TheaterArche: Blinde Nacht – Nittel

Dezember 25, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Statt Weihnachtsliedern hallt Pogromgeschrei

Der Pfarrer findet in finsterer Nacht den werdenden Vater Georg beim Heilkräuterritual: Bernhardt Jammernegg und Andreas Kosek. Bild: Jakub Kavin

Der Winterwind, der an die Fensterscheiben braust, wandelt sich in Fliegengesurr. Wie diese Parasiten und Krankheitsüberträger fielen nämlich die Fremden in ihren Weihnachtsfrieden ein, befinden die Dorfbewohner. Aus Unverständnis wird Furcht wird Hass, statt im Schein der Kerzen vom holden Knaben zu singen, hallt bald Pogromgeschrei. Es wird brennen, wird Blutvergießen geben, und Christoph Prückner bläst dies vorwegnehmend auf der Posaune zum Jüngsten Gericht …

Der Regisseur und Schauspieler hat passend zur Adventszeit in der TheaterArche ein lang gehegtes Projekt auf die Bühne gehoben, die Uraufführung von Simon Kronbergs Drama „Blinde Nacht – Nittel“, und diese Entdeckung kann Prückner nicht hoch genug angerechnet werden. Kronberg, 1891 in Wien geboren und aufgewachsen, emigrierte nach der Machtergreifung Hitlers 1934 von Berlin nach Palästina, wo er als Schuhmacher in einem Kibbuz lebte und schrieb. Zurück blieben seine nichtjüdische Frau Herta, von der er sich zu deren Schutz scheiden ließ, und Sohn Daniel. Sein bis dato ungespieltes Stück „Nittel – Blinde Nacht“ vollendete er 1941.

Der Begriff „NITL“ ist vermutlich aus einer Verballhornung von „dies natalis“ entstanden. Im Mittelalter war es den Juden verboten, an den Weihnachtsfeiertagen die Straßen zu betreten und Schulen und Synagogen zu besuchen, weshalb das Wort als Abkürzung von „Nit Jiden toren (= dürfen) lernen“ interpretiert wurde. In Osteuropa bezeichneten die Juden die vor der Heiligen als „Blinde Nacht“, man sagt, weil es ihnen in dieser zu gefährlich schien, mit dem Licht, dass sie zum Thorastudium brauchten, Aufmerksamkeit zu erregen. Genau das aber wurde ihnen von der christlichen Bevölkerung als Bosheit ausgelegt, da ein Aberglaube besagte, „dass Jesus nur Ruh‘ hat, wenn die J‘ lernen“.

In seinem farcenhaften Sittenbild hält Kronberg seinen Mitunmenschen den Spiegel vor die faschistischen Fratzen. Boshaft und beinhart analysiert er die Wirksamkeitsmechanismen der antisemitischen Agitation. In einem Provinznest leben die Bewohner in einem Dauerzustand der Angst, alles „andere“ wird abergläubisch dämonisiert, denn vor allem vom 23. auf den 24. Dezember soll das Böse ja seine Pranken nach den guten Christenmenschen ausstrecken. Diese angespannte Stimmung nützt nicht nur der örtliche Pfarrer, sondern nützen auch ein paar „Vorübergehende“, um den Judenhass zu schüren. Auf Massenhysterie folgt Massenpanik folgen Machtfantasien, die ein Opfer suchen …

„Das ist ein Weihnachtsgedanke: einer Jüdin wurde ein Kind geboren. Der Jude Jesus wurde unentwegt, immer gekreuzigt. Er wurde davon nicht schöner. Im Bild des Messias geistert er wie ein stets unwillkommener Bettler, als Dichter verschrien, durch die Völker und Länder“, formulierte Kronberg in einem Brief an eine Ex-Frau, als er ihr sein Manuskript übersandte. Prückner hat, fürs Publikum erklärend, dramaturgisch allerdings überaus komplex, etliche dieser Briefe, biografische Notizen und Passagen aus dem Stück „Der Tod im Hafen“ mit „Blinde Nacht – Nittel“ collagiert. Und er bedient sich eines weiteren Kunstgriffs, indem er als „Spielleiter“ das Ensemble zu einer Probensituation zusammenruft.

Die Dorfbewohner sind erst fadisiert …: Bernhardt Jammernegg und Barbara Schandl. Bild: Jakub Kavin

… dann alarmiert: Elisabeth Halikiopoulos als Wirtin und Bernhardt Jammernegg als Schuster. Bild: Jakub Kavin

Feindbild Flüchtlingskoffer: Eszter Hollósi als Schwester Frida und Elisabeth Halikiopoulos als Hebamme. Bild: Jakub Kavin

Weise aus dem Morgenland: Eszter Hollósi, Andreas Kosek und Anna Nowak als Erster, Zweiter, Dritter Jude. Bild: Jakub Kavin

Elisabeth Halikiopoulos, Eszter Hollósi, Anna Nowak, Barbara Schandl, Bernhardt Jammernegg und Andreas Kosek, Prückner selbst auch als Konrad, verkörpern derart nicht nur mehrere Charaktere, sondern sind mit Textbuch in der Hand immer wieder auch Schauspieler, die versuchen müssen, den sich ausbreitenden Wahnsinn einer Menschenhatz greifbar, da unbegreifbar, zu machen. Ausgelöst wird die Mordtat durch die bevorstehende Geburt eines Kindes. Anna Nowak als Christine wird vom Pfarrer der Sünde bezichtigt, weil sich ihr Neuankömmling auf diese Welt vor den so sehnlich erwarteten Heiland drängen wolle.

„Bete! Dass es sich verkrieche in deinen Leib …“, droht ihr ein maliziöser Bernhardt Jammernegg, und umzingelt von der bigotten Hebamme der Elisabeth Halikiopoulos und ihrer gehässigen Schwester Frida, eine Rolle für Eszter Hollósi, schickt Christine ihren einfältigen Ehemann Georg, dargestellt von Andreas Kosek, in den Wald, um dort geweihte Kräuter zu verfeuern. Ein heidnisch anmutendes Ritual. Prückner baut dazu eine Teufelsbrücke von der unbemannten Frida sexueller Frustration zu religiösem Fanatismus zum Niemals Vergessen.

Bei Wirtin Halikiopoulos versammeln sich Schuster Jammernegg, Bäcker Nowak und Barbara Schandl als Tischler, sie auch Komponistin des Songs „Schritt für Schritt“, den die Zuschauer zum Schluss begeistert mitsingen. Die Bierlaune eskaliert, von draußen sind die Rufe nach dem „Saujud!“ zu hören, die „Vorübergehenden“ mischen sich als Aufwiegler unters Volk, das plötzlich zu Pogromisten mutiert – mit dem in seiner Verzweiflung und Verwirrung realitätsfernen Georg als Rädelsführer. Das intensive Spiel der TheaterArche-Crew geht so tief unter die Haut, dass einem die Haare zu Berge stehen. Wenn Jammerneggs Pfarrer seine Psalmen orgelt, wenn die Handwerker sich ihre Hartherzigkeit und ihren Haudrauf-Mut ansaufen.

Den „Geruch von Fremden“ wittern sie in der erfrorenen Luft, und Prückner vergisst im Zeitgeschichtlichen nicht das Thema der Stunde, die Flüchtlinge „vor den Toren Europas“, medial schon wieder zur -krise, weil -welle entmenscht. Im Namen Gottes bitten auch diese Herbergssucher um Obdach, ihnen leihen dieselben Schauspieler Gestalt und Stimme, die auch die „Vorübergehenden“ sind. Aus Tätern werden Opfer, doch „in der Nacht vor Christi Geburt gibt’s keine Betten“ – schon gar keine kostenlosen, Konsum geht vor Güte, also Lager, Moria, Vučjak, streng bewacht und schikaniert, dort sitzen sie mit ihren Koffern.

Der Jude Konrad wird in der Nacht vor Weihnachten ums Leben gebracht: Christoph Prückner und Eszter Hollósi als Konrads christliche Ehefrau Lisa. Bild: Jakub Kavin

Den Protagonisten von Kronbergs zweitem Handlungsstrang verkörpert Prückner selbst, den Juden Konrad, den einzigen weit und breit, verheiratet mit der Christin Lisa, diese: Eszter Hollósi, des Autors desaströses Beispiel für „geglückte Integration“, fühlt Konrad sich doch als Mitglied der Gemeinde und ergo in trügerischer Sicherheit, sogar als der Hetztrupp schon vor seiner Haustür randaliert. Und während ihn Lisa vor Anfeindungen warnt, die

Konrad mit einem verärgerten „Soll ich den Spuk um Jude, Nichtjude ernsthaft nehmen?“ abtut, treten drei Figuren auf, benannt als Erster bis Dritter Jude, die nicht nur der allein gelassenen Christine bei der Entbindung helfen, sondern auch schwer bepackte Säcke und Rucksäcke mit sich tragen – als wären sie Reminiszenz an den Glauben, dass aus dem Morgenland Weise und Könige mit ihren Gaben und Begabungen kämen.

Eine interpretativ kaum zu fassende Figur, ist Konrads Freund Daniel, erst nur Stimme von Anna Nowak und Barbara Schandl, schließlich von Bernhardt Jammernegg zum Auftritt gebracht, Daniel, der durch seine Spiritualität den Grausamkeiten beizukommen vermag, Daniel, der biblische Prophet, der Sohn des Leides, der ewige Zeuge des Unrechts, das Christen an Juden verüben, Daniel, Simon Kronbergs Sohn, in der Diskussion mit Konrad gleichsam im Zwiegespräch mit dem abwesenden Vater. Es ist nicht wenig Stoff, den Christoph Prückner in seine Inszenierung packt, „Blinde Nacht – Nittel“ unbedingt ein Abend, der zum Mitdenken auffordert, zum Nachdenken anregt.

Der Weg von der kalkulierten Agitation einzelner zur Aggression, zur Affekthandlung vieler steht dieser Tage wieder einmal weit offen. Am Ende wird Konrad ermordet sein, sein Haus zum Freudenfeuer für den christlichen Gott. Kronberg beschließt sein Drama resignativ, ohne zu hoffen, dass die Demagogie je in ihrer Irrationalität entlarvt werden wird. Im Theatersaal der TheaterArche trifft einen das letzte Bild mit voller Wucht, der an der Rückwand der ehemaligen Möbelfabrik Ludwig eingemauerte, halbkreisrunde Schamott weckt Assoziationen zu den Öfen der NS-Vernichtungslager. Ein starkes Stück großartig gespielt, ein außergewöhnlicher Aufführungsort – und ein Dramatiker, von dem man unbedingt mehr sehen möchte. Wiederaufnahme 2020 ist geplant.

Video: www.tv21.at/l/blinde-nacht-von-simon-kronberg-exklusiv-nur-auf-tv21-als-ganzes-stuck/           www.theaterarche.at          buecher.hagalil.com/sonstiges/kronberg.htm

  1. 12. 2019

TheaterArche: Anstoß – Ein Sportstück

Februar 9, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

In jeder Hinsicht ein Kraftakt

Colin Kaepernick (Johannes Scherzer) verweigert das Singen der Hymne. Bild: © Jakub Kavin

Das Außergewöhnliche gestern war die persönliche Anwesenheit von Nicola Werdenigg, war es, die ehemalige Skirennläuferin auf der Spielfläche der neu gegründeten TheaterArche zu sehen, wo sie vom systematischen Macht- und vom sexuellen Missbrauch im ÖSV erzählt, von ihrer Vergewaltigung und ihrer Bulimie. Da erscheint Annemarie Moser-Pröll, das heißt: Schauspielerin Johanna König im feschen Dirndl, und widerspricht.

Gut is gangen, nix is gschehn, wie man ja sagt, und wie Johanna König sich aufpudelt, darüber muss man durchaus lachen. Und schon ist man bei Literaturwissenschaftler Wendelin Schmidt-Dengler, der den Sport dereinst mit einem Shakespeare-Stück verglich, so tragisch wie komisch, allerdings spannender, da ungewissen Ausgangs. Das sind die beiden Pole, zwischen denen Jakub Kavin seine aktuelle Arbeit „Anstoß – Ein Sportstück“ auspendelt. Erst zu Beginn des Jahres hat sich dessen TheaterArche im vormaligen Theater Brett häuslich niedergelassen, jetzt diese Eröffnungsproduktion rund um die Tabuthemen des Massenphänomens und Identifikationsobjekts, von Doping zur Droge Alkohol zur Sucht nach Publicity, von psychischem Druck bis Depression, von erzwungenem Geschlechtsverkehr bis Homophobie. Kavin selbst führte Regie, hat auch aus aberhunderten Originalzitaten von Aktiven wie Funktionären, von Autoren wie Ödön von Horváth und David Foster Wallace den Text collagiert, und lässt diesen nun von 17 Akteurinnen und Akteuren performen.

Ein Kraftakt in jeder Hinsicht. Für die Darsteller, die allein oder in ausgefeilten Choreografien als Gruppe körperlich alles geben. Für das Publikum, über das drei Stunden lang Namedropping und Faktenlage prasselt. Für Kavin, der diesen Neustart ohne öffentliche Gelder stemmt, das Ganze getragen vom Enthusiasmus und vom selbstausbeuterischen Einsatz seiner Truppe. Die einmal mehr auf höchstem Niveau ihre Kunst zeigt. Jörg Bergen etwa wankt als dauertrunkener Fussballer Ulli Borowka durchs Aufwärmtraining der anderen, und macht später einen herrischen Peter Schröcksnadel. Nicolaas Buitenhuis spricht Sätze des schwulen Torschützen Thomas Hitzlsperger, Bernhardt Jammernegg legt als zynischer Unsympath Lance Armstrong schauspielerisch und auf dem Spinning-Rad eine Höchstleistung vor. Vom beinah Totenbett zum Doping ein einziger Überlebensbeweis.

Annemarie Moser-Pröll weiß von keinem sexuellen Missbrauch beim ÖSV: Johanna König. Bild: © Jakub Kavin

Zwischen Antike und Offenbach: Opernsängerin Manami Okazaki als Olympia. Bild: © Jakub Kavin

So wie der Radrennsportler seiner Physis alles abverlangt, so schildert Florian-Raphael Schwarz als Thomas Muster dessen harten Weg zurück nach dem Key-Biscayne-Autounfall, Johannes Scherzer als Robert Enke, wie er seinen aus der Depression nicht gefunden hat. Es sind Gänsehautmomente, wenn der Chor dem Torwart ein Spottlied singt, bevor dieser in den Tod geht. Berührend auch die Geschichte von Heidi Krieger, auf der Bühne umgesetzt von Maksymilian Suwiczak, der DDR-Kugelstoßerin, der das Staatsdoping, wie sie sagt, die geschlechtliche Identität genommen hat – und die heute als Andreas lebt. Oder – wieder Scherzer – als knieender NFL-Spieler Colin Kaepernick, den Donald Trump via Vidiwall wüst beschimpft. Auf dieser auch zu sehen, der spektakuläre Sturz von „Verausgabungsapparat“ Hermann Maier in Nagano. „Anstoß – Ein Sportstück“ ist immer wieder auch reinstes Dokutheater. Nagy Vilmos lässt als diverse Trainer Bonmots und markige Sprüche ab, Peter Matthias Lang als Shaolin-Mönch philosophische, Saskia Norman spielt Tonya Harding, Corinna Orbesz die Mixed-Martial-Arts-Fighterin Ronda Rousey, die Trumps Einwanderungspolitik öffentlich kritisierte.

Tabea Stummer spricht als Torhüterin Hope Solo über ihr schwieriges Elternhaus, Sarah Victoria Reiter trägt als Anna Veith mitten in der #MeToo-Debatte das Superfruits-Shirt eines Fruchtsaftherstellers … Mehr gibt es zu sehen und zu hören, als man auf einmal zu fassen vermag. Kavin, so scheint es, hat die Überforderung, die Überfrachtung zum Programm gemacht, man kann’s zwischen Zeitlupenspielzügen und der Haka der neuseeländischen Rugbymannschaft also nur sportlich nehmen, versuchen den roten Faden dieser Übung in freier Assoziation nicht zu verlieren, und wie die hier Dargestellten an und über die eigenen Grenzen gehen. Moderatorin Elisabeth Halikiopoulos hält die Aufführung von Aufstiegen bis tiefen Abstürzen, im Fall der Bergsteigerin Gela Allmann/Johanna König im Wortsinn von einer atemberaubend hohen Leiter, zusammen, bevor Koloratursopranistin Manami Okazaki, als sich gegen Technowummern stemmende Jacques-Offenbach’sche Olympia, auf die transhumanistische Zukunft des Sports und den nächsten Austragungsort der Olympischen Spiele, Tokio 2020, verweist.

Tonya Harding und Jeff: Saskia Norman und Florian-Raphael Schwarz. Bild: © Jakub Kavin

Anna Veith und Ulli Borowka: Sarah Victoria Reiter und Jörg Bergen. Bild: © Jakub Kavin

„Anstoß – Ein Sportstück“ ist ein lohnender, hochaktueller Theaterabend, eigentlich Work in progress, zumal nicht zwei davon gleich sein werden. An jedem ist nämlich ein anderer Gast eingeladen, um aus seiner Perspektive über dieses Spiegel- wie Zerrbild der Gesellschaft zu berichten. Am 22. Februar zum Beispiel wird es wieder Nicola Werdenigg sein, am 24. Februar der Autor Franzobel.

Jakub Kavin im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=31475

Video: www.youtube.com/watch?time_continue=68&v=3Z1aY9ny0Nw

www.theaterarche.at

  1. 2. 2019

Salzburger Landestheater: Die Dreigroschenoper

April 4, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Und der Haifisch, der hat Zähne …

Bild: © Christina Canaval

Bild: © Christina Canaval

Am 4. April hat am Salzburger Landestheater Bert Brechts „Die Dreigroschenoper“ Premiere. Die Inszenierung liegt in den Händen von Nestroy-Preisträgerin Stephanie Mohr, mit Bettina Mönch als „Polly“ und Franziska Becker als „Spelunkenjenny“, die Partie des „Mackie Messer“ übernimmt Sascha Oskar Weis. Außerdem singen und spielen: Britta Bayer, Claudia Carus, Elisabeth Halikiopoulos, Eva Christine Just, Clemens Ansorg, Paul Maresch, Axel Meinhardt, Walter Sachers und Christoph Wieschke.

Mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ kommt eines ist der meistgespielten Stücke des 20. Jahrhunderts auf die Bühne des Landestheaters. Die Musik von Kurt Weill mit ihren schrägen und doch einprägsamen Songs wie der Moritat von Mackie Messer hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Noch am Vorabend der Uraufführung der „Dreigroschenoper“ im Jahr 1928 gingen die meisten der Beteiligten von einem Flop aus – stattdessen wurde sie ein Welterfolg. Die Geschichte spielt in Londons Bettlermilieu: Mackeath geht unter dem Schutz von Polizeichef Brown auf Raubzüge und das Bettelwesen ist professionell organisiert durch Jonathan Jeremiah Peachum. Doch dann kommt Macheath auf die Idee, heimlich Peachums Tochter Polly zu heiraten. Dieser sieht dadurch sein Geschäft gefährdet und bittet den Polizeichef, Macheath zu verhaften. Und ausgerechnet die Huren in seinem Lieblingsbordell liefern ihn aus … In dem Stück vereinen sich Brechts Anspruch, politische Verhältnisse auf der Bühne zu spiegeln und der von ihm geforderte Unterhaltungswert von Theater.

www.salzburger-landestheater

Wien, 4. 4. 2014