Volksoper: Orpheus in der Unterwelt

Juni 3, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein wahrhaft himmlischer Höllenritt

Angestachelt von Pluto proben die Götter den Aufstand: Vincent Schirrmacher (li.) mit Gernot Kranner als Merkur, Birgid Steinberger als Diana, Elvira Soukop als Minerva, Jakob Semotan als Cupido, Christian Graf als Juno, Martin Winkler als Jupiter, Annely Peebo als Venus, Daniel Ohlenschläger als Mars und Regula Rosin als Öffentliche Meinung. Bild: © Eric Stoklossa

Bei Jacques Offenbach werden die wirklich wichtigen Fragen gestellt, zum Beispiel: Muss man erst tot sein für ein Gläschen Rotwein? Kommt darauf an, gibt’s in der Hölle doch keine Promille- und ergo keine Schamgrenze, während im alkoholfreien Olymp gähnende Langeweile herrscht – neben Göttervater Jupiter, versteht sich. Also auf nach unten, wo Pluto nicht am Rebensaft und die Damen und Herren Teufelchen nicht an nackter Haut sparen. Welch ein Spaß ist diese Wiederaufnahme von „Orpheus in der Unterwelt“ an der Wiener Volksoper.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten holt Hausherr Robert Meyer die Eröffnungspremiere seiner Direktionszeit aus dem Jahr 2007 auf die Bühne zurück, die Inszenierung von Helmut Baumann neu einstudiert von Karin Schnyol-Korbay, am Pult Guido Mancusi, und bis auf Meyer selbst als Hans Styx und Gernot Kranner als Merkur sämtliche Solistinnen und Solisten in Rollendebüts. Das Ergebnis ist ein gut gelaunter Operettenabend, ein wahrhaft himmlischer Höllenritt, mit viel ironischem Wortwitz und etlichen Ibiza-Anspielungen.

Das Ensemble zeigt sich einmal mehr nicht nur gesanglich sattelfest, sondern auch als großartige Komödianten, die mit Schwung und Spaß bei der Sache sind, und gilt es auf hohem Niveau zu mäkeln, dann einzig darum, dass man ein wenig mehr von dem Feuer, das die numinosen Brüder mit Blitz und Donner versprühen, auch das Orchester für die mal tirilierende und gurrende, mal tanzwütige und champagnerprickelnde Partitur hätte entflammen können. Durchaus mehr Einfallsreichtum hätte die Choreografie von Roswitha Stadlmann vertragen, wiewohl es sicher nicht einfach ist, etwas Neues zum Cancan zu erfinden.

Martin Winker als Göttervater Jupiter. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Christian Graf als Juno und Regula Rosin als Öffentliche Meinung. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Robert Meyer als Hans Styx und Rebecca Nelsen als Eurydike. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Carsten Süss als Orpheus mit den kessen Teufelchen. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die Ouvertüre wird zum Prolog, der erzählt, dass der Fürst der Finsternis eine Ehe als himmlisches Bündnis zu brechen gedenkt, um seine Macht zu demonstrieren. Da hat er beim „drittklassigen Tutti-Spieler“ Orpheus und der ihm überdrüssigen Eurydike nicht viel zu tun, sie verfällt dem vermeintlichen Schäfer – und Exitus. Rebecca Nelsen, mit schönem, höhensicherem, geschmeidig jubilierendem Sopran und Carsten Süss sind fabelhaft als letztlich Spießerpaar zwischen Blumentapeten-Tristesse, er ein sich selbst lorbeerkränzender Künstler, der an seine Geigenschülerinnen grapscht, sie ringend mit sehr viel Sexappeal samt entsprechendem Appetit. Auftritt Vincent Schirrmacher, wie immer auch stimmlich eine Freude, in Rockstarkluft, der die Schöne per Riesenjoint gefügig macht, was er eigentlich gar nicht muss.

Er ist ein charismatischer Unterweltler, und auch seine kuriose Truppe schwarzgeflügelter Untoter, die ihm stets auf den Fersen ist, macht Laune. Und während Süss‘ Orpheus noch den Abgang der Gattin bejubelt, trifft ihn die Öffentliche Meinung wie ein Schlag, Regula Rosin als knallharte Reporterin, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, die abendländischen Werte zu verteidigen und folglich und schon gar nicht einem Celebrity ein Lotterleben durchgehen lassen kann. Als Bittsteller machen sich die beiden auf Richtung Olymp, den Mathias Fischer-Dieskau weiland als Luxusspa angelegt hat, in dem die Götter in Bademänteln auf Wellnessliegen herumlungern und sich fadisieren, der Chor eine schläfrige High Society. Bis Pluto kommt, und ihnen zeigt, wie man den Aufstand probt für, natürlich, mehr antike Demokratie.

Nicht immer geht’s ja gut mit Aktualisierungen, oft genug bleiben Politanspielungen unfreiwillig peinlich, doch die aufgepeppte Textfassung von Peter Lund bringt das Premierenpublikum zum lauten Lachen. Wenn die Kinder des Olymp Chef Jupiter zu „Wir kennen dich, Jupiterlein“ jede Vorbildfunktion absprechen, weil er sich beim letzten Fremdgehen dummerweise auf Video hat aufnehmen lassen, was „Jupi“ freilich als mediale Schmutzkübelkampagne abtut. Wenn Pluto auf Jupiters korruptes Ansinnen, die entführte Eurydike miteinander zu teilen, reimt „kaum glaubst du, du hast den Hauptgewinn, hängst du schon im Verein mit drin“. Worauf Daniel Ohlenschläger als Mars meint, die Regierungsgewalt müsse nun Zack! Zack! Zack! von der nächsten Generation übernommen werden …

Die Unterwelt beehrt den Olymp: Vincent Schirrmacher als Pluto mit gruseliger Komparserie. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Der Fortgang der Geschichte ist bekannt, Lokalaugenschein in der Unterwelt, wo Jupiter versucht, Eurydike als Stubenfliege zu erobern, die Öffentliche Meinung – und nicht nur sie – mit dem Vergessenswasser des Lethe betrunken gemacht wird, und sich alles im köstlichen Galop infernal auflöst. Wunderbar ist Martin Winkler mit dem ihm eigenen voluminösen Bariton als Jupiter, den er zwischen komisch-gravitätisch und tollpatschig intrigant changieren lässt.

Robert Meyer im HipHop-Aufzug ist ein hinreißend untertänigst nervtötender Hans Styx. Wie er in seinem Couplet „Als ich noch Prinz war in Arkadien“ ein Höchstmaß an bezirzender Höflichkeit zusammenstammelt, ist vom Feinsten. Birgid Steinberger als Diana, Annely Peebo als Venus und Elvira Soukup als Minerva sind ganz im Divenmodus, Jakob Semotan ist ein aufmüpfiger Teenager-Cupido. Bleibt die Götterkönigin der Herzen, Christian Graf, der die Juno nicht nur mit seiner delikaten Silhouette, sondern auch mit Opéra-bouffe-mäßiger Würde ausstattet. Mit einer solch „herrlichen“ Grande Dame im Ensemble, könnte sich die Volksoper trotz des großen Vorbilds ruhig wieder an eine „La Cage aux Folles“ wagen.

Video: www.youtube.com/watch?v=s2vZOZgt-8E

www.volksoper.at

  1. 6. 2019

TAG: Das Programm der Saison 2018/19

September 6, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Was TAG-Chef Gernot Plass „verwirrt und grantig“ macht

Die TAG-Chefs Gernot Plass (re.) und Ferdinand Urbach präsentieren den Spielplan der anlaufenden Saison 2018/19. Bild: Georg Mayer

Mit einer „Gruselgeschichte“ begannen Gernot Plass und Ferdinand Urbach, künstlerischer und kaufmännischer Geschäftsführer des TAG, ihre Saisonpressekonferenz am Donnerstag – und in dieser dreht es sich natürlich um Geld. Weil die Stadt Wien nicht imstande sei, die Förderung zu valorisieren, bleibe dem sich als Wiener Stadttheater verstehenden Haus nichts anderes übrig, als weniger zu produzieren.

Für die beiden Theatermänner ist das Verhalten des Subventionsgebers, „diese leise Strangulierung, die in der Öffentlichkeit nicht einmal bemerkt wird“, nicht nachvollziehbar, werde das TAG von Politik und Kritik doch gleichermaßen hochgelobt. „Das verwirrt einen und macht einen grantig“, so Plass, „vor allem wenn man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet ist.“ Immerhin: In der vergangenen Saison kam das TAG auf 72,3 Prozent Auslastung bei einer Eigendeckung von mehr als 18 Prozent.

Als Ergebnis dieser finanziellen Nichtentwicklung gibt es in der Saison 2018/19 „nur“ drei Premieren. Deren erste ist am 17. November die Uraufführung von „Der Untergang des österreichischen Imperiums oder Die gereizte Republik“. Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Republik“ werden Ed. Hauswirth und Ensemble diese Koproduktion mit dem Grazer Theater im Bahnhof „sehr frei nach Boccaccios ,Il Decamerone‘ gestalten. „Es wird um die Defensive des linken Diskurses gehen“, erklärt Plass, wenn sich in eine Villa am Semmering Intellektuelle und Journalisten zurückziehen, um ihre Wunden angesichts der rechtslastigen politischen Krise zu lecken.

Einer der, laut Plass, „herausragendsten Balten“ bestreitet die Uraufführung am 2. Februar: Arturas Valudskis interpretiert Tschechow unter dem Titel „Kirschgarten. Eine Komödie ohne Bäume“. Der russophone Litauer übersetzt dafür das Original auf seine eigene Art ins Deutsche, er nimmt die Spartenbezeichung „Komödie“ des Dramatikers ernst und „betont die komödiantisch-absurde Seite des Stücks“. Am 3. April schließlich wird Bernd Liepold-Mosser seine Neuschreibung von Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ präsentieren. Der Regisseur inszeniert erstmals am TAG, und wird Hauptmanns Dialektsprache in seine eigene Kunstsprache übertragen.

Wiederaufnahme „Unterm Strich“ mit Ensemblemitglied Raphael Nicholas. Bild: Anna Stöcher

Wiederaufnahme „Macbeth – Reine Charaktersache“ mit Gast Julian Loidl. Bild: Anna Stöcher

An Wiederaufnahmen wird es geben: „Auf der Suche nach dem sechsten Sinn“ (29. 9., Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26064), „Unterm Strich – Ein Jahrmarkt der Eitelkeit“ (11. 10., Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28818) und „Macbeth – Reine Charaktersache“ (17. 10., Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28223).

Auch die beliebten Improvisationsformate haben einen fixen Platz im TAG-Spielplan: Von 4. bis 9. Oktober findet etwa „Moment! 7th International Improv Festival Vienna“ statt. Mit Impro-Profis aus der ganzen Welt, wie Patti Stiles, Ruth Bratt oder Dan O’Connor, die auch wieder Workshops anbieten werden. Zum Saisonauftakt startet am 23. September „Sport vor Ort“, und ab Dezember gibt es erneut Zieher & Leeb mit „Fake off!“ zu sehen.

dastag.at/

  1. 9. 2018

TAG: Macbeth – Reine Charaktersache

Februar 4, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Zufall macht den Mörder

Julian Loidl ist der perfekte Macbeth. Bild: Anna Stöcher

Gegen Ende sagt eine der Hexen, Georg Schubert spielt sie, sie hätte jedem der anwesenden Männer den Königswahn in den Kopf pflanzen können. Dass es Macbeth traf und sie damit ausgerechnet sein Schicksal besiegelte, war – Zufall. Mit diesen Gedankenspielereien, was wählt der Mensch, wo wird für ihn gewählt, befasst sich Gernot Plass bei seiner jüngsten Shakespeare-Überschreibung im TAG. Wie immer, wenn Plass zum britischen Barden greift, ist ihm ein exzellenter Abend gelungen. Modern, witzig, temporeich, und das alles, ohne dem Shakespeare’schen Stoff in irgendeiner Weise Gewalt anzutun.

Im Gegenteil, Plass bleibt nahe am Original, seine Sprache ist poetisch, sie kontrastiert die Brutalität der Handlung. „Heutig“ ist die eine Frage, die ihn offenbar umtreibt: In dieser Welt, in der Selbstbestimmtheit ein Recht ist, auf das es zu pochen gilt, wie weit ist’s wirklich damit her? Gibt es so etwas wie freien Willen, freie Entscheidung überhaupt, oder muss sich nicht jedermann Kräften beugen, die von außen auf ihn einwirken? Derlei philosophischem Überbau folgt fantastisches Schauspiel.

Ein mit einem bald besudelten weißen (Leichen-)Tuch bedecktes Podium stellt die Hochebene dar, drauf und drunter wird gemeuchelt und gemordet, dass es eine Freude ist. Den „geilen Bräutigam der Göttin Krieg“ gibt Julian Loidl. Er ist die Idealbesetzung für diesen Typus Macbeth, ein Zögerer und Zauderer, den die zunehmende Macht mit sich steigernder Angst ausstattet, ebendiese wieder zu verlieren. Loidl gestaltet den Hin- und Hergerissenen ganz großartig, erst am Schluss, erneut auf dem Schlachtfeld, wird dieser Krieger wieder zu sich gefunden haben.

Ihm zur Seite steht Elisa Seydel als eine intensive Lady Macbeth (und wie alle anderen außer Loidl in unzähligen weiteren Rollen. Plass gelingt es, mit sechs Darstellern Shakespeares gesamten schottischen Kosmos zum Leben zu erwecken), sie eine vom Ehrgeiz Getriebene, die die Chance der Prophezeiung nicht ungenutzt verstreichen lassen kann. Wie Seydel zetert und tobt, schmeichelt und kurz darauf mit Liebesentzug droht, wenn er nicht nach ihrem Willen tanzt, ist sehenswert. Diese Lady Macbeth ist eine große Manipulatorin.

Die drei Hexen bei der Arbeit: Lisa Schrammel, Georg Schubert und Raphael Nicholas. Bild: Anna Stöcher

Banquo wird ermordet: Lisa Schrammel, Raphael Nicholas, Georg Schubert und Jens Claßen. Bild: Anna Stöcher

Jens Claßen ist ein ehrenwerter Banquo, Georg Schubert als despotischer Duncan kein so guter König, wie dem nachgesagt wird. Lisa Schrammel macht unter anderem den Malcolm zum sich ermannenden Söhnchen, Raphael Nicholas ist als Lennox verzweifelt über die politischen Entwicklungen in seiner Heimat. Allesamt Krieger in ihren erstaunlich erstarrten Männlichkeitsritualen, die Bühne (Ausstattung: Alexandra Burgstaller) ein düsteres Schlachtengemälde, in das ab und an allerdings kräftig Farbe gebracht wird – womit nicht nur das Blutrot gemeint ist.

Denn wie stets, wenn Plass bei Shakespeare die Finger im Spiel hat, kommt natürlich der Humor nicht zu kurz. Zum einen, wenn sich Nicholas, Schrammel und Schubert als gedungene Mörder im Dialektsprechen und Bärbeißigsein üben, zum anderen, wenn die drei als Hexen auftreten. Die sind bei Plass in Leoprint gehüllte Esoteriktanten, die zwischen Hekates Zauberworkshop und den aktuellsten Societymagazinen tändeln. Dass diesen Spaßgesellschaftsgirlies überhaupt jemand etwas glaubt, grenzt an ein Wunder. Doch natürlich kommt’s, wie’s kommen muss. Dafür war gerade der richtige Mann zur richtigen Zeit am falschen Ort. Alles Zufall – oder was?

Gernot Plass im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=28155

dastag.at

  1. 2. 2018

TAG: Gernot Plass im Gespräch

Januar 29, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Er inszeniert „Macbeth – Reine Charaktersache“

Gernot Plass. Bild: Anna Stöcher

Am 3. Februar präsentiert Gernot Plass am TAG seine jüngste Überschreibung: „Macbeth – Reine Charaktersache“, frei nach Shakespeare. Es spielen Jens Claßen, Julian Loidl, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Georg Schubert und Elisa Seydel. Ein Gespräch über Zufall und Schicksal, Macher und Mörder – und die aktuelle Kulturpolitik in Österreich:

MM: Wenn Sie inszenieren, dann Shakespeare. Wie kam’s zu dieser Liebe?

Gernot Plass: Es ist nicht schwer, dass Shakespeare bei einem Theatertier, wie ich eines bin, der Lieblingsautor ist. Shakespeare hat in seiner Dramaturgie und in seinen Figuren, die er ja in einer Unzahl geschaffen hat, uns eine Welt hinterlassen, mit der er den modernen Menschen erfunden hat. Bei ihm ist es so, dass der Mensch sich ein Bild aus der Literatur nimmt, und sich danach formt, nicht umgekehrt. Ich folge da den diesbezüglichen Theorien, dass das englische Renaissance-Ich, das Individuum eine Erfindung Shakespeares ist. Man hat sich an seinen Figuren damals orientiert, und auch wir heute sind – wenn man so will – nichts anderes als seine Kopfgeburten.

MM: Trotz dieser Verehrung muss Shakespeare „neu“ werden, das TAG hat sich ja der Überschreibung von Klassikern generell verschrieben. Muss man Shakespeare modern machen?

Plass: Ich glaube, ja, und jetzt wird’s frech: Es braucht bei all diesen klassischen Texten einen sprachlichen Eingriff. Das ist mein Skandal, den ich provoziere. Man muss diese Sprache aus dem 16. Jahrhundert herausholen; Sprache ist etwas Lebendiges und es gibt die sprachlichen Moden einer Zeit. Natürlich kann man Shakespeare konservieren und immer wieder museal aufführen, nur treffen wir Theaterpraktiker auf Sprachbilder- und muster, Sehgewohnheiten …, die nicht mehr heutig sind und die uns eigentlich im Weg stehen. Wir können uns überlegen, dass wir die Ausstattung anpassen, und alle in Strumpfhosen auf die Bühne schicken, in England machen sie das, die haben sogar ein ganzes Theater nachgebaut, so dass man in eine Art Zeitmaschine hineingeht. Ich gehe den anderen Weg, ich passe die Sprache an die Moderne an – und hebe nicht das Stück, aber dafür den Tex – das ist ein Unterschied – hinüber in unsere Zeit.

MM: Manche versuchen Moderne über die Regie zu schaffen und lassen den Text, wie er ist …

Plass: Regietheater ist der Versuch, Klassisches in die Moderne zu heben. Da macht man’s mit lustigen Ideen, Kostümen, Ausstattung. Man verändert auch hie und da den Text, macht ein Extempore etc. Ich sage, wenn schon, denn schon. Nehmen wir moderne Figuren mit einem modernen Text. Ursprünglich war es meine Idee für ein Jugendtheater, um Jugendlichen die Klassiker näher zu bringen. Das lief so gut bei „Richard II.“, das wir damals sagten, das könnte eine Morgenröte für einen neuen Theaterzugriff werden. Mittlerweile wird schon überall überschrieben, vielleicht  so ein morphogenetisches Feld, das sich ergeben hat, wer weiss.

MM: Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Ihre Shakespeare-Inszenierungen zählen zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum, zu mindestens aber in Österreich.

Plass: Ob ich im ganzen deutschsprachigen Raum schon wahrgenommen werde, weiß ich nicht. Es melden sich mittlerweile einige deutsche Stadttheater, meine Art zu inszenieren ist halt gerade ein bisschen im Schwange: die Klassiker neu zu befragen und es sich dabei aber nicht zu einfach machen … das hoffe ich wenigstens …

MM: Nun also „Macbeth“ oder lieber „das schottische Stück“? Sind Sie abergläubisch?

Plass: Ich bin eher Rationalist. Das Globe Theatre im Übrigen ist nicht bei „Macbeth“ abgebrannt, sondern bei „Heinrich VIII.“ Insofern … nein, ich bin nicht abergläubisch.

MM: Was ist für Sie das Thema von „Macbeth“? Worauf fokussieren Sie?

Plass: Mich interessiert die Metaphysik des Stückes: Gibt es eine Zukunft, die festgelegt ist? Gibt es eine Vorbestimmung, die nicht ausweichbar ist? Oder ist – wieder modern gedacht – alles Zufall? Ist das Leben nur eine Reihe von Banalitäten, die im Rückblick eine Kausalität ergeben? Im Sinne von Ursache – Wirkung. Das ist die große Frage von „Macbeth“: Schicksal, Zufall, in welcher Welt leben wir? Wer strickt den Faden.

MM: Das heißt, hat der Mensch einen freien Willen? Was ja eigentlich ein aufklärerischer Gedanke ist?

Plass: Richtig. Oder hat der Mensch eine Vorherbestimmung? Ist die Erzählung schon fertig, und wir treten bloß in einem Stück auf? Womit wir bei Shakespeare sind, der sagt, die Welt ist eine Bühne. Na, da frage ich doch sofort: Wer ist der Bühnenautor? Ein weiteres Thema sind natürlich die Szenen einer Ehe …

MM: Eine wichtige Frage: Wie legen Sie die Lady Macbeth an – als Macherin oder Mörderin?

Plass: Es wird von Mann und Frau das Abgründigste hergezeigt, und wo Beziehungen landen können, obwohl man sich so unwahrscheinlich liebt. In der Weltliteratur gibt es kein zweites Paar, das sich so liebt, wie die Macbeths, auch, weil sie sich in eine Welt begeben, in der sie einzig voneinander gegenseitig abhängig sind. Die Lady macht sich natürlich eines Verbrechens schuldig, sie ist ein böser Antrieb, der den tragischen Helden in die Misere hineintreiben. Er wird, auch von den Hexen, in diese Handlung geschubst, heißt: Frauen sind der Motor in „Macbeth“. Die Lady ist eine starke Frau, sie hat ihre Haken in seinem Fleisch, und weil er nicht so funktioniert, wie sie das vorgesehen hat, verzweifelt sie an ihm, auf eine sehr moderne Art und Weise. Die Lady Macbeth ist eine fast feministische Figur.

MM: Nur um zu provozieren, die Frage: Was geht mich das heute an?

Plass: Den Aufstieg eines ambitionierten Paares, das kennt man auch aus der heutigen Zeit. Krieg ist natürlich leider immer aktuell, Macht, Liebe, das Ausspielen von Sexualität sind Dinge, die ewigmenschlich sind. Dieses ja nicht reale Schottland ist eine Metapher für unsere Welt, und darin sehen wir moderne Figuren, die auf ihre Weise zu überleben probieren. Das sollte abgründige Saiten in uns zum Schwingen bringen, die wir meistens, oder eigentlich immer verbergen wollen.

Julian Loidl als „Macbeth“. Bild: Georg Mayer

MM: Heißt, es geht um die Frage, wie weit würde man gehen, um …

Plass: … die Dinge, die man wirklich will, deren man bedarf, zu erreichen? Wie konsequent geht man auf diese Dinge zu?

MM: Bei der Programmpräsentation sagten Sie über „Macbeth“: Es wird blutig, es wird lustig, und: die Hexen seien die modernsten Figuren darin. Wie das?

Plass: Die Hexen sind esoterische Tanten, die in einem Hinterzimmer sitzen und Horoskope verkaufen. So, wie man sie aus Tageszeitungen oder anderen Medien kennt. Sie „verkaufen“ Zukunft, und treffen auf einen Menschen, der aufgrund seiner Disposition schon unlauter ist, und bei dem fruchtet das.

MM: Sie sind eine Art Königsmacher-Boulevardmedium?

Plass: In dem Sinne als Journalismus eine hexische Macht ist. Journalismus kann Karrieren machen, in der Politik, in der Kultur. Man kann jemanden rauf- oder runterschreiben, und das tut auch das Boulevard gerne. Es kommt im Text auch eine Boulevardzeitung vor. Das führt meinen Shakespeare auch ans Volkstheater heran, und ans absurde Theater, ich möchte nicht, dass er diesen gutbürgerlichen Illusionismus hat, ich schau‘ den Leuten aufs Maul. Und ich will, dass sich die Leute letztlich unterhalten.

MM: Julian Loidl kommt als Macbeth wieder einmal ans Haus.

Plass: Er ist tatsächlich für diese Rolle ideal, weil er tatsächlich alles mitbringt, was ein Darsteller des Macbeth benötigt. Er hat eine unheimliche Kraft, er lotet die Texte wirklich aus, und er hat – was tatsächlich wenige Schauspieler haben: eine dämonische Seite. Der Loidl hat etwas Gefährliches und gleichzeitig Hyperintelligentes, deswegen war er auch schon mein „Richard III.“. Ein Schauspieler, der das produziert, ist selten, ich hänge also in diesem Sinne vom Loidl ab. Um aber nicht nur ihm lobzuhudeln, wir haben ein großartiges Ensemble, das alle Rollen abdeckt …

MM: … Das ist so im TAG: Selbst wenn das Konzept einmal nicht aufgeht, das Ensemble ist in der Regel hervorragend.

Plass: Das ist auch handverlesen, und Neuzugänge suche ich sehr sorgfältig und vorsichtig aus, wer da zu uns dazu passt. Der Ensemblegeist ist der Hausgeist. Ich arbeite auch in anderen, größeren Theatern, wo vieles schwieriger ist; bei uns ist es eine schöne geölte Maschine. Also: In „Macbeth“ spielen außer dem Loidl nochdie großartigen Schauspieler Georg Schubert, Jens Claßen, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, die seit dieser Saison im Ensemble und auch unsere „Johanna“ ist, und Elisa Seydel als Gast. Sie spielt die Lady Macbeth.

MM: Lassen Sie uns noch übers TAG an sich sprechen. Diese Saison gibt es „nur“ vier Produktionen, davon eine Koproduktion, weil zusätzlich zu den erhaltenen 770.000 Euro 30.000 Euro an Subventionen fehlen.

Plass: Naja, um wirklich glücklich zu werden, bräuchten wir noch etwas mehr. Die 30.000 wären die reale Indexanpassung über den vierjährigen Förder-Zyklus. Durch die Vierjahresförderung schauen wir prospektiv auf eine Zeit, und daneben lauft die Inflation. Unsere Fördermargen sind tatsächlich so, dass wir seit 2014 die gleiche Summe kriegen. Leider muss man annehmen, dass Kulturpolitik diese volkswirtschaftlichen Zusammenhänge nicht versteht oder nicht verstehen will, dass die Deckung der Kosten am Theater nicht über den Verkauf von Platzkarten gehen können. Sie rennt lieber dem Austeritäts- und Sparer-Zeitgeist hinterher, indem sie alles deckelt.  So erwürgt man die Theater langsam, heißt: ohne, dass man sich groß schuldig macht. Das ist ein großer Zynismus oder eine große Dummheit der Politik, denn real verlieren wir, wenn wir immer die gleiche Fördersumme kriegen. Wir haben 120 Sitzplätze, die für eine Mittelbühne sehr gut besucht sind, aber die werden nicht mehr, und wir haben – das ist Hauspolitik – sehr niedrige Kartenpreise: nicht mehr als 20 Euro. Das ist nix. Wir können uns über die Abendkasse nicht groß steigern.

MM: Müssen aber andererseits wie viele Mitarbeiter entlohnen?

Plass: 22, im Sommer weniger. Es gibt Gehaltsanpassungen, damit man zu mindestens das, was man hat, finanzieren kann. Eine verantwortungsvolle Kulturpolitik sollte also die Institutionen, die sie fördert, immer zumindest entlang der Realeinkommen und der Inflationsrate indizieren. In unserem Fall tun sie’s nicht. Sie haben uns zwar mehr in Aussicht gestellt, wenn sie irgendwo mal Geld finden, aber so kann man nicht planen. Das ist ein Appell an die noch bestehende Sozialdemokratie in Wien, dass sie endlich die volkswirtschaftlichen Grundrechnungen versteht! Realeinkommen sinken, Mieten steigen. Das macht die Leute verrückt und sie rennen nach rechts.

MM: Apropos, Bund: Was erwarten Sie vom neuen Kulturverantwortlichen Gernot Blümel?

Plass: Herr Blümel ist für uns genauso ein Fragezeichen, wie es vor ihm Herr Drozda und Herr Ostermayer waren. Die sind mit uns nicht befasst, die machen sich keine Gedanken, egal ob das ein Sozialdemokrat oder ein ÖVPler ist. Die schauen nur, dass sie ihre Bundestheater und Bundesmuseen im Lot behalten. Nur, wenn die ganze Szene einmal Aufstand macht und ihre Begehrlichkeiten groß in der Zeitung äußert, dann schaut der Kanzleramtsminister einmal kurz her.

MM: War das Ihre Enttäuschung, dass es wieder keinen Kulturminister gibt? Oder war das zu erwarten?

Plass: Mich überrascht das bei der jetzigen Regierung nicht, mich hat es viel mehr bei der vorherigen Regierung geärgert, an der die Sozialdemokratie führend beteiligt war. Der Kulturminister wäre auch nicht nur etwas Symbolisches, der säße im Ministerrat und hätte dort eine Stimme, das wäre der Unterschied. Konservativen Parteien verstehen Kultur ohnedies bloß als Repräsentation, als Schmuck, den man trägt. Die Sozialdemokratie hätte Kunst und  Kultur dagegen anders begreifen müssen. Und sollte es in Wien immer noch.

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29. 1. 2018

Schauspielhaus: Golem oder Der überflüssige Mensch

September 29, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Planet der Smarties

Im Dunkel der Nacht wird ein künstlicher Mensch gemacht: Vassilissa Reznikoff, Nicolaas van Diepen und Steffen Link. Bild: © Matthias Heschl

Seit Deep Blue also nichts Neues. Man kann weiterhin beruhigt schlafen. 1996 hatte der IBM-Rechner den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einem Wettkampf aus sechs Partien vernichtend geschlagen, weil dies aber extrem kreativ, munkelte die Fachwelt bald, hinter dem Computergehirn hätte in Wahrheit ein menschliches gedacht. IBM trat die Flucht in die Verschrottung an, und zerlegte Deep Blue in seine Einzelteile.

Beweise welcher Art auch immer waren nun unmöglich. Der Schöpfer zerstörte sein Geschöpf, weil es ihm gefährlich wurde … Am Donnerstag kam im Schauspielhaus Wien Gernot Grünewalds Textcollage „Golem oder Der überflüssige Mensch“ zur Uraufführung, und er erzählt: Nichts Neues. Grünewald, der auch als Regisseur wirkte, befindet sich gedanklich nicht weiter denn auf dem Erkenntnisstand der Herren Ray Bradbury und Philip K. Dick, und stellt ergo die schon von denen dystopisch ausformulierten Fragen: 1. Weiß es, was es ist? Seit Roy Batty wissen wir: Ja. 2. Kann es zum gesellschaftlichen Entscheidungsträger werden? Nein, weil ihm Emotion und Empathie fehlen, und es daher keine ihm unlogischen, aber einem Menschen wertvolle Handlungen vollführen würde – etwa unter Gefährdung der eigenen Existenz eine Katze aus einem brennenden Haus zu retten.

Es sei denn, der Mensch bringt geschickt die drei Robotergesetze zum Einsatz. Aber Achtung punkto Katze: In den von Isaac Asimov für seine Kurzgeschichte „Runaround“ erlassenen Geboten geht es ausdrücklich um den Schutz menschlicher Wesen, bei gleichzeitigem Auftrag an das künstliche, sein Fortbestehen zu sichern. Mutmaßlich war Asimov kein Katzenfreund … Warum das alles hier steht? Weil Grünewald an seiner A.I.-Arbeit eine all dies und mehr umfassende Klammer angebracht hat. Er beginnt im Wortsinn bei den ersten von einem Gott erschaffenen Kreaturen, Adam und Eva, heißt: er lässt die Schauspieler das Buch Genesis zitieren.

Der schwarze Gaze-Kubus wird mit Videoprojektionen à la Dr. Serena Kogan bespielt, … Bild: © Matthias Heschl

… während die Schauspieler auf der Bühnendrehscheibe im Kreis transportiert werden. Bild: © Matthias Heschl

Und als er sah, dass es gut war, wechselt er flugs zum Golem-Mythos, bekannt ist der vor allem durch die Story vom Prager Rabbi Löw, der von seinem Lehmmann am Ende erschlagen wird, um bei schicken Sci-Fi-Gestalten in ihrem Cyberland zu landen, die auf Großleinwand laut denken, alles zu beaufsichtigen, während sie längst überwacht werden. Smart Phone, Smart Car, Smart Home – Willkommen auf dem Planet der Smarties. Den Grünewald wie immer gemeinsam mit Bühnenbildner Michael Köpke und Videokünstler Jonas Plümke zur Wunderwelt macht.

Das Dreier-Dreamteam versteht sich auf die Kunst der opulenten Ausstattung, und so steht in der Raummitte ein Podest, das bei Eintreten des Publikums noch gut durchfeuchtet wird. Auf dieser Wasserfläche entfaltet sich das Spiel, darüber ein schwarzer Gaze-Kubus, der sich langsam absenkt und mittels Videoprojektionen gespenstische Bilder reflektiert. Die Feuchtbiotopbühne dreht sich langsam, die Zuschauer sitzen an vier Seiten um dieses fantastische Setting, das schließlich die Darsteller Vassilissa Reznikoff, Nicolaas van Diepen und Steffen Link erklimmen, um das Spiel beginnen zu lassen.

Für seine freie Assoziation zum Thema künstliche Intelligenz bedient sich Grünewald aus drei Quellen: Karel Čapeks Schauspiel „Rossum’s Universal Robots“ aus dem Jahr 1920, für das der tschechische Autor den Begriff Roboter, abgeleitet vom Wort für Arbeit/Robot, erfand, und in dem Androiden als rechtlose Arbeiter ausgebeutet werden. Stanisław Lems „Also sprach Golem“ aus dem Jahr 1981, in dem der Supercomputer Golem XIV die Intelligenzbarriere durchbrochen hat und nun eine eigenständige Vernunft, aber kein Gefühlsleben besitzt, weil er eben keine Person, sondern nur ein Kalkül ist. Und Schriften von Ray Kurzweil, in denen der Leiter der technischen Entwicklung bei Google über Transhumanismus und Technologische Singularität sinniert – und dafür von seinen Gegnern als Guru einer neuen Ersatzreligion angefeindet wird.

All das bindet Grünewald zu einem wilden Spekulationsstrauß. Die Optik gewinnt bei dieser Inszenierung klar gegen die Botschaft, denn während man noch angestrengt nachdenkt, wie hier A zu B zu C passen sollen, wird man von einer berauschenden Bilderflut von jeder Art Bedenken fortgerissen. Vassilissa Reznikoff und Nicolaas van Diepen formen neben einer dekorativen Feuerstelle einen Steffen Link aus Gatsch. Der formuliert derweil seine Angst, wieder ein Nichts zu werden. Dazu wird Grünewalds Textmaterial streckenweise wie Psalmen gesungen, dabei werden als Thema angeschnitten: Die Vermenschlichung des Dings, dieses intelligent, aber seelenlos, und als billigster Arbeiter auch der beste. Seine optimale Unterstützung zur Selbstoptimierung des Menschen, aber andererseits seine Schuld an der technologischen Arbeitslosigkeit. Der Mensch, krankhaft in seinem Wahn ein Schöpfer/Gott zu sein.

Sind wir nicht alle ein bisschen Golem? – Vassilissa Reznikoff, Steffen Link und Nicolaas van Diepen haben sich zugelehmt. Bild: © Matthias Heschl

Was nur, wenn wir uns in unserer Zukunfts-technologiegläubigkeit die Fallstricke selber knüpfen, und sich die Computer ohne unser Zutun vernetzen und übernehmen – siehe „T3: Rise of the Machines“? Wird aus dem Anthropozän dann eine Virtual Reality? Reicht das Merkmal Empathie, um das Echte vom Künstlichen zu trennen? Do Androids Dream of Electric Sheep?

Während die Schauspielerköpfe, überlebensgroß wie der von Dr. Serena Kogan auf den Gaze-Kubus geworfen, derart Grünewalds Gedankendickicht durchpflügen, sind die Darsteller auf der Drehplattform damit beschäftigt, sich immer mehr zuzulehmen. Bis am Ende drei Tonfiguren auf der Bühne stehen. Der Schöpfer tarnte sich als sein Geschöpf, weil es ihm gefährlich wurde … Naturgemäß gibt’s von Grünewald und seiner Methode der freien Einfälle keine Rückäußerung auf die von ihm gestellten Fragen. (Kann’s auch gar nicht, die ultimative Antwort lautet sowieso: 42). „Golem oder Der überflüssige Mensch“ ist ein reizvolles Gedankenspiel, das sich mit seinem Zuviel an Aussage zwar selber stellenweise die Kraft nimmt, dies immer dann, wenn die Stringenz fehlt und die Narration abhanden kommt, aber vielleicht gerade dadurch zum Weiterdenken und Sich-Wissen-Anlesen anregt. Die Bilder sind gigantisch, die Diskussionen eröffnet. Mehr kann man von einem Theaterabend nicht erwarten. „It is said that the golem lives everywhere and in all times“, David Frishman, „The Golem“, 1922.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=A3MeMi4gdHs

www.schauspielhaus.at

  1. 9. 2017