Kammerspiele: Pauline Knof im Gespräch

November 18, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

In „Terror“ ist sie die Kampfpilotin

Pauline Knof (zweite von links) mit Gioia Osthoff, Martina Stilp-Scheifinger, Julia Stemberger, Susa Meyer, Alexandra Krismer und Silvia Meisterle. Bild: Jan Frankl/Background: Crown Copyright/www.defenceimagery.mod.uk

Am 23. November hat an den Kammerspielen der Josefstadt „Terror“ Premiere. Ferdinand von Schirachs Erfolgsstück behandelt ein moralisches Dilemma in erschreckend aktueller Form: Ein Terrorist entführt ein Flugzeug mit 164 Menschen an Bord. Sein Ziel ist ein mit 70.000 Menschen vollbesetztes Fußballstadion. Kampfpilotin Lara Koch trifft entgegen ihrer Befehle eine Entscheidung: Sie schießt das Flugzeug ab und wählt somit „das kleinere Übel“. Das bringt sie vor Gericht. Einem, bei dem das Publikum als Schöffen allabendlich entscheidet, ob sie falsch oder richtig gehandelt hat. Pauline Knof spielt die Kampfpilotin. Ein Gespräch:

MM: In den Kammerspielen wird „Terror“ ausschließlich von Frauen gespielt. Wie hat Regisseur Julian Pölsler Ihnen diese Entscheidung erklärt?

Pauline Knof: Im deutschsprachigen Raum wurde das Stück noch nie in einer anderen als der Original-Besetzung gespielt. Die erste Idee war, nur aus dem Kampfpiloten eine Frau zu machen, aber dann im Laufe der Vorbereitungen, kam Julian darauf, alles mit Frauen zu besetzen, um zu schauen, was dann mit dem Stück passiert, und ob sich die Wahrnehmung verändert.

MM: Julian Pölsler macht zum ersten Mal eine Theaterregie …

Knof: … und das sehr gut. Er ist vorbereitet, er weiß genau, was er will. Er ist lieb mit uns und legt großen Wert darauf, dass wir in der inhaltlichen Auseinandersetzung gemeinsam zu Entscheidungen kommen, er ist sehr darauf bedacht, unsere Meinung zu hören. Interessant für uns als Ensemble ist, dass Julian von Hause aus Filmregisseur ist und damit natürlich einen neuen Blickwinkel einbringt.

MM: Wie geht es Ihnen als Frau mit einer Rolle, die für Männer geschrieben worden ist?

Knof: Ich denke inzwischen nicht mehr darüber nach, dass es keine Frauenrolle ist. Ich wüsste auch gar nicht wie mir das helfen soll.  Ich habe die Verfilmung mit Florian David Fitz als Kampfpiloten gesehen, da wusste ich noch nicht, dass ich die Rolle spielen werde, und als ich es wusste, habe ich mir eine Aufführung in Frankfurt am Main angeschaut. Als ich den Text schlussendlich in der Hand hatte, dachte ich, dass das so aggressiv klingt, wenn ich das laut spreche, was mir nie aufgefallen ist, als die Männer gespielt haben. Ich glaube, Frauen formulieren mehr im Konjunktiv, weicher und verbindlicher. Frauen, auch wenn wir miteinander reden, wollen gemocht werden vom Gegenüber, suchen den Konsens. Ich selber, wenn ich um etwas bitte, mache sprachlich noch drei Schleifen drumherum. Männer reden so einfach nicht, die sprechen geradeaus und klar. Ausnahmen bestätigen die Regel natürlich, aber ich bin schon gespannt, wie das Publikum darauf reagieren wird.

MM: Wie haben Sie Text und Figur nun für sich erarbeitet?

Knof: Da ich mich weder mit Militär noch mit Gerichtsverhandlungen auskannte, bin ich in die Recherche gegangen. Ich habe also endlos gelesen und mir Dokumentationen angeschaut über die  Kampfpilotenausbildung, den Eurofighter und alle technischen Begriffe, die im Stück fallen. Den Piloten scheint es in erster Linie ums Fliegen zu gehen, und die zivile Luftfahrt reicht nicht aus um diese Adrenalinsucht zu befriedigen. Allein im Eurofighter zu sitzen, diese Wahnsinnsmaschine zu beherrschen, diese Manöver zu fliegen, das scheint das Größte für sie zu sein. Ich habe den Eindruck bekommen, dass der Kampfeinsatz als notwendiges Übel gesehen wird, um auf diesem Niveau fliegen zu können.

MM: Die Ausbildung gehört ja zu den härtesten der Welt, nur einer von 10.000 Bewerbern wird am Ende den Eurofighter fliegen, heißt es im Stück.

Knof: Das ist Hochleistungssport, so eine Maschine zu fliegen, die sind mit Mitte Dreißig, Anfang Vierzig durch. Im Cockpit wirken G-Kräfte, das heißt das Vielfache des eigenen Körpergewichts, eine extreme Belastung vor allem für die Wirbelsäule. In Deutschland gibt es zwei Frauen, die Kampfpilotinnen sind, eine von ihnen, Nicola Baumann, wurde gerade bei der NASA aufgenommen und wird hoffentlich die erste deutsche Frau im All.

MM: Diese Lara Koch, die Sie gestalten werden, wie ist die? Beim Lesen des Textes nicht unbedingt sympathisch, die spricht Sätze, da dreht sich einem der Magen um …

Knof: Ich muss die Figur verteidigen. Ich darf nicht den Hauch eines Zweifels haben, dass ich das Richtige getan habe, wenn ich in diese Gerichtsverhandlungen gehe. Ich habe eine rationale, keine emotionale Entscheidung in der Luft getroffen.  Für mich stellt sich die Frage der Sympathie also nicht. Ich muss als Figur der Lara Koch inhaltlich überzeugen, eine bestimmte Geisteshaltung aufzeigen. Ich möchte in der Aufführung nicht damit punkten, dass ich eine Frau bin, oder dass Lara Mutter eines Sohnes ist. So möchte ich nicht gewinnen.

MM: Es geht Ihnen ums Gewinnen?

Knof: Als Pilotin auf jeden Fall. Als Schauspielerin nicht. Im Stück geht es um das Ausloten des kleineren Übels. Ein Zivilflugzeug wird entführt, die Eurofighter steigen auf, um das Flugzeug zu begleiten und zur Landung zu zwingen. Doch der Terrorist lässt sich nicht abdrängen und gibt sein Vorhaben nicht auf, die Maschine in ein vollbesetztes Stadion zu lenken. Die Kampfpiloten kommen in eine Lose-Lose-Situation. In dem Moment ist Lara Kochs Schicksal schon entschieden, denn wenn sie schießt, tötet sie Zivilisten, und wenn sie die Maschine ins Stadion krachen lässt, auch. Dazu kommt, dass, sobald sie schießt und gegen den Befehl der Vorgesetzten verstößt, ihre Karriere vorbei ist, sie wird wahrscheinlich nie wieder auch nur eine Zivilmaschine fliegen dürfen.

MM: Ist sie so rational in dem Moment, in dem sie abdrückt, dass ihr das durch den Kopf geht?

Knof: Ja. Dazu gibt es Anhaltspunkte im Verlauf des Abends, über die ich noch nichts verraten will. Der Text ist ja relativ emotionslos, bis auf eine Reaktion von Lara, die die Staatsanwältin aus ihr herausholt. Das Problem ist, dass der Krieg zu uns kommt, dass wir nicht mehr nur nach Afghanistan fahren und dort, weit weg, einen Krieg führen. Sondern wir kommen in unserem eigenen, vermeintlich friedlichen Land in die Situation, solche Entscheidungen treffen zu müssen. Daher finde ich, dass der Titel „Terror“ in zwei Richtungen geht, denn es ist nicht nur der Terror der Terroristen, sondern auch der Terror, den wir unserer eigenen Bevölkerung eventuell antun müssen. Wie kann der Staat seine Zivilisten schützen, müssen die Gesetze sich ändern, weil sich die Art der Kriegsführung geändert hat? Was wird aus unserer Freiheit, wie kann man sie schützen, wieviel ist sie uns wert? Das sind auch die Fragen des Abends.

MM: Das Publikum fungiert gleichsam als Schöffen und fällt am Schluss das Urteil. „Terror“ ist kein typisches Kammerspiele-Stück. Fiel die Entscheidung fürs Haus, weil der Raum intimer ist, und man Abstimmungen besser vornehmen kann?

Knof: Das weiß ich tatsächlich nicht. Ich nehme es an. Eine Durchmischung ist sicher nicht schlecht, so dass man nicht oben im 8. Bezirk nur die ernsten Stücke und unten im 1.  ausschließlich die Komödien spielt. Wir haben ja auch eine klassische Komödie „Wie man Hasen jagt“ im großen Haus und das läuft sehr gut. Außerdem glaube ich, auch wenn wir in „Terror“ ein ernstes Thema ansprechen, dass der Abend unterhaltsam wird. Unsere Aufgabe ist es, die Aufführung so spannend zu machen, dass die Leute an der Stuhlkante sitzen und der Entscheidung, die sie selbst treffen müssen, entgegenfiebern. In Frankfurt musste ich selber im Publikum entscheiden, ob schuldig oder unschuldig und das macht schon was mit einem.

MM: So gut wie Sie spielen, wird die Entscheidung ausfallen.

Knof: Ich glaube fest daran, dass beide Sichtweisen auf die Problematik gute Argumente liefern. Persönlich finde ich unbedingt, dass die Verfassung geschützt werden muss. Es hat zwei Weltkriege und Millionen von Opfern erfordert, dass wir heute diese Verfassungen haben und die gilt es 100-prozentig zu verteidigen. Die Würde des Menschen wird ständig angetastet, aber die Unantastbarkeit steht am Anfang unserer Verfassung, das ist der Leitsatz, das Ideal, das wir uns als Gesellschaft gegeben haben. Mord ist Mord – egal, ob an 164 oder an 10.000 Menschen. Was im Stück allerdings gar nicht diskutiert wird, ist das Strafmaß im Falle einer Verurteilung.

MM: Stimmt. Es geht nur eine ultimative Entscheidung, um Ja oder Nein.

Knof: … und so funktioniert unser Rechtssystem nicht. Beweggründe zur Tat werden in den Schuldspruch einbezogen. Bei so einem Fall würden auch nicht Schöffen, sondern Richter entscheiden, es ginge ja auch um einen Präzedenzfall. Das Urteil hätte in der Realität eine enorme Reichweite und Bedeutung. Die „Höchststrafe“ für mich auf der Bühne ist nur, dass man mich die ganze Zeit sitzen lässt, mein Körper hält dieses Nicht-Bewegen fast nicht aus. Mein Spieltrieb ist völlig ausgebremst. Aber es ist eine interessante Erfahrung, viel darstellen zu wollen mit minimaler Gestik. Die Uniform unterstützt mich darin natürlich sehr.

MM: In der Fiktion, welche Entscheidung wünschen Sie sich, welche Diskussion möchten Sie auslösen?

Knof: Es gibt eine interaktive Weltkarte (terror.theater/), auf der man nachschauen kann, wo in der Welt wie abgestimmt wurde in den verschiedenen Inszenierungen. Da ist auffällig, dass es im deutschsprachigen Raum meistens sehr deutlich Freispruch ist, in den asiatischen Ländern ist meistens schuldig. Ich finde ein Abend ist ein guter Abend, wenn die beiden Lager gleich stark sind, mein Ehrgeiz ist es, näher an die 50:50 ranzukommen. Ich will, dass die Zuschauer die ganze Zeit mental in Bewegung sind, bis sie die beiden Plädoyers gehört haben, und dass Ihnen dann die Entscheidung erst recht schwerfällt. Außerdem bin ich gespannt, wie die Männer im Publikum reagieren, wenn eine Frau so sachlich, direkt und unemotional spricht. Und ich freue mich auf die anstehenden Publikumsgespräche.

MM: Sie sind als Schauspielerin sehr breit aufgestellt. Sie spielen an der Josefstadt die Komödie, „Wie man Hasen jagt“, im Mitterer-Abend „Galápagos“ eine Pionierin und Bäuerin, jetzt „Terror“ … Ist das eine Qualität der Josefstadt, dass man so vielfältig arbeiten kann?

Knof: Die Josefstadt und die Kammerspiele haben tatsächlich eine große Bandbreite. Es gibt viele Uraufführungen, österreichische Autoren, Klassiker, Komödien und Musicals. Es ist tatsächlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich so unterschiedlich zeigen kann. Als Anfängerin ist man oft das „junge Mädl“, also: hoffen und bangen und weinen. Nun bin ich 15 Jahre im Beruf und die Rollen werden vielfältiger und interessanter. Ich bin da der Josefstadt und Herbert Föttinger sehr dankbar, dass man mir zutraut die Kampfpilotin zu sein. Ich liebe diese Abwechslung in der aktuellen Spielzeit. Wir sind ein tolles Ensemble, wir spielen alle sehr viele Vorstellungen miteinander, das ist ja auch Lebenszeit und die wird mir von Jahr zu Jahr teurer. Also abgesehen von „Terror“ welches ein interessantes Stück ist, bin ich dankbar, von sechs starken Frauen am Abend umgeben zu sein und dieses Stück mit ihnen durch die Spielzeit zu bringen. Als nächstes kommt Mitte März „In der Löwengrube“, das ist wieder eine ganz andere Thematik. Steffi Mohr macht wieder ein Felix Mitterer Stück, und wir führen unsere Zusammenarbeit nach „Galápagos“ fort. Ich spiele die „Diva der Josefstadt“, denn der Fall hat sich in der NS-Zeit ja tatsächlich hier ereignet. Das wird das Kontrastprogramm zur Kampfpilotin und zur Leontine in der „Hasenjagd“.

MM: Also wunschlos und glücklich?

Knof: Ich bin da einfach gestrickt. Ich hoffe, wir bleiben alle gesund, haben schöne Arbeit und das Publikum mag, was wir tun.

www.josefstadt.org

18. 11. 2017

Leopold Museum: Ferdinand Hodler

Oktober 9, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele

Ferdinand Hodler: Bildnis Valentine Godé-Darel, 1912. Bild: © Leopold Museum, Wien

Seit seinem durschlagenden Erfolg auf der Secessionsausstellung 1904 präsentiert das Leopold Museum ab 13. Oktober die bislang umfangreichste Retrospektive zu Ferdinand Hodler (1853–1918) in Österreich. Als Exponent von Symbolismus und Jugendstil, als Wegbereiter des Expressionismus und nicht zuletzt als Erneuerer der Monumentalmalerei, war Hodler wichtiger Impulsgeber für zahlreiche Künstler der Wiener Moderne wie Gustav Klimt und Koloman Moser, aber auch Oskar Kokoschka und Egon Schiele. Die Schau präsentiert die drei großen Themen Hodlers: Landschaften von Pleinairmalerei bis zur Abstraktion, Porträts mit Fokus auf Frauendarstellungen, Selbstbildnisse und die eindringliche Werkgruppe, welche das Sterben von Hodlers Geliebten Valentine Godé-Darel begleitet, sowie seine bedeutenden symbolistischen Figurenkompositionen.

www.leopoldmuseum.org

9. 10. 2017

Ferdinand Hodler: Fünf Schreitende. Studie zum Gemälde „Eurhythmie“, 1894. Bild: © Leopold Museum, Wien

Ferdinand Hodler: Die Begierde, um 1906. Bild: © Privatbesitz, Wien / Courtesy Kunsthandel Giese & Schweiger, Wien

TAG: Die Premieren der Saison 2017/18

September 7, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Macbeth, Jeanne d’Arc und Konrad Bayer

Gernot Plass und Ferdinand Urbach, die künstlerischen und kaufmännischen Leiter des Hauses, und ein lässig an der Wand lehnender Georg Schubert. Bild: © Georg Mayer

Als „leichte Bremsbewegung“ bezeichneten Gernot Plass und Ferdinand Urbach am Mittwoch Vormittag das Programm der Spielzeit 2017/18 im TAG. Der Anlass für derlei Formulierungen: Diese Saison sieht sich reduziert auf vier Premieren, davon drei Eigenproduktionen, allesamt Uraufführungen, und eine Koproduktion. Was für den künstlerischen und den kaufmännischen Leiter des Hauses aber schwerer wiegt:

Aus finanziellen Gründen gibt es auch eine Ensemblestelle weniger. Im Ensemble sind nun noch Jens Claßen, Raphael Nicholas und Georg Schubert. Lisa Schrammel kommt als vierte neu dazu. Urbach erklärt die Sparmaßnahmen mit der fehlenden Indexanpassung der Subventionen. Man stehe nach wie vor bei 770.000 Euro an Förderung, dies seit 2014, „was ergo eine Minderung bedeutet“. Was er bräuchte, um den Status Quo zu halten? „800.000 Euro“, sagt er.

Das TAG startet am 16. September mit der Premiere von Auf der Suche nach dem sechsten Sinn, einem Konrad-Bayer-Abend in Kooperation mit Pistoletta Productions. In Konrad Bayers letzten Roman „der sechste sinn“ steht der Kampf des Protagonisten mit der Realität und ihrer Sprache im Zentrum. Er wird dabei durch stets neue Höhen und Tiefen einer Liebesgeschichte getrieben, durch Alltagskatastrophen und Grenzerfahrungen, bis er aus der immer absurder und brüchiger werdenden Welt verschwindet. In diesem Werk kommt Bayers Misstrauen gegenüber der Eindeutigkeit von Sprache und Wirklichkeit zum Höhepunkt. Die Bühnenversion von Elisabeth Gabriel mischt nun Romanfragmente mit Bayers „konkreten Texten“, heißt: seiner Lyrik, und Chansons. Den Abend gestalten die Schauspielerin Johanna Orsini-Rosenberg und der Musiker und Maschinenkünstler Paul Skrepek. „Eine groteske, poetische und nachdenklich machende Angelegenheit“, so Plass.

(Ein)Käthchen.Traum: Nancy Mensah-Offei und Raphael Nicholas. Bild: © Anna Stöcher

Weisse Neger sagt man nicht: Nancy Mensah-Offei und Michaela Kaspar. Bild: © Anna Stöcher

Am 8. November folgt die Jeanne-d’Arc-Paraphrase Johanna. Eine Passion, Text und Regie von Christian Himmelbauer. Plass: „Es gibt über Jeanne d’Arc ein penibel geführtes Gerichtsprotokoll, in dem sie sich als eine Frau zeigt, die mit fester, klarer Stimme ihre Sache führt. Das ist etwas ganz anderes im Vergleich zu den unzähligen Interpretationen dieser Figur.“ Himmelbauer macht nun Johanna erneut den Prozess und stellt sie vor ihre Richter und Henker über die Jahrhunderte. Er konfrontiert sie mit seiner Textcollage mit diversen Deutungen ihrer Person und zeigt Versuche, diese Frauenfigur begreifbar zu machen. Sie selbst antwortet dabei auf alle Vorwürfe und Interpretationen mithilfe der Originalaussagen, die sie 1431 in ihrem Prozess in Rouen ihrem Tribunal entgegenhielt und die als Beleg ihrer Überzeugung, ihrer Intelligenz und ihrer eindrucksvollen Stärke erhalten sind.

Plass selbst wendet sich einmal mehr Shakespeare zu und inszeniert für den 3. Februar Macbeth. Reine Charaktersache. In seiner Überschreibung thematisiert er das Schicksal: Ob alles schon vorherbestimmt ist und rein gar nichts auf freien Entscheidungen des Menschen ruht – das Glück, die Freude, Aufstieg, Fall, Wahnsinn, Tod. Gibt es so etwas? Oder ist alles doch nur Zufall? Diesen Fragen spürt Gernot Plass nach und kleidet den shakespeareschen Handlungs- und Konfliktkern in ein zeitgemäßes Kostüm – sowohl auf sprachlicher wie auch auf inhaltlicher Ebene. Die modernsten Wesen werden bei ihm die drei Hexen sein. „Das sollte witzig werden“, hofft Plass.

Auf der Suche nach dem sechsten Sinn: Musiker und Maschinenkünstler Paul Skrepek und Schauspielerin Johanna Orsini-Rosenberg. Bild: © Judith Stehlik

Auch Margit Mezgolich kommt wieder ans Haus, ab 21. April mit Unterm Strich. Ein Jahrmarkt der Eitelkeit, sehr frei nach William M. Thackerays  großem Gesellschaftsroman über die Londoner High Society des 19. Jahrhunderts. Plass: „Im Wesentlichen geht es um eine Abrechnung beim Klassentreffen einer Schauspielschule.“

Margit Mezgolich nutzt dieses Setting, um in schnellen Szenenwechseln, Zeitsprüngen und überraschenden Wendungen die Biographien von fünf Menschen zu umreißen, die ihre Lebensmitte bereits überschritten haben und vor dem geschrumpften Rest ihrer Zukunft stehen. Gemeinsam erinnert sich der Abschlussjahrgang 1989 – „das Jahr des vorläufigen Endes des Kalten Krieges“, so Plass – an die Karriereträume am Theater und im Film. Umständlich-komisch erklärt man, warum man letztlich doch bei ganz anderen Berufen gelandet ist, präsentiert stolz Fotos der Nachkommenschaft und versucht sich von seiner Schokoladenseite zu präsentieren.

Wiederaufgenommen werden „Weiße Neger sagt man nicht“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24954), „(Ein) Käthchen.Traum“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24145), „Faust-Theater“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=13951) und „Nathan – Ein Ring ist ein Ring ist ein Ring“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23354). Zu den bewährten Impro-Formaten kommt neu Fake Off! dazu: Magda Leeb und Anita Zieher präsentieren ab 20. Oktober ihre ganz persönliche Wahrheit mit Endgültigkeitscharakter. Motto: Faken statt lügen. Zum Abschluss gab es von Ferdinand Urbach noch ein paar Zahlen: In der Saison 2016/17 lag die Auslastung bei 73 Prozent; Eigendeckung: 16 Prozent.

dastag.at

6. 9. 2017

Akademietheater: der herzerlfresser

Oktober 11, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Mehr fleisch, mehr rohes fleisch!

Peter Knaack als fußpflege irene, Irina Sulaver als fauna florentina, Sebastian Wendelin als pfeil herbert, Merlin Sandmeyer als gangsterer andi und Johann Adam Oest als acker rudi. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Peter Knaack als fußpflege irene, Irina Sulaver als fauna florentina, Sebastian Wendelin als pfeil herbert, Merlin Sandmeyer als gangsterer andi und Johann Adam Oest als acker rudi. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Da war er also wieder, ein Theaterabend, von dem man sicher sein kann, dass die Dramaturgensynapsen Cha-Cha-Cha tanzen, und man selber sitzt drinnen und denkt – was?, und ist sich in diesem Moment seiner intellektuellen Nackerpatzigkeit bewusst. Weil das Burgtheater und ein gehypter Jungautor und sein Leib-und-Magen-Regisseur können doch nicht irren, der Mühlheimer Dramatikerpreis lugt garantiert schon ums Eck und vielleicht auch ein Nestroy-Preis (allein schon, weil Burgtheater), aber bitte – was?

Am Akademietheater kam Ferdinand Schmalz‘ „der herzerlfresser“ zur österreichischen Erstaufführung, im quasi Untertitel hieß es „wiener roh(fleisch)fassung“ und genau das hätte man sich gewünscht. Mehr fleisch, mehr rohes fleisch. Doch es ist erstaunlich, wie blutleer eine Angelegenheit über Kannibalismus sein kann, über den okkulten Glauben daran, dass das Verzehren von Menschenteilen dem Täter einen Nutzen bringe, wenn selbst die von Schmalz versuchte Klammer Kannibalismus = Kapitalismus = Konsumsatanismus nichts zu umfassen vermag.

Als Fußnote kurz die zugrundeliegende Geschichte: 1786 wurde in der Steiermark der Knecht Paul Reiniger des mehrfachen Frauenmordes angeklagt. Der Spieler und Alkoholiker schnitt den Leichen seiner Opfer das Herz aus der Brust und aß es, in der Annahme, dies würde ihm nicht nur Glück mit den Karten, sondern à la longue auch die Unsichtbarkeit bringen. Wiewohl Kaiser Joseph II. die Todesstrafe abgeschafft hatte, ließ er Reiniger doch mit Stockhieben zu Tode foltern. 70 Jahre später gab’s ebenfalls in der Region um Kindberg einen Trittbrettfahrer, der nie gefasst wurde und erst auf dem Totenbett gestand.

Der Mörder und sein nächstes Opfer: Irina Sulaver und Sebastian Wendelin. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Der Mörder und sein nächstes Opfer: Irina Sulaver und Sebastian Wendelin. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Ermitteln undercover: Johann Adam Oest und Merlin Sandmeyer. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Ermitteln undercover: Johann Adam Oest und Merlin Sandmeyer. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Hier setzt der Grazer Schmalz an. In der Provinz wird ein „Einkaufszenter“ gebaut, ein Shoppingsumpf über einem tatsächlichen, und der gibt ausgeweidete Frauenkörper frei. Der Bürgermeister will vertuschen, weil schlechte Kunde, keine Kunden, ein Securitymann soll undercover den Schlächter finden. Eine fauna florentina bangt um ihre Natur, transgender-fußpflege irene hat die ihre grad gefunden, die eine liebt den Securitymann, die andere den Bürgermeister. Und dazwischen schleicht er schon herum, bis er sich in einem monströsen Monolog über die entsetzliche Gnadenlosigkeit der Liebe enttarnen darf.

Es gibt für Texte eine Höchstbelastungsgrenze an Metaphern, und diese hat Schmalz eindeutig überschritten. Statt sich auf den Abgrund der Liebe, auf dessen Doppelbödigkeit stets das Leid liegen muss, statt sich auf den Menschen als darob zerteiltes Ganzes zu konzentrieren, packt er rein, was geht, überfrachtet, verhirnt und ergo entsaftet, bis der Sumpf ob der vielen Nebenarme in Beliebigkeit versandet. Die Sprachspiele rund um die Begriffe Herz und Fuß und Kundschaft oder regional vs global gehen einem umso mehr als auf die Nerven, als abgefasst in einem PseudoHorváth- oder auch Werner-Schwab-Tonfall, nur dass sich hier nicht erschließt, wann und warum die Sprache bricht und von einer Diktion in eine andere gewechselt wird. Das Stück mäandert, trudelt zwischen selbst errichteten Klippen wie schiffbrüchig und kein Land nirgendwo.

Lässt sich einem wie Schmalz nun liebevoll nachsagen, er hätte ein Zuviel an Ideen nicht zu kanalisieren vermocht (und dabei auch keine Hilfe erhalten oder gesucht), so mangelt es Regisseur Alexander Wiegold definitiv an dieser Fülle. Er zeigt eineinhalb Stunden lang den immer gleichen Christbaumlamettawald in Dunkelblau und lässt die Darsteller darin gestelzt herumstacksen, als gelte es nur das im Höchstmaß Artifizielle als veritable Kunst auszuweisen. Die Inszenierung geht zum Zuschauerraum auf größtmögliche Distanz, kein Eingang ist in sie zu finden, und tatsächlich ist das Berührendste, Authentischste, Unverfälschteste ein Schäferhund, der zwei Mal über die Bühne laufen darf. Auch da erschließt sich allerdings nicht, warum er’s tut. Das Tempo ist larghissimo, der Witz im slow-burn-Modus.

Liebe bis zum Wahnsinn: Peter Knaack. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Liebe bis zum Hysterieanfal: Peter Knaack. Bild: Marcella Ruiz Cruz/Burgtheater

Zwei neue Ensemblemitglieder stellen sich mit dieser Aufführung vor, Irina Sulaver als fauna florentina und Merlin Sandmeyer als Securitymann gangsterer andi, und man freut sich schon darauf, die beiden in anderen Arbeiten zu sehen. Johann Adam Oest als Bürgermeister acker rudi ist ein Vollprofi, der über alle Untiefen souverän hinwegsteigt.

Peter Knaack hat als irene die – um’s Schmalz-ig zu sagen – Herzen des Publikums auf seiner Seite. Er versteht es, aus seiner abstrakten Figur eine(n) Leidensmannfrau zu machen und die durchgängige Monotonie immerhin mit einem peinlichen Hysterieanfall und einer hinreißenden Liebesszene zu unterbrechen. Sebastian Wendelin ist als pfeil herbert der rätselhafte Serienkiller, ein Geisteswesen, das zum umgehenden Gespenst wird, ebenso eine Art Gewissen ist, aber auch er kann mit seiner Performance die aufkommende Langeweile nicht wettmachen. „der herzerlfresser“, das sind 90 Minuten, die ohne jede Gültigkeit zur Ewigkeit werden, man verlässt das Theater und hat erfahren – was?

www.burgtheater.at

Wien, 11. 10. 2016

TAG: Die Pläne für die Saison 2016/17

September 1, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Zombies und zusammengenähte Tiermenschen

Die TAG-Chefs Gernot Plass und Ferdinand Urbach präsentierten den Spielplan der anlaufenden Saison 2016/17. Bild: © Irene Petzwinkler

Die TAG-Chefs Gernot Plass und Ferdinand Urbach präsentieren den Spielplan der anlaufenden Saison 2016/17. Bild: © Irene Petzwinkler

„Es ist ein Spielplan, gezeichnet von Horror und Entsetzen“, moderiert Gernot Plass die anlaufende Saison ein. „In drei Produktionen brennt ein Haus, einmal explodiert sie, es kommen Zombies, zusammengenähte Tiermenschen, rechtsradikale Familien und Engel vor.“ Gemeinsam mit seinem kaufmännischen Pendant Ferdinand Urbach präsentierte der künstlerische Leiter des TAG Donnerstag Vormittag seine Pläne für 2016/17.

Knapp vor dem Sommer wurden die Geschäftsführerverträge der beiden immerhin mündlich, wenn auch noch nicht schriftlich bis ins Jahr 2021 verlängert (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?p=19551), entsprechend gilt ihnen der Satz „Es hilft uns nur die gute Laune!“ nicht als Spielzeitmotto, sondern vielmehr als Credo. NEU: Ab sofort ist das TAG dank Treppenlift und einiger Umbauten barrierefrei!

Den bisher beschrittenen, höchst erfolgreichen, weil in Wien singulären Weg der Ur- und Erstaufführungen via Neuschreibung von Klassikern will man am Haus beibehalten. Man verstehe sich als Künstlertheater, so Plass, und als solches versuche man „die alte Berufsform des Theatermachers wieder zu beleben“, heißt: Autor und Regisseur seien nach Möglichkeit einer, der „vom weißen Blatt Papier bis zur Premiere den Abend entwickelt“. An Premieren gibt es fünf, allesamt Uraufführungen, in denen auch das neue Ensemblemitglied Nancy Mensah-Offei zu sehen sein wird. Die in Obuasi, in Ghana, geborene Schauspielerin „beobachtet“ Plass schon länger: „Jetzt ist sie endlich aus Linz zu uns gestoßen.“

Die Eröffnungspremiere „Nathan – Ein Ring ist ein Ring ist ein Ring“: Raphael Nicholas, Jens Claßen, Georg Schubert und Elisabeth Veit. Bild: © Judith Stehlik

Nathan – Ein Ring ist ein Ring ist ein Ring: Raphael Nicholas, Jens Claßen, Georg Schubert und Elisabeth Veit. Bild: © Judith Stehlik

Los geht’s am 8. Oktober mit Nathan – Ein Ring ist ein Ring ist ein Ring. Autor Thomas Richter und Regisseurin Dora Schneider haben den lessingschen Nathan überarbeitet und gerafft und ihn zu einem clownesk existenziellen Drama entwickelt. In diesem wird nicht nur die vom Schöpfer als naiv gedachte Recha zur revolutionären Rächerin, sondern angesichts von Religionskonflikten allüberall auch die Idee der Aufklärung, der Vernunftsgedanke und Saladins „Toleranzgefasel“ als gescheitert hinterfragt. Am Ende sitzen die drei Söhne der Ringparabel vor einer Unzahl industriell reproduzierter, identer Ringe und räsonieren ungläubig über Glaube, Irrglaube und Gewalt.

Dem Grauen in seiner vielfältigen Gestalt widmen sich die nächsten beiden Produktionen. Am 2. November hat Die Inseln des Dr. Moreau Premiere, eine Koproduktion mit The Practical Mystery, Text und Regie von Performerin und Filmemacherin Mara Mattuschka. Die Geschichte von H. G. Wells ist die eines Ich-Erzählers, der schiffbrüchig auf einer Insel gestrandet auf einen wahnsinnigen Wissenschaftler trifft, der mittels Vivisektion aus Tieren menschenähnliche Monster kreiert. „Hierzulande“, so Plass, „kennt man den Stoff in erster Linie durch seine zahlreichen Verfilmungen, also wird Mara Mattuschkas Version eine psychodelische Reise durch diese. In aberwitzigen Szenen treten Darsteller, Regisseure und Produzenten auf, von Marlon Brando bis Charles Laughton, der Geist von H. G. Wells und des Schriftstellers größter Fan Stalin – und natürlich Dr. Moreau, der versucht, seine Geschichte richtig zu stellen und vom Horror zu befreien.“

Apropos, es folgt am 3. Dezember Der Nachmittag der lebenden Toten frei nach George A. Romeros C-Movie. Thomas Desi, verantwortlich für Text und Regie, verwandelt dessen heute trashig-kultigen ersten Zombie-Film aus dem Jahr 1968 in das psychologische Kammerspiel einer kleinen Menschengruppe, die sich in einem zu niedrig gebauten Investitionsobjekt im 7. Bezirk verschanzt. „Mitten in Bobostan“, so Plass, „verfolgen sie nun ihre widerlichen kleinen Interessen und werden aufgefressen von ihrer eigenen Gier.“ Der TAG-Chef, für den die Begegnung mit dem Untoten offenbar neu, aber ein Riesenspaß ist, „Ich hab‘ den Film zum ersten Mal gesehen und mich halb tot gelacht“, verspricht „eine Farce mit fatalem Finale.“

Die Uraufführung am 22. Februar verantwortet schließlich er selbst, (Ein) Käthchen.Traum nach Kleists berühmter Heilbronnerin. Die Story der ersten Stalkerin der Literaturgeschichte hat ja was von: Was hat der Dramatiker geraucht und kann ich das auch haben?, dieses somnambule Märchen, in dem Cherubime walten, die Nebenbuhlerin ein Cyborg ist, und der deutsche Kaiser ex machina erscheint und ein Mägdelein emporhebt, das sich hinsichtlich der ihr zugeraunten Prophezeiungen von einer Traumhochzeit nicht und nicht beirren lässt … „Ich bin aber romantisch nicht so begabt“, gesteht Plass, ergo werde dieses Filetstück deutschen Rittertums bei ihm zum „nervenzerfetzenden Psychothriller mit Nahtoderfahrung“. Am 6. Mai beschließt Weiße Neger sagt man nicht den Uraufführungsreigen. Autorin und Regisseurin Esther Muschol, laut Plass „eine Spezialistin für das realistische Volksstück“, bearbeitet dazu Nestroys „Talisman“, nur ist die inkriminierte Farbe nun nicht mehr die der Haare, sondern die der Haut. Und auch die Geschlechter werden getauscht. Aus Titus Feuerfuchs wird eine Titania, aus Salome Pockerl ein Salomo.

TAGebuch Slam mit dem Motto "Stell dich deinen Jugendsünden!". Bild: © Anna Konrad

TAGebuch Slam: „Stell dich deinen Jugendsünden!“. Bild: © Anna Konrad

Außer den Eigenproduktionen kann man sich auf zwei Gastspiele freuen. Im März 2017 kommen Matthias Breitenbach und Leopold von Verschuer mit Eugen und Eugen, einem Zwillingsbrüderpaar, 1932 geboren, als Kinder getrennt und nun wieder vereint in einem TV-Studio, wo die beiden lebenslänglich Unfertigen anhand ihrer unterschiedlichen Biografien die Nachkriegszeiten von Berlin 1945 über Prag 1968 bis New York 2001 nacherzählen. Im Juni präsentiert das Grazer Theater im Bahnhof mit Wahr und gut und schön „eine Komödie rechts der Mitte“.

Ausgehend von Thomas Bernhards deutschem Mittagstisch entwickeln die Darsteller einen typisch österreichischen Familiensonntag, der nicht zuletzt, so Plass, „die unguten Seiten in uns allen“ aufzeigen wird. Natürlich gibt’s auch wieder jede Menge Impro-Theater, beginnend mit dem „5th International Impro Festival Vienna 2016“ am 15. September, die Reihe TAGebuch Slam, heuer unter dem Motto „Stell dich deinen Jugensünden!“ (weitere Infos: www.liebestagebuch.at), und das Musikformat Theater:Gig.

Zum Schluss nannte Ferdinand Urbach noch die wichtigsten Zahlen. In der vergangenen Saison lag die Auslastung des TAG bei 80,02 %, die Eigendeckung bei 19,3%. Bis inklusive 2017 werden sich die Subventionen seitens der Stadt Wien auf 770.000 Euro jährlich belaufen; der Bund gibt diese Saison für das Nathan-Projekt zusätzlich 8000 Euro. Allerdings: „Weiter wurde die Budgetierung des Hauses noch nicht angesprochen.“ Man müsse nun sehr aufmerksam verfolgen, was die Verantwortlichen punkto Kulturpolitik verlautbaren, denn: „Die Buschtrommeln verkünden derzeit ein Sparkonzept von minus fünf bis zehn Prozent für alle – von der freien Szene bis zum arrivierten Stadttheater.“

dastag.at

Wien, 1. 9. 2016