Theater an der Wien auf ORF III: Le Nozze di Figaro

Dezember 1, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Nur die Commedia ist Alfred Dorfer abhandengekommen

Johannes Bamberger, Maurizio Muraro, Enkelejda Shkosa, Cristina Pasaroiu, F. Boesch, Giulia Semenzato, Robert Gleadow, Patricia Nolz, Ekin Su Paker, Ivan Zinoview. Bild: © Moritz Schell

In seinem aktuellen Programm „und …“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26914), für das er dieser Tage schon Spieltermine im kommenden März/April ausgibt, diagnostiziert Alfred Dorfer die Herzenszartheit eines jeden Zynikers, wie auch die seine. Nun hat der Kabarettist seine erste Operninszenierung absolviert, „Le Nozze di Figaro“ am Theater an der Wien, die Premiere #Corona-bedingt allerdings nicht im Haus, sondern als ORF III

Liveübertragung aus ebendiesem und weiterhin in der ORF-Mediathek und auf der Klassikplattform fidelio abzurufen. Was Dorfer aus dem Werk destilliert, ist eher Beaumarchais als da Ponte, klar, dass einer wie er, das Politische im Privaten betont. Seine Interpretation ist ein Mozart der subtil düsteren Zwischentöne, ist Dorfer doch auch mit seinen eigenen Texten und bei Auftritten nicht als Abfackler greller Comedy-Pointen bekannt. Sein Schmäh feuert vielmehr aus dem Hinterhalt, lässt sich Zeit, bis er weiß, dass er ins Ziel trifft, dann aber: Bumm!

Ein Understatement, für das er bei dieser Arbeit kongeniale Partner vom Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Stefan Gottfried über Co-Regisseurin Kateryna Sokolova und Ausstatter Christian Tabakoff bis zur erlesenen Besetzung zur Seite hat. Kurz, diese en détail durchdachte „Hochzeit“ und ihre rundum exzellente musikalische Deutung sind gelungen, allein, der Commedia per musica ist erstere abhandengekommen. Die flotte Verwechslungskomödie mit ihren Liebesirrungen und -wirrungen hat bei Dorfer keinen doppelten Boden dunkler Andeutungen, nein, da tun sich wahre Abgründe auf.

Und so, wie die auf der Bühne nichts zu lachen haben, kommt einem auch vor dem Bildschirm kaum ein Lächeln aus. So viel zur Zartheit von Zynismus, Dorfer bevölkert das Schloss des Grafen Almaviva mit Sehnsüchtlern, Eifersüchtlern, denen auch die Laster Hab- und Selbstsucht eigen sind. Das nicht vollständig möblierte Zimmer des ersten Aktes bleibt ein solches, als wolle Tabakoff mit der Leere die Einsamkeit dieser Menschen bebildern, Aguasfrescas als „Hotel Sevilla“ für geschundene Herzen – und allein im weiten Flur, so beginnt das Ganze, Florian Boesch als Conte.

Boesch, dem Dorfer jede figurenzeichnerische Komfortzone verwehrt, optisch weniger lustig als Luising’erisch, von Gutsherrenrock bis Haartracht einem bekannten Lobbyisten verwandt, und längst kein Schürzen-Jäger mehr. Sondern ein alternder, gefährlicher, weil seine Hilflosigkeit in Aggression auslebender, wie Susanna singt, „Wüterich“, der von seinen Dämonen gejagt wird. Den Namen „Cherubino“ hat jemand wie zum Hohn und wie den Teufel an die Wand gemalt, schlagartig wird’s finster, im Hintergrund ein sich umschlingendes Liebespaar, doch wer ist’s?, ein Fenster zur Seele des paranoiden Grafen.

Giulia Semenzato und Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Giulia Semenzato und Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Ein Schattenspiel, ein angstvoller, apathischer Moment, wie ihn Dorfer des Öfteren einsetzen wird. Etwa in jener Albtraumsequenz, in der Almaviva die anderen wie Schachfiguren und Susanna, dies Sinnbild seiner mannhafterer Tage, auf seinem Schoß arrangiert, doch auch, wenn die Rollen von Macht und Ohnmacht getauscht werden. Ein Innehalten, in dem Mozarts Töne wie zum Trotz tanzen. Dass die Feudalherrschaft wie ihr Herrensitz hier zum schäbigen Abglanz ihrer selbst verfallen sind, beweist niemand besser als der Hipster-Figaro des Robert Gleadow und dessen frühemanzipierte Susanna von Giulia Semenzato. Beide, wie selbstverständlich Boesch, sängerisch makellos, und Gleadow im gewohnt spielfreudigen Ensemble, an dem man via Fernsehen Operngucker-nah dran ist, das hochenergetische Zentrum.

Wie sich Dorfer der Tändelei und etwaigem Slapstick, bis auf ein Eisbärenfell-Versteck und Maurizio Muraros im Aufzug steckenbleibenden Bartolo, verweigert – wiewohl die Drei-Räume-Drehbühne den Klipp-Klapp hergegeben hätte, so hat Gleadows aufsässiger Figaro nichts Schelmisches mehr an sich. Er ist ein stürmischer Liebhaber, dessen Sturm im Zorn zum Orkan wird, sein Man-Bun dann in Auflösung begriffen, was den Rebellen gegens Recht primae noctis windstärkenmäßig dem Wüterich Almaviva ebenbürtig macht. Verabschiedet er Cherubino, Non più andrai, farfallone amoroso, trieft ihm der Sarkasmus sichtlich aus den schiefen Wundwinkeln. Und siehe: Gleadow kann sogar Apfelessen beim Singen.

Fast scheint’s, als hätte Tabakoff mit seinem Peter-Brook’schen Empty Space Platz für Dorfers hervorragende Personenführung schaffen wollen, denn die Solistinnen und Solisten füllen die Bühne mit ihren vielschichtig changierenden Charakteren und einer Präsenz, die sich bis aufs Wohnzimmersofa überträgt, nichts außer des Ambientes ist hier schwarz-weiß, gut oder böse, Schurke oder Seelchen. Und, apropos: Cristina Pasaroiu singt ihre Contessa Almaviva berückend schön, das warme, samtige Timbre der Hausdebütantin nimmt einen in gleicher Weise ein, wie ihre mädchenhafte Erscheinung.

Da hat eine blutjunge Rosina sich einem angegrauten, griesgrämigen Blaublut angetraut, dies der erste Höhepunkt: Terzett Graf, Gräfin, Susanna, or via, sortite, gerade noch rotiert Almaviva vor der Tür der Gattin, als treibe ihn eine noch nicht erloschene Zuneigung im Kreis, da verpasst ihm die Gräfin eine schallende Ohrfeige, und er fordert mit einer beinah Vergewaltigung seine ehelichen Rechte ein, die Pasaroiu mit Boesch im Infight auf nacktem Boden – Szenen einer scheiternden Ehe. Was Wunder willigt die Gräfin in die Kabale und Liebe ein.

Der Aufzug steckt fest: Enkelejda Shkosa als Marcellina und Maurizio Muraro als Bartolo. Bild: © Moritz Schell

Arrangierter Albtraum: Boesch, Semenzato, Andrew Owens, Gleadow, Muraro und Shkosa: Bild: © Moritz Schell

Aufritt des betrunkenen Antonio: Semenzato, Ivan Zinoviev, Pasaroiu, Gleadow und Boesch. Bild: © Moritz Schell

Die beiden Hausdebütantinnen Cristina Pasaroiu als Gräfin und Patricia Nolz als Cherubino. Bild: © Moritz Schell

Die erst 25-jährige niederösterreichische Mezzosopranistin Patricia Nolz, seit der aktuellen Saison Mitglied des Opernstudios der Wiener Staatsoper, debütiert an der Wien als Cherubino mit frischem, frechem Maturantencharme und in Hochwasserhose, als wäre der Knabe zu schnell in die Höhe geschossen – und wie sie singt: Voi che sapete che cosa è amor, strahlend, brillant, betörend! Patricia Nolz ist ein Name, eine Stimme, den zu merken sich lohnen wird.

Der bereits erwähnte Maurizio Muraro als Rollator bewehrter Bartolo samt Enkelejda Shkosa als Marcellina im rosafarbenen „Chanel“-Kostüm, La vendetta, oh, la vendetta / Via, resti servita, Madama brillante, Andrew Owens als intrigant-schmieriger Basilio, Johannes Bamberger als tölpeliger Don Curzio, Ekin Su Paker als neckische Barbarina und Ivan Zinoviev als vom Wein illuminierter Antonio geben ihr Bestes, um auch dem Begriff Opera buffa alle Ehre zu machen.

Mit allem Drum und Dran macht der TV-Abend Vorfreude auf ein mögliches künftiges Vorort-Erlebnis, dem man am Theater noch ein Mehr an Differenzierung zutrauen darf, den Solistinnen und Solisten wie dem Concentus Musicus, dessen präzise Begleitung, manch unheilvolles Donnergrollen, die drängende Spiellust und die Hand in Hand mit der Regie ausgelotete Partitur durchaus Erinnerungen an den großen Nikolaus Harnoncourt wachrufen, dessen Nachfolger Stefan Gottfried sich einmal mehr als umsichtiger Mann am Pult erweist.

Mit einer #Lockdown-Premiere hat Alfred Dorfer kein leichter Start im Operngenre ereilt. Dass ihn dies nicht abschreckt, ist zu hoffen. Denn es gibt genug Stoffe, bei denen Dorfers Talent zur eleganten Satire eine Wohltat wäre. Das spürt man vielleicht am stärksten am Ende. Nachdem alle Verkleidungen, Verstellungen und ein Witz von Entschuldigung gefallen sind, rockt man mitsammen in einer alten Straßenbahnremise ab, Endstation! also, und in grotesker Ausgelassenheit Almaviva, der sich hüpfend und die Arme in Siegerpose hochgerissen aus der Schlussbild-Idylle verabschiedet. Womöglich fantasiert er wieder, womöglich hegt er schon neue Verführungspläne? Ah! Tutti contenti!? Das Publikum auf alle Fälle!

Die TV-Premiere von „Le nozze di Figaro“ ist noch bis 5. Dezember in der ORF-Mediathek und bis Dezember 2021 auf der Klassikplattform fidelio abrufbar.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=CbWXaEdRBxw           www.theater-wien.at

  1. 11. 2020

Die grauenvolle Entdeckung des Jakob Levy Moreno

Oktober 14, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Off Theater: In Gruppentherapie mit Hitler und Stalin

Hitler und Stalin spielen „Hamlet“: Isabella Jeschke und Ernst Kurt Weigel. Bild: Günter Macho

Ein Podium als Shakespearebühne, an jeder Ecke ein Ausläufer, und mit Drahtkrone thront Kajetan Dick umringt von zwei Elevinnen. Nun erhebt er sich, lädt das ringsum sitzende Publikum zum warming-up auf eine Reise ein, alle aufstehen!, auch die anwesende Kulturstadträtin macht da mit, bei den „Körperübungen im Kosmos“. Bis schließlich alle wohlbehalten im Off Theater ankommen. In dessen White Box hat Ernst Kurt Weigel sein

Gedankenspiel „Die grauenvolle Entdeckung des Jakob Levy Moreno“, gezeigt von das.bernhard.ensemble und orgAnic reVolt, zur Uraufführung gebracht. Kajetan Dick fungiert als ebendieser Moreno, und wer glaubt, der Genialisch-Manische outriere sich mit seinem Mentalcoach-Sprech in erleuchtete Höhen, staunt als am Ende Moreno im beschwörerischen O-Ton vom Band läuft. „Am I nothing or am I God?“ raunt er sein „Sein oder Nichtsein“. Dies die Frage, deren grauenhafte Antworten der Abend aufwirft.

Die Vita von Jakob Levy Moreno lässt sich durchaus als extravagant beschreiben: Aus einer rumänischen Familie sephardischer Juden stammend, studierte er in Wien Medizin und entwickelte schon in jungen Jahren ein großes soziologisches Interesse, das ihn zur Arbeit mit Sträflingen, Prostituierten und im Flüchtlingslager Mitterndorf brachte. Moreno war Begründer der Soziometrie und der Gruppenpsychotherapie. Seine Faszination fürs Stegreiftheater veranlasste ihn, selbst damit zu experimentieren: ohne Regie und in selbstkreierten Raumbühnen. Das war damals revolutionär.

Doch der aufkeimende Antisemitismus der 1920er-Jahre hieß ihn Wien für immer zu verlassen. In New York entwickelte Moreno schließlich seine Methode des Psychodramas, dies heut‘ allgegenwärtige gruppendynamische Rollenspiel: Sage uns, was dich quält und was du für dich gewinnen möchtest! – und Weigel führt die 25 Zuschauer/Probanden nun mitten in die Aktionsphase einer solchen Therapiesitzung. Gemeinsam wird man zur Experimentiertruppe von Morenos Theater der Spontaneität, „wunderbar, großartig“ feuert Theatermacher Moreno-Dick die Anwesenden an.

Ganz nah am raunenden O-Ton: Kajetan Dick ist brillant als Jakob Levy Moreno. Bild: Günter Macho

Hitler schleicht durchs „Burgtor“: Isabella Jeschke mit Desi Bonato und Leonie Wahl. Bild: Günter Macho

Josef Stalin erforscht seine Gefühle: Ernst Kurt Weigel und Tänzerin Desi Bonato. Bild: Günter Macho

Foltertanz der Massenmörder: „Hitler“ Isabella Jeschke und „Stalin“ Ernst Kurt Weigel. Bild: Günter Macho

„Das Schauspiel sei die Schlinge, die uns in das Gewissen bringe“, rezitiert er Hamlet. Denn der soll gegeben werden. Es ist das Jahr 1913, Devi Saha hat die White Box in einen wunderbaren Jahrhundertwendesalon verwandelt, und aus dem Publikum meldet sich Adolf Hitler, um den Dänenprinzen zu spielen. Dies Zusammentreffen der Kunstkniff von Ernst Kurt Weigel. Dass sich der erfolglose Kunstmaler in jenem Jahr in Wien aufhielt, ist historisch verbrieft, ebenso wie Josef Stalin. Weigel als untergetauchter russischer Revolutionär lässt seine Figur auf die anderen beiden „Ausnahmepersönlichkeiten“ der Stadt prallen.

Und wieder einmal begeistert, wie bühnenpräsent Isabella Jeschke ist. Mit Bärtchen-Punkt und in breitem Braunauer Dialekt gestaltet sie den Architektur-Demagogen, nunmehr Morenos „Prinz Adolf“, ihr expressives Spiel, dieser mal blindwütige, mal übereifrig Morenos Anweisungen folgende Schreihals, in hibbelig-verrenktem Gleichschritt zuckend – da ist ein Körper bereits schwer beschäftigt mit „Mein Kampf“.

Die ausdrucksstarke Choreografie, sie im doppelten Sinne eine körperliche Gewalt, hat Leonie Wahl entwickelt, deren famoses Tanz.Schau.Spiel „This is what happened in the Telephone Booth“ Mitte November im Off Theater wiederaufgenommen wird (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=36197). Sie und Tänzerin Desi Bonato agieren als allerlei seelische Aggregatzustände. Tobt Hitler über die Asymmetrie der Hofburg, rechts Erhabenheit, links nichts, grün, Wildwuchs (Zuschauergelächter!), machen sie ihm mit Armen und Beinen das Burgtor.

Gruppendynamik in der schweißtreibenden Therapiesitzung: Bonato, Weigel, Dick, Wahl und Jeschke. Bild: Günter Macho

Bonato performt vor Stalin sein Gefühl, die Frau verloren und den Sohn verlassen zu haben, und es ist ein ziemlich durcheinander gewirbeltes. Wie Wahl und Bonato den Dirigenten der Todesbürokratien im Takt folgen, ihre Gebärden-Sprache, mit der sie von Mitläufertum, Ekel und Ohnmacht erzählen, ist große Kunst. Andere Gruppenmitglieder werden ins Spiel miteinbezogen, Kajetan Dick fischt sich seine Gottfried Semper von den Stühlen, im #Corvid19-Abstand lernen die Geister unter Anleitung den richtigen Stegreif-Tonfall fürs gespenstische

„Bau‘ mir die Hofburg fertig …“ das.bernhard.ensemble würde sich selbst nicht gerecht, gäbe es nicht einen tagesaktuellen Weigel’schen Exkurs, der kohleschmutzige Stählerne über einen Kapitalismus, der Moria buchstäblich ersaufen lässt, eine Schmährede auf die zaudernde Hamlet-Gesellschaft, eine Anpreisung einer Alle-Menschen-sind-gleich-Gemeinschaft ohne Privateigentum. Da sind’s bis zum Großen Terror noch mehr als 20 Jahre hin, für Morenos Improvisation hat sich Stalin als Claudius gemeldet, der nach anfänglicher Sympathie für den Stiefsohn bei 3.3 endet: I like him not.

Dies die stärkste Szene von Isabella Jeschke und Ernst Kurt Weigel. Hitler entartet sein Leinensackerl zur Gefangenenkapuze, die „Krüppelhand“, das „unwerte Leben“ muss den Boden wischen, eine perfide Umarmung, ein Foltertanz, bis man sich rechts und links als Führerstatue aufbaut. Stampfend, keuchend, zum monströsen Sound von b.fleischmann die Masse, und ein über seine grauenvolle Entdeckung entsetzt die Augen aufreißender Jakob Levy Moreno.

„Die grauenvolle Entdeckung des Jakob Levy Moreno“ umfängt einen mit einem Sog, dem man sich unmöglich entziehen kann. Ein starkes Stück!, ist das. Die Geschichte lehrt, die dramatische Geste kann das Böse nicht besiegen, weil es sie sich aneignet, die Geschichte lehrt, für den Horror gibt’s kein Heilmittel. Hätte eine Psychotherapie fürs 20. Jahrhundert das Schlimmste verhindert? Ernst Kurt Weigel probiert’s. Seien Sie dabei …

Vorstellungen bis Ende November.

www.off-theater.at          Trailer: vimeo.com/467135177

  1. 10. 2020

TAG: „Von Mäusen und Menschen“

November 13, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

John Steinbecks Klassiker ins Heute geholt

Bild: Andreas Biedermann

Bild: Andreas Biedermann

Am 14. November hat im TAG John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ in einer Bühnenfassung von Margit Mezgolich Premiere. Eine Koproduktion mit dem Theater BRAUSHAUS Litschau. Basierend auf dem Original „Of Mice and Men“ hat Mezgolich den Romanklassiker ins Heute geholt. Sie erzählt, gewürzt mit viel Humor, die berührende Geschichte zweier Saisonarbeiter und von prekären Lebenssituationen. Inhalt: Der Wanderarbeiter George und sein bärenstarker, aber geistig zurückgebliebener Freund Lennie ziehen als Erntehelfer durch die Lande. Ihr größter Wunsch ist es, irgendwann ein eigenes Stück Land gemeinsam zu besitzen. Doch dieser Traum vom besseren Leben zerplatzt, als Lennie eines Tages alleine auf die schöne Frau seines neuen Chefs trifft … Steinbecks Roman ist eine zeitlose Parabel über Freundschaft und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten sowie ein berührendes Drama über das Scheitern von Träumen. Margit Mezgolich hat die Handlung ins Umfeld heutiger osteuropäischer Saisonarbeiter versetzt, und beweist, dass große menschliche Geschichten in jeder Zeit ihre Gültigkeit haben. Es spielen: Clemens Berndorff, Robert Kolar, Gottfried Neuner, Georg Schubert, Erol Ünsalan und Elisabeth Veit.

www.dastag.at

Wien, 13. 11. 2013

Schauspielhaus Graz: Bürger machen Theater

Oktober 15, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Romeo und Julia auf dem Dorfe“

Bild: (c) Lupi Spuma

Bild: (c) Lupi Spuma

Am 18. Oktober hat am Schauspielhaus Graz ein Projekt nach der Novelle von Gottfried Keller mit einem BürgerInnenensemble aus Graz und Umgebung Premiere: Kellers unvergängliche Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ ist der Ausgangspunkt für ein besonderes Theaterprojekt: Nicht SchauspielerInnen, sondern TheaterfreundInnen aus Graz und Umgebung werden den vielschichtigen Stoff auf die Bühne bringen. Bilder einer Dorfgemeinschaft, deren rigide Normen sich über Generationen unverändert behaupten, stehen gleichberechtigt neben der Geschichte zweier junger Menschen, die mit ihren Sehnsüchten und Träumen innerhalb dieser engen Gesellschaft keine Heimat finden können. Die Handlung seiner Novelle entlehnte der Autor einem Zeitungsartikel: 1847 wurde vom Freitod eines 19-jährigen Jungen und eines Mädchens von 17 Jahren berichtet, deren Eltern in tödlicher Feindschaft lebten und die Beziehung des Paares nicht duldeten. Shakespeares „Romeo und Julia“ stand Pate für den Titel der Geschichte, die mit dem Zank um eine Brachfläche beginnt. Aus dem Streit der Bauern Manz und Marti ist mit den Jahren ein alles verzehrender Hass geworden, über den die beiden Bauernfamilien Besitz und Ansehen verlieren. Ihre Kinder Vrenchen Marti und Sali Manz, seit frühester Kindheit innig miteinander verbunden, dürfen sich nicht mehr sehen. Jahre später begegnen sie sich zufällig, verlieben sich ineinander und treffen sich heimlich. Als Bauer Marti, der ihnen gefolgt ist, auf seine Tochter Vrenchen losgeht, schlägt Sali ihn mit einem Stein nieder. Der schwer Verletzte muss in einer Anstalt gepflegt werden. Vrenchen und Sali haben jede Hoffnung auf die Zukunft verloren, auf einem Dorffest wollen sie Abschied voneinander nehmen. Am Abend tauschen sie Ringe, als Hochzeitsbett wählen sie ein mit Heu beladenes Boot und lassen es treiben. Am nächsten Tag findet man das leere Boot und flussabwärts die zwei Leichen der beiden Liebenden.

TheaterfreundInnen zwischen 17 und 73 Jahren haben sich „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ vorgenommen für ihr ganz eigenes Theaterprojekt: Private Geschichten und persönliche Statements ergänzen die Erzählung über die beiden jungen Menschen, für die das berühmteste Liebespaar der Literatur Pate stand. Wie haben sich die Sehnsüchte und Träume verändert? Gibt es das Dorfidyll noch? Hat es das jemals gegeben? Was bedeutet Heimat? UND: Gibt es sie, die große Liebe auf den ersten Blick? Regie: Manuel Czerny. Mit  Hannah Wasserfaller, Marie Hauszer, Günther Hollauf, Dagmar Krentschker-Schmidt, Ulrike Grabenwarter, Philippe André Ledun, Laura Nogradnik, Irmi Peier, Heinz Grabenwarter, Djulijan Ramakic, Martin Zeiler, Tali Tormoche, Edita Skrijelj, Sabine Schink, Margit Reif, Christoph Brandner.

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 15. 10. 2013

Gottfried Helnwein in der Albertina

Mai 15, 2013 in Ausstellung

Albträume als Aquarell

Gottfried Helnwein, Selbstporträt (BLACKOUT), 1982, Aquarell auf Karton Bild: Christian Baha, Zürich © VBK, Wien, 2013

Gottfried Helnwein, Selbstporträt (BLACKOUT), 1982, Aquarell auf Karton
Bild: Christian Baha, Zürich © VBK, Wien, 2013

Gottfried Helnwein zählt international zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern. Anlässlich seines 65. Geburtstags widmet ihm die Albertina ab 25. Mai seine erste Retrospektive in Europa. Über 150 Arbeiten aus allen Werkphasen geben Einblick in Helnweins Schaffen, das von der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, deren Reiz- und Tabuthemen geprägt ist. Bekannt wurde er vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern. Selbst die Motive der amerikanischen Populärkultur wie Disney-Comicfiguren nehmen in Helnweins Bildern bedrohliche Formen an. Seine Selbstportraits zeigen den Künstler als Unterworfenen und Gefolterten – Schmerz, Verletzung und Gewalt sind wiederkehrende Motive in Gottfried Helnweins beunruhigenden und aufwühlenden Arbeiten. Am Vorabend der Eröffnung lädt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zu einem Gespräch mit dem Künstler. Einlass 18.00 Uhr. Begrenzte Sitzplatzanzahl.

Anmeldung erforderlich unter: http://albertinanews.at/eventview/?p=a79e3f0eb5c541c2461e23fed0e65e32

www.albertina.at

www.gottfried-helnwein.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 15. 5. 2013