Filmarchiv Austria digital: 125 Jahre Kino

März 20, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Magie, Erotik und die erste Reise zum Mond

Kinomagier Georges Méliès: Le voyage dans la lune, Star Film, F 1902. © Filmarchiv Austria

Am 20. März 1896 findet in Wien die erste Filmvorführung statt. Ratternd werfen imposante Apparaturen die ersten Laufbilder auf die Leinwand – lebendige Manifeste purer Schaulust und einer neuen Sehkultur, die in ihrer ungebremsten Kreativität und Fantastik den Pionier- und Erfindergeist dieser Zeit reflektieren. Sie rücken die Welt unmittelbar ins Gesichtsfeld der Menschen, Reisen zu den Niagarafällen oder gar zum Mond – nichts scheint mehr unmöglich im „Kino der Attraktionen“.

Selbst moralische Grenzen werden aufgesprengt, denn am Anfang ist natürlich auch: die Erotik. Das Filmarchiv Austria blickt von 18. März bis 21. April auf die wunderbaren ersten Jahre und lädt mit ausgewählten Sammlungsstücken zum Anschauen ein. Mit einem wöchentlich wechselnden Programm im digitalen Heimkino sowie dem Digitorial „125 Jahre Kino“ lassen sich die faszinierenden Anfänge des Kinos neu entdecken. Der Jubiläums-Schwerpunkt umfasst fünf Online-Kanäle mit 112 Filmen, die im digitalen Heimkino kostenlos auf www.filmarchiv.at präsentiert werden.

Kanal 1: Welt in Bewegung. Das Filmuniversum der Gebrüder Lumière. Als die ersten Bewegtbilder der Brüder Lumière vor 125 Jahren das Publikum in einem Pariser Café in Ekstase versetzen, verbreitet sich die Kunde vom „Cinématographe“ wie ein Lauffeuer: Die neuartige Maschine tritt ihren Siegeszug durch alle Kontinente an, und mit ihr auch deren Erfinder. Binnen weniger Monate gastieren die kinematografischen Botschafter der Lumières in allen großen Metropolen und verblüffen das Premierenpublikum immer wieder mit direkt vor Ort entstandenen Lokalaufnahmen. Am 20. März 1896 präsentieren Vertreter der Brüder Lumière in der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie das erste Filmprogramm in Österreich. In Wien etwa wird der Eingang zum „Cinématographe Lumière“ Ecke Kärntnerstraße/ Krugerstraße festgehalten. Am 17. April besucht Kaiser Franz Joseph höchstselbst die Vorstellung. Augenblicke für die Ewigkeit.

Vienne: Entrée du Cinématographe, Sociéte Lumière, F 1896. © Filmarchiv A.

Le Thermomètre De L’Amour, Pathé Frères, F 1906, © Filmarchiv Austria

Vienne: Le Ring, Sociéte Lumière, F 1896. © Filmarchiv Austria

Kanal 2: Der Kinomagier. Das Kino von Georges Méliès. Schon die Brüder Lumière erzählen in ihren Filmaufnahmen kleine Geschichten. Der erste, der sein Publikum mit dem neuen Medium aber wahrlich zu verzaubern weiß, ist der Theaterillusionist Georges Méliès. In seinem Filmstudio, dem ersten Frankreichs, ersinnt er die tollkühnsten Szenerien und lässt Träume im wahrsten Sinne des Wortes Wirklichkeit werden: Spielkarten erwachen zum Leben, Köpfe werden abgenommen und wachsen wieder nach, und als Höhepunkt: Reisen zur Sonne und zum Mond!

Kanal 3: Wilde Bilder. Das frühe Kino der Attraktionen. Übermütig und voller kreativer Energie zeigt sich das Kino in seinen ersten Jahren auch von seiner anarchischen Seite. Im Zentrum stehen die Freude am Sehen und die Dynamik der Schaulust, gefilmt wird praktisch alles, was vor die Kamera kommt, und wird damit zur Sensation gesteigert. Auch in der Sammlung des Filmarchiv Austria nimmt die Frühgeschichte einen besonderen Schwerpunkt ein. Zu sehen sind erste Farbfilme, Akrobaten und Schausteller, Pioniere der Filmkomik, man lauscht anno dazumals populären Tonbildern – und staunt.

Les Fleurs animées, Pathé Frères, F 1906. © Filmarchiv Austria

Das eitle Stubenmädchen, Saturn-Film, A 1907. © Filmarchiv A.

Der Traum des Bildhauers, Saturn-Film, A 1907. © Filmarchiv A.

Poule Aux Ouefs D’Or, Pathé Frères, F 1905. © Filmarchiv A.

Kanal 4: Saturn. Wiener Filmerotik. Sie flackern höchst lebendig über die noch jungfräulichen Leinwände, wandern mit den Schaustellern quer durch die Monarchie. Johann Schwarzers „Herrenabend- Films“ sind frecher und freizügiger als vergleichbare Produktionen und kreisen mit demonstrativer Lässigkeit um eine offiziell verpönte Erotik, deren ironische, bisweilen offen gesellschaftskritische Inszenierung beim bigotten Habsbürgertum für multiple Höhepunkte der Entrüstung sorgt.

Kanal 5: Geschichten des Kinos. Eine Alltagsszene in der Wiener Innenstadt, aufgenommen von den Brüdern Lumière, markiert den Eintritt in ein neues Zeitalter. Ihr „Cinématographe“ lässt erstmals „lebende Photographien“ öffentlich über die Leinwand flimmern. Der Leiter der Filmsammlungen Nikolaus Wostry führt anhand ausgewählter Filmdokumente und Objekte aus der Sammlung des Filmarchiv Austria durch die frühe Kinogeschichte und beleuchtet insbesondere auch die faszinierende technische Seite der Laufbild-Urmaschinerie. Eine Spurensuche führt schließlich zurück an den Ort der ersten Filmvorführung.

Das Kino Klein im Prater, ca. 1905. © Filmarchiv Austria

Digitorial: 125 Jahre Kino. Begleitend zum Jubiläumsprogramm im Heimkino vermittelt die Online-Ausstellung, das Digitorial „125 Jahre Kino“ auf www.filmarchiv.at spannende Einblicke in die Pionierphase der Kinematografie in Österreich und aller Welt. Prunkstücke der Sammlung sind etwa der Cinématographe Lumière, ein Apparat aus dem Jahr 1897, der Kamera, Kopiergerät und Filmprojektor in einem ist, der Wanderkinoprojektor „Came Demy“ von circa 1899, der um 1900 entwickelte Messter’s Projection oder Heinrich Ernemanns „Modell Imperator“ von 1909.

Mit großer Neugier beobachten die Prater-Schausteller die Aktivitäten der Lumières, und bald schon setzte ein Wettlauf um die Projektoren und Filme ein. Gabor Steiner, Leiter des Prater-Megaspektakels „Venedig in Wien“, schafft es bereits im August 1896, mit einem auf abenteuerliche Weise aus Paris besorgten Projektor Filmvorführungen zu organisieren. Ebenfalls im August werden im sogenannten „Thiergarten“ kinematografische Vorstellungen gegeben.

Eine der ersten Frauen im Kinogeschäft war Theresia Klein, die 1905 im Prater ihr Kino Klein eröffnete. Davor wurde in der Praterhütte Nr. 40 die elektrische „Reinprechtsche Riesenschaukel“, eine populäre Attraktion, sowie das Wursteltheater, eine Freakshow mit „Frau ohne Unterleib“, dem „stärksten Kettensprenger“ oder „dem kleinsten Menschen aller Zeiten“, betrieben. „Theresia Klein zeigt allwöchentlich Neues und Sehenswertes“, berichtete 1908 das Ilustrierte Wiener Wochenblatt. 1945  wurde das in „Kristall-Palast“ umbenannte, beliebte Kino bei den alliierten Bombenangriffen zerstört. Heute steht an seiner Stelle die Prateruhr …

Das komplette Filmprogramm: www.filmarchiv.at/digitale-sammlung/film           www.filmarchiv.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Z5aaWnvlkyk             www.youtube.com/watch?v=YrW0zwqSeMs           www.youtube.com/watch?v=ABGHuwpxkno           www.youtube.com/watch?v=9-I1qEv9vXI

20. 3. 2021

Houchang Allahyari: Online-Retrospektive

Februar 1, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum 80. Geburtstag im Filmarchiv Austria

Houchang Allahyari. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

„Als ich ins Land kam, gab es nie solche Probleme, wie heute. Wir waren Exoten, das ja, aber deswegen auch gut behandelt. Die Leute waren nett und hilfsbereit, ich hatte nie das Gefühl, dass ich ein Ausländer bin. Diese Ausländer-Sache ist langsam gekommen und immer mehr geworden“, sagt Houchang Allahyari im Gespräch mit mottingers-meinung.at. und fragt sich wie uns: „Wo ist diese Freundlichkeit geblieben?“ (Das ganze

Interview: www.mottingers-meinung.at/?p=31182 anlässlich seines Films „Ute Bock Superstar“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31289). Heute feiert einer der unermüdlichsten und außergewöhnlichsten Filmemacher – und Psychiater – seinen 80. Geburtstag. Von 5. Februar bis 18. März widmet ihm das Filmarchiv Austria eine Online-Retrospektive. „Houchang Allahyari verkörpert meine Vorstellungen vom orientalischen Ideal, bei dem Familie und Individuum, Tradition und Weltoffenheit, Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze bilden, sondern eine elastische Einheit sind«, so Schauspieler und Regiekollege Karl Markovics anlässlich der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens der Stadt Wien im Jahr 2012.

1941 in Teheran geboren, kommt Allahyari als junger Mann nach Österreich, um Medizin zu studieren und Filme zu machen. Seit Mitte der 1980er-Jahre entsteht so – mit unbeirrbarem Schaffensdrang und oft unabhängig produziert – ein beachtenswertes Werk, in dem er sich selten um Publikumserwartungen sorgt, sondern mehr um die Menschen, die im Zentrum seiner Arbeit stehen. Für Allahyari ist sein Geburtstag deshalb kein Grund zu feiern – nicht aus Angst vor dem Alter, der Jahreszahl oder gar COVID-19, sondern weil der Umtriebige das Gefühl hat, dass ihm bei den vielen Projekten, die er im Kopf hat, allmählich die Zeit davonläuft.

Zwei neue Filme sollen dieses Jahr Premiere haben. „Der eine heißt ,Goli Ja‘ über ein Mädchen, das keines sein darf und den ich in Afghanistan und Iran gedreht habe. Ich hoffe, dass der Film nach mehreren Verschiebungen nun endlich im März oder April Premiere haben kann. Und der zweite ist mein Episodenfilm ,Seven Stories about Love‘, der vielleicht in einem halben Jahr in die Kinos kommen könnte“, so Allahyari zur APA.

Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie betrieb Allahyari eine Ordination, war als Neurotraumatologe und Psychiater im Lorenz-Böhler-Krankenhaus tätig und arbeitete daneben 20 Jahre lang für das Justizministerium in Haftanstalten als Psychiater für Drogenabhängige. Und noch heute hat er seine eigene Wahlarztpraxis in Wien.  Doch während er an verschiedenen Kliniken und vor allem Strafanstalten wirkt, reift in ihm auch der Wunsch, Filme zu machen. Auf für damalige Verhältnisse extrem innovative Weise bringt er beides in einem Therapieansatz zusammen und ruft mit seinen Schützlingen eine Filmgruppe ins Leben.

Geboren in Absurdistan, A 1999. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Fleischwolf, A 1990. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

I Love Vienna, A 1991. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Die verrückte Welt der Ute Bock, A 2010. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit lässt Allahyari bis heute in seine Filme einfließen: Von „Borderline“ bis zu „Der letzte Tanz“ – mit Erni Mangold in der gewagten Rolle einer Alzheimerpatienten, die eine intime Beziehung mit einem jungen Zivildiener beginnt, erzählen sie von zerbrechlichen Außenseitern, die in völlig unvorbereitet mit einem System konfrontiert werden, das sich aus Repressionen und Brutalität speist, und die so buchstäblich durch den „Fleischwolf“ gedreht werden.

Das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen macht Allahyari ebenso regelmäßig zum Thema seiner Werke. Seine schwarze Komödie „I love Vienna“ mit einem jungen Michael Niavarani war 1991 der erfolgreichste österreichische Film und wurde als Kandidat für den Auslandsoscar eingereicht. Auch mit „Höhenangst“ über einen Häftling, gespielt von Fritz Karl, der in einem Dorf ein neues Leben beginnen will, erlangt er internationale Aufmerksamkeit. Heimische Filmprominenz wie Josef Hader und Karl Markovics wirkt daraufhin in der Produktion „Geboren in Absurdistan“  aus dem Jahr 1999 mit, in der eine österreichische und eine türkische Familie in einem Krankenhauszimmer aufeinandertreffen.

Die Aufmerksamkeit einer großen Öffentlichkeit erlangt Allahyari dann mit dem Kinodokumentarfilm „Bock for President“, den er gemeinsam mit seinem Sohn Tom-Dariusch Allahyari dreht und der 2010 mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wird. Der Film begleitet die Flüchtlingshelferin Ute Bock, Allahyaris Ex-Schwägerin, zwei Jahre lang bei ihrer Arbeit und stellt neben ihrem unermüdlichen Engagement für Asylsuchende die Situation von Flüchtlingen in Österreich in den Mittelpunkt.

Mit „Die verrückte Welt der Ute Bock“ und „Ute Bock Superstar“ folgten zwei Fortsetzungen. 2013 entsteht „Robert Tarantino“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=5512, dieser ein „Rebel without a Crew“, der gegen alle Widerstände in Wien einen No-Budget-Trash-Horrorfilm angelehnt an die Arbeiten seiner Vorbilder Robert Rodriguez und Quentin Tarantino drehen will.

Die Liebenden von Balutschistan, A 2017. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Der letzte Tanz, A 2014. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Höhenangst, A 1994. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion / Filmarchiv Austria

Rote Rüben in Teheran, A 2016. Bild: @ Houchang Allahyari Filmproduktion

„Bei allen Unterschieden in der Dramaturgie haben alle Filme mit mir und meiner Umgebung zu tun, behandeln Themen, die ich in der einen oder anderen Art erlebt habe. Ein weiterer Aspekt ist die Menschlichkeit“, sagt Allahyari. „Houchang Allahyari ist bis heute Optimist. Der Gewalt gegen die Schwachen setzt er das unerschütterlich Gute entgegen: Sie sind nicht alleine auf dieser Welt, weil es Menschen gibt, denen ihr Schicksal nicht gleichgültig ist. Wenig überraschend sind diese Menschen häufig Ärzte oder Pfleger – jedenfalls sind ihnen Wesenszüge wie Eitelkeit oder Egoismus fremd“, so Filmarchiv-Austria-Kurator Florian Widegger.

In den jüngst vergangenen Jahren hat Allahyari nach langer Zeit seine erste Heimat wieder besucht und sie auch filmisch auf unterschiedlichste Weise erforscht. So wandte sich der Polystilist mit „Die Liebenden von Balutschistan“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23791) gemeinsam mit seinem Sohn Tom-Dariusch wieder dem Dokumentarfilm zu und zog durch den Nahen Osten. „Rote Rüben in Teheran“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=21727 ) heißt Allahyaris gemeinsam mit Tom-Dariusch entstandener Dokumentarfilm über den Iran, das heißt eigentlich: dessen Menschen, und der für den einen den ersten Besuch nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit, für den anderen die erste Reise ins Familienherkunftsland bedeutete.

Was nicht nur Fragen über „Fremdsein“, zu Identität, Mentalität und deren Unterschieden in neue Zusammenhänge setzt. Irgendwann im Film erzählt Houchang Allahyari eine Anekdote aus seiner Schulzeit. Seine Mitschüler und er hatten nasse Tücher an die Zimmerdecke geworfen, um dem Direktor einzureden, dass es in die Klasse regnet. Der Bluff hat funktioniert, man wurde nach Hause geschickt, aber bog schon an der nächsten Ecke ab, um sich im Kino „Et Dieu… créa la femme“ mit Brigitte Bardot anzusehen. Heute gibt es diese Teheraner Straße der Lichtspielhäuser nicht mehr, nur leere Ruinen …

Den Lockdown hat der Regisseur unter anderem für die Vorbereitung der Online-Werkschau genützt: „Ich hatte Zeit, meine alten Filme zusammenzusuchen und für die Retrospektive im Filmarchiv digitalisieren zu lassen. Ich war zwar daheim, habe aber viel gearbeitet. Und: ich finalisiere gemeinsam mit meiner Tochter ein neues Buch. Mir war also keine Sekunde langweilig.“

Die Filmliste:

5. bis 12. Februar: Der letzte Tanz, Houchang Allahyari, A 2014 / 12 bis 18. Februar: Fleischwolf, Houchang Allahyari, A 1990 / 19. bis 25. Februar: I Love Vienna, Houchang Allahyari, A 1991 / 26. Februar bis 4. März: Höhenangst, Houchang Allahyari, A 1994 / 5. bis 11. März: Geboren in Absurdistan, Houchang Allahyari, A 1999 / 12. bis 18. März: Die verrückte Welt der Ute Bock, Houchang Allahyari, A 2010, und  Die Liebenden von Balutschistan, Houchang Allahyari, Tom-Dariusch Allahyari, A 2017.

www.filmarchiv.at

  1. 2. 2021

Josef Meinrad zum 100. Geburtstag

April 24, 2013 in Ausstellung, Buch, Bühne, Film, Tipps

Burg-Lesung, Ausstellung, Filme und ein Buch

Josef Meinrad Bild: Burgtheater

Josef Meinrad
Bild: Burgtheater

Burgtheater: Anlässlich des 100. Geburtstages von Josef Meinrad erinnern sich Regina Fritsch, Lotte Ledl, Sylvia Lukan und Robert Meyer ihres unvergesslichen Kollegen, Maria Happel liest aus privaten Dokumenten. Termin: 25. 4., 17 Uhr, zweites Pausenfoyer. Josef Meinrad wurde am 21. April 1913 als Sohn eines Straßenbahnführers in Wien geboren. Seine legendäre Schauspielerkarriere schien ihm nicht in die Wiege gelegt: erst 1936 – nach dem Besuch eines Priesterseminars und einer kaufmännischen Lehre – stand er erstmals auf der Bühne des Kabarett „ABC“. 1947 wurde er ans Burgtheater engagiert, wo er bis in die 1980er Jahre mehr als 80 Rollen verkörperte. Unvergessen sind Meinrads Raimund- und Nestroy-Typen, seine Shakespeare-Rollen und sein Don Quijote in „Der Mann von La Mancha“. Große Beliebtheit und Popularität verdankte der Träger des Iffland-Ringes aber auch seinen zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen.

Wienbibliothek im Rathaus zeigt bis 31. Oktober die Ausstellung: „Josef Meinrad – Der ideale Österreicher“. Virtuos interpretierte Meinrad Figuren der österreichischen Literatur, legendär ist seine Darstellung des Weinberl in Nestroys Einen Jux will er sich machen, sein Valentin in Raimunds „Der Verschwender“, sein Liliom. Auch Meinrads Filmschaffen zeugt von seiner darstellerischen Bandbreite: geistlicher Würdenträger, charmant-argloser Filou oder unbestechlich-aufrichtiger Ehren- und Staatsmann. Bis in die 1990er Jahre zählte der Publikumsliebling zu den Fixsternen der österreichischen TV-Produktionen und repräsentierte als Identifikationsfigur der Zweiten Republik das Image des idealen Österreichers. Anlässlich des runden Geburtstages zeigt die Wienbibliothek Rollenbilder, private Fotos, persönliche Dokumente, Korrespondenzen sowie annotierte Regiebücher aus dem 2010 erworbenen Teilnachlass. Highlight der Ausstellung ist der Iffland-Ring, höchste Auszeichnung für deutschsprachige Schauspieler. Meinrad trug ihn von 1959 bis zu seinem Tod 1996 und vermachte ihn an Bruno Ganz, der ihn für die Schau zur Verfügung stellt.

Publikation: Julia Danielczyk (Hg., unter Mitarbeit vin Christian Mertens): Josef Meinrad. Der ideale Österreicher. Mandelbaum Verlag. 250 Seiten.

Filmvorführungen:
Wienbibliothek im Rathaus, Lesesaal
Beginn jeweils 19:00 Uhr, Eintritt frei!
25. April 2013
1. APRIL 2000 / 1952, Regie: Wolfgang Liebeneiner
16. Mai 2013
PEPI COLUMBUS / 1954, Regie: Ernst Haeusserman
13. Juni 2013
RENDEZVOUS IN WIEN / 1959, Regie: Helmut Weiss
12. September 2013
THE CARDINAL / 1963, Regie: Otto Preminger
10. Oktober 2013
WEG IN DIE VERGANGENHEIT / 1954, Regie: Karl Hartl

Diese Filmreihe ist eine Kooperation mit dem Filmarchiv Austria.

www.burgtheater.at

www.wienbibliothek.at

www.mandelbaum.at

www.filmarchiv.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 24. 4. 2013