mumok: Ludwig Goes Pop

Februar 11, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Legendäre Protagonisten der Pop Art

Duane Hanson: Football Vignette, 1969. Fiberglas, Polyester, originale Kleidung Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung seit 1981 © Duane Hanson / Bildrecht Wien, 2015. Bild: © mumok

Duane Hanson: Football Vignette, 1969. Fiberglas, Polyester, originale Kleidung
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung seit 1981
© Duane Hanson / Bildrecht Wien, 2015. Bild: © mumok

Ab 12 Februar zeigt das mumok auf vier Ebenen einen der weltweit bedeutendsten Bestände der Pop Art: die Sammlung des deutschen Industriellenpaars Peter und Irene Ludwig. In der groß angelegten Überblicksausstellung werden rund 100 Werke aus sieben Häusern zusammengeführt, die mit dem Namen des deutschen Sammlerpaars verbunden sind. Exponate aus dem Museum Ludwig, Köln, dem Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, dem Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz, dem Kunstmuseum Basel, dem Ludwig Múzeum, Budapest, sowie dem Ludwig Museum für internationale Kunst, Peking, und dem mumok sind bis September 2015 in Wien zu sehen.

Schneller als jede andere Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts setzte sich die Pop Art auf dem Kunstmarkt durch und wurde gleich nach ihrem Auftauchen vielfach und unter großem Publikumsandrang in den USA ausgestellt. Peter und Irene Ludwig begannen Anfang der 1960er-Jahre die Kunst amerikanischer Pop-Art-KünstlerInnen für sich zu entdecken – zu einer Zeit, als man diese Kunstrichtung in Deutschland kaum kannte. Erst mit Auftritten auf der Biennale di Venezia 1964 und der documenta 4 (1968) in Kassel wurde die Pop Art auch in Europa einem breiten Publikum bekannt. Das Interesse des Ehepaars Ludwig betraf jene Künstler, die heute als legendäre Protagonisten der Pop Art gelten: Jim Dine, Robert Indiana, Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg, James Rosenquist, Andy Warhol und Tom Wesselmann. Ihrem Gespür für die Bedeutung dieser Künstler ist die größte Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA zu verdanken.

Für die Ausstellung Ludwig Goes Pop im mumok wird der auf verschiedene Häuser in Europa aufgeteilte Bestand des Sammlerpaars 2015 erstmals wieder zusammengeführt und somit exemplarisch darstellbar. Bücher, Schallplatten und Filme der Zeit ergänzen die Ausstellung und betten die Werke in einen größeren soziologischen Kontext ein.

Auf Vorschlag von David Lieske, dessen Personale Platoon (RL-X) parallel zu Ludwig Goes Pop im mumok zu sehen ist, kommentiert die britische Villa Design Group die Pop Art aus zeitgenössischer Perspektive. Mit Blick auf das Mouse Museum (1960–1977) und den Ray Gun Wing (1961–1977) von Claes Oldenburg richtet sie auf Ebene 3 des mumok ihr Bernard Natan Centre for the Arts ein, das einem ähnlich spektakulären Masterplan für ein Museum wie Oldenburgs Hauptwerke folgt.

Das mumok zeigt eine Einzelausstellung des deutschen Künstlers David Lieske (*1979 in Hamburg). Unter dem Titel Platoon (RL-X) wird der enge Nexus zwischen Legende und Werk, zwischen Person und Produkt des Künstlers verhandelt. Im Zentrum der Ausstellung steht das Buch I tried to make this work – Lieskes Autobiografie, in der sein Leben auch im Sinne einer retrospektiven Verklärung erzählt wird. Basierend auf mehrwöchigen Gesprächen, wurde es von dem Schriftsteller Ingo Niermann aufgezeichnet und von Michael Ladner ins Englische übersetzt. In einer Auflage von 300 Exemplaren wird der Band in der Ausstellung präsentiert und kann nur vor Ort eingesehen werden. Im Zuge seiner Lebensbeschreibung offenbart sich auch das soziale Netzwerk, innerhalb dessen Lieske als Künstler und – gemeinsam mit Peter Kersten – als Labelmitbegründer von Dial Records und Co-Betreiber der Mathew Gallery agiert. Aus diesem erweiterten Freundeskreis hat er die von seiner Galerie vertretene Villa Design Group eingeladen, parallel zu seiner Personale eine architektonische Intervention in der ebenfalls am 11. Februar 2015 eröffnenden Ausstellung Ludwig Goes Pop zu realisieren.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnungen von David Lieske. Platoon (RL-X) und Ludwig Goes Pop wird am Mittwoch, 11. Februar, 19 Uhr, auch das The Bernard Natan Centre for the Arts mit einer Performance der Villa Design Group eröffnet.

Ein DJ-Set von Lawrence aka Peter Kersten (Dial Records) & Bianca (Mathew Gallery) rundet den Eröffnungsabend ab.

www.mumok.at

Wien, 11. 2. 2015

wennessoweitist: Ganymed goes Europe

Februar 27, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Rückkehr ins Kunsthistorische Museum

Péter Esterházy Bild: khm

Péter Esterházy
Bild: khm

Mit ihren Produktionen „Die Reise“ (über Migranten-) und „Das Kind“ (über Kinderschicksale) am Volkstheater haben Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf alias „wennessoweitist“ berührt. Ebenso mit dem Kinderschlepperdrama „fly ganymed“. Der größte bisherige Erfolg des Theaterpaares war aber „Ganymed Boarding“ im Kunsthistorischen Museum. Nun wird das Projekt ab 12. März mit Kornmüllers neuer Inszenierung „Ganymed goes Europe“ fortgesetzt. 14 AutorInnen – darunter Péter Esterházy, Maja Haderlap und Josef Winkler – wurden eingeladen, Texte über Meisterwerke der Gemäldegalerie zu schreiben, um neue Sichtweisen auf Alte Meister zu eröffnen. Ein Ensemble aus 23 SchauspielerInnen, TänzerInnen und Musikern erweckt Bild und Betrachtung zu neuem Leben. Die BesucherInnen werden beim Rundgang durch das Museum in ein theatrales Zwischenreich gezogen und entscheiden selbst, wie lang sie wo verweilen. An jedem der Abende werden alle Stücke zeitgleich und mehrmals hintereinander aufgeführt. Partnerländer der Produktion sind Polen und Ungarn.

Die AutorInnen: Lajos Parti-Nagy, Milena Michiko Flasar, Klemens Lendl, Anna Kim, Maja Haderlap, Peter Esterhazy, Doron Rabinovici, Martin Pollack, Josef Winkler, Johanna von Doderer und Franz Schuh.

Die SchauspielerInnen, MusikerInnen, TänzerInnen: Mercedes Echerer, Nicole Heesters, Judith Aguilar, Frieda Lovisa Hamann, Hans Dieter Knebel, Katharina Stemberger, Janos Kulka, Bert Oberdorfer, Peter Wolf, Nicola Djoric, David Oberkogler, Die Strottern, Nicola Djoric, Yury Revich und Pál Szepesi.

www.wennessoweitist.com

www.khm.at/ganymed/

„Die Reise“: www.mottingers-meinung.at/kein-theater-die-wirklichkeit/

Interview mit Jacqueline Kornmüller: www.mottingers-meinung.at/urauffuhrung-von-das-kind-am-wiener-volkstheater/

„Das Kind“: www.mottingers-meinung.at/das-kind-am-volkstheater/

„fly ganymed“: www.mottingers-meinung.at/bedruckendes-stuck-uber-kinderschlepperbanden/

Wien, 27. 2. 2014