zuordnungen unterstreicht Flaka Haliti ihr Interesse, ein Spiel zwischen Realität und Fiktion, zwischen imaginärer Nähe und räumlicher Distanz in Gang zu setzen.

Raum & Wirklichkeit: Neuerwerbungen & Schenkungen

Schon mit ihrer Antrittsausstellung Museum der Wünsche hat Direktorin Karola Kraus die inhaltliche Präzisierung der mumok Sammlung zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit in Wien erklärt. An diese museumspolitische Aufgabe anknüpfend, zeigt das mumok über die Sommermonate 2014 zentrale Neuzugänge in einer thematischen Auswahl. Im Mittelpunkt der Sammlungspräsentation steht die Hinwendung zum Raum als Thema der Kunst.

Mit der Orientierung auf den Raum verbinden sich gattungsübergreifende Absichten und das Ziel, die Grenzen zwischen künstlerischer und gesellschaftlicher Wirklichkeit zu überbrücken. Anhand einer Auswahl von Neuerwerbungen und Schenkungen zeigt das mumok rund 30 markante Beispiele der Beschäftigung mit dem Raum seit den 1960er-Jahren.

www.mumok.at

5. 6. 2014