Anna Fucking Molnar

November 21, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Nina Proll, so goschert wie verletzlich

Nur ein Traum: Anna und ihre Männer – Nina Proll, Murathan Muslu, Gregor Bloéb und Robert Palfrader. Bild: © Gavriel/Kolm

„Wie kann man Sie sexuell erniedrigen“? Die Frage wird einer Schauspielerin von einer Journalistin tatsächlich gestellt. Die Angesprochene flüchtet sich in versnobte Ärgerlichkeit, sie verweigert sich, um nicht „von ganz Österreich sexuell belästigt“ zu werden. Das ergibt den genau umgekehrten Aufmacher – sich gegen die Medien zu wehren, ist eben schwer …

Das Beschriebene ist eine Szene aus dem Film „Anna Fucking Molnar“, der am 24. November in den heimischen Kinos anläuft. Hauptdarstellerin Nina Proll hat das Drehbuch geschrieben, und so sehr ihre Wortspenden zur (eigentlich schon nicht mehr laufenden) #metoo-Debatte erstaunten, so erfreulich ist ihr Debüt als Autorin. Erfreulich auch, dass zwei weitere Frauen als Macherinnen hinter der rauhbeinig-romantischen Komödie stehen: Co-Autorin Ursula Wolschlager und Regisseurin Sabine Derflinger, die mit Proll auch bei den „Vorstadtweibern“ zusammenarbeitet. Nun sind die beiden bei ihrem ersten Kinoprojekt angekommen.

Fescher Feuerwehrmann: Murathan Muslu. Bild: © Ioan Gavriel

Dessen Inhalt: Theater-Diva Anna Molnar (Nina Proll) steht kurz vor der Premiere von Schnitzlers „Reigen“, als sie in der Garderobe ihren Ehemann, Theaterdirektor an der Josefstadt und Bühnenpartner, bei einem Quickie mit einer Nebenrolle ertappt. Ein Mix aus Hochprozentigem und Beruhigungstabletten beschert Anna auf der Bühne ein K.O. Statt im Feuilleton steht ihr Name nun in den Skandalblättern, die Karriere ist im A***rgen.

Anna muss wieder ganz von unten anfangen – beim Fernsehen. Glücklicherweise schimmert mit dem feschen Feuerwehrmann Christian, der Anna ins Spital brachte, zumindest schon ein neuer Lover am Horizont. Doch dessen Performance lässt aufgrund ihres Stargehabes sehr zu wünschen übrig …

Von goschert und selbstbewusst bis verletzlich und kleinlaut, so gestaltet Proll die Rolle, die sie sich selbst auf den Leib geschrieben hat. Neben ihrer Frauenpower brillieren Gregor Bloéb als bald Ex-Ehemann, Uwe Ochsenknecht als Vater und Murathan Muslu als Christian. Robert Palfrader gibt einen herrlich durchgeknallten Psychiater. Wunderbar die Parodie des verschwitzten TV-Schinken „Mätresse wider Willen“, den Anna drehen muss. Ein Schelm, wem dazu die „Wanderhure“ einfällt.

annafuckingmolnar.at

21.11.2017

Kurt Palm: Kein Spaghetti-Western

Januar 10, 2014 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Sein neuer Roman im Residenz Verlag:

Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini

cover_1681_lNach dem großen, mittlerweile verfilmten Erfolg von „Bad Fucking“ erscheint am 16. Jänner im Residenz Verlag Kurt Palms nächster Roman „Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini. Kein Spaghetti-Western“.

Ein Opernkomponist als Westernheld? Mozarts Librettist als Mafia-Pate? Ein Indianer als Ballonfahrer? Kurt Palm verbindet Aberwitz und historische Details zu einer ebenso haarsträubenden wie spannenden Geschichte und lässt den „Wilden Westen“ lebendig werden. Gelangweilt vom Gesellschaftsleben, nimmt Gioachino Rossini eine verrückte Herausforderung an. Sein Onkel hat ihm in Missouri einen Saloon und ein Stück Weideland vererbt, und weder die stürmische Atlantiküberquerung noch die Mühen einer 1700 Kilometer langen Fahrt können ihn abschrecken. Und als sich der Inder Kamalesh, der entlaufene Sklave Ringgold und der Indianer Big Thunder seinem Ein-Mann-Treck anschließen, kann Rossini nichts mehr aufhalten.

Unverschämt gut und unglaublich verrückt. Ein Buch nicht nur für Westernfans, Opernfreunde oder Truthahnfänger.

Lesungen und Buchpräsentationen:
19.01.2014          Wien, Rote Bar im Volkstheater
21.01.2014          Graz, Literaturhaus
23.01.2014          Wien, Literaturhaus
03.02.2014          Linz, StifterHaus
18.02.2014          Saalfelden, Kunsthaus Nexus
19.02.2014          Neukirchen am Großvenediger, Cinetheatro
20.02.2014          Salzburg, Literaturhaus

Zum Autor: Kurt Palm (geb. am 12. April 1955 in Vöcklabruck) ist ein österreichischer Autor und Regisseur. Von 1962 bis 1975 war Palm als Ministrant, Mittelstürmer (TSV Timelkam), Nachtwächter und Autostopper tätig. Das Germanistik-Studium an der Universität Salzburg schloß er 1981 mit einer Dissertation über „Brecht und Österreich“ ab. Seit 1982 arbeitet Kurt Palm als Regisseur, Autor und Volksbildner. Schrieb Bücher über Brecht, Stifter, Joyce, Mozart, Fußball und Palmsamstage. Drehte einige Kinofilme und inszenierte zahlreiche Opern und Theaterstücke im In- und Ausland. 1989 gründete er in Wien die legendäre Theatergruppe „Sparverein Die Unzertrennlichen“ (aufgelöst 1999). Von 1994 bis 1996 inszenierte er 24 Folgen von „Phettbergs Nette Leit Show“. Seit 19. November 1998 ist Palm Mitglied der „Society of Jem Casey“ in Dublin. Er lebt in Wien und Oberranna bei Unterranna bzw. Niederranna und isst vorzugsweise gebratene Forellen. Für „Bad Fucking“ wurde er mit dem Glauser-Preis 2011 für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet.

Ebenfalls im Residenz Verlag erschienen:

Bad Fucking
Sonderausgabe zum Film

Verfilmt von Harald Sicheritz nach dem Roman von Kurt Palm mit Martina Ebm, Proschat Madani, Adele Neuhauser, Wolfgang Böck, Thomas Mraz, Michael Ostrowski, Bettina Redlich, Johannes Silberschneider, Thomas Stipsits, Gerhard Liebmann u. a. Österreichweit im Kino. In Bad Fucking braut sich etwas zusammen: Zuerst liegt Vitus Schallmoser (Sonderling) tot in seiner Wohnhöhle. Dann bekommt Camilla Glyck (Bundeskriminalamt) den Auftrag, nach Maria Sperr (Innenministerin) zu suchen, die als Bauunternehmerin in Bad Fucking quasi nebenberuflich ein Asylantenheim errichten lassen wollte. Und während auf dem Sportplatz von Bad Fucking eine Gruppe Cheerleader trainiert, beschließt Jagoda Dragicevic (Putzfrau), Dr. Ulrich (Zahnarzt) wegen eines Nacktfotos zu erpressen. Unterdessen flüchtet in Wien Ludmilla Jesenská (Einbrecherin) vor ihren Verfolgern: Sie hat in Bad Fucking Fotos von geheimnisvollen Höhlenmalereien gemacht … Das alles (und noch viel mehr) geschieht, während eine Hitzewelle Europa beinahe lahm legt und sich Tausende Aale und ein Mordsunwetter auf Bad Fucking zubewegen.

www.residenzverlag.at

www.palmfiction.net

Wien, 10. 1. 2014