Foto Wien 2022: Fotografinnen im Fokus …

März 6, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

… Rethinking Nature und die besten Fotobücher

Pixy Liao: Red Nails, Serie: For Your Eyes Only, seit 2012 © Pixy Liao

Von 9. bis 27. März rückt das Festival Foto Wien gemeinsam mit mehr als 140 Ausstellungen und mehr als 300 Veranstaltungen das Medium Fotografie ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Organisiert wird das Festival vom Kunst Haus Wien mit zahlreichen Programmpartnern. Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Kunstuniversitäten, Ausstellungsräume zeigen aktuelle fotografische Positionen aus den Bereichen der künstlerischen, aber auch der Dokumentar-, der Reportage- und Modefotografie.

Zwei inhaltliche Schwerpunkte prägen das diesjährige Festival: „Fotografinnen im Fokus“ hebt die herausragenden, nicht immer ausreichend gewürdigten fotografischen Leistungen von Frauen hervor. „Rethinking Nature/Rethinking Landscape“ stellt die Schlüsselrolle der Fotografie in der Wahrnehmung von Natur und Landschaft in den Mittelpunkt und beleuchtet kritisch den Umgang der Menschen mit ihnen.

Lokale und internationale Positionen sind im Rahmen von Einzelpräsentationen und thematischen Gruppenausstellungen in ganz Wien zu sehen. Ergänzend lädt das umfangreiche Rahmenprogramm mit Führungen, Workshops, Symposien, Talks, Buchpräsentationen, den täglichen Bildbesprechungen und Studio Visits zur vertiefenden Auseinandersetzung ein.

Die Festivalzentrale im Atelier Augarten fungiert als Herzstück der Foto Wien. Neben Ausstellungen zu den Schwerpunktthemen ist die Festivalzentrale Treffpunkt und Ort für Austausch und Diskurse. Das Symposium „Wie hältst du’s mit dem Material“ am 18. und 19. März lässt verschiedene Akteurinnen und Akteure der Fotoszene zu Wort kommen. Sie analysieren die sich verändernden Anforderungen im praktischen und theoretischen Umgang mit Fotografie sowie deren Vermittlung. Dabei werden insbesondere die Anliegen von Künstlerinnen und Künstler in die Debatte aufgenommen, um neue Handlungsfelder für die Politik und die Institutionen aufzuzeigen.

Mit der Fotobuch-Ausstellung, dem Photobook Market, dem Photobook Award sowie zahlreichen Buchpräsentationen und Signierstunden steht das letzte Festivalwochenende ganz im Zeichen des Fotobuchs.

Fotografinnen im Fokus – Pixy Liao: Experimental Relationship, 2014 © Pixy Liao

Weronika Gęsicka: Untitled #12, aus der Serie: Holiday, 2019–2020 © Weronika Gęsicka, 2019-2020, Courtesy: Jednostka Gallery, Warsaw

Rethinking Nature/Rethinking Landscape – Danila Tkachenko: #9, aus der Serie: Motherland, 2016 © Danila Tkachenko

Jonathas De Andrade: Still aus „O Peixe“ (The Fish), 2016 © Jonathas De Andrade

Fotografinnen im Fokus

Einer der Schwerpunkte von Foto Wien liegt auf der Hervorhebung der herausragenden Arbeit von Fotografinnen, um der noch immer herrschenden musealen und kunsthistorischen Dominanz männlicher Positionen innerhalb des Mediums entgegenzuwirken. Zu sehen sind inhaltlich und ästhetisch unterschiedlichste Werke. Sie stehen für die Vielfalt des fotokünstlerischen Schaffens von Frauen, wobei die Ausstellung vor allem auch die Auseinandersetzung mit Werken von in Österreich noch wenig bekannten Fotografinnen ermöglicht. Gemeinsam ist allen Künstlerinnen die Reflexion politischer und gesellschaftlicher Themen. Mit Fotos von Laia Abril, Alia Ali, Poulomi Basu, Nakeya Brown, Pixy Liao, Paola Paredes, Sọ̀rọ̀ Sókè (Kollektiv), Annegret Soltau, The Journal (Kollektiv) und Carmen Winant.

Rethinking Nature/Rethinking Landscape

Seit der Erfindung des Mediums spielt das fotografische Abbild eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung von Natur und Landschaft. Viele zeitgenössische Fotografinnen, Fotografen, Künstlerinnen und Künstler reflektieren in ihren Arbeiten das aktuelle Verhältnis von Mensch und Natur, machen die gegenwärtigen ökologischen Veränderungen visuell erfahrbar und loten dabei die Möglichkeiten der fotografischen Repräsentation aus. Die Ausstellungen in der Festivalzentrale zeigen neben herausragenden Einzelpräsenationen auch jene fünf aufstrebenden, europäischen Positionen, die vom Festivalnetzwerk „European Month of Photography“ für den EMOP Arendt Award nominiert waren. Mit Fotos von Simon Brugner, Vanja Bucan, Tamás Dezsö, Judith Huemer, Maria-Magdalena Ianchis, Inka & Niclas Lindergård, Sissa Micheli, Stefan Oláh, Anastasia Mityukova, Georg Petermichl, Klaus Pichler und Danila Tkachenko.

Basierend auf einem internationalen Open Call in Kooperation mit Mois européen de la photographie Luxembourg und Imago Lisboa und den daraus hervorgegangenen Einreichungen wurden Arbeiten von 111 internationalen Kunstschaffenden ausgewählt und zu einem eindringlichen, audiovisuellen Erlebnis – einer Slideshow – arrangiert. Zeitgenössische Natur- und Landschaftsfotografie kommt in ihrer Vielfalt ebenso zum Ausdruck wie unterschiedliche Perspektiven auf den Begriff Natur.

Luca Piscopo, Candy Oscuro: Apocalypse & Genesis, 2020 © Luca Piscopo

Michaela Bruckmüller: Lilie Lilium, 2018, aus der Serie: Danse macabre, 2018 © M. Bruckmüller, Bildrecht Wien 2022

Kristina Varaksina: Self-Portrait Hair, 2020 © Kristina Varaksina, Courtesy: Hello World Gallery, Wien

Unseen Wien

Die Fotografien der Studierenden der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt zeigen individuell entdeckte Unorte und Hiding Places in Wien und Umgebung, erforschen die architektonischen Strukturen der Stadt sowie ihre urbanen und suburbanen Besonderheiten.

Fotobuch-Ausstellung

Das Fotobuch spielt eine zentrale Rolle in der Fotografie. Es ist eines der wichtigsten analogen Medien, um fotografische Arbeiten und Projekte auf eine hochqualitative Weise zu transportieren. In der Ausstellung werden die besten Fotobücher der vergangenen drei Jahre gezeigt, die aus allen Einsendungen ausgewählt wurden. Am 26. März wird der Foto Wien Photobook Award verliehen: Mit einem Preisgeld von insgesamt 3.000 Euro werden die drei besten Fotobücher seit 2019 prämiert. Der Jury gehören Andreas Bitesnich, Fotograf und Fotobuch-Sammler, Verena Kaspar-Eisert, Kuratorin Foto Wien, und Michael Kollmann, Fotobuch-Kurator des OstLicht, an.

Photobook Market

Am letzten Festivalwochenende findet der von Fotohof edition veranstaltete Photobook Market statt. Mit ausgewählten Verlagen und Fotobuchhandlungen, Neuerscheinungen, Talks und Booksignings dreht sich alles um Fotografie in Buchform.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=uhvaL7Tyt14           www.fotowien.at

6. 3. 2022

Vienna’s Shooting Girls

Februar 27, 2013 in Ausstellung

Frauen als Fotografinnen

Noch bis 3. März ist im Jüdischen Museum Wien die Ausstellung „Vienna’s Shooting Girls – Jüdische Fotografinnen aus Wien“ zu sehen. Und die ist unbedingt sehenswert

Jüdisches MuseumSpeziell in Wien haben außergewöhnlich viele jüdische Frauen den Beruf der Fotografin gewählt. Das Jüdische Museum Wien geht den Gründen dafür nach und macht mit der Rückführung dieser Tatsache in das kollektive Gedächtnis ein Stück jüdischer Wiener Frauengeschichte wieder zugänglich. Die Ausstellung folgt dem Weg der Fotografinnen ins Exil. Sie erinnert an das Ende dieses Kapitels für Wien, aber auch an die Fortführung in anderen Ländern und Kontinenten. Gezeigt werden Arbeiten nicht nur von Madame d’Ora, Trude Fleischmann oder Edith Tudor Hart, sondern auch kaum bekannten Frauen wie Hilde Zipper-Strnad oder Claire Beck.

www.jmw.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 27. 2. 2013