imagetanz 2021: Emotional Support Festival

März 2, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Aussie-Online-Premiere und Interaktiv-Stream aus Berlin

imagetanz 2021. Bild: © Bubi Canal

Mit internationalen Gastspielen, Tanzpremieren von jungen Künstlerinnen und Künstlern aus Wien und Österreich, Probenbesuchen, Workshops und Diskussionsrunden ist das imagetanz Festival im März immer ein Highlight im brut-Programm. Und auch wenn die Planung derzeit aus bekannten Gründen sehr erschwert ist: imagetanz 2021 findet statt. Ein bisschen verändert in Form und Länge, aber unbeeinflusst experimentell, jung, neu, international und aufregend.

„Emotional Support Festival“ wird diese Ausgabe genannt, weil imagetanz und brut wissen, wie schwer die Zeiten gerade sind. Für viele, überall auf der Welt. Deshalb ist Tanz da, deshalb macht man weiter –  improvisiert, digital, in hybriden Formen, ein Einlassen auf die Gegenwart, um sie mitzugestalten und sie nicht nur sich selbst zu überlassen.

Auf dem Programm stehen zwei internationale Gastspiele, die speziell für den digitalen Raum konzipiert wurden. In „Body of Knowledge – At Home“ der australischen Künstlerin Samara Hersch sind die Zuschauerinnen und Zuschauer live mit Teenagern aus Australien verbunden, es entsteht eine Performance über die großen und kleinen Fragen des Lebens und der Zukunft. Wie viel Nähe ist möglich zwischen Menschen, die sich nicht kennen und getrennt sind durch Kontinente, Kulturen und Generationen? Und wie funktioniert Theater ohne die Anwesenheit von Körpern? Onlinepremiere via Zoom & Mobiltelefon, Fr., 12. März (22 Uhr)

Mit Henrike Iglesias streamt imagetanz live aus den Sophiensaelen Berlin. In der fulminanten interaktiven Wettbewerbsshow „Under Pressure“ widmet sich das Kollektiv dem in der turbokapitalistischen Gesellschaft omnipräsenten Leistungsdruck. Die Performerinnen und Performer treten gegeneinander an und das Publikum entscheidet im Remote-Zugriff von zu Hause aus, wer „The Best“ Henrike ist. Interaktiver Livestream auf brut-wien.at, Mi., 24. / Do., 25. / Fr., 26. März, 20 Uhr.

imagetanz 2021. Bild: © Bubi Canal

F. Malzacher. Bild: © Wolfgang Silveri

imagetanz 2021. Bild: © Bubi Canal

Weitere Projekte werden von den imagetanz-Künstlerinnen und -künstlern für den digitalen Raum adaptiert und im März als Filmpremieren mit Artist Talk präsentiert. Jaskaran Anand stellt die Dualität der menschlichen Körper und Psyche in Frage und zeigt die Grenzen unseres Denkens in Gegensätzen und Stereotypen auf – Online-Filmpremiere und Artist Talk auf brut-wien.at, Di., 23. März, 19 Uhr. Julia Müllner thematisiert den Prozess der Fermentation und lädt zu einer blubbernden, kollektiven Verabredung mit Mikroorganismen – Online-Filmpremiere und Artist Talk auf brut-wien.at, So., 21. März, 18 Uhr.

Johanna Nielson, Agnes Schneidewind & Marina Poleukhina tauchen in lustvolle Welten des Tarot ein und schaffen mit verschiedenen Objekten eine Atmosphäre der Entspannung und sinnlichen Erfahrung – Online-Filmpremiere und Artist Talk auf brut-wien.at, So., 28. März, 18 Uhr. Malika Fankha entführt in eine Welt der Elfen, Trolle und anderer Hybride und veröffentlicht im Rahmen von imagetanz das erste einer Reihe von Musikvideos, die im Frühjahr fortgesetzt wird – Musikvideopremiere auf brut-wien.at, Mi., 17. März, 11 Uhr.

Im Rahmen der Reihe „Handle with care“ gibt es bei imagetanz ab 6. März wieder einen Querschnitt durch Wiens junge Performanceszene zu sehen: Laura Stoll, PUC collective, Susanne Songi Griem, Sara-Lisa Bals, Klemens Hegen, Frida Robles und maria mercedes laden zu Online-Studiobesuchen ein und gewähren Einblick in den Entstehungsprozess ihrer neuen Projekte. Sööt/Zeyringer bieten einen Online-Workshop an, via Zoom, Fr., 19. März, 14 bis 18 Uhr, am 20. März, 19 Uhr, wird die Reihe „The Art of Assembly“ von und mit Florian Malzacher zum Thema politisches Theater digital fortgesetzt, diesmal mit den Gästen Jodi Dean (Politikwissenschaftlerin, New York) und Jonas Staal (Künstler, Athen/Rotterdam). Begleitend entsteht die Website art-of-assembly.net, die alle Gespräche archiviert.
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Geprobt wird im März durchgehend in der neuen Spielstätte brut nordwest. Die geplanten Projekte von Potpourri (Farah Deen & Olivia Mitterhuemer) und n ï m company / Naïma Mazic werden vorbereitet, die Live-Premieren werden zu einem späteren Zeitpunkt in der Spielzeit 2021/22 stattfinden, ebenso ein Gastspiel der Künstlerinnen Carolin Jüngst & Lisa Rykena.

2. 3. 2021

ARTE: Lucarne Spätvorstellung / Online-Kinofestival

Dezember 4, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Punks, blinde Passagierinnen und ein Broken Land

Eine deutsche Jugend. © ARTE

Der ARTE-Sendeplatz „Lucarne – Die Spätvorstellung“ bietet montags gegen Mitternacht Filme „outside the box“: Originelle, oft widerspenstige Werke, die neue Wege gehen; ausgefallene, kreative Dokumentarfilme mit ganz eigenen filmischen Handschriften. Alle denkbaren, dokumentarischen Ausdrucksformen sind hier erlaubt, auch experimentelle

oder fiktionalisierte Umsetzungen. Die „Lucarne“ ist einer der letzten Orte großer künstlerischer Freiheit. Ab dem 7. Dezember präsentiert ARTE nun drei lange Nächte mit einer besonderen Auswahl an Filmen zur Thematik „No Limits“, im Sinne von „No rules“, oder wie man seine eigenen Regeln aufstellt. Wenn die Gesellschaft zu viele Zwänge auferlegt, brechen Individuen aus. In ihren Träumen und Vorstellungen, in regelbrechenden Aktionen, bis hin zum Widerstand.

Drei Erstausstrahlungen sind die Highlights dieser Nächte: In „Headshot – Russisch Roulette“ am 7. Dezember von Lola Quivoron und Antonia Buresi befreit sich eine desillusionierte Jugend von ihrem Frust durch improvisiertes Theater und Tanz. Die schwererziehbaren „Punks“, 14. Dezember; Regie: Maasja Ooms, sind noch einmal dem Gefängnis entkommen, und in einer speziellen Wohngruppe versucht man sie auf den richtigen Weg zu bringen. Die drei jungen Frauen aus „This Train I Ride“, 21. Dezember, von Arno Bitschy reisen als blinde Passagierinnen durch die USA. Sechs Lucarne-Klassiker, darunter „Eine deutsche Jugend“ von Jean-Gabriel Périot und „Der Kapitalismus des Traums“ von Sophie Bruneau, beide am 15. Dezember, sind ebenfalls Teil des Programms.

This Train I Ride. © ARTE

Headshot – Russisch Roulette. © ARTE

Tipp 1: Mauern gegen Migration: Dieses Konzept findet nicht nur in Europa Anwendung, sondern auch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Mitten durch die karge Wüste führt der Grenzzaun, der die beiden Staaten trennt. Hier lebt eine kleine US-Community im Schatten des Zauns, der den sogenannten illegalen Einwanderern den Zutritt zu ihrem Land verwehren soll. „Broken Land“ von Stéphanie Barbey und  Luc Peter ist eine Doku über Paranoia, Angst und Eingesperrtsein. Als visuelle und politische Metapher zeigt er, wie sich Migration auf die Entwicklung der Demokratien der westlichen Welt auswirkt. Zu sehen am 8. Dezember.

Tipp 2: Der Dschungel von Calais – die provisorische Zeltstadt in der Nähe dieser französischen Stadt ist der Drehort der beiden Filmemacher Nicolas Klotz und Elisabeth Perceval. Ihr Film „Wohin, Flüchtling?“ zeigt die Räumung des Flüchtlingslagers an der französisch-englischen Grenze und erzählt insbesondere die Lebensgeschichten und Leidenswege der jungen Bewohner des Dschungels. Ohne jeglichen Kommentar dokumentieren die Aufnahmen das notdürftige Dasein der Geflüchteten auf der ehemaligen Mülldeponie nahe Calais zwischen Ärmelkanal, Autobahn und menschenleeren Stränden. Zu sehen am 22. Dezember.

Alle Filme stehen nach der TV-Ausstrahlung mindestens sechs Monate in der ARTE Mediathek zur Verfügung. Eine Reihe weiterer Filme sind darüber hinaus exklusiv online abrufbar. Mehr unter: arte.tv/lucarne.

Wohin, Flüchtling? © ARTE

Broken Land. © ARTE

ARTEKino Festival online

Bereit zum Streamen ist das europäisches Online-Filmfestival: artekinofestival.com. In seiner fünften Ausgabe präsentiert das „ARTEKino Festival“ erneut eine Auswahl von zehn europäischen Filmen junger Regisseurinnen und Regisseuren, die in zehn Sprachen in 45 europäischen Ländern kostenfrei online abgerufen werden können. Die Langfilme erzählen von zehn Ländern, zehn Kulturen in  zehn Sprachen und sind Ausdruck der Vielfalt eines vereinten und gleichzeitig facettenreichen Europas. Fiktionale und auch dokumentarische Filme von mehrheitlich Regisseurinnen, stehen für den Dialog und die Begegnung und den grenzüberschreitenden Perspektivwechsel.

Zu sehen sind: „Cat In The Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich; „Full Contact“ von David Verbeek Kroatien, Niederlande; „Ivana The Terrible“ von Ivana Mladenovic Serbien, Rumänien, „Lessons Of Love“ von Chiara Campara, Italien; „Love Me Tender“ von Klaudia Reynicke, Schweiz, „Motherland“ von Tomas Vengris Litauen, Lettland, Deutschland, Griechenland; „Negative Numbers“ von Uta Beria Georgien, Frankreich, Italien; „Sébastien Tellier: Many Lifes“ von François Valenza,Frankreich, „Son Of Sofia“ von Elina Psykou Griechenland, Frankreich, Bulgarien und „Zentralflughafen THF“ von Karim Aïnouz Deutschland, Frankreich, Brasilien.

arte.tv/lucarne           artekinofestival.com

4. 12. 2020

Die 2020-Online-Edition von „this human world“- International Human Rights Film Festival

November 30, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Queen’s Gambit-Doku, Phil Collins & Sundance-Sieger

Sunless Shadow. © this human world

#Corona-bedingt findet die 13. Ausgabe von „this human world“- International Human Rights Film Festival ab Donnerstag, 3. Dezember, online statt. Bis 13. Dezember wird ein Großteil des ursprünglich fixierten Programmes anstatt in vier Wiener Kinos und diversen Side Locations über den Festivalhub auf www.thishumanworld.com ins Wohnzimmer gestreamt werden können.

Vier bis fünf der 50 ausgewählten Filme werden täglich ab 18 Uhr und für 48 Stunden als Video on Demand abrufbar sein. Und auch in Zeiten der physischen Distanz wird das Publikum nach dem Abspann nicht alleine gelassen: zumindest virtuell werden Q&A’s, Director Statements und Live-Diskussionen angeboten, um trotzdem ein Ort für Austausch, Engagement und solidarische Vernetzung zu sein. Schwerpunkte der Online-Festival-Edition sind „The Queens‘s Gambit“, unter dem Titel „female* working realitis“ weibliche Arbeitsrealitäten, ein ungeschönter Einblick in die US-Gefängnisindustrie und eine iranische Jugendstrafanstalt als sicherer Ort für junge Mädchen in „Sunless Shadows“, Pressefreiheit und die Suche nach neuen Formen von Intimität.

„be_longing“ folgt Kindern und jungen Erwachsenen auf ihrem Weg durch eine brüchige Welt und „habitat“ beleuchtet die globale Schieflage rund um die Grundlagen von Lebensräumen. Auch in diesem besonderen Jahr werden in fünf Kategorien Preise an herausragende Filme und außerordentliche Beiträge für die Stärkung von Menschenrechten vergeben – die Preisverleihung findet am 13. Dezember ebenfalls online statt.

Die Programmhighlights:

„Glory To The Queen“ liefert Schachgenie Beth Harmon aus dem derzeitigen Serien‐Liebling „The Queen’s Gambit“ sozusagen in real und hoch vier: die beiden Filmemacherinnen Tatia Skhirtladze und Anna Khazaradze bringen nach 20 Jahren vier legendäre georgische Schachspielerinnen wieder zusammen, die damals zu weiblichen Ikonen der Sowjetzeit wurden und Schachspiel‐Wettbewerbe revolutionierten – eine Kampfansage, nicht nur am Schachbrett, sondern vor allem für die Frauenemanzipation.

In der Reihe „collective actionist“ ist unter anderem „Bring Down The Walls“ von Phil Collins zu sehen, der einen kritischen, ungeschönten Blick auf die amerikanische Gefängnisindustrie und ihre mittlerweile mehr als zwei Millionen Insassen wirft. „A New Beginning“ von Ala’A Mohsen porträtiert berührend und respektvoll den alleinerziehenden Vater Rabeaa und seinen vierjährigen Sohn Kais, die nach ihrer Flucht aus Syrien auf der Suche nach einem neuen Zuhause in Norwegen angekommen sind.

Gemeinsam mit dem International Press Instititute wird der Film „We Hold The Line“ von Marc Wiese präsentiert, der die Journalistin Maria Ressa im Kampf für Pressefreiheit und Gerechtigkeit und gegen das korrupte und gewalttätige System des philippinischen Präsidenten Duterte begleitet. Was passiert, wenn man aus einem ländlichen, von landwirtschaftlicher Arbeit geprägtem Umfeld in eine Millionenstadt zwangsübersiedelt  wird, legt der Langzeitdokumentarfilm „A New Era“ von Boris Svartzman eindrucksvoll dar, der in der vom neuen Festivalpartner Klima‐ und Energiefonds präsentierten Reihe „habitat“zu sehen sein wird.

In „No Gold For Kalsaka“ von Michael K. Zongo wird eindringlich verdeutlicht, welche Schäden der Bergbau für die vor Ort lebenden Menschen anrichtet und wie schnell die versprochene goldene Zukunft ihr wahrhaft hässliches Gesicht zeigt. Übrig bleibt kein Reichtum, sondern ein verseuchtes Land und weniger Lebensgrundlage als zuvor, doch eine ausgebeutete Gemeinschaft in Burkina Faso nimmt den Kampf für Gerechtigkeit auf.

In My Blood It Runs. © this human world

Sommerkrieg. © this human world

No Gold For Kalsaka. © this human world

Glory To The Queen. © this human world

Die völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten von Kindern auf verschiedenen Kontinenten beleuchten zwei herausragende Dokumentarfilme: Moritz Schulz begleitet in „Sommerkrieg“ die 12-jährigen Kinder Jasmin und Jastrib ins Azovez-Ferienlager, ein paramilitärisches Ausbildungscamp, geführt vom rechtsextremen Bataillon Asow, das die Kinder mit unfassbarem Drill, Manipulation und Kadavergehorsam zu ukrainischen Patrioten erziehen soll. Das große Ziel: lernen, wie man eine Kalaschnikow bedient. Die Kinder müssen trotz anfänglicher Begeisterung feststellen: wer nicht gehorcht, wird bestraft. Am Ende dieses erschütternden Dokumentarfilms stehen verängstigte, desillusionierte junge Menschen, denen die einfachen Freuden eines unbeschwerten Sommers verwehrt bleiben.

Eine dem völlig entgegengesetzte Familienkonstellation hingegen kann bei „In My Blood It Runs“ von Maya Newell beobachtet werden: der aufgeweckte 10-jährige Dujuan wächst im australischen Alice Springs bei seiner liebevollen Familie auf, spricht drei Sprachen, weiß alles über die traditionelle Medizin und Geschichte seiner Vorfahren und kämpft gleichzeitig mit dem staatlichen Schulsystem, in welchem nur die geschichtliche Perspektive der weißen Bevölkerung vermittelt wird, aber sein anderer, vermeintlich von der Norm abweichender Zugang zur Welt keine Wertigkeit erfährt. Ein kraftvoll-poetisches und essentielles Portrait über die australische Jugend mit indigenen Wurzeln.

„Sunless Shadows“ von Mehrdad Oskouei nimmt einen mit in eine iranische Jugendstrafanstalt für Mädchen. Allesamt befanden sie sich in ausweglosen Situationen inmitten ihrer Familien – Situationen, die mit einem Mord am Vater, Ehemann oder einem anderen männlichen Familienmitglied endeten. Teilweise sind auch die Mütter der Mädchen inhaftiert, in einem anderen Gefängnis sitzen sie im Todestrakt – durch die Kamera erhalten sie die Möglichkeit, sich gegenseitig Nachrichten zukommen zu lassen. Oft sind die Mädchen sprachlos, denn obwohl es so viel zu sagen gäbe, überwiegt die von Geburt an antrainierte Scham. Doch langsam öffnen sie sich, beginnen, zu erzählen, denn das Gefängnis mit seiner geschlossenen und rein weiblichen Umgebung ist auch ein sicherer Zufluchtsort vor einer aggressiven und von Männern dominierten Gesellschaft.

The Earth Is Blue As An Orange. © this human world

Die Eröffnung:

Findet am 3. Dezember um 20 Uhr online mit der Österreich-Premiere von „The Earth Is Blue As An Orange“ samt virtueller Begrüßung durch die Festivalleitung Michael Schmied und Lisa Heuschober statt, im Anschluss an den Film gibt es noch ein Q&A mit der Regisseurin. Die ukrainische Filmemacherin Iryna Tsilyk hat für den Sundance‐Gewinner ein Jahr lang eine Familie begleitet, die inmitten der surrealen Umgebung der Kriegszone Donbass lebt.

Zwischen patrouillierenden Soldaten, explodierenden Granaten und Schüssen. In diesem Wahnsinn einen normalen Alltag zu finden, wenn gleichzeitig der Krieg tobt, das versuchen Hanna und ihre vier Kinder. Um gemeinsam der Gegenwart zu entfliehen, aber auch, um sie verstehen zu können, beginnen sie einen Film zu drehen- bauen das Wohnzimmer zum Studio um und diskutieren die zudrehenden Szenen am Küchentisch. In all der Hoffnungslosigkeit, der diese Familie ausgesetzt ist, wird das Filmemachen zum einzigen Halt. „The Earth Is Blue As An Orange“ ist eine gefühlvolle und genau Momentaufnahme rund um den berührenden Versuch, sich in einem der gefährlichsten Gebiete der Ukraine ein bisschen Glück zu bewahren und an Träumen festzuhalten.

Einzelticket: 3.90 €, Festivalpass – gültig für alle Filme: 25 €.

www.thishumanworld.com

  1. 11. 2020

Globales Online-Filmfestival „We Are One“ startet im Mai

April 28, 2020 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Sarajevo bis Sundance, von Tokio bis Tribeca

Bild: courtesy of the Tribeca Film Festival

South by Southwest abgesagt, Tribeca abgesagt, und Cannes, Locarno, Toronto, Venedig auf der Kippe. Der #Corona-Lockdown hat auch die großen Filmfestivals dieser Welt ausgeknockt, doch statt die Red Carpets für 2020 endgültig einzurollen, haben sich die Festivalmacher an den Runden Tisch gesetzt – mit dem Ergebnis, dass nun von 29. Mai bis 7. Juni das „We Are One: A Global Film Festival“ stattfinden wird.

Robert De Niros Tribeca-Festival, schon mit der grandioser Aktion „A Short Film a Day Keep Anxiety Away“ (tribecafilm.com/news/tag/a-short-film-a-day-keeps-anxiety-away) um keine Idee fürs #stayathome verlegen, verkündete die frohe Botschaft kürzlich. Mit dabei sind illustre Partner wie eben die Filmfestspiele von Cannes, Venedig, Locarno und Toronto, die Berlinale, das Sundance -, das Sarajevo -, das Sidney Film Festival, das Tokio und das Karlovy Vary International Film Festival, das FICG Guadalajara oder das Festival d’Annecy – dieses speziell für Animationsfilme.

Auf dem Programm stehen Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentationen und virtuelle Diskussionsrunden mit Filmschaffenden. Auf YouTube.com/WeAreOne wollen die Veranstalter kostenlos einen Mix aus alten und neuen Filmen präsentieren. Spenden an lokale Hilfsorganisationen und die WHO sind allerdings ausdrücklich erwünscht und können während des Streamens getätigt werden.

Bild: © 2008 Sundance Institute | Jill Oreschel

Bild: Alberto Pizzoli/AFP

Bild: © 2016 TIFF

Bild: Berlinale

„Wir sprechen oft über die Kraft von Filmen, die Menschen über Grenzen und Unterschiede hinweg inspirieren, vereinen und so zur Heilung der Welt beitragen. Die ganze Welt braucht gerade jetzt Heilung. „We Are One: A Global Film Festival“ vereint Kuratoren, Künstler und Geschichtenerzähler. Gemeinsam wollen wir das Publikum unterhalten», so Jane Rosenthal, Mitbegründerin des Tribeca-Filmfestivals.

Welche Filme gezeigt werden, will man kurz vor Festivalstart bekanntgeben, zurzeit nämlich tüfteln die Kuratoren der teilnehmenden Festspiele noch an der Auswahl. Details folgen auf mottingers-meinung.at

www.youtube.com/WeAreOne

Trailer der „We Are One“-Partnerfestivals: www.youtube.com/playlist?list=PLA_atH–hPG6Sy8P36vTPTvaTVRXcrtTt

28. 4. 2020

KlezMore Festival Vienna: Drei Tipps aus dem Programm

November 4, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Sogar Esther Bejarano kommt nach Wien

Afenginn. Bild: Soeren Solkaer

Afenginn. Bild: Soeren Solkaer

Am 5. November startet die diesjährige Ausgabe des KlezMore Festival Vienna. Im Zentrum stehen diesmal Konzerte, die eine breite Bestandsaufnahme lokaler und globaler Auslegungen des Genres und der Musikkultur des Klezmer erlauben, mit Platz für Traditionspflege ebenso wie für Innovation. Denn wie stets spannt KlezMore-Mastermind Friedl Preisl einen packenden programmatischen Bogen durch die Szene.

Drei Programmtipps:

Afenginn. 9. November, Reigen. Die 2002 gegründete dänische Band kommt  mit einem ganz speziellen Album im Gepäck nach Wien: „Opus“. Schon mit „Lux“ im Jahr 2013, wandten sich Afenginn um Bandleader Kim Nyberg von ihrem angestammten Sound ab, dem international gefeierten „Bastard Etno“. Nyberg konzipierte „Opus“, mit vielen Gastmusikern eingespielt, wie eine klassische Sinfonie – vier Sätze, jeweils zwanzig Minuten lang, verbunden durch wiederkehrende Motive und Rhythmen. Anspruchsvoll und mitreißend bewegt „Opus“ mit leisen Tönen ebenso wie mit seinen wilden, überbordenden oder hymnischen Momenten. www.afenginn.dk

Sasha Lurje & Daniel Kahn. 16. November, Kirche am Gaussplatz. Als ausgewiesene Spezialisten für Sehnsucht und deren musikalische Manifestationen haben diese beiden umtriebigen Künstler ein eigenes Programm zusammengestellt. Schöne, böse Lieder, voller Liebeskummer, Wollust, Mord und Angrenzendem, zum Totlachen, in Deutsch, Englisch, Jiddisch, Ukrainisch und Russisch. Von Nick Cave-Klassikern bis hin zu russischen Balladen. sashalurje.wixsite.com/sasha

Sasha Lurje & Daniel Kahn. Bild: Sanguisugus

Sasha Lurje & Daniel Kahn. Bild: Sanguisugus

Nikitov. Bild: Dordrecht

Nikitov. Bild: Dordrecht

Nikitov. 17. November, Sargfarik. Als „chilliger Jiddpop“ wurde der Sound von Nikitov um Sängerin Niki Jacobs beschrieben, was der vergnüglichen Klang-Kunst des Quintetts durchaus gerecht wird. Nikitov können Traditionelles, „Tumbalalaika“ oder „Bay mir bistu sheyn“, ebenso wie pfiffig-poppige Eigenkompositionen. Eine Köstlichkeit sind Nikitovs Übertragungen von Klassikern, „Stairway to Heaven“ wird zu „A Fisbank im Himl“ oder „Ain´t no Sunshine“ zu „Nit keejn zoensjain“. www.nikitov.com

Das Festival-Highlight:

Esther Bejarano & Microphone Mafia. Bild: Kutlu Yurtseven

Esther Bejarano & Microphone Mafia. Bild: Kutlu Yurtseven

Wird die Gala am 19. November im HdB Rudolfsheim mit Esther Bejarano & Mircophone Mafia. Mit diesem Abend meldet sich Esther Bejarano, 91-jährige Auschwitz-Überlebende – sie spielte im dortigen „Mädchenorchester“ – nachdrücklich zu Wort. Zum Auftakt liest sie, anmoderiert von Christian Schüller, aus ihren Über/Lebens-Erinnerungen. Danach tritt sie mit ihrem Sohn Joram und der aus Köln stammenden Rap-Truppe Microphone Mafia auf. 2009 veröffentlichte die Familie Bejarano gemeinsam mit den HipHoppern das Album „Per La Vita“, 2013 folgte „La Vita Continua“, eindrucksvolle musikalische Manifestationen davon, wie wichtig es ist, der Unmenschlichkeit in all ihren Formen Widerstand zu leisten, nicht zuletzt durch das Bewahren von Lebensfreude und Optimismus. „Es ist Zeit für einen Aufschrei von uns allen, einen unüberhörbaren, lauten Aufschrei, der bis in den letzten Winkel unseres Landes und der ganzen Welt widerhallt. Der Satz ,Wehret den Anfängen!‘ ist längst überholt! Wir sind mittendrin!“ www.microphone-mafia.com

klezmore-vienna.at

Wien, 4. 11. 2016