Volksoper: Der Zauberer von Oz

Dezember 7, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Einfach entzückend

Peter Lesiak (Hunk/Die Vogelscheuche), Puppenhündchen Toto, Johanna Arrouas (Dorothy Gale), Martin Bermoser (Zeke/Der Löwe), Oliver Liebl (Hickory/Der Blechmann) Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Peter Lesiak (Hunk/Die Vogelscheuche), Puppenhündchen Toto, Johanna Arrouas (Dorothy Gale), Martin Bermoser (Zeke/Der Löwe), Oliver Liebl (Hickory/Der Blechmann)
Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Henry Mason inszenierte an der Volksoper Harold Arlens Musical „Der Zauberer von Oz“ nach dem Roman von L. Frank Baum, und das ist ihm so hinreißend gelungen, dass man gar nicht weiß, wo anfangen zu erzählen. Der Abend ist der Stoff aus dem die Publikumslieblinge gemacht werden. Und da ist der persönliche Hündchen Toto, bewegt von Puppenspieler und Volksopern-Debütant Daniel Jeroma, der die ganze Zeit über mit auf der Bühne ist. Es ist schon was anderes, hätte man Dorothy ein lebloses Plüschtier unter den Arm geklemmt, als hier ein Wesen, das wedeln, winseln und Mitspieler abbusseln kann. Für die Idee das erste Bravo.

Johanna Arrouas brilliert in der Rolle der Dorothy, ein Temperamentbündel, das Herz und Mund am rechten Fleck hat – und letzteren auch „aufzureißen“ versteht. Gesanglich, darstellerisch und konditionell ist Arrouas top. Nach Rundendrehen rund um die Rundbühne zu stoppen und drauflos zu schmettern, da gehört was dazu. Den großen Hit des Musicals „Over the Rainbow“ gibt sie auf Englisch. Was ihr fehlt ist die leise Melancholie, die die ein Leben lang unglückliche Judy Garland in Victor Flemings Film aus dem Jahr 1939 einbrachte. Aber, hallo, 2014 sind Mädchen eben emanzipierter und schicken sich nicht in eine Situation, nur weil es sich schickt.

„Der Zauberer von Oz“ ist ein Märchen für Kinder und im Herzen Kind Gebliebene. Ein Märchen mit Message, denn was braucht Mensch mehr als ein Herz, ein Hirn, Mut und ein Heim. Sehr schön die wortwitzige deutsche Fassung von Klaus Eidam. Masons Arbeit ist komplett große Broadwayshow. An Bühnendarstellern inklusive Kinderchor herrscht kein Mangel, einer mehr draußen und die Bretter, die die Welt bedeuten, würden unter der Last der Menschenmassen zusammenbrechen. Im Zehnminutentakt, so scheint’s, werden Kostüme und Bühnenbild gewechselt. Jan Meier (Bühne und Kostüme) hat sich dafür erst ein nostalgisches Ansichtskarten-Kansas („Greetings from Kansas“ steht in der oberen Ecke der Farm von Onkel Henry – ein zwischen Verzweiflung und Zorn changierender Wolfgang Gratschmaier und der gutmütigen Tante Em – Regula Rosin) einfallen lassen, dann eine kunterbunte Oz-Welt. Eine Materialschlacht. Lorenz C. Aicher dirigiert mit so viel Schwung, dass es ihn manchmal aus der Kurve trägt. Musikalischer Höhepunkt natürlich der „Jitterbug“, mit dem die böse Hexe des Westens die Eindringlinge in ihr Reich unschädlich machen will. Sie, das heißt: er, ist die nächste Sensation: Christian Graf auf einem Easy Rider-Chopper mit Spitzhut, ganz grün im Gesicht, mit grün-schwarz geringelten Strümpfen. Sehr sexy und sehr stimmgewaltig. Er ist großartig böse in beiden Rollen, auch als Almira Gulch in Kansas.

Dorothys Begleittrio ist ebenfalls zum Niederknien: Allen voran Peter Lesiak als Vogelscheuche, die lieber Hirn statt Stroh im Kopf hätte, obwohl nicht wenige so gut leben, ein gleichgewichtsgestörtes Tanztalent, ein Erzkomödiant, der seinen Bariton bis in die Ränge schmettert. Oliver Liebl gibt den Blechmann als Schmerzensmann, staksig, nah am Wasser gebaut, was zur Immer-wieder-Einrostung führt, ach, hätte er doch ein Herz im Leib. Er kann sich gar nicht dran erfreuen, dass er beim Singen sein eigenes Blechinstrument ist. All diese Figuren sind optisch ziemlich nah am Film gestaltet; nur „Löwe“ Martin Bermoser erinnert mehr an einen Ritter von der traurigen Gestalt. Mit „Fell“-Cape beim Posen mit Neurosen. Sein Brüllen hat offenbar Bronchitis.

Bleibt Hausherr Robert Meyer als Zauberer von Oz, der wieder einmal zeigt, was in ihm steckt, der aus einer kleinen Rolle – wir wissen natürlich, dass es keine kleinen Rollen gibt – ein Kabinettstück macht, in dem er sich einen Lacher nach dem nächsten abholt. So wird’s gemacht. Chapeau, Herr Direktor! Und noch ein Bravo an alle Mitwirkenden!

www.volksoper.at

www.mottingers-meinung.at/johanna-arrouas-im-gespraech

Wien, 7.12. 2014

Staatsoper via Livestream

Oktober 25, 2013 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Der Rosenkavalier“ für zu Hause

Der Rosenkavalier Sophie Koch (Octavian), Renée Fleming (Marschallin) Bild: (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Der Rosenkavalier
Sophie Koch (Octavian), Renée Fleming (Marschallin)
Bild: (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Ab 27. Oktober 2013 können unbegrenzt viele Opern- und Ballettfreunde weltweit eine Auswahl von Vorstellungen der Wiener Staatsoper zu Hause über Livestream in höchster Qualität verfolgen. Der kostenpflichtige Livestream kann über jeden mit dem Internet verbundenen Fernseher, SmartTV oder Computer sowie exklusiv in der SAMSUNG SmartTV App empfangen werden. Bild und Ton in höchster Qualität – produziert von 8 HD-Kameras, einem digitalen Video- und Audiostudio auf dem neuesten Stand der Technik – werden je nach Internetverbindung bis Full HD übertragen. Dabei können die ZuschauerInnen zu Hause jederzeit zwischen zwei Perspektiven wählen: einer Gesamtsicht auf die Bühne und einem live geschnittenen Opern- bzw. Ballettfilm. Für diesen Live-Schnitt hat die Wiener Staatsoper Videoteams aufgebaut, die gemeinsam mit international erfahrenen Regisseuren eine spezielle Bildsprache entwickeln.

Den Auftakt des Livestreaming-Angebots bildet ein Kernstück des Wiener Staatsopernrepertoires: Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ am 27. Oktober 2013 mit Renée Fleming als Marschallin, Sophie Koch als Octavian, Mojca Erdmann als Sophie und Peter Rose als Ochs in der Produktion von Otto Schenk – am Dirigentenpult: Adam Fischer. Bis Ende des Jahres werden sechs weitere Vorstellungen gestreamt: am 27. November die Neuproduktion von „Die Zauberflöte“ (Wolfgang Amadeus Mozart), am 13. Dezember „Tristan und Isolde“ (Richard Wagner), am 27. „La cenerentola“ (Gioachino Rossini), am 28. „Der Nussknacker“ (Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski, Choreographie: Rudolf Nurejew), am 29. „Fidelio“ (Ludwig van Beethoven) sowie am Silvesterabend „Die Fledermaus“ (Johann Strauß). Bis Ende der Spielzeit 2013/2014 ist geplant, noch etwa 10 weitere Vorstellungen zu streamen.

Ab sofort können über das Streamingportal www.staatsoperlive.com Streams für die ersten drei Vorstellungen gekauft werden.
Wien, 25. 10. 2013