2016 kommt die große Kaiser-Franz-Joseph-Ausstellung

November 20, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Es bleibt ihm nicht(s) erspart

Kaiser Franz Joseph 85jährig, Heinrich Waßmuth, 1915 © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Bild: Edgar Knaack Sammlung Bundesmobilienverwaltung

Kaiser Franz Joseph 85jährig, Heinrich Waßmuth, 1915 © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.
Bild: Edgar Knaack
Sammlung Bundesmobilienverwaltung

„Franz Joseph 1830 – 1916. Zum 100. Todestag des Kaisers“ ist der Titel einer großen Sonderausstellung, die von 16. März bis 27. November 2016 an vier Standorten in Wien und Niederösterreich zu sehen sein wird. Die Ausstellung, aufgeteilt auf Schloss Schönbrunn, die Kaiserliche Wagenburg, das Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien und auf Schloss Niederweiden im Marchfeld, will sich durchaus kritisch mit der Symbolfigur der Donaumonarchie auseinandersetzen. So zumindest Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., und Sabine Haag, Generaldirektorin des KHM-Museumsverbands, bei der Programmpräsentation anlässlich des 99. Todestages des Langzeitmonarchen in den Weißgoldzimmern von Schloss Schönbrunn.

„Wir zeigen das Leben Kaiser Franz Josephs in allen Facetten. Er hat 68 Jahre lang die Geschichte Europas maßgeblich mitgeprägt“, erklärt Sattlecker. „Hier in Schönbrunn ist er geboren, hier ist er vor 99 Jahren gestorben. Zusätzlich zu diesen Originalschauplätzen der Geschichte eröffnen wir mit Schloss Niederweiden einen neuen Ausstellungsort in Niederösterreich.“ – „Als Teil der kaiserlich-habsburgischen Sammlungen des Kunsthistorischen Museums beherbergt die Kaiserliche Wagenburg Wien heute einen wichtigen Bestand der einstigen Kutschen und Kleider des Kaisers“, ergänzt Haag. „Die Kaiserliche Wagenburg ist daher ein zentraler Schauplatz der großen Ausstellung zu Franz Joseph und der KHM-Museumsverband zudem an allen Standorten ein wichtiger Leihgeber der Schau.“

Der renommierte Historiker für österreichische Geschichte Karl Vocelka kuratiert die Ausstellungsstandorte „Mensch & Herrscher“ in den sonst nicht zugänglichen Weißgold- und Berglzimmern und in den Kronprinzenappartements in Schloß Schönbrunn, „Fest & Alltag“ im Hofmobiliendepot Ÿ- Möbel Museum Wien sowie „Jagd & Freizeit“ im ehemaligen Jagdschloss Niederweiden. Mario Döberl, Kurator der Kaiserlichen Wagenburg Wien in Schönbrunn, gestaltet ebendort das Thema „Repräsentation & Bescheidenheit“. Vocelka: „Die Ausstellung vermittelt ein ausgewogenes Bild Franz Josephs, dessen öffentliche Wahrnehmung durch Mythen und Klischees geprägt war und vielfach heute noch ist. Ein kritischer Umgang mit seiner Person, der Politik und den persönlichen Verhältnissen des Langzeitkaisers eröffnet neue Perspektiven.“

Die Ausstellungsarchitektur unterstreicht dabei die Person Franz Joseph, ohne sein politisches Handeln außer Acht zu lassen. So holen inszenierte Momente wie ein herrschaftlich nickender Kaiser mit einer Beifall klatschenden Sisi und einem müden Weltkriegssoldaten im Schloss Schönbrunn, die Kutsche seines letzten Weges in der Kaiserlichen Wagenburg, ein Spalier aus Uniformen im Hofmobiliendepot oder eine netzförmige, kuppelartige Strecke aus Geweihen und Köpfen erlegter Tiere auf Schloss Niederweiden die Besucher ab und führen sie zu den Themen und Aussagen der Ausstellung. Aus Kunststoff gestaltete Statuen in verschiedenen Posen an den Eingängen der Standorte holen Franz Joseph sprichwörtlich von seinem Sockel. Eine nonfigurale ‚Lebenslinie‘ begleitet durch das sehr unterschiedliche Innenleben der Ausstellungsräume.

Auf Schloss Niederweiden, das sogar über eine originalgetreu eingerichtete Wildküche verfügt, bettet „Jagd & Freizeit“ den persönlichen Zugang Franz Josephs zur Jagd und seine Faszination für das Waidwerk in die lange Geschichte der habsburgischen Jagdleidenschaft ein. Neben Franz Joseph, der nicht zuletzt durch sein langes Leben eine besonders lange „Strecke“ erlegter Tiere legen konnte, waren zudem auch sein Sohn Kronprinz Rudolf oder Thronfolger Franz Ferdinand legendäre Jäger. Mit teils sehr skurrilen Jagdutensilien wird dabei auch die Entdeckung des Salzkammerguts mit Bad Ischl und den umliegenden Jagdrevieren dargestellt. Nicht zuletzt wird auch die Frage beleuchtet, welche politische Bedeutung Jagdgesellschaften hatten und welche Rolle sie im gesellschaftlichen Leben spielten.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen und Events wird das Projekt begleiten. Außerdem wird es Angebote für Kinder und Schulklassen geben.

www.franzjoseph2016.at

Wien, 20. 11. 2015