brut im Gewerbehaus – Nestervals „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“

November 18, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Nervensanatorium wird die Stille zur Mord-Nacht

Lauter nette Leit: Performer Astôn Matters aka Herr Rainer empfängt die Weihnachtsgäste in seinem Patientenzimmer. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Um die frohe Botschaft als erstes zu verkünden: Weil die Tickets in kürzester Zeit weg waren, hat Nesterval von 18. 11. bis 12. 12. neun Zusatztermine hinzugefügt. Die Expertentruppe für immersives Theater, die Vorgänger- produktion „Das Dorf“  ist für den Nestroy-Spezialpreis nominiert (www.mottingers-meinung.at/?p=35311), lädt – auch diesmal in Kooperation mit brut Wien –  ins Gewerbe- haus zum Performance-Abenteuer „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“.

Eine weitere Episode aus der Geschichte der sagenumwobenen Familiendynastie, deren künstlerischer Teil sich mit Vorliebe dem Zirkus zuwandte, während die eigentlich Porzellanmacher sich im Zweiten Weltkrieg der Herstellung von Waffen widmeten – mittels Einsatz von Zwangsarbeitern, weshalb sich Magda Nesterval bei den Nürnberger Prozessen strafrechtlich verantworten musste. Tochter Martha entriss der Mutter schließlich die Vorstandsposition; ein Großteil des Vermögens ging in den „Nesterval Fonds für karitative Zwecke“ über – doch dann passierten die bis heute ungelösten Todesfälle im Familienhospiz Engel …

Soweit die Historie zur nun vom Ensemble dargebotenen Story. Es ist das Jahr 1954, es ist Weihnachten, und Anstaltsleiterin Oberschwester Martha Nesterval holt Freunde und Förderer des Hauses zum Christfest ins Nesterval’s Sanatorium Grimm. Keine Geringeren als die Gebrüder Jacob und Wilhelm haben für die Einrichtung eine Behandlungsform ausgeklügelt, die den Patientinnen und Patienten ein zu ihren psychischen Störungen passendes Märchen zuteilt – und die Besucher sind nun herzlich aufgefordert, sich mit dieser Therapie vertraut und mit den Pfleglingen bekannt zu machen.

Wie stets auf dem schmalen Grat von Fakt und Fiktion balancierend, geleiten einen 23 Performer, Drag Artists und Schauspieler durch den Abend, wobei das Publikum von Fräulein Stulle aka Martha Nesterval, der freundlichen Schwester Tabea, ist gleich Julia Fuchs, und den Geschwistern Berger, der herrischen Sibille, der hantigen Elsa und dem für die Punsch-Ausschank im Frühstücksraum zuständige Hons (Pamina Puls, Sabine Anders und Lu Ki), empfangen und zwecks Besichtigung per bunten Armbinden in Kleingruppen aufgeteilt wird. Eines der Dinge, die erfährt, wer aufmerksam zuhört, ist, dass die jene Namen nur angstvoll wispernden Patienten die Bergers als „die teuflischen Drei“ titulieren.

Die Insassen des Sanatoriums sind nämlich weit weniger irre, als von ihnen behauptet wird, und wieder einmal haben Herr Finnland und sein aus Autorin Frau Löfberg und Ausstatterin Andrea Konrad bestehendes Leading Team ein Denk-Spiel erdacht, das es zwischen Krippenspiel und dem „Wichteln“ genannten Verteilen kleiner Geschenke zu durchschauen gilt. Sachte und sensibel heißt es nun zu den verstörten Seelen vorzudringen. Des Rätsels Lösung lautet, je mehr man interagiert, Fragen stellt und Schlüsse zieht, desto erkenntnisreicher gestaltet sich die Sache, also ausschwärmen und Informationen einholen, schließlich gibt es für die siegreiche Mann- und Frauschaft ein Präsentpaket zu gewinnen.

Willy Mutzenpachner aka Herr Friedrich flüchtet vor Männern bis auf den Kaminsims. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Herr Finnland und Frau Löfberg vor den Weihnachtssocken, in denen die Tätertipps deponiert werden. Bild: © Alexandra Thompson für Nesterval

Nachdem man sich derart durch die Verhaltensregeln studiert hat, vom Personal vorm notorischen Lügner mit dem Gestiefelten-Kater-Syndrom gewarnt und punkto der Selbstmordabsichten des von Andy Reiter verkörperten Herrn Anton beruhigt, vom Pulloverzipfel zuzelnden Helmut des Herrn Walanka zur Krippe geführt und über seine Funktion als König Melchior beim folgenden Spiel in Kenntnis gesetzt wurde, beginnt ebendieses. Aber: ein Schrei, Antons entleibter Körper liegt im Stiegenhaus, ein Schwächeanfall ob der Aufregung beschwichtigt Fräulein Martha.

Doch wer Augen hat zu sehen – um an dieser Stelle die Offenbarung des Johannes zu zitieren. Zur Ablenkung der Gäste dürfen diese nun die Patientenzimmer und Behandlungsräume inspizieren, jedes einzelne mit Röhrenradio oder einstmals als „Psyche“ bezeichneter Spiegelkommode bis in diverse Fifties-Details liebevoll dekoriert, und von den Bewohnern mit rotem Riesenkugelmobile, einem papierenen Schneeflockenwald oder einer Geschenkpaket- pyramide verschönert. Wer – je nach Sichtweise – Glück oder Pech hat, kann aber auch von den Ehrengästen weil Geldgebern, der hochschwangeren Helga und ihrem Ehemann Tomasz Nesterval, abgefangen werden.

Um bei herablassend genäseltem Smalltalk in den schier endlosen Lobgesang über die regelmäßigen Finanzspritzen für ihre Kranken einzustimmen. Längst ist da klar, die feucht-fröhliche Adventstimmung ist eine vorgegaukelte, die Stichworte dazu: Abzocke und Unfreiwilligkeit, und zumal hier einer mit Vergnügen über den anderen tratscht und dessen Geheimnisse ausplaudert, tun sich allmählich gewaltige Abgründe auf. Die bigotte Atmosphäre von Betstuhl, Kruzifix, Heiligenbüste verwandelt sich ins Bedrohliche, das heimelige Licht scheint plötzlich düsterer, was eben noch skurril war, wird spooky, denn was Nesterval im Gewerbehaus veranstalten, ist im Wortsinn ein Psychothriller. In dessen Verlauf es logischerweise nicht bei einer Leiche bleiben kann.

Von Tobsuchtsanfällen und Tränen, von Zoff hinter verschlossenen Türen und Todesahnungen beim Kartenlegen, vom unerlaubten Entwenden einer Akte bis zum Unzucht-Gekreische bei einer Séance, erlebt jeder Zuschauer den Abend so, wie er ihn sich arrangiert. Allemal interessant ist es, Willy Mutzenpachners Herrn Friedrich in der Isolierzelle aufzusuchen, allerdings Achtung: der „Froschkönig“ fürchtet sich vor Männern. Auch eine Begegnung mit dem im Rollstuhl sitzenden Fräulein Adelheid, ist gleich Laura Hermann, mit Johannes Scheutz‘ an den „Sieben Geißlein“ leidenden Herrn Konrad im Arztzimmer und mit dem großen Herz des Ganzen, Romy Hrubeš‘ auralesendem Fräulein Charlotte, sind aufschlussreich. Denn niemand im Sanatorium Grimm ist ohne Schuld, die meisten jenseits von Gut bei Böse, und Katz-und-Maus ihr bevorzugtes Spiel.

Dank des Nebengeschäfts des Herrn Theodor von Bernhard Hablé wird die Spurensuche zwar zumindest kurzzeitig unbeschwerter, doch schon erklingt aus dem Frühstücksraum „Jingle Bells“ als schwermütige Trauermusik. Das ist der Moment, an dem Operation Dunkle Weihnacht beginnt … Bei der Premiere entpuppte sich übrigens Gruppe grün als Meisterdetektive, obwohl Herrn Finnlands Maxime ja die vom Dabeisein ist, das alles ist. „Die dunkle Weihnacht im Hause Grimm“ ist ein Mordsspaß, bei dem einmal hingehen und mitmachen nicht ausreicht, um alle Facetten dieser verrückten Vorführung genießen zu können. Und wenn sie nicht gemeuchelt sind, dann metzeln sie noch heute …

Video: www.youtube.com/watch?v=7t3yirtPOSU           www.nesterval.at           brut-wien.at

  1. 11. 2019

Ensemble21: Der Sturz der Möwe

November 16, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Szenen einer Ehe mit Simon und Mascha

Rita Hatzmann und Erich Knoth Bild: ensemble21

Rita Hatzmann und Erich Knoth
Bild: ensemble21

Das Ensemble21 zeigt ab 20. November im so.vie.so-Saal, einem ganz neuen Aufführungsort im Favoritner Sonnwendviertel, die Uraufführung von „Der Sturz der Möwe“. Die Tschechow-Bearbeitung ist die erste gemeinsam entwickelte Produktion dieser freien Künstlergruppe, die inspiriert von klassischen Stoffen gesellschaftlich relevante Themen auf die Bühne bringen will. Die Premieren „Warten auf WG“ von Michael Lippitsch und „Schönwettermenschen im Wolkenbruch“ von Tina Goebel und Rita Hatzmann sollen folgen.

In „Der Sturz der Möwe“ werden Simon und Mascha zu zeitgenössischen Hauptrollen. Die Geschichten der Charaktere rundherum, die Generationen übergreifenden Verstrickungen, werden durch das Leben und Empfinden der beiden erzählt. Margarita Kinstner, bekannt durch ihre bei Deuticke erschienenen Romane „Mittelstadtrauschen“ und „Die Schmetterlingsfängerin“, schrieb die Dialoge.

Es sind drei unterschiedliche Variationen „Szenen einer Ehe“ entstanden, die sich jedesmal in eine völlig andere Richtung entwickeln. Die Szenen spielen in der Gegenwart. Simon versucht krampfhaft die Ordnung zu erhalten, Mascha ist unglücklich mit ihrer Situation. Als sie bei ihrer Arbeit für die städtische Bücherei einen jungen Autor kennen lernt, erwachen in ihr vergrabene Sehnsüchte. Durch die bevorstehende Scheidung ihrer Eltern wird Mascha klar, dass auch sie eine Entscheidung treffen sollte. Aus dem vermeintlichen goldenen Käfig auszubrechen, würde für sie jedoch bedeuten, alles hinter sich zu lassen. Sogar ihren zwölfjährigen Sohn, der sich hinter seiner lauten Musik verschanzt. Die drei Akte zeigen jeweils den selben Abend. Während Mascha in den ersten zwei Versionen nach Streitigkeiten doch wieder bei ihrem Mann bleibt, wagt sie im letzen Teil den Ausbruch, diese Konfrontation spitzt sich zu

Regie führt Michael Grimm, es spielen Rita Hatzmann und Erich Knoth.

Trailer: vimeo.com/120725517

www.ensemble21.at

Wien, 16. 11. 2015

Hans Herbert Grimm: Schlump

Juni 20, 2014 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein junger Tor zieht in den Krieg

9783462046090Wer wollte ein Buch lesen, das die deutsche 1. Weltkriegsstrategie als dumm entlarvt, den Kaiser als Feigling und den gesamten Krieg als brutalen, schlechten Witz darstellt? Der Autor und Lehrer Hans Herbert Grimm hat es gewagt, allerdings unter einem Pseudonym, 1928 einen Antikriegsroman zu schreiben, der die bisherigen volkstümlichen, mehr oder weniger wahrheitsgetreuen Darstellungen von Kriegserlebnissen ad absurdum führt. Am Anfang war die Hoffnung groß, dass der Roman „Schlump. Geschichten und Abenteuer aus dem Leben des unbekannten Musketiers Emil Schulz, genannt Schlump, von ihm selbst erzählt“ ein Verkaufsschlager werden könnte. Doch schon bald folgte die Ernüchterung. Der Verlag eines gewissen Erich Maria Remarque hatte fast zur selben Zeit ebenfalls einen Antikriegsroman auf den Markt gebracht. Täglich werden davon an die 10.000 Stück verkauft. Titel: „Im Westen nichts Neues“. „Schlump“ gerät in Vergessenheit.

Grimms Buch ist anders als alle anderen Kriegsbücher seiner Zeit: Nicht der grausame Kampf an der Front und das sinnlose Abschlachten stehen auf den ersten Blick im Vordergrund. Der Roman beschreibt den Weg eines unbedarften jungen Helden von der Etappe aufs Schlachtfeld, ins Lazarett und zurück. Und er erzählt die teilweise sogar komischen Geschichte eines modernen Hans im Glück, der nach Romanzen Ausschau hält.

Schlump, eigentlich Emil Schulz, ist ein Antiheld, menschenfreundlich, etwas naiv, der anfangs – wie viele andere auch – dem Hurra-Patriotismus des 1. Weltkriegs erliegt und sich freiwillig meldet. Er zieht – wie viele andere auch – mit all den Hoffnungen und Träumen ins Feld, um Abenteuer zu suchen und Ruhm zu ernten. Bereits mit 17 wird er Verwalter einer kleinen französischen Gemeinde, wo er Gerechtigkeit üben kann und dem weiblichen Geschlecht nachstellt. Alles scheint ein Spiel zu sein. Der echte Krieg ist weit weg.
Doch dann kippt der Roman. In nur wenigen Seiten beschreibt der Autor die Schrecken des 1. Weltkrieges, die Schlump auch am eigenen Leib erfährt. Freunde und Gefährten sterben, Köpfe rollen, Gedärme fliegen durch die Luft, junge sterbende Soldaten schreien nach ihren Müttern, zweimal wird er selbst verwundet.

Und plötzlich sieht auch unser Held das Leben mit anderen Augen. Er verliert seine kindliche Naivität. „Der Krieg ist gräßliche, gemeine Schlächterei“, sagt Schlump auf einem Marktplatz, nachdem ein Mädchen von einer Granate zerfetzt wurde. Was zählt ist nur mehr das nackte Überleben. Und so schlägt er sich auch durch den Krieg bis er am Ende zu Hause seine große Liebe wieder trifft, die immer schon auf ihn gewartet hat. „Und dann zogen sie vereint zu seiner Mutter, die in diesem Augenblick nicht ahnte, daß die glücklichste Stunde ihres Lebens geschlagen hatte.“ Das Schlachten ist vorbei und die Schlump-Idylle ist wieder eingekehrt. Die Welt wird sich nie ändern, es geht nur darum zu überleben.

Die Nazis ließen das Buch 1933 verbieten, zu ironisch und respektlos wurde hier mit dem Militärwesen umgegangen. Es verschwand aus dem Gedächtnis. Es ist dem Verlag Kiepenheuer & Witsch und Volker Weidermann, der auch das ausführliche Nachwort geschrieben hat, zu verdanken, dass das Buch jetzt neu aufgelegt wurde – in einer heute für uns zwar antiquierten, aber doch stimmigen Sprache, was dem Lesevergnügen keinen Abbruch leistet. Ganz im Gegenteil. Witzig, spannend, historisch, anders.

Über den Autor:
Hans Herbert Grimm, geboren 1896, nahm an beiden Weltkriegen teil und arbeitete als Lehrer für Deutsch und Französisch in Altenburg. Um seine Anstellung nicht zu verlieren, veröffentlichte er seinen Roman unter dem Pseudonym „Schlump“. Erst nach dem 2. Weltkrieg gab es sich als Autor zu erkennen. Wegen seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP durfte er dann allerdings nicht mehr als Lehrer unterrichten. Im Sommer 1950 wurde er von den Behörden der neu gegründeten DDR nach Weimar bestellt. Was dort besprochen wurde ist nicht bekannt. Am 5. Juli kam er wieder zu seiner Familie nach Hause. Zwei Tage später ging seine Frau alleine einkaufen. In dieser Zeit nahm sich Grimm das Leben.

Kiepenheuer & Witsch, Hans Herbert Grimm: „Schlump“, 348 Seiten.

www.kiwi-verlag.de

Interview: „Grimm“ige Gute-Nacht-Geschichten

Februar 25, 2013 in Film

Schickt eure Kinder lieber ins Bett!

Natürlich. Man kann sich immer auf die Position zurückziehen, so was sei lächerlich, kindisch und überhaupt … Aber nachts allein – muss ja nicht im Wald sein -, wenn die Schatten über die Wände schleichen. Da fällt sie einem wieder ein, die Oma am Bettrand, die von Kindern erzählte, die der große böse Wolf auffraß, oder die von einer Hexe fürs Nachtmahl gemästet wurden. Und wenn einem dann noch Tante Mary erzählt, dass man ein Nachfahre der berühmten Brüder Grimm (die Berliner Jakon und Wilhelm lebten im 18./19. Jahrhundert waren Sprachwissenschaftler und Sammler der  durchaus grausamen „Grimms Märchen“) ist, und die heilige Verplichtung hat „das Böse“ aus der Welt zu schaffen, wird’s richtig gruselig.

So ergeht es nämlich Polizist Nick Burkhardt (David Giuntoli) in der neuen VOX-Serie „Grimm“. Und plötzlich sieht für ihn jede smarte Blondine wie eine zähnebleckende, das eben noch so hübsche Lächeln zur Fratze verzerrte, Untote aus, nur um sich gleich darauf wieder als harmlose Städterin zu zeigen, offenbart sich für ihn hinter jeder zweiten Menschengesichtermaske ein Tierwesen, sei’s Wolf, sei’s Bär.

So eine US-Serie (NBC) hat freilich nur noch wenig mit Rotkäppchen“, „Rapunzel“ oder „Schneewittchen“ zu tun, sondern geht davon aus, dass die Monster unter uns leben. Wer sich über derlei Dinge amüsieren kann, wird lachen, wenn der Wolf – jetzt heißt er „Blutbader“ – nach seinem Opfer schnüffelnd rund ums Haus läuft. Das er mi Plastikpüppchen und Spitzchendeckchen schmückt. Und erfreulicherweise muss es gar nicht immer Grimm sein: Für eine Episode war „Goldlöckchen und die drei Bären“, ein Märchen  aus der angelsächsischen Tradition, die Vorlage. Nur sind’s hier fünf – Vater, Mutter und drei Söhne – die auf rituelle Bluthatz gehen.

Für Kinder sind die deftigen Special Effects tatsächlich nichts.

Der Modernisierung des Vampirmythos ist entnommen, dass ein Getriebener seine Triebe  unter Kontrolle halten kann. Mit Pilates und gesunder Ernährung. So ist die beste Rolle der Serie Silas Weir Mitchell als „Blutbader“, also Wolf, Monroe. Er wird zu Nicks wichtigstem Ratgeber. Er kennt andere Geschichten über die  Brüder Grimm und ihre Nachkommen. Man erzählt sich in Tiermenschenkreisen Abgründiges über sie – „Meine Familie hatte immer schreckliche Angst vor euch. Meinem Großvater habt ihr den Kopf aufgespießt“, sagt Monroe. Eine ganz neue Perspektive auf die Märchenwelt.

Grimm

Silas Weir Mitchell als „Blutbader“ Monroe
Bild: VOX/Universal

Ein Interview mit den Hauptdarsteller „Grimm“-Nachfahre David Giuntoli und „Blutbader“ Silas Weir Mitchell:

David, was erwartet die Zuschauer in der neuen Mystery-Crime-Serie „Grimm“?

David Giuntoli: „Grimm“ ist eine Krimiserie, ein ‚Cop Drama‘, bei dem alles auf den Kopf gestellt ist. In dieser Welt gehören die Märchen der Gebrüder Grimm zur Realität und sind Bestandteil der Menschheit. Meine Rolle Nick findet heraus, dass er ein Nachfahre dieser Grimm-Familie ist. Sie sind Profiler und es ist ihre Pflicht, die bösen Kreaturen aus den alten Märchen und Sagen zu jagen und zu töten.

Gibt es Märchen oder Wesen aus den alten Sagen, die es Ihnen besonders angetan haben und die Sie gerne in der Serie sehen würden?

David Giuntoli: Wir arbeiten mit ungefähr 300 Märchen. Es ist toll geworden, eine extra Vorliebe für
eines kann ich darum gar nicht sagen. Wir haben viele der berühmtesten Märchen eingesetzt.
Rumpelstilzchen fehlt vielleicht noch. Und eines, in dem ich acht Stunden schlafen müsste, wäre
wundervoll. Mein Märchenfavorit war auch früher schon immer Rapunzel – die Folge wird in
Staffel eins zu sehen sein. Es ist eine wunderbare Folge, auf die sich die Zuschauer freuen
können. Das Märchen ist auf eine sehr besondere Art eingearbeitet in die Serie…

Wie ist es, in dieser Serie mitzuwirken, in diesem besonderen Genre – Mystery-Crime? Ist es auch physisch eine Herausforderung?

David Giuntoli: Ja, die Kälte beim Dreh ist hart. Seinen Text zu sagen, wenn deine Lippen einfrieren ist sehr schwierig. Meine Serienkollegen und ich, haben in ungefähr jeder dritten Folge eine aufwendige und kräftezehrende physische Auseinandersetzung und das kann einen am Anfang wirklich fertig machen. Ich dachte eigentlich immer: ‚Ach, ich schaff das schon. Ich bin jung und stark.‘ Aber ich wurde sofort eines Besseren belehrt.

Silas, Sie spielen in der neuen US-Serie den Blutbader Monroe. Können Sie Ihren Seriencharakter näher beschreiben?

Silas Weir Mitchell: Ich bin ein Blutbader, der große böse Wolf sozusagen. Aber eine Art reformierter Blutbader. Ich versuche, als Mensch zu leben und auf dem richtigen Pfad zu bleiben, habe eine menschliche Gestalt angenommen und schlage mich als Uhrenmacher durch. Die Zuschauer werden definitiv mehr über meinen Charakter in zukünftigen Episoden erfahren. Aber die Familiengeschichte bleibt erstmal im Dunkeln.

Was hat Sie an der Rolle des Monroe besonders gereizt und an der Serie Grimm?

Silas Weir Mitchell: Ich habe das Drehbuch gelesen und es war cool. Aber was mich besonders an der
Rolle reizt, ist der innere Konflikt meiner Serienfigur. Es ist ein reichhaltiges Terrain für einen Schauspieler, dass man eine Rolle mit so einem Geheimnis und Hintergrund hat. Das zu spielen, macht wirklich Spaß. Ich finde auch die mythologischen Elemente der Geschichte sehr fesselnd.

Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis der Serie?

Silas Weir Mitchell: Es ist ein Geschenk. Ich bin sehr dankbar dafür, Teil dieses tollen Teams zu
sein und gleichzeitig glaube ich, dass wir einen Nerv getroffen haben. Die Autoren haben einen
Hybriden geschaffen, der funktioniert. Das ist schwierig zu erreichen. Es ist eine Serie, die
gruselig ist und Spaß macht.

„Grimm“, immer montags auf VOX, 21.15

www.vox.de/cms/sendungen/grimm.html

www.nbc.com/grimm

Von Rudolf Mottinger

Wien, 25. 3. 2013