Rudolf Buchbinder im Beethoven-Rausch

August 29, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

In Grafenegg spielt er alle Klavierkonzerte an einem Tag

Rudolf Buchbinder. Bild: © Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder. Bild: © Marco Borggreve

Wer Rudolf Buchbinder über Beethoven reden hört, kommt schnell ins Staunen: „Seine Musik ist genial“, sagt er, „aber sie ist immer auch ein Spektakel – ein unbedingtes Unterhaltenwollen des Publikums.“ Und genau das macht den Komponisten für den Pianisten so spannend.

Seit Jahrzehnten setzt Buchbinder sich mit Beethoven auseinander, studiert unterschiedliche Werkausgaben und Handschriften. „Und das Tollste ist“, sagt er, „ich finde immer wieder etwas Neues.“ Beethoven selbst war ein begnadeter Interpret seiner eigenen Werke, bei denen er sich viele Freiheiten nahm. Seine Klavierkarriere dauerte allerdings nur 15 Jahre, dann setzte die Taubheit ein – bereits das 5. Klavierkonzert übergab er dem jungen Pianisten Friedrich Schneider und verlor darauf das Interesse an dieser Gattung.

Zum Abschluss der Jubiläumssaison in Grafenegg spielt Rudolf Buchbinder am 11. September gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven. Nicht nur für das Orchester und den Virtuosen eine Herausforderung, sondern auch für das Publikum. „Es ist faszinierend, was an einem solch intensiven Tag passiert“, sagt Buchbinder, „man kommt in einen Rausch, in einen dauernden Dialog mit der Musik, ja man beginnt, sich in ihr aufzulösen.“

Die Matinee findet im Auditorium statt, das Abendkonzert am Wolkenturm. Beide Veranstaltungen können gesondert besucht werden – aber der wahre Beethoven-Effekt entsteht, wenn man zwischen den Teilen im Park von Grafenegg schlendert und einen ganzen Tag mit diesen Meisterwerken verbringt. Auch das Prélude und die Einführung am Nachmittag in der Reitschule stehen ganz im Zeichen des „Giganten Beethoven“, wenn Stefan Mickisch in seinen moderierten Konzerten Leben und Werk des Komponisten beleuchtet.

www.grafenegg.com

Wien, 29. 8. 2016

Sommernachtsgala in Grafenegg

Juni 7, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Und drei Festivaltipps für den Juli

Wolkenturm. Bild: © Andreas Hofer

Wolkenturm. Bild: © Andreas Hofer

2016 feiert Grafenegg sein zehntes Festival. Ein – wenn nicht sogar der – Höhepunkt der Jubiläumssaison steht am 16. und 17. Juni mit der Sommernachtsgala an. Wie jedes Jahr wird auch heuer die Bühne des Wolkenturms zum Treffpunkt für die Weltstars der Klassik. Der Auftritt des walisischen Bassbaritons Bryn Terfel ist ein Rückblick auf die erste Gala, in der er das Publikum mit seiner erdentiefen Stimme begeisterte.

Diesmal steht ihm die junge russische Koloratursopranistin Olga Peretyatko zur Seite. Rudolf Buchbinder, der künstlerische Leiter von Grafenegg, wird als Pianist zu erleben sein. Es spielt das Tonkünstler-Orchester unter seinem Chefdirigenten Yutaka Sado; zu hören sind Werke von Georges Bizet über Jacques Offenbach bis Franz Lehár. Und natürlich endet der Abend traditionell mit einem Feuerwerk zu Edward Elgars „Pomp and Circumstance“. Der ORF überträgt live das Konzert am 17. Juni. Am 25. Juni starten dann die Sommerkonzerte mit ihrem umfangreichen Programm. Drei Empfehlungen für den Juli:

2. Juli, 20 Uhr, Wolkenturm: Von Babelsberg bis Beverly Hills. Marlene Dietrich, die Comedian Harmonists und Lotte Lenya haben die Lieder von Robert Stolz, Werner Heymann und Carl Millöcker zu Welthits gemacht: erotische Eskapaden, champagnerhafte Flirts und viel Melancholie. Die Sopranistin Angela Denoke wird den großen Songs der 1930er- und 1940er-Jahre von „Speak Low“ bis „Frag nicht warum“ neues Leben einhauchen und Werke von Friedrich Hollaender, etwa „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und Kurt Weill mit „September Song“ interpretieren – den Stars der Weimarer Republik und den Erfindern des Hollywood-Sounds. Im Prélude stimmen Maria Bill und Krzysztof Dobrek mit Songs von Kurt Weill auf das Abendprogramm ein.

Patricia Petibon. Bild: © Felix Broede DG

Patricia Petibon. Bild: © Felix Broede DG

Angela Denoke. Bild: Johan Persson, ArenaPal, www.arenapal.com

Angela Denoke. Bild: Johan Persson

16. Juli, 20 Uhr, Wolkenturm: Swingin‘ Hollywood. Kein Konzert zum Sitzenbleiben! Wenn Andrej Hermlin mit seinem Swing Dance Orchestra die Meisterwerke von Benny Goodman, Artie Shaw, Jimmy Dorsey, Duke Ellington oder Glenn Miller im authentischen Swing-Stil der 1930er- Jahre anstimmt, wird alles zu Charleston und Lindy Hop. Das Swing Dance Orchestra spielt „Old Man River“, „As Time Goes By“ und „Stormy Weather“ mit Liebe zum Detail: Arrangements, Mikrofone, Instrumente, Pulte und Kostüme entsprechen den alten US-Originalen. Das Orchester war bereits im legendären Rainbow Room des Rockefeller Center und in Filmen wie „Taking Sides“ zu sehen, nun lässt es den Wolkenturm tanzen.

23. Juli, 20 Uhr, Wolkenturm: 1001 Nacht. Märchen erzählen, um dem eigenen Tod zu entkommen, das ist die Geschichte der Scheherazade. In seiner Symphonischen Suite beschrieb Nikolai Rimski-Korsakow die arabischen Nächte und inspirierte damit auch Maurice Ravel. Dessen Liederzyklus ist so betörend wie ein Parfüm und so aufregend wie die Gewürze auf einem Markt. Die französische Sängerin Patricia Petibon wird in diese Zauberwelt eintauchen, begleitet vom jungen Orchester Les Siècles, das für seine authentischen Programme gefeiert wird. Burgschauspielerin Mavie Hörbiger liest zuvor im Prélude aus „1001 Nacht“.

Das gesamte Programm der Jubiläumssaison 2016: www.mottingers-meinung.at/?p=15830

www.grafenegg.com

Wien, 7. 6. 2016

Grafenegg 2016: Rudolf Buchbinder präsentiert das Programm der Jubiläumssaison

November 4, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Tribut an den überzeugten Europäer Beethoven

Der künstlerische Leiter Rudolf Buchbinder Bild: Klaus Vyhnalek

Der künstlerische Leiter Rudolf Buchbinder
Bild: Klaus Vyhnalek

2016 feiert Grafenegg sein zehntes Festival. Rudolf Buchbinder als künstlerischer Leiter präsentierte am 4. November das Programm für die Jubiläumssaison: Beginnend mit der Sommernachtsgala am 16. und 17. Juni ist Grafenegg drei Monate lang bis zum 11. September Schauplatz hochkarätiger Konzertprogramme. Der Kartenvorverkauf beginnt für Inhaber der Grafenegg-Card oder der Duett-Karte am 18. November, für alle anderen am 2. Dezember. „Es macht mich stolz“, sagt Buchbinder, „dass Grafenegg sich seit seiner Gründung zu einem prominenten Festivalstandort und Ort der Begegnung für internationale Orchester, Solisten und den musikalischen Nachwuchs mitten in Europa etabliert hat. Dem zollt das Jubiläumsprogramm mit dem Œuvre des überzeugten Europäers und Humanisten Beethoven Tribut. Beethoven prägt den Klang Grafeneggs 2016“.

Höhepunkt der Jubiläumssaison ist das von 19. August bis 11. September stattfindende Grafenegg Festival mit internationalen Orchestern, Solisten und Dirigenten. Am 19. August wird der Jubiläumstag mit einem Festakt eröffnet, für den Regisseur Michael Sturminger eine Multimedia-Performance basierend auf Shakespeares 66. Sonett inszeniert. Erzählt wird die Geschichte Europas ab der Renaissance. Eröffnet wird das Festival mit Beethovens 9. Symphonie sowie zwei Uraufführungen des Composer in Residence Christian Jost: traditionell eine Fanfare, ein Auftragswerk des Grafenegg Festivals, sowie sein neues Werk „An die Hoffnung“ nach dem gleichnamigen Lied von Beethoven. Buchbinder: „Jost gestaltet das Jubiläumsfestival als Komponist, Dirigent und Lehrender maßgeblich mit“.

Bis zum 11. September präsentiert Grafenegg weltweit führende Klangkörper und internationale Künstler, darunter das Cleveland Orchestra und Franz Welser-Möst mit zwei Konzerten am ersten Festivalwochenende. Das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam ist mit Chefdirigent Daniele Gatti und Sol Gabetta mit Schumanns Cellokonzert zu hören. Am dritten Festivalwochenende bringen das Mariinsky Orchester St. Petersburg und Valery Gergiev mit zwei reinen Tschaikowski-Programmen russische Klänge nach Grafenegg. Außerdem ist die Sächsische Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann zu Gast und Solisten wie Hilary Hahn, Klaus Florian Vogt, und Klaus Maria Brandauer als Sprecher in Beethovens Musik zu Goethes Trauerspiel „Egmont“. Zum Abschluss des Jubiläumsfestivals, spielt Rudolf Buchbinder am 11. September gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven.

Neben Konzerten internationaler Spitzenorchester, steht vor allem der Grafenegg Campus im Mittelpunkt der Jubiläumssaison. Neben der Partnerschaft mit dem European Union Youth Orchestra und dem daraus hervorgegangenen European Music Campus, gehört auch der Composer-Conductor-Workshop Ink Still Wet zum Angebot des Grafenegg Campus. Von 1. bis 5. September findet der Workshop unter Leitung des Composer in Residence Christian Jost statt. 2016 wird auch erstmals der Grafenegg Kompositionspreis durch eine international besetzte Jury vergeben.

Das ganze Programm: www.grafenegg.com

Wien, 4. 11. 2015

Grafenegg Festival: 14. August bis 6. September

August 6, 2015 in Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei Tipps für Klassikfans

Wolkenturm Bild: Grafenegg

Wolkenturm
Bild: Grafenegg

Am 14. August startet das diesjährige Grafenegg Festival. Und wie gewohnt will dessen Leiter Rudolf Buchbinder auch heuer wieder neue musikalische Maßstäbe setzen. Spitzenmusiker aller Sparten stehen dafür Spalier: Die Berliner Philharmoniker und das Boston Symphony Orchestra sind mit jeweils zwei Konzerten zu Gast, der in New York lebende Komponist Matthias Pintscher kommt als Composer in Residence und Dirigent nach Grafenegg. Seine Werke werden vom Tonkünstler-Orchester aufgeführt. Von Pintscher ist naturgemäß auch die Fanfare, die das Festival eröffnet. Danach geht’s im Wolkenturm mit Prokofjews „Skythischer Suite“ und Carl Orffs „Carmina Burana“ weiter. Solisten: Daniela Fally, Michael Volle und Toby Spence.

Drei Programmtipps von mottingers-meinung.at (und ja, es gibt noch Karten):

Am 15. August interpretiert La Folia Barockorchester Werke von Porpora, Hasse, Geminiani, Vivaldi und Pergolesi. Das umjubelte Ensemble bestreitet sein Debüt am Wolkenturm mit Sopranistin Simone Kermes. Die Meister der Spielkultur treffen auf einen vulkanischen Opernstar.

Am 26. August findet das Abschlusskonzert des „Ink Still Wet“-Workshops statt, bei dem Komponistinnen und Komponisten ihre Werke mit einem Orchester selbst einstudieren oder in die Hände eines erfahrenen Dirigenten legen können. Die Arbeiten werden unter der Leitung von Matthias Pintscher in Hochform gebracht. Alle Phasen des Workshops und das Abschlusskonzert sind bei freiem Eintritt zugänglich. Danach: Künstlergespräch.

Am 6. September lädt das Scharoun Ensemble Berlin zur Matinee. Die acht Mitglieder der Berliner Philharmoniker gehören zu den profiliertesten kammermusikalischen Formationen der Gegenwart. Diesmal zu hören: Mozart, Schubert und Britten.

www.grafenegg.com

Wien, 6. 8. 2015

Grafenegg: Festival 2014

August 11, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Jörg Widmann ist Composer in Residence

Bild: (c) ORF/Milenko Badzic

Bild: (c) ORF/Milenko Badzic

Mit einer Fanfare von Jörg Widmann, Composer in Residence 2014, eröffnet das Grafenegg Festival am 14. August und verweist einmal mehr darauf, dass Tradition kein Phänomen der Vergangenheit, sondern lebendige Gegenwart ist. Auf die Fanfare vor Konzertbeginn folgt Richard Strauss, dessen 150. Geburtstag 2014 gefeiert wird und dessen Musik aus unserer heutigen Welt nicht wegzudenken ist. Ein großartiges Orchesterwerk und Szenen aus zwei seiner schönsten Opern, interpretiert von internationalen Starsolisten, fügen sich zu einem klingenden Ganzen zusammen, das in den Händen des Tonkünstler-Orchesters und Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada den festlichen Auftakt des Grafenegg Festivals bildet. Das Grafenegg Festival ist einer der wichtigsten Brennpunkte internationaler Orchester- und Musikkultur. Alljährlich entführen Spitzenmusiker aller Sparten in die weite Welt der Musik. 2014 kommen einige der besten europäischen, amerikanischen und asiatischen Orchester nach Grafenegg; herausragende Solisten und Dirigenten präsentieren mit ihnen ausgewählte Repertoireschätze.

Das Programm:

Do, 14.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Denoke, Fally, Prudenskaja, Tatzl, Orozco-Estrada:…
Fr, 15.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Widmann, Oundjian: Toronto Symphony Orchestra
Sa, 16.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Fink, Belohlavek: Tschechische Philharmonie
So, 17.08.2014 11.00 h Grafenegg | Auditorium
Matinee: «Buchbinder & Friends»
So, 17.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Trpceski, Petrenko: European Union Youth Orchestra
Do, 21.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Tilling, Widmann, Nagano: Tonkünstler-Orchester
Fr, 22.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Mehta, von der Goltz: Freiburger Barockorchester
Sa, 23.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Kim, Chung: Seoul Philharmonic Orchestra
So, 24.08.2014 11.00 h Grafenegg | Auditorium
Matinee: Jörg Widmann & Minetti Quartett
So, 24.08.2014 19.30 h Grafenegg | Wolkenturm
Buchbinder, Pappano: London Symphony Orchestra
Mo, 25.08.2014 19.30 h Grafenegg | Auditorium
Composer-Conductor-Workshop: «Ink Still Wet» …
Mo, 25.08.2014 20.30 h Grafenegg | Reitschule | Innenhof
Künstlergespräch | «Ink Still Wet»
Do, 28.08.2014 19.15 h Grafenegg | Wolkenturm
Buchbinder, Nelsons: City of Birmingham Symphony…
Fr, 29.08.2014 19.15 h Grafenegg | Wolkenturm
K. F. Vogt, Nelsons: City of Birmingham Symphony…
Sa, 30.08.2014 19.15 h Grafenegg | Wolkenturm
Gulzarova, Foster: Tonkünstler-Orchester
So, 31.08.2014 11.00 h Grafenegg | Auditorium
Matinee: Wiener Akademie, Schade, Petibon, Haselböck
So, 31.08.2014 19.15 h Grafenegg | Wolkenturm
Ax, Nézet-Séguin: Rotterdam Philharmonic Orchestra
Do, 04.09.2014 19.00 h Grafenegg | Wolkenturm
Lugansky, Temirkanov: St. Petersburger Philharmoniker
Fr, 05.09.2014 19.00 h Grafenegg | Wolkenturm
Schäfer, Harding: Filarmonica della Scala di Milano
Sa, 06.09.2014 19.00 h Grafenegg | Wolkenturm
Znaider, Orozco-Estrada: Tonkünstler-Orchester
So, 07.09.2014 11.00 h Grafenegg | Auditorium
Matinee: Buchbinder & Znaider
So, 07.09.2014 19.00 h Grafenegg | Wolkenturm
Dudamel: Wiener Philharmoniker

www.grafenegg.com