Schauspielhaus Wien: F for Factory

Oktober 3, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Halte die Verzweiflung privat und kurz …

Bei Maximilian Brauer geht’s um die Wurst. Bild: © Matthias Heschl

Zum vermuteten Ende hin verliest Maximilian Brauer eine Art Manifest, in dem unter Punkt sechs, oder war es sieben?, aufgelistet steht: „Halte die Verzweiflung privat und kurz“. Nun denn, sie sei in diesem einen Wort formuliert: entbehrlich; ebenso möglich: Zeitvernichtung. Das Schauspielhaus Wien eröffnete die Saison, nachdem das ursprünglich dafür vorgesehene Projekt des Duos Vinge & Müller verschoben werden musste, mit der Stand-up-Anarchie „F for Factory“.

Eine Aktion, die Vinges Stammschauspieler Maximilian Brauer tonangebend ausführte. Dies natürlich eingedenk des norwegischen Theatermachers, und völlig neben der Spur, lässt man sich von der Schauspielhaus-Seite dazu verleiten, irgendetwas von/über/mit Andy Warhol und seinem legendären New Yorker Studio zu erwarten. Die ganze Irreleitung hält sich vielmehr für so impulsiv, dass das Schauspielhaus nicht einmal eines seiner sonst stets inhaltsreichen Programmhefte für angebracht erachtete; statt eines solchen gibt’s einen Vierseiter mit vielen Fotos und ein bisschen Werbung.

„Gleich beginnt der Theaterabend“, verkündet Brauer bereits im Foyer, und als er dies zum x-ten Male tut und eine Dreiviertelstunde „Werkeinführung“ verstreicht, hat man begriffen, dass diese Verabredung nicht eingehalten werden wird. Und düster steigt die Ahnung auf, hier geschieht nichts Wesentliches mehr, hier findet die Komplettverweigerung statt. Theater kann von der Mode also tatsächlich nicht nur zertrümmert, sondern auch zu Tode gequatscht werden, mit dem Ergebnis eines diffusen post-post-post … postfaktisch, und weil dieses bekanntlich schon gestern war, postintellektuell, jedenfalls aber post jeden Inhalts.

Unter Ausschluss von großen Teilen der nicht einmal seinen Haarschopf sehenden Zuschauer kaspert sich Brauer durch den Schauspielhaus-Vorraum, verteilt Sekt und Schokobananen, versucht sich an „Malen nach Zahlen“ und einen Diaprojektor in Gang zu bringen, und gibt einem vorbeifahrenden D-Wagen Regieanweisungen: „Etwas leiser bitte!“ Um Klamauk und Kalauer keine Sekunde lang verlegen, setzt sich das Geduldsspiel schließlich doch im Bühnensouterrain fort, an drei Seiten um die Spielfläche sind Podien fürs Publikum aufgestellt, in der Mitte verspricht Brauer, inzwischen angetan mit einem Quarterback-Kostüm und Runde um Runde übers Parkett drehend, diesem „eine Art Zaubershow ohne Tricks“.

Jesse Inman gibt alles, was immer das auch sein mag. Bild: © Matthias Heschl

Kurz noch die Handgelenke in der ersten Reihe per Handblitz „gescannt“ und auf einer Personenwaage „das Gewicht des Abends“ ermittelt (Brauers 71 Kilo), dann geht’s auch schon los mit dem … Einsudeln mit Ketchup und Schlagobers und Dosenbohnensuppe und dutzendfachen Auslegen desselben Posters als „Siebdruck-Serie“. Brauers „Es geht um Reproduktion“ ist in diesem Moment ohnedies eh klar, heiliger Pop-Art-Artist, bitte für uns …

Wozu, und wirklich: wozu?, Vera von Gunten die Rumpelstilzchen-Litanei „Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Andy Warhol heiß‘!“ zum Besten gibt. Und apropos, Bestes, darum bemüht sich auch Jesse Inman als Was-auch-immer. Höhepunkt der krausen Gedankencollage sind zwei Gastauftritte, ein Pizzabote, der bemitleidenswert irritiert ins Tohuwabohu stolpert, bis man ihn aufklärt, wer die beiden Margarithas bestellt hat, und ein Rosenverkäufer mit deutlich mehr Entertainerqualitäten, der – Applaus-Verbeugung-Applaus – beinah nicht wieder aus dem Saal zu kriegen ist.

Dazu Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, Laurent Pellissier, kann aber auch Franz Beil sein, als Old Shatterhand für Ärmere, während Brauer einen Rucksack mit der Aufschrift „Verantwortung“ schultert und palettenweise Cola und Gummibonbons ins Publikum schleudert. Auch die Pizzen wurden brüderlich-schwesterlich geteilt. So ist immerhin der Bauch voll, wenn schon der Rest sinnleer. Die Berliner Band Goshawk, zwei E-Gitarren, ein Schlagzeug, schrammelt, als ob ihr Leben daran hänge. Menschen gehen und sind gegangen, andere kommen mit Bier oder nach der Toilette zurück. Zwei Frauen lassen sich selbst durch einen Brauer-Strip nicht zum Bleiben bewegen.

„Ich hoffe es stört euch nicht, wenn ich bis zur nächsten Vorstellung durchspiele“, soll Brauer noch gedroht haben, aber da hörte man selber das Schwermetall von Goshawk schon vom Usus aus – Stichwort: Seelentrösterzweigelt. Was man nach „F for Factory“ fühlt, ist wie Pädagogen-Burn-out. Nach stundenlanger Beobachtung von Zappel-Mäxchen hat einen dessen mit blinkenden Dinosauriern und einem ferngesteuerten Auto ausgelebte Hyperaktivitätsstörung doch ziemlich ermüdet. Wie schrien dereinst Country Joe & The Fish & die Community in Woodstock? „What’s that spell?“ – „F***!“ „F for Factory“ ist jedenfalls was für Sitzfleischmalträtierer und Gehirnmasochisten.

www.schauspielhaus.at

  1. 10. 2019

Albertina: Acting for the Camera

März 5, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Selbstinszenierung und das Objektiv

Rudolf Koppitz: Bewegungsstudie, 1926. Bild: Albertina, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr-und Versuchsanstalt, Wien

Intim, spannungsvoll und faszinierend ist der Moment, wenn Fotograf und Modell aufeinandertreffen. Zwischen Inszenierung und Selbstdarstellung pendelnd, ist ihre Zusammenarbeit geprägt von einem kreativen Dialog. Mit etwa 100 Meisterwerken untersucht ab 10. März die dritte Präsentation der Fotosammlung der Albertina unter dem Titel „Acting for the Camera“ die vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen vor und hinter der Kamera.

In thematische Kapitel gegliedert, beschäftigt sich die Schau mit dem expressiven Künstlergehabe für die Kamera, der Arbeit mit anonymen Modellen in wissenschaftlichen Projekten, mit Fotografie als Vorlage für Malerei sowie mit der Selbstinszenierung von Fotografinnen und Fotografen. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Trude Fleischmann, Rudolf Koppitz, Will McBride, Cora Pongracz, Anton Josef Trcka und Erwin Wurm.

Will McBride: Romy in Paris, 1964. Bild: Albertina, Wien

Anton Josef Trcka: Egon Schiele, 1914. Bild: Albertina, Wien

www.albertina.at

Wien, 5. 5. 2017

Raphael von Bargen im Gespräch

März 11, 2016 in Bühne, Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Er spielt im Film „Thank You For Bombing“ und an den Kammerspielen „Menschen im Hotel“

"Menschen im Hotel" an den Kammerspielen: Sona MacDonald und Raphael von Bargen Bild: Jan Frankl

„Menschen im Hotel“ an den Kammerspielen: Sona MacDonald und Raphael von Bargen. Bild: Jan Frankl

Schauspieler Raphael von Bargen ist vielbeschäftigt: Am 11. März wird bei der Diagonale Barbara Eders Satire „Thank You For Bombing“ präsentiert, in der er den US-Kriegsberichterstatter Cal spielt (Filmkritik: www.mottingers-meinung.at/?p=17967). Ab 18. März läuft der Film in den Kinos. Am 17. März hat an den Kammerspielen Vicki Baums „Menschen im Hotel“ Premiere. In der Regie von Cesare Lievi schlüpft von Bargen in die Rolle des Baron von Gaigern. Zwei Rollen, denkt man, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch gibt es da etwas, das sie verbindet. Ein Gespräch über Dreharbeiten in Kabul, Leben im Krieg und was er aus den Menschen macht:

MM: Als ich das Gespräch vorbereitet habe, fiel mir eine Gemeinsamkeit zwischen dem Film „Thank You For Bombing“ und der Kammerspiele-Premiere „Menschen im Hotel“ auf: Wir unterhalten uns über ein Panoptikum vereinsamter, seelisch deformierter Menschen mit gestörtem Verhältnis zur Realität.

Raphael von Bargen: Das ist richtig, das betrifft grob alle Projekte, in denen ich die vergangenen 15 Jahre gearbeitet habe (er lacht).

MM: Lassen Sie uns mit Barbara Eders Film beginnen. Sie haben in Afghanistan gedreht. Welche Erfahrungen macht man da? Welche Eindrücke nimmt man mit?

Von Bargen: Der erste Eindruck war natürlich ein wilder. Barbara Eder wurde auf einem Hügel mit Steinen beworfen, von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen, und ist nur knapp ohne Verletzung davongekommen. Ein paar Tage zuvor hatte sich im Nachbarcamp ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, da hatte es Tote gegeben. Die Menschen schauen finster und man glaubt, in einem aggressiven Land mit einer unglaublich aggressiven Bevölkerung zu sein. Was aber relativ schnell zu lernen war, ist, wenn man grüßt, und zwar von meinem Herzen zu dir (er macht eine Handbewegung von seiner Brust zu der seines gegenüber), lachen auf einmal die Leute. Nur schauen, nur starren ist einfach sehr unhöflich. Ich habe Afghanen kennengelernt, die bezaubernd sind, sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Es gab auch mit den Amerikanern bizarre Begebenheiten, etwa als an einem Drehort plötzlich die CIA mit Black Hawk Helicoptern aufgestiegen ist oder wir von ihnen mit einem SUV quer durch Kabul verfolgt worden sind …

MM: Sie spielen einen amerikanischen Kriegsberichterstatter namens Cal.

Von Bargen: Und hatte vor Ort auch Gelegenheit mit Journalisten und Soldaten zu sprechen. Das sind Jungs, die sind ganz nett, aber auch brandgefährlich. Die leben den ganzen Tag in diesen Camps, haben keine Ablenkungen, keine Vergnügungen, das ist eine G1 Verordnung, und einen vielleicht beidseitig missverstandenen Auftrag. Das sind zum Teil Testosteronmaschinen, deren Laune nicht die beste ist. Einer hat zu mir gesagt, er würde am liebsten alles kurz und klein schießen – und dann natürlich: Just jokin‘, just jokin‘. Aber das gibt einem schon zu denken.

MM: Fragen sich die „Westmenschen“ in Afghanistan nie, was sie da eigentlich machen? Ich weiß schon, der Welt Gesetz und Ordnung geben, aber …

Von Bargen: Naja, nein, die fragen sich gar nichts. Es gibt keine Informationsquelle zu Afghanistan, die nicht irgendwie bearbeitet ist. In diesem Konflikt geht es nicht mehr darum, zu kommunizieren. Es geht nicht darum, sich mit diesem Land auseinanderzusetzen. Der Nahe Osten ist für mich von einer erschreckenden Bodenlosigkeit. Der Westen kommt in ein Land und diktiert wie die Dinge zu funktionieren haben. Wer bin ich denn, dass ich den Menschen dort sage, wie Zusammenleben funktionieren soll? Das ist eine Hybris, die kann ich nicht gutheißen. Dass ich auch nicht gutheißen kann, wie die Dinge in Afghanistan funktionieren, das steht auf einem anderen Blatt. Mit unserer Überheblichkeit werden wir das auch nicht ändern … nur durch eine lebendige Kommunikation. Aber seit dem Dreh hat sich die Gesamtsituation diesbezüglich natürlich geändert und verschärft …

MM: Sie meinen die Flüchtlinge, die auch aus Afghanistan kommen?

Von Bargen: Ja, und man muss nachfragen, warum die Situation in den derzeitigen Krisenländern so ist, wie sie ist. Warum ist Krieg? Warum fliehen die Menschen? Da lehnt sich einer der Hauptakteure, die USA, gerade ganz bequem zurück und berichtet einfach nicht. Meine Mutter lebt in Florida, die hat quasi Nachrichtensperre, die ruft mich in Österreich an, um zu erfahren, was los ist. Die Amerikaner konzentrieren sich jetzt auf ihren Wahlkampf, die wollen keine Störungen „von außen“, sind aber seit je „außen“ involviert.

MM: Das ist etwas, das der Film auch in der Figur des Cal thematisiert: Das Missverstehen und auch Missachten der anderen Kultur.

Von Bargen: Einerseits das. Der Titel des Films „Thank You For Bombing“ ist ja symptomatisch in der Figur verankert. Wir haben eine so hohe Reizschwelle, das heißt: ich brauche harte Bilder, um überhaupt noch wahrzunehmen, dass etwas passiert. Bei Kriegsberichterstattern ist das große Problem, dass die Medien sie nur noch als Freelancer beschäftigen. Also fahren einige Wahnsinnige, auch Vorbilder meiner Figur, auf eigene Kosten in den Krieg. Machen da Bilder, vollkommen geisteskrank, wo sich niemand hintraut, und ob sie Geld dafür kriegen, zeigt sich erst in dem Moment, in dem sie abliefern.

MM: Wie ordnen Sie Cal ein – zwischen der Pflicht zur Berichterstattung und Voyeurismus? Sympathisch ist er nicht.

Von Bargen: Natürlich nicht. Er hat kein normales Leben mehr, er ist abgestumpft, lebt aber auch in einem Rausch. Cal ist ein Adrenalinjunkie, er ist ein Idealist, das ist sein erster Zugang zum Beruf. Und so, wie die anderen Krieg betrachten und die afghanische Kultur betrachten, wird er zum Zyniker und beschließt, sein Umfeld bis aufs Blut zu reizen. Sein einziger Freund ist sein Fahrer, ein Mensch, zu dem er eine emotionale Nähe entwickelt, aber der Zahn wird Cal ja auch noch gezogen.

MM: Wer war der Kollege?

Von Bargen: Mohammad Jamil Jalla lebt tatsächlich in Kabul, er ist ein junger Regisseur und Schauspieler, ein faszinierender, junger Kollege. Ich mochte den sehr gern.

MM: Wie war die Arbeit? Es gab keine fertigen Dialoge?

Von Bargen: Nein, es gab keine Texte. Barbara hatte ein erstes Drehbuch, das wir immer wieder neu mit Szenen gefüllt haben. Wir haben über Ideen diskutiert, auch geblödelt, aber dann sehr ernst besprochen, was geht und was nicht. Wir hatten eine Szene, da zieht ein Kind auf dem Markt in Kabul eine Pistole. Die Situation in Kabul selbst strich diese Szene, denn wenn auf dem Marktplatz eine Waffe gezogen wird, sind die Folgen kaum absehbar. In Summe haben wir zumindest anfangs die Situation in diesem Land unterschätzt. So auf easy, weil wir sind ja Künstler, geht in Afghanistan gar nichts.

MM: Sehen Sie nun Nachrichten mit anderen Augen?

Von Bargen: Ja, ich sitze nun und denke mir, wer hat das gefiltert? Es gab, da waren wir noch in Afghanistan, einen Bericht auf allen Sendern, dass eine Stadt in der Nähe von Kundus von den Taliban überrannt worden wäre. Wie saßen beim Chef der dortigen CNN-Abteilung, da sagt ein junger Mann: Wieso, was soll da sein? Ich komme gerade von da, da ist nichts los. Dafür wiederum geschehen natürlich andere Dinge, von denen die Welt nichts wissen soll.

MM: Wie unfassbar zynisch das nun ist, dass Afghanistan zum sicheren Rückreiseziel für Flüchtlinge erklärt wurde.

Von Bargen: Ja. Unwissenheit ist mitunter ein Segen. Wobei es sicherlich weit weniger dramatisch ist in Afghanistan als in anderen Ländern. Ich glaube nicht, dass sich die Komplexität dessen, was sich in Kriegsgebieten abspielt, irgendeinem Normalsterblichen erschließt. Das ist in der Gesamtstruktur zu kompliziert. Nur zu sagen, da ist etwas befriedetes Gebiet und jetzt ist auch gut, ist zu wenig, das wird nichts ändern. Derzeit baut sich alles so massiv auf, man sollte also nicht daran arbeiten, Feindbilder zu schaffen, sondern einander einmal zuzuhören. Berichterstattung reduziert sich auf die Belastbarkeit einzelner Menschen. Ob ich das global sehe oder als Konflikt in einem Dorf – es reduziert sich auf Menschen, die miteinander eine Geschichte haben und erleben.

MM: Die Geschichte von zwei Menschen erzählt auch „Menschen im Hotel“.

Von Bargen: Es sind Figuren, die mit ihren Sehnsüchten im Stück auf dem Vulkan tanzen. Es ist ein heftiges Stück.

MM: Das auch im Krieg – oder der Zeit zwischen den Kriegen handelt. Sie spielen Baron von Gaigern.

Von Bargen: Eine einst gutsituierte Persönlichkeit, in dessen Leben einiges schief gelaufen ist. Es wird erzählt, dass er als Soldat in Frommelles, einem blutigen Gemetzel, im einzigen, in dem auch Hitler als Meldegänger war, eingesetzt war. Das alles hat ihn geprägt, er ist traumatisiert, sagt aber, wenn das nächste Mal Krieg ist, geh‘ ich wieder hin. Er ist ein Spieler, ein Extremsportler, der den Nervenkitzel braucht, er becirct Frauen, aber nicht ohne diese gewisse Todessehnsucht. Und dann trifft er diese Frau, Sona MacDonald als ehemalige Balletttänzerin Grusinskaja, deren Schmerz etwas so Existenzielles hat, das es ihn anrührt. Da besinnt er sich, dass er eigentlich ein Ehrenmann ist. Und er verliebt sich wirklich in ein Bild, das ihn spiegelt.

MM: Er erkennt, hier ist kein Spiel mehr möglich, hier wird bar bezahlt. Große Gefühle, schluchzende Geigen. Autorin Vicki Baum wird unterstellt, Trivialliteratur geschrieben zu haben.

Von Bargen: Ich finde das nicht. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen. Es ist eine Zeitbetrachtung, eine sehr klare Zeitbetrachtung. Es ist nicht Boulevard – oder Pop-Literatur würde man heute sagen. Natürlich ist die Sprache ein wenig manieristisch, aber die Psychologie, die sie in die Figuren steckt, ist großartig. Die sind extrem vereinsamt, extrem verinselt in ihrer Zeit. Diese merkwürdige Zeit des Umbruchs, dieses Nicht-Wissen-Wohin in diesem Hotel, das hat sie ganz toll beschrieben. Das Hotel ist Fassade, im doppelten Sinne, und daran zerbrechen die Leute letztlich.

MM: Es gibt ein Zitat: Man kommt an, man bleibt ein bisschen, man reist ab …

Von Bargen:  … hundert Türen auf dem Gang, und keiner weiß was von dem Menschen, der nebenan wohnt. Die besagte Vereinzelung der Figuren und der Fatalismus des Arztes Otternschlag . Das passt übrigens auch zu „Thank You For Bombing“.

MM: Wie ist die Inszenierung?

Von Bargen: Cesare Lievi versucht keine Radikalisierung des Materials auf Biegen und Brechen, aber er legt schon auch den Finger in die Wunde unserer Zeit. Er nimmt den Text sehr ernst, er sieht die Figuren von ihrer existenziellen Not getrieben, von ihrer Sucht zu Wirken und ihrer Sehnsucht nach Erlösung. Wenn uns das gelingt, dann sind wir richtig, dann ist es ein sehr tragisches Stück. Was ich beispielsweise sehr gerne mag, ist, dass es nirgendwo blumig ist. Sehnend ja, verzweifelt ja, aber nie blumig. Es werden andauernd Erwartungen angehoben und auf ihrem Zenit zerschlagen. Als wollte Vicki Baum sagen, man kann vom Leben nur dann nicht enttäuscht werden, wenn man sich mit den Enttäuschungen des Lebens abgefunden hat. Die Charaktere  hoffen, in ihrem gegenüber, im Morgen Glückseligkeit zu finden. Und kaum haben sie einen Schritt darauf zugemacht, kommt garantiert das Schicksal, der Umstand, das Leben …

MM: Es gibt zwei Filme …

Von Bargen: Und auch unsere Arbeit wird in weitestem Sinne filmisch. Das entspricht dem Fluss, den der Roman hat. Man wird von Szene zu Szene geführt, in einem Raum, den nur die Behauptung des Spiels zu einem anderen macht. Das Hotel atmet, es setzt unter Stress, man wird gesehen und versucht zu verheimlichen, das ist ungefähr die Temperatur.

MM: Was macht den Reiz aus, das zu spielen?

Von Bargen: Dass dieser Baron von Gaigern mehrere Rollen spielt, dass er scheinbar nur aus Fassaden besteht. Er ist vieles gleichzeitig, und jedes Mal, wenn jemand anderes auftritt, ist er ein anderer Mensch. Dem versuche ich mit meiner Darstellung gerecht zu werden. Eigentlich kann man bis zum Schluss nicht wissen, was das für ein Typ ist. Bis ihm die Nähe zu einem Menschen die Maske abreißt. Ich glaube, dass das den Zuschauern sehr nahe gehen kann. Cesare macht es einem sehr leicht, sich einzulassen. Wer von uns trägt schließlich keine Maske?

www.josefstadt.org

www.thankyouforbombing.com

Wien, 11. 3. 2016

Thank You For Bombing

März 3, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine bitterböse Satire auf Kriegsberichterstattung

Manon Kahle glaubt als TV-Journalistin Lana an die Gleichstellung der Geschlechter im Krieg Bild: © Filmladen/Lotus Film

Starke Frau: Manon Kahle glaubt als TV-Journalistin Lana an die Gleichstellung der Geschlechter im Krieg. Bild: © Filmladen/Lotus Film

Die Episode, die einen selbst am meisten angeht, ist die zweite. „Fitz & Bergmann“. Da versucht die amerikanische TV-Journalistin Lana in Afghanistan den Aufstand gegen Frauenfeindlichkeit. Erst sieht man sie vor laufender Kamera unter der Gürtellinie befummelt, eine Erfahrung, über die eine befreundete ORF-Korrespondentin, wer Haare zeigt, ist eine Hure, vom Tahrir-Platz erzählte.

Dann wird ihr Exklusivinterview vom Vorgesetzten an einen Kollegen weitergereicht, während sie weiblich-enthusiastisch vom Britney-Spears-Auftritt vor den US-Truppen berichten darf. Als sie ihrer Story trotzdem nachgeht, kommt es erneut zu sexuellen Übergriffen, und … Das Ende bleibt offen. Wie in jeder der drei Geschichten in Barbara Eders Film „Thank You For Bombing“, der am 11. März bei der Diagonale Österreichpremiere hat und am 18. März in die heimischen Kinos kommt. Manon Kahle überzeugt als toughe Lana in diesem politthrillerartigen Kapitel. Krieg ist eine Männerwelt, aber wie ironisch ist das, beim Zumbakurs in Kabul über den fettgewordenen Arsch einer Bildschirmkonkurrentin zu lästern, sich also selber über den Körper zu definieren, und genau wegen diesem attackiert und diskriminiert zu werden.

„Thank You For Bombing“ ist eine bitterböse Satire auf Kriegsberichterstattung. Barbara Eder hat lange recherchiert, viele Gespräche geführt, ihren Film erst als Doku angedacht, sich schließlich aber fürs Fiktionale entschieden, um ihre Gesprächspartner zu schützen. Vor den Dienstgebern, den internationalen Fernsehstationen, aber letztlich auch vor sich. Zu viel könnte einem da schnell zu nahe gehen. Durch ihre Verfremdung verschafft Eder dem Abhilfe. Ihr distanzierter Blick auf die Jagd nach der besten Story, die Unsinnigkeit des embedded journalism, die Nöte und Zwänge des Berufes – „Du darfst alles berichten“, sagt Fritz Dittlacher in Episode eins, “ Ja, solange es nicht länger als zweieinhalb Minuten dauert“, erwidert Erwin Steinhauer -, die Macht der Nachricht, die Lust am Voyeurismus und die Frage, ab wann die nächste Sau durchs mediale Dorf zu treiben ist, tut gut. Gedreht wurde unter schwierigsten Bedingungen in Afghanistan und Jordanien. Michael Glawogger hat noch am Drehbuch mitgedacht.

„All das Gerede von Blut und Erschlagen verdirbt mir den Tee“, dieses Zitat der Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“ stellt Eder ihrem Film voran. Sie lässt ihn auch mit Lewis Caroll enden. Als am Ende endlich der Krieg ausbricht, stolpern die Protagonisten das Jabberwocky-Gedicht rezitierend durch die Trümmer. The vorpal blade went snicker-snack! Treffenderes lässt sich über Schießen und Sterben kaum sagen. Es gibt eine Klammer. G.I.s sollen in Afghanistan Koranbücher verbrannt haben. Darüber soll berichtet werden, das führt die drei Episoden zusammen. Einer der drei Journalisten wird bluten. Oder tot sein. Eder zeigt die Grausamkeiten eines Krieges nicht. An ihrer subtilen Arbeit ist nichts explizit, sie adressiert den Betrachter unaufgeregt und mit indirektem Verweis darauf, dass er daheim der Letztverantwortliche für die Abnahme der Nachrichten ist. Ihre Reporter sind Opfer der Schneller-Saftiger-Sensationsgieriger-Umstände, und die meiste Zeit damit beschäftigt, die Zeit totzuschlagen, die sie über kurz oder lang am Kragen kriegen wird. 2015 starben 110 Journalisten in Ausübung ihres Berufs. Sie gerieten in Aleppo zwischen die Fronten, wurden in Mossul vom IS entführt oder saßen in der Redaktion von Charlie Hebdo.

In Episode zwei, dem Roadmovie „War“, spielt Raphael von Bargen einen zynisch gewordenen Korrespondenten, einen gnadenlosen Selbstdarsteller, weil ihm eine Nahaufnahme verweigert wird, erzwingt er sie, indem er sein Hemd über der Brust abschneidet, der seinen Alltag gezwungenermaßen mit Sightseeingtouren zu Selbstmordattentätereltern verbringt. Da steht die Journalistenmeute wie am Nasenring geführt, kriegt eine vorgefertigte, lauwarme Geschichte zu hören, die sie als brühheiße verkaufen soll. Dieser Cal bricht also aus, wagt den journalistischen Ego-Trip und vergeudet damit das Leben seines Fahrers. Sein Moment der Ein- und Umkehr. Bargen erinnert an den großen Peter Arnett, der auf Hintertreiben des Pentagon von CNN geschasst wurde, weil er im irakischen Fernsehen seine Einschätzung der Lage erläuterte. Ehrlichkeit, das geht wohl nicht, und auch Cal wird aus einer Liveschaltung nach Washington entfernt, weil er, der täglich am Leid dran ist, den davon weit entfernten politisch Verantwortlichen unangenehme Fragen stellt. Carolin Emcke sagte unlängst, sie sehe viel mehr, als sie jemals berichten könne. Weil die Leute das alles gar nicht bis zur letzten Konsequenz wissen wollen. Man füttere Häppchen für Häppchen die Erkenntnis, wie Gewalt die Menschen entmenschlicht.

Christian Haake hat das in beklemmenden, aber auch belustigenden Bildern eingefangen. Er zeigt die Leere in den Landschaften und den Leben, und wie klaustrophobisch eng Weite werden kann. Er zeigt den Reporterbienenstaat, wunderbar die Aufnahme ihrer Hotel-Front, Balkon reiht sich an Balkon, Kamerateam an Kamerateam – und Action. Er zeigt einen Flughafen als Einsamkeitsort, als könne der einzelne nirgends mehr allein sein als mitten im Menschengewühl. „Thank You For Bombing“ ist ein stiller Film. Das Fieberhafte seiner Atmosphäre flirrt nicht, es liegt eher in Agonie.

Erwin Steinhauer bestreitet die erste Episode, „Milan Vidić“. Von seinem Chef nach Kabul entsandt, kommt dieser abgehalfterte Kriegsberichterstatter über Schwechat nicht hinaus. Weil er denkt, einen Tschetnik gesehen zu haben. Er, der mit bewaffneten Konflikten nichts mehr zu tun haben wollte, wird nun in einen alten, jugoslawischen zurückgeworfen, und niemand glaubt ihm. Seine Frau, Susi Stach, lässt ihn von der Polizei als geistig verwirrt suchen. „Für Kriegsverbrecher samma ned zuständig“, erklärt diese, nachdem Steinhauers Ewald die Lage erklärt hat, den Flughafen zum Terroristen-Transit. „Das ist Jahrzehnte her, das interessiert niemanden mehr“, schreit Chefredakteur Dittlbacher als beinah himself wütend ins Telefon. Erwin Steinhauer ist ganz großartig, wie er um seine Glaubwürdigkeit kämpft, beschämt, weil er sich in Panik bepinkelt, ein Mann, an dem seit gefühlten Ewigkeiten ein Trauma frisst, so dass man als Zuschauer auch nicht weiß, ob seiner Wahrnehmung zu trauen ist oder nicht. Das Kammerspiel, Steinhauers Verwirrspiel ist schauspielerisch sicher die stärkste Episode. Ewald ist emotional dort angelangt, wo Lana und Cal mutmaßlich noch landen werden …

„Thank You For Bombing“ zeigt die Krisenberichterstattung in der Krise. Die drei von Barbara Eder sehr authentisch porträtierten Protagonisten sind Prototypen einer Community, die als Tross von Ereignis zu Ereignis zieht, um die Welt mit ihren daraus generierten Wahrheiten zu erschüttern. Krieg ist ein TV-Geschäft und die Nachricht eine Handelsware und die Komplexität weltweiter Konflikte muss fürs 16:9-Format quotentauglich gemacht werden. Eine Frage, die der Film aufwirft ist, ob einem das taugen muss.

www.thankyouforbombing.com

Diagonale 2016: Das Festivalprogramm www.mottingers-meinung.at/?p=17827

Wien, 3. 3. 2016

Jüdisches Museum Wien: Kosher for …

Oktober 7, 2014 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Essen und Tradition im Judentum

Café Eskeles im Jüdischen Museum Wien Bild: Jüdisches Museum Wien/Sonja Bachmayer

Café Eskeles im Jüdischen Museum Wien
Bild: Jüdisches Museum Wien/Sonja Bachmayer

Ab 8. Oktober zeigt das Jüdische Museum Wien am Standort Dorotheergasse „Kosher for … Essen und Tradition im Judentum“. Essen ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Kultur -geprägt von lokalen Bedingungen, interkulturellen Entwicklungen, historischen Umständen, religiösen sowie säkularen Traditionen und Gewohnheiten. Hatte Noah auch Schweine auf der Arche? Hat der Granatapfel wirklich 613 Kerne? Hat jeder jüdische Haushalt zwei Küchen? Dürfen sich Juden betrinken? Was ist in der Mazza enthalten? Wie kommt man vom mittelalterlichen Fleischhof ins Kaffeehaus? Sind Pizza und Kebap koscher und gibt es überhaupt eine jüdische Küche?

Ausgehend von acht Fragen blickt  die Ausstellung auf die historischen, kulturellen, religiösen und sozialen Dimensionen des vielschichtigen Begriffs „koscher“ (hebr. tauglich, rituell erlaubt, gemäß der Vorschrift oder zum Verzehr geeignet). Eine kulinarische Geschichte Wiens setzt die Betrachtung des Themas in einen kulturhistorischen Kontext. Ein Blick auf Einflüsse der jüdischen bzw. koscheren Küche auf internationaler Ebene am Beispiel der israelischen, amerikanischen, orientalischen und europäischen Küche führt von Wien aus in die Welt und komplettiert die Ausstellung. Zahlreiche Speisen und Rezepte bieten eine kulinarische Beilage und begleiten die Besucherinnen und Besucher auf ihrer Reise durch die Welt der jüdischen Speisegesetze. Die jüdischen Feiertage und Feste als Anlässe für Familien und Freunde zusammenzukommen, sich zu erinnern, zu gedenken und gemeinsam zu speisen, nehmen hierbei eine zentrale Rolle ein. Dass die Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze, nicht nur auf das Essen und Trinken beschränkt werden, sondern fixer Bestandteil jüdischer Lebenspraxis sind, wird an mehreren Stellen beleuchtet. Die präsentierten Objekte und die Geschichten, die sie uns erzählen, sind Zutaten, die Ausstellung das Gericht, das Besucherinnen und Besucher konsumieren und genießen können. Auf diesem Weg wird das entwickelte Narrativ zum kulturhistorischen Kochbuch. Also: „Be´Teavon“ (= hebr.), „Es gezunderheyt“ (= Jiddisch) oder Guten Appetit!

Die jüdischen Speisegesetze unterteilen Speisen und Lebensmittel in drei Kategorien: fleischig, milchig und neutral (hebr. parve). Es wird außerdem zwischen zum Verzehr geeigneten und nicht geeigneten Tieren unterschieden. Als „koscher“ gelten alle Tiere, die sowohl gespaltene Hufe haben als auch Wiederkäuer (z.B.: Rinder, Schafe) sind. Vögel, die einen Kropf, eine Hinter-und drei Vorderzehen besitzen (z.B.: Hühner) gelten ebenfalls als koscher. Tiere, die diese Kriterien erfüllen, müssen außerdem auf spezielle Weise vom Schächter (hebr. Schechita) geschächtet werden. Durch einen speziellen Schächtschnitt wird das rückstandslose Ausbluten der Tiere gewährleistet. Dies ist Voraussetzung, da der Verzehr von Blut jeglicher Art im Judentum untersagt ist. Mit dem so genannten „Hechscher“ – in Form einer Plombe oder eines Stempels werden koschere Lebensmittel gekennzeichnet. In koscheren Restaurants beaufsichtigt ein Aufseher (hebr. Maschgiach) die Verwendung rein koscherer Produkte.

Kernbestandteil der Speisegesetze ist auch die Trennung zwischen Milchigem und Fleischigem ausgehend von der Tora, wo es an drei Stellen (Fünf Bücher Moses) heißt „Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter“. Wer sich streng an diese Vorgaben hält, verzichtet nicht nur auf den gleichzeitigen Verzehr dieser Speisen, sondern trennt auch das Geschirr, Küchengeräte und in manchen Fällen sogar die gesamte Küche. Neutrale Speisen können sowohl mit Fleisch- als auch Milchprodukten gemeinsam konsumiert werden. Meist wird ein bestimmter Zeitraum zwischen dem Verzehr empfohlen – je nach persönlichen und kulturellen Traditionen kann dies von einer Stunde bis zu sechs Stunden variieren. Koschere Restaurants sind entweder milchig oder fleischig, da sie sonst zwei separate Küchen benötigen würden. Die jüdischen Speisegesetze sind vor allem auch an den hohen jüdischen Feiertagen von besonderer Bedeutung. Dabei nimmt beispielsweise der koschere Wein eine ganz zentrale Rolle ein. Alkohol ist im Judentum prinzipiell gestattet, nimmt in der Verwendung zu jüdischen Feiertagen jedoch eine streng liturgische Rolle ein und wird deshalb oft auch durch Traubensaft ersetzt. Der Wein begleitet in Form des Kiddusch (= Heiligung), der Segnung des Weins, beinahe jeden jüdischen Feiertag, auch den Schabbat, der von Freitag-bis Samstagabend dauert und an den Ruhetag Gottes nach der Schöpfung erinnern soll. Zu Pessach (= Fest der ungesäuerten Brote), einem der wichtigsten jüdischen Feiertage, der an die Befreiung aus der ägyptischen  Sklaverei erinnert, werden koschere Lebensmittel, die nichts Gesäuertes enthalten, verwendet.

Die Wiener Jüdische Gemeinde blickt auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurück und in der Frage nach der Einhaltung oder auch Ablehnung der Speisegesetze gab es immer wieder ganz unterschiedliche Entwicklungen. Vom mittelalterlichen Fleischhof bis hin zum Kaffeehaus spiegeln ausgewählte Objekte der Ausstellung die Geschichte der Wiener Jüdinnen und Juden unter diesem speziellen Blickwinkel wider. Auch durch Migration wurde die Esskultur in Wien beeinflusst und verschiedene kulinarische Traditionen trafen hier schon zur Zeit der Monarchie zusammen. Durch die physische und spirituelle Vernichtung des europäischen Judentums wurde ein riesiges Loch in die Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde gerissen. Einhaltung oder Verweigerung der Speisegesetze war auch zentraler Bestandteil im Prozess des Wiederaufbaus des jüdischen Lebens in Wien nach 1945. Heute bietet Wien eine sehr umfassende koschere Infrastruktur mit Supermärkten, Fleischereien und zahlreichen Restaurants. Produkte aus aller Welt – von traditionellen Gerichten wie „Gefilte Fisch“, über Hummus, Falafel und Pita bis hin zu koscherer Pizza findet sich ein breites Spektrum. Dies spiegelt auch die jüdische Küche an sich wider, die seit jeher eine Fusionsküche ist und von unterschiedlichen lokalen Traditionen, Diversität und Vielfalt geprägt wird.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Krautfleckerl, von denen es nie genug gab!  Mi. 22. Oktober, 19 Uhr. Kulinarische Lesung mit Burgschauspieler Robert Reinagl.
Eintritt (inkl. Verkostung): € 10,-(normal) / € 8,-(ermäßigt)

Kulinarischer Lebensstrudel  Mi. 19. November, 19 Uhr. Lesung mit Helene Maimann. Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Filmvorführung „Alles auf Zucker!“, 2004  Mi. 3. Dezember, 19 Uhr. Regie: Dani Levy. Mit: Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo Samel, u. a. Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Krapfen, Kartoffelpuffer und Geschenke!  Di. 16. Dezember, 17 Uhr. Führung durch die Ausstellung und Kerzenzünden zu Chanukka. Kerzenzünden: 17:30 Uhr. Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Kaschrut im Film  Mi. 17. Dezember, 19 Uhr. Eine Veranstaltung der „Haberer – Junge Freunde des Jüdischen Museums Wien“
(www.jmw.at/haberer) Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Hummus, Falafel, Pita und mehr! Mi. 14. Jänner, 19 Uhr. Museumsdirektorin Danielle Spera im Gespräch mit Haya Molcho, anschl. Verkostung. Eintritt (inkl. Verkostung): € 5,

Das Mazzesinsel Kochbuch Mi. 28. Jänner, 19 Uhr. Lesung mit Katja Sindemann. Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Bubales – Jüdisches Puppentheater: Die Koscher-Maschine Mi. 18. Februar, 17 Uhr. Für alle von 6 bis 120 Jahren!  Eintritt: € 5,-(Erwachsene) / Eintritt für Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr frei!

Couscous and Gefilte fish. Jewish cuisines and the story of migration and vanished worlds Mi. 4. März, 19 Uhr. Vortrag und Lesung mit Claudia Roden (in englischer Sprache). Eintritt frei! Mit Anmeldung!

Challa backen im Jüdischen Museum Mo. 10. November, Do. 27. November,Do. 12. Februar, jeweils 18 Uhr. Max. TeilnehmerInnen: je 8 Personen. Unkostenbeitrag: € 5,-Mit Anmeldung!

www.jmw.at

Wien, 7. 10. 2014