Burgtheater: Der nackte Wahnsinn

Januar 1, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Klipp-Klapp-Küss‘ den Kaktus

Der gar nicht so kleine grüne Kaktus darf natürlich nicht fehlen: Norman Hacker und Paul Wolff-Plottegg. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Tür auf, Tür geht nicht auf, Tür zu, Tür geht nicht zu, Treppe rauf, Treppe runter, und zurück zum Running-Gag-Teller mit den Sardinen. Die sind, in Österreich aus Biskottenteig und von der Flosse weg zu knabbern, nicht nur ein alter Silvesterbrauch, die Menschen drängten sich gestern auch wie diese in der Dose auf Ring und Rathausplatz. „Der nackte Wahnsinn“ spielte sich desgleichen drinnen ab, im Burgtheater, wo Martin Kušej seine letzte Premiere am Münchner Residenztheater dem Wiener Publikum für die letzte Nacht des Jahres aufbereitet hat.

Michael Frayns Komödien-Klassiker gehört in die Klipp-Klapp-Königsdisziplin, und dass Chef samt Crew diese aus dem Effeff beherrschen, stellen sie mit ihrem Applausometersprenger mühelos unter Beweis. Wiewohl die Stadt von der größten bis zur Kleinbühne Wahnsinns-verwöhnt ist, ist Kušejs Schlüssellochblick aufs Kunst-Gewerbe, als den er seine Inszenierung bei der obligaten Prosit-Neujahr-Ansprache ausgab, eine glückliche Angelegenheit. Der neue Hausherr, der bei Amtsantritt sinngemäß scherzhaft meinte, die Presse bekrittle/bekritzle ihn gern als spaßbefreit, straft die Beschreibung mit dieser Arbeit Lügen.

Und siehe, er muss nicht ausschließlich in düsteren Farben malen, er kann’s auch ebenso in Blendweiß, hat ihm Bühnenbildnerin Annette Murschetz für Akt eins wie drei doch einen grellhellen Spätsiebziger-Interieuralbtraum aufgebaut. Einen aufschneiderischen Protzschuppen samt Neonleucht- und abstrakter Kunst an den Wänden. Die von Heide Kastler gewandeten Schauspieler motzen das Ambiente noch zusätzlich mit Duran-Duran-Gedächtnis-Klamotten und Pornoschnauzbart, mit Pythonprint-Catsuit und Farrah-Fawcett-Föhnwelle auf – klar, dass Frau Klacker da in der Röhre eine Doppelfolge „Dallas“ gucken will.

Diese Putzperle spielt Sophie spielt Sophie von Kessel. „Der nackte Wahnsinn“ ist in Kušejs Interpretation ein Making of Theater auf dem Theater, man sieht die Generalprobe, Monate später die Backstage-Situation und mehr Monate später den Tourneeverschleiß der immer selben Produktion. Kušej hat Frayns legendäre Persiflage von der britischen Provinz in heimische Gefilde verlegt, genussvoll lässt er seine wild gewordene Boulvardeska aufs Publikum los – deren Spiel im Spiel es ist, unter dem jeweils wirklichen Vornamen in eine „Rolle“ im Stück „Nackte Tatsachen“ zu schlüpfen. In Szene gesetzt von – Spoiler: Selbstironie! – Martin K., Regisseur, der auf ebener Erdrealität und auf Metaebene Liebe, Lügen, Leidenschaften im Griff haben muss, der mit Zufälligkeiten, Koinzidenzen, Alkoholkonsum und Quickies zu kämpfen hat, alle sind irgendwann nicht am, sondern überm Rande des Nervenzusammenbruchs, und fällt am Ende der Vorhang, fällt er tief.

Thomas Loibl, Norman Hacker gottöberstgleich als Martin K. und Sophie von Kessel. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Hacker und Deleila Piasko instruieren Paul Wolff-Plottegg über seinen „Einbruch“. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Till Firit und „Inspizient“ Arthur Klemt als verschlafener Scheich-Einspringer. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Loibls Thomas und Norman Hackers Martin K. diskutieren über dessen Regieanweisungen. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Virtuos und ein Vergnügen zuzusehen ist, wie hier erstklassige Darsteller drittklassige Kollegen in einem letztklassigen Drama geben. Kušej dreht die Schraube von Durchlauf zu Dernière stärker und stärker auf Tempo, die Aufführung ist bis ins kleinste Detail durchchoreografiert, präzise im Rhythmus und perfekt im Zusammenwirken – welch eine Leistung! Wie das Ensemble über Möbel springt und über Stiegen fällt, heult, mit dem Schicksal seiner Charaktere hadert, aufeinander hinhaut, wie falsche Auftritte und fallende Hosen korrespondieren, da bleibt auf keiner Seite der Rampe viel Zeit zum Luftholen. Und wer denkt, der pantomimische Hinterbühnen-Slapstick von Akt zwei sei schon der Höhepunkt, darf nicht vergessen, dass es gleich danach in eine dritte Runde geht.

Das deutsche Feuilleton hatte vor einem Jahr zum Teil das Fehlen von „Dekonstruktion“, von Deutung, von „gepflegtem Assoziieren und Philosophieren“ bemängelt. Häh? Mit seinem Text hat doch Frayn höchstselbst den Theaterapparat in seine Bestandteile zerlegt. Kušej folgt ihm auf seinem Weg in die subtil grausamen Abgründe dieser Farce, beider Spötteleien dabei die eines so lust- wie qualvoll Liebenden. Für die Wiener Premiere hat der Regisseur das Festival, bei dem sich „die Schauspieler ihre Stücke selbst erfinden“, als die Festwochen festgemacht, während Martin K. parallel in Salzburg den Jahrhundert-„Jedermann“ probt. Kušejs Lebenspartnerin Sophie von Kessel war auf dem Domplatz schon die blaugekleidete Buhlschaft – ob sich da ein Wink mit dem Zaunpfahl als Augenzwinkern tarnt?

Von Kessel / Sophie hat auch hier eine Glanzrolle, „Frau Klacker“, die Haushälterin mit Hängebusen und Hüftbreite, in Kittelschürze und Gesundheitsschlapfen, eine Zunge wie ein Schwert, aber das Herz am rechten Fleck, und in der Handhabung der Dutzende von Sardinen, ein Nonsens, mit dem Frayn nonstop sinnlose Regieeinfälle frotzelt, unübertroffen. Als Sophie hat von Kessel eine Amour fou mit Firit / Till, der Endlich-Wien-Heimkehrer, der seine Figur mit talismanblonder Perücke als eifersüchtigen Heißsporn anlegt, wenn er nicht Immobilienmakler „Roger Trampelmann“ gibt, in der Rolle ein nicht weniger verrückt-verzweifelter Lover als „in echt“ – und in beiden Verkörperungen kommt Thomas Loibl in seine Gassn.

Der fulminante Philipp II. (Don-Karlos-Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=35726) nun großartig als steuerflüchtiger Dramatiker „Franz Xaver Hötz“, jede Ähnlichkeit mit lebenden, deren Name mit „Kr-„ beginnt, wohl alles andere als zufällig, der unverhofft nach Hause kommt und Trampelmann beim Pantscherl im vermutet leerstehenden Haus stört, und als Thomas, der auf Tour die Sünde begeht, mit Sophie eine seelengeblähte Nacht lang zu saufen. Die Damen in Begleitung sind: Genija Rykova, als „Vicki“ Trampelmanns dümmlich-naiver Love Interest, als Genija Geliebte des Regisseurs, ihr Running Gag das Verlieren, ergo blindlings Anrennen, Suchen und Finden der Kontaktlinsen; sowie Katharina Pichler als „Belinda Hötz“, aufgetakelte Bitch und Autorengattin mit ausladendem Killerhüftschwung, und Kata – der gute, gschafthuberische Kumpel der Kompagnie, der sich vor allem um den kürzlich erst von seiner Frau verlassenen und unter langer Leitung leidenden Thomas sorgt.

Norman Hacker und Genija Rykova. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Loibl, von Kessel, Hacker und Pichler. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Klemt mit Kaktus, Hacker und von Kessel. Bild: © Matthias Horn / Burgtheater

Arthur Klemt ist als Herr Klemt der Inspizient, das Mädchen für alles, vor allem für Katastrophen, und als solcher im entscheidenden Moment sicher an der nicht richtigen Stelle. Deleila Piakso scheint ihn als Regieassistentin Mechthild menschlich zu kümmern, doch die trägt ein bittersüßes Geheimnis von Martin K., und ein solches ist es auch, warum sich dieser die verhuschte, ein wenig ungepflegt wirkende graue Maus ins Bett geholt haben sollte. Zumal die in der MitarbeiterInnen-Liste geführte um Weltklassen attraktiver ist. Paul Wolff-Plotteggs Paul ist der Griff zum Hochprozentigen wichtiger als der zum Textbuch, trotzdem ist er ein alter Haudegen, der sein Handwerk beherrscht und seine Auftritte als „Einbrecher“ maximal wegen Schwerhörigkeit schmeißt.

Dennoch ist das Ensemble jeden Abend von Neuem froh, findet er sich im Theater ein, ohne eine volle Flasche gefunden zu haben. Bleibt Norman Hacker als Martin K., ein Großmannssüchtiger, dessen Gottvater-Komplex von seinen Schutzbefohlenen allerdings auch befeuert wird, wenn sie ihn wegen jeder Kinkerlitzchen-Krise hysterisch um Beistand anbeten. Via diese Figur in Klischee-Schwarz handelt Kušej das ab, was die Zuschauer anstandslos als Interna ansehen, Streitereien mit Schauspielern, die eigene inszenatorische Ideen entwickeln, die Regieentscheidungen hinterfragen, fruchtlose Diskussionen, Chaos, Aneinander-Vorbeireden statt Einander-Zuhören. „Und sie stoppten endlich, und Gott sah, dass es beschissen war“, unterbricht Hackers K. einmal die Bühnenaction. „Genau so geht es auf dem Theater zu“, versichert Kušej am Schluss.

Dass nicht alles Nörgelei und Nervosität, Affäre und Animosität ist, versteht sich im Allzumenschlichen. Die Tingeltruppe übt sich auch in Solidarität, während im zweiten Akt ein geräuschlos ausgeführtes Hinterbühnen-Handgemenge die Lacher garantiert, geräuschlos deshalb, weil „vorne“ ja Vorstellung, rettet man sich im dritten mit aus der Not geborener Improvisation bei Patzern und in den Schrecksekunden falscher Anschlüsse. „So muss es auf der Titanic gewesen sein, als die Kapelle weitergespielt hat“, sagt K.-Hacker. Alles ist jetzt Schmiere und das ohnedies programmierte Overacting steuert auf den Gipfel eines Humors zu, über den Fritz Kortner einmal mehr unter seinem Niveau gelacht hätte.

Alles ist Kulisse und Fundus, schön wie das bereits bekannte Bühnenbild nach den En-Suite-Wochen deutlich sichtbare Gebrauchsspuren hat. Aus gewitzt wird irrwitzig je mehr die Sache aus dem Ruder läuft. Es kommt zu Text-, heißt: Gagklau, von Kessels Sophie lässt hinterfotzig die Fische fallen, für die anderen eine Rutschpartie. Wunderbar die Szene Firit  / Till / Trampelmann mit Rykova / Genija / Vicki, er im Wortsinn völlig von der Rolle, weil das Pointen-Klipp-Klapp kippt statt klappt, sie stur ihre nunmehr komplett unpassenden Sätze aufsagend, und plötzlich stehen drei „Einbrecher“ im Hötz’schen Wohnzimmer. Zu Sardinentellerakrobatik und Firits gekonntem Stiegenstunt fehlt natürlich auch die berühmte Kaktus-Küss-Szene nicht – mit einem gar nicht so kleinen grünen, phallusförmigen. Und siehe, aus dem Schenkelklopf-Tohuwabohu ward exzellent Absurdes Theater, und das Publikum sah, dass es gut war …

www.burgtheater.at

1. 1. 2020

Kammerspiele: Der nackte Wahnsinn

Oktober 16, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Gewinnerteam in der Klipp-Klapp-Königsklasse

Alexander Pschill und Ulli Maier Bild: Erich Reismann

Alexander Pschill und Ulli Maier
Bild: Erich Reismann

Der erste Gedanke beim schnellen Hinsehen: Die Ott spielt mit? Es ist Ulli Maier, die ihre Figur zur Hommage an die heuer 90 Jahre alt gewordene Grande Dame der Kammerspiele macht. Eine Charakterzeichnung mit lebhafter Mimik und Gestik und extravagant getürmtem Rotschopf. Eine Perle Anna, eine Ähnlichkeit, weil auch Mrs Clackett die Haushälterin ist, die von Publikumsliebling Dotty Otley dargestellt wird, die wiederum beide von Ulli Maier verkörpert werden. Maier als Erzkomödiantin.

An den Kammerspielen hatte Michael Frayns Boulevardstück „Der nackte Wahnsinn“ Premiere. Das ist die Königsklasse des Klipp-Klapp-Theaters, und das Ensemble der Kammerspiele geht eindeutig als Sieger in dieser Disziplin hervor. Allen voran Michael von Au, der mit erst an diesem Mittag gebrochenem Mittelfuß spielte, was auch von den Kollegen heftig beklatscht wurde, was dem hervorragenden Schauspieler zu Unrecht peinlich war. Regisseur Folke Braband hat ganze Arbeit geleistet, dies zum Thema Disziplin in dieser Disziplin, denn das Timing stimmt auf den Punkt, die Pointen sitzen, das Tempo ist atemberaubend hoch. Frayns geniale Kulissenblickkomödie braucht Handwerk und Würde, sonst wird die Eskalation zum Affentheater. Nicht umsonst heißt es an einer Stelle, es sei so zu spielen, wie es das Orchester auf der Titanic tat. Das Schiff kränkt und kracht und kippt – dennoch: Haltung! In Brabands Inszenierung gelingt nicht nur das, sondern auch die Darstellung von Menschen, allesamt durchaus reizend. Im doppelten Wortsinn. Der Versuchung, aus Frayns Schauspielstereotypen Knallchargen zu machen, wurde elegant nicht erlegen; der Abend ist in gewissem Sinne very british. Alexander Pschill etwa beherrscht den Understatement-Tonfall perfekt.

„Der nackte Wahnsinn“, im Original „Noises off“, das ist der Befehl, mit dem der Inspizient auf der Hinterbühne um Ruhe bittet, wenn die Vorstellung beginnt, ist Stück-im-Stück. Die Darsteller müssen deshalb das Prinzip Rolle-in-der-Rolle bewältigen, jeder Schauspieler spielt eine Schauspielerfigur, die eine Rolle spielt: Eine mittelmäßige Theatertruppe bringt ein schlechtes Lustspiel zur Aufführung. Drei Mal ist dessen erster Akt zu sehen, als Generalprobe, als Repertoirevorstellung – mit Perspektivewechsel auf die Rückseite des Bühnenbilds von Stephan Dietrich – und als Dernière. Das Ensemble scheitert nicht nur an tellerweise Sardinen, sondern vor allem an Zwischenmenschlichem. Die gruppendynamischen Prozesse rund um Eifer-, Trunk- und Geltungssucht geraten von Runde zu Runde mehr aus den Fugen, bis alles neben der Spur Amok läuft. Da ist viel Platz für Slapstick und Schmiere, da ist auch einiges an Stuntmanqualitäten gefragt, was die Kammerspieler alles eifrig bedienen.

Mit Vollgas vor den Vorhang. So schlecht kann gar nichts sein, dass es hier nicht brillant ist. Je fürchterlicher das Stück, je mieser die Gags, je elender die Schauspieler, desto entfesselter der Applaus. Doch auch überlebensgroß gemacht, ist die Sache im Kern aus dem wirklichen Künstlerleben gegriffen. Die Kontaktlinsensuche auf dem Bühnenboden. Der soufflierte Text, bis auf Balkonhöhe wortdeutlich, allein nicht für den vergesslichen Darsteller. Nerven- und andere Zusammenbrüche. Die hohe Dichte an Kollegen diverser Wiener Häuser im Publikum beweist auch dies: Am Frayn-Stoff ist viel Wahres dran. Der englische Dramatiker zeigt Schauspieler als entzückende Sensibelchen, aber wehe, wenn die Rampensau losgelassen.

„Ich liebe meine Schauspieler“ ist entsprechend auch das Mantra von Regisseur Lloyd Dallas. Michael von Au siedelt ihn zwischen geduldigem Gott-Vater und Psychotherapeut an, bemüht allen Be- und Empfindlichkeiten gerecht zu werden, aber damit gestraft, dass seine Mimen meinen, ihr Mitdenken sei gefragt. Und Gott sah, dass es schlecht war. Schlecht auch, dass er sowohl mit der graumäusigen, fettnapfgefährdeten Regieassistentin (Eva Mayer sehr fein auf ihrem Weg von der Unterwürfigkeit in die Emanzipation) ein Pantscherl hat, als auch mit der jugendlichen Naiven Brooke. Alma Hasun gestaltet die Nachwuchshoffnung als Sexyhexy ohne Scheu vor auch nur irgendeinem Blondinenklischee. Wunderbar der letzte erste Akt, als schon alles im Argen liegt und sie, weil leicht langsam im Kopf und daher improvisationsbefreit, am Text klebt.

Ruth Brauer-Kvam gibt die esoterisch gute Fee, die Mutter der Kompagnie mit Wallekleid und Frankensteins-Braut-Perücke. Jeder ist ihr ein „Herzblatt“ oder ein „Schätzchen“, Hauptsache Ruhe herrscht. Eine, die Oliver Huether dringend braucht. Zwar besetzt als Mannsbild vom Dienst, kriegt er wegen jeder Kleinigkeit Nasenbluten. Huether macht aus seiner Figur einen meschuggenen Method Actor, sein Gehabe wie von einem Stummfilmstar entliehen. Heribert Sasse erledigt für Selsdon Mowbray die letzte Bühnenrunde, die fatalerweise immer an einer Whiskyflasche vorbeiführt. Sasse spielt das herrlich desorientiert, sein Selsdon ist ein liebenswerter Nebensichsteher. Dass ausgerechnet seine Figur als Einbrecher im Stück-Stück für den Thrill sorgen soll, ist an Komik kaum zu überbieten. Martin Niedermair als Inspizient und Mädchen-für-eh-alles gerät zunehmend aus der Fassung. Er liefert auch eine Direktorspersiflage ab, die Herbert Föttinger in der Loge einen Lachanfall beschert.

Bleibt das Liebespaar, das mit all seinen Irrungen und Wirrungen zusätzlich für Irrsinn sorgt: Alexander Pschill und Ulli Maier. Pschill ist der Dandy der Truppe, ein Halbsätze stammelnder Selbst-Darsteller, dem das Herz vom rechten Fleck Richtung Abgrund entgleist, als er seine „Dotty“ Ulli Maier in den Armen eines anderen wähnt. Da kommt sogar eine Axt zum Einsatz, bis seine Allerliebste – Maier in zunehmender Auflösung, siehe Frisur, siehe Beruhigungspillen – ihn von ihrer Unschuld überzeugen kann. Am Ende ist alles gut, auf der Bühne, weil die Tournee endlich vorbei ist, auf der Bühne der Kammerspiele sowieso. Die exzellente Performance aller Beteiligten wurde mit viel Jubel bedankt.

www.josefstadt.org

Trailer: www.youtube.com/watch?v=p1Vun2IQeP8

Wien, 16. 10. 2015