Ein flotter Dreier in St. Pölten

März 1, 2013 in Tipps

Das Landestheater NÖ zeigt

Stella entscheidet sich (endlich)“

Ein Jahr zuvor hatte ihn die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern über Nacht berühmt gemacht: „Werther“. 1775 folgte dann das Drama über einen Mann zwischen zwei Frauen: „Stella“. Der Ausgang: jeweils fatal. Ein Schmalztöpfchen der allerwildesten Sorte. Stella nimmt Gift, Fernando erschießt sich, Cäcilie bleibt mit ihrer Tochter Lucie allein zurück. Das ist der Schluss von 1803, mit der Herr Geheimrat die bürgerliche Ordnung wieder herstellte. Achtundzwanzig Jahre lang nämlich ließ Goethe die Konvention sausen – und seine drei Protagonisten feierten eine Sause zu dritt. Motto: eine Wohnung, ein Bett und ein Grab. Diese  Erstfassung hieß noch  „Stella. Ein Schauspiel für Liebende in fünf Akten“.

Polygamie – das geht doch nie! Zu sagen, Goethes Zeitgenossen wären „entsetzt“ gewesen, ist eine Untertreibung.

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Swintha Gersthofer, Tobias Voigt, Marion Reiser, Othmar-Schrat
Bild: Yasmina-Haddad.

Am Landestheater Niederösterreich (Uraufführung ist am 9. März in der Theaterwerkstatt) lassen Regisseurin Barbara Nowotny und Autor Stephan Lack Goethes Utopie wiederauferstehen. Sie entwickeln ihre ganz eigene moderne Stella-Variante. Zwei Frauen und ein Mann unter einem Dach sind ein durchaus reales Modell geworden: Patchwork. Aber: Schaffen sie es, sich von Besitzansprüchen und Eifersucht zu lösen? Welche neuen Hierarchien entwickeln sich? Und welche Entscheidung wird Stella letztendlich treffen?

Der Wiener Autor Stephan Lack gewann 2006 den Dramatiker/innenwettbewerb des Landestheaters Niederösterreich mit seinem Stück „Verschüttet“, das am Haus uraufgeführt wurde. Regisseurin Barbara Nowotny inszenierte 2011 in der Theaterwerkstatt Eugène Labiches Komödie „Die Affäre Rue de Lourcine“. Auf die Zusammenarbeit der beiden darf man gespannt sein. Es spielen: Swintha Gersthofer, Marion Reiser, Othmar Schratt, Tobias Voigt, Olivia Goga und Lisa Rammel.

www.landestheater.net

Von Michaela Mottinger

Wien, 1. 3. 2013