Leopold Museum: Klimt, Waldmüller, Verborgene Schätze

Dezember 6, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei neue Ausstellungen zum Reopening

Otto von Thoren: Skizze zum Seebad bei Trouville, um 1880. Bild: © Leopold Museum, Wien

Nach einem Monat Umbauphase eröffnet das Leopold Museum heute mit drei neuen Ausstellungen. Zu sehen ist Wege ins Freie. Von Waldmüller bis Schindler. Der ästhetische Rahmen der Gattung Landschaftsmalerei war im 19. Jahrhundert überaus breit. Wurde die freie Natur in der Romantik als bedrohliche Kulisse oder entrückter Sehnsuchtsort auf die Leinwand gebannt.

So konnte sie in der Biedermeierzeit als lichtdurchflutete Bühne des ländlichen Alltags fungieren. Die Bildanekdoten von Ferdinand Georg Waldmüller und Friedrich Gauermann bestechen dabei durch überrealistische Helldunkel-Kontraste, welche die dargestellten Szenerien gleichsam zu einer Parallelnatur erhoben. Einen anderen Weg ging ab 1860 jene jüngere Generation, deren Spiritus Movens und Zentralfigur der „österreichische Corot“ Emil Jakob Schindler war. Unter Verwendung dezenter Farbtöne huldigte dieser KünsterInnenkreis den unspektakulären, von lyrischen Stimmungen durchwehten Landschaftsstrichen.

Sowohl die idyllische Umgebung der Donaumetropole als auch Westfrankreich, Italien, Dalmatien, die Niederlande und Ungarn waren Ziele ihrer ausgedehnten Malausflüge. Synergetische Effekte ergaben sich aus der Auseinandersetzung mit der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon, der Haager Schule, der Münchner Schule sowie der holländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Malerinnen und Maler des österreichischen Stimmungsrealismus fanden dabei zu individuellen, teils höchst eigenwilligen Lösungen. In der Ausstellung „Wege ins Freie“ werden Werke von Rudolf Ribarz, Robert Russ, Eugen Jettel, Otto von Thoren, Anton Romako und August von Pettenkofen gezeigt. Ein besonderes Augenmerk gilt Tina Blau-Lang, die sich als herausragende Landschaftsmalerin in einem männlich dominerten Metier behaupten konnte und sich als Kunstlehrerin verdient machte. Wechselbeziehungen zwischen den Kunstmetropolen Wien und Paris sowie das Verhältnis mancher Maler zum jungen Medium Fotografie werden ebenso berücksichtigt.

Klimt – Moser – Gerstl präsentiert ausgewählte Werke der Hauptvertreter des Wiener Jugendstils Gustav Klimt und Koloman Moser sowie des wegweisenden Frühexpressionisten Richard Gerstl. Gustav Klimts Schaffen markiert den Anfang der modernen Kunst in Österreich. Zwei Jahrzehnte bevor Klimt als streitbarer Kämpfer gegen die Kunst des Historismus auftrat, war er selbst Teil dieser auf klassische Traditionen sich berufenden kulturellen Epoche. Ein künstlerischer Paradigmenwechsel und die Ausbildung eines individuellen Stils setzten bei Klimt Mitte der 1890er-Jahre ein, als er erste Entwürfe zu den Fakultätsbildern für die Universitätsaula anfertigte. Mit seinem ornamental-dekorativen Stil wurde er nicht nur zum bedeutendsten Vertreter der Secession, sondern auch ein begehrter Porträtist für die Damen des wohlhabenden Wiener Großbürgertums. Ab der Jahrhundertwende entstanden zudem elegische Landschaftsbilder, die seinen Ruhm zusätzlich steigerten. In dem Gemälde Tod und Leben aus der Sammlung des Leopold Museum setzt sich Klimt auf unbewusst traumhafte Weise eindrücklich mit dem Naturkreislauf von Entstehen und Vergehen auseinander.

Gustav Klimt: Ausschnitt aus Tod und Leben. Bild: © Leopold Museum

Michael Powolny: Hermenvase, um 1906. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 4601

Koloman Moser wurde einer der prägendsten Gestalten der Secession. Als „Tausendkünstler“ (Hermann Bahr) bezeichnet, lieferte er zahlreiche Illustrationsbeiträge für die Zeitschrift Ver Sacrum, zeichnete als Ausstellungsgestalter für viele Secessionsausstellungen verantwortlich, war Professor an der Kunstgewerbeschule, Mitbegründer (mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer) und vielbeschäftigter Entwerfer der Wiener Werkstätte, Bühnenbildner und nicht zuletzt Maler von Landschaften und symbolistischen Figurendarstellungen. Richard Gerstl, von dem das Leopold Museum Dank des Sammlers Rudolf Leopold die umfangreichste Sammlung besitzt, widersetzte sich sowohl stilistisch wie auch inhaltlich dem Programm der Wiener Secession. Entgegen aller Traditionen schuf er ein radikal unkonventionelles, wenngleich schmales OEuvre, das auf stilistischen Experimenten aufbaute und ihn als Wegbereiter des österreichischen Expressionismus kennzeichnet.

Verborgene Schätze II rückt zentrale Werke der Sammlung des Leopold Museum ins Scheinwerferlicht, die aufgrund ihres prekären Erhaltungszustandes lange nicht ausgestellt werden konnten. Die Ausstellung gibt spannende Einblicke in den Facettenreichtum der Sammlung. Präsentiert werden Gemälde von Tina Blau, Koloman Moser und Anton Kolig, Grafiken von Lovis Corinth, Bertold Löffler und Maria Likarz-Strauss sowie wichtige kunsthandwerkliche Objekte und Möbel von Dagobert Peche, Josef Hoffmann und Otto Wagner. Zugleich reflektiert die Schau eine der zentralen Aufgaben des Museums, die neben der Erforschung, Vermittlung und Präsentation von Kunstwerken gerade in deren Bewahrung für unser kulturelles Gedächtnis besteht. Seit der ersten von Direktor Hans-Peter Wipplinger initiierten Präsentation des Projekts „Verborgene Schätze“ im Jahr 2016 konnten zahlreiche PatInnen gewonnen werden, die durch ihr großzügiges finanzielles Engagement dazu beigetragen haben, diese Schätze in Zukunft der Öffentlichkeit wieder dauerhaft zugänglich zu machen.

Der Vergleich zwischen Objekten, deren Restaurierung bereits abgeschlossen wurde und jenen „Schätzen“, die noch gehoben werden müssen, gibt Einblick in das breite Spektrum an konservatorischen bzw. restauratorischen Möglichkeiten von heute. Diese reichen von Maßnahmen im Sinne einer grundlegenden Substanzsicherung über solche, die sich auf das optische Erscheinungsbild oder die Präsentation des Kunstwerks beziehen bis hin zu präventiven Methoden.

www.leopoldmuseum.org

6. 12. 2018

Kulturminister Thomas Drozda setzt ein erstes Zeichen

Juni 24, 2016 in Ausstellung, Bühne, Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Volkstheater bekommt vom Bund 12 Millionen Euro, „New Deal“ für die Freie Szene

Kulturminister Thomas Drozda auf der Regierungsbank. Bild: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Thomas Drozda auf der Regierungsbank: Ein erstes Zeichen für Kunst und Kultur ist gesetzt. Bild: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Eine Woche ist es her, dass das Volkstheater den Zuschlag für die Generalplanerleistungen und die Projektsteuerung für die Generalsanierung des Hauses verkündete, und schon ist eine weitere entscheidende Etappe auf diesem Weg geschafft:

Wie Kulturminister Thomas Drozda bekannt gab, sagt der Bund dem Volkstheater ab 2017 zwölf Millionen Euro für die Sanierung zu.

„Gemeinsam mit der Stadt Wien und dem Volkstheater leisten auch wir unseren Beitrag zum Erhalt eines der bedeutendsten Theater unseres Landes“, so Drozda. Dank der Zusage des Bundes wird die dringend nötige Instandsetzung der denkmalgeschützten Bausubstanz und des Bühnenraums und die notwendige Anpassung der Bühnenmaschinerie an heutige Standards zustande kommen, freut man sich am Haus über die „gute Nachricht für die Theaterstadt Wien“. Die Anna Badora, seit dieser Saison Intendantin des Hauses, für „ein großartiges Signal zum Ende meiner ersten Spielzeit“ hält. Der Volkstheater-Spielplan für die Saison 2016/17: www.mottingers-meinung.at/?p=19538

Pläne für Bundestheater und -museen

Investiert wird darüber hinaus in ein neues Depot für das Technische Museum und den Bau des neuen Weltmuseums. In diese Projekte fließen vier beziehungsweise zwölf Millionen Euro. Beim Haus der Geschichte in der Neuen Burg allerdings, dem Lieblingsprestigeprojekt seines Amtsvorgängers Josef Ostermayer (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?p=17733) könnten erst nach einem Okay des Finanzministeriums bei den kommenden Budgetverhandlungen im Herbst nächste Schritte gesetzt werden, so Drozda. Der damit klarstellte, dass der angedachte Eröffnungstermin im Jahr 2018 nicht zu halten sein wird: „2019 ist relativ wahrscheinlich.“

Auch der Aufteilungsschlüssel für die Basisabgeltung der Bundestheater für die Saison 2016/17 wurde beschlossen und genehmigt. Demnach erhielten die Holding 4,9 Millionen, das Burgtheater 48,7 Millionen, die Staatsoper 63,2 Millionen und die Volksoper 39,8 Millionen Euro. Im Rahmen eines Schwerpunkts „Transparenz und Professionalisierung“ wurde für Bundesmuseen und Österreichische Nationalbibliothek EU-weit ein gemeinsamer Wirtschaftsprüfer ausgeschrieben.

„New Deal“ für die Freie Szene: Drozda will die „Kleinen“ fördern

Doch nicht nur die Kulturschlachtschiffe sollen in die Gunst des Politquereinsteigers, der zuvor Stationen als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters und als Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien absolvierte, kommen. Drozda verspricht einen „New Deal“ für Einzelkünstler und die Freie Szene. Er wolle, sagt er, „einen klaren Fokus auf zeitgenössisches Kunst- und Kulturschaffen“ setzen – und dabei vor allem die „Kleinen“ fördern. Bis 2018 sollen die 46 Millionen an Subvention, die derzeit über verschiedene Töpfe an diese Gruppe gehen, um fünf Millionen erhöht werden, die die Beiräte dann neu verteilen können. Auch bei der Vergabe von Stipendien, derzeit sind es 600, ortet Drozda „einen riesigen Nachholbedarf“. Ihre Dotierung wird ab 1. Juli von 1110 auf 1300 Euro erhöht. Außerdem stellt der Bund Künstlern ab nächstem Jahr zehn neue Arbeitsateliers in der Wattgasse zur Verfügung. Die Kosten dafür betragen etwa 108.000 Euro.

„Die Künstler sollen mehr gehört werden“, sagt Drozda – und kündigte an, seine Büroräume im Palais Dietrichstein für sie zu öffnen. Was der Kulturminister von den Künstlern hören will, ist zunächst dies: Zum Thema „Kunst und Integration“ erwarte er sich von Theatern, Museen und anderen Institutionen „konkrete Vorschläge“, die Mittel des ausgeschriebenen Calls „zusammen:wachsen“ werden von 200.000 auf 300.000 Euro aufgestockt. In Planung ist auch eine bundesweite Aktionswoche „Kultur und Integration“. „Das Interesse daran ist überwältigend“, so Drozda. Klingt doch zumindest fürs Erste alles ganz gut. Erstaunlich nur, dass das Thema österreichischer Film bis dato gar nicht zur Sprache kam …

www.kunstkultur.bka.gv.at

Wien, 24. 6. 2016