Schubert Theater: Parterre-Akrobaten

April 6, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Puppenspiel nach Texten von Artmann und Schwitters

Die Parterre-Akrobaten und ihre Puppenspieler Manuela Linshalm und Christoph Hackenberg Bild: Schubert Theater

Die Parterre-Akrobaten und ihre Puppenspieler Manuela Linshalm und Christoph Hackenberg
Bild: Schubert Theater

Wien-„bradnsee“ und Hannover. Der „Don Quijote fon da schwoazzn dintn“ und der „Caspar David Friedrich der dadaistischen Revolution“. Erster und Zweiter Weltkrieg. Zwei Bürgerschrecke, 34 Lebensjahre liegen zwischen ihnen, die gegen die Unfreiheit und den Kleingeist ihrer Gesellschaft angeschrieben und gelebt haben. Am 8. April hat im Schubert Theater „Parterre-Akrobaten“ Premiere, die neue Figurentheater- produktion mit Texten von H.C. Artmann und Kurt Schwitters.

Mit Puppen von Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm.

Der Abend ist eine Reise durch die Panoptika, Geisterbahnen und Fundbüros des Wiener Praters und der Waldhausenstraße 5. Im Rahmen einer „soirée noire“ wird dem poetischen, absurden und makabren Akt gefrönt. Das Anliegen ist, die enge Verwandtschaft zwischen diesen beiden Sprach- und Lebensforschern aufzuzeigen, denen die mentalen Grenzen Österreichs und Deutschlands stets zu eng waren und die politische Sprengkraft ihrer Texte lustvoll wiederzubeleben.

Für dieses Projekt haben sich die passenden Künstler auf der Artmann-Schwitters-Landkarte gefunden: Die Wiener Puppenspielerin Manuela Linshalm gehört fix zum Ensemble des Schubert Theaters in der Währinger Straße. Der Innsbrucker Christoph Hackenberg  ist freier Film- und Fernsehschauspieler und arbeitet als Puppenspieler seit 2008 mit dem Schubert Theater zusammen. Die aus Omsk gebürtige Musikerin Jana Schulz hat in Wien bereits durch ihre Band „Jana & Die Piraten“ auf sich aufmerksam gemacht. Und zu guter Letzt reiht sich in den „danse absurde“ die aus Transsylvanien stammende Regisseurin Martina Gredler ein, die am Residenztheater in München und am Burgtheater Regieassistentin war.

schuberttheater.at

Wien, 6. 4. 2106

Schubert Theater: Der Herr Tod und seine Freunde

Dezember 4, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Figurentheater, zum Sterben schön

Bild: Schubert Theater

Bild: Schubert Theater

Während Nikolaus Habjan am Volkstheater in den Bezirken auf Hochtouren seine Produktion „Das Wechselbälgchen“ probt (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=16438), arbeitet man auch an seinem eigenen Haus an einem aktuellen Projekt: Am Schubert Theater hat am 12. Dezember das Figurentheaterstück „Der Herr Tod und seine Freunde“ Premiere. In vier Episoden erzählt der Regisseur und Theaterdirektor Simon Meusburger über das Sterben. Und das zum Sterben schön.

Jeder Mensch beschäftigt sich im Laufe seines Lebens mit dem Tod. Zumindest einmal. Warum ist dieser Zustand, der am Ende jedes Lebens steht, von derart großer Faszination, dass er Komponisten, Schriftsteller und Maler gleichermaßen inspiriert? Vielleicht, weil er der kleinste gemeinsame Nenner von allem ist. Der Tod kennt keine Nationalitäten, keinen Status, kein Geschlecht, keine Religion. Im Tod sind alle gleich. Er verleiht dem Tun Bedeutung, indem er das Dasein auf unbekannte Zeit begrenzt und einen dadurch zwingt, ernst zu nehmen, was man tun. Denn es könnte das letzte sein.

Eigentlich also ein guter Freund, der Herr Tod. Trotzdem fürchtet man ihn zuweilen. Weil man nie weiß, wann und wen er als nächstes besucht. Weil man diesen Zustand nicht verstehen kann. Nicht akzeptieren will. Darum bekämpfen die Menschen ihn gelegentlich, verdrängen ihn. Leugnen ihn. Dennoch möchte das Schubert Theater sich diesem Zustand nähern. „Der Herr Tod und seine Freunde“ ist ein Versuch zu verstehen, den Tod zu vermenschlichen. Ihm ein Gesicht, eine Figur zu geben. Um ihn sicht- und begreifbar zu machen, vielleicht auch nur um mit ihm zu plaudern. Vier Episoden von vier Autoren. Todtraurig und zum Totlachen. Oder tödlich spannend. Vier Annäherungen an einen Zustand, an einen Freund, der uns viel näher ist als wir gerne glauben.

Buch: Christoph Hackenberg, Bianca Meusburger-Waldhardt, Simon Meusburger. Puppendesign und -bau: Christoph Bochdansky, Claudia Six, Lisa Zingerle. Figurenspiel: Christoph Hackenberg, Andrea Köhler und Franziska Singer.

schuberttheater.at

Wien, 4. 12. 2015